Zoogeschichten III – Teil 112

Ende gut – Alles Gut?

Dennis

Michael und ich standen mit Sebastian vor dem Tor und warteten.

„Und das ist dein richtiger Vater?“, fragte Sebastian zum zweiten Mal.

„Ja“, antwortete ich genervt.

„Sorry, das hört sich nur alles so unglaublich an.“

„Verständlich“, kam es von Michael.

Ein Auto kam die Straße recht zügig herunter gefahren. Die Scheinwerfer blendeten uns, bis der Wagen vor uns stehen blieb. Michael betrat den Zoo und öffnete das große Tor. Langsam rollte der Wagen durchs Tor und blieb innerhalb des Geländes stehen stehen.

Beide Türen gingen auf und Sven und Sandra stiegen aus. Sandra hatte so ein kleines Arztköfferchen dabei.

„Hallo, dachte nicht, dass wir uns so schnell wieder sehen“, meinte Sven und schloss den Wagen ab.

Ich lächelte.

„Wo müssen wir hin?“, fragte Sandra.

„Hallo. Ich bin Sebastian. Ich zeige euch, wo es lang geht.“

Schweigend lief ich zwischen Micha und Sven her.

„So, hier arbeitest du also.“

„Ja, da drüben im Bärenhaus“, antworte ich.

Sebastian lief recht schnell. So war für ein ausführliches Gespräch keine Zeit.

„Können ja nachher kurz rein schauen“, ergänzte ich noch.

„Gerne.“

Ich wusste nicht, warum ich mich so unwohl fühlte. Michael schien dies jedenfalls zu spüren. Er griff nach meiner Hand und drückte sie sanft.

Volker

„Ich weiß nicht, ob dass so eine gute Idee war, mitzufahren, Volker.“

„Ach komm, Rolf. Du hast deinen Sohn gehört. Er will dich mindestens einen Tag nicht sehen.“

Rolf schien immer noch nicht überzeugt zu sein.

„Wenn ich durchfahre, sind wir morgen früh bei diesem Notar. Wickeln alles ab und fahren wieder zurück“, erklärte ich.

Mein Blick fiel nach hinten, wo David und Tim schliefen. Sie waren zwar nicht begeistert, abends noch wegzufahren, aber es blieb ihnen überhaupt nichts übrig. Eng umschlungen dösten sie vor sich hin, beide mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Rolf folgte meinem Blick und drehte den Kopf nach hinten.

„Einfach süß die beiden, oder?“

„Hmm, ja.“

„Du hörst dich nicht gerade überzeugend an“, sagte Rolf.

„Nein, bin ich auch nicht. Mir geht das alles etwas schnell mit den beiden. Wenn ich daran denke, wie David darunter gelitten hat, dass sein Freund in die Türkei zurück musste. Und jetzt hat er einfach einen neuen Freund.“

„Wo die Liebe hinfällt“, erwiderte Rolf und lächelte mich an.

„Findest du, dass es bei uns auch zu schnell geht?“, fragte er.

„Kann ich nicht sagen… ich war noch nie in einen Mann verliebt.“

„So, so. Du bist also verliebt in mich.“

Ich merkte, dass Rolf mich aufziehen wollte.

„Ja, etwas!“

„Nur etwas? Mehr nicht?“

„Vielleicht ein wenig mehr.“

„Wie viel mehr?“

„Och, könntet ihr da vorne mal mit eurem Liebesgeplänkel aufhören? Ich will schlafen!“, kam es von David.

Rolf und ich mussten lachen.

Sebastian

Ich zog die Tür zum Delfinarium auf. Drinnen war es hell erleuchtet. Robert und Armin, die Nachtwache hatten, knieten am Becken.

„Hallo Robert, da bin ich. Einen Arzt habe ich auch dabei.“

Robert schaute auf.

„Einen Arzt?“

„Ja, eine Ärztin. Oder hast du Doc Reinhard erreicht?“

„Nein, immer noch nicht.“

Den ganzen Trupp im Gefolge, hatte ich endlich Robert erreicht.

„Sandra Meisenberger, hallo.“

Sie strecke die Hand aus, die Robert ergriff.

„Robert.“

„Was steht an?“, fragte Sandra.

„Das Neugeborne von Dana scheint schlecht Luft zu kriegen. Dana ist total unruhig und versucht es ständig über Wasser zu halten“, erklärte Robert.

„Wie alt ist es?“

„Fünf Wochen.“

„Also ist es noch kein Fisch.“

„Nein, das beginnt ja erst mit ein paar Monaten.“

Sandra stellte ihre Tasche ab und kniete sich ebenfalls an das Becken. Robert schaute kurz zu Dennis und dann zu dessen Vater. Sein Blick wurde fragend.

„Sven Meisenberger, auch Tierarzt“, stellte er sich vor.

„Mein Vater“, meinte Dennis leise.

Mir schien, als würde Robert grade überhaupt nichts verstehen.

„Das ist mein leiblicher Vater“, wiederholte sich Dennis.

„Ach so… ähm ja“, meinte Robert und widmete sich wieder den Tieren.

Wieso sah Dennis so unglücklich drein? Sein Vater dagegen strahlte über das ganze Gesicht. Bei längerem Hinsehen konnte man auch die Ähnlichkeiten zwischen beiden feststellen. Nun schaute ich auch zurück zu den Delfinen.

Sandra untersuchte das Kleine.

„Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich sagen, es hat eine Lungenentzündung“, meinte sie.

„Eine was? Das bekommen doch nur Menschen“, meinte Robert.

„Nein Robert, es gibt einige Krankheiten, die vom Menschen auf die Delfine übertragen werden können.“

„Aber von uns hier ist niemand krank. Nicht mal einen Schnupfen hat einer.“

„Das kann auch von euren Gästen kommen.“

„Dana und ihr Junges haben zur Zeit keinen direkten Kontakt nach draußen. Sie sind in einem Extrabecken und dürfen und abends in das große Becken.“, erklärte Robert.

„Die anderen Tiere sind dann auch im Becken?“, fragte Sandra.

„Ja, natürlich.“

„Sie könnten die Erreger übertragen haben. Denn sie haben ja sicher Kontakt zu den Besuchern.“

„Werden sie dann auch krank?“

„Nein, ihr Immunsystem funktioniert ja ausgezeichnet. Das Jungtier dagegen muss sein Immunsystem erst entwickeln.“

„Armes Kleines – und was können wir tun?“

„Wenn ich Recht habe, könnten wir ihr Immunsystem mit einer Aufbauspritze stärken.“

„Ja und, warum machen sie es nicht?“

„Weil ich mir nicht ganz sicher bin mit meiner Diagnose.“

Volker

„Könnten wir bei der Raststätte Pause machen? Ich müsste mir mal die Beine vertreten.“

Ich lächelte Rolf an.

„Kein Problem“, meinte ich und setzte den Blinker.

Ich ließ den Wagen langsam die Ausfahrt hinausrollen. Es standen nur wenige PKW auf dem Parkplatz. Dafür umso mehr LKWs. Ich hielt direkt vor dem Hauptgebäude, das zu dieser Zeit noch geöffnet hatte.

Ich drehte den Zündschlüssel und der Motor erstarb.

„Sind wir schon da?“, murmelte hinten ein verschlafener Tim.

„Nein, wir machen eine Pause“, sagte ich und stieg aus.

Rolf folgte mir. Er streckte sich.

„Boah, tut das gut. Noch eine Weile länger und meine Beine wären eingeschlafen.“

„Bist du keine längeren Fahrten gewohnt?“, fragte ich.

„Doch schon, aber da fahr ich selber.“

„Wenn du willst, kannst du ja das nächste Stück fahren, bis zur Grenze.“

„Ja, gute Idee. Und du kannst dich noch etwas ausruhen.“

„Ich bin fit!“

„Ja und später beim Notar schläfst du ein.“

Wir ließen die zwei alleine im Auto und betraten die Raststätte. Vereinzelt saßen da Männer an den Tischen.

„Willst du auch einen Kaffee?“, fragte Rolf.

„Ja, gerne.“

Während Rolf uns an der Theke Kaffee besorgte, stand ich am Stand mit den neuen Artikeln, die jede Woche wechselten. Mir stach ein kleines Bärchen ins Auge, das ein Herz unter dem Arm trug. Zaghaft griff ich danach.

„Wie alt sind wir denn?“

Ich fuhr zusammen und hätte fast das Bärchen fallen lassen. Hinter mir stand Rolf, mit dampfenden Kaffees.

„Och, es gefiel mir so gut“, versuchte ich, mich herauszureden.

„Dann kauf es dir doch.“

„Es wäre ja nicht für mich.“

Rolf schaute mich fragend an.

„Da gibt es einen gewissen Mann, für den ich mich interessiere und – na ja, als ich dieses Bärchen sah, musste ich an ihn denken.“

Auf Rolfs Gesicht machte sich ein Grinsen breit. Ich ging an die Kasse und zahlte das Bärchen, bevor ich meinen Kaffee gegen ein gewisses Bärchen austauschte.

*-*-*

Dennis

Robert nahm sein Handy vom Tisch und wählte eine Nummer.

„Mist, Reinhard ist immer noch nicht zu erreichen“, meinte er.

„Also ich vertraue Sandra“, meinte ich, „ oder könnte so eine Spritze dem Tier schaden?“

Ich spürte, wie Sven seine Hand auf meine Schulter legte und kräftig drückte.

„Delfine reagieren allgemein gut auf humane Medizin, aber wie es bei Neugeborenen ist, kann ich leider nicht sagen, dazu gibt es zu wenige Berichte.“

Der Summer der Tür ging und Heike trat ein.

„Nanu, was ist denn hier los?“, fragte sie und kam auf uns zu.

„Ich habe auch Sebastian angerufen und der wiederum brachte Micha und Dennis mit, die dieses Ehepaar im Schlepptau hatten“, erklärte Robert.

„Aha, und wer sind sie?“, fragte Heike.

„Sven Meisenberger und meine Frau, beides Tierärzte.“

„Und mein Vater!“, sagte ich nun mit fester Stimme.

Heike schaute zwischen uns hin und her.

„Okay, das ist mir jetzt zwar zu hoch, aber egal. Wenn sie Tierärzte sind, gehe ich davon aus, dass sie Danas Baby schon untersucht haben.“

„Ja, habe ich“, sagte Sandra.

„Und?“

„Ich vermute eine Lungenentzündung, bin mir aber nicht sicher, dazu müsste man das Blut des Babys genau untersuchen.“

„Und bis das Resultat da ist, kann es schon zu spät sein“, beendete Heike den Satz.

„Kann die Spritze denn so gefährlich sein für das Tier?“, wiederholte nun Sebastian meine Frage.

„In dem Serum befinden sich Antikörper gegen Lungenentzündung. Wenn das Tier aber nun keine Lungenentzündung hat, könnte es das Tier noch mehr schwächen“, erklärte Sandra.

„Aber es muss eine Entscheidung getroffen werden, dass Baby leidet, es röchelt immer mehr“, mischte sich Robert ein.

„Okay, haben sie das Serum dabei?“, fragte Heike.

Sandra nickte.

*-*-*

Volker

Wir verließen die Raststätte und das anscheinend gerade rechtzeitig. David und Tim hatten anscheinend das Auto verlassen. Jedenfalls stand Tim nun dicht ans Auto gedrängt und David stand schützend vor ihm. Die beiden waren umringt von ein paar Halbstarken.

„Was ist denn da los?“, fragte neben mir Rolf.

„Das Übliche, David hat bestimmt wieder eine dicke Lippe riskiert.“

„Aber das sind Vier gegen Zwei, etwas unüberlegt, oder?“

„Ich sagte ja, das Übliche. David bringt sich immer in so eine Scheiße. Aber das können wir ganz schnell ändern. Bisschen Lust, ein paar Kindern Angst zu machen?“

Rolf sah mich fragend an und mein Grinsen wurde noch breiter.

„Och, muss sich die arme Dreckschwuchtel hinter seinem Fleischberg verstecken?“, hörte ich den Einen sagen.

„Warmer Fleischberg… das ist ja eklig!“, einen anderer.

„Kann ich vielleicht behilflich sein?“, fragte ich in gewohnt lässiger Sprache.

Die Vier fuhren herum.

„He Alter, verpiss dich!“, sagte nun der Kleinste der Vier.

„Müsst ihr zwei noch auf die Toilette, oder können wir weiterfahren?“, fragte ich David und Tim.

„Der Alte ist auch noch schwerhörig“, sprach der Kleine weiter.

Ohne dass er richtig reagieren konnte, griff ich nach seinem Arm, verdrehte ihn auf den Rücken und packte ihn an der Gurgel.

„So, du fiese kleine Ratte, du hast die Wahl. Entweder du entschuldigst dich bei den Herren und machst danach die Fliege oder…“, begann ich.

„Oder?“, meinte er trotzig.

„Ich brech dir den Arm!“, sagte ich mit fester Stimme und zog den Arm etwas höher, um dem Ganzen noch Nachdruck zu verleihen.

Währenddessen zog Rolf seine Jacke aus und seine tollen Armmuskeln kamen zum Vorschein. Habe ich schon mal erwähnt, wie es ist, von diesem Mann in die Arme genommen zu werden?

„Es tut mir Leid!“, schrie plötzlich der Kleine.

Ich drückte den Arm noch wenige Zentimeter nach oben.

„Es tut mir leid, habe ich gesagt!“, schrie er noch einmal.

Ich schob ihn von mir weg und ließ los. Er, so blöd wir er war, flog über seine eigenen Füße und landete im Dreck.

„Merk dir ein für alle mal, pöble nachts keine Fremden an! Es könnte dir schlecht ergehen!“, sagte ich und stieg in den Wagen.

David und Tim waren bereits eingestiegen. Die restlichen Drei halfen dem Kleinen auf und rannten davon.

„Weißt du, was die hatten? Ich habe doch nur meine Jacke ausgezogen…, mir war warm“, grinste mich Rolf an.

Ich drehte den Kopf und schaute unsere zwei Helden an. Sie saßen still da und rührten sich nicht.

„Entschuldige…“, sagte David.

„Du weißt, dass es Zufall war, dass wir gerade raus kamen?“

David nickte.

„Lernst du es irgendwann mal, deinen Mund zu halten, wenn es nötig ist?“

Wieder schwiegen die Beiden.

„Du hast auch Verantwortung für deinen Tim.“

Genervt rollte David mit seinen Augen.

„Das hätte ins Auge gehen können…, scheint dir aber egal zu sein.“

Wütend drehte ich mich wieder nach vorne und schlürfte an meinem Kaffee. Rolfs Hand streichelte über meinen Schenkel. Er hatte einen Dackelblick aufgesetzt, der mich sofort besänftigte.

*-*-*

Dennis

Sebastian hatte mittlerweile sein Neoprenanzug übergeworfen und glitt mit Robert ins Wasser.

„Ich versuche Dana etwas von euch abzuhalten und du hältst das Junge fest“, meinte Robert zu uns.

Sandra zog eine Spritze auf. Das war nichts für meine Augen und ich drehte mich weg.

„Was ist?“, fragte Sven.

„Ich mag keine Spritzen“, antwortete ich.

„Gibt es sonst noch etwas, was du nicht magst?“, fragte er mit einem Lächeln.

„Gibt es sicherlich noch Einiges.“

„Was hältst du von der Idee, wenn du und Michael morgen Abend zum Essen kommt?“

„Keine Gute…“, Svens Gesicht wurde traurig, „weil wir da schon im Flieger sitzen.“

Sein trauriges Gesicht wandelte sich in ein fragendes Gesicht um.

„Ich habe von meinem Chef zum Geburtstag eine Reise geschenkt bekommen und wir fliegen morgen.“

„Wow, wie großzügig.“

„Na ja, ist auch Eigennutz dabei. Wir fliegen gemeinsam nach China, um dort nach Pandabären für unseren Zoo zu sehen.“

„Ich find es aber trotzdem klasse, dass er dir so ein Geschenk macht. Und Michael fliegt mit?“

„Ja“, strahlte ich.

„Da könnte ich ja schauen wie ich wollte, gegen so ein Geschenk würde ich nie ankommen.“

Gerührt schaute ich ihn an.

„Brauchst du nicht. Ich habe dich gefunden und etwas kennen lernen dürfen. Das ist auch ein besonderes Geschenk für mich.“

„Danke Dennis.“

„Ich habe zu danken.“

„So und jetzt müssen wir abwarten, wie es anschlägt“, hörte ich Sandra sagen.

„Okay, dann würde ich sagen, alle fahren heim um noch eine Mütze voll Schlaf zu bekommen. Armin, du rufst an, wenn sich irgendetwas ändert“, meinte Heike.

Armin nickte.

„Ich bleibe auch hier, wenn du nichts dagegen hast“, sagte Robert.

„Ich auch“, kam es von Sebastian.

Heike schaute zwischen den beiden hin und her.

„Okay, aber Sebastian sorge dafür, dass Robert sich etwas hinlegt. So top in Form ist er noch

nicht.“

„Aye, Aye“, sagte Sebastian und salutierte.

Alle fingen an zu lachen.

„Dann heißt es wohl Abschied nehmen“, meinte Sven, „wie lange bleibt ihr?“

„Eine Woche“, meinte ich.

„Okay, das geht ja noch. Rufst du uns an, wenn ihr wieder hier seid?“

„Versprochen“, meinte ich und schüttelte meinem Vater die Hand.

Sven zog mich kurz an sich und drückte mich. Ich konnte nicht anders und legte meine Arme ebenfalls um ihn und schloss die Augen – mein Vater, wow!

„Ich wünsch euch einen guten Flug und ein paar schöne Tage“, meinte dann Sven weiter.

„Ich schließe mich an“, sagte Sandra und reichte mir ebenso die Hand.

„Ich bring euch zum Wagen“, meinte Michael und geleitete sie hinaus.

*-*-*

Volker

Etwas abgespannt kam ich vor dem Haus des Notars zum Halten.

„Tim, dann werden wir zwei uns etwas die Füße vertreten, solange Volker und David da drinnen sind“, sagte Rolf.

„Kein Problem, ich kann eh nicht mehr sitzen“, meldete sich Tim von hinten.

So stiegen wir alle vier aus. Ich holte meine Unterlagen aus dem Kofferraum und schloss dann den Wagen.

„Hier die Schlüssel, falls ihr später etwas aus dem Auto braucht“, meinte ich und gab Rolf den Schlüssel.

„Viel Glück“, sagte Rolf und gab mir einen Kuss.

Ich seufzte.

„Wird schon werden“, sprach Rolf weiter, „also bis später. Komm Tim, wir machen die Gegend unsicher.“

Der Angesprochene klebte noch an den Lippen von David.

„Ihr könnt nachher weiter knutschen“, meinte ich.

Nachdem wir den beiden etwas nachgeschaut hatten und sie an der nächsten Ecke abgebogen waren, fielen Davids und mein Blick auf das Haus des Anwalts.

„Da bin ich mal gespannt, was da auf uns zukommt“, meinte ich.

„So schlimm wird’s schon nicht werden. Uns kann doch keiner den Zoo wegnehmen.“

„Weißt du es?“

*-*-*

Dennis

„Dennis, beeile dich bitte, dein Vater ist mit Michael schon da.“

Mum mal wieder.

„Ja, ich komme ja schon“, rief ich hinunter und nahm meine zwei Koffer. Ich war zwei Stufen weit gekommen, da kam mir Michael schon entgegen.

„Komm Schatz, ich nehm dir einen ab“, sagte er.

„Danke. Guten Morgen, Micha!“

Er bremste abrupt und drehte sich wieder zu mir. Es folgte ein Kuss.

„Sorry, ich bin etwas aufgeregt“, meinte er als Entschuldigung, „guten Morgen, Dennis.“

Gemeinsam liefen wir die Treppe hinunter, wo uns Mum schon erwartete.

„Dennis, willst du wirklich nichts essen?“, fragte sie.

„Nein Mum, ich hab absolut keinen Appetit.“

„Können wir dann fahren?“, fragte Dad.

„Also ich bin soweit, nur noch die Koffer müssen in den Wagen.“

*-*-*

Volker

„Sie müssen entschuldigen. Durch den Umbau des Hauses damals sind die Unterlagen in der Versenkung verschwunden.“

Wir saßen vor dem Notar. Ein netter, älterer Herr, der vertrauenswürdig schien.

„Deswegen wurde dieses Testament nie ausgestellt?“

„Ja. Tut mir wirklich Leid.“

„Das ist kein Problem, Herr Krönstill, wer weiß ob das Testament so gut ist.“

Fragend schaute mich der Notar an und packte den Umschlag aus. Zum Vorschein kam ein Papier. Er zupfte sich seine Nickelbrille zu Recht und begann zu lesen.

Fredericksberg 20 Juli 1952

„Lieber Karl,

wenn du dieses Testament erhältst, bin ich leider schon verstorben. Ich weiß, wir haben uns sehr entfremdet, aber unsere Freundschaft habe ich doch immer in Ehren gehalten. Als erstes möchte ich dir natürlich meine Anteile am Zoo schenken.“

Ich atmete tief durch und innerlich jubelte ich vor Freude.

„Aber, das ist mit einer Bedingung gekoppelt. Du bekommst die Anteile nur, wenn du versprichst, dich darum zu kümmern, dass die Tiere größere Gehege bekommen. Wenn sie schon gefangen sein müssen, dann sollten sie auch mehr Platz haben.

Was du nicht weißt – das freie Grundstück, welches sich neben dem Zoo befindet, habe ich gekauft. Das schenke ich dir natürlich auch. Meine Sorge galt immer den Tieren und ich hoffe, du führst den Zoo in meinem Sinne weiter.

Als Starthilfe für bauliche Zwecke hinterlege ich auch noch etwas Geld.

In großer Freundschaft

Dein Hillen Grevistall“

Wow, ich war sprachlos.

„Und um wie viel Geld handeltet es sich?“, fragte David neben mir.

„Moment“, meinte der Notar und zog einen Taschenrechner heraus.

Er zog ein weiteres Blatt hervor und begann zu rechnen.

„Wenn man die heutigen Zinsen berücksichtigt… Abzüge durch Verwaltung… dann wären das so ungefähr… 7,8 Millionen Euro umgerechnet.“

Erschrocken schaute ich David an. Er schaute genauso.

„So viel Geld?“, fragte ich, weil ich es nicht glauben konnte.

„Etwas mehr oder weniger kann es schon sein, das muss man mit der Bank regeln. Nehmen sie als Nachfolger ihres Vaters das Testament an?“

David lächelte mich an.

„Ähm… ja natürlich. Dürfte ich kurz meinen Bruder anrufen, um ihm mitzuteilen, was wir hier eben hören durften?“

„Kein Problem, ich mache inzwischen die Unterlagen zur Unterschrift bereit.“

Ich stand auf und ging zum Fenster. Dann wählte ich meinen Bruder an.

*-*-*

Dennis

Auf dem Flughafen herrschte schon reger Betrieb. Unser Gepäck war aufgegeben und wir saßen da und warteten, dass wir aufgerufen wurden.

Plötzlich klingelte Jürgens Handy.

„Ja?“, sagte er, „hallo Volker.“

Michael und ich schauten gespannt zu Jürgen, dessen Gesicht weiß wurde und seine Augen sich immer mehr weiteten.

„Sieht nicht gut aus“, flüsterte mir Micha ins Ohr.

„Wie viel hast du gesagt? Wow, das muss ich erst mal verkraften. Ich melde mich bei dir, wenn wir angekommen sind. Danke Volker, das ist die schönste Nachricht, die du mir mitgeben konntest. Ja ich pass auf, bis dann. Tschüss!“

Jürgen schaltete sein Handy ab und verstaute es in der Tasche.

„Alles in Ordnung?“, fragte Micha neben mir.

„Mehr als das! Wir haben gerade das große Los gezogen und die Zukunft des Zoos ist gesichert. Endlich können wir unsere kompletten Pläne verwirklichen.“

„Scheint wirklich ein tolles Gespräch gewesen zu sein“, meinte ich.

„Ja, war es, soll euch übrigens schöne Grüße von Volker und David sagen.“

„Danke.“

Unser Flug wurde aufgerufen.

„So, packen wir’s an“, meinte Jürgen und stand auf.

Es war so weit. Meine erste Reise mit Michael und das auch noch nach China. Strahlend lief ich mit Micha durch die Kontrolle und wir verschwanden nach dem Formellen durch die Gangway Richtung Flugzeug.

*-* Ende *-*

So das war sie nun, die ‚Zoogeschichten’. Ich will allen noch einmal danken, die mich mit vielen Feedbacks am Schreiben gehalten haben. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich soweit komme, die Geschichte so groß wird.

Ob es eine Fortsetzung geben wird? Diese Frage brennt sicher Einigen auf der Zunge. Ich weiß es nicht, um ehrlich zu sein. Ich brauche etwas Abstand zum Zoo. Inzwischen möchte ich mich anderen Projekten widmen, kommt euch ja auch zu Gute.

Noch mal vielen Dank für die lieben Zuschriften und es wird bald wieder neue Geschichten von mir geben. Versprochen!

Euer Pit

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