Fotostudio Plange – Teil 5 – Elternsprechtag

Elternsprechtag

Ich kann zwar immer noch nicht genau nachvollziehen, was an den Geschichten aus dem Zusammenleben von Marvin und mir so interessant sein könnte, dass ihr sie unbedingt lesen wollt, aber des Menschen Wille ist ja bekanntlicherweise sein Himmelreich und wenn ich euch durch diese Episoden zu einem Glücksmoment verhelfe, dann hab ich für heute meine gute Tat getan. *fg

Nachdem wir die Spuren der Einweihungsfete beseitigt und den Partykeller wieder aufgeräumt hatten, gaben wir uns dem DOLCE FAR NIENTE hin, die neue Woche würde die stressig genug werden. Zum einen war es Marvs erste richtige Schulwoche in der Oberstufe, zum anderen war ich mit Terminen voll eingedeckt. Zwei Nachmittage und einen ganzen Abend verbrachte ich in der Schwimmhalle, denn die anderen Mannschaften mussten ja auch noch abgelichtet werden. Außerdem hatte ich einen Termin bei der Industrie- und Handelskammer, ich trug mich mit dem Gedanken, im nächsten Jahr einen Lehrling auszubilden und wollte mich entsprechend informieren. Für das Wochenende waren dann noch die Aufnahmen für den Kalender geplant, also volles Programm, zumal ich ja auch noch Igor ablichten sollte.

Am Freitag lief erst alles wie am Schnürchen, um viertel vor sieben machte Marvin sich fertig, er wollte mit Florian und einem Sebastian, den ich bis dahin noch nicht kannte, ins Kino. Ich drückte ihm einen Zehner in die Hand und er bedankte sich ganz artig. „Für was ist der denn? Du hast mir doch Sonntag erst Taschengeld gegeben.“

„Na, Kino kostet! Falls ihr nach dem Film noch was trinken wollt, …“

Er griente mich verschmitzt an. „Habe ich richtig gehört? Nach dem Kino? Ich soll also meinen Ausgang voll ausreizen? Hat da jemand ein Date und will nicht gestört werden?“

„Date würde ich das nicht nennen. Ich habe gleich ein Shooting und will einfach nicht gestört werden! So einfach ist das, mein Kleiner!“ Wieso wurde ich eigentlich verlegen?

„Und dafür hast du dich extra frisch rasiert? Muss ja ein ganz besonderes Modell sein, das du ablichten willst. Viel Spaß dann, aber bitte keine laute Orgie nach zwölf, die Jugend braucht ihren Schlaf!“ Sein Grinsen war so breit wie sein Gesicht, als er die Wohnung verließ.

Ich konnte gerade noch einen Blick in den Spiegel werfen, als die Türklingel ging. Igor kam mit einer Sporttasche unter dem Arm die Treppe herauf gestürmt. Er drückte mir einen Kuss auf die Lippen. „Ist ja grade noch mal gutgegangen!“

„Was denn? Komm doch erst mal rein. Was ist passiert?“

„Ich wäre fast Marvin in die Hände gelaufen. Konnte mich gerade noch um die Ecke retten!“

Ich grinste. „Er vermutet, ich hätte ein Rendezvous. Sekt?“

„Gerne! Wir müssen ja das Anstoßen noch nachholen!“ Das taten wir dann auch. Nach dem zweiten Glas Schaumwein wurde er ruhiger. Seine anfängliche Verkrampfung löste sich in Wohlgefallen auf. Entweder lag sie am Beinah-Zusammenstoß mit meinem Neffen, oder, was wahrscheinlicher war, an den natürlichen Hemmungen vor einem erotischen Fotoshooting.

„Was hast du denn da alles drinnen in deiner Wundertüte?“ Ich deutete auf seine Sporttasche.

„Du hast doch gesagt, ich soll ein paar Unterhosen mitbringen!“

„Das stimmt zwar. Aber nach dem Umfang seiner Tasche zu urteilen, hast du gleich deinen ganzen Kleiderschrank mitgebracht.“

Er lachte schallend. „Wer sagt denn, dass ich nur Unterhosen mitgebracht habe? Lass dich überraschen!“

„Werde ich wohl auch machen müssen. Dann lass uns mal anfangen!“

„Wo? Hier?“

„Nein, wir gehen erst ins Atelier. Hier oben konnte ich ja nichts ausleuchten wegen Marvin! Außerdem sind die Kameras unten!“

„Dann lass uns mal!“

Ich griff mir noch einen Bademantel und wir gingen nach unten in mein Studio. Nach den üblichen Startschwierigkeiten vor dem weißen Hintergrund erwies sich der Sportstudent mit seinem wohldefinierten Körper als äußerst kameratauglich. Es machte Spaß, mit ihm zu arbeiten. Er folgte meinen Anweisungen, sich zu drehen, sich in Positur zu stellen. Leider wurden dadurch korrigierende Berührungen auf ein Minimum reduziert. Nach und nach flogen die Kleidungsstücke. Die erste Aktserie startete, Igor hinter einer griechischen Säule. Dann spielte ich mit Stühlen, einem großen Benjamin (ich meine jetzt die Grünpflanze!), ein paar Bändern, einem großen Sitzkissen, einem Spazierstock und einer Zeitung. Ich blickte auf die Uhr, es war kurz nach halb zehn. Ich warf ihm den Bademantel zu, denn die nächsten Aufnahmen sollten oben stattfinden. Das Studio verfügte leider nicht über eine Balkontür, einen Kamin, eine Bücherwand und eine gemauerte Dusche. All diese Dinge wurden für die nächsten Bilder benötigt und befanden sich in unserer Wohnung. Die Portraits in der Dusche erfolgten als letztes, denn hier sollte er sich auch nass machen: Ich wollte Wassertropfen auf seiner Haut sehen und sah sie auch. Plötzlich meinte er, er wolle einmal in die Badewanne.

„Du im Schaumbad? Keine schlechte Idee!“

„Das können wir ein anderes Mal machen, aber ich wollte schon immer mal Bilder von meinem Springbrunnen, wie er auf meinen Bauch plätschert!“

Es dauerte einen Moment, aber dann hatte ich ihn verstanden, was er wollte. „Ferkel! Aber bitte, es sind deine Bilder. Dann rein und erst pinkeln, wenn ich jetzt sage.“ Ich wechselte den Speicherchip an der Kamera und stellte auf Video um, die Bilder würde ich später daraus extrahieren. Er musste mächtig Druck auf der Blase gehabt haben, denn der Strahl traf in hohem Bogen zuerst sein Gesicht um dann, immer schwächer werdend, auf seinem Bauchnabel zu versiegen.

Er stellte sich auf und grinste zufrieden. „Schlimm?“

„Nö!“ Ich trat an ihn heran und leckte mit meiner Zunge von der Brust an aufwärts, bis sich unsere Lippen vereinigten. „Du schmeckst hervorragend, aber trotzdem solltest du dich abduschen.“ Während er sich berieseln ließ, säuberte ich die Badewanne.

„Stehst du eigentlich auch auf Natursekt?“

Ich blickte zu ihm in die Dusche. „Ab und an kann das ziemlich geil sein!“

„Stimmt, es ist ein einzigartiges Gefühl. Wir sollten dann mal zusammen …“

„Und was würde dein Freund dazu sagen?“

„Der mag das ganz und gar nicht! Deshalb muss ich das immer heimlich machen, wenn mir mal danach ist.“

„Aha, auch gut. Bist du fertig?“

Er trat außer der Dusche und schlüpfte in den Bademantel. Wieder im Studio lüftete er auch das Geheimnis der vollen Sporttasche. Eine komplette Polizeiuniform mit Schirmmütze, Halfter und Schlagstock. Allerdings war er kein Uniformfetischist, wie ich erst dachte, es war ein Stripperoutfit. Zur Musik der klickenden Linse entblätterte er sich wieder.

Eine Viertelstunde vor Marvins Eintreffen verließ er mich in Richtung Bahnhof. Ich saß am Rechner und war dabei, den Inhalt der Chips auf die Festplatte zu kopieren, um sie später bearbeiten zu können. Ich blickte vom Monitor auf den in der Tür stehenden Schwimmer. „Na? Wie war der Film?”

„Ging so! Amerikanische Komödie ohne Sinn und Verstand, aber man konnte viel lachen. Und wie war dein Abend?“

Ich tat ganz unschuldig. „Nett!“

„So wie du schaust, hattest du bestimmt deinen Spaß! Wie hieß er denn?“

„Marv! Ein guter Fotograf ist wie ein Psychiater, der die Seele aus dem Körper holt. Also hab ich so etwas wie Schweigepflicht!“

Er zog einen Flunsch. „Geheimniskrämer! Aber ich werde es schon noch herausfinden, wer er war!“

„Viel Spaß dabei! Und jetzt ab in Bett! Wir haben morgen viel zu tun!“

„Ich nicht! Du!“

„Stimmt! Aber wenn du Sonntag was zu essen haben möchtest, dann musst du morgen früh den Einkauf übernehmen! Ich muss erst in den Laden und dann nachmittags dein Trainingslager retten.“

„Immer auf die Armen, Kleinen, Schwachen! Ich geh dann jetzt mal in die Falle. Und …“

„Und was?“

„Ich hab dich trotzdem lieb, auch wenn du mir seinen Namen nicht verrätst.“ Er warf mir eine Kusshand zu und dackelte ab.

„Ich dich auch!“

Dass Shooting am Samstag verlief hervorragend. Henrik Schuster, der unrasiert zum Fototermin erschien, bedankte sich recht überschwänglich für seine Rettung von letzter Woche. Seine Mutter hätte ihm die Geschichte von der abgesprungenen Kette voll abgenommen. Ich grinste und meinte lapidar: „Gern geschehen!“

Die meisten Bilder konnten wir in unmittelbarer Nähe der Schwimmhalle machen. Neben einem großen Abenteuerspielpatz, auch für Erwachsene geeignet, gibt es dort einen Trimm-Dich-Pfad im Wald und einen Reitstall. Aufsehen erregten wir dort nur, als die Wasserballer im typischen Schwimmdress auf den Fahrradsattel mussten und ich aus dem fahrenden Wagen heraus, Igor fuhr, die Aufnahmen machte. Für ziemliche Erheiterung sorgen die Bilder in einem öffentlichen Linienbus. Auf mein Kommando streiften die Jungs sich ihre Trainingsanzüge ab und ließen sich ablichten. Während ein Teil der Truppe (die schwindelfreien Schwimmer!) mit Igor zur Kletterwand fuhr, ging es für den Rest in die Marktkirche. Der dortige Pfarrer hatte ein offenes Ohr für die finanziellen Probleme der Jugendarbeit, er kannte sie zur Genüge aus eigener Erfahrung. Er machte den Spaß schelmisch mit, fast nackte Jugendliche in seiner Kirche hätte es auch noch nicht gegeben. Auch bei der Kletterhalle gab es keine Probleme, nur im Supermarkt, dem nächsten Treffpunkt, wollte man erst nicht so recht. Aber ein Anruf beim Marktleiter, der war irgendwie mit Clemens Münster verwandt, schaffte Abhilfe. Die Schwimmer dann als Fußgänger in der Innenstadt sorgten für erhebliches Aufsehen. Ein Passant rief, wohl ob der Ansammlung nackter Jungenoberkörper, die Polizei. Allerdings rückten nicht nur die Ordnungshüter an, auch die Presse kam.

Der Zeitungsbericht am Montag war spitze! Auf der ersten Seite des Lokalteils prangte unter der Überschrift: ‚Polizeieinsatz wegen Wasserballern!‘ ein 10 mal 15 cm großes Foto, das mich im Gespräch mit den Polizisten zeigte, die Mannschaft bunt verteilt im Hintergrund. Den Artikel habe ich mir aufgehoben und eingerahmt. Zu einem Einsatz besondere Art mussten die Beamten der Wache Mitte am späten Samstagnachmittag in die Fußgängerzone ausrücken. Wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses durch einen wohl überbesorgten Bürger gerufen, platzen die Polizisten in Fotoaufnahmen für einen Kalender der Wasserballjugend des Allgemeinen Sport- und Turnvereins des international renommierten Fotografen Stefan Alexander Plange. Da das Trainingslager der Jugendabteilung im kommenden Jahr dem Rotstift zum Opfer zu fallen droht, entschloss sich der Wasserballnachwuchs ohne Wissen der Vereinsführung, die fehlenden Mittel selbst aufzutreiben. Clemens Münster, der Jugendobmann der Wasserballer, war selbst überrascht über den Einfallsreichtum seiner Schützlinge. Die Deckungslücke im mittleren vierstelligen Bereich wollen die Jugendlichen durch den Verkauf eines Kalenders, der unter dem Motto ‚Wir wollen ins Wasser!‘ stehen wird, schließen, um dennoch fahren und so an die sportlichen Erfolge der letzen Jahre weiter anknüpfen zu können. Marvin Plange, letztjähriger Torschützenkönig der Jugendliga, bat nun seinen durch mehrere prämierte Bildbände bekannten Onkel, der Mannschaft bei der Umsetzung unter die Arme zu greifen. Stefan Plange, Inhaber des gleichnamigen Fotostudios in der Ludwigstraße, sagte sofort seine Hilfe zu und entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Team das künstlerische Konzept des Kalenders. Der Kalender wird auch in den Geschäftsstellen unserer Zeitung für 10 Euro ab November zu kaufen sein, denn wir meinen, soviel Einfallsreichtum muss gewürdigt werden.

Clemens Münster rief mich im Laufe der folgenden Woche an und meinte, das Trainingslager und die Produktionskosten für 500 Kalender, knappe 1200 Euro, seien gesichert. Der Zeitungsartikel hätte fast 3000 Euro an Spenden in die Jugendkasse gespült.

Die Wochen vergingen, die ersten Klassenarbeiten, Entschuldigung, in der Oberstufe heißen die Leistungskontrollen ja Klausuren, wurden geschrieben. Ich war wirklich stolz auf den kleinen großen Marv. Die schlechteste Note waren neun Punkte in Englisch, was einem voll befriedigend entspricht. Er kriegte also Schule und Training, Wettkämpfe und Privatleben gut gemeistert. Was sein Privatleben anbetraf, in letzter Zeit hing er oft mit Sebastian ab, allerdings nur unter der Woche. An Wochenenden hatte ich die 175 cm seines Körpers noch nie gesehen. Der angehende Einzelhandelskaufmann einer Parfümeriekette hieß mit Nachnamen Krieger und wirkte auf mich eher wie ein einem Modeljournal entsprungener Schönling mit überschminken Akneflecken als ein Kumpel meines Kleinen. Auch wenn der durch Schulterpolster breiterwirkende Jungverkäufer fast jeden Abend bei uns am Tisch saß, so richtig warm wurde ich mit der dunkelhaarigen Föhnwelle nicht, denn außer Kosmetiktipps und dem neusten Stargeflüster kam nicht viel aus seinen viel zu weiß aussehenden Zähnen. Aber Marv musste ja selber wissen, mit wem er seine kostbare Freizeit verbringt. Ob sich da zwischen den beiden was anbahnte? Eine Antwort auf diese Frage wollte ich mir selbst besser nicht geben. Eigentlich hätte ich meinem Neffen einen besseren Geschmack zugetraut, aber wie heißt es so schön, wo die Liebe hinfällt …

Eines Montags, Sebastian war ausnahmsweise nicht da, kam er ins Wohnzimmer getrottet und setzte sich, leicht bedröppelt, zu mir aufs Sofa. „Steff? Ich darf dich doch alles fragen, oder?

„Yepp! Was willst du denn wissen? Geht es um die Schule?“ Ich wurde neugierig.

„Nein! Da ist alles prima, keine Probleme. Es ist eher … naja, es ist eher was …“

„Sexuelles?“ Um Gottes Willen! Aber einmal musste es ja dazu kommen! Stefan, die schwule Beratungsstelle in allen Lebens- und Liebeslagen! Wie peinlich! Er druckste herum und nickte. Das seine Gesichtsfarbe ins Rötliche wechselte, lasse ich mal unerwähnt. „Also Großer! Heraus mit der Sprache! Um was geht es?“

„Sebastian und ich wollten heute … naja, du weißt schon!“

„Nein weiß ich nicht! Playstation spielen? DVDs schauen? Kartoffeln schälen?“ Ich zog ihn extra auf, ich konnte fast ahnen, was er wollte, aber er sollte es von sich aus sagen.

„Wenn du es genau wissen willst, wir wollten ficken!“ Man konnte der Kleine schnippisch sein!

„Er dich oder du ihn?“

„Er mich! Er sollte der erste sein, der mich …“Der Kleine war also noch Jungmann und anscheinend ging das zwischen den beiden doch tiefer, als ich gedacht hatte. Wieso ist mir das nicht aufgefallen? War ich so blind? Habe ich ihm zu wenig Beachtung geschenkt?

„Bist du dir den sicher, dass er es sein soll, der dieses Geschenk bekommen soll? Habt ihr an den Schutz gedacht?“

„Ja, ich bin mir fast sicher, und Nein, soweit kam es nicht. Er hat mir nur den Finger …“

Sollte oder sollte ich ihn nicht aus diesem hochnotpeinlichen Verhör entlassen? Ich entschied mich für die kurze, schmerzlose Variante. „Eingeführt und es kam, obwohl du wahrscheinlich vorher auf dem Klo warst, etwas Braunes mit heraus. Ist es das, was du mir sagen wolltest?“

Anstelle einer Antwort nickte er nur. „Was kam an den dagegen machen? Als er in mir spielte, war ich völlig high, in einer anderen Welt, aber als ich dann seinen Finger sah, verging mir alles!“

Ich setzte mein mitfühlendstes Gesicht auf, innerlich aber grinste ich. „Also dagegen hilft spülen!“

„Spülen?“ Er konnte so schön naiv sein!

„Eine Darmspülung!“

„Und wie macht man die? Ich kann mir doch schlecht den Duschkopf…“

„Komm mal mit!“

Ich erhob mich und ging ins Badezimmer, er folgte mir stehenden Fußes. Aus dem kleinen Schränkchen holte ich den speziellen aluminiumfarbigen Duschstab hervor. „Damit macht man das! Du schraubst den normalen Duschkopf ab und das Teil hier einfach auf! Und was man dann damit macht, dürfte ja eigentlich klar sein, oder?“

„In die Dusche und dann hinten rein!“

„Genau! Aber du solltest vorher die Wassertemperatur regeln, nicht zu kalt und nicht zu heiß! Eins sollte aber klar sein, hinterher die Dusche wieder saubermachen! Noch Fragen?“

„Ne, eigentlich nicht! Darf ich das jetzt mal probieren?“

„Tu dir keinen Zwang an!“ Ich verließ das Bad und ging wieder ins Wohnzimmer. Zwar konnte ich mich auf das Programm in der Flimmerkiste in dem Wissen um das, was da in dem gekachelten Raum gerade passierte, nicht konzentrieren. Aber der Kleine wurde erwachsen und besser, er fragt, als das es hinterher zu braunen Bremsstreifen kommt. Ein Schmerzensschrei störte die Nachrichtensprecherin. Ich sprang sofort auf und eilte zum Ort des Geschehens. Die Tür war Gott sei Dank nicht abgeschlossen, ein verkrampfter Marvin stand in der Dusche und hielt sich den Hintern, der Stab lag sprudelnd in der Tasse.

„Was ist passiert?“ Ich drehte den Hahn ab.

Er rang nach Atmen, man merkte ihm an, er hatte Schmerzen. „Was weiß ich! Das Ding wollte nicht rein und da hab ich geschoben und gedrückt! Dann kam der Schmerz!“

Ich nahm ihn in die Arme, er tat mir leid, der Kleine. Gerade noch himmelhoch jauchzend und jetzt zu Tode betrübt. „Ganz ruhig, das ist morgen alles vergessen. Komm jetzt aus der Dusche und denk nicht mehr dran!“

Er beruhigte sich etwas. „Nein! Das werde ich jetzt nicht machen! Wenn man reiten lernen will und vom Pferd fällt, dann soll man ja auch sofort wieder aufsteigen, sonst lernt man es nie!“ Konnte der Kleine resolut sein! „Zeigst du es mir?“ Himmel! Er ist mein Neffe! Ich soll ihm zeigen, wie man sich richtig spült? Nein! Nein! Nein! Das geht nicht! Das kann ich nicht! Aber … ich hatte die Büchse der Pandora geöffnet und musste nun mit den Folgen leben.

„Wenn du wirklich willst?“

„Ja! Wenn nicht du, wer dann? Soll ich Sebastian fragen und mich vor ihm zum kleinen, dummen und unerfahrenen Jungen machen? Schwule Pornos kann ich mir ja runterladen, aber ne Anleitung zum richtigen saubermachen da unten hab ich noch nicht gefunden. Nu mach schon!“ Ich müsste wohl mal seinen Rechner kontrollieren, wo er überall hinsurft!

Ich fügte mich in mein Schicksal. „Gibt mal das Duschzeug. Hast du gestanden oder dich in die Dusche gehockt?“

„Gestanden!“ Er reichte mir die Tube Duschgel.

Ich stellte das Wasser wieder an und kontrollierte die Temperatur. „Das war der erste Fehler. Da ist das Loch weniger dehnfähig. Dann dreh dich mal mit dem Rücken zu mir und geh mal in die Knie, als würdest du Skifahren.“

Er ging in die Hocke, ich schraubte den Deckel der Tube ab und drückte etwas Gel auf meine rechte Hand. Ich strich über seine Kimme und verteilte das Zeug auf seiner Rosette. Mit einem Finger spielte ich leicht daran, drang aber nicht ein. „So, und jetzt drück mal, als ob du auf dem Klo sitzen würdest.“

„So?“

„Genau!“ Ich fuhr so zwei, drei Zentimeter mit meinem Zeigefinger in sein Innerstes und bewegte ihn auf und ab. Das wiederholte ich mit dem Mittelfinger, allerdings etwas tiefer. Er brummte zufrieden. Als ich dann mit beiden Fingern spielte, stöhnte er. „So, nachdem du dich so etwas geweitet, nimmst du jetzt den Stab und führst ihn langsam ein.“ Das tat ich dann auch. „So, ganz langsam, immer auf und ab und dabei immer tiefer rein. Du wirst merken, wann der Widerstand überwunden ist. Dann lass den Stab dort verweilen und versuch, zuzukneifen solange wie möglich. Wenn der Druck zu groß wird, dann raus mit dem Teil und pressen, pressen, pressen.“

Eine halbe Minute später griff er nach meiner Hand und drückte sie nach unten. Ein Schwall mit kleinen braunen Teilen schoss aus seinem Rektum. Er erhob sich und drehte sich zu mir um. Sein Schwanz stand senkrecht ab, direkt vor meinen Augen. Ich schluckte und fuhr mir unbewusst über die Lippen. NEIN! Das darfst du nicht! Die Vorhaut war leicht zurückgezogen und glänzte. Ich hoffte, dass das nur Wasser war!

„Bin ich jetzt sauber?“

Ich blickte nach oben. Seine Schanz- und meine Nasenspitze keine zehn Zentimeter voneinander entfernt. Ich brauchte etwas Zeit, um mich wieder klar und deutlich artikulieren zu können. „Nein! Das machst du jetzt noch so vier bis fünfmal und den Stab dabei immer etwas tiefer rein. Erst wenn nichts mehr mit rauskommt, dann kann man sagen, man ist sauber. Aber das kannst du jetzt alleine machen!“ Ich verließ die Dusche, denn der kleine Stefan schmerzte unheimlich.

Eine Viertelstunde später kam er ins Wohnzimmer und grinste wie Honigkuchenpferd. Zu meinem Glück hatte er sich eine Boxer übergezogen, aber das Zelt war immer noch unverkennbar. Er wollte sich setzen, aber ich stoppte ihn durch eine Handbewegung. „Du solltest dir besser ein gefaltetes Handtuch unterlegen!“

„Wieso? Ich bin doch sauber!“ Jugend kann so schön naiv sein!

„Für das erste stimmt das, aber wenn du gleich mal in deine Boxer schauen würdest, könntest du sehen, wie es hinten feucht wird. Es ist noch nicht alles Wasser raus, aber das ist normal.“

Er ging zurück uns Bad und kam mit einem Handtuch wieder, dass er aufs Sofa legte, bevor er sich setzte. „Du hattest recht. Jetzt könnte ich? Äh, ich meine, man könnte mich jetzt ohne Spuren …?“

„Wenn der andere nur einen Kleinen hat, dann ja.“

„Seb hat knapp 20cm. Das ist ja wohl nicht klein, oder?“

Ich grinste. „Europäisches Mittelmaß. Punkt ist der, dadurch das du Wasser in den Darm gedrückt hast, wird nicht nur was raus gespült, was ja Sinn und Zweck der Angelegenheit ist, sondern auch was anderes aufgelöst, was noch nicht draußen ist. Das sackt jetzt wieder nach. Es gibt zwar keine Versicherung dagegen, aber Vorsichtsmaßnahmen. Die Analdusche ganz rein und spülen, bis nur noch klares Wasser rauskommt. Da eine Stunde warten und das ganze wiederholen. Eine halbe Stunde sollte dann noch vergehen, ehe der andere in dir seinen Spaß hat.“

„Ich hatte die nur zu zweidrittel drinnen, wohl zu wenig. Mist! Schwulsein ist doch komplizierter, als ich dachte!“

Zwei Tage später, es war Mittwoch, hatte er den gleichen traurigen Gesichtsausdruck wie Montag. Ob das an dem morgigen Elternsprechtag lag? Er setzte sich neben mich aufs Sofa und kuschelte sich an mich. „Was ist los, mein Großer?“

„Nichts! Heute hat es wieder nicht geklappt! Ich wollte ja, aber irgendwie …“

„Was?“

„Hab dabei was geblutet!“

„Tja, das kann passieren, wenn man zu schnell zu tief rein will. Falls es jetzt immer noch blutet, müssen wir ins Krankenhaus.“

„Nein, hat aufgehört. Aber ich war ziemlich fertig und hatte keine Lust mehr!“

„Kann ich mir vorstellen. Aber schau mal am besten in dein Biologiebuch, wie der menschliche Dam aufgebaut ist und lies auch mal das Kapitel über Verdauung nach. Wenn du das ganze fünf-, sechsmal gemacht hast, wirst du dich besser auskennen und wissen, wie du es am besten machst. Learning by doing!“

Elternsprechtag! Ein Horror für jeden Schüler und ein Schrecken für jeden Elternteil, bedenkt man die langen Wartezeiten vor den einzelnen Gesprächen mit den Mitgliedern des Lehrkörpers und den Inhalten, die man dann in der kurzen Dauer der einzelnen Gespräche eventuell erfahren konnte. Aber es war die erste Veranstaltung dieser Art in meinem Leben, jedenfalls als Erziehungsberechtigter eines Heranwachsenden. Als Service der Schule gab es für jeden Schüler einen Zettel mit entsprechenden Lehrern, dem jeweiligen Fach und dem Raum, in welchen sich besagter Pädagoge befindet. Ich blickte auf die Liste, 14 Personen plus Stufenleiter. Als ich dort Kaltenbach las, kam ich ins Grübeln. Zu Studienzeiten hatte ich in Münster mal was mit einem Lars Kaltenbach, der studierte auf Lehramt, aber so selten ist der Name nun auch wieder nicht.

Ich nahm Marvin mit zu den Aussprachen, denn eventuelle Rückfragen konnte man so sofort vor Ort klären. Aber bis auf die Geschichtslehrerin, einer Frau mit komischem Doppelnamen, die eine schlechte Vortragsweise bei einem Referat bemängelte, und dem Sozialkundepädagogen, ebenfalls mit Doppelnamen, dem Marvins Geschlechterrollenauffassung zu konservativ war, wurde der kleine nur über den grünen Klee gelobt. Anscheinend war schulisch alles in Ordnung! Gott sei Dank! Die Gespräche begannen fast immer gleich: „Ah, Herr Plange! Endlich mal ein Vater, der sich für die schulischen Leistungen seines Sohnes interessiert.“ Bei den ersten beiden Lehrern, Werthaus in Deutsch und Grabner in Mathematik, erklärte ich den Sachverhalt noch auf, bei den anderen wurde es mir dann aber zu müßig, dass Verwandtschafts- und Sorgeverhältnis zu erläutern und schwieg daher, sollten sie doch denken, was sie wollten. Bis zum Mittag schafften wir acht Fächer und wollten was Essen, mein Magen knurrte. Beim Verlassen des Gebäudes kamen wir gegen kurz vor zwölf am Klassenraum des Stufenleiters vorbei. Die Schlange davor hatte bis auf eine fettleibige Dame mit strähnigen Haaren aufgelöst. Ich blickte zu Marv und meinte: „So. Den machen wir noch und dann gibt es was zu futtern!“

„Bei dem hab ich aber nichts!“

„Egal! Das ist dein Stufenleiter, der müsste eigentlich alle Informationen haben. Wenn der auch nichts Negatives über dich zu berichten weiß, dann schenken wir uns den Rest und nehmen uns den Nachmittag frei. Was hältst du von einer Partie Bowling mit deinem alten Onkel?“

„Einverstanden!“

Wir setzten uns und warteten. Um fünf nach zwölf öffnete sich die Tür und die dicke Dame im blauen Kittelkleid trat heraus und bedankte sich noch einmal. Marvin gab mir einen Stoß in die Seite und schlüpfte durch die Tür, ich folgte ihm.

„Ah, Familie Plange. Setzen sie sich!“ Der Lehrer kramte in seinen Unterlagen und suchte wohl nach dem entsprechenden Hefter.

Marvin hatte schon Platz genommen und schob mir den Stuhl hin. Ich traute meinen Augen nicht, wen ich da vor mir sah. Oberstudienrat Kaltenbach öffnete den Ordner und blickte auf. Ihm fiel die Kinnlade runter. „Stefan? Stefan Plange?“

„Genau der steht vor dir Lars!“

„Das gibt es nicht! Wie lang ist das jetzt her? Zwölf, dreizehn Jahre?“

„So in etwa! Aber warte mal! Ich bin mit 23 aus Münster weg nach London und bin heute 38. Das sind das dann nach Adam Riese 15 Jahre, mein Lieber! Ich könnte mich heute immer noch kaputtlachen, wenn ich an das letzte Nacktbaden im Aasee denke und wie wir von der Polizei abgeführt wurden.“

Er lachte, hatte er doch wohl das gleiche Bild vor Augen. „Hör auf! Mir ging der Arsch auf Grundeis! Was meinst du, was für Angst ich hatte, dass man mich nicht zum Examen zulässt. Hatte echt Glück! Aber sag mal, seit wann bist du Vater? Ich wusste nicht, dass du einen Sohn hast!“ Er blickte erst auf mich und dann auf Marvin.

„Ich hab auch keinen Sohn! Der Kleine hier ist leider nur mein Neffe, aber im Moment hab ich das Sorgerecht für ihn, also ist er fast mein Sohn. Mein Bruder und seine Familie sind ja nach Australien und der Große ist hier bei mir geblieben.“

„Na dann kann ich dich nur beglückwünschen! Marvin ist wirklich ein guter Schüler und ein guter Junge, wenn man das so sagen kann! Wenn alle so wären wie er, hätte ich nicht viel Arbeit! Aber leider sind nicht alle so pflegeleicht.“

„Dann bin ich ja beruhigt!“

„Kannst du auch! Aber ich hoffe, es dauert nicht wieder 15 Jahre, bis wir uns wiedersehen.“

Wir lachten beide. „Ganz bestimmt nicht! Spätestens beim nächsten Elternsprechtag! Aber warte! Machen wir gleich Nägel mit Köpfen: Was machst du, wenn du hier fertig bist?“

„Dann fahre ich nach Hause, werde mir eine Tiefkühlpizza in den Ofen schieben, mich mit einem guten Buch auf die Couch legen und dann um elf allein ins Bett zu gehen, wie seit fünf Jahren jeden Abend.“ Er klang leicht frustriert.

„Dann ändern wird das heute, jedenfalls bis auf das Bett! Eine Pizza kann ich auch bestellen. Also, wie sieht es aus? Gemeinsames Abendessen? Wie in alten Zeiten?“

„Warum eigentlich nicht? Sagen wir um sieben?“

„Einverstanden! Die Adresse hast du ja!“

„Alles klar und nun aber raus hier. Ich will mir noch ne Kleinigkeit zwischen die Kiemen schieben, ehe es gleich weitergeht.“ Wir verließen das Klassenzimmer und er schloss die Tür ab. Wir verabschieden uns mit Handschlag und Marv und ich machten uns auf den Weg zum Imbiss. Er war anscheinend sprachlos, dass sein Stufenleiter und ich uns von früher kannten und wahrscheinlich nicht nur angezogen in der Uni.

Erst als wir am Tisch des Schnellimbisses saßen und unsere Currywurst, Fritten weiß auf dem Tisch stehen hatten, fand Marvin seine Sprache wieder. „Find ich ja echt krass!“

„Was denn?“?

„Das Kaltenbach auch ein warmer Bruder ist!“

„Wieso? Haben Lehrer kein Recht auf ein Sexualleben?“

„Das meine ich nicht! Was meinst du, was die Jungs sagen werden, wenn ich ihnen das erzähle!“

„Nichts! Denn du wirst schön die Klappe halten und kein Wort darüber verlieren, mein lieber Neffe!“

„Wieso?“ Er stocherte in seinen Fritten herum.

„Nenn es Tuntensolidarität, aber du wirst ihn nicht outen, unter keinen Umständen! Der Schuss wird zwangsläufig nach hinten losgehen und noch zwei andere Menschen in Schwulitäten bringen.“

„Und wer sollen diese Leute bitte sein?“

„Wir! Du und ich!“

„Versteh ich jetzt nicht! Bei Kaltenbach als Lehrer kann ich mir das ja noch vorstellen, von wegen Lehrer und Schüler und so! Aber was hat das mit uns zu tun?“ In seinem Gesicht spiegelten sich Fragezeichen. Kann die Jugend eine lange Leitung haben!

„Marvin! Wenn du es deinen Schulkollegen erzählen würdest, was würde euch das bringen? Etwas Spaß, ihr würdet lachen und Scherze über ihn machen, aber mehr auch nicht. Aber das Leben von Lars würde erheblich komplizierter und einen täglichen Spießrutenlauf möchte ich ihm nun wirklich nicht zumuten. Aber deine Leute sind ja auch nicht ganz auf den Kopf gefallen, oder? Nachdem deine Freunde dann ausgelacht haben, werden sie sich fragen, woher du das weißt! Was willst du sagen? Das dein Onkel mal im letzten Jahrhundert eine Affäre mit ihm hatte?“

„Äh, daran hab ich gar nicht gedacht!“ Er wurde etwas kleinlaut.

„Das dachte ich mir, dass du mich daran gedacht hast, mein Engel! Wenn du meine Episode mit Lars publik machst, wirst du ins Rampenlicht deiner Leute treten. Seit wann hast du keine Freundin mehr?“

„Kurz vor meinem Geburtstag hab ich mich von Janine getrennt, also knapp ein Jahr!“

„Genau, und weshalb wohnt ein Schwimmstar, der seit einem Jahr keine Freundin mehr hat, lieber hier bei seinem schwulen Onkel, anstatt mit seinen Eltern ins Schwimmparadies Australien auszuwandern?“

Er wurde immer leiser. „Weil er auch schwul ist?“

Ich nickte. „Genau! Und jetzt sag mir mal, was besser ist: der kurze Lacher oder die langen Folgen?“

„Dann halt ich wohl besser die Klappe!“

Tja, lieber Leser, das war einer der Wendepunkte in unserem Zusammenleben. Für die Neugierigen unter euch kann ich sagen, dass Wiedersehen mit meiner alten Affäre aus Studientagen erhebliche Folgen hatte, aber nicht unbedingt für mich, Marvin war der Leidtragende und das in zweierlei Hinsicht. Aber dieses traurige Kapitel aus seinem Leben will ja wohl niemand lesen, ein Film mit Happy End macht ja mehr Spaß als ein Dokumentarfilm über das reale Leben, oder? Falls doch , bitte ich um entsprechende Rückmeldung *fg

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