Traumschiff – Teil 35

Pläne, Fahrten, Feste, Love und Love und mehr
Jerome
Bääh, der Wecker. Dieses Mistding meldet sich immer viel zu früh. Freitag und Sergej muss arbeiten, Kevin auch und Wölfchen muss zur Uni. Auch ich habe heute Morgen noch volles Unterrichtsprogramm.

Zweite Fremdsprache, französisch und das hat diesmal nichts mit „Blasen“ zu tun, sondern mit Vokabeln. Danach kommt Deutsch und auch Kunst und Geschichte stehen auf dem Plan.
Nach dem Mittagessen werden dann von Martin und mir die beiden Autos, der SUV und der Kombi gepackt. Sergej fährt mit dem „kleinen“ Skoda nach Bremen und kommt gegen halb drei mit Kevin und Wölfchen zurück.
Die zwei haben gestern Abend gepoppt, Sergej kam aus ihrem Zimmer zurück und war total geil. Er hat wohl spannermäßig an der Badtür gelauscht und kam dann rattenscharf und wir sind in der Wanne gelandet, erst baden und dann habe ich uns die Seele aus dem Leib gevögelt. Es war galaktisch, hat Sergej gesagt. Ich bin mal gespannt, was sein Po heute Morgen macht, viel Vorbereitung wollte er ja nicht, so geil wie der war.
Ich beuge mich über ihn und fange an ihn wach zu küssen. Gleichzeitig kraule ich über seinen Bauch bis in die gestutzte Haarpracht über seinem Schwanz. Erst grummelt er ein bisschen, dann erwidert er meine Küsse und dreht sich auf den Rücken, damit ich ihn noch besser kraulen kann. Natürlich wächst der Spargel und er schaut mich lieb an und fragt: „Gehst du mit mir zum Duschen, Hasi?“ „Hasi? Ich bin kein Hasi, ich habe keine Nagezähne und auch keinen Stummelschwanz“, sag ich lachend, „und auch keine Löffelohren. Komm hoch, trag mich unter die Dusche, ich will an deiner Möhre knabbern.“ „Also doch Hasi“, sagt er lachend und wälzt sich über mich auf meine Seite, steht auf und nimmt mich auf den Arm, etwas, was ich so gern habe, von ihm getragen zu werden, von meinem starken Held, von ihm, den ich so liebe und begehre und der mich wieder und wieder so glücklich macht, mein Sergej. Sein Po scheint OK zu sein denn als ich jetzt mit den Finger fühle, lacht er und sagt: „Alles OK am Nordpol, bis heute Abend ist alles wieder klar dahinten.“
Manchmal kommt mir alles so unwirklich vor, die Entwicklung in den letzten Monaten, nach dem ich aus der Reha kam. Es ist dann eigentlich alles perfekt gelaufen, fast wie im Märchen. Das Coming Out im Frust, Mamas und Papas Reaktion, das Kennen lernen in der Cafeteria, die aufkeimenden Gefühle, sein Unfall und unsere erste Nacht bei uns, seine Familie und sein Schwul sein, alles lief immer gut, Die Kameraaktion und Kevin, mein Martin, Oma und Frieda, kein Stress wegen unserer Liebe, neue fantastische Freunde. Eine Hand an meinem Penis ruft mich aus meinen Träumereien zurück in die „harte“ Wirklichkeit, und ein Blick zu ihm, der mich auf den Sitz unter der Dusche gesetzt hat und nun vor mir steht, zeigt mir die volle Härte dieses frühen Morgens. Es ist Zeit, um den Mund voll zu nehmen und nachdem ich die schützende Haut weg geschoben habe, kümmert sich mein Mund um seine rote, sehr empfindliche Speerspitze. Meine Zunge flattert gekonnt über die ach so empfindsame Unterseite und erstes lautes Schnaufen zeigt mir, das das gut ankommt. Mittlerweile weiß ich, was ihm besonders gut abgeht. Die Hände auf meinen Schultern beginnen, mich leicht zu kneten, während meine Hände, eine am Schaft und eine unten an den Glocken, die Liebkosungen meines Mundes tatkräftig, aber trotzdem zärtlich unterstützen. Es ist, wie meistens in der Frühe, schnell vorbei und als der erste Spritzer meine Zunge trifft, lass ich ihn aus und der Segen trifft mein Gesicht. Mit geschlossenen Augen, warte ich die letzten Zuckungen ab und lecke noch einmal über die langsam abschwellende Rute.
Es ist immer wieder fantastisch, so ein Teil wachsen zu sehen, sich aufrichtend und die Eichelspitze durch die Vorhaut ins Freie schiebend, aber auch, wenn er nach dem Finale langsam in seine ursprüngliche und in Gedanken von mir Pinkelform genannte Größe zurück schrumpft. So ein Phallus ist schon genial, finde ich, ein Wunder der Natur und das Gefühl erst, wenn es knallt, Wahnsinn
Jetzt geht er in die Knie und Hände und Mund ergreifen Besitz von meinem, fast schmerzhaft steifen Schwanz und bringen mich gekonnt zum Stöhnen. Aufgeheizt durch seinen Schwanz in meinem Mund kann ich das Ergebnis seiner Bemühungen auch nicht lange herauszögern und es kommt mir heftig und seine Brust bekommt den Spermaregen ab, Die nachfolgende Reinigungsprozedur, die mit dem Zähne putzen endet, dauert nicht allzu lang und er trägt mich zurück auf das Bett und legt mich nackt dort ab.
Max und Moritz stehen wie immer in Reichweite neben dem Bett und ich kralle mir einen nach dem anderen und zieh sie an. Jetzt ab in den Kleiderschrank, bequeme Unterwäsche an und einen Trainingsanzug, zum Frühstücken und für den Unterricht ist das OK. Nach dem Frühstück packe ich meine und Sergejs Tasche, der eine Teil seiner Sachen, die er mit nehmen will, schon zurecht gelegt hat, Den Rest werde ich dann dazu packen, das krieg ich hin. Es sind ja eh nur knapp zwei Tage, da braucht man ja keinen Kleiderschrank voll mit zu nehmen.
Sergej ist fertig und wir gehen nach unten, er klopft noch bei unseren beiden „kleinen“ Brüdern an, die auch prompt herauskommen und mit runter zum Frühstück gehen. Heute fahren sie ja im Auto nach Bremen und müssen nicht punktgenau am Bahnhof sein.
Der Backofen ist dank einer Vorprogrammierung heiß und schnell schiebe ich für jeden drei Brötchen in den Ofen. Sergej hat begonnen, für jeden Kaffee zu machen und Kevin holt die Sachen aus dem Kühlschrank, die wir zum Frühstück brauchen. Das hat sich mittlerweile eingespielt, wenn die zwei Frühschicht haben, was wohl in den letzten drei Monaten von Sergejs Ausbildung die Regel sein wird.
Kevin isst morgens gerne Leberwurst auf seinem Brötchen, während Sergej und Wolfi lieber Nutella auf die ofenwarmen Brötchen streichen. Ich für meinen Geschmack nehme Marmelade und dazu etwas Quark auf das Brötchen. So hat halt jeder seine Vorlieben, aber Körner und d Flocken, Müsli und Co haben in dieser Runde keine Chance und Milch kommt nur in den Kaffee, von dem es immer reichlich sein muss, bei allen am Tisch.
Mit je einem Brötchen für die Pause machen sich die drei auf den Weg nach Bremen und nach dem ich noch an der Haustüre gewunken habe, geh ich zurück in die Küche, um in Ruhe noch einen Kaffee zu trinken.
Es dauert nicht lange, da kommt Mama in die Küche, im Morgenmantel und noch nicht frisiert. Sie sieht trotzdem nicht aus, als würde sie am Montag schon vierzig Jahre alt und ich bin stolz auf diese Mama, wie nur ein Junge stolz sein kann. Ich steh auf und nehme sie in den Arm, etwas, das ich schon viel zu lange nicht mehr gemacht habe. Ohne Worte verseht sie mich und sie genießt diese wieder gewonnene Wärme, die nach meinem Unfall Grad um Grad abgekühlt ist, von meiner Seite aus. Zu groß war die Verbitterung, der Seelenschmerz und erst in den letzten Wochen steigt die Temperatur wieder stetig an, ist meine Liebe zu ihr neu entbrannt. Sie hat immer an mich geglaubt und gehofft und als Sergej in mein Leben kam, wusste sie, dass ich es geschafft habe, wieder der Jerome zu werden, der ich vorher war. Sie liebt Sergej dafür, dass er mich zurück gebracht hat in den Schoss der Familie, zurück ins Leben und sie will immer nur, dass wir glücklich sind und das wir glücklich sind das spürt sie gerade. Natascha kommt und der Zauber des Moments verflüchtigt sich. Nach dem ich Mama auf die Stirn geküsst habe, lasse ich sie los und ihr Gesicht strahlt Zufriedenheit aus und Liebe.
Ich mache ihr einen Kaffee und auch Natascha bekommt einen, so wie jeden Morgen. Remmers sind alle Kaffeetrinker, nur Oma und Frieda trinken lieber Tee oder….na was wohl… richtig, Cremant.
Papa kommt, wie immer im Anzug, heute grau mit hellen Streifen, und auch er bekommt einen Kaffee. Ich habe noch ein paar Brötchen in den Ofen geschoben, bis die gut sind, wird halt erst mal Kaffee getrunken und der Tagesablauf im Einzelnen kurz angesprochen.
Im Mittelpunkt steht unser Ausflug nach Bad Schwartau und Papa sagt noch einmal, dass mit dem Hotel alles geregelt ist und wir uns nicht um irgendwas kümmern müssen. Das ist toll und ich bedanke mich bei ihm noch einmal für seine Unterstützung. „Kein Problem“, sagt er, „Mama und ich wollen einfach, dass es euch gut geht und dass ihr glücklich seid. Bis jetzt ist uns das auch, glaube ich, ganz gut gelungen und was eure Zukunft angeht, das solltet ihr wissen, stehen Euch alle Wege offen.“
Die Brötchen sind fertig und ich hole sie aus dem Backofen und stell das Körbchen auf den Tisch. Mama wird eins für Papa schmieren, das macht sie immer, mit Marmelade und Quark, so wie ich es auch mag. Das habe ich wohl von Papa und Oma meint ja immer, ich wäre so, wie Papa früher gewesen ist und ich wäre ein Remmers durch und durch, was immer das auch heißen soll.
Papa steht auf, nachdem er fertig ist und nimmt seine Aktentasche. Die ist aus dunkelbraunem Rindsleder gemacht und hat Opa schon gehört. Sie ist ziemlich groß für eine Aktentasche, hat viele Fächer und Papas McBook hat gut Platz darin. Das Ding sieht immer noch edel aus und Martin pflegt sie einmal im Monat mit einem teuren Lederfett. Irgendwann wird sie mal mir gehören, denk ich, aber das soll mal noch einige Jährchen dauern, hoffe ich. Papa hat ja sehr früh die Geschäfte übernommen, weil Opa gestorben ist, als ich drei Jahre alt war. Ich hoffe, dass ich mal ein so guter Chef werde, wie Papa einer ist.
Bevor er geht, legt er mir seine Hand auf die Schulter und sagt: „Passt gut auf euch auf, grüßt den Torsten von uns und kommt am Sonntag nicht zu spät zurück. Sag Ole, das heute das Vorstellungsgespräch stattfindet von diesem Dr. Morbach und das ich wohl da dabei sein werde. Wenn ihr los fahrt, bin ich vielleicht noch nicht zu Hause.“ Er beugt sich zu mir runter und gibt mir einen Schmatzer auf die Wange.“Tschüss, min Jung“, sagt er auf Platt und dann gibt er Mama und Natascha auch noch einen Kuss. Mama begleitet ihn noch bis zur Haustüre, Kai wartet schon draußen mit dem Achter und dann fahren sie los. Vor Sonntag, werden wir uns wohl nicht wiedersehen.
Sergej
Der letzte Tag im Service ist angebrochen. Nach einem befriedigenden Start in den Tag und einem guten Frühstück werde ich vom Serviceleiter persönlich begrüßt. Er würdigt meine Arbeit in seinem Bereich und gibt mir das fertig unterschriebene Berichtsheft zurück, das ich ab Montag immer im Büro zur Kontrolle und zum Unterschreiben vor legen muss. Ich melde mich bei ihm ab und geh zu Herrn Meinle in den Küchenbereich. Der hat mir einen Korb mit guten Sachen für Martins Geburtstag her gerichtet und zeigt mir jetzt sein Werk.
In einem geflochtenen Weidenkorb sind verschiedene Delikatessen zu einem sehr ansprechenden Ensemble angeordnet.
Da Martin und auch Kai gern und gut zusammen kochen, ist die Auswahl darauf ausgerichtet. Teure und ausgefallene Öle, Exzellente Pasta, erlesene Fischkonserven, Fonds und teure Gewürze und ein exzellentes Kochbuch mit mediterranen Gerichten sind, mit getrockneten , verschieden farbigen Peperoni, Zitrusfrüchten und zwei Flaschen Barolo vom Feinsten zu einem fantastischen Geschenkkorb zusammen gestellt und in Cellofan verpackt worden. Der Preis ist auf Grund der Einkaufsmöglichkeiten von Herrn Meinle in einem vertretbaren Rahmen geblieben und Jerome hat bereits angedeutet, wenn das Geld, das wir alle zusammen gelegt haben, nicht reichen sollte, er für den Restbetrag gerade steht.
Ich bedanke mich, bin begeistert und zahle den geforderten Betrag und bitte ihn, den Korb bis zum Ende meiner Schicht in seinem Büro ab zu stellen. Ich mache ein Bild vom Korb und schicke es an Jerome, Kevin und auch an Ole und Wolfi. Frank und auch Armin und Denise bekommen ebenfalls eine MMS. Von allen kommen nur zustimmende Kommentare zu unserm Gemeinschaftsgeschenk für Martin, der uns allen auch schon zu einem väterlichen Freund geworden ist, zusammen mit seinem Kai.
Ich gehe zurück zum Restaurantbereich, in dem nur einige Gäste bei Frühstück sitzen, die von einer Kollegin bedient und versorgt werden. Ich suche die Bar auf und weil auch hier nichts los ist, nehme ich ein Tuch und beginne damit, die Gläser zu kontrollieren und bei Bedarf nach zu polieren, so dass nach etwa einer Stunde alles wieder fleckenlos auf den angestammten Plätzen steht.
Jetzt geh ich zurück ins Restaurant und helfe meiner Kollegin beim Eindecken der Mittagstische, für die Hotelgäste, die sich für heute Mittag zum Essen angemeldet haben. So geht wenigstens die Zeit rum, schneller, als wenn man sich irgendwo rum drückt und nichts tut.
Ole
Gleich, nachdem wir heute Morgen aufgestanden sind, haben wir schnell noch die Sachen fertig gepackt, Frank und ich. Nachdem er zum Bus ist, habe ich noch Zeit und sitze bei Mutsch in der Küche. Sie hat gestern noch einen Schwarzwälder gebacken und in einer von Frau Gut ausgeliehenen speziellen Kühlbox werden wir den Kuchen heute Nachmittag mitnehmen, auch wenn einer für uns alle nicht ausreicht, so sollen doch Martin und auch Torsten auf jeden Fall ein Stück bekommen.
Onkel Jo will mit Mutsch, die ja am Wochenende allein ist, am Samstag was unternehmen. Er holt Mutsch ab und geht mit ihr Essen und dann wohl ins Theater, wenn ich das richtig mit bekommen habe. Da hat sie auch mal ein bisschen Abwechslung. Seit Papa tot ist, gönnt sie sich selten mal was für sich. Jeromes Oma und Frieda haben Mutsch eingeladen, die Schiffstour nach Dresden mit zu machen und da wir ja auch schon von Jerome für den Tripp eingeplant sind, würde das ja gut passen. Bis dahin ist es aber noch etwas hin und jetzt steht erst mal unser Furzknoten auf dem Plan und der Geburtstag von Martin, den wir ja heute Abend feiern wollen.
Das Kuvert von Herrn Remmers für den Hotelchef, habe ich in meine Schultertasche gepackt, damit ich das auf keinen Fall vergesse. Ich bin gespannt, was sich Carl August für heute Abend so alles ausgedacht hat. Heute fahren wir nicht auf die Baustelle und ich werde mit dem Fahrrad, ein neues übrigens, von der Versicherung der Unfallfahrerin, in die Schule fahren, schön vorsichtig, versteht sich, vor allem bei parkenden Autos.
Die Verhandlung wegen dem Unfall wird wohl erst Anfang September sein und der Dr. Morbach hat an Hand einer Versicherungstabelle ausgerechnet, dass ich etwa elftausend Euro Schmerzensgeld bekommen kann, wenn es gut läuft.
Krankenhaustagegeld habe ich von meiner Versicherung bekommen, für jeden Tag fünfzig Euro. Das ist jetzt auf meinem Führerscheinkonto, das ich aber wohl nicht brauchen werde, weil die Remmers den ja bezahlen wollen. Angemeldet bin ich ja schon und bald geht es los mit der Fahrschule. Martin will mit mir auf dem Firmenhof der WG ein bisschen üben, hat er versprochen, zumindest das Anfahren will ich schon beherrschen, wenn es los geht mit der Fahrschule.
Ich sag Mutsch tschüss und mach mich auf den Weg.
Auf dem Schulhof angekommen, versorge ich meinen Drahtesel und sehe mich dann nach meinen Klassenkameraden um. Ich entdecke Mike und Dirk mit Armin und Denise und geh hinüber zu ihnen. „Heute keinen Fahrer, Ole?“, fragt Armin und schmunzelt. „Nee, heute mal wieder Selbstfahrer mit neuem Fahrrad“, sag ich.
Zu Mike gewandt frag ich, ob er Paul schon gesehen hat heute Morgen. „Der ist mit Victor schon rein gegangen“, sagt der, „er sah ganz gut aus heute Morgen und hat mir gewunken.“ Das beruhigt mich und ich erzähle jetzt den anderen von meinem Gespräch mit Paul und das wir gemeinsam versuchen müssen, ihm zu helfen. Alle sind sofort meiner Meinung und Denise will mit Ihrem Vater sprechen, der ist nämlich auf dem Jugendamt hier in Bremerhaven beschäftigt und kann bestimmt was sagen zu der Situation und vielleicht Paul auch helfen.
Es klingelt und so machen wir uns auf den Weg in die Klassen. Bei uns ist nochmal der Abiball und das ganze drum herum Thema und die Abschlussfahrt ist ja auch schon übernächste Woche. Als wir in die Klasse kommen, sitzt Paul neben Victor und die zwei unterhalten sich . Paul hebt kurz die Hand zum Gruß und ich grüße auf dieselbe Art zurück. Er sieht ziemlich entspannt aus, also dürfte bei ihm zu Hause alles gut gegangen sein. In der Pause werde ich mit ihm reden.
Offensichtlich war sein Outing uns gegenüber ein wichtiger Schritt für ihn und das Wissen, nun nicht mehr allein zu sein, vielleicht sogar neue Freunde zu gewinnen, die so sind, wie er nie sein wollte und durfte, die Chance auf Hilfe, auf Veränderung, auf Zukunft ohne Angst, das alles gibt ihm die Hoffnung, die er braucht, um durchzuhalten. Hoffentlich lässt Victor ihn nicht fallen als Freund, das wäre eine große Enttäuschung für Paul.
Unsere Geschichtslehrerin erscheint, fordert uns auf, einen Raum auf zu suchen in dem ein Beamer steht, dort sollen wir zwei Filme schauen über den Nationalsozialismus von Neunzehnhundertdreißig bis fünfundvierzig und über Neonazis heute. Nicht gerade der Burner, diese Filme so kurz vor dem Ende der Schule, aber auch nicht ohne Sinn in einer Gesellschaft, die immer noch zum Teil Ausländer, Schwule und Andersdenkende abwertend, ja teilweise sogar gewalttätig behandelt, fünfundsechzig Jahre nach dem Zusammenbruch Hitlerdeutschlands.
Ein leises Stöhnen geht durch die Klasse, aber ihre Miene zeigt deutlich, dass kein Weg an der Vorstellung vorüber geht und so fügen wir uns murrend in das Schicksal.
Frank
Gestern, als ich meine Schicht angetreten habe, hat mich Dr. Morbach gefragt, ob irgendwer in meinem Umfeld, Jerome oder Sergej, etwas über die Bewerbung gesagt hat. Da ich da nichts mit bekommen habe, verneine ich, frag aber, ob er Bescheid bekommen hat.
Er erzählt aufgeregt, dass er heute Nachmittag zu einem Gespräch in die Reederei einbestellt worden ist. Er hat sich wohl gewundert, dass es Freitag Nachmittags stattfindet und hat gleich vermutet, das vor ihm noch andere Bewerber an der Reihe sein werden. Da kann ich zwar so nicht nachvollziehen, aber möglich ist es ja.
Heute ist er nun total nervös, fragt mich, was er anziehen soll, ob er Onkel Jo anrufen soll und auch, ob ich nicht Sergej oder Jerome mal anrufen und fragen kann, ob noch weitere Bewerber bekannt sind.
Ich rede beruhigend auf ihn ein, sag ihm, er soll einfach alles auf sich zukommen lassen und einfach er selbst sein. „Sei freundlich, kompetent bist du so wie so und wenn du nach Gründen gefragt wirst, sei ehrlich“, sag ich, „wenn Herr Remmers dabei ist, kriegst du den Job bestimmt.“
„Warum muss alles immer so kompliziert sein“, stöhnt er auf, „warum war ich damals so Karriere geil anstatt einfach mein Glück beim Schopf zu packen? Wie viel Jahre hab ich verschenkt, wie viel Enttäuschung habe ich ihm bereitet, der mir seine Liebe geschenkt hat. Ich war so ein Idiot, so egoistisch, habe diese Entscheidung getroffen, ohne mit Johannes zu reden, hab alles verstaatlich hoffe, dass er mir verzeiht, aber dazu muss ich diese Stelle haben, ihm nah sein.“
„Das wird schon, sei mal optimistisch und lass dich nicht so hängen, vor allem, geh heute nicht mehr in den OP, das ist zu gefährlich, für die Patienten, meine ich“, sag ich grinsend, aber durch aua ernst gemeint zu ihm und geh endlich an meine Arbeit. Mit einem Patienten im Bett muss ich runter zum CT, also schiebe ich Bett und Patient in den Aufzug und fahre runter in die Röntgenabteilung.
Ich hoffe, das Ole und ich nie in eine solche Situation hinein geraten, wie Morbach und Jo. Ich würde mich immer für ihn, für Ole entscheiden. Seine Zukunft, denke ich mir, ist nach dem Jurastudium für immer mit dem Hause Remmers und Jerome verbunden. Damit kann ich gut leben, vielleicht ist ja in diesem Imperium auch ein interessanter Job für mich drin, Hauptsache, mein Schatz und ich können auf Dauer zusammen bleiben.
Das Schicksal geht doch manch mal seltsame Wege, wenn ich darüber nachdenke, wie sich das alles so entwickelt hat, zwischen Ole und mir,. Wie durch Freundschaft mit Sergej die anderen Freunde, Jerome, Armin, Kevin und Kai, nicht zu vergessen der kleine Stinker in Bad Schwartau, in unsere Leben getreten sind, wie alles entstanden und dann zusammen gewachsen ist in so kurzer Zeit, das ist schon ungewöhnlich, denk ich.
Die Beziehung zu Ole macht mich glücklich, hat Paul, meine Ex, aus Hirn und Herz restlos verdrängt. Meine Gedanken, mein Verlangen, meine ganze Liebe gehören Ole und er liebt mich auch, das weiß ich. Ich freue mich auf die Zukunft mit ihm, auf das Studium und die WG, mit ihm und mit den Anderen. Meine Eltern mögen Ole sehr und seine Familie mag mich, was brauchen wir mehr zu unserem gemeinsamen Glück
Der Patient ist fertig und mit dem Bild des CT fahre ich ihn wieder hoch auf Station und bringe ihn wieder auf sein Zimmer. Das Bild gebe ich im Stationszimmer ab. Mit Hugo geh ich jetzt Frühstück aus teilen.
Lis
Der Moment vorhin beim Frühstück mit Jerome, das war Balsam für meine Seele. Er hat mir sehr deutlich gemacht, dass ich mein großes Kind wieder habe, glücklich, zufrieden und wieder lebensfroh. Das zu spüren, war für mich so wohltuend, so beglückend, als wäre er von einer langen und schweren Krankheit genesen. Das es so gekommen ist, ist zum großen Teil Sergej geschuldet, der mit seiner Art und seiner Liebe meinen Großen verzaubert hat. Gut, Carl August und ich wir haben auch dazu beigetragen, dadurch, dass wir die Liebe und die Freundschaft von Beginn an gefördert und akzeptiert haben mit allem was dazu gehört. Eltern, die ihre Kinder nicht verstehen wollen, wenn diese ihnen unter Angst und wie auch immer erzählen, das sie halt schwul sind und gleichgeschlechtlich lieben, diese Eltern reduzieren sich selbst auf den Status eines Erzeugers. Eltern, die ihre Kinder lieben, halten immer zu ihnen, stehen ihnen bei und akzeptieren auch in der Regel die Partner der Kinder, wenn diese glücklich sind.
Selber aufgewachsen in einem Umfeld, in den in erster Linie Etikette und Ruf wichtig waren, wo früher und manchmal auch heute noch Verbindungen von den Eltern beschlossen und durchgesetzt werden, wurde ich frühzeitig in ein teures Internat gesteckt, weil ich nicht bereit war, mich diesen ständigen Zwängen zu beugen und mein Leben von anderen verplanen zu lassen.
Das, was mir meinen Freiheitsdrang rauben sollte, das Internat, konnte mich nicht verändern. Mit Eifer lernte ich, hatte gute Noten und das Glück, mit einer Unternehmerstochter, die nicht adelig war und vom Wesen her so wie ich, ein Zimmer und auch vieles andere zu teilen. Wenn es besonders schwer war, dann teilten wir auch manchmal das Bett und es kam auch vor, das wir dabei Zärtlichkeiten austauschten, die über das normale Maß einer engen Freundschaft hinaus gingen, uns beiden aber gut taten und uns halfen, das anstrengende Leben zu ertragen.
Die Freundschaft war so innig, das wir versuchten, auch Teile der Ferien mit einander zu verbringen und im letzten Jahr in den Osterferien lernte ich bei ihr auf einem Familienfest Carl August kennen und es hat, bei beiden wohl, direkt fürchterlich gefunkt.
Ich war neunzehn, er war dreiundzwanzig und wir verliebten uns sehr heftig ineinander. Iris, meine Freundin, fand das toll und so romantisch und unterstützte uns von Anfang an sehr. Ich hatte mich für ein Sprachenstudium entschieden und es gelang mir mit der Hilfe von Iris, einen Platz an der Uni in Bremen zu bekommen, aber nur, weil ich in dem Hause ihrer Eltern wohnen durfte. Einer WG oder ähnlichem hätte meine Familie nie zugestimmt und Iris Mutter hat das damals mit meiner Familie, die in Berlin wohnte, geregelt.
Nun war ich also in der Nähe des Mannes, dessen Liebe zu mir und auch meine Liebe zu ihm immer größer wurde und schon bald waren wir uns sicher, den Partner fürs Leben gefunden zu haben. Wir sahen uns zunächst nicht täglich, aber immer öfter und Iris hat uns jede Unterstützung zukommen lassen. Meine Familie war ahnungslos und ich besuchte sie auch nur, wenn es sich nicht umgehen ließ. Carl August stellte mich dann, als uns klar war, das wir zusammen bleiben wollen für immer, seiner Familie vor und zum ersten Mal erlebte ich, was Familie sein konnte. Er war zwar der einzige Sohn, aber seine Eltern und die Schwester seiner Mutter lebten den Status Familie für meine Begriffe optimal, hier wurde miteinander geredet, sich miteinander gefreut, gelacht. Hier herrschten keine Zwänge, sondern Einvernehmen und die Herzlichkeit, die sie mir entgegen brachten, war so wohltuend für mich und machte meinen Bund mit Carl August noch fester.
Bei meinem nächsten Besuch zu Hause musste ich dann mit meinen Eltern ein Fest bei einer verwandten, ebenfalls adeligen Familie besuchen und bekam beim Essen einen etwas dicklichen, jungen Mann in meinem Alter zur Seite gesetzt auf dessen Tischkarte Bodo, Graf von und zu Rathenow stand, und der mir bei Tisch eine steife, gestelzte Konversation aufzwang Es dauerte bis zum Dessert, bis mir schlagartig klar war, was hier unter den kontrollierten Blicken meiner Mutter gerade eingefädelt werden sollte. Neben mir saß der von meinen Eltern ausgekuckte Schwiegersohn in Lauerstellung und glänzte durch standesgemäßes Gelaber, um sich letztendlich das schöne Dummerchen unter den Nagel zu reißen grad so, wie man ein Paket Kruppsche Aktien kauft.
Mein erster Gedanke war: „Nicht mit mir“. Nach dem Essen suchte ich meine Mutter auf, die Champagner schlürfend bei der Mutter meines elterlicherseits ausgesuchten Verehrers stand.
Ich nahm sie zur Seite, sagte ihr, dass ich plötzlich meine Tage bekommen habe und dringend nach Hause muss, um mich frisch zu machen. Da sie ja wohl nichts dagegen tun konnte, wurde ein Taxi bestellt und ich fuhr nach Hause. Von dort rief ich Carl August an und schilderte die Lage, in der ich mich befand. Remmers hatten Verwandte in Berlin und Carl August gab mir eine Adresse und sagte, ich solle mit den Sachen, die ich bräuchte, dorthin fahren mit dem Taxi. Er selbst wollte mit Martin, dem von seinem Vater eingestellten Fahrer sofort nach Berlin fahren und mich abholen kommen.
Ich packte alles was ich brauchte und schrieb meinen Eltern einen Brief, in dem ich erklärte, meinen Partner fürs Leben längst gefunden zu haben und das wir sobald wie möglich heiraten werden. Das wäre auch nicht verhandelbar, ihre Gängelung habe bei mir nicht funktioniert und für mein Glück müsse ich selber sorgen. Ich schrieb noch, das es mir leid tut, das wir in Sachen meines Lebensglücks nicht einer Meinung sind und da ich volljährig bin, die Entscheidungen, mein Leben betreffend, in Zukunft ausschließlich mit Carl August zusammen treffe und ihr Mitspracherecht nicht mehr gültig ist.
Wohlweislich bewusst, das es zu einer totalen Eiszeit und dem Ende aller möglichen Unterstützungen kommen wird, entnahm ich dem Familienstammbuch eine Geburts- und eine Abstammungsurkunde, Dinge, die man zur problemlosen Eheschließung benötigt und fuhr mit dem Taxi zu der von Carl August angegebenen Adresse, um dort auf ihn zu warten.
Als ich dort ankam und klingelte, am Tor eines villenähnlichen Anwesens, wurde mir sofort geöffnet, so als hätte man auf mich gewartet. Geöffnet wurde auch die Haustüre von einer jungen Dame, einer Angestellten, die mir die Tasche abnahm und mich dann ins Wohnzimmer begleitete, wo ein Ehepaar im Alter so um die fünfundvierzig, auf mich zu warten schien. Das war der Moment, in dem ich Frieda, Omas Schwester, zum ersten Mal begegnet bin. Beide stellten sich mir vor, Frieda als Schwester von Carl Augusts Mutter und ihr Mann, Helmfried Rosenthal, die hier in Berlin wohnten, kinderlos ,und ein Unternehmen in der Elektrobranche hatten mit etwa neunhundert Mitarbeitern. Beide begrüßten mich sehr herzlich, freuten sich, die zukünftige Frau ihres geliebten Neffen Carl August kennen zu lernen, das hat dieser so am Telefon gesagt, erzählt Frieda und erzeugt ein glückliches Lächeln auf meinem Gesicht.
Helmfried setzte dann noch einen drauf und sagte: „Das Carl August einen guten Geschmack hat, weiß ich, aber hier hat er sich wohl selber übertroffen, eine solche schöne junge Dame haben wir nicht erwartet.“ Ich bin dann rot geworden und Frieda hat nur gesagt: „Männer“, aber der Ton war köstlich. Ich musste mich setzen und man bot mir ein Glas Rotwein an, aber auch Alternativen wie Wasser oder Bier. Ich entschied mich für den Rotwein und dann stießen wir an. Das war das erste Mal, das ich mit Frieda angestoßen habe und der Beginn einer Freundschaft und auch einer Liebe, wie man eine gute Tante liebt und wir haben und werden auch hoffentlich noch oft mit einander anstoßen.
Der Rest ist schnell erzählt, Man schrieb mir, an die Adresse von Iris, einen Brief mit der ultimativen Aufforderung, unverzüglich nach Hause zu kommen und kündigte für den Fall des Nichtkommens eine Trennung von der undankbaren Tochter an, deren Verhalten sich sehr negativ auf die Familienehre auswirke.
Der Brief nach Berlin enthielt meine Abrechnung mit ihren Vorstellungen vom Leben, mit ihrem Umgang mit ihren Kindern, dem Verschachern ohne Rücksicht auf persönliche Bedürfnisse, ihre lieblosen und unpersönlichen Erziehung, ihrem Verschleiß an Personal, dessen miserable Behandlung, all das, was ich kennen und zum Teil hassen gelernt habe, schrieb ich nieder und auch, dass ich sie zum Leben nicht brauche, selber glücklich werde und meinen Kindern all das geben werde, was ich nie hatte und das ich so vermisst habe.
Der Kontakt wurde dann vollkommen abgebrochen, Carl August machte mir einen Antrag, standesgemäß für einen Reederssohn, auf der MS Europa, auf der ersten Kreuzfahrt meines Lebens, auf dem Mittelmeer, Neapel im Mondlicht hinter uns. Ich schmolz dahin, war so glücklich wie nie zuvor und sagte selbstverständlich ja. Er telegraphierte mit seinen Eltern und nach deren Segen per Telegramm verheiratete uns der Kapitän zwei Tage später im Hafen von Heraklikon auf Kreta, es war traumhaft schön. Nach Ende der Reise wurde dann in Bremerhaven gefeiert, Frieda und Helmfried kamen und auch Iris mit Familie und ein paar sehr gute Freunde von Carl August, die ich ja alle schon mehr oder weniger gut kannte. Natürlich kam auch viel Prominenz geschäftlicher und politischer Art und zur gesellschaftlichen Akzeptanz wurde dann auch in der evangelischen Kirche eine Trauzeremonie abgehalten, die aber nicht im geringsten die Trauung im Hafen von Kreta toppen konnte. Ich hätte das nicht gebraucht, aber Carl Augusts Eltern sahen es schon als wichtig an, so dass er mich bat, ihren Wunsch zu akzeptieren, was ich dann ihnen zu Liebe auch gerne tat.
Ich war mit dem Studium fertig und arbeitete in der Firma als Dolmetscherin und Übersetzer. Wir waren glücklich und dann wurde ich auch bald mit meinem Großen schwanger. Die Freude bei allen war riesig, mein Schwiegervater bestimmte, dass ab sofort Martin mich fahren sollte und seit dieser Zeit ist er dann nur noch für uns gefahren.
Als Jerome auf die Welt kam, am siebten Januar neunzehnhundert zweiundneunzig, schneite es und wir kamen auf Grund der Witterungsverhältnisse fast zu spät ins Krankenhaus. Es ging alles glatt und er war von Anfang an ein Wonneproppen, ein Sohn, unser Glück war vollkommen.
Als dann am achtzehnten September vierundneunzig Natascha auf die Welt kam, war unser Glück komplett.
Leider verstarb Carl Augusts Vater im Januar fünfundneunzig an den Folgen eines schweren Schlaganfalls und auch Onkel Helmfried starb ein Jahr später in Berlin an einem Krebsleiden. Tante Frieda verkaufte die Firma an die Siemens Gruppe und zog zu uns, zu ihrer Schwester. Carl August ließ dann unser jetziges Haus bauen, so, dass die beiden älteren Damen mit uns unter einem Dach, aber doch in eigener, abgeschlossener Wohnung, leben können.
Dann hat Carl August Kai eingestellt und ich Frau Gut, Oma hatte zum Zeitpunkt ihres Einzuges Eine Angestellte, die sie auch behielt, bis zu deren Ausscheiden aus Altersgründen und dann kam ja Frau Jensen, Oles Mutter, ein Glücksgriff für beide Damen.
Wir reisten viel geschäftlich aber auch Privat und Martin und oft auch Kai und die beiden Damen begleiteten uns. Da die Kinder private Lehrer hatten, waren wir nie an Ferien gebunden, wir nahmen die Lehrer einfach mit.
Jetzt, drei Tage, bevor ich vierzig Jahre alt werde, bin ich glücklich. Das Schicksal hat auch uns heimgesucht, als Jerome diesen Horrorunfall hatte, aber nachdem jetzt alles so gut gelaufen ist, blicke ich zufrieden zurück und auch sehr zuversichtlich in die Zukunft.
Ich werde jetzt mal mit Martin noch schnell ins Karstadt fahren und Bettwäsche für Kevin kaufen. Die kann Frau Gut dann noch waschen und trocknen, dann kann der Junge ab Sonntagabend in seinem neuen Zimmer schlafen.
Ich bin fertig zum losfahren und rufe Martin, der mich gebeten hatte, in beim Wäschekauf zu unterstützen. Wir fahren ins Karstadt und kaufen, was der Junge braucht. Farben und Motive nehmen wir ähnliche, wie sie auch Jerome und Sergej haben für ihr Bett. Ein Paar schicke Kissen und zwei Wolldecken für den Winter wandern auch noch in den Einkaufswagen. Jetzt ist die Ausstattung komplett und als Martin an der Kasse zahlen will, sag ich: „Stopp, das ist mein Beitrag zu eurem neuen Familienleben“ und stecke meine Karte in den dafür vorgesehenen Schlitz. Martins schwachen Protestversuch unterbreche ich im Keim mit nur einer hoch gezogenen Augenbraue und er sagt dann einfach nur noch „Danke“ und das wars. Wir verlassen den Laden und fahren zurück. Martin und Jerome wollen nach dem Mittagessen die Autos fertig machen für heute Nachmittag.
Alles, was vom Einkauf zuerst gewaschen werden muss, bring ich zu Frau Gut, die heute Morgen auch schon Sigrids Tasche mitgebracht hat, weil Sigrid direkt von der Schule mit dem Bus her kommt.
Torsten
Endlich ist Freitag, jetzt muss es nur noch Spätnachmittag werden, bis sie kommen, meine Freunde aus Bremerhaven. Zwei Nächte außerhalb der Klinik, Besuch bis Sonntagnachmittag, ich freu mich auf Ole und Frank und auf die anderen. Gleich nach dem Frühstück habe ich Krankengymnastik bei meinem Schwarzeneggerersatz und um Zehn ist wieder Unterwassermassage mit dem schwulen Masseur, der bei meinem Anblick immer Stielaugen kriegt. Bis jetzt hat er sich aber immer ausschließlich auf das Bein konzentriert und sich nicht in die Nähe der Glocken „verirrt“ was ich wohl auch kaum hingenommen hätte. Da bleib ich doch lieber Jungfrau. Heute werde ich ihn ein bisschen ärgern und die Badehose, eine hautenge Speedo, einfach anlassen. Ich wette, dass ihn das noch schärfer macht und dass er sich im Anschluss bestimmt einen von der Palme wedeln muss.
Nachmittag ist dann noch Aufbaugymnastik und um vierzehn Uhr Bewegungsbad, dann ist Schluss für diese Woche mit Anwendungen. Jeden Morgen bekomme ich ein oder zwei Arbeitsblätter mit Aufgaben, damit die schulischen Ausfälle im Rahmen bleiben. Am nächsten Morgen werden die wieder eingesammelt und neue ausgeteilt. Freitags um fünfzehn Uhr haben wir, das heißt zurzeit ich alleine, dann eine Doppelstunde wie Schule, wo die Arbeitsblätter besprochen und korrigiert werden. Um siebzehn Uhr ist dann Wochenende. Ich rechne so ab achtzehn Uhr mit dem Eintreffen, wobei wohl Martin als mein Onkel auftritt, hat Ole gemailt, der mich dann zum Hotel abholt. Ich lass mich überraschen und bin gespannt auf das Wochenende.
Ole
In der großen Pause treffe ich mich mit Armin, Denise und Dirk, Mike fehlt natürlich auch nicht. Ich halte nach Paul Ausschau und als ich ihn entdecke, winke ich ihn rüber zu unser kommt allein und guckt mich erwartungsvoll an. „Ist alles im Lot daheim?“frag ich und als er nickt, frag ich: „Was ist mit Victor, weiß er jetzt Bescheid? „Victor weiß es und hat es wohl auch akzeptiert. Er wird nichts verraten und auch mein Freund bleiben“, sagt Paul mit Blick auf meine Freunde. „Ruf ihn her, den Victor“, sag ich zu Paul.
Der dreht sich rum und winkt seinem Freund, der dann auch zu uns herüber kommt. Als er da ist, sag ich zu Paul und Victor, aber auch zu meinen Freunden: „Das Paul bei uns hier jetzt out ist, ist Ok, muss aber in seinem Sinn noch unter uns bleiben, bis wir alle Möglichkeiten ausgelotet haben und einig sind mit Paul, wie wir vorgehen. Damit es nicht zu Gewalt bei ihm zu Hause kommt, ist es wichtig, alles zu planen und dann erst die Karten auf den Tisch zu legen, wenn alles klar ist für Pauls Zukunft. Darum kümmern können wir uns erst richtig ab nächster Woche, weil wir von heute bis Sonntag an die Ostsee fahren, einen Freund besuchen.“
Mike sagt: „Dirk und ich bleiben hier, sind also erreichbar und könnten dich zur Not auch zwei oder drei Nächte bei uns oder Dirk unterbringen. Unsere Eltern würden das schon unterstützen, denk ich.“
„Besser wäre es, es würde noch ein paar Tage so weiterlaufen wie bisher, so dass seine Leute keinen Verdacht schöpfen und wir in Ruhe überlegen können, wie wir vorgehen“, sag ich. Zu Paul sag ich, dass Denises Vater auf dem Jugendamt arbeitet und der ihm mit Sicherheit, wenn es soweit ist, auch helfen wird. Ich sag ihm auch, dass Jerome und ich mit Jeromes Vater reden werden, der mit Sicherheit auch über genügend Möglichkeiten verfügt, zu helfen. Paul meint, dass keine akute Gefahr besteht und er das hinkriegt, dass es vorerst auch so bleibt. Ich frage ihn, ob sein Vater auch zum Abiball kommen wird, weil dann könnte er sich vielleicht da outen. Vor so viel Publikum wird es schon nicht zu einer großen Szene kommen oder zu prügeln, meine ich. Die Idee ist für meine Freunde einleuchtend und auch Paul und Victor sind nicht dagegen. Auch wird dadurch halt ein Zeitrahmen fest gemacht, der uns bleibt, um alles, was dann kommen wird, zu planen.
Damit ist über das Wochenende ja erst mal alles im Lot, denke ich und die Klingel ruft uns zurück zum Filmprojekt in Geschichte. Schade, das Martin heute nicht mit mir auf die Baustelle fährt heute, das wäre ein Grund gewesen, sich abzuseilen.
Wir haben Paul jetzt wohl davon überzeugen können, dass er wohl nicht zu Hause wohnen bleiben kann, wenn er sich nicht mehr verstecken will und wenn er sich wirklich verliebt, wird es kaum auf Dauer zu verheimlichen sein, das er schwul tickt. Dann müssen wir ihm beim Regeln all der Formalitäten beistehen, da ist Denise und ihr Vater gefragt. Vielleicht finden wir ja auch mit Carl Augusts Hilfe schnell eine bezahlbare Unterkunft für Paul, eine WG hier in Bremerhaven wäre nicht schlecht, dann wäre er nicht ganz allein von Anfang an. Fest steht auf jeden Fall, das wir ihm helfen, sich von zu Hause aus diesem homophoben Umfeld zu lösen, so zu sein, wie er ist, ohne Angst und frei in Studium oder bei der Berufswahl.
Der Film fängt an, es wird ruhiger in der Klasse. Die Entstehung des dritten Reiches, der Krieg und die KZ Geschichte ist nicht neu und die Bilder sind immer wieder bedrückend. Der Teil über die Neonaziszene in Deutschland zeigt uns zum ersten Mal deutlich, dass es immer noch Menschen gibt, die diese Ideologie verherrlichen und auch bereit sind, anderen Gewalt an zu tun, die nicht in ihr gestörtes Weltbild passen. Das Schwule auch zu dem von Nazis gehassten Personenkreis gehören, wird in dem Film allerdings nur ganz nebenbei erwähnt. In unseren systemkonformen Lehranstalten wird das Thema Homosexualität in der Regel tot geschwiegen und der Begriff schwul oder Schwuchtel immer noch als eines der gängigsten Schimpfwörter gebraucht. Irgendwann nach elf ist dann der Spuk vorbei und wir werden ins Wochenende entlassen mit dem Hinweis, das für uns Abiturienten am Montag frei ist. Der daraufhin einsetzende Applaus begleitet Mike und mich auf dem Weg nach draußen und ist sogar noch auf der Treppe zu hören.
Da jetzt Pause ist, treffen wir Dirk, Armin und Denise beim Kiosk unten und ich kauf mir dort ein belegtes Brötchen und was zum Trinken. Wir setzen uns dann draußen auf eine Mauer in den Schatten. Es ist warm, Juniwetter mit Sonne pur und ich kann mir vorstellen, dass am Wochenende an der Ostsee einiges los sein wird bei dem Wetter. Es empfiehlt sich, Badekleidung mit zu nehmen. Paul und Victor gehen an uns vorbei Richtung Ausgang und rufen uns ein „ bis Montag“ und Paul auch noch ein „viel Spaß“zu, bevor sie mit einigen anderen den Schulhof verlassen. Nachdem ich mein Brötchen gegessen habe, verabschiede ich mich, Mike auch und gemeinsam gehen wir zum Fahrradständer und holen unsere Räder. Ein Stück fahren wir noch gemeinsam, dann biegt er ab, zu seinem zu Hause. Einige Minuten später bin ich dann auch daheim, allein, weil alle anderen noch unterwegs sind.
Jerome
Nachdem der Freitagsstundenplan abgearbeitet ist und Natascha, Mama und ich Mittag gegessen haben, hat Natascha ihre und ich die Tasche für Sergej und mich fertig gepackt. Die Dame Natalie ist unauffällig in einer großen Plastiktragetasche eines Discounters gehüllt neben unserer Reisetasche abgestellt. Das Kuvert mit meinem Geschenk für Martin ist im Seitenfach der Reisetasche untergebracht, neben diversen Kondomen und Gel, eigentlich müsste ich jetzt alles haben.
Falls doch noch was fehlt, morgen ist ja Samstag und die Geschäfte haben offen, was soll also passieren. Frau Gut macht noch eine Kühlbox fertig für unterwegs mit ein paar Kleinigkeiten zum Essen und mit Getränken, denn es ist warm draußen und falls wir wirklich mal in einen Stau kämen, haben wir alles greifbar.
Ich gehe mit den Sachen runter und öffne den Kombi. Der steht im Schatten der Garage, genau wie der SUV, dessen Heckklappe bereits offen steht. Martin war noch mit Mama kaufen, Bettwäsche glaub ich, für Kevin.
Frau Gut kommt und bringt Sigrids Tasche und bittet mich, ein Auge auf ihre Tochter zu haben. „Wir passen schon auf uns auf“, sag ich, „und Martin ist auch dabei, was soll da schon passieren.“
Sie hat Martin schon zum Geburtstag gratuliert, ich hab zu ihm gesagt, dass wir das heute Abend in Bad Schwartau machen wollen, wenn alle dabei sind, auch Torsten.
Die Anderen dürften bald kommen, mal sehen, wann wir loskommen.
Sigrid kommt als erste, auch Armin und Denise werden gebracht. Die Taschen verstauen wir im Suv und im Kombi, wo ich jetzt auch die Kühlbox mit der Unterwegverpflegung deponiere. Als nächstes kommen Ole und Frank mit Heiner und Marie, die von Heiners Mama gebracht werden. Ole hat eine Kuchenboxdabei, die gekühlt ist und auch im Auto angeschlossen werden kann. Da im Kombi schon die Box für unterwegs ist, kommt die Kuchenbox in den SUV und wird dort mit Strom versorgt
Kurz drauf kommt auch Sergej mit Kevin und Wölfchen, so dass wir jetzt komplett sind. Beim Einladen der Taschen von Kevin und Wolfi werfe ich einen Blick auf den Korb, den Sergej mitgebracht hat. Das sieht sehr edel aus und wird Martin bestimmt gefallen.
Wir machen die Aufteilung auf die Autos. Frank soll den Kombi fahren mit Ole, Armin und Denise an Bord, Martin den SUV mit Natascha, Sigrid, Heiner und Marie und der Rest, Sergej, Wolfi und Kevin und ich fahren im „kleinen Skoda“.
Martin wird vorne fahren, dann Frank und wir machen den Schluss der Kolonne, und als alles geklärt ist, verabschieden wir uns von Mama, von Frau Gut und von Oma und Frieda, die auch runter gekommen sind.
Ich hatte Sergej und Kevin und sein Schätzchen gefragt, ob sie noch duschen wollten, aber das wollen sie lieber nach Ankunft im Hotel machen, was ja auch Sinn macht. Mit dem Abfahren hupen wir den zurück bleibenden noch einmal zu und dann geht es Richtung Autobahn. Ich rufe über Handy kurz Ole und dann aufs Autotelefon im Suvan, um die Verständigung zu kontrollieren und dann sind wir auf der Autobahn. Der Verkehr ist dem Freitagnachmittag entsprechend schon nicht wenig aber noch gut, sodass es so mit Hundertzwanzig im Schnitt gegen Osten geht. Torsten, wir kommen.
Martin
Halb Vier war es auf meiner Uhr, als wir auf die Autobahn gefahren sind und es erinnert mich ein bisschen an die Zeit beim Grenzschutz. Da sind wir ja öfter in einer Kolonne gefahren. Drei Fahrzeuge und mehr waren eine Kolonne und die unterlag bestimmten Regeln. Hier und jetzt gilt es einfach, einen bestimmten Sicherheitsabstand einzuhalten und die Verbindung nach hinten nicht abreißen zu lassen. Also öfter mal in den Spiegel gucken, vor allem, wenn man LKWs überholt, darauf achten, dass die anderen auch nachkommen.
Kai ist mit dem Chef unterwegs, er hat eine SMS geschrieben und uns eine gute Fahrt gewünscht. Eigentlich wollte ich diese Woche noch Ringe kaufen, aber das habe ich Zeit massig nicht mehr geschafft und hab es auf nächste Woche verschoben. Aber das wird wohl auch knapp, Am Dienstag habe ich fünfundzwanzig jähriges Dienstjubiläum, nächsten Montag, am siebten Juni, der Geburtstag der Chefin im Haus. Am Samstag drauf der Empfang im Hilton, da ist noch einiges zu fahren vorher. Alle Damen zum Frisör, Jerome noch einmal zur Kontrolle in die Klinik, die Baustelle nicht zu vergessen und auch Kevins Termine in der Therapie.
Gratuliert hat Kai mir schon heute Morgen im Bett, es hat mir gut gefallen und war deutlich besser wie ein Strauß Rosen. Kais Art von Romantik fühlt sich immer gut an und der Entspannungseffekt ist immer sehr ausgeprägt. Schön, wenn man so geliebt wird und das schon einige Jahre, aber ich muss sagen, es kribbelt immer noch im Bauch und nicht selten mehr, wie damals am Anfänger ist der Mann meines Lebens und auch, wenn er fünfzehn Jahre jünger ist als ich, ist alles gut zwischen uns. Jetzt zieht noch der Junge bei uns ein und wir sind dann eine kleine Familie, so, wie Kai und ich es uns oft erträumt, aber nie so richtig vorstellen konnten und wir ja auch nicht wussten, ob Chef und Chefin damit einverstanden gewesen wären.
Dadurch, dass Jerome schwul ist und Sergej hier eingezogen ist, hat sich einiges verändert und durch die Geschichte in Dresden, die Kevin auf den Plan brachte, ist in uns die Idee gereift, dem Kleinen eine Adoption an zu bieten, weil da die Remmers nie was dagegen sagen würden, im Gegenteil, ihre Unterstützung ist uns in jedem Fall sicher und die Beziehungen, die sie haben, wird vieles einfacher machen.
Nun ist alles in die Wege geleitet und nächste Woche werden wir auf dem Standesamt einen Termin für uns holen, an dem wir dann unsere Lebenspartnerschaft offiziell eintragen lassen. Auch wenn der Begriff Hochzeit in diesem Zusammenhang nicht korrekt ist, so ist es für Kai und mich schon eine und wir werden das auch feiern, mit Remmers und den Freunden, die hier und heute mit mir unterwegs sind. Also, die Tatsache, dass Jerome auf Jungs, speziell auf Sergej steht, hat schon zu erheblichen, aus meiner Sicht sehr positive Veränderungen herbeigeführt im Hause Remmers. Jetzt ist hier viel mehr Leben in der Bude, selten ein Tag ohne Freunde im Haus, schwimmen, Sauna und der Bau, richtig was los bei uns. Für Kai und mich beginnt eine neue Ära, Vater eines an der Schwelle zum Erwachsenen stehenden Sohnes zu sein, wird uns schon fordern, aber unser Leben auch bereichern und der ständige Kontakt mit den vielen jungen Leuten um Jerome und Kevin herum, das ist etwas tolles und war eigentlich so nie zu erwarten für uns. Die ganze Entwicklung ist einfach nur Klasse, finde ich und wir freuen uns, dabei sein zu dürfen. Ich bin gespannt, wie die Gesellschaft am nächsten Samstag auf Sergej und Jerome reagiert. Das wird mit Sicherheit schon bemerkt werden, von denen und es wird auch keine offene Ablehnung geben. Einen Carl August brüskiert man nicht so einfach, dazu zieht er zu viele Fäden, hat überall großen Einfluss und man vermeidet tunlichst, sich seinen Unwillen zu zuziehen oder sich gar offen gegen ihn zu stellen.
Wir sind jetzt eine halbe Stunde unterwegs und von der A270 ab Bremerhaven zuerst auf die A27 bis zum Bremer Kreuz und dann auf die A1 Richtung Hamburg gefahren. Der folgen wir, die uns an Hamburg vorbei nach Lübeck in das angemietete Hotel führt. Bevor wir dort ankommen, bleibt es uns nicht erspart, durch den Feierabendverkehr um Hamburg rum schleichen zu müssen, oft mit weniger als fünfzig Km/h, wobei ich froh bin, das es keinen Stillstand gibt.
Es ist zwanzig nach sechs, als wir vor unserem Hotel, dem Holiday Inn, ankommen. Auf dem Parkplatz finden wir alle einen Platz und nach dem jeder seine Tasche geholt hat begeben wir uns zur Rezeption, wo wir freundlich empfangen werden. Jerome sagt, dass wir uns alle um halb acht in der Bar treffen wollen, bis dahin kann sich wer will, frisch machen und wer müde ist, hat noch genug Zeit für ein Nickerchen.
Ole
Jerome stellt sich an der Rezeption vor und sagt, dass sein Vater für uns sieben Doppelzimmer reserviert hat und dass wir gerne die Zimmer beziehen möchten. Er weist auch gleich darauf hin, dass wir um zwanzig Uhr ein Essen bestellt haben, das in einem separaten Raum und nicht im Speiseraum serviert werden soll. Weitere Einzelheiten sind mit der Serviceleitung abgesprochen, sagt er Der Portier ist über alles in Kenntnis gesetzt und sagt, dass alles entsprechend vorbereitet ist.
Wir müssen uns eintragen und jeweils zwei Leute bekommen eine Karte, die Zimmer sind alle im zweiten Stock und durch nummeriert, bei zwei hundertzehn beginnend bis zweihundert siebzehn, wobei die geraden Nummer auf der rechten und die ungeraden auf der linken Seite des Flurs liegen, quasi gegenüber.
Jerome teilt das so auf, das wir drei schwulen Pärchen die Zimmer mit den Geraden Nummern bekommen und somit nebeneinander liegen und die anderen, Martin eingeschlossen in den Zimmern mit den ungeraden Nummern gegenüber ein ziehen.
Jetzt suchen wir zunächst die Zimmer auf, ich sage zu Frank, er soll schon mal mit vorgehen, ich müsse noch kurz dringend auf die Toilette. Als die anderen im Aufzug verschwunden sind, gehe ich zurück zur Rezeption, hole das Kuvert von Carl August aus der Tasche und gebe es dem Portier mit dem Hinweis, das bitte sofort seinem Chef zu übergeben, der bestimmt schon darauf wartet. Offensichtlich weiß der Mann auch hierüber Bescheid, denn er greift zum Telefon und informiert seinen Chef. Ich folge den Anderen in den zweiten Stock und geh zu Frank ins Zimmer zweihundertsechs und schließe die Türe hinter mir.
Nachdem wir uns erst mal ausgiebig geküsst haben, will Frank zunächst duschen, was ich vor Antritt der Fahrt noch zu Hause gemacht habe. Ich rufe Mutsch an und sage, dass wir gut angekommen sind und dann rufe ich Torsten an und sag ihm, dass wir Stau bedingt etwas verspätet, aber gut angekommen sind. Er freut sich und fragt ungeduldig, wann er denn abgeholt wird. Ich sage ihm, dass Martin ihn gleich holen kommt und dass er halt Geduld haben muss.
Jetzt klingle ich Martin an, sage ihm, dass er Torsten holen soll und dass er Jerome mitnehmen soll dorthin. Martin fragt nicht, warum, er weiß, das ich einen Grund haben muss, ihn darum zu bitten und wird das jetzt machen.
Es klopft kurz darauf und ich geh zur Tür und öffne. Es ist Jerome, der mir sagt, dass er mit Martin zu Torsten in die Klinik fährt und das Sergej nachher mal runter geht und sich den Raum für unsere Feier anschauen wird. Als er weg ist, geh ich zu Zweihundertzwei und klopfe. Sergej öffnet, schaut um die Tür herum und lässt mich dann rein. Frisch geduscht, nur mit einer Pants bekleidet, lässt er mich rein. Er sieht saugut aus, aber das weiß ich ja und das, was jetzt textil verdeckt ist, kenne ich ja aus der Sauna, also nichts Neues für mich.
Ich berichte kurz davon, das mir Jeromes Vater ein Kuvert für den Hotelchef mit gegeben hat und das ich mal davon ausgehe, das es bestimmt noch eine dicke Geburtstagsüberraschung für Martin geben wird, von der dieser und auch Jerome vorher nichts wissen sollen oder besser noch dürfen. Sergej nimmt das zur Kenntnis und guckt mich sehr intensiv an. „Du besitzt das uneingeschränkte Vertrauen von Carl August, Ole“, sagt er, „das von Jerome auch und zwar in jeder Beziehung. Ich möchte dir sagen, das auch ich dir vertraue, das ich froh bin, das du unser, ja, das du mein Freund bist und ich bin stolz darauf, dich zu kennen. Von Jerome einmal abgesehen, den ich liebe, bist du der erste Junge in meinem Leben, der mir innerhalb eines kurzen Zeitraum so viel bedeutet und mit dem ich gerne zusammen bin. Ich weiß, dass Jerome dich sehr mag, wie einen Bruder, sagt er. Ich möchte, wenn du mich lässt, auch dein Bruder sein.“
Seine Augen lassen mich nicht los und dann mache ich einen Schritt auf ihn zu und umarme ihn, drück ihn und sage: „Gerne werde ich dein Bruder sein.“ Nun umarmt er mich auch und drückt mich kurz, bevor wir wieder etwas Abstand zwischen uns bringen. „Ich musste das jetzt einfach loswerden“, sagt er und wendet sich dann ins Zimmer, wo auf dem Bett seine Kleider für den heutigen Abend liegen. Er beginnt, die Kleider auf die Seite zu legen und fragt: „Was meinst du, hat Jeromes Papa geplant?“ „Ich hab keinen Plan“, sag ich, „ aber ich werde das Gefühl nicht los, das da einiges auf uns zu kommt heute Abend, jedenfalls ist mit der hiesigen Hotelleitung was abgesprochen. Das ist sicher. Vielleicht erfährst du ja mehr, wenn du nach dem Raum für unsere Feier gucken gehst, da sollte nämlich Jerome auf keinen Fall vor Beginn der Feier hin, hat sein Vater gemeint. Deswegen sollte Martin ihn auch mitnehmen, wenn er Torsten abholt.“
„Lassen wir uns überraschen, wenn Torsten da ist, gehen wir alle zuerst mal in die Bar, bevor wir dann kurz vor acht in den anderen Raum gehen“, sagt Sergej. „Ich geh dann mal schauen, was mein Frank macht, der müsste ja jetzt auch fertig sein“, sag ich und geh zurück zu unserem Zimmer. Frank ist fertig und schon in Unterwäsche. Er liegt auf dem Bett, hat die Augen geschlossen. Jetzt öffnet er sie kurz und schaut mich an. „Schlaf noch ein wenig, mein Schatz“, sag ich, „ich wecke dich in einer halben Stunde. „Dankbar schließt er die Augen wieder, macht ein Nickerchen, um wieder fit zu werden. Ich stecke die Karte für die Türe ein und geh in den Flur und dann die Treppe nach unten und durch den Haupteingang nach draußen, um einmal um das Hotel herum zu spazieren.
Es ist schon ein imposanter Bau und auch das Drumherum kann sich sehen lassen. Bäume, viel Grün und eine schöne Brunnenanlage mit Wasserfontainen. Ein großer Parkplatz, alles sauber und sehr gepflegt und es verspricht, ein gutes Wohnerlebnis zu werden. Über den Preis will ich jetzt nicht unbedingt nachdenken. Der Begriff Geld hat im Hause Remmers eine gänzlich andere Bedeutung wie bei Jensen oder Merten, deswegen ist auch ein Blick in die Preisliste eher verstörend und findet erst gar nicht statt. Warum sich mit Dingen belasten, die man eh nicht ändern kann. Martin hat mir schon mal den Rat gegeben, nicht über Geld im Zusammenhang mit Jerome oder Remmers nach zu denken. Seit ich nun selber das Baukonto mit einer Million Euro betreue, weiß ich, das hier die Uhren in Bezug auf Kosten anders ticken und man muss sich daran gewöhnen, dass es so ist. Wenn man sich dann damit arrangiert hat, nimmt man die Dinge, wie sie kommen und von Sergej weiß ich, dass er auch seine Zeit gebraucht hat, es zu nehmen, wie es ist.
Sergej ist ein ganz Lieber, einer, der mit seiner Liebe und mit seiner Art nicht nur Jeromes Herz erobert hat, nein, alle im Hause Remmers sind von ihm begeistert und auch ich bin froh, in zum Freund ja schon eigentlich mehr zum Bruder zu haben. Überhaupt sind wir drei schwulen Pärchen uns sehr nah und eng miteinander verbundenes ist eine ganz besondere Art von Freundschaft, die uns verbindet und die hat eigentlich keinen sexuelle Hintergrund. Ich bin überzeugt, wenn ich nicht schwul wäre, wäre die Freundschaft doch genau so tief und fest. Ich geh mal meinen Schatz wecken, damit er sich fertig anzieht. Martin und Jerome müssten ja bald mit unserem Freund Torsten hier auf kreuzten und dann sollte Frank schon angezogen sein sonst ist gleich wieder ein frecher Spruch fällig.
Dr. Morbach
Um elf Uhr habe ich heute Schluss gemacht in der Klinik, bin nach Hause gefahren und habe mich fertig gemacht und auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet, soweit das bei meiner Nervosität möglich war. Nun bin ich auf dem Weg zu der angegebenen Adresse und treffe dort bereits um viertel vor Eins ein. In dem Eingangsbereich ist eine Rezeption, ähnlich wir in Hotels und dort sitzt ein Mann um die Fünfzig und schaut auf, als ich durch die geöffnete Eingangstür seinen Bereich betrete.
„Hallo, Herr Dr. Morbach“, sagt der zu mir, „das ist aber eine Überraschung, sie hier zu sehen.“
Ich guck ein bisschen erstaunt, weiß nicht sofort, woher ich den Mann kennen sollte aber irgendwo kommt mir sein Gesicht bekannt vor. „Sie erinnern sich nicht an mich, gell“, sagt er und schmunzelt, „meine Frau hätten sie jetzt bestimmt erkannt. Sie haben sie voriges Jahr im April operiert in der Klinik, sie hatte das Fußgelenk kaputt, Schreiber, Luise Schreiber.“
Der Name sagt mir was, das war eine sehr lustige Frau, die immerzu Arzt und Beamtenwitze zum Besten gab und die waren selten Jugendfrei.
„Die Frau mit den Witzen, oder?“, frag ich und lachend nickt er: „Genau die“. Ich muss nun auch grinsen. „Was führt sie denn heute hier her zur Hapag Loydd, Herr Doktor“, fragt er, „wollen sie unter die Seefahrer gehen?“
„Ich habe bei einem Herr Schroer, Ulf Schroer um dreizehn Uhr ein Vorstellungsgespräch“, erkläre ich ihm, ich will mich um die Schiffsarztstelle auf der MS Europa bewerben.“ „So, so“, sagt er, „das ist ja mal ein Ding, das hätte ich jetzt nie gedacht. Der alte Dr. Bröker ist krank, das hab ich wohl gehört, aber das die Stelle schon ausgeschrieben ist, das ist wohl an mir vorbei gegangen.“
„Wissen Sie denn vielleicht, ob es noch mehrere Bewerber gibt“, frag ich ihn. „Nee, weiß ich nix davon“, sagt er, „heute war auch noch niemand hier deswegen. Sind sie sicher, dass das heute ist?“
Sofort hole ich mein Handy raus und lese die SMS noch einmal. „Ja, das ist heute um dreizehn Uhr“, sag ich.
„Na dann werde ich Sie mal anmelden“, sagt er und greift zum Telefon. „Ja, Hallo, Pförtner hier. Ein Dr. Morbach für den Herrn Schroer ,für dreizehn Uhr. ……..Ja, Ok, Tschüss.“
Er legt auf und sagt: „Die Personalabteilung ist den Gang links runter, Vorzimmer von Herrn Schroer ist die siebzehn, da werden sie geholfen. Keine Angst, Herr Schroer ist Ok.“
Ich wende mich nach links, klopfe an der siebzehn und werde herein gebeten. Eine etwa Vierzig Jahre alte, kleine und schlanke Dame in einem grauen Kostüm bittet mich nach der Begrüßung, Platz zu nehmen. Sie drückt die Taste einer auf dem Schreibtisch stehenden Sprechanlage und als eine Stimme „Ja bitte“, fragt, sagt sie: „Ein Herr Dr. Morbach für sie, Herr Schroer“, worauf die Stimme sagt: „Einen Moment noch, bitte, ich warte noch auf Herrn Remmers, der muss jeden Moment kommen.“
Herr Remmers, das ist doch der Vater von Franks Freund und Frank sagte doch, wenn Jeromes Papa dabei ist, kriegst du den Job. Das nehme ich jetzt mal als gutes Omen.
Es klopft wieder und die Türe geht gleich auf. Ein Mann, schlank, etwa fünfundvierzig in grauem, gestreiften Anzug mit einer großen ledernen Aktentasche, alt und edel, betritt forsch das Zimmer.
„Guten Tag, Frau Wertmann, ich bin mit Ulf verabredet“, sagt er und gibt ihr die Hand. „Guten Tag, Chef“, sagt die Frau. Ich bin aufgestanden und sein Blick findet mich. „Herr Doktor Morbach, nehme ich an“, sagt er und reicht auch mir die Hand, „Remmers, angenehm.“ „Ich freu mich auch, sie kennen zu lernen“, sag ich und erwidere seinen festen Händedruck. Der Mann ist mir direkt sehr sympathisch.
„Geben Sie Herrn Schroer und mir noch drei Minuten, ich werde sie dann rein rufen“, sagt er und geht durch die Türe in das andere Büro.
Ich nehme wieder Platz und warte, bin seltsamer weise lange nicht mehr so aufgeregt wie vorher. Schnell schalte ich noch mein Handy auf stumm, nicht das gerade im Vorstellungsgespräch das Ding klingelt. Ich betrachte die Bilder an den Wänden, die ausnahmslos Schiffe zeigen, wohl alles ehemalige oder jetzige Schiffe der Reederei, auch Großsegler sind dabei und moderne Kreuzfahrer. Auch ein großes Bild der Europa ist zu sehen, die wenn alles gut läuft, bald mein neuer Arbeitsplatz sein wird.
Martin
Von Lübeck nach Bad Schwartau ist ein Katzensprung und es dauert nur kurz, bis wir die Klinik gefunden haben. Wir parken auf dem Besucherparkplatz und steigen aus. Als wir auf die große Glastür am Eingang zugehen, sehen wir durch die Scheibe bereits einen strahlenden Torsten winken. Er kommt uns leicht humpelnd entgegen und begrüßt uns freudig. „Man bin ich froh euch zu sehen“, sagt er und drückt unsere Hände. Jerome umarmt ihn kurz und sagt: „Du siehst gut aus, Kleiner, bist du fertig?“ „Wir, Martin und ich, müssen noch kurz auf meine Station, sie wollen meinen Onkel sehen und der muss natürlich seine Personalien angeben“, sagt Torsten. „Dann los“, sage ich und gehe mit ihm hoch. Jerome setzt sich neben den Rucksack, der hier steht und in dem wohl seine Sachen sind und wartet, bis wir zwei nach etwa zehn Minuten wieder kommen.
„So“, tönt der Kleine laut, „auf in den Kampf Urlaub bis Sonntag siebzehn Uhr.“ Beim Wort Kampf denke ich an die Dame „Natalie“, die wohl auch auf ihre Art zum Kampf einlädt, ich grinse und bin mir nicht sicher, wer den Kampf gewinnt.
Wir fahren zurück nach Lübeck zum Hotel, wo die andern bestimmt schon auf uns warten. Ole und Frank freuen sich am meisten auf ihren „Furzknoten“, wie Ole immer sagt. Als wir auf den Parkplatz fahren kommt es von der Rückbank: „Ei, man, voll der Bonzenschuppen, ich hoffe, die lassen Proleten wie mich darein“, und es folgt sein schon typisches gackerndes Lachen, „ da traut man sich ja nicht, mit dem Proletenarsch auf die Marmorschüssel kacken zu gehen. Wie soll ich denn nach zwei Tagen hier in dem Schuppen mich in der Klinik noch eine Sekunde wohlfühlen.“
Jerome und ich müssen lachen, das sind die Sprüche, die Ole so vermisst hat, seit er aus dem Krankenhaus zurück ist.
Da noch Zeit bis halb acht ist und Jerome und ich noch nicht ausgepackt haben, klopf ich bei Frank und Ole und als die Tür aufgeht, liegt Torsten in Oles Arm und sie begrüßen sich mit Küsschen links und rechts. Auch Frank steht schon bereit und löst Ole bei der Begrüßung ab.
Nach dem wir nun Torsten übergeben haben, suchen wir jeder unser Zimmer auf und packen die Taschen aus.
Sergej
Jerome ist zurück und gibt gleich Torstens erste Sprüche über Proletenärsche auf Marmorschüsseln zum Besten und bringt mich zum Lachen. Ich liege geduscht und in Unterwäsche auf dem Bett und schau ihm beim Einräumen zu. Die Kleider, die er eingepackt hat, reichen bestimmt für eine Woche, aber bei mir war es ja so ähnlich, meine reichen für sieben Tage. Man packt einfach immer zu viel ein, aber egal, besser als zu wenig, weil das dann wieder auf eine Shoppingtour rauslaufen würde und da habe ich jetzt morgen nicht unbedingt Bock drauf.
Ich frag Jerome, ob er Ole und Frank schon gefragt hat, ob sie einen ordentlichen Anzug besitzen, wenn nicht, muss er mit beiden noch einen kaufen gehen in der nächsten Woche.
Er meint, das wird in der Nächsten Woche schon noch klappen, morgen wollen wir auf jeden Fall das Umland und die Ostsee gucken. Ich frag ihn, wie er sich das mit den Prothesen am Strand vorstellt und er sagt: „Die bleiben im Auto und du oder Martin müsst mich tragen. Ich habe dir gesagt, dass ich mich mit dir an meiner Seite alles traue, sollen sie doch gucken. Ich schäme mich nicht und ich bin sicher, dass du dich mit mir ohne Füße auch nicht schämst. Ich habe dich als meinen Schatz, was brauch ich da noch Füße.“ Ich bin gerührt über seine Erklärung, nehme ihn und ziehe ihn aufs Bett. Seine Augen sind feucht und wir schauen uns an und er sagt leise nur.“Du“. Mit so viel Gefühl und Ausdruck, soviel Liebe, nur „Du“, sonst nichts und doch sagt dieses kleine Wort alles aus, was er für mich empfindet. Ich bin überwältigt von seinen Gefühlen, küsse seinen Mund, sein Gesicht, drücke ihn fest an mich und auch meine Augen werden nass.
Eng umschlungen liegen wir da, ganz ruhig, spüren den Herzschlag des anderen, hören sein Atmen und fühlen die Wärme, innige Momente, totale Zweisamkeit, zwei Körper, ein Gefühl.
„Mein Drachen“, flüstert er, „mein Reiter“, flüstre ich zurück und seine Lippen drücken sich zärtlich auf meine.
Er hebt den Kopf und schaut in meine Augen und sagt leise: „Wenn du mich jemals verlässt, sterbe ich.“
„Ich werde dich nie verlassen, solange ich atmen kam, das verspreche ich dir“, antworte ich und kraule zärtlich seinen Nacken und sein Blick sagt mir, dass er mir glaubt, mir bedingungslos vertraut, sich mir anvertraut für den Rest seines Lebens.
Ich finde keine Worte für das, was ich empfinde, fühle dafür umso mehr, das das hier wohl ein besonderer Moment ist, der Moment, an dem unsere Seelen eins werden miteinander und für immer.
Ich habe nie für möglich gehalten das man so fühlen, sich so verlieren kann, in dem Menschen, den man liebt.
Die Uhr tickt und läuft unaufhaltsam weiter, erinnert uns daran, dass wir nicht allein sind hier, Freunde haben und feiern wollen. Er macht sich los von mir, gibt mir noch einen Kuss, bevor er beginnt, sich für den Abend fertig zu machen. Auch ich ziehe mich nun fertig an und als wir so weit sind, betrachten wir uns gegenseitig und nebeneinander in dem großen Wandspiegel an der Garderobe.
Er ist eindeutig der Schönste für mich, mein Traum und seine Blicke schmeicheln mir auch. Wir passen gut zusammen und man sieht es uns bestimmt auch an, denke ich, dass wir zusammen gehören.
Ole
Kurz vor halb acht gehen wir alle runter in die Bar. Die, die Torsten noch nicht begrüßt haben holen das jetzt nach und unter viel Gelächter gibt Torsten seine Erlebnisse aus der Reha zum Besten in der ihm eigenen Art. Der Masseur nimmt natürlich einen Teil seiner Erzählungen ein und als er dann noch dessen Gesicht beim sabbern nachmacht, ist großes Lachen angesagt. Wir werden jetzt gebeten, mit zu kommen in den Raum, in dem unser Essen stattfinden soll.
Der Raum, der eigentlich für ca. dreißig Personen reichen würde, ist in der Mitte durch hohe Raumteiler auf Rollen geteilt, so dass er nicht so groß wirkt und hier im vorderen Teil sind drei breite Tische zu einer Tafel zusammen gestellt, an deren Längsseiten je 7 Plätze, von der Mitte ausgehend, eingedeckt sind, wobei aber rechts und links noch freie Tischfläche übrig ist. Alles ist schön dekoriert und sieht sehr einladend aus, trotz der rechts und links freibleibenden Tischfläche. Ich denke so für mich, dass auch locker zwei Tische gereicht hätten.
Die Mädels und Jungs setzen sich und Jerome setzt Martin in die Mitte der einen Reihe und Kevin und Wolfi gegenüber, der Rest verteilt sich, Torsten sitzt bei Ole und Frank, Sigrid sitzt ihm gegen über. Sergej kommt zum Schluss rein und hat den Korb, das Geschenk für Martin dabei und stellt das am Ende der freien Tischfläche ab.
Dann, auf einmal muss ich über Carl August nachdenken, über das Kuvert, den Tisch und diesen abgeteilten Raum. Der hat doch bestimmt was geplant und mir schwant langsam auch in etwa, was. Jetzt wird das kalt-warme Buffet, das Jerome bestellt hat, herein gefahren und an der rechten Wand platziert. Es besteht aus mehreren großen Servierwagen, auf denen schön dekoriert viele verschiedene Köstlichkeiten angerichtet sind. Salate und Soßen, Fleisch und Fisch, Obst und Käse und verschiedene Sorten Brot gibt es dort, Antipasti und zwei Nudelgerichte, einfach fantastisch und Torsten meint: „Fehlt nur noch der Schampus, dann ist alles komplett.“
Ein Ober bringt ein Tablett mit Sekt oder Schampus, aber auch mit Orange gemischt oder Orange pur und stellt jedem hin, was er möchte. Das Tablett mit den noch vollen Gläsern stellt er beim rausgehen auf der freien Tischfläche ab, da, wo bereits der Korb steht.
Jetzt müsste eigentlich bald die Tür aufgehen, denk ich für mich, als Jerome aufsteht und an sein Glas klopft. Alle Gespräche verstummen und alle Augen schauen auf Jerome. Er sieht toll aus in seinem weißen, taillierten Hemd, auf dem über Brust und rechten Arm eine filigrane aber doch sehr
imposante, schwarze Drachenfigur gestickt ist, die auch einen Teil des Rückens einnimmt. Die ersten zwei Knöpfe sind geöffnet und zeigen eine schwere Silberkette auf seiner gebräunten Haut. Eine dunkle, samt ähnliche Bundfaltenhose rundet die Sache nach unten ab, Max und Moritz nicht zu vergessen. In der Hand hält er ein Kuvert und jetzt schaut er Martin an und beginnt zu reden.
„Lieber Martin, du hast heute Geburtstag und bist trotz dem heute mit uns allen hier her gefahren, weil wir Torsten besuchen wollen, wie wir das versprochen haben. Wir haben uns gedacht, wenn du schon nicht zu Hause mit Kai feiern kannst, wollen wir hier mit dir feiern und dir dadurch auch zeigen, wie dankbar wir dir sind, dafür, dass du immer für uns da bist. Die Mädels und die Jungs haben zusammen gelegt und einen Korb mit lauter erlesenen Zutaten für euer Hobby Kochen zusammen gestellt und alle gratulieren dir herzlich. Ich schließe mich der Gratulation an, will aber auch noch einmal danken, für all das, das du im Leben für mich und unsere Familie getan hast. Aus Gesprächen weiß ich, dass du und auch Kai gerne Musicals seht und hört und ein geheimer Wunsch von dir ist „Der König der Löwen“, der in Hamburg läuft. In diesem Kuvert sind die Ticket und die Hotelreservierung und das Datum, mit Papa abgesprochen. Das ist mein Geschenk für dich, für Euch, die ihr so oft zu unseren Gunsten verzichtet. Ich wünsche euch viel Spaß in Hamburg.“
Martin ist aufgestanden und Jerome umarmt ihn und küsst ihn auf die Wangen. Beide haben feuchte Augen und alle applaudieren jetzt. Sergej hat den Korb genommen und gratuliert jetzt stellvertretend für uns und überreicht Martin den Korb, der den Inhalt interessiert beäugt und den seinem Grinsen nach zu urteilen, richtig gut findet.
Plötzlich ertönt hinter der Trennwand Musik und nach einer kurzen Musikalischen Einleitung erklingt das Lied „Zum Geburtstag viel Glück“, wobei die Musik von einigen Sängern und Sängerinnen stimmkräftig begleitet wird.
Der erste Teil der mobilen Trennwand wir zur Seite geschoben und dann kommen sie heraus. Kai vorne weg, Carl August und Lis und auch Jeromes Oma und Tante Frieda erscheinen in der entstandenen Lücke und zum guten Schluss auch Mama und Frau Gut. Ich bin platt, Martin strahlt, Kai umarmt und küsst ihn.
Auch die anderen gratulieren es gibt Blumen und Geschenke und die Überraschung kann man schon als gelungen bezeichnen.
Als sich der Trubel gelegt hat, werden Stühle hinter der Abtrennung geholt und die neuen Gäste am Tisch platziert. Ein Ober deckt dort schnell ein, es stand alles hinter der Trennwand bereit und auch Getränke stehen noch ausreichend zur Verfügung.
Jerome eröffnet dann das Buffet und jetzt wird zunächst mal gespeist.
Jerome
Also, ich bin immer noch überrascht, das jetzt alle hier aufgetaucht sind und frag mich, wie Papa das getrickst hat, so das alles mal wieder perfekt gepasst hat. Ich könnte mir denken, dass er Ole mit ins Boot genommen hat bei der Aktion, zumindest teilweise.
Ole hat Papas Vertrauen und seit der Geschichte mit dem Studium hat Ole alle seine Sympathien, ich glaube nicht, das Ole das richtig einschätzen kann, was das wirklich bedeutet aber wenn er Papa mal braucht, wird er es schon merken.
Ich glaube sicher, das Ole unter die Kategorie „No Limit Friend“ fällt bei Papa, sowie Ulf Schroer oder Oliver Salm, der Rechtsexperte in der Firma, Papas „Ole“ so zu sagen. Das sind „No Limit Friends“, für die würde Papa alles tun, was irgendwie vertretbar wäre.
Die zwei waren für uns, Natascha und mich, immer Onkel Ulf und Onkel Oliver und sie waren auch oft mal mit Frau und Kindern da. Ulf hat einen Sohn, der ist drei Jahre jünger als ich und Oliver hat eine Tochter von sechzehn, also etwa so alt wie Natascha und einen Sohn von vierzehn und beide wohnen im Bremer Umland.
An Mamas Geburtstag werden die auch kommen, ins Hilton mein ich.
Das Essen ist klasse, ich habe meinen Platz neben Martin Kai überlassen und sitze jetzt links neben meinem Schatz und neben Papa, der immer noch das Grinsen auf dem Gesicht hat, das er hatte, als er durch die Lücke in der Trennwand kam.
Oles Mama sitzt mir gegenüber und fragt mich gerade, wo denn der Kuchen ist. Einen haben sie noch mitgebracht, so dass jetzt zwei da sind und jeder zumindest ein Stück bekommt.
Sergej sagt, das der Kuchen in der Kühlbox ist, die auf dem Zimmer steht und ans Stromnetz angeschlossen ist, damit der Kuchen kühl bleibt. Ole setzt sich jetzt neben seine Mutter und fragt sie: „Du wolltest doch Morgen mit Onkel Jo ausgehen, ins Theater, Hast du ihm abgesagt?“
„Ja, Ole“, sagt sie, „als Herr Remmers heute nach Mittag gefragt hat, ob ich mit fahren wollte, hab ich Jo angerufen und abgesagt. Der war aber gar nicht traurig, eher das Gegenteil und er hat auch gleich gewusst, mit wem er morgen ins Theater geht.“ „Vielleicht kann ich das aufklären“, sagt Papa, „wir haben den Dr. Morbach eingestellt und der hat wohl nach der Zusage von unserem Vorzimmer aus telefoniert und Oles Onkel von seiner Einstellung berichtet.“ Zu Frau Jensen gewandt sagt Papa grinsend dann: „Ich denke, das Herr Doktor Morbach morgen mit Johannes Jensen ins Theater geht und am siebzehnten Juni fliegen beide nach Singapur und gehen da an Bord.“
Na siehste, denk ich, hat doch geklappt und jetzt muss man abwarten, was die beiden daraus machen. Wenn der Onkel erst mal verziehen hat, kommen sie bestimmt wieder zusammen und auf dem Schiff können sie ja nicht weglaufen.
So, das war es mit Nr. 36, ich hoffe, es gefiel, Kommi wird gern gesehen, bis bald, euer Niff

 

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2 Kommentare

    • Joachim auf 9. August 2014 bei 12:44
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    Hallo Niffnase,
    es macht einfach großen Spaß, Dein ‘Traumschiff’ zu lesen. Wie in einem Traum.
    Also, immer schön weiter schreiben, dann werden wir alle weiterhin viel Spaß haben, Du beim schreiben und wir anderen beim lesen.

    Also, einfach mal ein DANKE für Deine Mühe!

    Liebe Grüße aus Berlin

    Joachim

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  1. He Niff, richtig super, der Teil. Mach so weiter.

    LG Andy

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