Zoogeschichten III – Teil 121 – Schiefer Haussegen

tuer-09121. Schiefer Haussegen
© by Pit 2014

Volker

Ich saß auf der Bank vor Jürgens Wohn und Bürokomplexes. Neben mir Marion und Rolf stand bei uns.

„Und was wolltest du machen?“, fragte mich Rolf.

Ich zuckte mit den Schultern, denn in meinem Kopf herrschte die Hölle. Plötzlich kam

ich mir so hilflos vor. Sonst fielen mir immer Lösungen ein, aber hier war ich total ratlos. Plötzlich spürte ich Marions Hand auf meiner Schulter.

„Ich kann nicht sagen, dass ich die ganze Sache mit euch gut heiße, aber ich darf euch auch nicht verurteilen, so gesehen bin ich nicht besser…“

Erstaunt schaute ich sie an.

„Was meinst du?“, fragte ich.

„Ich habe da jemanden in meiner Firma näher kennen gelernt und wir waren schon ein paar Mal miteinander aus.“

Es traf mich irgendwie, aber auch irgendwie nicht. Zu sehr hatten wir uns auseinander gelebt, dass ich sagen könnte, ich würde Marion noch lieben. Klar ich mochte sie, aber Liebe?

„Soll ich euch lieber alleine lassen?“, fragte Rolf, dessen Unbehagen ich bis hier her spürte.

„Nein Rolf, es ist nun dein Part, sich um diesen Dickkopf zu kümmern, aber ich denke du schaffst das schon“, sagte sie mit einem Lächeln und stand auf, „wegen der Scheidung denke ich, gibt es keine Probleme, das soll unser Anwalt regeln, oder?“

Wieder nickte ich, weil mir keine Antwort einfiel. Dann ließ sie mich und alleine. Jürgen kam heraus.

„Ah, da seid ihr…, Marion gegangen?“

„Ja!“, antwortete Rolf.

„Du kennst dich nicht zufällig mit Computern und Internet aus?“

Rolf schüttelte den Kopf.

„Warum fragst du?“, wollte ich wissen.

„Ach wegen diesem Eintrag bei… wie heißt das? Witter…?

„Twitter“, antworteten Rolf und ich fast gleichzeitig.

„David meinte, wir sollten auch eine Meldung hineinsetzten und alles klarstellen.“

„Lucca kennt sich etwas aus…“, meinte Rolf.

„Wer?“

„Mein Sohn…“

„Der junge Mann der die Flamingos waschen wollte.“

„Jürgen er wusste nicht, war er da…“

„Volker, das war ein Spaß! Könntest du Rolf deinen Sohn fragen, ob er uns helfen kann?“

„Besser noch, ich hole ihn gleich her…, wenn du solange bei Volker bleibst, ich lass ihn jetzt ungerne alleine.“

„Kein Problem“, meinte Jürgen und klopfte mir auf die Schulter.

*-*-*

Dennis

Endlich hatte ich den letzten Käfig fertig.

„Verteilst du noch das Futter für den Abend?“, fragte Sabine.

„Das müssen wir doch erst noch schneiden.“

„Nein, Fritz hat seinen Praktikanten alles mit schneiden lassen.“

„Alles?“

„Ja!“

„Alle Achtung! Ist er noch in Besitz aller Finger?“, grinste ich.

„Dennis mal den Teufel nicht an die Wand, reicht so schon, dass er ein Tollpatsch ist, aber er hat uns viel Arbeit abgenommen.“

„Schon gut. Hat er es mitgebracht oder muss man es noch holen?“

„Deine Milchflaschen für die kleinen stehen hier im Eimer, der Rest steht noch in der Futterküche, denke ich.“

„Okay, dann mach ich mich mal los und hole den Rest, bevor ich die kleinen füttere.“

*-*-*

Phillip

„Und was hältst du von dem Medikament, wäre doch ein gutes Aufbaupräparat für unsere Pferde nach Operationen“, sagte Reinhard, der mir gegenüber saß.

„Nicht schlecht“, erwiderte ich und lass die Zusammensetzung, „Moment…“

„Was ist?“

„Die verwendeten Bestandteile kommen mir so bekannt vor…“

„Wie meinst du das?“

„Ich habe dir doch von der Versuchsreihe erzählt, die wir an den Pferden testeten.“

„Ja und?“

„Von welcher Firma sagst du kommt dieses Mittel?“

„Moment… lass mich nachschauen, der Mann hat mir eine Karte dagelassen… Marcomet, heißt die Firma.“

„Scheiße…“

„Was ist?“

„Für die haben wir damals an so einem Mittel gearbeitet.“

„Und du meinst, die haben es so weiter gegeben?“

„Ich weiß nicht was ich denken soll, angeblich wurde die Forschung an dem Mittel abgebrochen. Ich muss kurz Heide anrufen…, einen Augenblick.“

Ich zog mein Handy heraus und tippte Heides Nummer ein. Wenige Sekunden später hatte ich sie in der Leitung.

„Hallo Schatz, dein Sohnemann fragt, wann du nach Hause kommst!“

„Hallo Heide, so wie jeden Tag. Aber etwas anderes, weißt du ob wir den Karton mit meinen Aufzeichnungen noch haben?“

„Vom Labor?“

„Ja, den habe ich aufgehoben, warum fragst du?“

Ich erklärte ihr in kurzen Worten, was für eine Vermutung ich hatte.

„Das wäre heftig, wenn das stimmt, aber was willst du mit den Unterlagen?“

„Dort befindet sich mein schwarzes Notizbuch, da habe ich so alles hineingeschrieben, was mir damals wichtig war bei der Forschung…“

„Ich kann gerne nachschauen und was soll ich machen, wenn ich es gefunden habe?“

„Hm…, ich bräuchte es hier…“

„Da fällt mir etwas ein, unser Sohn hatte vom Kindergarten aus heute einen Ausflug gemacht, Rate mal wohin?“

„Na sag schon.“

„Sie haben das alte Postamt gesucht und nun will dein Sohn Briefträger werden.“

Ich musste lachen.

„Wenn ich das Notizbuch finde, werde ich es einfach Florian geben und sagen dass ist Post für Papa.“

„Du meinst das kann er?“

„Phillip, er ist jetzt schon oft genug alleine zu dir gelaufen und er muss keine gefährliche Straße überqueren. Das Notizbuch packe ich in einen Umschlag mit deinem Namen drauf und stecke es in seinen Rucksack.“

„Okay, machen wir es so, viel Glück bei der Suche.“

„Danke, bis später… hab dich lieb!“

„Ich dich auch, bye!“

Ich drückte das Gespräch weg.

„So jetzt heißt es warten!“

*-*-*

Dennis

Naja, etwas grob hatte er die Sachen schon geschnitten. Alles gut in meinen Handwagen verstaut machte ich mich auf den Weg zurück ins Bärenhaus. Sabine hatte schon recht. Mit der neuen Küche würde dieser Weg auch wegfallen.
Bei der nächsten Biegung rannte ein kleiner Junge in mich. Er schaute unter seine Wollmütze mit buntem Bommel hervor und ich erkannte Florian.

„Hallo Florian, was macht du denn hier?“

„Ich spiele Postbote und muss Papa etwas bringen.“

„Post für Papa?“

„Ja ein wichtiges Päckchen hat Mama gesagt.“

„Und du weißt wo Papa ist?“

„Ja, der ist in der Tierklinik und wartet schon auf mich.“

„Dann mal los, du Postbote, vielleicht sehen wir uns später noch.“

„Wenn ich Zeit habe!“

Er sagte das ganz gewichtig und ich musste lachen. Dann trennten sich unsere Wege.

*-*-*

Michael

„Geht es?“, fragte mich Kevin.

„Ja, ich habe nur etwas Schmerzen beim Atmen.“

„Willst du nicht doch lieber ins Krankenhaus, dass die sich das anschauen.“

„Quatsch, das wird schon wieder. Was macht Shawn?“

„Wenn du meinst…, seine Entzündung an den Ohren ist fast verheilt. Doc Ekkard war am Morgen da und hat sich das Ganze noch mal angeschaut und essen tut er auch wieder fast normal.“

„Und die Zebradame…“

„Alles gut verheilt, keine Entzündung. Wir haben übrigens noch zwei weitere Nägel gefunden. Jürgen hatte angewiesen, jeden Baum noch genau an zu schauen.“

„Wie konnte wir die über sehen?“

„Micha keiner wusste davon, deswegen hat auch keiner darauf geachtet und wenn man nicht genau nachschaut sind die rostigen Dinger auf der Baumrinde auch schlecht zu finden. Und mit dir ist wirklich alles in Ordnung, du bist ganz weiß im Gesicht.“

„Ich weiß nicht…, mir ist etwas schwindlig.“

„Soll ich Doc Ekkard rufen?“

„Ach Quatsch, der hat sicher Besseres zu tun, als mich zu untersuchen, du vergisst wohl, er ist Tierarzt und kein Arzt für Allgemeinmedizin bei Menschen.“

Meine Knie wurden weich und ich ließ mich einfach auf den Boden sinken.

„Mir egal, ich ruf ihn jetzt an, du gefällst mir ganz und gar nicht!“

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