Alles was bleibt – Teil 2

2. Zeit

Innerhalb weniger Augenblicke hatte ich alles verloren. Meine Mam mein zu Hause alles. Ich lag auf meinem Bett. Wie ich hierher kam entzog sich mir. Ich hörte vom Flur gedämpfte Stimmen. Kurz ging die Tür auf und Freds Stimme erschall.

„Luka?“

Mühsam richtete ich mich auf und sah zu Fred. Dieser stand an der Tür und sah zu mir.

„Fred ich verstehe nichts mehr. Meine Mam ist nicht meine Mutter. Verstehst Du das?“

Fred sah kurz zurück in den Flur bevor er die Tür hinter sich schloss und auf mich zu kam.
Er setzte sich neben mir hin und nahm mich in den Arm.

„Was meinst Du mit Deine Mam ist nicht Deine Mutter?“

Meine Stimme versagte als ich Fred antworten wollte. Ich deutete auf meinen Schreibtisch, wo der Brief noch lag. Fred zögerte einen Augenblick bevor er den Brief von eben diesem nahm und anfing zu lesen.

„Scheiße..“, war alles was Fred sagte nachdem er den Brief gelesen hatte.

„Was soll ich denn machen? Es ist alles so irreal. Ich komme mir vor wie in einem Drama das kein Ende nimmt“, flüsterte ich zu Fred.

„Ich kann das echt nicht glauben. Und was passiert jetzt?“

„Ich weiß es nicht Fred. Ich bekomme das nicht in meinen Kopf.“

„Das muss ich erst einmal verdauen. Luka wenn Du willst kannst Du erst einmal zu uns kommen.“

„Wer hat Dich eigentlich hereingelassen?“

„Benn, der hat mir geöffnet. Er sagt das er vom Jugendamt wäre und das Deine Mutter im Krankenhaus ist.“

Bevor ich weiter fragen konnte öffnete sich die Tür und ein junger Mann sah in mein Zimmer.

„Alles klar bei Euch? Ich habe Tee gemacht. Wenn ihr wollt können wir im Wohnzimmer reden wie es weiter geht.“

Ich nickte und stand auf. Für einen kurzen Moment schwankte ich und Fred sprang auf um mich zu stützen.

„Ich gehe erst einmal ins Bad…“

„OK wenn was ist, sag Bescheid, ich warte dann im Wohnzimmer mit Benn auf Dich.“

Langsam machte ich mich auf den Weg zum Bad. Benn der immer noch an der Tür stand machte mir Platz. Wie in Trance ging ich den kurzen Weg zum Bad und schloss die Tür hinter mir.
Am Waschbecken angekommen öffnete ich den Wasserhahn und begann mein Gesicht zu waschen. Nachdem ich fertig war sah ich in den Spiegel. Was mich ansah erschrak mich. Ein vom Weinen gerötetes Gesicht sah mich an und meine Augen waren gerötet.
Scheiße sah ich aus und so fühlte ich mich auch.
Alles verloren. Dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf. Wie sollte es jetzt weitergehen?
Ich nahm ein Handtuch und trocknete mir das Gesicht ab und dann begab ich mich zum Wohnzimmer wo Fred und Benn stumm mit je einer Tasse Tee in der Hand auf dem Sofa saßen.
Fred sah zu mir als ich das Wohnzimmer betrat aber er sagte nichts. Benn, so war doch sein Name, stand auf und kam auf mich zu.

„Hi Luka ich bin Benn. Frau Reimer hat mich gebeten, etwas auf Dich aufzupassen.“

Ich nickte nur zu mehr war ich nicht in der Lage und ging erst einmal zum Sofa wo Fred mir schon Platz machte und ich setzte mich hin.

„Hier trink erst einmal.“

Fred reicht mir seine Tasse und ohne nachzudenken trank ich einen Schluck. Derweil setzte sich Benn in einen der zwei Sessel und sah zu mir.

„Ähmm Luka, Frau Reimer hat mich informiert und wenn Du fragen hast, wie es weitergeht, dann frag.“

„Wie geht’s meiner Mu…“, ich schluckte und brach meinen Satz ab.

„Sie liegt im Krankenhaus auf der Intensivstation. Luka sie ist nicht mehr ansprechbar und nach dem was der Arzt sagte, wird sie die Nacht nicht überstehen. Es tut mir leid…“

Meine Augen fingen wieder an zu brennen und Fred nahm mir die Tasse aus der Hand.

„Alles zu Ende…, wo gehöre ich hin?“

Fred nahm mich in den Arm und drückte mich an sich.

„Hee Du bist nicht alleine Luka..“, flüsterte er mir ins Ohr.

Ich konnte nur nicken.

„Luka deine Mutter hat schon vor ein paar Tagen durch Ihren Arzt mit uns Kontakt aufgenommen. Daher hatten wir etwas Zeit zu recherchieren nach Deinen richtigen Eltern. Die Polizei wurde auch schon eingeschaltet und ein Staatsanwalt. Da Deine Mutter schwer krank ist, wollten wir Dich erst einmal nicht belasten und haben daher uns im Hintergrund gehalten. Nun aber war es Zeit das Du es erfährst…“

Stumm nickte ich nur und sah zu Benn.

„Und ist schon etwas herausgekommen?“, mühsam und angstvoll kamen die Worte aus meinem Mund.

„Das hat Zeit Luka. Erst einmal musst Du mit der jetzigen Situation klar kommen. Nur eines kann ich Dir sagen, das Deine Mutter Dich in Stuttgart aus einem Kinderwagen entwendet hat und dann nach Berlin mit Dir ist.“

„Stuttgart?? Komme ich daher?“

„Ja es gab vor siebzehn Jahren einen Fall. Der Säugling wurde nie gefunden.“

Also wussten alle mehr als ich und ich saß hier und konnte nur abwarten was weiter passiert.

„Luka ich rufe kurz meine Eltern an und sage ihnen was los ist.“

Fred stand auf und ging zum Telefon. Ich hörte ihn im Hintergrund mit seiner Mutter reden. Ich sah zu Benn und dieser lächelte mich aufmunternd an.

„Luka es wird wieder alles gut. Ich weiß dass Dir vieles durch den Kopf geht. Aber glaub mir es wird besser.“

„Es wird nichts besser… Mein Leben steht auf dem Kopf. Ich komm mir vor wie im Film..“

„Ich weiß. Wir reden morgen weiter. Erst einmal ist es wichtig das du zur Ruhe kommst..“

„Benn meine Mutter lässt fragen ob es ok ist wenn Luka zu uns mitkommt?“

Benn sah zu Fred der mit dem Telefon in der Hand an der Tür stand.

„Luka wenn Du es willst dann bringen wir Dich zu Fred. Von meiner Seite ist es ok.“

„Luka?“
Freds Stimme richtete sich an mich und ich nickte nur. Besser hier aus dieser Wohnung verschwinden als noch eine Minute hier zu sitzen.

„Ja Mom, Luka ist einverstanden. Nein Du brauchst nicht zu kommen alles andere erzählt Dir am besten Benn. Ok bis gleich.“

„Ich pack ein paar Sachen für Dich ein Luka.“

Damit stand Benn auf und verschwand aus meinem Sichtfeld. Kurze Zeit später war alles Notwendige gepackt und wir machten uns auf den Weg zu Fred. Die ganze Zeit schwieg ich und meine Gedanken rasten nur so.
Aus Stuttgart kam ich. Das wusste ich nun aber mehr auch nicht. Ich wollte heute nichts mehr hören. Ich war müde und wollte meine Ruhe haben. Bei Fred zu Hause angekommen erwartete Freds Mutter uns schon an der Wohnungstür.
Freds kleinere Schwester Nadine stand bei ihr.

„Hallo Luka…“, kam es von Nadine und Freds Mutter nahm mich in den Arm und drückte mich kurz an sich.

„Kommt erst mal rein. Ich hab Tee gemacht!“

Nadine nahm meine Hand und zog mich in die Küche. Müde setzte ich mich auf einen der Stühle. Die anderen setzten sich zu mir und Freds Mutter goss uns Tee in die bereits auf dem Tisch stehenden Tassen ein.

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1 Kommentar

    • claus auf 31. Dezember 2015 bei 10:14
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    Hallo Joerschi,

    eine sehr spannende, wenn auch traurige Geschichte.

    Viele Grüße und alles gute fürs neue Jahr
    Claus

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