Freunde auf ewig…

Nam Soon

Mein Kopf verließ blitzartig, die bequeme Stelle auf meinen Armen. Ich traute meinen Ohren nicht. Heute, dachte ich eigentlich, würde es wieder so ein langweiliger Tag, doch als unsere Lehrerin einen neuen Mitschüler ankündigte und dieser sich mit „Park Heung Soo“ vorstellte, war plötzlich alles anders.
Ich hatte richtig gehört. Vorne, neben dem Pult, stand tatsächlich Heung Soo.

„Ich hoffe, wir verstehen uns gut“, sagte dieser und verbeugte sich leicht vor allen.

„Nimm da drüben Platz“, sagte die Lehrerin und zeigte auf den Stuhl schräg vor mir.

Heung Soo lief auf dem ihm zugewiesenen Platz, blieb aber kurz stehen, als er mich erblickte.

Aber ohne ein Wort zu sagen, setze er sich und starrte stur nach vorne.

*-*-*

Heung Soo

Was macht dieser Bastard hier. Nie hätte ich erwartet diesen Trottel je wieder zu sehen. Ich spürte, wie der Hass in mir aufstieg und ich ihm am liebsten die Fresse polieren wollte. Aber ich spürte auch die Blicke der anderen, die mich anscheinend mit Neugier beobachteten.
Stur schaute ich zur Tafel, wo die Lehrerin irgendwelche Zahlenreihen aufschrieb. Schnell versank ich wieder in meiner Gedankenwelt. Dieser Bastard schräg hinter mir durchbohrte erneut mein Herz. Es war zwar drei Jahre her, aber immer noch tat es weh, was wir damals gemeinsam erlebten.
Ich war froh, dass mich irgendwann die Schulglocke aus den Gedanken erlöste. Ich stand auf und lief auf den Flur.

„Heung Soo…“, hörte ich eine vertraute Stimme.

Ich drehte meinen Kopf und schaute kurz in die braunen Augen von Nam Soon. Sie waren leicht glasig und hatten einen fragenden Blick.

„Was willst du?“, fragte ich scharf, aber leise.

Anscheinend nicht leise genug, denn plötzlich wurde es still um uns herum.

„Warum…, warum bist du hier?“

„Könnte ich dich auch fragen, aber ich sage nur eins, lass mich einfach in Ruhe.“

„Aber…“

Ich ließ ihn nicht weiter reden und schob ihn per Unterarm auf seinem Hals gegen die Wand.

„Lass mich einfach in Ruhe!“, fuhr ich ihn an.

Nun war gar kein Laut mehr auf dem Flur zu hören. Ich verdrehte die Augen. Na toll, da fiel ich ja gleich negativ auf und das am ersten Tag.

„Heung Soo und Nam Soon folgt mir bitte“, hörte ich eine Männerstimme.

Ich schaute in die Richtung und sah diesen Lehrer der vielen Regeln, so nannte ich ihn auf alle Fälle, seit er bei meinem ersten Besuch so viele Regeln der Schule aufgezählt hatte. Ich ließ also von Nam Soon ab und folgte ihm.
Ich drehte mich zwar nicht um, aber ich spürte deutlich, dass Nam Soon direkt hinter mir lief. Der Lehrer führte uns in einen separaten Raum. Der Lehrer setzte sich, ebenso Nam Soon. Ich zog es vor, stehen zu bleiben.

„Du bist nicht gerade eine Zierde, gleich am ersten Tag so aufzufallen“, begann der Lehrer, dessen Name ich nicht mehr wusste, „kann mir vielleicht einer erklären, was passiert ist?“

Unangenehme und dunkle Bilder der Vergangenheit huschten durch meinen Kopf und der Schmerz in meinem Bein kehrte wieder. Warum passierte das mir, heute und jetzt? Ich verstand die Welt nicht mehr. Auf die Frage wollte ich eigentlich nicht antworten.

„Gut, wenn ihr beide nichts sagen wollt, dann…“

Auch das noch, ich atmete tief durch.

„Wir sind Freunde und haben uns ein paar Jahre nicht gesehen…, das Wiedersehen verlief leider etwas… holprig“, hörte ich mich sagen und verfluchte mich innerlich, es gesagt zu haben.

Der Lehrer schaute zwischen uns hin und her.

„Gut…, dann sehe ich mal darüber hinweg und gebe euch beide noch eine Chance, aber beim nächsten Mal, gibt es Strafen!“

Der Lehrer hatte wohl alles gesagt und verließ das Zimmer. Ich folgte ihm.

„Heung Soo…?“

Ich drehte mich um und sah Nam Soo tief in die Augen.

„Ich habe zwar gesagt, wir sind Freunde, was aber nicht heißt, dass ich je etwas mit dir noch zu tun haben will, verstanden?“

Nam Soon  wich etwas zurück und senkte den Kopf.

„Es tut mir so leid…!“

„Etwas spät!“, meinte ich nur und ließ ihn stehen.

*-*-*

Nam Soon

Deutlich konnte ich das Geflüster in der Klasse hören. Schnell war die Nachricht herum gegangen, dass Heung Soo und ich uns gut kannten und man spekulierte über die wildesten Dinge unserer Freundschaft. Ich lag wie immer mit meinem Oberkörper auf dem Tisch, den Kopf auf den verstränkten Armen liegend und die Augen geschlossen.
Bilder tauchten auf und verblassten wieder. Bilder aus der Vergangenheit, Tage, an denen Heung Soo und ich noch glückliche Freunde waren. Wie oft war ich bei seinen Fußballspiel zugegen und freute mich tierisch, wenn seine Mannschaft gewann.
Wie oft stellten wir gemeinsam irgendwelchen Unfug an, um an Geld zu kommen, nur deswegen, dass wir danach gemeinsam Ramen essen zu können. Aber diese Zeit schien vorbei zu sein, durch meine Schuld, doch jetzt, heute? Änderte sich etwas?
Mittlerweile war der Lehrer gekommen und begann mit dem Geschichtsunterricht. Gelangweilt wie immer, versuchte ich zu folgen, aber es war mir immer schnell klar, dass ich das alles schon mal durchgenommen hatte.
Damals, in der Zeit mit Heung Soo, wir standen beide kurz vor dem Abschluss, bis dieser grauenvolle Abend passierte. Ich brach die Schule ab und verschwand einfach. Nun hatte ich aber keine Wahl mehr, ich brauchte einen Abschluss.
Meine Eltern hatten mich vor die Wahl gestellt. Einen Abschluss, oder sie entziehen mir alles Geld und die Rechte in der Familie. Anfangs fiel mir die Entscheidung nicht leicht, schon alleine weil der Grund meines Abbruchs wieder aufkam.
Drei Jahre hatte ich mich jetzt mit Teilzeitjobs über Wasser gehalten, weil ich meinen Eltern zeigen wollte, dass ich auch ohne ihr Geld auskam. Ich hatte sogar eine kleine eigene Wohnung, was meine Eltern duldeten. Doch für sie war dann irgendwann Schluss, mit diesem Gammlerleben, wie es mein Vater beschrieb.
Sie wollten, dass etwas Vernünftiges aus mir wird, setzten mir ein Ultimatum, entweder Schule oder ein Leben als Bettler. Mit der Aussicht in meiner Wohnung bleiben zu dürfen, entschied ich mich für die Schule.
Das war vor einem guten halben Jahr und die Wogen zwischen meinen Eltern und mir hatten sich besänftigen, weil ich auch immer gute Noten nach Hause brachte. In der Klasse wusste niemand etwas über mich, oder meine Familie, so wurde ich weitgehend in Ruhe gelassen.
Auch dass ich mit neunzehn Jahren, drei Jahre über dem Durchschnittsalter der Klasse lag, wusste niemand und hatte auch niemand zu interessieren. Der Lehrer an der Tafel überhäufte uns mit Daten und ich sah, wie die anderen mitschrieben.
Ich setzte mich auf und mein Blick blieb auf dem Rücken von Heung Soo hängen. Warum war er plötzlich hier. Drei Jahre hatte ich ihn nirgends gesehen. Gut die Stadt war groß, doch war ich immer wieder an den Ecken vorbei gekommen, die auch ihm bekannt waren.
Die kommenden Stunden vergingen ähnlich und ich fand, dass es wieder ein verschenkter Tag war. Die Lehrer hatten mich bisher in Ruhe gelassen, denn meine Noten waren sehr gut. Der Gong ertönte und es war Zeit für das Mittagessen.
Schwerfällig erhob ich mich und verließ den Klassenraum. Ich folgte dem Strom der anderen und fand mich wenig später im Speiseraum der Schule wieder. Hier reihte ich mich in den Schülerstrom der Hungrigen ein.
Langsam schob ich mich an den emsigen Helfern vorbei, die eifrig das Essen auf unseren Tabletts verteilten. Befüllt hob ich es an und machte mich auf, mir einen ruhigen Platz zu suchen. Doch abrupt blieb ich stehen.
Vor mir stand Heung Soo.

*-*-*

Heung Soo

Eigentlich hatte ich keinen Hunger, aber wenn ich nichts aß, dann wirkten die Tabletten nicht und die Schmerzen kamen zurück. So folgte ich dem Strom der anderen und kam wenig später im Speiseraum an. Es war recht voll, aber nicht laut, auch hier schien es recht diszipliniert zu zugehen.
Ich lief etwas weiter in den Raum, um mich etwas zu orientieren, als plötzlich Nam Soon vor mir stand.

„Hier nimm, such dir einen Platz, ich hol mir ein neues Essen“, meinte er und drückte mir sein Tablett in die Hand.

Was sollte der Mist, doch bevor ich reagieren konnte, drehte er sich weg und war in der Schlange der Anstehenden verschwunden. So suchte ich, leicht angesäuert einen Platz. Weiter hinten war noch ein Tisch komplett leer.
So beeilte ich mich, dass es so blieb und besetzte ihn. Ich schaute mir das Tablett an. Eine Suppe, ein Schälchen Reis, Fleisch und Gemüse und ein Nachtisch. Wenn es auch schmeckte, war alles in Ordnung. Ich nahm die Stäbchen und probierte etwas vom Reis, der sich als etwas zu weich herausstellte.
Während ich mich nun durch alles probierte, setzte sich jemand mir gegenüber. Ich hob den Kopf – Nam Soon.

„Shit, ich hab dir doch gesagt, du sollst dich von mir fernhalten!“

Er schaute mich mit großen Augen an und sagte aber nichts. Ich ließ meine Augen wandern, stellte aber fest, dass nirgends ein Platz war, wo ich mich hätte niederlassen können, oder wollen.

„Shit!“, fluchte ich noch einmal und bemerkte, wie Nam Soon anfing zu essen.

Naja essen konnte man das nicht nennen, eher schlingen, als ging es darum, das Essen so schnell wie möglich zu vernichten, damit ja niemand anderes etwas davon bekam. Es gab Dinge, die änderten wohl nie.
Nam Soon war eben Nam Soon, wenn es ums Essen ging. Während er sein Essen hinunter schlang, nahm ich wieder meine Stäbchen auf. Zwei andere Stäbchen tauchten vor mir auf, bestückt mit einem Stück Fleisch, das auf meinem Reis nieder gelegt wurde.
Erneut schaute ich auf und mir sah ein lächelnder Nam Soon entgegen. Mir fiel nichts mehr ein, was ich darauf sagen konnte. So begann ich meinerseits zu essen. Etwas genervt von Nam Soons Essgeräuschen, leerte auch ich mein Tablett.
Auch spürte ich, wie die Augen an den Nachbartischen an uns hingen. Erwarteten sie eine Schlägerei? Ich wusste es nicht und beschloss das Ganze einfach zu ignorieren. Ich griff in meine Tasche, holte die kleine Pillendose hervor und entnahm ihre eine.
Ich schluckte sie und trank einen Schluck Tee danach. Als ich den Becher absetzte, sah ich in die Augen von Nam Soon. Sein Blick wanderte kurz zu der Pillendose, dann wieder zu mir. Dann würde sein Blick unheimlich traurig.
Schnell steckte ich die Dose zurück in mein Jacket und aß den Rest meines Essens. Nicht ein Wort fiel zwischen uns, während dieser ganzen Zeit. Auch vermied ich es, noch einmal Blickkontakt mit ihm zu bekommen.
Früher war das anders. Obwohl Nam Soon am Schlingen war, redete er ohne Unterlass, sogar, wenn er den Mund voll hatte und man die Worte die er versuchte auszusprechen, unverständlich waren. Und immer grinste er dabei.
Wie schaffte man das ohne sich zu verschlucken? Und überhaupt, ich saß hier mit ihm an einem Tisch, dachte an früher und machte mir Gedanken um ihn. Was sollte das? Wollte ich ihn nicht ignorieren? War das Gefühl, dass ich ihn die ganze Zeit über vermisst hatte viel stärker, auch jetzt noch, wo drei Jahre vergangen waren.
Drei Jahre hatte ich Zeit ihn zu vergessen. An Tag meiner Operation, als ich im Krankenhaus lag und ihn dann sah, durchs Fenster, vor dem Krankenhaus, sich kurz unsere Blicke kreuzten und er dann wegrannte, da begann ich ihn zu hassen, aber auch zu vermissen.
Lange lag ich im Krankenhaus, bis das zerschmetterte Schienbein so gerichtet war, dass ich das Bein wieder nutzen konnte. Als ich das Krankenhaus verlassen konnte, war Nam Soon verschwunden. Doch die Schmerzen waren allgegenwärtig, so konnte ich ihn, den Grund meiner Verletzung auch nicht vergessen.
Und wenn die Schmerzen besonders stark waren, kamen die Bilder zurück, von diesem bewussten Abend, der mein Leben so veränderte. An diesen Abend, wo man mir mein Schienbein zerschmetterte und ich nie wieder Fußball spielen konnte.
Wie die Spielkollegen aus Wut auf mich eintraten und vor allem an Nam Soon, der teilnahmslos daneben stand und nichts unternahm, nicht eingriff, mich nicht verteidigte.

„Wo bist du mit deinen Gedanken?“, riss mich Nam Soons Stimme aus dem Gedanken.

„Was geht dich das an?“

„Ich frage nur, weil dir eine Träne über die Wange läuft.“

Schnell wischte ich die Träne ab, packte mein leeres Tablett und stand auf.

*-*-*

Nam Soon

Wie konnte ich nur wieder sein Vertrauen gewinnen. Mir war klar, dass ich damals einen riesen Fehler gemacht und unsere Freundschaft verraten hatte. Ich schaute ihm hinter her, wie er sein Tablett wegtrug.

„Was ist das zwischen euch?“, hörte ich Kang Joos Stimme hinter mir.

Ich drehte mich zu ihr herum. Sie war meine Vertretung, wenn ich als gewählter Klassensprecher keine Zeit hatte, mich um etwas zu kümmern. Warum man mich gewählt hatte, war mir bis heute ein Rätsel, vielleicht darum, weil ich mich mit dem Klassenarsch Akuma angelegt und zu Recht gewiesen hatte.

„Das ist eine lange Geschichte“, antwortete ich.

Sie gab sich wohl damit zufrieden und lief weiter. Die Zeit wurde knapp und mir blieb nichts anderes übrig, als mein Tablett ebenfalls zurück zu bringen. Als ich am Tisch von Akuma vorbei kam, empfing mich ein hassender Blick.
Dass ich mich bei ihm nicht gerade beliebt gemacht hatte, war mir schon klar, aber ich dachte er ließ mich bis auf Weiteres in Ruhe. Ich gab mein Tablett zurück und lief zurück zum Klassenraum. Nach draußen um frische Luft zu schnappen, wollte ich nicht.
Im Klassenzimmer selbst, waren kleine Gruppen wie immer bei einander. So lief ich an meinen Platz und legte mich wie immer halb auf meinen Tisch und legte den Kopf auf meine verschränkte Arme. So ließ man mich in Ruhe, bekam aber dennoch mit, was in der Klasse geredet wurde.

„Und was gibt das jetzt?“, hörte ich es zu meiner Rechten, „Nam Soon, Akuma und Heung Soo, drei Anführer? Das gibt Mord und Todschlag.“

Ich konnte nicht anders und musste grinsen, obwohl er irgendwie Recht hatte. Irgendwann gab es bestimmt Ärger. Ich meinte jetzt nicht, den Ärger zwischen Heung Soo und mir, sondern den Ärger, den sicher Akuma bringen würde.
Mich neben sich zu dulden, schien ihm schon schwer zu fallen, aber nun war da auch noch Heung Soo, ein Kopf größer als er.

„Ich hoffe, wir sind nicht dabei, wenn das passiert.“

„Man sollte sich gleich rausschmeißen, ich will in Ruhe meinen Abschluss schaffen, solche Troublemaker können wir hier nicht gebrauchen!“

Das hatte eines der Mädchen gesagt. So dachte man also über mich, einen Troublemaker. Sie konnte gerne mein Amt als Klassensprecher übernehmen, gerissen hab ich mich nie darum.

„War klar, dass das von dir kommt, du denkst ja nur an dich!“, sagte eine andere Stimme.

Das alles endete plötzlich. Ich hörte Stühle, die weggeschoben wurden. Das war sicher Akuma, ich brauchte nicht aufzuschauen, er machte immer so ein Auftritt, wenn er ins Zimmer kam und seine Lakaien waren auch sicher bei ihm.
So ruhte ich einfach weiter bis die Stunde begann.

*-*-*

Heung Soo

Endlich, der letzte Gong. Ich musste leicht grinsen. Ich war es echt nicht mehr gewohnt, solange in der Schule zu sitzen. Ich nahm meine Tasche unter meinen Arm und verließ das Zimmer. Schnell hatte ich das Schulgebäude und auch das Gelände und war froh endlich heimlaufen zu können.
Als ich dann um die nächste Ecke lief, traf mich etwas hart im Gesicht und ich lag auf dem Boden. Etwas benommen schaute ich auf und schaute in die Augen von Akuma, der im Unterricht hinter mir saß. Was sollte der Scheiß?

Ich rappelte mich auf und rieb mein Kinn.

„Was soll der Scheiß?“, rief ich und spürte, wie mein Kinn dabei schmerzte.

Akuma trat auf mich zu.

„Du sollst gleich wissen, wo der Hase läuft“, meinte er und holte erneut aus.

Doch bevor ich überhaupt reagieren konnte, schnellte etwas an mir vorbei und Akuma, flog nach hinten auf den Boden. Schneller als mir lieb war, war, um mich herum, eine Schlägerei zu Gange. Das was an mir vorbei geflogen war, war kein anderer als Nam Soon, der nun damit beschäftigt war, Tritte von Akumas Lakaien abzuwehren.
Lust hatte ich keine, aber ich war auch sauer auf Akuma. So holte ich ebenso aus und Akuma landete wieder am Boden. Danach half ich Nam Soon und wenig später, standen nur noch er und ich.

„Wir werden euch schon noch kriegen“, schrie Akuma und rannte weg, mit den Lakaien in Gefolge.

Ich zupfte meine Uniform zu Recht, tastete nach meinem Kinn und spürte, dass mir Blut aus der Lippe lief. Mein Blick fiel auf Nam Soon, den es anscheinend etwas härter getroffen hatte. Aus einem kleinen Riss an der Augenbraue lief etwas Blut, und sein Gesicht war von Schlägen gerötet.

„Alles in Ordnung mit dir?“, fragte mich Nam Soon.

Meine Wut war noch nicht verflogen und schaute Nam Soon sauer an.

„Kommt etwas spät deine Frage, oder meinst du nicht?“

„Heung Soo…, bitte…“

„Bitte was? Was willst du von mir hören? Das alles wieder gut ist… Das kannst du vergessen, denn es wird nie wieder so sein wie früher“, schrie ich ihn an.

Ich griff nach meiner Tasche und ließ ihn einfach stehen.

*-*-*

Nam Soon

Weinend schaute ich ihm nach. Es brannte wie Feuer, als eine Träne nach der anderen über meine aufgeschürfte Wangen rannen. Ich nahm meinen Rucksack und lief in meine Richtung nach Hause. Heute dauerte es etwas länger, weil ich gedanklich nicht voll da war.
Ich schloss meine Tür auf. Nach dem ich mich meiner Schuhe entledigt hatte, betrat ich meinen Raum und ließ mich auf mein Bett fallen. Was konnte ich nur tun, um sein Vertrauen wieder zu erlangen? Ich musste eingeschlafen sein, denn als ich wieder die Augen öffnete, war es draußen bereits dunkel.
Meine Augen brannten und mein Hals war trocken. Ich entledigte mich meiner Klamotten und lief ins Bad. Die warme Dusche tat jetzt gut. Ich schloss die Augen und ließ einfach dass Wasser an mir herunter laufen.
Irgendwann war es dann doch genug und ich verließ die Dusche wieder. Ich wickelte ein Handtuch um die Hüfte und lief zurück in meinen Raum. In der kleinen Kochnische öffnete ich den Kühlschrank und suchte nach etwas Trinkbaren.
Eigentlich wollte ich ja einkaufen gehen, hatte es aber irgendwie vergessen. So warf ich die Kühlschranktür zu und tapste an mein Bett, da wo meine Klamotten verteilt lagen. Heung Soo kam mir in den Sinn, weil er immer an meinem Mangel an Ordnung herum kritisierte.
So hob ich die wenigen Kleidungsstücke vom Boden auf und warf sie über den Stuhl. Ich musste grinsen, weil das sicherlich ebenso wenig in Heung Soos Ordnungssinn passte. Schnell war mein Trainingsanzug übergezogen und eine dicke Jacke gefunden.
So ausgestattet, ging ich zur Wohnungstür, schlüpfte in meine Turnschuhe und verließ die Wohnung wieder. Ich hüpfte die Treppenstufen hinunter und war schnell im Freien. Ich war froh über die Winterjacke, denn es blies mir ein eisiger Wind entgegen.
Na hoffentlich wurde ich nicht krank, meine Haare waren noch feucht vom Duschen. So zog ich die Mütze der Jacke hoch und lief los zum Laden. Dort angekommen, waren schnell die Dinge gefunden, die ich für zu Hause benötigte.
An der Kasse bekam ich alles in eine Papiertüte eingepackt. Schnell war alles bezahlt und genauso schnell war ich wieder draußen. Ich blieb kurz stehen und schaute in den Himmel, denn es hatte angefangen zu schneien.
Zügig machte ich mich auf den Weg nach Hause, denn der Wind blies nun richtig heftig. Ich kniff die Augen zusammen, denn es trieb mir den Schnee in den Augen. Für meine Wangen, war es wie eine Wohltat, das Kühle tat ihnen gut.
Froh gleich wieder zu Hause zu sein, achte ich nicht mehr richtig auf den Weg und bereute es sofort. Eine glatte Stelle auf dem Boden ließ mich ausrutschen und mitsamt dem ganzen Einkauf auf den Boden knallen.
Und zu meinem Glück zerriss dabei auch noch die Papiertüte und alle meine Habseligkeiten verteilten sich auf dem Bürgersteig. Ich fluchte.

„Hast du dir weh getan?“, hörte ich jemanden sagen.

Ich schaute auf und sah Heung Soo vor mir stehen, der gerade an einer Zigarette zog.

„Nicht mehr als heute Mittag“, gab ich zur Antwort und begann meine Sachen einzusammeln.

Er bückte sich und hob ebenso einiges auf. Die kleineren Sachen stopfte ich in meine Jackentaschen. Mittlerweile stand ich neben ihm und die Frage kam auf, warum er hier war. Soweit ich wusste, wohnte er schon ein gutes Stück von hier entfernt.

„Was tust du hier?“, fragte ich leise.

„Ich wollte einfach an die frische Luft und bin losgelaufen, ohne großartig auf die Richtung zu achten.“

Seine Lippen waren fast blau, so war er schon eine Weile unterwegs und dass er nicht zu Hause war, sagte mir die Tasche unter seinem Arm und dass er immer noch seine Schuluniform trug.

„Hunger?“, fragte ich, während ich versuchte mich mit allem Aufgelesenen fortzubewegen.

„Auf was?“, fragte nun er.

Ich hätte ja jetzt sagen können man beantwortet keine Frage, mit einer Gegenfrage, sondern antwortet sofort. Aber dies ließ ich schön bleiben, weil ich ihn nicht gleich wieder verärgern wollte.

„Ramen“, lächelte ich ihm entgegen und lief einfach Richtung zu Hause los.

Ohne ein Wort zusagen, folgte er mir. Plötzlich fluchte es hinter mir. Ich drehte mich um und Heung Soo stand mit einem Schuh im Schneematsch. Sein Gesicht war leicht rot, ich konnte seine ärgerlichen Augen sehen.
Ich sagte lieber nichts, keine Angriffsfläche bieten. Zu lange waren wir getrennt gewesen. Etwa eine viertel Stunde später, stand ich vor meiner Wohnungstür und schloss auf. Ich öffnete die Tür und machte das Licht an.

*-*-*

Heung Soo

Hier wohnte er also. Er ging hinein und zog seine Schuhe aus, bevor er den Raum betrat. Ich atmete tief durch und folgte ihm. Nachdem ich mich meiner Schuhe entledigt hatte, schaute ich mich um. Ein kleiner Tisch, ein Schrank, eine einsame Pflanze am Fenster.
Keine Bilder zierten die Wände, der Raum war kahl. In einer Nische entdeckte ich Nam Soon, der Sachen in den Kühlschrank räumte. Dann drehte er sich zu mir.

„Komm zieh die nasse Socke aus, hier ist es warm, nicht dass du dir eine Erkältung holst.“

Er hatte recht, auf eine Erkältung hatte ich wirklich keine Lust. So zog ich den feuchten Socken aus und legte ihn neben die Schuhe auf die Stufe. Die Jacke und die Tasche stellte ich zu seinen Sachen. In der Nische wurde es laut. Nam Soon schien etwas zu suchen und zog plötzlich einen großen Topf hervor.
Er befüllte ihn mit Wasser und stellte ihn auf die Gasflamme.

„Durst?“

Ich nickte. Er ging an den Kühlschrank und zog zwei Dosen Bier heraus. Eine davon warf er mir zu. Ich fing sie auf, öffnete sie, prostete ihm zu und trank.

„Seit wann wohnst du hier?“

„… seit drei Jahren…“

Das erklärte, warum er plötzlich von der Bildfläche verschwand.

„Alleine?“

Er sah mich wieder mit diesen traurigen Augen an.

„Wer will schon mit einem verrückten Bastard zusammen wohnen…?“, antwortete er, drehte sich herum, und rührte in seinem Topf weiter.

Ich ließ mich am Tisch nieder und stellte mein Bier ab. Wieder kläpperte es und Nam Soon kam mit zwei Schalen und Stäbchen zum Tisch.

„Viel Hunger?“

„Es geht…“

„Ist gleich fertig“, meinte er und lief wieder zu seiner Küchennische.

Dabei entdeckte ich eine weitere Tür.

„Da ist das Bad…, falls du mal musst…“

Ich nickte und wunderte mich, woher er wusste, was ich dachte. Er schnappte sich den Topf, machte die Flamme aus und kam mit dem Topf zum Tisch, irgendwo her zauberte er einen Untersetzter hervor, den er auf den Tisch fallen ließ, bevor er den heißen Topf absetzte.
Nam Soon nahm meinen Teller und seine Stäbchen und befüllte den Teller. Wenig später saß er mir gegenüber und schlang die Nudeln hinunter.

„Iss doch langsamer, du verschluckst dich noch!“

Er schüttelte den Kopf und grinste, bevor er den nächsten Schwall Nudeln in sich hinein zog. Nam Soon schaute auf seine Uhr.

„…ähm…, willst du hier übernachten?“, fragte er mich leise, ohne mich dabei anzuschauen.

Ich schloss die Augen und überlegte und mir fiel genau ein, was ich ihm in der Schule alles an den Kopf geworfen hatte. Jetzt tat mir das irgendwie leid.

„Ich müsste kurz zu Hause anrufen…“, meinte ich und zog mein Handy hervor.

Schnell war die Nummer gewählt und ich konnte dies mit meiner Mutter abklären. Als sie Nam Soons Namen hörte, freute sie sich über den wiedergefundenen Freund und gab ihre Zustimmung. Sie wusste nichts, was damals geschah, nur wunderte sie sich oft, warum er plötzlich verschwunden war.
Ich steckte mein Handy zurück in die Innentasche meines Jacketts, während Nam Soon den letzten Rest seiner Nudeln in sich hinein schlürfte.

„Ich kann bleiben“, sagte ich leise, mir aber nicht mehr sicher, ob das richtig war.

Wieder hatte Nam Soon dieses Lächeln drauf. Er erhob sich, räumte den Tisch ab und verstaute alles im Waschbecken. Dann verschwand er kurz ins Bad. Zurück kam er mit einem Handtuch, Shirt und Shorts. Er hielt es mir hin.
Zögernd nahm ich es entgegen und verschwand im Bad. Hier fiel mir auf, dass ich nur eine Socke trug. Hingegen Nam Soons Wohnraum, war der Boden hier kalt. Schnell entledigte ich mich der Schuluniform und stellte mich unter die Dusche.
Mein Bein schmerzte wieder und ich schloss die Augen und lehnte den Kopf gegen die Wand. Wie lange würde das noch gehen, immer diese Schmerzen im Schienbein. Es klopfte an der Tür.

„Alles in Ordnung da drinnen?“, hörte ich Nam Soon rufen.

„Ja“, antwortete ich aus den Gedanken gerissen.

Sonst kam nichts mehr. Ich wusch mich und spülte alles ab. Schnell war ich abgetrocknet und schlüpfte in Nam Soons Shirt und Shorts. So verließ ich das Bad und legte meine Sachen auf einem Stuhl ab. Nam Soon hatte den Tisch auf die Seite geräumt und auf dem Boden lagen eine große Decke, mit zwei Kissen und zwei weiteren Decken darauf.
Unter einer davon lag Nam Soon. So ging ich zu ihm, stieg über ihn hinweg und legte mich neben ihn unter meine Decke.

„Gute Nacht“, meinte er, sonst kam nichts.

„Nacht…“, war auch alles, was ich sagte.

Ich verschränkte meine Arme unter meinen Kopf und schaute an die Decke. Es war wie früher, auch wenn es doch ganz anders war. Normalerweise hätten wie irgendeinen Blödsinn gemacht, bis wir einschliefen, nun aber lagen wir schweigend nebeneinander.
Ich drehte meinen Kopf zu Nam Soon, der friedlich schlafend, gleichmäßig atmete. Ich griff nach ihm und zog seine Decke hoch bis zu seinen Schultern. Danach mummelte ich mich ebenfalls ein und schloss die Augen.

*-*-*

Nam Soon

Traumlos war diese Nacht verlaufen und gähnend öffnete ich die Augen und mein Blick fiel auf den Wecker. Scheiße! Schon so spät? Ich fuhr auf und mein Blick fiel auf Heung Soo, der neben mir zusammengekauert schlief.

„Heung Soo aufstehen! Wir haben verschlafen!“

Von meinem Rufen geweckt, saß Heung Soo plötzlich neben mir und schien nicht recht zu wissen, wo er überhaupt war.

„Los!“, meinte ich und sprang auf.

Als wären wir ein eingespieltes Team, waren wir nach zehn Minuten durchs Bad und beide angezogen.

„Shit, mein Schuh ist noch völlig nass“, fluchte Heung Soo und wollte hineinschlüpfen.

„Halt warte!“, meinte ich, weil mir etwas einfiel.

Ich ging zu meinem Schrank und suchte am Boden nach einer blauen Schachtel. Nach etwas wühlen wurde ich fündig. Ich zog sie heraus, ging wieder zu Heung Soo und reichte sie ihm.

„Was ist das?“, fragte Heung Soo.

„Kannst du dich an die Sportschuhe erinnern, die du damals unbedingt haben wolltest?“

„Die hast du gekauft?“, fragte er erstaunt.

Ich nickte.

„Warum hast du sie solange aufgehoben, das ist ja nicht mal deine Größe!“

Verlegen zuckte ich mit den Schultern, besann mich aber auf die Uhrzeit.

„Zieh sie an, komm wir müssen los!“

*-*-*

Heung Soo

Es war echt verrückt, er hatte mir damals wirklich die Schuhe besorgt und sie gefielen mir noch genauso wie damals. Beide rannten wir die Treppenstufen zu unserem Klassenzimmer hinauf. Nam Soon zog die Tür auf und etwas unglücklich stolperten wie gemeinsam ins Klassenzimmer.

„Ah ich sehe die Herren Nam Soon und Heung Soo, sind auch schon da, was haben sie nur gemeinsam gemacht?“, hörten wir unseren Lehrer sagen, „nach Schulende meldet ihr beide euch bei mir!“

Ein Grinsen ging durch die Klasse und wir setzten uns. Den ganze Tag wurden wir beide komisch beäugt, aber keiner sprach uns darauf an. Aber getuschelt wurde mal wieder kräftig. Einzig Akuma schaute uns böse an.
Wie ausgemacht trafen wir uns später nach dem Unterricht mit unserem Lehrer.

„Wie mir zu Ohren gekommen ist, seid ihr gestern vor der Schule in eine Schlägerei verwickelt gewesen…“, begann er.

„Verwickelt ja, aber wir haben uns nur verteidigt“, kam es sauer von Nam Soon.

„Naja, ich habe es etwas anders gehört. Egal! Ihr wisst, dass ich solche Aktionen und auch zu spät kommen nicht toleriere, so habe ich mir eine Aufgabe für euch ausgedacht.“

Auch das noch. Wir folgten ihm also hinunter in den Schulhof, wo er auf eine Hütte zusteuerte. Er schloss das Sperrschloss auf und öffnete die Tür. Schien wohl als Lager für die Schulmöbel zu sein, wild standen Stühle und Tische durcheinander.

„Ich gebe euch eine Stunde, hier Ordnung zu schaffen, dann komme ich wieder!“

Wir bejahten beide und verneigten uns leicht, wenig später waren wir alleine.

„Das hat mir gerade noch gefehlt“, meinte ich.

„Glaubst du mir macht das Spaß?“, fragte Nam Soon.

Ungefähr nach einer halben Stunde drückte ich mir das Kreuz durch. Ich erschrak, als plötzlich hinter mir die Tür zuknallte. Was soll das? Nam Soon ging es ähnlich und lief sofort zur Tür und wollte nachschauen, aber sie ließ sich nicht öffnen.

„Hat uns der Lehrer etwa eingesperrt?“

„Quatsch, das darf er doch gar nicht.“

„Wer sollt dann…?“

Wir schauten uns beide in die Augen und nickten. Wild begannen wir an die Tür zu klopfen.

„Akuma, mach sofort die Tür auf!“, rief Nam Soon, aber nichts tat sich.

„Zwei Tage an dieser Schule und ich habe bloß Ärger“, meckerte ich sauer.

„Tut mir leid, dass du da mit hinein gezogen worden bist…“, sagte Nam Soon leise.

Genervt schaute ich ihn an.

„Kannst du endlich mal aufhören, dich für alles und jeden zu entschuldigen?!“, fuhr ich ihn ungewollt an und stieß ihn in meiner Wut von mir weg.

Nam Soon stolperte nach hinten und fiel in den frisch aufgetürmten Stapel von Stühlen, die nun ihrerseits alle auf Nam Soon herunter regneten. Entsetzt schaute ich zu, wie er darunter begraben wurde.

„Nam Soon?!“, schrie ich.

Ich zog nach und nach die Stühle weg, bis ich ihn freigelegt hatte. Blut rann aus einem Riss auf seiner Stirn.

„Nam Soon“, schrie ich erneut ging in die Knie und zog in zu mir.

„Nam Soon, sag doch etwas, mach die Augen auf…, Nam Soon“, rief ich in voller Panik.

Plötzlich hämmerte es gegen die Tür.

„Was ist da drinnen los?“, hörte ich eine Stimme.

Sanft legte ich Nam Soons Kopf auf den Boden ab, sprang auf und lief zur Tür um daran zu rütteln.

„Wir sind hier zum Aufräumen, aber jemand hat uns hier eingesperrt“, rief ich.

„Moment!“, hörte ich von draußen.

Ich hörte ein leichtes Stöhnen hinter mir.

„Nam Soon“, rief ich und stürzte zu ihm um ihn wieder sanft anzuheben.

„Nam Soon, hast du dir weh getan? Sag doch etwas…“

„Kann ich aufstehen?“, vernahm ich seine leise Stimme.

Vorsichtig zog ich ihn hoch und gleichzeitig wurde auch die Tür aufgeschlossen. Vor uns erschienen der Hausmeister und unser Lehrer.

„Solltet ihr hier nicht aufräumen? Und wem gehören die Zigarettenstummel vor der Tür“, kam es gleich von unserem Lehrer.

„Jemand hat die Tür verschlossen und eben ist uns leider der Stapel mit den Stühlen umgekippt“, erklärte Nam Soon.

Der Hausmeister hielt das Sperrschloss hoch, dass wir unmöglich von drinnen verschlossen haben konnte, so waren die Zigaretten auch nicht von uns.

„Hast du dir arg weh getan“, meinte der Lehrer und hob Nam Soons Gesicht am Kinn leicht an.

„Nein…“, antwortete er.

„Geh zum Krankenzimmer und lass dich verarzten, danach könnt ihr nach Hause.“

Unser Lehrer verließ den Raum und wir folgten ihm nach draußen.

*-*-*

Nam Soon

Ich folgte Heung Soo.

„Heung Soo, bitte mir tut dass alles wirklich leid!“

Heung Soo drehte sich plötzlich um und griff mich am Kragen.

„Hör endlich auf dich zu entschuldigen Nam Soon, es ändert nichts, mein Bein wird dadurch nicht besser, ich fühle mich dadurch nicht besser!“

„Ich weiß aber nicht was ich tun soll…“

„Tun? Kümmere dich um die Schule, nur dass ist wichtig für dich!“

„Du bist so ein Arschloch, glaubst du wirklich die Schule ist das Wichtigste für mich?“

„Wieso, was sonst kann es Wichtiges geben“, kam es arrogant von Heung Soo, als wäre der vergangene Abend und die Nacht nie geschehen.

Ich senkte den Kopf, schüttelte ihn, wischte mir die Tränen aus dem Gesicht.

„Du! Du Bastard bist mir wichtig! Deine Freundschaft…“

„Wie gesagt… kommt recht spät.“

„Bin… bin ich dir nicht… mehr wichtig…?“

Meine Stimme versagte, ungehindert liefen mir die Tränen ins Gesicht. Auch an Heung Soo blieb das nicht Spurlos, auch in seinem Gesicht machten sich Tränen selbstständig.

„Wichtig? Als ihr mir damals das Bein zertrümmert hattet, ich kein Fußball mehr spielen konnte, wo warst du da? Außer dem Fußball hatte ich doch nur noch dich und du warst nicht mehr da, bist weggerannt…“

Ich war nicht fähig einen Ton zu sagen, es tat so unheimlich weh, Heung Soo vor mir so leiden und weinen zu sehen.

„Weißt du, wie sehr ich dich überhaupt vermisst habe du Bastard… es immer noch tu…“, schrie er, bis auch seine Stimme versagte.

*-*-*

Heung Soo

Schweigend waren wir bei ihm eingekehrt. Während Nam Soon sich ans Kochen machte, entledigte ich mich meiner Schulklamotten und räumte dann das Bettzeug vom morgen noch zur Seite, damit wir essen konnten. Auch während des Essens fiel kaum ein Wort, nur ab und zu folgten traurige Blickwechsel.
Auch dem von ihm begonnen Machtkampf um das letzte Stückfleisch heiterte uns nicht richtig auf. Und nun lagen wir neben einander. Nam Soon schien irgendwann eingeschlafen zu sein, sein Atem ging wieder ruhig und gleichmäßig. Ich dagegen, aufgewühlt seit dem letzten Gespräch, konnte nicht einschlafen.

„Heung Soo… ich mag dich… sehr gerne sogar“, kam es von Nam Soon, dann fing er an zu schnarchen.

Ich starrte meinen noch besten oder wieder besten Freund an und eine verrückte Mischung aus Gefühle durchfloss mich. Nam Soon sprach nur im Schlaf, wenn er sehr gestresst war. Gab es einen besseren Weg, jemand in Stress zu versetzten, wenn man ihm erzählte, was man für ihr empfand?
Früher redete Nam Soon, fast jede Nacht im Schlaf. Plötzlich zog ein Schmerz durch mein Herz, es fühlte sich jedenfalls so an. Ich rollte mich auf meinen Rücken und umklammerte meine Brust. Warum sollte es mich kümmern, dass er mich nun mochte?
War er doch ständig mit den Mädchen aus unserer Klasse zusammen. Irgendwann musste es doch so kommen. Wer war es? Ha Kyung? Kang Joo? Ich rollte wieder auf die Seite und zog mein schmerzendes Bein an die Brust. Ich legte meinen Arm unten den Kopf, aber lag immer noch unbequem neben Nam Soon.
Mein Kissen war, bei dem spärlichen Versuch Nam Soon bei unserer kindischen Ritualkämpf ums das Fleisch, zu besiegen, durch der im Kampf verschüttete zwei Liter Flasche Wasser getränkt worden und somit unbrauchbar.

„Shit“, murmelte ich und versuchte mich anders hinzulegen.

„Kannst du mal stillhalten, du Trottel“, stänkerte Nam Soon.

„Trottel? Hättest du nicht die Flasche verschüttet!“

„Ich verschüttet? Jetzt bin ich wieder schuld an allem?“

„Nein! Du bist ein Idiot!

„Naja, hier liegt ein großes Baby, das unbedingt ein Kissen zum Schlafen braucht!“

Ich hörte Rascheln hinter mir und fragte mich, ob dieser Bastard ein Kissen versteckt hatte. Erschrocken hob ich den Kopf, als ich einen Schlag auf die Schulter bekam. Verwirrung setzte ein, als sich unter meinem Kopf ein Arm durchschob.

„Man! Was zum Teufel glaubst du, was du da machst?“

„Ich will schlafen und dass das endlich geschehen kann, musst du komfortabel liegen! Jetzt mach die Augen zu und nun schlaf!“

Ich tat, wie mir geheißen. Es durfte keinen Streit mit den Idioten geben, wenn es ums Schlafen ging, da war er unausstehlich. Bei zwei Dingen wurde er unausstehlich, wenn es um seinen Schlaf ging, oder noch wichtiger, wenn es um sein Essen ging, da konnte er voll ausrasten.
Ich hoffte, dass Nam Soon nicht spürte, wie mir das Herz raste. Mein Freund drückte seine Brust gegen meinen Rücken und schnarchte wieder leicht. Ich empfand es als zunehmend schwieriger zu atmen. Wie sollte ich einschlafen, wenn mein bester Freund mich von hinten umarmte.
Und vor allem, warum gefiel mir das, dachte ich wütend. Er ist mein bester Freund, das darf nicht sein, für ihn Gefühle zu haben. Wir sind beide Jungs! Mein Kopf drehte fast hohl, so versuchte ich vorsichtig aus dieser Umklammerung zu lösen, ohne ihn wieder wach zu machen.
Erschwerend kam noch hinzu, als ich den Versuch startete, das Nam Soon sein Bein um mich schlang, es gab keine Möglichkeit mehr zu entkommen. Ich schloss wieder die Augen und versuchte an nichts zu denken, aber ein unangenehmes Gefühl machte sich in mir breit.
Es war falsch, nicht wahr? Aber was konnte ich gegen diese Gefühle tun? Warum konnte ich nicht einfach noch Fußball spielen, wie ich es früher tat, dann wäre alles beim alten. Ich zählte die Schüsseln Ramen, die wir im Laufe ihrer Freundschaft schon gemeinsam gegessen hatten, aber das war eher eine schlechte Idee, weil ich jetzt auch noch hungrig wurde. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis er erschöpft einschlief.

*-*-*

Nam Soon

Ich stöhnte auf, als der Alarm des Weckers losging. Es war Samstag, also keine Schule und kein Teilzeitjob bis zum Abend. Wir konnten beide ausschlafen. Ich begann mich zu bewegen, weil ich den Wecker ausmachen wollte, dabei bemerkte ich, dass Heung Soo total in mich gewickelt war.
Mein Arm fühlte sich wie tot an, unter dem schweren Gewicht des Kopfes von Heung Soo. Ich versuchte mich vorsichtig von ihm zu lösen. Der Alarm hörte nicht auf und langsam wurde ich ärgerlich, bis plötzlich Heung Soo erwachte.

„Hey man! Kannst du mal dein Knie aus meinen Rücken nehmen“, meckerte er.

Ich klettere über ihn hinweg. Das war nicht mein Knie … Oh Gott! Schnell machte er den Alarm aus, rannte aus dem Zimmer direkt auf die Toilette. Ich schloss die Tür und sank auf den Boden gegen sie.
Wie konnte das nur passieren? War ich wirklich in seinen besten Freund verliebt und musste sich das ausgerechnet jetzt, so zeigen. Ich beschloss eine Dusche zu nehmen, eine kalte Dusche, damit ich mich wieder beruhigte konnte.
So erhob ich mich, entledigte sich seiner Klamotten und drehte die Dusche auf. Kaltes Duschen war schon immer schrecklich gewesen, aber manchmal auch notwendig, um so eine Schande zu verbergen. Heung Soo brauchte nicht zu wissen, was er für ihn empfand.
Verdammt! Es wurde für mich immer schwieriger, meinen Körper in Schach zu halten. Ich wollte es ihm ja schon irgendwie sagen, aber die Angst, ich würde damit diese so schwer neugewonnene Freundschaft wieder zerstören, war größer.
Ich wusste genau, dass ich schon lange darüber hätte reden sollen, aber erst seit einem Tag vertrugen wir uns wieder, nach dem wir uns drei Jahre nicht gesehen hatten.
Immer und immer wieder durchspielte ich gedanklich dieses Gespräch von vergangener Woche, dass er mit Kang Joo, einer gute Freundin, geführt hatte. Ich wurde rot, weil meine Erektion nicht nach ließ, trotz der kalten Dusche.

„Warum hast du nie versucht, mich zu fragen? Hast du Angst, ich verhau dich“, fragte Kang Joo.

„Was auch immer!“

Ich sagte dies mit einem Grinsen. Kang Joo konnte keiner Fliege etwas zu leide tun. Diese schaute mich neugierig an.

„Hm, jetzt wo ich darüber nachdenke, du hast noch nie Interesse an Mädchen gezeigt. Entweder sie bedeuten dir nichts, oder du behandelst sie wie ein normaler Freund. Kann es sein, dass du dich in einen Typen verliebt hast?“

Ich geriet in Panik und hob meine Hand vor den Mund.

„Was denkst du von mir? Ich kann mich doch nicht in einen Kerl verlieben!”

„Nein, es macht aber Sinn bei dir. Ständig bist du total traurig herum gelaufen, lange habe ich dich nicht mehr lachen hören. Verstehst du dich aber gut mit einem Kerl hier in der Schule, lächelst du. Du strahlst regelrecht!“

„Ich will nicht strahlen“, murmelte Nam Soon.

Ich war nach diesem Gespräch schlecht gelaunt, trotz der Versicherung von Kang Joo, es niemandem zu erzählen, auch nicht ihrer besten Freund Ha Kyung. Aber sie hatte das mit einem komischen Lächeln gesagt und das verunsicherte mich.

Es klopfte an der Tür und ich wurde aus seinem Traum gerissen und war schockiert, dass Heung Soo einfach so ins Bad kam. Ich schob den Riegel der Duschtür vor, drehte das Wasser ab, und warf mir das Handtuch um die Hüften.
Mein Kopf hämmerte vor Stress, es halte alles in mir, aber ich war einfach nicht mehr in der Stimmung, jetzt noch darüber nachzudenken. Auch nicht, als ich beim Öffnen der Duschtür bemerkte, dass Heung Soo, es vermied, ihn anzusehen.
Es war noch nie so gewesen, dass irgendwelche Verlegenheit zwischen uns herrschte, auch früher nicht. Er beschloss etwas zu testen.

„Was ist? Willst du mit duschen, oder mir zusehen?“, sagte ich im gespielt barschen Ton.

„He du Bastard, was denkst du von mir.“

Dabei wurde Heung Soo richtig rot, von seinem Hals bis zu seiner Stirn. Ich bemerkte aber auch, wie mich Heung Soo nun fixierte und ihn von oben nach unten anschaute. Er machte einen Schritt in Richtung seines Freundes und bohrte seinen Finger etwas in dessen Brust.

„Oder wolltest du sehen, was sich hinter dem Handtuch verbirgt?“

„Boah, nein! Schau, dass du aus dem Bad kommst, ich muss pinkeln.“

Wurde Heung Soo nervös? Interessant. Ich wagte mich noch einen Schritt weiter zu gehen, vor allem nach der Reaktion eben. So verließ ich das Bad, doch in der Tür, blieb ich noch mal stehen und drehte mich noch einmal um.

„He, kannst du das für mich aufhängen?“

Bevor er jetzt doch noch kneifen würde, riss ich mein Handtuch weg und warf es auf Heung Soo. Tiefe Röte trieb es ihm ins Gesicht. Ich stand immer noch in der Tür, genoss den Augenblick, bevor ich das Bad endgültig verließ.
Zurück im Wohnzimmer und holte ich mir erst mal frische Wäsche aus dem Schrank, bevor Heung Soo womöglich noch auf die Idee kam, mich mit dem Handtuch zu würgen.

*-*-*

Heung Soo

Ich stand immer noch da, mit dem Handtuch in der Hand und versuchte nicht in Ohnmacht zu fallen. Hatte Nam Soon schon immer so sexy ausgesehen? Was war das mit dem Handtuch? Ob ich ihn nackt sehen wollte?
Er war überrascht, dass irgendwo tief in seinem Innern etwas laut JA schrie. Klar wollte er seinen besten Freund nackt sehen. Und er wollte noch mehr, als nur sehen, er wollte ihn anfassen und an sich spüren. Dabei hätte er schwören können, dass Nam Soon sich eigentlich nur für Kang Joo interessierte, denn er war mit ihr fast wöchentlich in den Bergen unterwegs und ging oft gemeinsam essen.
Ich fühlte mich krank. War es das? Nur um herauszufinden, dass ich verliebt war in meinen besten Freund und ich war machtlos, konnte mich nicht dagegen wehren. Und wieder dieses komische Gefühl in Herznähe. Ich legte eine Hand auf die Brust, als würde mein Herz weh tun.
Ich wollte einfach nur Nam Soon einfach nur packen und küssen, ich konnte über nichts anderes mehr nachdenken.

„Shit, du klingst wie ein liebeskranker Idiot, Heung Soo”, flüsterte ich leise, „es wäre besser, meinen besten Freund in jemand anders verliebt zu sehen, als die Ungewissheit, was er fühlt, oder je ohne ihn zu sein.“

Ich wusste, wenn ich Nam Soon noch einmal verlieren würde, gäbe es kein Zurück mehr und mein Herz wäre total gebrochen. Mein Leben würde sicher dem Untergang geweiht sein. Ich zuckte über diesen Gedanken zusammen, seufzte laut. Besser ich beeilte mich jetzt.
Niemand pinkelt so lange. Ich drückte die Spülung und wusch mir die Hände. Wieder im Wohnzimmer zurück, sah ich, das Nam Soon schon die Bettwäsche im Schrank verstaut hatte, den Tisch für das Frühstück hergerichtet hatte.
Er selbst stand an der kleinen Küchenzeile und bereitete das Frühstück vor. Ich konnte schon den Reis riechen und wartete geduldig auf ein Zeichen, wegen des sonderbaren Benehmens von vorhin. Aber nichts geschah, als würde Nam Soon mich gar nicht war nehmen.
Was war das überhaupt? Posiert in der Tür wie ein Modell. So ein Bastard! Ich setzte mich und beobachtete Nam Soon einfach weiter. Nach ein paar Minuten servierte Nam Soon das Frühstück.

„Heung Soo, fühlst du dich gut?”

„Hä? Was?”

„Du siehst so aus, als würde es dir schlecht werden.“

Wenige Sekunden später, spürte ich seine Hand an meiner Stirn.

„Hm, Fieber hast du keines“, meinte er und zog die Hand weg.

Ich nahm meine Stäbchen und begann zu essen.

*-*-*

Nam Soon

Ich schaute verunsichert auf meine Reisschale. Hatte ich etwas falsch gemacht? Hatte ich zu lange kalt geduscht? Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und mir fiel das Gespräch mit Kang Joo erneut ein und tat etwas, was sie mir vorgeschlagen hatte, mit Heung Soo reden.

„Warst du schon mal richtig verliebt, Heung Soo?“

Heung Soo ließ seine Stäbchen fallen und der Reis darauf kullerte auf die Hose

„W-Was ist das für eine Frage?”

„Nun, wir sind Freunde. Freunde können über solche Sachen reden. Warst du?”

„Ja.”

„Ist es jemand, den ich kenne?“, hackte ich leise nach.

„Ja“, murmelte Heung Soo noch einmal.

„Verstehe, weiß es jemand von den anderen?“

„Nein! Und du? Du in jemand verliebt“, fragte Heung Soo.

Ich nickte kurz.

*-*-*

Heung Soo

„Ja, und bevor du frägst, bei mir weiß es auch keiner! Du solltest mir Glück wünschen.“

Ich hatte das Gefühl, als müsste ich mich übergeben.

„G-Glück, du Idiot? Bei deinem Aussehen, hast du doch alles Glück der Welt!“

Hatte ich das jetzt wirklich gesagt, man war ich schon daneben.

„Was hindert dann die Person daran?“, fragte Nam Soon, „wenn ich wirklich eine Chance hätte, mit der Person, in die ich verliebt bin, die würde ich packen und küssen.

Leise sprach Nam Soon weiter.

„Man kann nie wissen, wie viel Zeit einem noch bleibt, bis die Chance weg ist.“

Nam Soon stand auf und begann das Geschirr abzuräumen, während ich mir die Reiskörner von der Hose pickte. Als der Tisch gereinigt war, streckte ich meine Beine neben dem Tisch aus und verschränkte die Arme vor meiner Brust.
So beobachtete ich Nam Soon weiter. `Packen und Küssen`, dachte ich und schnaubte leise ärgerlich. Diese Worte gingen mir immer wieder durch den Kopf, bis ich plötzlich ganz klar denken konnte. Mit einer Entschlossenheit stand ich auf und trat hinter Nam Soon,
Er spülte gerade die zwei Schalen sauber, als ich nach seiner Schulter griff, ihn umdrehte und ihn küsste. Es war besser, als ich es mir je hätte vorstellen können. Strom floss zwischen uns. Klar hatte ich auch schon Mädchen geküsst.
Aber keines von denen gab mir das Gefühl, zu ertrinken und gleichzeitig würde die Zeit stehen bleiben. Mit halbgeöffneten Augen bekam ich mit, wie Nam Soon die Arme hob und sich mit den Händen vom Schrank wegdrückte.
Dann spürte ich seine Hände in meinen Haaren und am Nacken. Ich dagegen hatte immer noch beide Hände auf seiner Schulter liegen und ein kleines unangenehmes Gefühl machte sich bemerkbar, meine Hose wurde enger.
Nam Soon drückte mich noch enger an sich, was mich wegen einer gewissen Versteifung einen Stöhner entlockte.

*-*-*

Nam Soon

Ich stand leicht unter Schock. Ohne auch nur ein Wort zu Heung Soo zu sagen, was ich fühlte, was ich begehrte, nun standen wir hier und küssten uns. Ich wurde mutiger und fuhr sanft mit meiner Zunge über die Lippen von Heung Soo.
Dieser öffnete seinen Mund und gewehrte Einlass. Ich schmeckte eine erstaunliche Mischung aus Zahnpasta und etwas, dass unbestreitbar Heung Soo war. Während dieser immer wieder seine Hüften bewegte, konnte ich nicht anderes und musste immer wieder stöhnen.
Nicht nur, weil ich alles geil fand, nein auch weil er den Griff der Schranktür im Rücken hatte. Ich drückte sich etwas von seinem Freund weg.

„Heung Soo“, keuchte ich, „ich muss mich etwas bewegen, ich habe den Griff der Schranktür im Rücken.“

Heung Soo trat etwas zurück, küsste mich aber weiter. Ich hob einfach die Beine an und schlang sie um Heung Soos Taille. Küssend trug er mich an den Platz, wo wir beide die Nacht verbracht hatten.
Mit einer Hand zog Heung Soo einer der Decken wieder aus dem Schrank und warf sie auf den Boden. Ich dagegen hatte nichts Besseres zu tun, als damit zu beginnen, die Knöpfe des Shirts meines Freundes aufzuknöpfen.
Die so neu freigelegten Stellen von Hals und Schulter begann ich auch gleich zu küssen. Das erregte Heung Soo natürlich noch mehr, dabei stolperte er und hätte mich fast fallen gelassen.

„Hey, du Idiot, ich will nicht in den Boden knallen.“

Statt einer Entschuldigung, drückte Heung Soo mich gegen die Wand und gab mir einen weiteren tiefen und innigen Kuss. Ich konnte nicht glauben, was hier gerade geschah, und es fühlte sich so erstaunlich an.
Ich hätte nie gedacht, dass Heung Soo jemals so etwas mit mir machen würde. Ich bewegte etwas meine Beine, weil ich befürchtete, sie würden irgendwann einschlafen. Dabei sah ich tief in Heung Soos fast schwarze Augen.
Gleichzeitig spürte ich auch, dass das hier nichts war, wozu Heung Soo sich genötigt fand weiter zumachen, sondern er machte es aus freien Stücken und genoss es genauso. Ich beendete das, was er begonnen hatte und knöpfte das Shirt bis zum Ende auf, so das Brust und Bauch nun auch frei lagen.
Mit den Händen strich ich über diese warme weiche Haut, was nun Heung Soo schwer atmeten ließ. Es war irgendwie ein perfekter Moment und ich wollte jede einzelne Sekunde davon genießen. So biss ich Heung Soo in die Brustwarze, was dieser mit einem lauten Aufstöhnen quittierte.
Dass er sich dabei drehte und nun selbst mit dem Rücken gegen die Wand lehnte, merkte ich gar nicht, so war er mit erforschen dieses Heiligtums vor mir beschäftigt. Plötzlich spürte er eine Hand auf seinem Kopf, deren Finger langsam in sein Haar fuhren und seinen Kopf mit sanftem Zug nach hinten zog.

„Nam Soon“, begann Heung Soo keuchend zu reden, „du machst, das jetzt aber nicht, um eine Schuld zu begleichen?“

Ich schüttelte wie wild den Kopf, löste abrupt meine Umklammerung und stellte mich wieder auf den Boden. Heung Soo, hatte Mühe, durch den kleinen Stoß, der dabei entstand, sich auf den Beinen zu halten und fiel rückwärts auf den Boden.

*-*-*

Heung Soo

Ich wollte Nam Soon schon anschreien, weil es weh tat, aber er kniete sich nur neben mich, nahm mit seinen Händen mein Gesicht. Seine braunen Augen bohrten sich in mich.

„Du großer Idiot! Bist du wirklich so blind? Ich liebe dich jetzt schon so lange“, Nam Soon schüttelte lächelnd den Kopf, „und du scheinst nie etwas gemerkt zu haben.“

„Deswegen ist dir alles so nah gegangen?“

Nam Soon nickte.

„Ich habe gedacht, dass ich dich für immer verloren habe. Zu viele schlaflose Nächte habe ich jetzt schon hinter mir. Unzählige durchweinte Nächte, die ich aufgehört habe zu zählen und nur, weil ich dich so liebe.

Ich umfasste sanft Nam Soons Hände und zog ihn näher zu mir.

„Ich kann dir eigentlich nicht sagen, wie lange ich dich liebe, aber es ist mir heute Morgen so richtig bewusst worden, als ich hinter dir aufwachte, dich in meinen Armen hielt. Das Gefühl kam auf, wie schön es wäre, jeden Morgen so aufzuwachen.“

Ich lächelte ihn an und bemerkte, wie er rot wurde.

„Was ist?“, fragte ich.

Nam Soon wankte mit dem Kopf hin und her, lächelte verlegen und durchfuhr mit seinen Finger seine Haare.

„Wegen heute Morgen…, dem Knie…“

Ich konnte nicht anders und fing laut an zu lachen.

„Du Idiot, meinst du, ich habe nicht bemerkt, was mir da in den Rücken stach? Weißt du wie viele Männer morgens mit eine Latte aufwachen?“

Nam Soon glitt nach vorne und drückte mich zu Boden, seine Hand fuhr über den Bauch zu meiner Hose, wo er begann den Gürtel zu öffnen. Dabei küsste er mich sanft. Ich konnte nicht anders, genoss es und ließ es einfach geschehen.
Der Knopf war ebenso schnell geöffnet und trotz unseres lauten Atmens hörte ich wie er den Reisverschluss aufzog. Nam Soon machte dies alles immer mit einer kleinen Verzögerung, als wolle er kurz abwarten, ob von mir Einwände kamen.
Meine Hände waren nun auch nicht mehr tatenlos. Ich zog langsam sein Hemd nach oben, welches sich mühelos über den Kopf ziehen ließ. Dem Hemd entledigt, ließ sich Nam Soon langsam nieder und zum ersten Mal konnte ich seine nackte Haut auf meiner spüren.
Das war ein so unbeschreibliches Gefühl, verstärkt durch seine Hand, die nun den Weg in meine Shorts suchte, dass ich laut stöhnend meinen Rücken durchbog. Nam Soon wanderte küssend den Hals hinunter, nur um etwas später an einem Nippel sich festzusaugen.
Mein Körper bebte, zitterte, und ich konnte nur noch stöhnen. Plötzlich richtete sich Nam Soon auf zog erst an meinen Hosenbeinen und wenig später wurde ich auch von meiner Shorts befreit. Der Boden unter mir war leicht kühl.
Doch Nam Soon stand auf, schnappte sich die Decke, die ich zuvor aus dem Schrank gezogen hatte, breitete sie aus und ließ sich langsam nieder gleiten.
Langsam robbte ich näher, bis ich voll auf der Decke lag. Mein Herz klopfte mir bis in den Kopf. Mein Freund war so schön, sah mit seiner fast weißen Haut so edel aus. Ich spürte, wie mich Nam Soon scannte, als versuche er sich jeden Millimeter meines Körpers einzuprägen.

„Enttäuscht?“, fragte ich.

Er schüttelte seinen Kopf und ich musste lächeln. Er ließ sich neben mir nieder, um zu genießen was er sah. Es gab keine Notwendigkeit irgendetwas zu überstürzen, wir hatten alle Zeit der Welt. Seine Augen wanderten über meinen Körper, gefolgt von seiner Hand, die, die Konturen meiner Brust nachmalte.
Er streichelte über den kleinen Strich von Flaum, der unterhalb meines Nabels begann und bei meiner harten Erektion in einem wilden Busch schwarzer Haare endete. Dann beugte er sich plötzlich vor und küsste die Spitze meines Schwanzes.
Als ich ihn sanft wegdrückte, schaute er mich erstaunt an.

„Entschuldige, bin ich zu schnell?“, fragte er und ich merkte, wie er versuchte, seine Enttäuschung zu verbergen.

Ich lächelte und schüttelte den Kopf.

„Ich finde es nur unfair, das ich hier nackt vor dir liege und du immer noch deine Hose anhast. Ich will auch mehr sehen.“

„Das konntest du doch schon heute Morgen.“

„Nein, heute Morgen war ich zu verlegen, um dich genauer zu betrachten.”

„Und jetzt?“, fragte er einatmend.

„Jetzt?“, antwortete ich, „Jetzt bist du mein und ich lasse dich nicht mehr so schnell weg, selbst, wenn ich dich anbinden müsste!“

„Oh, der Herr steht auf Fesselspiele“, erwiderte Nam Soon grinsend.

Ich lächelte ebenfalls und genoss diesen engen Kontakt, mit Nam Soon.

„Ich werde mich zuerst daran gewöhnen müssen, neben dir nackt liegen zu dürfen, oder auch zu schlafen.“

„Und ist es dir wirklich nicht unangenehm…“

Der Kleine war immer noch so Schuldbehaftet. Ich schüttelte den Kopf.

„Wieso sollte mir das unangenehm sein, den Kerl den ich liebe, nackt auf mir sitzen zu haben? Aber jetzt halt endlich die Klappe und lass mich dich küssen du Bastard!“, grinste ich.

Ich beugte mich nach vorne und suchte den Kontakt zu seinen Lippen, dass er dabei immer noch auf mir saß, mit seiner nackten Haut an meiner rieb, erregte mich nur noch mehr. Als ich mich noch weiter vorbeugte, rutschte er auf meine Beine, was bei mir ein stechender Schmerz auslöste.

„Entschuldige…, dein Bein, das tut mir leid.“

„Nam Soon, hört auf dich laufend zu entschuldigen!“, sagte ich mit schmerzverzerrten Gesicht.

„Soll ich dein Bein etwas massieren?“

Ich nickte. So setzte er sich nackt wie er war neben mich und begann mein schmerzendes Bein zu massieren. Ich sah, wie sein Blick auf der langen Narbe des Schienbeins hängen blieb. Er begann sie sanft zu küssen, dann leckte er über die gesamte Länge der Narbe.
Mir kamen kurz die Erinnerungen, die Schmerzen, die ich erlitten hatte, wie lange das alles ging. Nam Soon ließ mich die ganzen Schmerzen schnell wieder vergessen. Es tat unheimlich gut, machte mich aber noch geiler.
Ich griff einfach unter ihm hindurch und begann nun meinerseits, seinen Schwanz zu massieren. Dabei stöhnte er laut auf und seine Hände wanderten nun zu meinem Schwanz und wieder küsste er die Spitze. Er drehte seinen Köpf und ich konnte ein breites Grinsen erkennen, dass immer wieder von leisem Stöhnen unterbrochen wurde.
Es fühlte sich so megamäßig geil an, ich konnte es einfach nicht anders beschreiben, diese Gefühle tief in mir drin, welche zu explodieren drohten. Ich zog ihn sanft zu mir, ich wollte seine Lippen auf meinen spüren, ihn küssen.

*-*-*

Nam Soon

Wild spielten unsere Zungen miteinander, während wir uns gegenseitig am Schwanz massierten. Je fester Heung See bei mir zugriff, um so lauter stöhnte ich, aber ihm ging es nicht anders. Unerbittlich jagte Nam Soons Hand über seinen Schwanz.
Ich spürte in mir dieses Gefühl aufsteigen, welches ich aus der Vergangenheit kannte, wenn ich mit sich selbst spielte, doch dieses Mal war es viel intensiver als sonst..

„Heung Soo, ich komme… ich komme…“, stöhnte er Heung Soo ins Ohr.

Dieser war ebenso weit, die Schwelle zu übertreten und sich seinem Orgasmus zu ergeben. Beide stöhnten wir fast um die Wette, bis wir uns auch beide gleichzeitig aufbäumten und uns auf dem Körper des anderen entluden.
Schub um Schub landete auf dem Bauch des Anderen, bis das laute Stöhnen abebnete und nur noch heftiges Atmen zu hören war. Erst jetzt nahm Heung Soo war, dass ich ihm, während ich gekommen war, ihm in die Schulter gebissen hatte.
Ich hingegen, ließ mich erschöpft auf Heung Soon sinken, glücklich darüber, dies eben mit meinem besten Freund erlebt zu haben.

„Ich liebe dich Heung Soo“, flüsterte ich keuchend in Heung Soos Ohr.

Heung Soo kicherte.

„Ich liebe dich auch, mein Kleiner, ich hätte nur nicht gedacht, dass ich einmal so in deinen Armen liegen werde.“

„Ich habe es gehofft, schon so lange. Doch du hast nie Interesse dieser Art gezeigt. Selbst im Kino schienen dir die jungen Hühner interessanter zu sein, als irgendetwas anderes.“

Heung Soo lächelte.

„Gut ich kann nicht sagen, dass mein bester Freund schon früher das Rennen in meinem Herzen machte, aber es waren Gefühle da, die ich nicht verstand, die ich überhaupt nicht deuten konnte.“

„Ich kann nur versuchen, dir immer wieder zu zeigen, wie sehr ich dich liebe, egal wo wir sind.“

„Du willst auch wo anders…“, sagte Heung Soo leicht irritiert.

Ich lachte und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Schulter, wo man leichte Bissspuren sehen konnte.

„Nein, ich bin mir sicher, das bleibt hier in diesen Räumen, nur werden wir wahrscheinlich andere Dinge probieren.“

Heung Soo spürte wohl, dass mein Schwanz wieder zu wachsen begann.

“Ich bin mir sicher, wenn du mich gegen die Wand drückst und nimmst ist auch geil“, kicherte ich.

Heung Soo schnaubte. Er begann sich bewegen, aber alles an uns klebte.

„He, Idiot! Einen Tag sind wir zusammen und du stellst schon Sonderwünsche! Ich will jetzt duschen und das mit dir!“

Heung Soo sagte das mit einem Grinsen und zog Nam Soon erneut zu sich.

„Oh, du willst wirklich mit mir duschen?“

„Wenn du nicht still bist, dann überlege ich mir das nochmal mit dem Duschen!“, brummte Heung Soo verführerisch und grinsend.“

Ich streckte meine Hand aus und zog Heung Soo auf die Füße und beide küssten wir uns wieder. Danach faltete ich die Decke zusammen, und legte sie zurück in den Schrank. Stolpernd, küssend und sich berührend ins Badezimmer, beide waren wir begeistert zu wissen, dass wir nun immer zusammen sein konnten, so oft wir wollten.

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2 Kommentare

  1. Hi Pit,

    sehr schöne Storie, macht Spaß zu lesen.

    LG Andi

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    • peter müller auf 7. Januar 2016 bei 14:05
    • Antworten

    hi Pit
    endlich kann ich wieder was schönes von dir lesen.
    LG Peter(Sachse)

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