Good bye Amerika – Teil 38

So schnell war ich noch nie aufgestanden und im Bad. Ich hörte Berry lachen.

„Du musst aber mitkommen, ich weiß ja schließlich nicht, wo ich die CD kaufen kann“, rief ich durch die offene Tür.

„Kein Problem. Aber ich sollte mich vielleicht vorher zu Hause blicken lassen. Und dann brauch ich ja auch noch ein Fahrrad, oder willst du den ganzen Weg laufen?“

„Nein… so, ich bin fertig, willst du ins Bad?“

Ich erschrak ein wenig, weil Berry plötzlich in der Tür stand.

„Warum schreist du so?“, fragte er grinsend.

Ich streckte ihm die Zunge heraus. Berry trat ins Bad und kam zum Waschbecken. Und ehe ich mich versah, knallte eine Hand auf meinen nackten Hintern.

„Aua!“

„Du sollst deine Zungen nicht rausstrecken“, meinte Berry, „außer ich küsse dich gerade!“

„Blödmann“, meinte ich und rieb über meinen Hintern.

„Angenehm, Berry“, grinste er.

Ich verbiss mir diesmal, die Zunge nochmals auszufahren. Zurück in meinem Zimmer, suchte ich meine Klamotten zusammen und zog mich an. Wenig später trat Berry, nackt wie ihn Gott schuf, aus dem Bad.

„Öhm… hast du vielleicht ne Boxer… ich will nicht die von gestern anziehen.“

„Klar, bedien dich. Im Schrank rechts unten.“

„Danke Schatz.“

Berry verschwand kurz in meinem begehbaren Schrank und kam wenig später mit meiner giftgrünen Boxer zurück.

„Weißt du, dass du ganz schön scharfe Sachen hast? Gut, dass nur ich die zu sehen bekomme.“

Ich verdrehte die Augen und suchte meinen Geldbeutel.

„Suchst du was?“

„Meinen Geldbeutel. Ich war der Meinung, ich habe ihn heute Nacht auf dem Schreibtisch abgelegt.“

„Vielleicht ist er noch in deiner Hose von gestern.“

Ich ging an die Wäschebox und suchte meine Hose heraus. Und fand den Geldbeutel tatsächlich in der Hose.

„Da ist er. Gar nicht auszudenken wenn ich die gewaschen hätte.“

„Du wärst lediglich zum Geldwäscher geworden…“

Ich musste lachen.

„Duhu… Tom, kann ich mich noch mal bedienen? Meine Klamotten stinken nach Schweiß.“

„Klar. Ich hoffe, du findest etwas Passendes.“

Boxer waren eine Sache, aber Klamotten eine andere. Berry war etwas größer als ich. Und ob ihm da was passte?

„He, geile Buggyhosen sind das“, hörte ich ihn aus dem Schrank rufen.

Damit wäre die Theorie über tuckende Schwule im Kleiderschrank bewiesen. Lächelnd ging ich zu meinem Schrank.

„Wow, hast du coole Sachen, warum hast du die noch nicht angehabt?“, fragte Berry und wühlte sich durch meine Klamotten.

„Öhm… weiß nicht.“

Er zog eine beige Buggyhose raus, und dazu ein dunkelbraunes Tshirt. Dann kam er wieder zu mir raus. Schnell übergezogen, posierte er vor mir.

„Und, nimmst mich so mit?“

„Klar, dich würd ich sogar im Kartoffelsack mitnehmen“, kicherte ich.

„Du wieder“, meinte Berry und zog mich zu sich.

Das Ganze endete in einem langen Kuss.

*-*-*

Ich saß auf dem Rad und wartete auf Berry, denn er war schon eine Weile im Haus verschwunden.

„Ja Mum, ich ruf an. Bye.“

Und schon kam Berry aus der Tür gestürmt und lächelte mir zu. Er ging zur Garage und öffnete sie. Wenig später kam er mit seinem Rad zurück und schloss die Garage wieder.

„Und, können wir?“, fragte Berry.

„Ich warte nur auf dich. Warum hast du den Rucksack dabei?“, fragte ich, als ich sah, dass er den auf dem Rücken trug.

„Ich muss noch etwas abholen, ist heut fertig geworden.“

„Aha und was?“

„Du musst immer alles wissen, oder?

„Klar“, grinste ich.

„Meinen Surfanzug, der alte ist mir etwas zu klein geworden.“

„Und der wurde extra für dich gefertigt?“

„Nein, da wurde nur das Emblem der Schule aufgeklebt.“

Wir fuhren den Weg, den ich schon von Lesley und Molly her kannte. Anscheinend der Schulweg, denn wenige Minuten später ketteten wir unsere Räder an den Fahrradständer der Schule.

„Und, wo geht es jetzt hin?“, fragte ich.

„Man folge mir unauffällig“, meinte Berry und trat neben mich.

Kichernd lief ich neben ihm her. Zuerst war der Laden dran, wo Berry seinen Surfanzug abholte. Interessehalber schaute ich in die Regale, aber wendete mich gleich wieder ab, als ich die Preise sah.

„Kommst du?“, fragte Berry, der bereits am Ausgang stand.

„Ja, klar!“

So waren wir wieder auf der Straße.

„Och nein, bitte nicht.“

Verwundert schaute ich Berry an.

„Was denn?“

„Da vorne kommt Timothy.“

„Wer?“

„Der Sohn von der Stefferson.“

„Ach so.“

In dem Augenblick blieb ein Junge vor uns stehen. Für meinen Geschmack etwas zu vornehm gekleidet. Er sah eher aus, als wollte er zum Tennis gehen, oder so was. Von seinem Poloshirt prangte mir ein Krokodil entgegen.

„Ach, wen haben wir denn da? Ist das nicht unser Paar des Monats?“, meinte er mit bittersüßer Stimme.

„Und du musst Tom sein. Hast ja das Stadtgespräch mächtig eingeheizt. Nur blöde, dass du ausgerechnet an unsere Stadtmatratze geraten bist.“

Was für ein Arschloch, genauso wie seine Mutter. Berry wollte schon etwas sagen, aber ich bremste ihn aus.

„Hach wie süß, Berry hat sich einen Bodyguard aus Amerika geholt“, raspelte Timothy süß und schleimig weiter.

„Ich hab schon von dir gehört, Timothy. Deine Mutter hat schon dafür gesorgt. Ach und eins, meine Matratze hat aber Geschmack, du hast nicht drauf gelegen.“

Berry fing an zu grinsen und das Lächeln von Timothy verschwand. Er schaute kurz auf die Uhr und sah uns dann wieder an.

„Ich muss weiter… man sieht sich. Fang dir nichts ein bei ihm“, setzte er noch eins drauf.

„Keine Sorge, höchstens einen geilen Fick!“, konterte ich.

Kurz wurde ich noch eines bösen Blickes bedacht und schon war er weg. Berry fing laut an zu lachen.

„Oh Tom, du bist mir einer.“

„Warum?“

„Hätte nicht gedacht, dass du jetzt so einen Spruch auf den Lippen hast.“

„Hab ich auch normalerweise nicht, aber wenn mir einer so saudoof daher kommt… mir ist das einfach so rausgerutscht.“

„Der war echt gut, aber hoffentlich provoziert das Timothy jetzt nicht zu weiteren Schandtaten.“

„Das ist mir eigentlich egal. Ich liebe dich und da kann niemand zwischen funken.“

War da ein leichtes Rot auf Berrys Wangen zu sehen?

„Ich dich auch, Tom.“

Berry ging es bestimmt genauso wie mir. Am liebsten hätte ich ihn jetzt umarmt, aber dafür waren einfach zuviele Leute auf der Strasse und über mich wurde schon genug spekuliert.

„So, da sind wir“, unterbrach Berry meinen Gedankenfluss.

Wir standen vor einem kleinen, unscheinbaren Laden.

„Da gibt es CDs drin? Sieht ein bisschen klein aus.“

„Nicht auf Äußerlichkeiten blenden lassen. Komm wir gehen rein.“

Mit Berry zusammen betrat ich diesen Laden. Eine Türglocke, die über uns am Türrahmen hing, erklang. Vor uns sah ich zwei Regale voll mit CDs.

„Komm, gehen wir gleich durch“, meinte Berry, aber ich verstand nicht.

Er nahm meine Hand und zog mich durch eine kleine Tür an der Rückwand. Sofort schlug uns eine kühle, angenehme Luft entgegen. Vor mir tat sich ein großer Raum auf. Durchzogen von jeder Menge Regale. So leer das kleine Lädlein war, so überfüllt war es hier.

„So, dann suchen wir mal deine CD.“

„Wenn wir noch eine finden! Ich denke, nach dem Konzert gestern werden viele die CD haben wollen.“

„Jetzt warte doch ab. Ich kann mir nicht denken, dass die nicht einen gewissen Vorrat haben, wenn die Gruppe bei uns ein Konzert gibt.“

„Hast auch wieder Recht. Und, wo sollen wir mit der Suche beginnen?“

„Da drüben bei Pop.“

Da ich nicht wusste, wo >da drüben< war, lief ich Berry einfach hinterher. Aber allzu weit brauchte ich gar nicht zu laufen. Denn gleich beim ersten Aufsteller standen noch Berge der aktuellen CD vom Human nature.

Mit strahlendem Gesicht schnappte ich mir eine und lief mit meiner Eroberung zur Kasse.

*-*-*

„Wo ist Berry?“, fragte mich Molly.

„Zu Hause“, meinte ich und trug meine Tasche ins Zimmer.

„Kommst du gleich zum Essen?“

„Ja, bin gleich da.“

Schnell noch auf die Toilette und Hände waschen und schon konnte es an den Mittagstisch gehen. Molly und Abby saßen bereits am Tisch, als ich wieder in die Küche zurückkam.

„Tom, es ist Post für dich da aus Amerika“, meinte Abby.

„Für mich? Von Grandma?“, fragte ich interessiert.

„Nein, von einem Anwalt.“

„Anwalt?“

„Ich denke, na ja, dein Vater hatte vielleicht ein Testament.“

„Von dem will ich nichts!“

„Tom, nun ließ doch erst mal, was drinsteht.“

„Sorry Abby, ich kann herzlichst darauf verzichten.“

„Soll ich für dich aufmachen?“

„Wenn du möchtest.“

Abby nahm den Brief, öffnete ihn und las ihn sich genau durch. Ihre Mine veränderte sich nicht, daher konnte ich nicht ausmachen, was sie gerade dachte.

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