Zoogeschichten III – Teil 122 – Rippchen und Sauerkraut

tuer-10122. Rippchen und Sauerkraut
© by Pit 2014

Dennis

„Morgen Dennis, du siehst müde aus!“

„Morgen Sabine, ich war auch die halbe Nacht bei Micha im Krankenhaus.“

Ich konnte nicht anders und musste gähnen.

„Wie lange behalten sie ihn dort?“

„Nur heute Nacht zur Beobachtung, kein weiteres Rippchen gebrochen, sein Vater holt ihn nachher vom Krankenhaus ab. Du kennst ja seinen Spruch, Unkraut vergeht nicht.“

„Da soll es ein neues Unkrautvernichtungsmittel geben habe ich gehört…“

Ich brauchte etwas um diesen Witz zu verstehen und begann zu lachen.

„Okay, dann machen wir uns mal an die Arbeit. Das fellige Getier erwartet uns sicher schon sehnsüchtig.“

*-*-*

Volker

Der Ausfall von Micha fiel nicht sehr ins Gewicht. Er war eine Woche weg, so änderte sich jetzt nicht viel. Dass der Junge auch nicht besser auf seine Rippen aufpasste konnte.

„Morgen Volker!“

Ich drehte mich um und sah Fritz auf mich zu kommen.

„Morgen Fritz.“

„Und etwas schlafen können?“

„Ich hab bei Rolf noch ein Glas Rotwein getrunken und danach sehr schnell eingeschlafen.“

„Bei Rolf?“, grinste Fritz frech.

„Ja, in seinen Armen stell dir vor“, grinste ich zurück.

„Keine Details!“

„Du hast angefangen.“

„Ist ja schon gut…, die sind ja schon gut voran gekommen…“

Aha, Themawechsel.

„Ja, heute ist der letzte Aushub da drüben, dann können sie Freitag mit der Verschalung beginnen.“

„Wenn euch der angekündigte Regen kein Strich durch die Rechnung macht.“

„Ja das liebe Wetter, bisher hatten wir viel Glück.“

„Um diese Zeit hatten wir schon oft Minusgrade und gefrorene Böden.“

„Ja ich weiß.“

„Etwas anderes, hast du gewusst, dass es dieses Twitterding über den Zoo gibt? Ich habe gestern Abend mal da hinein geschaut, stehen wirklich alle Neuigkeiten über den Zoo drin.“

„Ja, Jürgen und Rolfs Sohn haben sich hingesetzt und eine kleine Erklärung veröffentlicht, was aber daraus geworden ist, kann ich dir nicht sagen.“

„Werde ich heut Abend gleich mal hineinschauen, aber jetzt muss ich rein, will den Marvin nicht zu lange alleine lassen.“

„Hat er sich gebessert?“

„Naja, er ist eben ein Tollpatsch, aber er ist besser geworden.“

„Gut man sieht sich vielleicht später bei einer Tasse Kaffee.“

„Lässt sich sicher einrichten.“

*-*-*

Phillip

Die halbe Nacht saß ich über meinem Notizbuch, bis mich Heide ins Bett verfrachtet hatte. Sie hatte wohl Angst, ich würde wieder wie früher die Nächte durcharbeiten. Jetzt rollte ich gemächlich neben Florian her, den ich in den Kindergarten begleitete.
Eigentlich hatte ich es ideal getroffen. Ich konnte ruhig meinen Sohn in den Kindergarten bringen und danach direkt zur Tierklinik fahren.

„Papa, darf ich heute Mittag wieder Postbote spielen?“

„Wenn Post für mich da ist, mal sehen?“

„Aber hoffentlich nur ein Brief.“

„Wieso?“

„Das Päckchen war schwer!“

*-*-*

Agnes und Elfriede

„Guten Morgen Elfriede, wartest du schon lange?“

„Guten Morgen Agnes, nein bin auch eben erst gekommen.“

„Lass uns hinein gehen, mir ist kalt.“

„Dann lass uns gleich ins Afrikanische Haus gehen, da ist es jetzt am wärmsten.“

„Eine gute Idee. Weißt du schon, wo wir heute Mittag essen werden?“

„Moment…, ich suche gerade meine Eintrittskarte.“

„Die wird im vorderen Fach sein, da hast du sie jedenfalls gestern hinein gesteckt.“

„Da tu ich nie die Karte hinein.“

„Gestern hast du es…“

„Glaube ich nicht…“

„Dann schau doch nach!“

„Wieso? Ich weiß genau, dass ich dort die Karte nie hineinstecke.“

„Also ich geh jetzt hinein, mir ist kalt!“

„Das hast du schon gesagt.“

„Was?“

„Das dir kalt ist. Wo habe ich denn nur die Karte hin?“

„In das vordere Fach.“

„Also Elfriede, manchmal denke ich du hältst mich für alt.“

„Wir sind alt, Agnes!“

„Du vielleicht, ich fühle mich fit.“

„Ich schau mal selbst nach jetzt.“

„Was hast du vor?“

„Nachschauen, ob dort deine Karte ist, mir ist kalt, ich will jetzt hinein und du hast meine Frage nicht beantwortet?“

„Welche Frage?“

„Wo wir Mittagessen gehen werden.“

„Da ist sie ja…“

„Und wo war sie?“

„Im vorderen Fach, aber wie die da hin kommt, weiß ich nicht, ich tu sie da nie hinein.“

„Dann können wir ja endlich hinein.“

*-*-*

Dennis

„Tja Krümel, ich denke, lange kannst du nicht mehr drin bleiben.“

Ich betrachtete meinen zerkratzten Arm.

„Du bist eindeutig zu alt für die Babystation?“

„Mit wem redest du?“, fragte mich Sabine von draußen.

„Mit Krümel, wir werden ihn langsam an einen anderen Käfig gewöhnen müssen.“

„Ja, ich dachte schon dasselbe“, meinte sie, als sie an der Tür erschien.

„Aber wohin? Tamaras Käfig ist von dem alten Bären aus Belgien belegt…“

„…wäre nur noch der hintere Käfig frei, aber der hat keinen direkten Zugang zum Außengehege.“

Ich schaute Sabine an, während Krümel immer wieder gegen mich hüpfte. Wollte er mich umschmeißen. Kräftig genug war er ja jetzt schon. Sabine begann zu grinsen.

„Wer ist im Käfig davor?“

„Die Kragenbärfamilie…“

„Und wenn wir unsern Belgier dort hinten seinen Altersruhesitz einrichten, er zieht es eh vor drinnen zu bleiben. Dann könnten wir Krümel und auch die folgenden Bärchen in das Gehege tun.“

„Gute Idee, aber ob da der Belgier mitspielt, du weißt wie ungerne er Anweisungen folgt.“

„Auf mich hat er bisher immer gehört.“

Sabines Handy meldet sich.

„Ja, Sabine hier…was? Das ist jetzt nicht war…, bin gleich bei euch.“

Zehn Minuten später traf ich mit Sabine im Futterhaus ein. Volker und Fritz konnte ich ausmachen.

„Wer hat denn die Bestellung aufgegeben“, fragte Volker.

„Bis jetzt hat sich noch keiner gemeldet“, antwortete Hanno.

„Hat jemand mal auf dem Bestellschein nachgeschaut, abgeheftet und im Regal stehend? Dort muss eine Unterschrift sein.“

„Haben wir nach geschaut, aber die Bestellung ist weder unterschrieben, noch kennt jemand die Handschrift“, erklärte Hanno

„Das ist komisch“, meinte Sabine neben mir, „der, der die Bestellung macht unterschreibt auch immer.“

„Aber so viele Kisten verarbeiten wir doch niemals.“

„Stimmt, wir verarbeiten höchstens 30 – 40 Kisten, aber nicht… wie viele sind das…?“

„400“, antwortete Hanno.

Volker schüttelte den Kopf.

„Das gäbe eine Menge Sauerkraut“, warf Fritz ein und einige begannen zu kichern.

Volker schaute ihn scharf an.

„Ich habe mir nur Gedanken gemacht, was wir alles damit anfangen könnten. Einen Teil könnten wir dem Restaurant abgeben… und dann noch unter die Mitarbeiter verteilen.“

„400 Kisten Weißkraut…, ich fass es nicht“, meinte Volker und rieb sich über die Stirn, „irgendwer muss es aber bestellt haben.“

Der Fahrer des Lieferanten schaute uns hilflos an.

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