Zoogeschichten III – Teil 136 – Final Part

tuer-24136. Letzte Folge
© by Pit 2014

Michael

„Ja?“, meldete ich mich genervt.

„… ähm Kevin hier.“

„Oh, entschuldige Kevin, aber seit ich losgelaufen bin, steht mein Handy nicht mehr still.“

„Du bist sicher es ist dein Handy?“, kicherte Kevin.

„Wieso?“, fragte ich und verdrehte die Augen.

„Hätt ja sein können, dass du Volkers Handy erwischt hast.“

„Dann hättest du mich nicht unter meiner Nummer anrufen können“, grinste ich.

„Punkt an dich…, warum ich anrufe, Melanie ist gerade herausgekommen, weil sie etwas holen muss in der Klinik.“

„Ja und?“

„Es steht schlecht um Gretchen.“

„Was?“

„Sie haben wohl diese Rinne von der Doc Ekkard gesprochen hat vertieft, aber die Kondition von Gretchen lässt zu wünschen übrig. Die Operation ist fertig, sie warten aber darauf, dass Gretchen aufwacht.“

„Und jetzt?“

„Mehr kann ich dir auch nicht sagen.“

„Okay, danke.“

*-*-*

Volker

Eigentlich war ich zufrieden und konnte mich freuen, dass wir auf dem Bau soweit gekommen waren. Falls das Wetter Anfang Januar mitspielte, konnte es ja zügig weiter gehen.
Mein Handy ging und Jürgen informierte mich über die Operation und dass wir wahrscheinlich das Zebra verlieren könnten. Nachdenklich schritt ich an der Baustelle entlang.

„Volker?“

Michael riss mich aus den Gedanken.

„Oh, Michael, da bist du ja. Jürgen und ich haben entschieden, die Baustelle für dieses Jahr ruhen zu lassen.“

„Okay…, hast schon wegen der Operation…?“

„Ja, habe ich…, schade um das Tier.“

„Gretchen ist noch nicht tot!“

„Aber sie kommt auch nicht wieder zu sich. Sieh mal Junge, es ist traurig ja, aber Gretchen ist achtzehn Jahre alt, in freier Wildbahn hat das Tier eine Lebenserwartung von ca. zwanzig Jahren, naja hier im Zoo eigentlich einiges länger, aber man weiß eben nie, wie alt die Tiere werden.“

Michael nickte und war sichtlich traurig.

„Warum ich dich gerufen habe. Gleich kommt der Tiertransporter an und ich möchte, dass du dabei bist.“

„Ähm, du weißt schon, ich kann nichts tragen helfen.“

„Ja, musst du auch nicht, eigentlich brauch ich dich nur zur Unterstützung von Dennis.“

„Wieso für Dennis?“

„Das Bärchen, das gleich kommt, ist ein Eisbär und ich könnte mir vorstellen, dass Dennis sich dem nicht gewachsen fühlt.“

„Wow, ein Eisbär.“

*-*-*

David

„Gott sei Dank! Haltet mich auf dem Laufenden“, sagte Jürgen und legte auf.

„Ist etwas passiert?“, wollte ich von meinem Bruder wissen.

„Das Zebra, das heute operiert wurde, ist wieder aufgewacht, sah lange böse aus, wir dachten schon wir verlieren das Tier.“

„Gute Nachricht…“

„Und was hat mein kleiner Bruder auf dem Herzen?“

„Muss ich etwas wollen, wenn ich bei dir vorbei schaue?“

Jürgen grinste mich breit an.

„Also gut…, ich wollte eigentlich nur sagen, dass ich am zweiten Weihnachtsfeiertag nicht zum familiären Festkaffee erscheinen werde.“

„Das ist schade… ein bestimmter Grund?“

„Ja… Tims Eltern haben mich zum Mittagessen und Kaffee eingeladen.“

„Oh, gibt dass dann die öffentliche Hinrichtung?“

„Hä…?“

„Sorry“, grinste Jürgen, „ich hätte Fragestunde sagen sollen.“

„Ach so. Mach mich doch nicht schon nervöser, als ich es bin.“

„Du hast keinen Grund nervös zu sein, deine Familie ist tadellos, du selbst studierst, was will man mehr?“

„Warst du nicht nervös, als du deinen Schiegereltern vorgestellt wurdest?“

„Nein!“

„Glaube ich nicht!“

„Kannst du, oder nicht. Meine Schwiegereltern kannten mich schon von klein auf, so musste ich nicht vorgestellt werden, du vergisst, mein Schwiegervater war, deines Vaters Zahlmeister hier im Zoo.“

„Das wusste ich nicht…“

„Stimmt, ich vergesse oft, dass du als Nachzügler, vieles hier im Zoo nicht wissen kannst. Okay, ich habe es zur Kenntnis genommen und wann stellst du mir offiziell meinen zukünftigen Schwager vor?“

Entsetzt schaute ich meinen grinsenden Bruder an.

*-*-*

Dennis

Alles war erledigt und ich spielte etwas mit meinen zwei verbliebenen Zöglingen. Irgendwie fand ich es schade, dass ich dies nicht mehr mit Krümel tun konnte, aber er war eben schon zu groß und nun trennte uns ein Gitter.

„Dennis kommst du? Der Transporter ist da“, hörte ich Sabine rufen.

„Ja, bin gleich bei dir…“, antwortete ich, „so ihr zwei Racker, ich muss mich jetzt um euren neuen Mitbewohner kümmern, seid mir ja brav, ich will heute hier nicht noch einmal aufräumen müssen.“

So ließ ich die beiden alleine, schloss das Eisengatter hinter mir und fand Sabine mit Volker und Michael vor.

„He hallo“, meinte ich zu den beiden, „auch neugierig auf den Neuzugang?“

„Ja, wir wollen ja sehen, wer da zu uns kommt“, meine Micha grinsend.

Der Summer der Eingangstür ging und die Tür öffnete sich. Herein kam Jürgen mit Rolf im Gefolge.

„Hi, dich habe ich gar nicht erwartet“, meinte Volker und begrüßte Rolf mit einer Umarmung, „wo hast du Lucca gelassen?“

„Der kommt gleich nach“, antwortete Rolf.

„Gute Nachricht aus dem Savannenhaus, Gretchen geht es soweit gut“, meinte Jürgen.

Das hätte er auch am Telefon mitteilen können, warum war er wirklich hier? Die halb offene Tür wurde aufgeschoben und Lucca rollte herein, geschoben von Gregor.

„Ähm hallo“, meinte Volker.

„Bevor ihr alle Bauklötze staunt“, begann Jürgen, „Marion hat mich wegen Weihnachten angerufen und ich habe ihr erzählt, dass wir einen Neuzugang bekommen, als sie nach dir fragte. Gregor war bei ihr, der beschloss herzukommen. Rolf und Lucca traf ich am Eingang, sie wollten dich besuchen, weil Lucca an die frische Luft wollte. Dann stieß Gregor zu uns und da sich die Jungs etwas unterhalten wollten, sind Rolf und ich vorgegangen.“

Das musste ich jetzt nicht verstehen. Draußen hupte es. Volker ging zur offenen Tür hinaus, wir folgten ihm alle.

„Und hat unser Reisender die Fahrt gut überstanden?“, fragte Volker den Fahrer.

„Ja, auch wenn er zwischendurch oft gequengelt hat.“

Der Fahrer öffnete die Seitentür und zum Vorschein kam eine weiße Box.

„Wo kommt die hin?“

„Da hinein!“, antwortete Volker und gemeinsam trugen sie die Kiste ins Bärenhaus.

Gespannt versuchte ich einen Blick zu erhaschen, aber ich konnte keinen Insassen erkennen. So folgte ich den beiden, wie die anderen.

„Ich würde vorschlagen, für die Zeit der Quarantäne kommt der Bär in Krümels ehemalige Box im Büro“, schlug Sabine vor.

„Gute Idee“, meinte Volker und setzten die Kiste langsam vor dem Büro ab.

Der Fahrer zog die Decken weg, die, den kleinen Käfig verhüllten und zum Vorschein kam ein Eisbär.

„Ein Eisbär?“, fragte ich verwundert.

„Ja, er konnte gerade noch gerettet werden, seine Mutter benutzte ihn schon als Spielball.

Ich ging auf die Knie.

„He mein Kleiner, willkommen!“

*-*-*

Der kleine Bär war in meinen Armen eingeschlafen, nachdem er etwas Milch getrunken hatte.

„Der ist richtig süß“, sagte Sabine.

Ich strahlte sie an.

„So, dann werde ich mich wieder an meine Arbeit machen“, sagte Jürgen.

„Ich komm mit“, meinte Volker.

Er sah zu Rolf welcher nickte. Zwei Minuten später stand ich mit Michael alleine da. Sabine war auch irgendwo verschwunden.

„Ich glaube, ich werde eifersüchtig“, sagte Micha leise.

„Auf den Eisbären? Wieso?“

„Wie du ihn so im Arm hältst…, ich werde richtig neidisch!“

„Tja, erst die Tiere“, meinte ich grinsend.

„Ja ich weiß“, seufzte Micha, „aber ich liebe dich trotzdem.

Er gab mir einen kleinen Kuss.

„Ich dich auch…“, entgegnete ich.

Ich sah ihn lange an.

„Was ist?“, fragte er.

„Hättest du dir im Sommer vorstellen können, dass dies hier alles passiert?“

„Du meinst mit uns?“

Ich nickte.

„Hm…, nein, aber ich bin froh, dass es passiert ist, sonst hätte ich nicht so einen wundervollen Freund bekommen.“

Ich hielt den Kopf schief und schaute ihn verliebt an.

„Danke!“

„Für was?“, fragte Micha.

„Das es dich gibt!“

Micha kam näher und drückte sich sanft an mich.

„Danksagung zurück!“, lächelte er.

Es war wirklich verrückt, was seit meinem ersten Tag alles passiert war und meine Lehre hatte ja erst begonnen. Aber jetzt erst mal kamen Weihnachten und Silvester. Was nächstes Jahr alles passieren würde, wer weiß?

*-* Ende *-*

So ihr Lieben, dass war sie nun endgültig. Zoogeschichten endet hier. Was mit einem Lehrling begann, endet mit 59 Charakteren, die sich einfach in die Geschichte geschummelt haben.
Ich hoffe es hat euch gefallen und so bleibt mir nur noch „Fröhliche Weihnachten und viel Gesundheit“ zu wünschen.
Euer Pit

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4 Kommentare

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    • Andy auf 24. Dezember 2014 bei 00:41
    • Antworten

    Huhu, hmm ein schönes Ende. Hast Du hervorragend hin bekommen. Allerdings hab ich den leisen Verdacht, dass es irgendwann doch eine Fortsetzung gibt, kann das sein ?;)
    Wünsche dir auch ein schönes, besinnliches Weihnachtsfest und vieeeel Gesundheit.
    Hoffe, dass man bald wieder was von dir lesen kann.

    LG Andy

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    • SvenGVM auf 24. Dezember 2014 bei 06:22
    • Antworten

    Hallo, einfach Klasse! Ein schöner Abschluss für dieses Jahr. Würde mich trotzdem freuen, wenn es hier nochmal weitergehen würde. Wünsche Allen besinnliche Feiertage.

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    • sandro auf 24. Dezember 2014 bei 12:37
    • Antworten

    HAllo Pit,

    erstmal vielen vielen Dank für die weitergeführte Geschichte.

    Es ist wirklich erstaunlich wie sich die ganzen “Mitspieler” entwickelt haben.

    Es war wie immer sehr einfühlsam und spannend geschrieben.
    Schade das es wirklich ein Ende findet/finden muss.

    Ich hoffe aber doch das Du noch viele gute Ideen und vorallem die Gesundheit und Muse
    zum schreiben hast.

    Ich wünsche Dir und Familie sowie allen Autoren und Schreibern hier
    ein frohes geruhsames Fest.

    Gruß
    sandro

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    • Joachim auf 25. Dezember 2014 bei 16:16
    • Antworten

    Hallo Pit,
    wieder ein schöner Adventskalender. Ich musste alerdings ein wenig weiter ausholen um die Geschichte zu verstehen, da die Geschichte ja schon ein ppar Jahre zurück liegt. daher habe ich immer ein ppar Tage hinterher gehinkt. Aber jetzt habe ich es geschafft. 🙂

    Bei den vielen Karakteren hatte ich schon ein wenig Schwierigkeiten, sie auseinander zu halten. Aber ich habe es geschafft und muss Dir sagen, dass die Geschichte sehr schön ist.

    Wie sagt man immer so schön: > In jedem Ende steckt auch immer ein neuer Anfang<
    Also freue ich mich auf neue Geschichten von Dir!

    Da Weihnachten jetzt fast vorbei ist wünsche ich Dir auf jeden Fall für das Neue Jahr: Gesundheit, viele Ideen für neue Geschichten und das auch viele andere Autoren ihre Geschichten hier auf der Seite veröffentlichen.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Joachim

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