Zoogeschichten III – Teil 123 – Verdachtsmomente

tuer-11123. Verdachtsmomente
© by Pit 2014

Volker

Für heute reichte es mir. Das Erdreich war weggebracht worden. Ich überprüfte die Einzäunung und verschloss das Tor.

„Hallo Volker!“

Eine mir sehr bekannte Stimme zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Ich drehte mich um und da stand Rolf und was mich wunderte

schob er Lucca vor sich her.

„Hallo ihr zwei… äh, solltest du nicht im Bett liegen“, meinte ich zu Lucca.

„Habe ich auch gesagt, aber da du dich seit drei Tagen nicht mehr hast bei uns blicken lassen, hat mein Sohn seinen Dickkopf durchgesetzt, weil er dich vermisst hat.“

Ich schaute erst Rolf, dann Lucca sehr lange an. Dann ließ ihn Rolf los und Lucca rollte etwas unsicher auf mich zu. Bei mir angekommen, hob er seinen gesunden Arm und ich umarmte ihn vorsichtig

„He du Verrückter, du sollst doch im Bett bleiben.“

„Ich hab dich halt vermisst…, sonst warst du jeden Tag an meinem Bett gegessen… du weißt doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier…“

„Lauser!“, meinte ich und wuschelte ihm vorsichtig durch seine Haare.

„… und wo könnte ich dich sonst sehen, als hier im Zoo.“

„Ja, tut mir leid, aber die Arbeit macht sich nicht alleine.“

„Können wir uns irgendwo setzten, vom hoch schauen bekommen ich ja einen steifen Nacken.“

„Oh… ja, natürlich, da drüben steht eine Bank…, schaffst du das?“

„Gerade noch so…“

„Ach komm, ich schieb dich rüber, oder noch besser, ich kann dich auch hinüber tragen…“, meinte ich griff unter, hob ihn hoch und trug ihn zur Bank.“

„Volker… lass mich runter, wenn das einer sieht!“

Ich hörte Rolf lachen.

„Sitzt du gut?“

Er versuchte böse zu schauen, aber sein grinsender Mund signalisierte etwas anderes.

*-*-*

Adrian

Auf Bitte meiner Mutter, waren Robert und ich zu uns nach Hause gefahren. Robert war noch nie bei mir und hätte ich das gewusst, würde mein Zimmer bestimmt sauberer aussehen.

„Hier wohnt ihr also, ist eigentlich gar nicht so weit von mir weg.“

„Ja, nach dem mein Vater die Trennung wollte, war der einzige Wunsch meiner Mutter so schnell wie möglich unser früheres Haus zu verlassen, nach einem Jahr wohnen zur Miete konnte sie dieses kleine Haus ergattern.“

„Klein… soso… stimmt, über deinen Vater haben wir bis jetzt nie gesprochen.“

„Ist auch nicht so wichtig. Er ist Anwalt, hat wenig Zeit, wir sehen uns kaum.“

„Hört sich so tonlos an.“

„Da hörst du richtig, er war nie ein Vater, wie man sich das so vorstellt, ich hatte nie einen richtigen Bezug zu ihm und will ihn auch jetzt nicht mehr. Er ist für mich wie einer den ich flüchtig kenne.“

„Traurig…, aber kann man wohl nichts machen.“

„Nein, und nun raus mit dir, Mum wartet nicht gerne lange.“

„Was hat sie denn vor?“

„Warte es ab, du wirst es gleich selbst hören.“

*-*-*

Phillip

Ich rieb meine Augen. Das ständige ins Mikroskop schauen war ich echt nicht mehr gewöhnt, ich fühlte mich müde. Auch das ich vergangene Nacht kaum geschlafen hatte, hinterließ seine Spuren.
Ich zog eines der dicken Bücher heraus und schaute den Blutbildern nach. Das junge Männchen der Saruskraniche gefiel uns gar nicht. So hatte Reinhard bestimmt, eine weitere Blutuntersuchung vorzunehmen.
So suchte ich nun, vergleichbare Fälle, bei denen ich annahm, dies könnte der Jungvogel haben. Während ich blätterte, hörte ich die Eingangstür gehen. Es waren Melanie und Reinhard, die sich über etwas unterhielten.

„Du meinst wirklich, sie könnte schwanger sein?“, hörte ich Melanie sagen.

„Ja, alle Anzeichen sind gegeben, aber eine Blutuntersuchung wird uns Gewissheit geben.“

„Das wäre cool“, das wäre mein erstes Elefantenbaby.“

„Da wirst du aber noch eine Weile warten müssen. Stolze zweiundzwanzig Monate braucht eine Elefantenkuh, bis sie ihren Nachwuchs auf die Welt bringt… hallo Phillip, schon etwas Neues?“

Melanie lief weiter, während Reinhard zu mir ins Labor trat.

„Eher du! Wir haben eine schwangere Elefantendame?“

„Ich denke, weiß es aber nicht. Ich habe ihr Blut abgenommen, dein nächster Auftrag.“

„Leg es in den Kühlschrank, das Sarusküken macht mir Sorgen. Vogelseuche ist es nicht, das konnte ich 100 % ausschließen.“

„Das wäre heftig! Gut, aber was denkst du ist es dann?“

„Ich bin gerade auf der Suche in diesem dicken Wälzer.“

„Okay, dann viel Spaß… ach was mir gerade einfällt…, was ist mit dem Präparat für die Pferde?“

„Ach so, ja schau hier, mein Verdacht hat sich bestätigt.“

Ich zog mein Notizbuch hervor, schlug die gekennzeichnete Seite auf und hob sie Reinhard entgegen.

„Du kannst es vergleichen. Die Angaben der Inhaltstoffe, selbst die Zusammensetzung und Gewichtsangaben, sich haargenau dieselben.“

„Das ist nicht zu fassen. Kann ich deine Unterlagen kurz habe? Ich müsste kurz ein Telefongespräch führen.“

„Kein Problem, ich werde weiter nach dem Blutbild schauen.“

*-*-*

Dennis

Der letzte Käfig war geschafft und Sabine bereitete gerade alles dafür vor, den Belgier umzuquartieren.

„Kommst du dann, Dennis? Alleine krieg ich diesen alten Brummbären nicht in den Käfig.“

„Ich räume gerade noch meine Sachen weg, dann komm ich zu dir.“

„Okay.“

So verstaute ich Rechen und Schaufel und entsorgte den Eimer voll Dreck zum anderen. Ich wusch mir noch schnell die Hände bevor ich zu Sabine zurück kehrte.

„So da bin ich.“

„Gut, ich werde jetzt alle Zwischentore nacheinander aufziehen, dann kannst du dein Glück versuchen.“

Ich legte meine Stirn in Falten, weil ich mir echt nicht sicher war, ob ich das fertig brachte. Sabine begann an den Hebeln zu ziehen und nach und nach öffneten sich die Schieber. Von den Geräuschen aufgeschreckt, stand der Belgier schon, als ich zu ihm an den Stall kam.

„Na du, Lust zum umziehen?“

Er schaute mich nur an, gab aber kein Laut von sich. Wie damals im belgischen Zoo, hatte ich mir eine Karotte besorgt, nur diesmal keine schön geputzte von Michaels Essensbox.

„Hunger? Schau ich habe eine leckere Karotte für dich.“

Der Bär machte Anstalten sich langsam auf mich zu zubewegen. So lief ich Richtung nächsten Käfig.

„Komm, dahinten habe ich ganz viele für dich.“

Zögernd blieb er beim offenen Schieber stehen und beschnupperte alles.

*-*-*

Volker

„Ich weiß gar nicht was ich sagen soll… danke vielleicht?“

„Für was?“, fragte Lucca.

„Dass du mich sehen willst.“

„Da ist auch noch ein anderer Grund…“

„Und der wäre?“

„Papa hat mir das mit deinem Sohn erzählt… der Gregor glaub ich.“

Ich schaute zu Rolf, der aber nur mit den Schultern zuckte.

„Ja, Gregor heißt mein Sohn.“

„Ist das der Grund, warum du uns nicht mehr besuchst?“

„Bitte?“, ich musste erst meine Gedanken ordnen, bevor mir bewusst wurde, was Lucca da gerade gefragt hatte.

„Äh nein…! Ich habe hier wirklich viel Arbeit und Michael ist auch ausgefallen, wegen seiner Rippen.“

„Geht es ihm besser?“

„Soweit gut, er will morgen wieder kommen.“

„Okay, ich wollte nur wissen, ob das vielleicht der Grund deiner plötzlichen Abwesenheit war.“

„Nein ist er nicht, wie kommst du auf so etwas?“

„Ich weiß auch nicht, aber nachdem Papa die ganze Sache erzählt hatte, hab ich mir so meine Gedanken gemacht.“

„Du sollst nicht denken, sondern gesund werden!“

„Entschuldige, wenn man aber die ganze Zeit im Bett liegt, bleibt es nicht aus, sich Gedanken zu machen.“

„Dein Sohn grübelt so viel!“, meinte ich zu Rolf, der bis jetzt noch nichts zu der Sache gesagt hatte.

Er nickte nur und ich konnte ein kleines Lächeln entdecken.

„Und zu was für einem Schluss bist du bei deiner Grübelei gekommen?“, fragte ich Lucca.

„Ich sollte mit Gregor reden…“

Ich schaute Lucca erst mit ganz großen Augen an, dann lehnte ich mich zurück und blickte zur Baustelle.

„Keine gute Idee!“

„Aber…“

„Lucca, ich habe dir gesagt, das ist keine gute Idee“, meldete sich nun Rolf zu Wort.

„Er hat dir diesen Vorschlag schon unterbreitet?“, fragte ich Rolf, der nickend bejahte, „wie ich schon sagte, das ist keine gute Idee von dir. Leute, die seine Gedanken teilen, haben dich so zugerichtet, meinst du ich lass dich dann in seine Nähe? Das kannst du dir abschminken!“

„Schminken ist euer Part!“, erwiderte Lucca und ich brauchte etwas, um diesen Spaß zu verstehen, „zudem wird er sich wohl nicht an mir vergreifen, wenn ihr dabei seid.“

„Ach ich weiß nicht, Lucca, wie stellst du dir das vor?“

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

„Was haben die dir im Krankenhaus verabreicht, dass du plötzlich so eins auf Klugscheisser machst?“

Lucca grinste mich frech an.

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