Schicksal – Teil 2

Dass meine Geschichte um Florian und Tommy noch weiter geht, ist einem sehr gut befreundeten Autor bei Nickstories zu verdanken, der meine Geschichten Korrektur liest. Wieder sind weder alle Personen noch die komplette Handlung frei erfunden… Viel Spaß beim 2. Teil von „Schicksal…“

Teil 2

Der Wecker klingelte. Tommy fühlte sich wie gerädert. Hatte er wirklich gerade sieben Stunden geschlafen oder war er gerade erst aus einer der zahlreichen Diskotheken im Kunstpark Ost gefallen? Und was er wieder für einen Mist geträumt hatte. Er konnte sich nicht mehr an Einzelheiten erinnern, aber es war mal wieder lauter wirres Zeug. Nein, das würde heute ganz bestimmt nicht ‘sein Tag’ werden. Schon wieder den ganzen Nachmittag im miefigen Streifenwagen rumgondeln und entweder Ladendiebe anzeigen, die so doof waren, sich erwischen zu lassen oder Falschparker zu verwarnen, die so bescheiden parkten, dass ihr Auto eigentlich wortlos in den nächsten Gully geschoben gehörte. Tommys Gesichtsausdruck wurde finster und er wäre am liebsten daheim geblieben, aber er konnte Achim ja nicht im Stich lassen. Wenn Achim alleine wäre, müsste er bestimmt mit Kollege Mikado, dem Erfinder des Verwarnungs-Origami, Streife fahren. Bei dem Kollegen Mikado musste jede Verwarnung exakt ausgefüllt und ordentlich gefaltet an der Windschutzscheibe angebracht werden. Und wenn ihm das einmal nicht auf Anhieb gelang, schrieb er den Wisch notfalls auch dreimal, selbst wenn der Falschparker derweil schulterzuckend und kopfschüttelnd eingestiegen und weiter gefahren war. Noch nicht einmal Humor hatte dieser Kollege! Nein, das konnte er Achim nun wirklich nicht antun.

Da hellte sich Tommys finsterer Blick schlagartig wieder auf. Florian! Er hatte ja seit gestern einen Freund! Und was für einen Lieben! Hals über Kopf hatte es ihn erwischt. Oder waren sie etwa noch nicht fest zusammen? Woran merkt man eigentlich, dass man ‘fest zusammen’ ist? So richtig ausgesprochen hatte es ja keiner von ihnen. Was sagt man denn dann? “Willst du mit mir gehen?” Nein, klingt irgendwie kindisch! “Willst du mit mir alt werden?” Ganz nett, aber das klingt so dermaßen endgültig, dass alleine schon bei diesem Satz 76% der Beziehungen scheitern, ehe sie begonnen haben. ‘Dinge, die die Welt bewegen’, dachte er sich und musste über sich selbst lachen.

Tommy hatte erst eine richtig feste Beziehung gehabt und damals war erst klar, dass sie eine Beziehung gehabt hatten, als es nach etwa sechs Monaten zu Ende war. Er war damals 16 und sein Freund Ingo 18. Als Tommy sich dann entschloss, eine Ausbildung bei der Polizei machen, fing es an, bergab zu gehen. Tommy ließ sich eben nicht vorschreiben, welche Ausbildung er machen durfte und welche nicht. Und das störte Ingo scheinbar gewaltig. Anfangs hatte er ihm damals die ewige Liebe geschworen und ihn dennoch betrogen. Wie das Leben so spielt manchmal… Und Tommy hatte sich nach der Trennung geschworen, nicht so schnell wieder eine feste Beziehung einzugehen. Zu sehr war er enttäuscht, verletzt und ausgenutzt worden. Das tat weh und hatte sich tief in ihn hinein gefressen. Doch was war mit Florian? Hatte er sich denn schon ausgetobt, wie es so schön heißt? Konnte Tommy ihm voll vertrauen und etwas Dauerhaftes mit ihm aufbauen? Schön wäre es ja, wieder jemanden an der Seite zu haben. Oder würde Florian auch beim nächsten Discobesuch im Klo mit einem Kerl knutschen und rumfummeln, den er fünf Minuten zuvor erst an der Bar kennen gelernt hatte?

Während er so grübelte, verging die Zeit und als er wieder auf den Wecker sah, war es bereits 12:13 Uhr und er musste sich beeilen, um rechtzeitig um 13 Uhr im Dienst zu sein.

Als Achim ihn sah, freute er sich, als hätte er geahnt, dass Tommy überlegt hatte, eventuell nicht zum Dienst zu kommen. “Servus Tommy. Ich dachte schon, du kommst heute nicht. Und? Gut geschlafen?”, fragte Achim, ohne zwischendurch Luft zu holen. “Aufgehört”, meinte Tommy knapp und sah sein Fach durch, ob Post oder anderer Papierkram dazugekommen war. “Hört sich ja nich so doll an. Was los? Und wie geht’s dem Bachmeier?”, fragte Achim. Tommy war so vertieft, sein Fach zu durchstöbern, dass er über die Frage und seine Antwort darauf gar nicht großartig nachdachte sondern mehr automatisch antwortete. “Ich denke, wir sind seit gestern zusammen”, meinte er und lächelte dabei etwas, immer noch beim Wühlen in seinem Fach vertieft. Julia, eine Kollegin, hatte neben ihm an den Schreibfächern gestanden und zwangsläufig alles mitbekommen. “Hey Tommy! Wusste ja gar nicht, dass du auf Jungs stehst”, meinte sie leise zu ihm. Tommys Gesichtsfarbe wechselte schlagartig. Es hatte wohl wenig Zweck, jetzt noch Ausflüchte zu erfinden und daher entschloss er sich, mit etwas Humor zu kontern. “Ja, wieso? Hast dir etwa Hoffnungen bei mir gemacht, Julia?” “Vielleicht?”, kam es schüchtern von ihr zurück. “Meist du das jetzt im ernst?”, fragte er sie leise. Sie atmete einmal tief durch und nickte verlegen. “Och menno, das tut mir Leid, Süße”, meinte Tommy und nahm sie tröstend in den Arm. Das wiederum sahen Marc und Jens, die gerade an ihnen vorbei gingen. “Muss Liebe schön sein”, meinte Marc, umarmte sich dabei selbst und grabschte mit den Händen an seinen Schultern herum, um die beiden nachzuäffen.

In ca. einer Stunde würde also wohl der Rest der Dienststelle denken, dass Julia und Tommy ein Paar wären. Tommy konnte es zwar nur Recht sein, wenn das alle dachten, aber so eine Schein-Beziehung und das Gerede wollte er dann auch wieder nicht.

“Nee, also ich bin seit gestern anderweitig vergeben”, meinte er, um den goldenen Mittelweg zwischen Outing und Lüge auf der einen Seite und dem Gerede der Kollegen auf der anderen Seite zu finden. “Hey Glückwunsch! Dann bring’ doch deine neue Freundin nächstes mal mit zum Schichtessen”, meinte Marc daraufhin und blieb stehen, auf eine Antwort wartend. Was sollte Tommy jetzt bloß machen? Marc und Jens hatten ihre Freundinnen doch auch noch nie zu dem monatlichen Essen mit der Dienstgruppe mitgebracht! Was sollte jetzt also dieser Spruch von Marc? Tommy kannte Marc schon über ein Jahr und Jens, der andere Kollege, war eigentlich auch OK und beide waren gegen Schwule nicht negativ eingestellt, was Tommy aus Gesprächen so mitbekommen hatte. Darum fasste sich Tommy ein Herz. “Wenn ihr wollt, kann ich meinen neuen Freund ja fragen, ob er mitkommen will, OK?” So, jetzt war Tommy natürlich auf die Reaktionen der beiden gespannt. Sie schauten sich gegenseitig irgendwie ganz seltsam an und Tommy rechnete schon mit dem Schlimmsten. Jens zuckte kurz mit den Schultern und Marc grinste nur. “Willkommen im Club, Tommy! Also ich wäre echt nie drauf gekommen dass du auch schwul bist”, kam es von Marc. Noch erstaunter war allerdings Tommy über Marcs Antwort und Julia fiel das Gesicht auf den Boden. “Du etwa auch, Marc?”, meinte sie, als würde man ihr gerade den nächsten ‘Kandidaten’ ausspannen. “Ja, wir”, korrigierte Jens, worauf Julias Gesicht wahrscheinlich in der Tiefgarage landete. Achim überlegte derweil, ob er sich nun eine oder auf den Schock hin gleich zwei Zigaretten anstecken sollte und Tommy stand kurz davor, vor Lachen umzukippen. Auch Marc und Jens mussten jetzt herzhaft lachen. Nur Julia schaute etwas benommen. “Gibt’s hier überhaupt noch Heten?”, fragte Tommy sichtlich amüsiert. Achim und Julia schauten sich ratlos an, als wären sie die beiden letzten Exemplare einer aussterbenden Art, die ihr Schicksal vor Augen hat. “Wir sind schon seit 8 Monaten zusammen, nur zur Info”, meinte Jens und sah dabei in die Runde. “Und sind ja auch vor 5 Wochen zusammen gezogen, wie ihr sicher mitbekommen habt”, fügte Marc hinzu, um die ganze Sache abzurunden. “Achso? Ich dachte, ihr habt einfach nur so eine WG gegründet”, wunderte sich Tommy. “Das sollten ja auch alle denken Mensch. Was meinst du, was los ist, wenn raus kommt, dass Jens und ich zusammen sind? Erstens getrennt Streife fahren. Zweitens muss wahrscheinlich sogar einer von uns in eine andere Schicht und wir arbeiten immer zeitversetzt – na klasse”, erklärte Marc den dreien und schaute dann zu Achim und Julia. “Bitte sagt es nicht weiter, ja?”, bat er sie. Julia und Achim nickten. Marc und Jens gingen weiter in Richtung Aufenthaltsraum, um sich einen Kaffee zu holen. Jetzt war Tommy das mit den ‘Freundinnen’ bei den Schichtessen klar. Marc und Jens waren ja beide da gewesen und hatten sozusagen ihre ‘bessere Hälfte’ dabei.

Zur gleichen Zeit im nicht weit entfernten Schwabinger Krankenhaus, 2. Stock, Zimmer 206…

“Aber ich will endlich nach Hause! Hier ist es total öde. Rumhängen kann ich daheim auch”, meinte Florian zur Krankenschwester, die ihm gerade seine tägliche Thrombosespritze gab. “Ich kann doch auch nichts dafür Florian! Wenn der Arzt sagt, dass du noch bis Ende nächster Woche hier bleiben musst, dann wird das schon seinen Grund haben”, entgegnete die Krankenschwester genervt. “Ach geschenkt”, meinte Florian wütend. Klar machte es keinen Spaß, den ganzen Tag mehr oder weniger alleine hier im Zimmer zu liegen. Und zwischendurch ins Raucherzimmer zu gehen, war auch keine große Abwechslung, denn selbst da war er meist nur alleine. Sein Schatz fehlte ihm einfach und er konnte es kaum erwarten, bis dieser blöde Tag endlich vorüber war und sie sich wieder sehen würden.

Die Krankenschwester war schon gegangen und hatte ihn frustriert und alleine zurück gelassen. Da klopfte es an die Tür und ein blonder Junge mit Brille stand in der Tür. Der wurde auf einmal ins Zimmer geschubst. Hinter ihm kamen noch ein dunkelhaariger Junge und ein Mädchen mit rot gefärbten Haaren herein. “Hey, was macht ihr denn hier?”, fragte Florian erfreut. Seine Schulfreunde Sascha (17), Mike (17) und Kati (16) waren ihn besuchen gekommen. Und weil keiner sich getraut hatte, als erster hinein zu gehen, hatten Mike und Kati einfach den Sascha genommen und hinein gestoßen. An seine Schulfreunde hatte Florian noch gar nicht gedacht und freute sich riesig über die Besucher. “Hallo Flori. Wir haben bei deiner Mutter angerufen und die hat gesagt, dass du ‘nen Unfall hattest und jetzt hier bist”, sagte Sascha. “Ich hätte nicht gedacht, dass ihr mich vielleicht besuchen kommen wollt. Aber schön, dass ihr da seid”, meinte Florian. Kati ging zu ihm hin und gab ihm erst noch einen Begrüßungskuss auf die Backe. “Wie geht’s dir denn überhaupt?”, fragte sie. Florian zählte seine Leiden auf und genoss die erstaunten Gesichter schon ein wenig stolz. “Und rauchen darf ich auch schon wieder, aber nur fünf am Tag”, beendete Florian seine Erzählung. “Jetzt lass mich auch mal…”, meinte Mike zu Kati, ging auf das Bett zu und spitzte zum Spaß schon die Lippen, als wenn er Florian auch einen Kuss geben wollte. “Oh ja, komm her du”, meinte Florian tuckig, zog ihn zu sich und gab ihm wirklich einen dicken Schmatzer direkt auf den Mund. “Äääähhhh… Hilfe…. Jod und heißes Wasser – der Mann da hat mich geküsst, mitten ins Gesicht…”, rief Mike, schnitt Grimassen, als wenn der Leibhaftige hinter ihm her wäre und hüpfte auf einem Bein herum, als würde eine Maus versuchen, seine Füße anzufressen. Die Krankenschwester musste wohl sein Geschrei mitbekommen haben, als sie zufällig auf dem Gang am Zimmer 206 vorbei kam. Jedenfalls flog plötzlich die Tür auf und sie stürmte herein, blieb aber gleich wieder wie angewurzelt stehen, als sie Mike sah. Er war momentan erstarrt, stand wie ein Kranich auf einem Bein da und starrte sie mit offenem Mund fassungslos an. “Was macht ihr denn hier für’n Blödsinn”, regte sie sich mehr oder weniger künstlich auf und verließ kichernd wieder das Zimmer. “Schaut mal – ‘ne Tomate”, machte sich Kati lustig über Mikes knallrote Gesichtsfarbe. Alle grölten los, einschließlich Mike.

Dann machten sie sich auf den Weg zum Raucherzimmer und als sie dort angekommen waren, klickten erst mal vier Feuerzeuge und eine große Dunstwolke stieg auf. Kati war erst vor zwei Monaten 16 geworden und durfte endlich auch offiziell rauchen, ohne sich dauernd verstecken zu müssen. Florian musste natürlich den Unfall haarklein erzählen. Alle wunderten sich dabei schon etwas, dass Florian dauernd den Namen ‘Tommy’ erwähnte und keiner von ihnen diesen Tommy kannte. War das jetzt, ein Zeuge oder wie? Mike traute sich zuerst und unterbrach Florian in seinem Redeschwall. “Ähm, du Flori? Weil du immer ‘Tommy’ sagst… Wer iss’n des eigentlich?”, fragte er. Kati und Sascha nickten, als ob sie gerade das gleiche fragen wollten. Florian stutzte. “Ach so ja, das ist einer der Bullen, die bei dem Unfall dabei waren…”, erklärte er kurz, und erzählte dann einfach weiter. Die drei waren also noch genauso schlau, wie vorher. Denn warum nannte er ihn nicht ‘Herr so und so, sondern ‘Tommy’? Sie warteten gespannt auf das Ende der Erzählung, vielleicht würde er es ja noch erklären. Und Florian erklärte es und die Augenbrauen der drei gingen nach oben. Dann kam er an die Stelle, als sie sich in den Armen lagen und die Krankenschwester bzw. auch seine Mutter zur Tür herein kamen. Kati bekam vor Rührung feuchte Augen und Sascha und Mike schienen es auch ziemlich romantisch zu finden. Sie hatten zwar schon vorher gewusst, dass Florian schwul ist, aber dass er sich nun einen Bullen geangelt hatte und darüber hinaus so schnell, fanden sie doch sehr interessant. Hatte er nicht vor ein paar Monaten, nach der gescheiterten Beziehung mit Patrick, noch gemeint, dass ihm Männer vorerst gestohlen bleiben können?

“Lernen wir den auch mal kennen?”, wollte Mike wissen. “Ich denke schon, aber der gehört mir, verstanden?!”, meinte Florian dazu. Er sagte es zwar spaßig, aber wer Florian kannte der wusste, dass es durchaus ernst gemeint war. Mike war nämlich auch schwul und hatte damals schon versucht, bei Florian zu landen. Aber damals war Florian gerade frisch verliebt in Patrick, der 19 war und in die gleiche Schule ging, wie Florian. Eigentlich würden Florian und Mike auch recht gut zusammen passen, aber es hatte sich eben bisher nie etwas ergeben.

“Ach Flori! Ich meinte das jetzt wirklich nur so. Nicht was du schon wieder denkst”, rechtfertigte sich Mike. “Zickenalarm?”, fragte Sascha und schob seine Brille zurecht. “Zick zick zick”, kam der Kommentar von Kati, die dabei anfing, zu grinsen. “Ja ja, komm’ mir bloß nicht auf dumme Ideen”, meinte Florian zu Mike und wedelte mit dem Zeigefinger vor Mikes Nase herum. “Ja ja, schon gut! Reg’ dich wieder ab. War doch wirklich nicht so gemeint. Und, wie isser so?”, meinte Mike, während er versuchte, Florians Finger mit den Augen zu fixieren und zu schielen anfing, sodass wieder alle lachen mussten. “Einfach süß, lieb, nett, hübsch und er hat Humor ohne Ende”, versuchte Florian, Tommy in kurzen Stichworten zu beschreiben. “Dich hat’s ja volle Breitseite erwischt, oder?”, meinte Sascha dann. “Hoffentlich ist der nicht so wie Patrick”, merkte Mike noch an. “Wie alt isser denn?”, wollte Kati wissen. Florian schaute sie der Reihe nach an. “Ja – bestimmt nicht – Anfang 20, denke ich”, beantwortete er alle Fragen auf einmal.

“Ach hier seid ihr, hätte ich mir ja denken können”, kam es aus Richtung der Tür. Florian drehte sich um, weil er mit dem Rücken zur Tür saß. “Hallo Mama” “Hallo, Frau Bachmeier”, kam es von den anderen. “Rauch nicht so viel Flori – die wievielte ist das jetzt heute schon?”, fragte seine Mutter streng. Florian dreht sich wieder zu Kati, Mike und Sascha um und äffte sie nach. “Meine Gesundheitsministerin warnt: Rauchen kann die Spermatozoen schädigen und schränkt die Fruchtbarkeit ein…”, meinte er mit einem extrem wichtigen Gesichtsausdruck. Dann drehte er sich wieder zu seiner Mutter um. “Äh, vier glaub’ ich” “Mensch Flori, mach langsam! Nicht mehr wie fünf hat der Arzt gesagt, oder?”, rügte ihn seine Mutter. “Ja, hat er”, meinte Florian etwas säuerlich, “So, wie der gestunken hat, hatte er selbst gerade ‘ne Schachtel geraucht und noch dazu einen gehoben. Meinst du, ich nehm das ernst, was so einer zu mir sagt?” Da hatte Florian nicht ganz unrecht. Wer lässt sich von einem nach Rauch und Alkohol riechenden Arzt schon gerne sagen, dass man bitte nicht mehr als fünf Zigaretten am Tag rauchen soll? Florians Mutter seufzte nur. “Du bist alt genug. Aber übertreib’s bitte nicht, ja?”, meinte sie nun eher auf die Besorgte-Mutter-Tour. Sie zündete sich daraufhin auch erst mal eine an und zog mit Genuss den ersten Zug in die Lungen. Sie konnte Florian schon verstehen, aber so kurz nach der OP schon rauchen? Sascha, Kati und Mike unterschrieben noch auf Florians Gips, verabschiedeten sich dann wieder und nachdem auch seine Mutter gegangen war, lag Florian wieder alleine im Zimmer und wartete auf seinen Schatz.

Mittlerweile war es kurz nach 20 Uhr und Tommy machte sich auf den Weg zu Florian ins Krankenhaus. Zwar hatte er morgen um sechs Uhr schon wieder Dienst, aber sehen musste er seinen Schatz auf jeden Fall noch! Er stürmte die Treppen hoch und ging ins Zimmer 206, ohne groß anzuklopfen. “Hallo Schatz! Ich hab sich so vermisst und…”, Tommy stockte kurz, “ich hab dich lieb!” “Oh Schatz, endlich bist du da! Komm’ her zu mir”, erwiderte Florian und richtete sich dabei im Bett für den kommenden Begrüßungskuss auf. Tommy ging zu ihm und gab Florian eine langen Kuss auf den Mund. So lange, dass auch ihre Zungen schon etwas spielten. Das war so schön und hätte wohl noch lange so weiter gehen können, aber Florian klopfte neben sich auf die Bettdecke, um Tommy zum Hinsetzen zu bewegen. Tommy setzte sich brav hin und sah Florian erwartungsvoll an. “Was ist denn Kleiner?”, fragte Tommy. “Eigentlich nichts Besonderes, aber ich muss dich mal was fragen. Wie alt bist du eigentlich, weil mich das jeder fragt und dabei weiß ich’s selber nicht”, sagte Florian. “Und ich dachte schon, was hat er denn? Ich hab’ genau einen Monat nach dir, am 23.10., Geburtstag und bin 22. Willst noch was wissen? Dann frag’ nur”, meinte Tommy. “OK, wie viele Freunde, also richtige meine ich, hattest du schon?”, nahm Florian das Angebot sofort an und bohrte weiter. “Ja, also ich hatte erst eine richtige Beziehung, als ich 16 war. Ingo war damals 18 und es dauerte ungefähr ein halbes Jahr mit uns. Er hat mich aber betrogen, belogen und eigentlich nur ausgenutzt. Ja, so war das…”, meinte Tommy und wurde nachdenklich, “…und da habe ich mir eigentlich gesagt, dass ich lieber alleine bleibe, als mich noch mal so verarschen zu lassen… bis ich dich dann im Arm hatte. Gesehen hatte ich dich ja schon öfter, wenn du mit dem Bike unterwegs warst, aber mehr als ein ‘hallo’ war halt nie drin. Und wie sieht’s bei dir aus mit Freunden und so?”, ergriff Tommy die Gelegenheit, auch etwas mehr über Florian zu erfahren. Florian war etwas erstaunt, dass Tommy erst einen festen Freund gehabt hatte, schließlich war er schon 22. “Echt? Einen erst? Also ich hatte auch erst einen, Patrick hieß er und das war vor etwa einem Jahr und dauerte…”, Florian überlegte kurz, “…viel zu lange. Keine Ahnung, ein paar Monate waren’s schon. Er hatte auch nebenher einige andere, wie ich später erfahren habe und richtig ernst gemeint hatte er es mit mir wohl auch nicht. Nur für’s Bett war ich gut, sonst nix! Der Arsch der blöde…”, sagte Florian und eine Träne bahnte sich ihren Weg über seine Wange.

Als Tommy die Träne sah, nahm er Florian einfach nur in den Arm. Sie ließen sich umfallen und lagen einfach da und umarmten sich. Schön war es, den Arm des anderen zu spüren, der Halt und Geborgenheit gab, ohne etwas dafür zu verlangen. Einfach nur so, das Gefühl haben, verstanden und geliebt zu werden.

Tommy machte die Augen auf. Es war dunkel. Was war denn nun passiert? Keinen Laut konnte man hören. Wieso zum Teufel war es dunkel hier? Er zog seinen Arm unter Florian hervor und sah auf seine Uhr. 02:13 zeigte diese an. Oh je, jetzt war alles klar! Sie waren eingeschlafen und jetzt lohnte es sich für Tommy nicht mehr, nach Hause zu fahren, weil er ja um sechs schon wieder Dienst hatte. Warum hatte ihn denn die Krankenschwester nicht geweckt, als sie hier war, um das Licht aus zu machen? Tommy war zu müde, um noch weiter darüber nachzudenken und beschloss, hier zu schlafen. Er zog sich aus und kroch zu Florian unter die Decke. “Schatz? Was machst du denn? Wie spät haben wir’s?”, fragte Florian mehr im Halbschlaf, als dass er es wirklich mitbekam. “Schlaf weiter mein Kleiner, wir sind eingeschlafen. Es ist schon nach zwei und ich bleib bei dir heut nacht, wenn ich darf”, flüsterte er ihm ins Ohr. “Au ja, schön”, nuschelte Florian nur und war schon wieder fast eingeschlafen. “Ich lieb dich”, meinte Tommy noch, streichelte Florian über den Kopf und kuschelte sich eng an ihn. “Hmmm”, summte Florian zufrieden, nahm Tommys Hand und schob sie unter seinen Kopf. Und schon waren sie beide wieder eingeschlafen.

“Mooageeenn”, rief es schrill und das Licht ging an. Die Krankenschwester war herein gekommen und brachte einen Becher mit Tabletten für Florian. Zwei verschlafenen Gesichter schauten sie aus dem Bett fragend an, was wohl nun kommen würde, wenn sie Tommy im Bett sieht. “Wollen sie vielleicht einen Kaffee?”, fragte sie Tommy. Tommy war dermaßen perplex, dass er nach Luft ringen musste. “Ohne Milch, nur Zucker bitte”, sagte er automatisch und wartete immer noch auf einen Anschiss, weil er hier geschlafen hatte. “Na klar, sie bekommen sogar einen von uns und nicht den Bodenseekaffee wie die Patienten. Durch den Kaffee von denen kann man nämlich den Boden sehen…”, meinte sie lachend und war verschwunden. Wie um Alles in der Welt konnte man so früh am Morgen so gut drauf sein? Tommy und Florian sahen sich eben so fragend wie verwundert an. Konnte es sein, dass sie beide zur gleichen Zeit den gleichen Traum hatten? Oder träumten sie gar immer noch? Da ging die Tür schon wieder auf und ein richtiger Kaffee in einer richtigen Tasse wurde Tommy richtig in die Hand gedrückt. Wie Tommy weiter feststellte, war die Tasse auch richtig heiß. “Autschi! Heiß.. heiß.. heiß..”, fluchte er vor sich hin und schaute zur Schwester, die gerade gehen wollte. “Danke schön! Und… kommt da jetzt noch was? Ich meine, weil ich hier geschlafen habe?”, fragte er ungläubig. “Nein, nein! Meine Kollegin hat gesagt, dass sie beide so süß geschlafen hätten, dass sie sie nicht wecken wollte. Das geht schon in Ordnung – ausnahmsweise aber nur”, meinte sie lächelnd und verließ das Zimmer.

Tommy nahm einen Schluck aus der Tasse. Hey, der schmeckte sogar richtig gut. Aber wie spät war es denn jetzt eigentlich? Tommy zuckte zusammen, als er auf seine Uhr sah. 06:50 Uhr war es bereits. “Mist! Ich hätte vor einer Stunde im Dienst sein müssen”, rief er hektisch. “Shit, bekommst du jetzt ärger mit deinem Chef oder wie man das nennt?”, fragte Florian noch etwas verschlafen. “Nee, aber mit Achim bestimmt. Ich ruf ihn schnell an, damit er bescheid weiß.” “Darf ich derweil mal an deinem Kaffee trinken, Schatz?”, fragte Florian. “Na Klar Spatz, bedien’ dich. Ich muss ja dann eh los”, meinte Tommy, während er auf seinem Handy herum tippte. “Ja, hi Achim. Du ich hab verpennt und bin in einer viertel Stunde da, OK? Ja, sorry! Ciao” “Ihr habt aber auch echt super Arbeitszeiten, Schatz”, meinte Florian ironisch. “Tja, aber man gewöhnt sich ja an fast alles, oder?”, meinte er. Florian nickte nur und schlürfte an der Tasse herum, als würde Tommys Mund noch dran hängen. “Hey, nicht die Tasse knutschen! Ich bin hier drüben”, grinste er Florian an. Der fing an zu lachen, stand auf und gab Tommy einen kurzen aber heftigen Kuss. “Ach ja und wegen gestern Abend beim Einschlafen, Schatz…”, fing Florian an. Tommy schaute ihn ungläubig an, weil er nicht wusste, was Florian damit meint. “…ich dich auch und zwar wirklich ganz, ganz arg”, fuhr Florian fort und Tommy verstand. “Schön! Ich dachte du hättest es gar nicht mehr gehört, weil du zur Antwort nur irgendwas gebrummelt hast”, meinte Tommy und zog die Jacke an, “mach’s gut und bis…”, er stutzte. “Was denn Schatz?”, fragte Florian. “Ich hab’ ja heute auch noch Nachtdienst. Soll ich heute Mittag oder heute Abend kurz vorbei kommen?”, fragte er Florian. “Beides geht wohl nicht?”, meinte Florian etwas enttäuscht. “Hast du’n Handy?”, wollte Tommy dann wissen. “Ja hab ich, warum?”, fragte Florian verwundert. “Sag mal schnell die Nummer, ich ruf dich dann später an” “017239865xxx”, las Florian ab, nachdem er das Handy eingeschaltet hatte. [Nummer wurde unkenntlich gemacht, weil es die wirklich gibt :o) – Der Autor] Tommy gab die Nummer ein und wählte sie an. Florians Handy vibrierte. “Jetzt hast du auch meine Nummer Schatz, ich muss los, tschüßi”, sagte Tommy, gab Florian noch einen Kuss und ging. Auf dem Weg zum Ausgang kam er noch beim Schwesternzimmer vorbei und schaute hinein. Die nette Schwester saß da und rauchte eine. “Hey, danke noch mal für den Kaffee! War echt super nett! Tschüß”, meinte er zu ihr. “Ach gern geschehen. Tschüß und schönen Tag”, erwiderte sie. “Wenn man Früh- und Nachtdienst vor sich hat?”, fragte Tommy lachend. “Ach so? Na dann, schönen Dienst eben”, meinte sie und lachte mit.

Tommy kam zur Tür herein und Achim lächelte ihn schon erwartungsvoll an. “Morgen Tommy! Ich dachte schon, du hättest ‘nen Unfall gehabt, weil du zuerst nicht ans Telefon bist. Wo warst du denn zum Geier?”, fragte Achim mit verschmitztem Lächeln. “Wieso? Ich hab doch dich angerufen”, sagte Tommy etwas verdutzt. “Ja, eine Minute, nachdem ich bei dir daheim angerufen hab und keiner ans Telefon ging. War der Herr wohl nicht zu Hause heute Nacht, wie?”, meinte Achim. “Ähm, ja genau. Ich erzähl dir das aber lieber im Auto, OK?”, sagte Tommy und musste grinsen, wenn er an die letzte Nacht dachte.

Im Auto erzählte er Achim dann die ganze Geschichte mit dem Einschlafen, dem Verschlafen und dem Kaffee auf ‘Rezept’. Achim staunte nicht schlecht und amüsierte sich köstlich.

Da es Sonntag war, war es auch ziemlich ruhig und sie hatten genug Zeit zum Reden. Achim fuhr auf einmal auf einen Parkplatz, der Sonntags natürlich menschenleer war. Er stellte den Motor ab und sah zu Tommy. “Du ich glaub, ich hab mich verliebt”, sagte er zögerlich. “Aber du hast doch schon ‘ne Freundin, oder?” “Ja, das ist es ja, Tommy! Ich hab ‘ne Freundin aber hab mich in jemand neues verliebt. Und das gefällt mir eigentlich gar nicht. Ich lieb ja meine Freundin auch noch. Was soll ich nur machen?”, meinte Achim etwas verzweifelt. “Also, zunächst könntest du mir sagen, wer die Glückliche ist, oder?”, scherzte Tommy, um die Stimmung etwas aufzulockern. “Na rate mal”, meinte Achim. “Julia?”, tippte Tommy. “Woher… Ja richtig, Treffer, versenkt”, kam es von Achim. “Und deine Freundin? Was soll mit der werden? Willst sie ja wohl hoffentlich nicht betrügen, oder so?”, fragte Tommy skeptisch. “Nein, natürlich nicht. Soweit solltest du mich eigentlich kennen!”, wunderte sich Achim. “Na gut, und wie kann oder soll ich dir da jetzt helfen?” “Weißt du vielleicht, ob sie ‘nen Freund hat?” “Also ich wüsste nicht, dass sie jemanden hätte, aber ich frag sie einfach”, meinte Tommy lachend. “Ja, danke”, grinste ihn Achim an, startete den Motor und fuhr wieder los.

Auf der Dienststelle angekommen, sah Achim Frau Bachmeier auf einem Stuhl in der Wache sitzen, gab Tommy einen kurzen Stoß in die Seite und deutete mit dem Kopf in die Richtung, in der sie saß. Tommy wunderte sich, was Heidi hier wollte und ging zu ihr. “Hallo Heidi, gibt’s Probleme?”, fragte Tommy etwas verunsichert. “Hallo Tommy. Nein, nein, alles OK”, sagte sie und drückte ihm ein Päckchen in die Hand, “da ist etwas Kuchen für euch drin, als kleines Dankeschön für alles. Und keine Ausreden, dass ihr das nicht annehmen dürft oder so”, fügte sie hinzu. “Danke schön, lieb von dir”, meinte Tommy und nahm das Päckchen. “Ich nehme an, wir sehen uns nachher noch?”, fragte sie und ging schon Richtung Tür. “Ja klar, bis später dann, Heidi”, verabschiedete er sich von ihr. Sie aßen den Kuchen und Tommy zog sein Handy heraus, um Florian anzurufen. “Ja? Schatz?”, meldete Florian sich. “Hallo Maus. Wie geht’s dir?”, fragte Tommy. “Gut soweit, danke. Ich sitze gerade mit Mama im Raucherzimmer” “Ah ja. Ich wollte nur sagen, dass ich nachher dann noch vorbei komme, ja?” “Na klar, ich freu mich schon auf dich und Schatz?” “Ja?”, meinte Tommy. “Ich lieb dich”, hauchte Florian leise. “Ich dich auch, bis nachher und Bussi”

Noch etwas Papierkram erledigen und schon war die Frühschicht vorbei. Tommy freute sich auf Florian und kam in sein Zimmer. Es war leer. War Heidi noch da? Jedenfalls konnte Florian eigentlich nur im Raucherzimmer sitzen. Also ging er dort hin. Wieder Fehlanzeige! Jetzt machte er sich schon etwas Gedanken und ging ins Schwesternzimmer. “Entschuldigung, wissen sie zufällig, wo der Florian Bachmeier ist?”, fragte er die Schwester, die ihm heute morgen den Kaffee gebracht hatte. “Ach hallo! Frühschicht schon vorbei? Ja die sind in die Cafeteria, denke ich”, gab sie zur Antwort. An die Cafeteria hatte er jetzt nicht gedacht! Er bedankte sich noch und ging hinunter. Und tatsächlich, da saßen sie und mit am Tisch noch ein Mann, den Tommy nicht kannte. Es war vermutlich Florians Vater. Er ging hinein und zu ihnen an den Tisch. Da er nicht wusste, ob Florian was dagegen hat, wenn sie sich in der Öffentlichkeit küssen würden, machte er keine Anstalten, seinem Schatz einen Kuss zu geben. “Hallo zusammen”, grüßte er in die Runde. “Hallo Schatz”, kam es von Florian. “Hallo Tommy”, meinte Heidi Jetzt sah Tommy zu Herrn Bachmeier. “Herr Bachmeier, oder?”, vergewisserte er sich. “Ja, hallo Tommy, sag einfach Rainer zu mir”, meinte Herr Bachmeier, also Rainer. “Freut mich”, sagte Tommy. “Du hast also geholfen, unseren Sohn zu retten?”, wollte Rainer wissen. “Ja, stimmt. Ich hab dem Notarzt etwas assistiert” “Magst was trinken, Schatz?”, wollte Florian wissen. “Ja, ‘ne Spezi wäre gut, Schatz.” Florian stand auf, ging zum Tresen und kam mit einem Glas Spezi zurück. “Hier mein Schatz”, meinte er, stellte das Glas vor Tommy hin und flüsterte ihm ins Ohr, “Ich lieb dich” “Ich dich auch”, kam es von Tommy zurück und er gab Florian einen Kuss auf die Wange. Florian setzte sich wieder und strahlte zufrieden. “Ich hab ihnen vorhin das mit letzter Nacht erzählt, Schatz. Die haben sich fast tot gelacht”, meinte er dann breit grinsend. “Ja toll, und Achim hat auch sofort gewusst, was los ist, weil er bei mir daheim angerufen hatte und zwar eine Minute, bevor ich ihn angeklingelt hab. Er hat sich auch gekringelt vor Lachen. Ich versteh’ gar nicht, was daran so lustig ist, wenn zwei Menschen einschlafen”, meinte er und konnte sich nun auch das Lachen nicht länger verkneifen. “Du bist süß! Kannst du nicht heute Nachmittag wieder hier schlafen?”, fragte Florian. “Die Schwester hatte eigentlich gesagt ‘ausnahmsweise'”, entgegnete Tommy geknickt, “aber ich würde schon. Nur du hättest ja dann auch nix davon, wenn ich schlafe.” “Ach was! Hauptsache, du bist bei mir. Auch wenn du schläfst… ich leg mich schon dazu” Florian sah Tommy sehnsüchtig an.

Nachdem sie sich noch eine Weile unterhalten hatten und Rainer Tommy erzählte, dass er als Pilot bei der Lufthansa arbeitet und hauptsächlich innerdeutsche und europäische Flüge bedient, machte sich Tommy auf den Weg, um noch etwas zu schlafen, bevor es in den Nachtdienst ging. Florians Eltern wollten auch nicht mehr allzu lange bleiben. Tommy ging zum Auto und hielt es schon nicht mehr aus vor Sehnsucht. Er ging zurück und am Schwesternzimmer begegnete ihm eine Schwester, die er noch nicht kannte. Aber sie ihn scheinbar. “Hallo, gut geschlafen?”, fragte sie grinsend. “Ach ihnen habe ich wohl die letzte Nacht hier zu verdanken? Ja danke, geschlafen hab ich super, nur etwas zu lange und dadurch kam ich auch noch zu spät zum Dienst”, lachte er. “Ach hatten sie heute Dienst?”, fragte sie neugierig. “Ja, ich bin bei der Polizei, wissen sie?”, meinte er und fügte hinzu, “und gleich noch ‘ne Frage: kann ich heute Nachmittag eventuell auch noch mal hier bleiben?” “Na gut, aber das ist wirklich das letzte mal und nur weil Sonntags kaum Ärzte hier rum geistern und Florian alleine auf dem Zimmer liegt, ja?”, sagte sie und ging wieder ins Schwesternzimmer zurück. “Danke”, rief er ihr noch nach und ging in Florians Zimmer. Er war noch nicht da. Wahrscheinlich dauerte die Verabschiedung von den Eltern etwas länger. Tommy zog sich aus und legte sich wie selbstverständlich ins Bett. Die Tür ging auf und Florian kam herein gehumpelt. Als er sah, dass Tommy im Bettlag, bekam er große Augen. “Schatz, du? Hey cool, bleibst ja doch bei mir”, freute er sich, warf seine Klamotten auf den Boden und lag schon neben Tommy. Er gab ihm einen langen Kuss, der es in sich hatte. Tommy schaute in Florians braune Augen. “Was machst du nur mit mir, Schatz?”, fragte Tommy verloren. “Nix Schlimmes und nix, was du nicht willst”, bekam er zur Antwort. “Du riechst so gut”, schwärmte Tommy. “Nach was denn? Nach Krankenhaus oder Friedhof?”, scherzte Florian und schnupperte an seinen Achseln. “Nach dir Schatz, einfach nach dir”, meinte Tommy, nahm Florian in den Arm und schloss die Augen. Im Schlaf merkte er, wie hin und wieder Florians Lippen seinen Hals küssten oder seine Hände ihn streichelten. Ja so konnte man es aushalten! Verschlafen konnte Tommy dieses mal auch nicht, weil er sich zur Sicherheit seinen Wecker im Handy auf 19 Uhr gestellt hatte. Es war wohl so gegen 17 Uhr, als es an der Tür klopfte und Tommy im Halbschlaf Stimmen hörte, die er nicht kannte. Er drehte sich um und sah zwei Jungs und ein Mädchen in Florians Alter am Bett stehen. “Du Schatz, das sind Mike, Sascha und Kati, drei Schulfreunde von mir. Wir gehen ins Raucherzimmer, damit du weiterschlafen kannst, ja? Ich bin in einer Stunde spätestens wieder da”, meinte Florian. “Ja, gut Schatz und hallo ihr drei”, murmelte Tommy und drehte sich wieder um. “Darf er einfach hier schlafen?”, fragte Kati verwundert, als sie das Zimmer verlassen hatten. “Ja, aber nur ausnahmsweise und weil die Krankenschwester echt lieb ist”, meinte Florian. “Irgendwie isser ja süß”, rutschte es Mike raus, worauf er einen bösen Blick von Florian erntete. “Ja, isser auch. Aber er ist bestimmt nix für kleine Michaels”, meinte Florian etwas zickig. Sie unterhielten sich noch eine Weile und Florian kam gegen 18 Uhr wieder ins Zimmer, wie er es versprochen hatte. Tommy schlief noch und Florian legte sich vorsichtig zu ihm. “Oh, schön, dass du wieder da bist, Schatz”, sagte Tommy, legte seinen Arm um Florian und streichelte seinen Bauch. “Vorsicht Schatz, meine Kriegsleiden”, scherzte Florian. “Ich pass schon auf”, versicherte Tommy und gab Florian einen Kuss in den Nacken. Um 19 Uhr piepste Tommys Handy. Tommy stand auf und zog sich langsam an, wobei er von Florian mit den Augen gleich wieder ausgezogen wurde. Tommy musste grinsen. “So, Schatz. Der Nachmittag war echt schön. Ich würd’ dich am liebsten mitnehmen”, meinte Tommy verträumt. “Ja, wenn das ginge”, sagte Florian, stand auf und fiel Tommy um den Hals, “ich vermiss dich ja jetzt schon wieder!” “Och komm, wir sehen uns morgen Nachmittag ja wieder, Schatz”, tröstete Tommy ihn. “Pass auf dich auf heute Nacht, ja?” “Klar, mach ich, Schatz. Und du schlaf gut und werd’ gesund. Ich lieb dich!” “Ich lieb dich auch”, sagte Florian und sah Tommy hinterher, als er aus dem Zimmer ging.

Warum hatte Florian nur so ein komisches Gefühl, als Tommy gegangen war? War es dieses mal die echte, große Liebe oder warum war ihm so schwer ums Herz? Er war den Tränen nahe und wusste eigentlich nicht genau, warum. Er nahm sein Handy aus der Schublade vom Nachtisch neben dem Bett und schrieb Tommy eine SMS.

Hallo Schatz!Ich vermiss dich so wahnsinnig,dass mir richtig schlecht ist!Bitte komm möglichst früh morgen.Pass auf dich auf und gute nacht.Ich liebe dich!Bussi

Kurz darauf piepste Florians Handy und drehte sich durch Vibrationsalarm auf dem Nachttisch.

Hallo schatz!Ich weiß nicht warum,aber mir gehts genauso!Du fehlst mir so und ich kann mich gar nicht richtig konzentrieren.Muß dauernd nur an dich denken!Bussi

Florian liefen die Tränen die Wangen hinunter. Zum ersten mal in seinem Leben glaubte er wirklich zu wissen, was Liebe ist. Er wollte nichts Spektakuläres, Aufregendes. Einfach nur seinen Schatz bei sich haben, in den Arm nehmen und hier und da einen Kuss geben. Sex hatten sie ja auch noch keinen gehabt und das fand Florian auch gar nicht so wichtig – im Moment jedenfalls nicht. Ihm war es wichtiger, den Menschen in seiner Nähe zu haben, bei dem er sich so geborgen, wohl,… ja einfach zu Hause fühlte. Er weinte sich in den Schlaf und hatte eine sehr unruhige Nacht, weil ihm die Nähe und Wärme von Tommy fehlte. Würde das jetzt immer so bleiben? Müsste er jede vierte Nacht, wenn Tommy Dienst hatte, so leiden müssen? Ging es Tommy ähnlich? Vermisste er ihn auch so sehr? Er bekam keine Antworten auf all seine Fragen – nur das Gefühl der Leere blieb ihm…

Und auch hier wieder der rechtliche Hinweis:
In dieser Geschichte verhalten sich Personen zum Teil nicht gesetzeskonform.
Dieser Umstand ist für die Darstellung der Geschichte erforderlich und dient einzig und alleine NUR diesem Zweck!

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