Zoogeschichten II – Teil 86

Partylaune

Robert

Als der Türgong ging, war ich total aufgeregt. Mittlerweile hatte ich mich auch umgezogen, meine Jogging gegen Jeans und Pulli ausgetauscht. Adrian saß neben mir und streichelte mir den Rücken, als wollte er mich beruhigen.

Er und Mutter hatten in kürzerster Zeit ein kleines Salatbuffet hingezaubert, dass es mir langsam komisch vorkam, wie gut hier alles durchorganisiert war.

„Sag mal Schatz… mein Verdacht verhärtet sich immer mehr, dass hier alles so geplant ist“, meinte ich.

Adrian grinste von einem Ohrläppchen zum anderen.

„Habe ich das alles dir zu verdanken?“, fragte ich weiter.

Jetzt legte Adrian die totale Unschuldsmine auf und pfiff in die Luft.

Doch bevor ich noch etwas sagen konnte, kamen schon die Ersten auf die Terrasse. Vor mir stand plötzlich fast die ganze Gang, wie ich sie zum letzten Mal vor fünf Jahren gesehen hatte. Mich überkam voll die Rührung und die Tränen begannen zu laufen.

Einer nach dem anderen begrüßte mich mit einer Umarmung. Bis auf Niklas hatten sich die Anderen nicht wirklich verändert. Nur Petra, sie schob ein kleines Bäuchlein vor sich her. Sie war im siebten Monat schwanger.

„Könnte mich mal einer kneifen? Ich glaub’, ich träume“, sagte ich und ich spürte sogleich, dass mir jemand kräftig in den Hintern kniff.

„Autsch!“, rief ich und alle fingen an zu Lachen.

„Das war Adrian gewesen, der nun hinter mir stand.

„Weißt du Robert, dass du einen guten Geschmack hast, wusste ich schon immer. Aber dass du dir so einen süßen Bengel mit Verstand rausgesucht hast, hätte ich nicht gedacht“, kam es von Ella.

Ich verstand jetzt nicht, was sie meinte.

„Ähm…, ich wurde gefunden – habe nicht gesucht, das zum einen. Aber was meinst du mit süßem Bengel mit Verstand?“

„Ich meine deinen Adrian! Was meinst du, wie ich mich freute, als Niklas vor ein paar Tagen angerufen hat, dass du hier bald erscheinst?“

Anscheinend hatte ich eine lange Leitung.

„Wir haben doch erst vorgestern beschlossen, hier herzufahren.“

„Dein Adrian wohl früher“, kicherte Petra.

Ich sah zu Adrian, der mittlerweile mit einem hochroten Gesicht neben mir stand.

„Das hast du alles für mich gemacht?“, fragte ich Adrian erstaunt.

Er nickte mir verlegen zu.

„Schatz…, ich liebe dich!!!“, sagte ich und zog ihn zu einem Kuss zu mir.

Auf der Terrasse wurde es laut, denn Alles fing an zu grölen.

Lucca

Ich hatte meine Haare nochmals gewaschen. Die restliche Farbe war herausgewaschen und mein Haar schimmerte sehr hell.

„Ich bin fertig“, rief ich hinunter.

„Dann wollen wir mal“, hörte ich Volker unten im Flur sagen.

Nur mit meiner Jeans begleitet, saß ich auf einem Stuhl, den ich mir ins Bad geholt hatte. Volker erschien gemeinsam mit Dad.

„Genauso süß wie du“, hörte ich Volker leise sagen.

Ich räusperte mich.

„Wenn die Fleischbeschau fertig ist, könntet ihr euch dann meinen Haaren widmen?“

„Ganz schön frech, dein Herr Sohn“, kam es von Volker, „aber bei dem Vater wundert mich das nicht.“

Die beiden schienen etwas getrunken zu haben, so locker wie sie drauf waren. Ich machte mir langsam etwas Sorgen um meine Haare. Volkers Lippen entließen ein kleines Aua, nach dem ihm mein Dad einen ordentlichen Knuff in die Seite gegeben hatte.

„So…, wie kurz willst du sie denn haben?“, fragte nun Volker.

Ich hob eine Strähne meiner langen Haare hoch.

„So zwei Zentimeter“, antwortete ich.

„Bist du dir da sicher?“, fragte Dad.

„Ja“, antwortete ich fest entschlossen.

„Man gebe mir eine Schere“, sagte Volker.

„Eine Schere?“, fragten Dad und ich fast gleichzeitig.

„Ich muss doch erst mal die langen Haare abschneiden. So komm ich mit dem Kurzhaarschneider nicht durchs Haar!“

„Wie oft hast du eigentlich David die Haare geschnitten?“, fragte Dad.

„Nicht oft, warum?“

„Weil du dich so gut auskennst.“

„Ähm…, auch Tierhaare wachsen…“

Ach du Scheiße… Hilfe, meine Haare…!

David

„Ich müsste langsam nach Hause“, meinte Tim und stand auf.

Ich schaute auf die Uhr. Ich hatte vor lauter Quasseln nicht bemerkt, wie spät es war. Volker war auch noch nicht zu Hause.

„Soll ich dich fahren?“

„Nein, geht schon. Ich habe mein Rad dabei.“

„Sehen wir uns wieder?“

„Wenn du willst“, meinte Tim verlegen.

Oh Mist, ich hatte diesen Kleinen verdammt gerne. Aber Hoffnungen machen, dass er einen Älteren als Freund haben wollte, hatte ich mir von Anfang an abgeschrieben. Da schwärmte er nur von Dennis.

„Klar möchte ich.“

Wir standen dicht voreinander und schauten uns nur an.

„Ich begleite dich noch nach oben…“

„Danke…“

Immer noch standen wir voreinander.

„Also…“, begann Tim, kam aber nicht weiter.

Ich nahm ihn einfach in den Arm und küsste ihn. Als ich spürte, dass von Tim keine Gegenwehr kam, wurde unsere Knutscherei nur noch inniger.

Dennis

Ich saß mit dem Rücken zum Sofa und schaute in das Feuer des Kamins. Ich spürte deutlich seine Hitze in meinem Gesicht. Mein Kopf lag auf der Sitzfläche des Sofas, während Michael hinter mir lag.

Ich spürte sachte seinen Atem und spürte, wie er mich sanft am Nacken kraulte. Wir hatten lange geredet. Über meine Ängste, über unsere Gefühle, über Michael. Aus dem ‚ich’ war wieder ein ‚wir’ geworden.

Trotzdem blieb bei mir ein kleines Restchen Unsicherheit, ob es richtig war. Ich war kurz vor dem Eindösen.

„Willst du hier schlafen?“, hörte ich Michaels leise Stimme hinter mir.

Ich hob meinen Kopf an und streckte mich.

„Nach Hause zu fahren, habe ich wirklich keine Lust“, antwortete ich.

„Gehen wir ins Bett, das Sofa wird mir langsam unbequem.“

Ich drehte den Kopf.

„Hast du Schmerzen? Warum hast du denn nichts gesagt?“

„Weil ich es einfach schön fand, mit dir hier zu liegen.“

„Manchmal frage ich mich, wer von uns beiden der Ältere und Vernünftigere ist?“

„Was hat das denn mit dem Alter zu tun?“, grinste mir Michael entgegen.

„Soll ich dir aufhelfen?“

„Nein, das geht schon…, aber beim Ausziehen… ich habe Schwierigkeiten die Arme zu heben.“

„Kein Problem!“, gab ich von mir und ich war diesmal der, der schmunzelte.

Phillip

In der Wohnung war es völlig ruhig, bis auf Flos leises Schnarchen, das ich bis ins Schlafzimmer hörte. Er hatte sich wohl eine Erkältung eingefangen und bekam schlecht Luft. Heide atmete zufrieden in meinem Arm. Nur ich lag noch wach und machte mir Gedanken über das lange Gespräch, dass Heide und ich später noch geführt hatten.

Kolping hatte ihr erzählt, dass er plante, selbst ein kleines Labor im Zoo zu eröffnen. Ständig lagen Proben verschiedener Tiere an, die untersucht werden mussten. Die ganze Zeit wurde dies von einer städtischen Einrichtung gemacht, was aber auch recht teuer war.

Es hatte also nichts mit dem zu tun, was ich vorher gemacht hatte. Keine Forschungen, sondern Untersuchungen. Mit dem konnte ich leben. Ja, plötzlich hatte ich wieder Freude am Leben. Bisher hatte mich nur Flo auf dem Damm gehalten.

Mit seiner ansteckenden Art hatte er mich durch manche Tage gerettet. Meine Approbation hatte ich ja nicht entzogen bekommen, so läge diesem Job ja nichts im Wege. Ich musste nur noch meinen inneren Schweinehund besiegen.

Vor was hatte ich denn Angst? Irgendetwas hinderte mich daran, wieder voll ins Tierärztliche einzusteigen. Was bremste mich aus?

Lucca

„So, jetzt gilt es. Immer noch sicher?“, fragte Volker, der sich meiner ersten Strähne bemächtigte.

Ich nickte schwach und schloss die Augen.

„Okay, dann mal los. Ähm, Rolf, hast du irgendetwas, wo ich die Haare reintun kann?“

„Willst du sie aufheben?“

„Oh Dad! Zum wegwerfen!“

„Ach so“, sagte Dad und verschwand.

Volker schnitt grob alle lange Haare etwa fünf Zentimeter über dem Kopf ab. Ich erlebte selbst im Spiegel, wie sich mein Äußeres, wie ich mich plötzlich veränderte. Mein Vater erschien wieder, mit einer kleinen Mülltüte in der Hand.

„Hältst du mal auf?“, fragte Volker.

Dad tat wie ihm geheißen und Volker ließ nach und nach meine langen Haare darin verschwinden. Vorsorglich hatte ich die Badematten auf dem Boden entfernt. Trotz der Genauigkeit Volkers, fielen immer wieder Haare herunter.

Als das Grobe abgeschnitten war, war ich schon fast dazu bereit, es so zu lassen. Mir gefiel plötzlich der Wirrwarr auf meinem Kopf. Aber nein, es sollte kurz werden. Ich bekam eine Gänsehaut, als ich plötzlich dass Surren des Kurzhaarschneiders hörte. Jetzt fiel auch der Rest.

Eine halbe Stunde, eine Haarwäsche und etwas Fönen später, stand ich in neuem Look vor dem Spiegel.

„Sag mal…, wer ist denn dieser süße Boy in meinem Bad?“, hörte ich meinen Dad fragen.

Genervt rollte ich mit den Augen.

„Dann kann ich ja gehen, wenn du nur noch Augen für andere hast“, kam es postwendend von Volker.

Ich konnte nicht anders und fing an zu lachen. Der Gedanke, dass Volker und Dad nun ein Paar wären und somit Volker so etwas wie mein zweiter Dad wäre, gefiel mir immer mehr.

„Und, wie gefällt es dir?“, fragte Volker.

„Cool…, hätte ich schon viel länger machen sollen“, antwortete ich, „bin nur gespannt, wie das die Anderen aufnehmen werden.“

„Welche Anderen?“, fragte Dad.

„Die in der Schule. Ich habe heute versucht, mich mal unter meine Klasse zu mischen.“

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