Zoogeschichten III – Teil 133 – Immer wieder montags

tuer-21133. Immer wieder montags
© by Pit 2014

Dennis

Ich erklärte Michael kurz, was Doc Ekkard vorgeschlagen hatte.

„Ist es dir überhaupt recht, dass ich an der Operation teilnehme?“, fragte mich Sven, während wir uns auf die große Couch setzten.

„Ähm, wieso fragst du mich das?“

„Naja, auf den Vorschlag zu mir zu ziehen, hast du etwas abweisend geklungen, aber

ich akzeptiere das und im Nachhinein verstehe ich das auch, es war einfach eine verrückte Idee.“

„Tja mein Mann ist immer sehr spontan“, kam es von Sandra, die gerade mit dem Kaffee herein kam.

„Jetzt weiß ich, woher du das hast“, meinte Michael lächelnd.

Ich schaute wieder zu Sven.

„Also wegen der Operation, der Zoo und ich privat haben nichts miteinander zu tun und ich freue mich, dass Doc Ekkard an dich gedacht hat. Klar möchte ich dich besser kennen lernen, aber halt langsam, aber das hat nichts mit dem Zoo zu tun.“

„Mich hat es auch gefreut, so eine Chance bekommt man als Tierarzt recht selten.“

„So, wer möchte ein Stück Kuchen von euch“, fragte Sandra, als wolle sie dieses Thema zum Abschluss bringen.

*-*-*

Etwas müde betrat ich die Futterküche. Schon von weitem hörte ich das Gelächter der anderen. Ich konnte Fritz ausmachen, der wohl ein paar Anekdoten über den Weihnachtsmarkt vom Stapel ließ.

„Morgen!“, begrüßte ich alle, als ich den Raum betrat.

„Morgen“, schallte es zurück.

Alle grinsten mich an. Ich lief zu Sabine, die schon am schneiden war.

„Und den Sonntag gut verbracht?“, wollte sie wissen.

„Ja, ich war mit Michael bei meinem leiblichen Vater zum Kaffee eingeladen.“

„Oh schön.“

„Steht heute etwas an?“

„Normalerweise nichts, aber Volker hatte die verrückte Idee unsere Zuschauerräume noch etwas mehr weihnachtlich zu schmücken. Er ist anscheinend unterwegs und besorgt noch mehr Dekomatrial.“

„Wie bekam er plötzlich diese Eingebung?“, fragte ich und nahm mir ein paar Karotten aus der Kiste.

„Weiß ich nicht, vielleicht hat ihn der Weihnachtsmarkt inspiriert.“

„Er könnte Sandra fragen, die hat ihr Haus auch sehr weihnachtlich geschmückt.“

„Wer ist Sandra?“

„Die Frau meines Vaters.“

„Stimmt es, was erzählt wird, dein Vater hilft am Mittwoch Doc Ekkard.“

„Ja.“

„Interessant.“

„Wieso interessant?“

Sabine schaute sich um und rückte etwas näher zu mir, um dann leise weiter zu reden.

„Man erzählt sich, dass der Ekkard nach einem Nachfolger Ausschau haltet.“

„Nachfolger?“, fragte ich etwas laut.

Auf alle Fälle drehte sich ein paar der Kollegen zu uns herum. Sabine schaute mich vorwurfsvoll an. Ich zuckte mit den Schultern und schnitt verlegen weiter. Die Tür sprang auf und Volker kam herein gestürmt.

„Alles stehen und liegen lassen, ich brauche eure Hilfe, die Sansibar-Duckers sind frei.“

„Wie konnte das passieren?“, fragte Fritz.

„Wissen wir noch nicht.“

„Was sind Sansibar-Ducker?“, fragte ich Sabine leise.

„Zwergantilopen“, bekam ich ebenso leise mit.

Nach und nach leerte sich der Raum und ich folgte den anderen.

*-*-*

Volker

„Eindeutig Altersschwäche“, meinte Kevin zu Fritz, die beide vor dem gebrochenen Pfosten knieten, “komplett durchgerostet.”

Jürgen schaute mich an.

“Und das an einem Montag, die Woche fängt ja gut an!”

„Es ist eines der ältesten Gehege, die wir hier im Zoo haben“, merkte ich an.

Jürgen raufte sich die Haare. Ich wusste was er dachte. Zwei Baustellen im Zoo machen keinen guten Eindruck.

„Jetzt geht es erst einmal darum, die Tiere wieder einzufangen“, sprach ich weiter, „und am Gelände selbst, müssen wir nichts ändern, da ist mit der Zeit immer etwas saniert worden, bis auf die Umzäunung eben.“

„Du hast Recht, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, ich häng mich gleich ans Telefon“, sagte Jürgen und klopfte mir auf die Schulter.

So schnell er gekommen war, war er auch wieder verschwunden.

„Leute, ihr habt es gehört was der Chef gesagt hat, Tiere einfangen“, kam es von Fritz, „am besten immer in Vierergruppen, wenn etwas ist, meldet euch über Handy. Du Kevin bleibst am besten mit Dennis und Karl hier und richtet schon mal die Transportkisten auf den Lieferwagen.“

Kevin und alle anderen nickten. Fritz teilte noch die Gruppen ein.

*-*-*

Agnes und Elfriede

„Wo sind denn heute die ganzen Pfleger?“

„Ich weiß es nicht Elfriede, vielleicht haben sie eine Besprechung.“

„Eine Besprechung?“

„Ja Elfriede, meinst du nicht, hier wo so viele Leute arbeiten, müssen die nichts besprechen?“

„Also ich denke, jeder weiß hier was er zu tun hat. Das sieht immer so… wie heißt das… ah ja, so professionell aus.“

„Ja, es gibt aber vielleicht immer irgendwelche Veränderungen.“

„Welche Veränderungen denn?“

„Ach Elfriede, was weiß ich.“

„Was ist das für ein Tier, Agnes?“

„Steht hier kein Schild zum Nachlesen?“

„Nicht da drinnen, ich meine das kleine Tier, dass da vorne neben dem Busch steht.“

„Nanu, warum rennt das denn hier draußen herum?“

„Ich weiß es nicht. Du vielleicht ist das bei so einer Besprechung beschlossen worden, dass die Tiere jetzt frei herum laufen dürfen.“

Agnes schaute Elfriede an.

„Ich weiß nicht, dass sind wilde Tiere, komm lass und mal näher heran gehen.“

*-*-*

Fritz

„Oh, da vorne ist Sebastians Fanclub, bitte kein Wort über die Duckers Verlieren, sonst weiß es bald der ganze Zoo“, meinte ich zu Horst, Sabine und Dieter.

„Keine Sorge, ich kenn die zwei Tanten gut“, kam es von Horst.

„Guten Morgen!“, wurden wir begrüßte, als wir die zwei Damen erreichten.

„Morgen die Damen“, begrüßte Horst die zwei.

„Junger Mann, darf ich sie etwas fragen?“

Horst blieb stehen.

„Ja, wie kann ich ihnen helfen?“

„Kann es sein, dass sie neuerdings ein paar Tiere frei herumlaufen lassen?“

„Die einzigen Tiere, die frei herum laufen sind im Streichelzoo.“

„Ich frage deshalb, weil da drinnen im Busch, so ein dickes Reh sitzt.“

Abrupt blieben wir alle stehen.

„In welchem Busch denn?“, fragte Horst gespielt erstaunt.

„In dem da“, zeigte ihm eine der Frauen.

„Da werden wir wohl nachschauen“, sagte Horst und wir drei kamen wieder zu ihm.

Ich stellte mich etwas abseits und rief Kevin an, dass er sich mit den Transportkisten in Bewegung setzten sollte.

„Sehen sie es?“, fragte einer der Frauen?“

„Ja!“, kam es leise von Horst, der auch mit seiner Hand anwies, jetzt ruhiger zu sein.

„Wie gehen wir vor?“ wollte Sabine wissen.

„Bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als rein in den Busch.“

*-*-*

Dennis

Jetzt fehlte nur noch ein Tier, das bisher noch nicht gefunden wurde. Volker hatte mit Michael, den gebrochenen Pfosten notdürftig repariert. Fritz stand neben uns und begutachtete das Ganze.

„Ich schlage vor, wir brechen die Suche ab, denn unsere Arbeit bleibt liegen und die Tiere warten auf ihr Futter“, meinte Fritz.

„Ich gebe dir Recht“, meinte Volker, „ Michael und ich werden die Augen offen halten und jeder sollte das in seinem Revier auch tun.

„Dann geh ich mal zurück in die Futterküche“, meinte ich.

„Sehen wir uns später beim Mittagessen?“, fragte mich Micha.

„Wenn ich dazu komme, gerne.“

„Gut, dann sag mir Bescheid“, meinte ich und hörte im Hintergrund, wie Volker und Fritz die anderen per Handy über ihren Beschluss benachrichtigten. Ich wollte gerade die anderen verlassen, als Volkers Handy losging.

Er ging erneut ans Handy und fing wenig später an zu lachen.

„Was ist los?“, wollte Fritz wissen.

„Das war Jürgen. Er liegt in seinem Vorgarten und hält das fehlende Weibchen fest, wir sollen uns beeilen.“

*-*-*

Robert

„Wie hast du es geschafft, so schnell Urlaub zu bekommen?“, wollte Heike von mir wissen.

„Beziehungen“, grinste ich.

„Das ist gemein, und dann noch über Weihnachten nach Florida fliegen.“

„Jeder wie es verdient.“

„Ob du das verdient hast, das ist ein anderes Thema, aber ich denke, es wird dir auch gut tun. Weißt du denn schon was geplant ist?“

„In keinster Weise, Adrian redet nicht viel darüber. Ich weiß eben nur, dass wir die Delphine dort besuchen.“

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