Zoogeschichten II – Teil 67

Fetenplanung

Dennis

„Morgen Kleiner, wieder fit? Um was geht es denn?“

„Du weißt ja… ich werde ich drei Tagen achtzehn…“

„Und da kommst du zu mir?“

„Ja… denn ich würde gerne … hier feiern.“

„Du willst was?“

Ich wurde aus Volker nicht schlau…, meinte er dieses Schockiertsein jetzt ernst oder spielte er es nur?

„Ach vergiss es…“

„Halt… langsam, ich wollte dich nicht erschrecken. Wie hast du dir das vorgestellt?“

„Das Wetter soll besser werden und ich dachte, so ein paar Tischgarnituren zwischen den beiden Bärenhäusern, eine kleine Feier mit den Kollegen…“

„Und warum fragst du das nicht Jürgen… er ist hier der Boss!“

„Ähm…, ich dachte… du könntest…“

„Hallo, DU wirst achtzehn, also frage ihn gefälligst selber. Deine Idee aber gefällt mir!“

Ich grinste.

„Und jetzt würde ich dir empfehlen, deinen Arbeitsplatz aufzusuchen, bevor Sabine eine Vermisstenanzeigen aufgibt. Ich komme nachher mit Jürgen bei euch vorbei, da kannst du ihn ja selber noch einmal fragen.“

„Ok, ich bin schon weg… und danke, Volker“, meinte ich und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

„Jederzeit wieder!“

„Einen Kuss?“

„Verschwinde!“, meinte Volker und streckte mir die Zunge raus.

„Geiles Teil“, konnte ich mir die Bemerkung nicht verkneifen.

„Sieh zu, dass du Land gewinnst, oder du kannst deine Party vergessen!“

Ich verbeugte mich vor ihm.

„Schon weg!“

Michael

Drei Tage noch und ich hatte immer noch kein Geschenk für meinen Kleinen. Er hatte etwas davon erzählt, dass er versuchen wollte, im Zoo eine Party zu machen. Klar, ich würde gerne mit ihm alleine feiern…, aber mein Kleiner wird halt achtzehn… und das ist ein großes Ereignis.

Ich rieb weiter das Kamel ab, während Kevin begonnen hatte, den Stall zu fegen.

„Alles klar? Du wirkst so nachdenklich“, fragte er plötzlich.

„Dennis wird achtzehn und ich habe noch kein Geschenk.“

„Schmuckstück mit Gravur?“

„Ich weiß nicht, das schenkt doch jeder…“

„Ja, weil es das beliebteste Geschenk ist und es eben etwas Persönliches ist.“

„Aber einen Ring… ist das zu so einem Geburtstag nicht zu einfach… langweilig?“

Kevin stoppte mit dem Fegen und hielt sich am Stiel fest.

„Hallo… ist das der Michael, den ich kenne? Warum zerbrichst du dir den Kopf darüber. Kauf ruhig einen Ring, oder vielleicht sogar gleich zwei. Einen für dich mit seinem Namen und einen für ihn mit deinem Namen.“

„Meinst du wirklich?“

„Michael…“, begann Kevin und rollte mit den Augen, „klar, ich mein immer das, was ich sage und du solltest hinne machen, denn ich denke, du hast nicht mehr viel Zeit, oder?“

„Stimmt, ich werde gleich nachher in der Mittagspause lostigern und welche besorgen.“

„Stell du dir das mal nicht so einfach vor.“

„Könntest du vielleicht…?“

„Was?“

„… mitgehen?“

„Du brauchst wohl einen Babysitter?“, fragte Kevin und fing an zu lachen.

„War ja nur eine Frage.“

„Kann es sein, dass du richtig in den Kleinen verschossen… vernarrt bist? Ich erkenne dich fast nicht mehr. Wo ist mein starker Micha geblieben?“

Ich zuckte mit den Schultern. Kevin schaute mich an und schüttelte den Kopf.

„Hoffentlich geht das mal gut.“

Sebastian

Mittlerweile hatte ich meinen Taucheranzug an und kraulte gerade Theos Bauch.

„Das gefällt dir Alter, was?“

Theo schwamm unter meiner Hand weg und drehte erneut eine Runde. Ich griff nach dem Ball und warf ihn in die Mitte des Beckens. Theo nahm ihn sogleich auf und gab ihm mit seiner Schnauze einen kräftigen Schlag, so dass der Ball wieder fast zu mir zurückflog.

„Gut Theo!“, meinte ich und hielt ihm einen Fisch entgegen.

Zwei ältere Damen auf der gegenüberliegenden Seite applaudierten. Ich lächelte ihnen freundlich zu und blies durch die Pfeife, die mir Heike gegeben hatte. Theo schnappte sich seinen Fisch und schwamm rückwärts von mir weg.

Heike hatte mir heute allerlei Dinge ans Becken gelegt. Darunter war auch ein Reifen. Ich wusste nicht, was Robert mit den Delfinen schon alles eingeübt hatte. So nahm ich den Reifen und hob ihn schräg vor mich in die Höhe.

Wieder blies ich in die Pfeife und beobachtete Theos Reaktion. Er schwamm wieder eine Runde und nahm dann direkten Kurs auf mich. Plötzlich schnellte er aus dem Wasser und sprang durch den Reifen.

Völlig fasziniert nahm ich einen Fisch aus dem Eimer und hielt ihn Theo entgegen, der ihn sich auch gleich abholte. Wieder klatschen die zwei Damen. Paula und Hedi spielten derweil mit dem Ball, der immer noch im Wasser trieb.

„Paula…, Hedi…“, rief ich und die beiden reagierten sogar.

Ich nahm zwei weitere Fische aus dem Eimer und fütterte beide, als sie bei mir ankamen. Wieder hielt ich den Reifen hoch und blies in meine Pfeife. Aber nur Paula nahm Anlauf und sprang durch den Reifen, wenig später gefolgt von Theo.

Ich gab den Beiden ihre Belohnung und schaute zu Hedi, die unruhig in meiner Nähe schwamm.

„Hast das wohl noch nicht gemacht? Willst du es nicht auch mal probieren?“

Ich senkte den Reifen halb ins Wasser und nahm mir noch einen Fisch aus dem Eimer.

„Komm her, hier ist ein leckeres Fischlein.“

Argwöhnisch schwamm Hedi in meine Nähe und stupste vorsichtig mit ihrer Schnauze den Reifen an. Ich hielt den Fisch auf die andere Seite.

„Brauchst nur durchzuschwimmen, dann bekommst du deinen Fisch.“

Doch Hedi machte keine Anstalten, sich irgendwie dem Reifen noch zu nähern. Doch bevor ich irgendetwas Anderes versuchen konnte, hörte ich Heike rufen.

„Sebastian, du musst kurz unterbrechen. Unsere Hilfe wird gebraucht.“

„Ist was passiert?“

„Kann man so sagen. Wir haben eine Schulklasse im Zoo. Und einer der Buben hatte die glorreiche Idee, Spülmittel ins Flamingobecken zu schütten.“

„Was? Wie kommt man nur auf so eine saublöde Idee?“

„Kinderstreiche! Aber an die Folgen denken sie nie. Das Becken schäumt mittlerweile auf und wir müssen helfen, die Flamingos einzufangen oder zumindest, sie vom Schaum fernzuhalten.“

„Da kann ich ja gleich so bleiben, wenn ich wieder ins Wasser muss.“

Volker

Stinksauer hatte ich mich auf den Weg zu den Flamingos gemacht. Fritz war schon vorausgegangen, denn ich musste noch einen Käfig richtig verschließen. Als ich ankam, traute ich meinen Augen nicht.

Der halbe See war schon mit einer Schaumkrone bedeckt. Durch das nervöse Herumgeflattere und Getrampel der Flamingos, war das Wasser laufend in Bewegung. Ich sah Jürgen bei einem Mann stehen, umringt von vielen Jugendlichen.

„Herr Kolping, die Schule kommt natürlich für den Schaden auf!“, meinte der Mann, der wohl der Lehrer der Klasse war.

„Ich hoffe, es nimmt keines der Tiere einen Schaden, sonst wird es richtig teuer“, entgegnete mein Bruder.

Ich sah Sabine und Dennis, wie sie schon langsam durch den seichten See stapften und versuchten, die Tiere vom Schaum fern zuhalten. Mittlerweile war ich bei meinem Bruder angekommen.

„Und wer ist dieser glorreiche Typ, der uns das beschert hat?“, fragte ich, ohne zu grüßen.

„Hallo Volker“, grüßte mich Jürgen, „das, Herr Sönden, ist mein Bruder.“

Der Lehrer schaute mich an und streckte mir die Hand entgegen.

„Tag, Herr Kolping.“

Ich nickte.

„Tut mir leid, dass ich es nicht verhindern konnte. Ich hätte Lucca einfach zu Hause lassen sollen“, setzte er noch nach und trat auf die Seite, um mir den Blick freizugeben, damit ich dieses Prachtexemplar sehen konnte.

Vor mir stand ein schlaksiger Junge in schwarzen Klamotten und Kippe im Mund. Ohne ein Wort zu sagen, ging ich auf ihn zu, was ihn anscheinend nicht sonderlich berührte. Er blieb stehen und blickte mich trotzig an.

Ich zog ihm die Kippe aus dem Mund und zertrat sie auf dem Boden.

„Du gehst jetzt da rein zu meinen Kollegen und hilfst ihnen, aber flott.“

Dennis

An der Stimme konnte ich Volker erkennen, der etwas säuerlich vor einem Jugendlichen stand. Anscheinend machte er ihn gerade zur Minna, denn die um ihn herum stehende Gruppe lachte.

„Ihr braucht gar nicht zu lachen. Die wertvollen Tiere sind extrem empfindlich. Erst letzte Woche haben wir einen verloren, weil er von einem Gast zu sehr erschreckt wurde“, hörte ich Volker diesmal lauter sagen.

Sabine stupste mich an und zeigte auf einen Flamingo, der versuchte, aus der Gruppe auszubrechen. Langsam lief ich ihm durch das seichte Wasser nach und hob die Hände langsam an.

„Hallo, braucht ihr noch Hilfe?“

Ich drehte meinen Kopf und sah, wie Sebastian und Heike zu uns stießen.

„Klar, die müssen alle in den Stall“, meinte Sabine zu den Beiden.

Also gesellten sich die beiden nun auch zu uns ins Wasser und gemeinsam trieben wir die Tiere Richtung Käfig. Ich sah Volker, wie er mit einem schwarz gekleideten Jungen ins Gehege kam. Er schob ihn vor sich her und schupste ihn Richtung Wasser.

„Meine Schuhe werden ja ganz nass“, rief der Junge.

„Das hättest du dir vor deiner Heldentat überlegen sollen. Hallo Leute, dass hier ist Lucca, dem habt ihr diesen Badespass hier zu verdanken“, meinte Volker nun zu uns.

Motzend stieg nun auch dieser Lucca ins Wasser, krempelte aber vorher noch die Hosen hoch. Sebastian schaute zu mir rüber und grinste fies. Was hatte er nur vor. Kaum war dieser Lucca in unserer Nähe, hörte ich Sebastian aufschreien und sah noch, wie er ins Wasser fiel.

Natürlich spritzte ordentlich Wasser von ihm weg und was natürlich nicht ausblieb, war, dass dieser Lucca von oben bis unten nass wurde.

„Die scheiß Wurzeln im Becken“, meinte Sebastian, als er sich wieder aufrichtete.

Das Grinsen meiner Kollegen bestätigte mir, dass dieses Becken eigentlich betoniert war und keine Wurzeln besaß. Missmutig schaute Lucca an sich hinunter.

„Komm, hilf die Tiere reintreiben“, kam es von Angelo, der für die Tiere verantwortlich war.

Lucca stampfte tropfend zu uns her, während seine Klasse am Gatter stand und lachte.

„Du Jürgen, der Junge könnte den Schaden aber auch abarbeiten“, rief Volker seinem Bruder zu.

Lucca schaute entsetzt auf.

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