Alles was bleibt – Teil 6

6. Ein Wahrer Freund

Benn und ich saßen im Auto, vor dem Hotel und schwiegen. Mein Herz polterte immer noch in meinem Brustkorb. Meine Gedanken waren ein wirrer Misthaufen. Nach einer ganzen Weile drehte sich Benn zu mir.

„Wie geht’s Dir?“

Diese eine Frage riss mich aus diesem Wirrwarr von Gedanken und Gefühlen heraus.

„Weiß nicht. Es war seltsam als sie mich umarmten. Zum einen war es vertraut, zum anderen hat es Gefühle in mir ausgelöst, die ich nicht beschreiben kann.“

„Mmmhh, das war echt blöd, das es so gelaufen ist.“

„Benn nein es ist ok. Wegrennen hilft auch nicht.“

„Ja da hast du wohl recht. Ich war erstaunt das du es durchgezogen hast.“

„Was sollte ich machen? Zum einen wollte ich erst wegrennen aber dann dachte ich an Bruno.
Er sagte ich muss stark sein und das ganze durchziehen. Klar ist das alles teilweise zu viel. Aber du warst da und das hat mich doch etwas gestärkt.“

Benn lehnte sich zu mir und umarmte mich. Er roch gut, das war das erste was ich bemerkte. Dann erwiderte ich die Umarmung. Benn war attraktiv. Vom Typ war Benn der sportliche, denn er hatte schon ganz ansehnliche Muskelpakete an den richtigen Stellen.
Seine dunkelbraunen Haare sahen immer aus als ob einen Kamm diese nicht bändigen konnten. Und dann diese Augen. Schokoladenbraune Augen die so wunderschön waren genau wie Benns Gesicht das männlich markant war.
Was dachte ich jetzt bloß, im gleichen Augenblick löste ich die Umarmung. Ich merkte wie mein Gesicht glühte.

„He, musst nicht rot werden, ist alles ok.“

Dabei wuschelte Benn durch mein Haar.

„Komm lass uns aussteigen. Bärbel und dein Freund warten bestimmt schon.“

Und so war es auch. Kaum hatten wir das Foyer des Hotels betreten, rannte auch schon Fred auf uns zu.

„Hi Luka wie war es?“

„Der Plan ist nicht ganz aufgegangen.“

„Wie jetzt?“

„Lars ist passiert. Er und ich sind zusammengestoßen und dann kam eins zum anderen.“

„Ok bevor Luka alles dreimal erzählen muss, gehen wir ins Restaurant und suchen uns eine ruhige Ecke. Zum anderen habe ich einen Mordshunger.“

Benn wie immer und wie ich jetzt mitbekam war Bärbel auch zu uns gestoßen. Wir machten uns auf den Weg ins Hotelrestaurant und wir fanden tatsächlich eine ruhige Ecke. Der Kellner nahm kurz darauf unsere Bestellung entgegen und dann fing Fred an zu zappeln.
Der konnte es wieder nicht abwarten. Bärbel sah mich etwas besorgt an.

„Luka und es geht dir wirklich gut?“, fragte sie beunruhigt.

„Zuerst nicht so.. Ich war ziemlich überfordert. Was mich ziemlich überfuhr, sie haben beide mich sofort erkannt.“

Jetzt drückten bei der Erinnerung doch wieder die Augen. Benn der neben mir saß legte seinen Arm um mich und zog mich heran. Ein warmes Gefühl machte sich breit und ich schloss kurz die Augen und atmete tief durch.

„Und wie lief es weiter?“ fragte Fred.

Ich öffnete die Augen und sah Fred an.

„Tja, dann habe ich das aller erste Mal meinen richtigen Namen gehört…“

„Und wie lautet der?“

„Bennnie…“

„Wau und muss ich dich jetzt so nennen?“

„Nein Luka ist mein Name. Auch wenn es nicht mein richtiger Name ist! Luka mit dem Namen bin ich aufgewachsen.“

„Luka meinst du, du schaffst morgen das Treffen?“

Bärbel meldete sich etwas besorgt.

„Ich denke ja. Irgendwann muss ich mich dem stellen und nachdem ich heute unvorbereitet meine richtigen Eltern kennenlernen konnte, möchte ich das auch.“

Bärbel nickte mir zu und sah dann Benn an.

„Ich denke du kannst ihn jetzt wieder los lassen…“, dabei grinste Bärbel uns beide an und auch Fred grinste mich frech.

Benn löste die Umarmung und wenn ich mich nicht irrte, waren seine Wangen gerötet.
Dann kam auch schon unser Essen und es herrschte erst einmal Stille am Tisch.

*-*-*

Eine Stunde später waren Fred und ich auf unserem Zimmer. Ich war fertig und todmüde.

„Sag mal Luka magst du Benn?“

„Wie kommst du darauf?“

Fred sah von seinem Bett aus zu mir. Etwas störte mich an diesem Blick. Ich kannte ihn zu genau, daher wusste ich dass irgendetwas nicht stimmte.

„Na als Benn dich in die Arme da unten im Restaurant nahm. Da war was zwischen euch.“

„MMhh glaub mir Fred da war nichts!“

Fred ließ aber nicht locker.

„Luka wir kennen uns schon eine halbe Ewigkeit und du weißt das egal was ist, ich zu dir stehe. Also mach mir jetzt nichts vor. Ich kenne dich und dein Blick als Benn dich in seine Arme nahm sprach Bänder.“

„Was für Bänder?“

Fred schnaufte wütend auf.

„Echt denkst du ich bin blöd? Luka wie lange kennen wir uns?“

„Ähmmm sorry, Fred, was willst du hören?“

„Luka zu alldem Mist mit deiner Mutter und dem ganzen drum und dran, kann ich nichts. Aber dass du schwul bist das weiß ich schon seit einem Jahr, oder besser habe es geahnt und Luka, es stört mich nicht! Weil du mein bester Freund bist! Und Freunde sagen sich alles und verstecken nichts! Alles klar…“

Wütend war Fred vom Bett gesprungen und verschwand im angrenzenden Bad. Natürlich Tür knallend. Shit er hat es die ganze Zeit geahnt. Klar hatte er als mein bester Freund, am ehesten von mir die Wahrheit erfahren sollen.
Aber ich hatte gedacht, dass ich damit alles kaputt mache. Wie ich jetzt feststellte, machte ich eher alles kaputt, wenn ich ihm nicht die Wahrheit sagte. Die Tür vom Bad ging wieder auf und Fred stand in der Tür und sah mich an.
Kein wütender Blick, sondern ein eher trauriger blickte mir entgegen.

„Fred ich wollte es dir sagen, aber ich hatte Angst. Angst um unsere Freundschaft. Angst, dass du mich nicht mehr ansiehst und mich ekelhaft findest… Ich… Es tut mir leid!“

„Man Luka, weißt du wie viel du mir bedeutest? Es ist mir egal, wen du liebst! Du bist mir wichtiger als alles andere. Deswegen lasse ich dich auch jetzt nicht alleine. WEIL DU MIR WAS BEDEUTEST!“
Das war mal eine Ansage von ihm. Ich stand von meinem Bett auf und mit zwei Schritten war ich bei Fred und nahm ihn in meine Arme.

„Ich wollte es dir sagen, aber dann kam ja alles anders…“

„Ist in Ordnung Luka. Aber das nächste Mal gleich heraus mit dem, was dich beschäftigt! Egal was es ist und keine Geheimnisse! Bitte!“

Ich schluckte.

„Fred, was meintest du vorhin mit Benn?“

„Also als er dich da am Tisch umarmt hat, da leuchteten deine und seine Augen und ich hatte das Gefühl, wau da haben sich zwei gefunden.“

„Echt? Also wenn ich ehrlich bin, ist mir Benn, in der kurzen Zeit schon ein guter Freund geworden.“

„Guter Freund…“ prustete Fred los.

„Aber egal.. Was mich interessiert ist, wie es dir jetzt geht, nachdem unfreiwilligen Zusammentreffen mit deinen… ähm Eltern?“

„Jetzt geht’s. Aber dort war es seltsam. Als ich sie sah fühlte ich erst Unsicherheit und dann war da dieses warme Gefühl. Als ob ich mich daran erinnerte, an die Wärme und die Geborgenheit. Es war ein anderes Gefühl, als bei meiner Mutter. Es war wie nach Hause kommen.“

„MMhh verstehe und denkst du, du stehst morgen das durch?“

„Ich glaube ja. Fred?“

„Was?“

„Ich weiß nicht, wie ich mit meinen Geschwistern umgehen soll! Oder wie sie mich aufnehmen werden. Ich weiß einfach nicht was ich tun soll! Ich habe Angst…“

Hilflos sah ich Fred an. Dieser setzte sich neben mir auf das Bett und legte seinen Arm um mich.

„Es wird sich alles klären!“

Es klopfte an unsere Zimmertür.

„Tür ist offen!“, brüllte Fred neben mir.

Die Tür wurde geöffnet und Benn trat in unser Zimmer.

„Na Jungs, alles klar bei euch?“

„Jo alles geklärt und wir werden morgen das Ding schaukeln…“, flachste Fred rum.

Mir selber ging zu vieles im Kopf herum. Das merkte auch Benn, der sich neben mir auf das Bett setzte und mich von der Seite besorgt ansah.

„Ich muss noch mal nach unten. Getränke holen!“

Fred verschwand aus dem Zimmer bevor ich auch nur etwas erwidern konnte. Dann saß ich mit Benn allein in diesem Zimmer. Wir schwiegen beide und es war angenehm. Plötzlich spürte ich eine Hand, die sich auf meine legte.
Ich sah auf und blickte direkt in Benns Augen. Ich verlor mich in ihnen und ein Kribbeln im Bauch machte sich bemerkbar. Benn unterbrach dann den Blickkontakt und räusperte sich.

„Gerade bin ich wohl nicht ganz professionell…“

Benns Stimme war dabei leicht rau.

„Warum?“

Ich sah fragend Benn an.

„Na was hier zwischen uns passiert… „

„Man kann sich den Zeitpunkt nicht aussuchen und ich mag dich Benn!“

„Ich dich auch. Schon als ich dich das erste Mal gesehen habe.. Luka, erst mal ist das mit deinem Leben in den Griff bringen an erster Stelle. Und dann können wir sehen was dann kommt!“

Ich nickte verstehend, auch wenn ich insgeheim enttäuscht war. Aber eines wollte ich dann doch. Entschlossen drehte ich mich zu Benn und näherte mich Benns Gesicht. Kurz darauf lagen meine Lippen auf seine.
Benn erwiderte den Kuss erst zögerlich, aber dann wurde der Kuss immer intensiver und plötzlich war seine Zunge an meinen Lippen und nur zu bereitwillig öffnete ich diese. Es war wie ein Stromschlag der meinen Körper durchzuckte.
Ich weiß nicht wie lange wir uns küssten, aber irgendwann brachen wir ihn atemlos ab. Benn sah mich an und ich hätte gleich weitergemacht. Aber Benn stand auf und räusperte sich.

„Ich muss gehen, sonst passiert etwas das wir beide bereuen…“

„Benn, der Kuss war WOW. Aber du hast recht. Erst einmal werde ich mein Leben in die Reihe bringen und dann reden wir beide! Versprochen?“

Ben wandte sich zu mir um und bückte sich zu mir.

„Versprochen Luka! Ich kann warten!“

Er hauchte noch einen Kuss auf meine Lippen, ehe er das Zimmer verließ. Wow, war das ein Gefühl. Dieser Kuss, der war der Hammer. Nun wusste ich wenigstens dass Benn die Gefühle erwiderte.
Warum hatte ich das nicht bemerkt? Aber egal. Im gleichen Augenblick wurde an die Zimmertür geklopft und Freds Stimme erscholl.

„Hallo kann ich rein kommen, oder soll ich noch warten?“

„Blödmann kannst reinkommen…“

Gleich darauf stand Fred im Zimmer.

„Wo ist Benn?“ suchend blickte er sich um.

„Er ist gegangen und ja wir haben uns geküsst. Jetzt alles geklärt?“

„Super, ich hab es gewusst…!“, lachte Fred mich an und zwinkerte mir zu.

„Wie geht’s weiter mit Euch?“

„Erst mal gar nicht! Zuerst werde ich mein Leben auf die Reihe bringen und dann werden wir darüber reden, wie es mit uns weitergeht!“

„Das hört sich nach Benn an. Aber ist vielleicht besser so. Komm lass uns schlafen gehen…“

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1 Kommentar

  1. Huhu,

    das ist eine tolle Fortsetzung, sehr gelungen. Bin gespannt, wie es weitergeht.

    LG Andi

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