Zoogeschichten II – Teil 70

Vertrauliche Gespräche

Volker

„Ja?… Ja, Fritz, ich bin mit einem Gast gerade bei Jürgen… okay, ich komme dann etwas später… danke. Tschüss.“

Ich drückte das Gespräch weg. Es tat gut, einen Freund wie Fritz zu haben. Er machte sich Sorgen um mich und dies schien nur ein Kontrollanruf, ob auch alles mit mir in Ordnung war.

„Halte ich dich von deiner Arbeit ab?“

„Äh… nein, war nur mein Kollege vom Bärenhaus, der nicht wusste, wo ich bin.“

„Bärenhaus… passt!“, meinte Rolf mit einem Lächeln.

Etwas zittrig nahm ich das Glas Cognac, prostete Rolf zu und nahm einen Schluck. In meinem Kopf war die Hölle los. Eigentlich sollte ich jetzt nicht hier sitzen, sollte meiner Arbeit nachgehen.

Doch da war dieser Mann…, der mich magisch anzog. Und nun saß ich neben ihm und schaute ihm zum wiederholten Mal in die Augen.

„Dass meine Frau weggelaufen ist, daran war ich nicht schuld. Bis dahin wusste ich nicht mal, dass ich auf Männer stehe. Sie hatte von unserem langweiligen Leben die Nase voll. Damals war Lucca elf Jahre alt.“

Ich hing an seinen Lippen und lauschte seinen Worten.

„Anfänglich war es schwer für mich, mit Allem fertig zuwerden, dem Haushalt, Lucca und der Schule. Eines wunderte mich aber schon damals, denn ich weinte Mira keine Träne nach. Es ließ mich kalt.“

Er unterbrach kurz und nippte am Cognac.

„Dann kam dieser Samstag, der alles in meinem Leben geändert hat. Lucca war mittlerweile vierzehn und ich war wie jeden Samstag mit ihm im Schwimmbad. War so ein altes Überbleibsel von früher. Er war mit Freunden unterwegs und ich hatte meine Ruhe.“

Er zog nervös die nächste Zigarette aus seiner Jacke und steckte sie an.

„Also zog ich alleine meine Bahnen. Ich ruhte zwischendurch, ging ab und zu duschen. Und eben an diesem Samstag, ich stand wieder unter der Dusche, kam ein Mann in meinem Alter herein. Er hatte ungefähr die Statur wie du.“

Hastig zog er an seiner Zigarette und schnippte die Asche auf den Boden.

„Er ging an die gegenüberliegende Dusche und fing an, sich zu waschen. Irgendwann fiel auch seine Badehose und er stand völlig nackt vor mir. Ich konnte nicht aufhören, auf sein Teil zu starren, das unter seiner Seifenmassage beträchtlich an Größe zunahm. Auch bei mir regte sich etwas. Er schaute zu mir herüber und lächelte mich an. Ohne ein Wort kam er auf mich zu, drückte seinen nackten Körper an mich. Ich war wie gelähmt und die Angst, es könnte gleich jemand hereinkommen, wuchs. Der Typ legte sanft seine Hand in meinen Nacken und küsste mich.“

„Einfach so?“, unterbrach ich ihn.

Rolf nickte und zog wieder an der Zigarette.

„Ich spürte, wie hart sein Schwanz gegen mein Bauch drückte und ebenfalls, wie dies mich erregte. Dann ließ er von mir ab, flüsterte >Danke… du bist geil< zog sich wieder seine Badehose an und verschwand aus dem Duschraum.“ „Und du?“ „Ich stand immer noch unter der Dusche, merkte nicht mal, dass kein Wasser mehr kam. Ich hatte einen Ständer und starrte durch die Tür, die der Typ benutzt hatte. Zögernd bin ich ihm dann nachgelaufen.“ „Und niemand kam in die Dusche?“ „Nein, das war ja das Verrückte. Ich lief also in die Umkleide, wahrscheinlich aus Neugier, oder weil ich nicht glauben konnte, was da eben abgelaufen war. Mich hatte ein Mann geküsst und es hatte mich scharf gemacht.“ Unweigerlich dachte ich an David, an unser Erlebnis im Bett vor zwei Tagen. „Er stand an einem Spint und suchte anscheinend Etwas. Kaum war ich in den Gang gelaufen, hörte er auf und lächelte mich an. Langsam schritt ich auf ihn zu, bis ich vor ihm stand. Wir redeten kein Ton und er zog mich in eine Umkleidekabine.“ In meiner Hose ruckte es und ich versuchte, mich bequemer hinzusetzen. „Und dann ging irgendwie alles sehr schnell. Ehe ich mich versah, lag meine Badehose auf dem Boden und der Typ lutschte an meinem Schwanz. Es war absolut geil und ich kam wenig später. Ich hatte so etwas immer nur gehört und diesmal erlebte ich es selber und auch noch mit einem Mann. Dieser Typ saugte weiter, obwohl ich kam und ich musste mir auf die Lippen beißen, um nicht laut aufzustöhnen. Er schluckte alles hinunter.“ So langsam machte sich ein Unbehagen in mir breit, weil meine Hose immer enger wurde. „Dann stand er wieder auf und küsste mich wieder. Ich konnte meinen eigenen Samen schmecken. Er lächelte mich wieder an und flüsterte >danke<.“ „Und was hat das alles mit Lucca zu tun?“ „Ich habe mich danach noch öfter mit Karl, so hieß der Typ, getroffen. Unter Anderem bei mir zu Hause. Na ja und dann kam eben unverhofft Lucca einmal früher nach Hause und erwischte uns beide in voller Aktion im Bett.“ „Scheiße!“ „Ja, das war wirklich scheiße gelaufen. Es gab einen kurzen Streit, wo Lucca Dinge zu mir und Karl sagte, die ich nicht wiederholen möchte. Jedenfalls ging Karl sofort und war nie wieder gesehen. Und Lucca gab mir die Schuld, dass uns seine Mutter verlassen hatte, kein Wunder bei einer schwulen Sau.“ Das war heftig, ich verzog das Gesicht. „Seitdem habe ich Schwierigkeiten mit dem Jungen.“ „Seit zwei Jahren…, er ist doch sechzehn, oder?“, fragte ich entsetzt. Rolf nickte. „Und du, wie hast du reagiert?“ „Ich? Ich stellte meine Aktivitäten komplett ein… blieb solo… auch keine Treffen mehr.“ „Zwei Jahre… nur wegen Lucca?“ „Ja… ich dachte, ich könnte ihm damit beweisen, dass ich nicht der Grund dieser Misere war.“ Ich schüttelte ungläubig den Kopf. „Bis ich hier in den Zoo kam… und dich sah. Alles war plötzlich wieder da, was ich die ganze Zeit verdrängt hatte.“ Ich wurde wieder rot. „Ich nahm all meinen Mut zusammen, setzte alles auf eine Karte und fragte dich dann, ob du schwul bist…, ohne zu wissen, was passieren würde.“ Immer noch nervös, zog ich den Rest Cognac in mich hinein. Eine Spur zu heftig, denn ich fing fürchterlich an, zu husten. Ich hatte mich verschluckt. Rolf sprang auf und klopfte mir auf den Rücken. Mein Husten wurde schwächer und Rolf stand nun dicht neben mir. Michael Da im Augenblick gerade nichts zu tun war - na ja, ich mich etwas vor der Arbeit drückte, entschloss ich mich, noch schnell zum Juwelier zu rennen, der gegenüber vom Zoo lag. Ich stand eine Weile vor dem Schaufenster und schaute mir die Ringe an. Das Gold gefiel mir aber nicht. So betrat ich den Laden. Eine Frau kam auf mich zu. „Kann ich ihnen helfen?“ „Ähm…, ja. Ich suche Freundschaftsringe.“ „Einen Moment bitte“, sagte die Dame und lief hinter die Theke. Sie nahm einen Schlüssel und schloss die Theke an der Seite auf. Erst zog sie eine Schublade auf und entnahm dann einige Kästen, die sie auf die Theke stellte. Ein Meer von Ringen tat sich vor mir auf. „Welche Größe soll es den sein?“, fragte die Frau. Dennis hatte die gleichen Hände wie ich, so hielt ich ihr meinen Finger zum Maß nehmen hin. „Eine Frage, gravieren sie auch Namen hinein?“ „Sicher!“, meinte die Frau. „Und wie lange dauert so etwas?“ „Bei einfachem Schriftzug ohne Datum könnten sie die Ringe morgen abholen.“ „Das hört sich gut an, dann werde ich mir mal Etwas aussuchen.“ Volker Mein ganzer Körper zitterte und meine Hände waren eiskalt und feucht. Rolf ging neben mir auf die Knie. „Volker, es tut mir leid… ich habe mal wieder unbedacht gehandelt. Aber eben nur, weil du mir so gut gefallen hast. Ich sehe schon, du fühlst dich unwohl… endschuldige bitte.“ Ich sah in Rolfs Augen. „Ich … ich fühle mich nicht… unwohl.“ „Was ist es dann?“ Ich atmete tief durch. „Wie würdest du dich fühlen…, wenn du seit zwei Tagen weißt, du stehst auf Männer. Und dann steht plötzlich ein Mann vor dir, der dich fragt, ob du schwul bist… ein Mann, der gut aussieht und dir sehr sympathisch ist.“ Rolf verharrte in seiner Position und sah mich lange an. „Ich glaube, mein Hirn würde Amok laufen“, antwortete er plötzlich. „Dann weißt du jetzt, was gerade in mir los ist!“ Rolf legte seine Hand auf meine. Ein Zucken ging durch meinen Körper, aber er ließ sie liegen. Er schaute mich einfach an und lächelte. Ich atmete noch einmal tief durch und spürte plötzlich, wie mein Herzschlag sich langsam beruhigte. Meine Atmung wurde auch normaler. „Besser?“, fragte er. Ich nickte. „Volker…, ich weiß, es ist schwierig, plötzlich zu entdecken, dass man auf Männer steht. Besonders wenn man jahrelang verheiratet ist, das bist du doch, oder?“ Wieder nickte ich. „Kinder?“ „Zwei.“ „Und dann bricht die Welt über dir zusammen - nichts ist mehr so, wie es war…“ „Woher weißt du?“ „Volker, das habe ich Alles auch schon durchgemacht, du bist nicht der Einzige.“ „Hat Fritz auch schon gesagt…!“ „Fritz?“, fragte Rolf. „Mein Arbeitskollege und guter Freund seit Jahren.“ „Er weiß es schon?“ Ich wurde rot, weil mir die Erkenntnis kam, Rolf war ehrlich und offen zu mir… da sollte ich es auch sein und ihm Alles erzählen. „Vor zwei Tagen hat mich ... na ja ... mein Bruder verführt…“ „Der Chef?“, fragte Rolf erstaunt. „Nein, Quatsch, ich habe noch einen zwanzig Jahre jüngeren Bruder.“ „Ach so. Und, hat es dir gefallen?“ Konnte man das Rot in meinem Gesicht noch steigern? „Deiner Reaktion zu entnehmen, ja. Volker, ich will dich zu nichts drängen…, aber ich würde dich gerne näher kennen lernen. Ein Problem?“ Ich schüttelte den Kopf. Ich saß da wie ein ängstliches kleines Kind, das sich nichts mehr zutraute. „Wie wäre es, wenn wir nach meinem Sohn suchen …?“, Rolf seufzte, „ich sollte langsam mal bei ihm erscheinen.“ Ich nickte wieder, immer noch keiner Sprache mächtig. Ich stand auf und stellte die zwei leeren Gläser zur Flasche. Ich schaute Rolf noch einmal kurz in die Augen, der mich daraufhin noch einmal aufmunternd anlächelte. Wenig später kamen wir zum Flamingobecken, wo wir nur noch Angelo antrafen. Er erzählte uns, dass Lucca mit Dennis mitgegangen sei. Also ging ich mit Rolf zum Bärenhaus. „Mich wundert, dass Lucca mit Dennis mitgegangen ist“, meinte ich. „Wieso?“ „Dennis ist schwul!“ „Das kann Lucca doch gar nicht wissen.“ „Doch, er hat zugesehen, wie Dennis seinen Freund küsste.“ „Habt ihr hier noch mehr Schwule?“

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