Regenbogenfamilie Teil 32 – Kündigung

Am frühen Morgen wurden Thomas und ich durch unseren Wecker aus dem Schlaf gerissen. Hilft nichts, wir müssen aufstehen, ab heute ist wieder arbeiten angesagt und vor allem mein großer Auftritt bei meinem Chef Johannes Graf. Während ich zuerst in die Küche ging und schnell die Kaffeemaschine zum Arbeiten brachte, ging Thomas direkt ins Bad.

Nachdem ich für unser gemeinsames Frühstück noch einiges vorbereitet hatte, ging ich wieder nach oben ins Bad zu Thomas. Während er bereits in der Dusche stand, rasierte ich mich und putzte meine Zähne. Thomas hatte die Dusche abgestellt und ich wechselte in die Dusche, während Thomas sich abtrocknete und zum Ankleiden in unser Schlafzimmer ging. Wir trafen uns erst wieder unten im Esszimmer und setzten uns an den Tisch.

Auf der Fahrt ins Büro befragte mich Thomas nochmals, ob ich wirklich unserem Chef heute bereits sagen will, dass ich mich aus meiner leitenden Position zurückziehen will und die Firma kurzfristig verlassen werde. Ich bestätigte ihm erneut, dass ich bei der gestern getroffenen Entscheidung bleibe und diese heute auch mit Johannes so besprechen werde.

Im Büro angekommen, begrüßten mich meine Arbeitskollegen sehr herzlich, nach immerhin dreiwöchiger familiär bedingter Abwesenheit. Gegen neun Uhr morgen betrat Johannes mein Büro und wünschte mir und Thomas einen erfolgreichen Wiedereinstieg. Ich bat ihn um ein dringendes Gespräch unter vier Augen in seinem Büro, mit der Begründung, dass ich ihm eine wichtige Entscheidung meinerseits verkünden will.

Er meinte ich solle spätestens in zehn Minuten in seinem Büro vorbeikommen, dann hätte er Zeit für das Gespräch mit mir. Nach Ablauf der vereinbarten Zeit stand ich vor seinem Büro und klopfte an. Er bat mich herein und forderte mich auf in seiner Besprechungsecke Platz zu nehmen, er wäre sofort für mich da.

Es dauerte nicht lange und er saß neben mir in der Besprechungsecke. Glücklicherweise hatte ich mir meine Ansprache an den Chef schon so in etwa in meinem Kopf zurechtgelegt und so erklärte ich ihm, ohne groß nachzudenken: „Ich habe nach langer und reiflicher Überlegung eine Entscheidung getroffen, meinen Job in der J. Graf GmbH, ab Besten, mit sofortiger Wirkung aufzu­geben. Mit dem Tod meines Vaters hat es für mich riesige, ungeplante Überraschungen gegeben.

Ich soll als Familienoberhaupt sämtliche Geschäfte als Nachfolger meines Vaters übernehmen und das Familienunternehmen erfolgreich weiterführen, ohne, dass er mich vorher gefragt hatte oder eine Andeutung in diese Richtung gemacht hatte. Ich bin bis dato davon ausgegangen, dass diese Aufgabe nach dem Ableben meines Vaters, meinem Bruder Dieter treffen wird, da er der ältere von uns beiden ist. Immerhin scheint er es doch mit meinem Bruder abgesprochen zu haben, denn dieser hatte keinerlei Einwände als ich ihn davon in Kenntnis gesetzt habe.“

Nach einer kurzen Pause sprach ich weiter: „Ich bitte sie daher, mich mit sofortiger Wirkung ohne Gehaltsfortzahlung freizustellen. Ich will ihnen Thomas als meinen Nachfolger empfehlen. Die endgültige Entscheidung darüber bleibt aber bei ihnen, mit ihm hätten sie zumindest den Vorteil, dass er die Firma lange genug kennt und im Einzelfall auch bei mir nachfragen könnte.“

Er überlegte lange, bevor er zu mir sagte: „Ich habe schon fast so etwas vermutet, als du mir vorher erklärt hast, dass du mich wegen einer wichtigen Entscheidung sprechen willst. Ich hatte zumindest gehofft, dass du uns erst nach Ablauf der üblichen Kündigungsfrist verlassen wirst und nicht von heute auf morgen. Ich lasse dich nur ungern aus meinem Unternehmen ausscheiden, aber mir ist auch klar, dass die Verantwortung, die du damit übernimmst, in Zukunft deine volle Auf­merksamkeit erfordert.

Ehrlich gesagt ich hatte auch nie den Eindruck, dass dein Vater dich jemals als seinen Nachfolger vorgesehen hatte. Es ist nun einmal, so wie es ist, ich werde deinem Wunsch entsprechen und dich mit sofortiger Wirkung aus deinem Arbeitsvertrag entlassen. Was deine Nachfolge in der Firma angeht, hat dein Vorschlag einen gewissen Reiz, wärest du enttäuscht, wenn ich mich anders entscheiden würde?“

Ich schaute ihn an und erklärte ihm: „Nein, wie bereits von mir angedeutet, sollte das nur ein Vorschlag sein, die Entscheidung triffst du allein, es ist immerhin dein Unternehmen.“

Er schaute mich an und fragte mich: „Steht zu befürchten, dass Thomas in kurzer Zeit ebenfalls ausscheiden will, oder kann ich auf längere Sicht mit ihm planen?“

„Ich habe gestern Abend mit Thomas über dieses Thema lange und ausführlich gesprochen, vorerst gibt es keinen vernünftigen Grund, dass er ebenfalls am Projekt Gutshof mitarbeiten will oder soll. Ich haben in den letzten beiden Tagen viel mit meinen Kindern und anderen jungen Leuten gesprochen und die wollen sich im Gutshof mit eigenen Ideen und Vorschlägen einbringen. Ich setze erst einmal auf die Jugend, die ich an diesem Projekt beteiligen will“ erklärte ich ihm.

Ich sprach weiter: „Der bisherige Pächter hat seinen Vertrag zum Jahresende gekündigt und damit war Vaters erster Auftrag an mich, ich solle mich um einen neuen Pächter kümmern. Du hast doch sicher am Freitag auf der Beerdigung mitbekommen, dass eine Frau mit dem Pfarrer eine lautstarke Diskussion geführt hat und kurz danach den Leichenschmaus fluchtartig verlassen hat.

Das war meine homophobe Schwester Gerlinde, die ihren Sohn und damit meinen Neffen Jonas wegen seiner Homosexualität aus dem Haus wirft, sobald er diesen Sommer sein Abitur in der Tasche hat, wobei sie beim Leichenschmaus im Beisein von fremden Menschen erklärt hat, dass sie ihn nie wieder in ihrem Haus sehen will. Er und sein Freund Tim kamen am Mittwochabend wegen der Beerdigung zu uns und haben uns auf Nachfrage ihre Geschichte erzählt, wobei meine Schwester mich vorher angerufen hatte, ob ich Jonas für eine Nacht aufnehmen könnte, da sie nicht genügend Hotelzimmer in Rosenheim bekommen habe.

Seit Samstag habe ich die Gewissheit, dass sie mich bei ihrem Anruf vorsätzlich belogen hat. Die beiden Jungs wollen ab Herbst in Weihenstephan Landwirtschaft und Gartenbau studieren und haben sich mir gegenüber bereit erklärt, mit Unterstützung durch einen Dritten, bereits während ihres Studiums die Landwirtschaft ab Anfang des nächsten Jahres zu übernehmen. Da beide auch Gemüse anbauen und die Produkte ab Hof vermarkten wollen, kam meine Tochter auf die Idee, einen Hofladen mit Café einzurichten.

Philipp kam auf die Idee im alten Gesindehaus so etwas wie ein Landschulheim einzurichten und in den Ferien entweder Familienurlaub auf dem Gutshof oder Kindern aus benachteiligten Familien einen kostenlosen Sommerurlaub anzubieten. Vater hat seine Immobilien, die er in den letzten Jahren auf Mallorca erworben hat und die neuen Wohnungen, für die er bereits mit einem Makler vorverhandelt hat, in eine Art Gesellschaft mit beschränkter Haftung eingebracht, deren Geschäftsführer ich, zusammen mit meiner Mutter, seit mehr als einer Woche bin. Es ist festgelegt, dass diese Firma spätestens mit dem Tod meiner Mutter in eine soziale Stiftung umgewandelt wird, die benachteiligte Kinder vorwiegend in Spanien oder Deutschland unterstützen soll.“

Mit meiner Pause gab ich meinem Chef Johannes die Möglichkeit sich zu äußern, was er auch sofort nutzte: „Sehe ich das richtig, du willst die Arbeit der Jugend überlassen und nur im Hintergrund die Fäden ziehen, im Grunde genommen das, was du hier auch immer gemacht hast in deiner Abteilung.“

Ich grinste und erklärte ihm: „So ungefähr habe ich mir das gedacht, ich behalte das Ganze im Auge und für die Teilprojekte gibt es Verantwortliche aus der jüngeren Generation. Du kennst doch sicher Francesco und sein Café in der Innenstadt, ich glaube wir waren mindestens einmal zum Essen dort mit einem wichtigen Kunden.

Sein Sohn Sebastian ist gelernter Koch und macht zurzeit eine zweite Ausbildung als Hotelkaufmann. Sebastian ist außerdem der Cousin meines Schwiegersohnes Christoph, ihn konnte ich bereits für die Küche des Restaurants und des Landschulheimes gewinnen. Er und seine Freundin, die die Verwaltung des Landschulheims übernimmt, haben uns noch einen jungen Architekten und seine Freundin an Land gezogen, der sich im Gespräch als Sohn meines ehemaligen WG-Mitbewohners während des Studiums herausgestellt hat. Damit habe ich alle Schlüs­selpositionen für die bisherigen Ideen bereits besetzt und kann, wie du so schön sagst, im Hintergrund in aller Ruhe die Fäden ziehen.“

Wieder stoppte ich meine Ausführung und mein Chef sagte bewundernd zu mir: „Du warst ganz schön fleißig in den letzten Tagen, seit deiner Rückkehr aus Mallorca. Alle Achtung, damit ist mir auch klar, warum du sofort aussteigen willst, um dich ab sofort voll auf deine neue Aufgabe zu konzentrieren. Wie schon gesagt, deinem sofortigen Austritt aus der Firma steht von meiner Seite nichts im Wege.

Wir müssen nur in den nächsten Tagen beim Notar die Löschung deiner Prokura beantragen und deinen Nachfolger als neuen Pro­kuristen eintragen. Ich nehme sogar deinen Vorschlag an und werde Thomas zu deinem Nachfolger bestimmen, da er in den letzten Jahren immer deine rechte Hand war, ist er auch aus meiner Sicht bestens geeignet, vor allem, nachdem du bestätigt hast, dass Thomas auf absehbare Zeit nicht im Familienunternehmen mitarbeiten wird.“

Er stand auf, ging ins Vorzimmer zu seiner Sekretärin und bat sie Thomas telefonisch, unter irgendeinem Vorwand, sofort in ihr Büro zu locken und ihn dann zu uns zu bringen.

In der Zwischenzeit bat ich meinen jetzt Ex-Chef, die Nachricht von meinem Austritt aus der Firma, meinen bisherigen Mitarbeitern und Kollegen selbst überbringen zu dürfen. Er stimmte zu, unter der Bedingung, dass Thomas nicht an diesem Gespräch teilnehmen sollte. Ich erklärte ihm, dass ich, wenn er nachher mit Thomas spricht, meinen Leuten die Nachricht überbringen und danach meinen Schreibtisch räumen werde. Seine neue rechte Hand soll Thomas sich selbst suchen und mit ihm abklären.

Es klopfte und nachdem mein bisheriger Chef hereinrief, brachte seine Sekretärin Thomas zu uns ins Zimmer. Er setzte sich zu uns in die Besprechungsecke und Johannes, mein jetzt ehemaliger Chef, erklärte ihm: „Thomas, ich denke Peter hat mit dir bereits ausführlich darüber gesprochen, dass er dich als seinen Nachfolger vorschlagen wird. Ich habe entschieden, dass ich seiner Empfehlung folgen werde und du mit sofortiger Wirkung die Aufgaben von Peter übernehmen wirst.“

Ich gratulierte Thomas zur Beförderung und meinte, ich will bei eurem wichtigen Gespräch über weitere Details nicht weiter stören, ich bin mit sofortiger Wirkung aus der Firma ausgeschieden und Betriebsge­heimnisse haben ab sofort bei mir nichts mehr zu suchen. Ich verabschiedete mich von Johannes und versprach ihm, dass wir uns sicher, in der naher Zukunft, das eine oder andere Mal privat treffen werden.

Auf dem Weg in mein jetzt ehemaliges Büro bat ich die Kolleginnen und Kollegen aus meiner Abteilung zu einer kurzfristig anberaumten Versammlung in den kleinen Bespre­chungsraum neben meinem Büro zu kommen.

Fünf Minuten später war die komplette Mannschaft dort versammelt und ich erklärte ihnen: „Ich bin mit sofortiger Wirkung nicht mehr euer Abteilungsleiter, ich bin auf eigenem Wunsch fristlos aus der Firma ausgeschieden. Ich habe meinem Vater auf seinem Sterbebett das Versprechen gegeben, seine Nachfolge als Familienoberhaupt anzutreten und diese neue Aufgabe kann ich aus zeitlichen Gründen nicht zusätzlich zu meinem Job hier in der Firma ausführen. Ich danke euch allen, für das mir entgegengebrachte Vertrauen und hoffe, dass ihr meinem Nachfolger das gleiche Vertrauen entgegenbringen werdet.“

Unser jüngster Kollege, der noch in der Ausbildung ist, wollte wissen, ob ich denn schon wüsste, wer denn meine Nachfolger werden wird. Ich antwortete ihm wahrheitsgemäß: „Mein Nachfolger sitzt bereits bei Johannes und die beiden besprechen, wie es zukünftig ohne mich weitergehen wird. Ich habe Johannes meinen bisherigen Stellvertreter Thomas als meinen Nachfolger als Abteilungsleiter vorgeschlagen und er war der Meinung, dass Thomas genau der Richtige sei, da er seit Jahren mein Stellvertreter und meine rechte Hand hier im Büro war.

Mit Johannes ist abgesprochen, dass Thomas sich selbst seinen Stellvertreter auswählen wird, ob der von intern kommt oder neu eingestellt wird kann ich euch nicht verraten, ich habe weder mit dem einen noch mit dem anderen über dieses Thema gesprochen. Meinen Ausstand werde ich in nächster Zeit mit euch noch feiern, Thomas wird euch rechtzeitig den Termin nennen, an dem die Feier stattfinden wird. Möglicherweise erst nach meinem nächsten Kurzaufenthalt auf Mallorca, da auch dort noch einiges zu regeln ist. Ich würde mich auf alle Fälle freuen, wenn alle daran teilnehmen könnten.“

Zum Abschied drückte ich jedem die Hand und blieb allein im Besprechungsraum zurück. Ich rief zu Hause an, hatte Philipp am Telefon und bat ihn mir Jonas zu geben, wenn er denn zu Hause sei. Er war mit seinem Tim noch bei uns zuhause und kaum hatte Philipp ihn gerufen sprach er mit mir. Ich fragte nach ihren Plänen für heute und ob es möglich sei, mich in der Firma abzuholen und mit mir zum Gutshof zu fahren. Er meinte er sei spätestens in dreißig Minuten an der Firma und dann fahren wir gemeinsam zum Gutshaus.

Ich ging zurück in mein Büro und setzt mich zum letzten Mal auf meinen Bürostuhl. Ich hatte mich kaum gesetzt als Thomas plötzlich im Zimmer stand und frech meinte: „Ich hoffe du klebst nicht an diesem Stuhl, sonst bin ich meinen neuen Posten als Abteilungsleiter ziemlich schnell wieder los.“

Ich lachte und antwortete ihm: „So knapp dreißig Minuten werde ich noch an diesem Stuhl kleben, bis ich von Jonas und Tim abgeholt werde. Danach gehört er allein dir. Könntest du meine privaten Dinge, die hier im Büro herumstehen, heute Abend mit nach Hause bringen. Dann brauchen Jonas, Tim und ich sie nicht den Rest des Tages durch die Gegend fahren.“

Thomas meinte: „Die dreißig Minuten werde ich sicher noch überleben, aber warum sind wir heute Morgen nicht gleich mit zwei Autos in die Firma gefahren, wenn du jetzt abgeholt werden willst?“

„Heute Morgen war ich noch der Meinung, dass ich den ganzen Tag hierbleiben werde, aber ich habe mich spontan umentschieden und räume meinen Arbeitsplatz sofort. Ich fahre mit den beiden Jungs zum Gutshof, um mit dem Pächter zu sprechen und bei Mutter will ich wegen den Bauplänen vorbei­schauen“ erklärte ich Thomas.

Ich fragte ihn, ob er denn schon wüsste, wenn er als seinen Stellvertreter einsetzen will. Er antwortete mir, dass er sich das bis vorher beim Gespräch mit Johannes überhaupt nicht überlegt hätte. Inzwischen habe er kurz darüber nachgedacht, aber bisher sei er noch zu keiner Entscheidung gekommen.

Thomas will noch Gespräche mit zwei oder drei Kolleginnen und Kollegen führen und sich im Laufe das nachmittags entscheiden. Im Übrigen, du brauchst beim Notartermin für die Löschung deiner Prokura nicht anwesend sein, es reicht, wenn Johannes mit dem neuen Prokuristen diesen Termin wahrnimmt.

Mit unserer zwanglosen Plauderei verging die Zeit so schnell, dass ich mich von Thomas bis heute Abend verabschiedete und die Firma endgültig verließ. Das glaubte ich zumindest in diesem Moment.

Die Kollegin vom Empfang nahm mich zum Abschied noch einmal in ihren Arm und meinte, dass es schade sei, wenn ein so guter Mann die Firma verlässt. Sie hätte aber schon gehört, dass ich zukünftig das Familienoberhaupt wäre und die neuen Aufgaben meine ganze Aufmerksamkeit erfordern. Sie wünschte mir viel Glück bei meinen neuen Aufgaben im Familienunternehmen.

Draußen vor der Tür warteten bereits Jonas und Tim auf mich. Ich stieg zu den zwei Jungs ins Auto, Tim hatte extra den Beifahrersitz für mich freigehalten, und ich begrüßte die Beiden. Zusammen fuhren wir auf den Gutshof, um uns mit Mutter und dem Pächter zu treffen. Um diese Tageszeit war es ruhig auf den Straßen und je näher wir zum Gutshof kamen, wurden es noch weniger Fahrzeuge.

Wir parkten direkt vor dem Gutshaus und meine Mutter erwartete uns bereits, wobei ich mich wunderte, woher sie wusste, dass wir kommen würden. Sie klärte das Ganze auch sofort auf und gestand, dass sie vorher mit Philipp telefoniert hatte und er ihr verraten hatte, dass wir auf dem Weg zum Gutshof seien.

Mein Smartphone klingelte und ich sah, dass Philipp mich zu sprechen wünschte. Ich entschuldigte mich kurz, ging ein paar Schritte zu Seite und nahm das Gespräch an. Philipp erklärte mir, dass der Vorgang mit der Beschaffung der Domain gutshof-sonneneck.de erledigt sei und sie jetzt an die Einrichtung der Mailadressen und des Speichersystems gingen. Er erklärte mir, dass der Zugriff auf die Daten und den Mailserver über ein virtuelles privates Netzwerk geregelt werden soll. Es gäbe zwei Möglich­keiten, zum einen bei jedem auf seinem privaten Rechner das Netzwerk einrichten oder für alle Projektbeteiligten Notebooks zu besorgen, damit sie ihre Aufgaben damit erfüllen könnten.

Ich fragte ihn, was die Anschaffung dieser Geräte in etwa an Kosten verursachen würde und wie schnell sie diese kleinen Notebooks beschaffen könnten. Marcus, der scheinbar mitgehört hatte erklärte aus dem Hintergrund, wir haben uns bereits umgeschaut und ein Notebook gefunden, das alle notwendigen Voraussetzungen mitbringt. Es würde bei einer Menge von etwa zehn Stück, die wir benötigen, bei knapp sechshundert Euro liegen und diese wären bei einem EDV-Großhändler in der Stadt innerhalb zwei Stunden zur Abholung bereit.

Ich beauftragte sie, zwölf Geräte zu bestellen und versprach bei unserer Rückfahrt in die Stadt die Geräte abzuholen, sie sollten mir nur die vollständige Anschrift des Händlers in einer Kurznachricht übermitteln und ihm mitteilen, dass die Geräte im Laufe des Nachmittags abgeholt würden.

Ich ging zurück zu Mutter und den Jungs und erzählte ihnen kurz was ich mit Philipp und Marcus besprochen habe und dass wir auf dem Rückweg noch die neuen Notebooks für alle bei einem Großhändler in der Stadt abholen werden. Jonas schaute mich an und wollte wissen, ob er auch ein Notebook erhalten würde.

Ich erklärte ihm, dass sowohl er als auch Tim jeweils eines bekommen, damit sie jederzeit auf alle Unterlagen für den Umbau des Gutshofes zugreifen könnten, die ja zentral auf einem Datenspeicher gelagert werden. Tim wollte sich schon bedanken, aber ich wehrte ab mit der Begründung, dass dies keine Geschenke seien, sondern für ihre zukünftige Aufgabe als Arbeitsmittel des Familienunter­nehmens zur Verfügung gestellt werden und auch im Vermögen des Familienbe­triebes verbleiben.

Ich erklärte Mutter, dass wir zuerst ein Gespräch mit dem Pächter führen wollen und ob sie wisse, wo wir ihn finden können. Sie meinte, sie hätte ihn zuletzt gesehen als er das Verwalterhaus betreten hätte. Wir drei gingen rüber zum Haus des Verwalters und klingelten. Die Frau des Pächters öffnete uns und ich erklärte ihr, dass wir ihren Mann sprechen wollen. Sie führte uns in sein Büro, wo er am Schreibtisch saß und seinen Computer mit Daten fütterte.

Als er uns erblickte, bat er uns Platz zu nehmen und ihn kurz noch seine restlichen Eingaben durchführen zu lassen. Jonas, Tim und ich setzten uns an einen kleinen Besprechungstisch für vier Personen und warteten auf den Verwalter. Nach kurzer Wartezeit stand er auf und setzte sich zu uns an den Tisch mit der Frage: „Was kann ich für sie tun meine Herren?  Und bitte keine Förmlichkeiten, ich bin Josef oder wie es bei uns im bayrischen so schön heißt der Sepp. Die Jungs, die sich bereits gestern bei ihm vorgestellt hatten, kannte er bereits mit ihrem Vornamen und ich erklärte kurz und bündig, dass ich Peter sei.

Danach erläuterte ich ihm den Grund unseres heutigen Besuches. Seit gestern steht fest, dass die beiden langfristig den landwirtschaftlichen Betrieb des Gutshofes leiten werden und zusätzlich noch einen Gemüseanbau auf die Beine stellen wollen. Sie beginnen im Herbst mit ihrem Studium in Weihenstephan, sollen sich bereits in den nächsten Monaten, vor allem nach ihrem Abitur im Juni, mit der Übernahme vertraut machen.

Hinzu kommen noch die beiden Spanier, die er vorgestern ebenfalls bereits kennengelernt hatte, die jedoch erst ab Januar des kommenden Jahres zur Verfügung stehen. Wir wollen von ihm wissen wieviel Personal er beschäftigt und ob diese bereits davon informiert sind, dass er zum Jahresende aus dem Pachtvertrag aussteigt.

Sepp erklärte uns, dass er derzeit vier fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt, die er bereits über seine Kündigung des Pachtvertrages unterrichtet hat. Sie haben ihn schon gefragt, ob ihre Arbeitsverträge mit seinem Ausstieg automatisch enden werden, was er ihnen auch so bestätigt hat. Zur Erntezeit waren in den letzten Jahren zudem bis zu dreißig Saisonarbeitern beschäftigt.

Ich erklärte ihm, dass wir seine festangestellten Mitarbeiter alle übernehmen werden, da zum einen die beiden Jungs während ihres Studiums nur zeitweise zur Verfügung stünden und wir ansonsten erst wieder neue Mitarbeiter suchen und einstellen müssten. Er kann zusätzlich davon ausgehen, dass auch die Erntehelfer in den kommenden Jahren ihren Job weiterhin behalten werden.

Ich bat ihn deshalb, seine Mitarbeiter zu einem kurzen Gespräch herzubitten, wobei er meinte, dass sei nicht extra notwendig, da alle gegen halb zwölf sowieso hier im Büro zu einer wöchentlichen Arbeitsbesprechung zusammenkommen. Wir ließen uns von ihm erklären was er in den letzten Jahren alles unternommen hat, um die Landwirtschaft auf ökologischen Anbau umzustellen.

Ich wollte von ihm noch wissen mit welchen technischen Hilfsmitteln und Computerprogrammen er arbeite, um den Betrieb zu führen. Für die Details würde ich gerne ein Gespräch mit meinem Sohn Philipp und seinem Freund Marcus vereinbaren, die zukünftig die Betreuung der einzusetzenden IT über­nehmen würden. Zuletzt erzählte ich ihm, welche weiteren Pläne wir für die Umgestaltung und Nutzung des Gutshofes wir bereits erarbeitet haben.

Nachdem ich geendet hatte, erklärte er: „Da habt ihr euch aber einiges vorgenommen, wobei die Idee mit dem Hofladen hatte ich auch, konnte sie aber Mangels Personal nie umsetzen. Die Kombination, dass mit einem kleinen Café zu verbinden, finde er sogar besser als nur einen reinen Hofladen.“

Wir sprachen noch über das eine oder andere, bis sein vier Mitarbeiter zur angekündigten Arbeitsbesprechung eintrafen. Sie brachten vier Klappstühle mit und setzten sich zu uns an den Tisch.

Sepp erklärte seinen Mitarbeitern: „Unsere Besprechung wird heute kürzer ausfallen als sonst, ich will euch als Erstes das neue Familienoberhaupt des Gutshofes vorstellen. Peter hat mit dem Tod seines Vaters Walter die Verantwortung für den Familienbetrieb und damit auch für den Gutshof übernommen. Ursprünglich hatte ich mit Walter zwar besprochen, dass er einen neuen Pächter für den Gutshof suchen wird, aber Peter hat neue und geänderte Pläne.

Der Gutshof wird zukünftig von seinem Neffen Jonas und dessen Freund Tim, als Teil des Familienbetriebes geleitet. Die beiden wollen weiterhin die Landwirtschaft, so wie wir sie gemeinsam in den letzten Jahren aufgebaut haben, beibehalten und zusätzlich einen Teil der Flächen für den Gemüseanbau verwenden. Hinzu kommen noch die beiden Spanier, die ihr vorgestern bereits kennenlernen konntet, als ich sie durch den Gutshof führte.“

Er legte eine Pause ein, um seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, Rückfragen zu stellen. Ich nutzte die Gelegenheit und sprach zur versammelten Mannschaft: „Da die beiden in den nächsten Jahren zuerst ihr Studium absolvieren und dabei hier im Gutshof praktische Erfahrungen sammeln, werden sie in alle Entscheidungen mit eingebunden, die kaufmännische Verantwortung wird vorerst dennoch bei mir liegen.

Ich habe Sepp gegenüber bereits erklärt, dass wir alle Mitarbeiter übernehmen wollen, sofern sie dies wünschen. Sollte einer ein Problem damit haben, dass die beiden Jungs schwul sind oder dass ihr zukünftige Boss mit einem Mann zusammenlebt, steht es jedem frei sich anderweitig umzusehen. Ich persönlich würde es zwar bedauern, könne aber an der Entscheidung jedes Einzelnen nichts ändern.“

Sie sahen mich und die Jungs an, bis der Älteste von ihnen, der sich als Christian vorstellte, erklärte: „Ich habe grundsätzlich kein Problem mit dem Privatleben meines oder meiner Chefs, solange das Betriebsklima nicht darunter leidet und soweit ich meine Kollegen kenne, ist es bei ihnen ebenso.“

In die eintretende Stille meldete sich der jüngste Mitarbeiter von Josef und erklärte uns: „Ich kann gar nichts gegen Schwule sagen, da ich selbst zu dieser Minderheit gehöre und ich hoffe, dass sich nichts an eurem kollegialen Verhalten mir gegenüber ändert, nachdem ich euch jetzt das erzählt habe.“

Christian meinte dazu: „Wie, Daniel, du bist schwul, davon habe ich bis heute nichts gemerkt und ich denke unseren beiden Kollegen geht das ebenso. An meinem Verhalten dir gegenüber wird sich nichts ändern, du bist für mich ein zuverlässiger Arbeitskollege, der seine Aufgaben genauso wichtig nimmt wie wir anderen.“

Ich hatte bemerkt, dass Daniel mit sich gekämpft hatte, bevor er sich seinen Kollegen und uns gegenüber geoutet hat. Auf der anderen Seite konnte ich nach den Ausführungen von Christian fest­stellen, dass sich eine gewisse Erleichterung in ihm breit machte, dass es für ihn damit ohne größere Probleme abgelaufen war.

Ich wollte von Daniel wissen, ob er einen festen Freund habe oder ob er noch zu haben sei. Daniel erklärte uns: „Ich habe zwar einen Freund, aber ob es wirklich was Festes ist, kann ich nicht mit Sicherheit behaupten. Er hat sich gegenüber seiner Familie bisher nicht geoutet, während meine Eltern und Geschwister über mich Bescheid wissen und ihn auch bereits kennengelernt haben.

Vielleicht hilft es ihm, wenn ich ihm erkläre, dass ich zukünftig schwule Chefs haben werde, wenn nicht dann bleibt mir nur die Möglichkeit, mich von ihm zu trennen, denn ein lebenslanges Versteckspiel seinetwegen, ist nicht unbedingt meine Sache.“

Jonas meldete sich zu Wort und erklärte Daniel: „Das solltest du schnellstens tun, um Klarheit zu erhalten. Ich gehöre zu denen, bei dem die eigene Mutter mich für lebensunwert hält, seit ich meine Familie über mich aufgeklärt habe. Mein Vater und meine beiden Geschwister stehen dagegen voll hinter mir. Meine Mutter hat mir vor einiger Zeit erklärt, wenn ich mein Abitur in der Tasche habe, ich für immer aus ihren Augen verschwinden soll.

Tims Eltern und Peter haben angeboten mir zu helfen. Bis zum Abitur werde ich ab sofort bei Tims Familie wohnen und dann zum Studium zusammen mit Tim hierherziehen. Onkel Peters Hilfe besteht darin, dass er uns beiden langfristig die Verantwortung für den landwirtschaftlichen Teil des Guts übergeben will und wir gleich­zeitig eine neue Heimat für uns gefunden haben, in der wir hoffentlich auf Dauer glücklich sein können.“

Mir wurde bewusst, dass Jonas durch seine Offenheit, seinen zukünftigen Kollegen und Mitarbeitern gegenüber, einige Pluspun­kte bei diesen gesammelt hatte. Ich fragte noch einmal in die Runde, ob alle bleiben wollen und ob sie zukünftig eher im landwirtschaftlichen Teil oder im neuen Gartenbaubetrieb mitarbei­ten wollen.

Bis auf Daniel erklärten die anderen sich dazu bereit im landwirtschaftlichen Bereich verbleiben zu wollen. Daniel hingegen erzählte uns, dass er ursprünglich eine Lehre in einem Gartenbaubetrieb machen wollte, sich mangels Gelegenheit dann für die Landwirtschaft entschieden habe. Er wollte ursprünglich seine Ausbildung im Betrieb der Eltern seines Freundes machen, die Gemüseanbau betreiben. Um seinen Freund nicht in Schwierigkeiten zu bringen, habe er auf eine entsprechende Ausbildung dort verzichtet.

Ich bat ihn, im Anschluss an ihre Besprechung, zu einem persönlichen Gespräch im Beisein von Jonas und Tim, dem er sofort zu­stimmte. Damit war unsere Vorstellung als neuer Eigentümer beendet. Ich verließ mit Jonas und Tim den Raum und wir gingen zum Gutshaus zurück. Ich bat Mutter um die Schlüssel für das alte Gesindehaus, um mir dort einen ersten Ein- und Überblick zu verschaffen.

Während sie ins Haus ging, um die Schlüssel zu holen, sah ich, dass die Arbeitsbesprechung schon zu Ende war und Daniel auf dem Weg zu uns war. Fast gleichzeitig mit Mutter stand er bei uns. Mutter übergab mir die Schlüssel und bat uns vorsichtig zu sein, da sie nicht genau wüsste, wie der Zustand des Hauses sei.

Ich bat Daniel uns zum Gesindehaus zu begleiten, ich sagte zu ihm: „Wenn ich das alles richtig verstanden habe, lebt er bisher noch zu Hause bei seinen Eltern und Geschwistern. Er nickte nur und damit war der Punkt geklärt. Des Weiteren gehe ich davon aus, dass die Eltern seines Freundes einen Gartenbaubetrieb besitzen, den sein Freund eines Tages erben würde, was er wieder mit nicken bestätigte. In genau dieser Konstellation liegt das Problem mit eurer Liebe, wieder nickte er nur.

Ich fragte ihn, ob es ihm möglich sei, heute Abend zusammen mit seinem Freund bei uns privat vorbeizukommen, ich würde mich gerne mit ihnen beiden unterhalten und versuchen ihnen bei ihrem Problem zu helfen, wenn es denn möglich sei. Außerdem seien sie gleichzeitig zum Abendessen bei uns eingeladen.

Er sagte mir zu, mit seinem Freund Manuel zu uns zu kommen und ich überreichte ihm meine Visitenkarte mit meiner Anschrift und der Telefonnummer, unter der er mich notfalls erreichen könnte, wenn es Probleme geben sollte.

Daniel ging zurück an seine Arbeit, genauer genommen in seine Mittagspause, während ich mit Jonas und Tim ins alte Gesindehaus eintrat. Der erste Eindruck, den ich hatte, war die Erkennt­nis, dass ich schlimmeres befürchtet hatte. Es bröckelte weder Putz von den Wänden, noch waren die Wände feucht oder schimmelig. Auch die ersten Zimmertüren ließen sich ebenfalls problemlos öffnen. Ich gewann den Eindruck, als hätte Vater in der Vergangenheit immer wieder Geld für werterhaltende Maßnahmen in das Gebäude gesteckt, obwohl es die ganzen Jahre leer gestanden hat.

Mit etwas Glück würde der Umbau sogar günstiger kommen als das, was ich in einer ersten groben Schätzung erwartet hatte. Wenn noch mehr von diesen positiven Über­raschungen auftauchen, hätte ich nichts dagegen einzuwenden, das würde die Kosten nicht unnötig in die Höhe treiben, sondern sie eher reduzieren.

Wir gingen nach oben in die erste Etage, auch hier das gleiche Bild wie bereits im Erdgeschoß. Da wir unten nur die Gemeinschaftsräume inspiziert hatten, öffneten wir einige der Räume und auch hier zeigten sich keinerlei Spuren des langen Leerstandes. Ich ersparte uns die Überprüfung der zweiten Etage, ich ging einfach davon aus, dass dort die gleichen Verhältnisse vorherrschen wie in den beiden besichtigten Etagen.

Gemeinsam verließen wir das Gesindehaus und gingen ins Gutshaus zu Mutter. Ich übergab ihr wieder die Schlüssel vom Gesinde­haus, die sie ans große Schlüsselbrett hängte. Mit Mutter zusammen gingen wir ins ehemalige Büro meines Vaters im Gutshof, der einzige Raum im ganzen Haus, den ich selbst heute noch mit negativen Erinnerungen betrete.

Der Raum sah noch genauso aus, wie ich ihn aus meiner Kindheit in Erinnerung hatte, hier hatte sich nicht viel geändert. Was sich in den vorhandenen Aktenschränken verbirgt hatte mich bis heute nie besonders interessiert, es waren immer Vaters Unterlagen, die ich immer mit seiner Tätigkeit auf dem Gutshof in Verbindung brachte.

Im ersten Schrank, den ich öffnete, fand ich teilweise uralte Geschäftsbücher, die noch aus Ur-Ur-Großvaters Zeiten stammen mussten, bis hin zu den Büchern der letzten Jahre, in denen mein Vater den Gutshof bewirtschaftete. Der zweite Schrank war gut gefüllt mit Personalakten, die ebenfalls teilweise etwa einhundert Jahre zurückreichten.

Erst im dritten Schrank, den ich öffnete, wurde ich fündig. Im unteren Drittel fand ich jede Menge Pläne, sogar diejenigen aus den letzten Jahren, aus denen die Neu-, Um- und Anbauten hervorgingen. Die Pläne von den letzten Umbauten im Gutshaus und im Gesindehaus waren fein säuberlich dokumentiert.

Ich zückte mein Smartphone und rief Jason an, um ihm von unseren Funden im Gutshaus zu berichten. Er wollte wissen, wie lange wir noch draußen auf dem Gutshof seien, er würde umgehend vorbeikommen und die alten Planunterlagen auf Brauchbarkeit sichten. Da ich noch mit Mutter sprechen wollte, erklärte ich ihm, dass wir sicher noch mehr als eine Stunde hier sein werden. Er verabschiedete sich und versprach sich zu beeilen.

Während ich mit Mutter im Büro blieb, besichtigten die beiden Jungs, Jonas und Tim die oberen Etagen des Gutshauses. In der Zwischenzeit erzählte ich Mutter, dass der Bauzustand des Gesinde­hauses einen soliden Eindruck bei mir hinterlassen hätte, da Vater scheinbar immer wieder werter­haltende Baumaßnahmen durchgeführt hätte.

Danach sprach ich das Thema Daniel an, den jungen Mann, der vorher zu uns gekommen war. Ich erzählte ihr, was ich bisher von ihm wusste oder was ich durch meine Vermutungen gegenüber Daniel herausbekommen hatte. Als ich auf Daniels Freund zu sprechen kam, dass er wohl der Erbe eines Gartenbaubetriebes in der näheren Umgebung sei, schmunzelte sie und meinte, dass das nur der alte Winter sein könne.

Ich fragte sie, ob sie diesen Mann näher kenne. Sie verneinte und erzählt mir nur, dass der Vater sicher schon um die fünfundsechzig sei. Er hatte sehr spät geheiratet und deswegen seien seine Kinder allerhöchstens fünf­undzwanzig bis dreißig Jahre alt. Einige seiner Anbauflächen für das Gemüse grenzen teilweise direkt an unsere Grundstücke im Westen an. Wenn die Möglichkeit besteht mit seinem Sohn eine Vereinbarung für eine gemein­same Vermarktung der Gemüseprodukte zu treffen, könnten beide Seiten davon profitieren.

Ich hörte draußen einen Wagen vorfahren, stand auf und ging nach draußen. Als erster stieg Jason aus seinem Auto, auf der Beifahrerseite öffnete sich ebenfalls die Tür und Jasons Vater Maximilian stieg aus dem Fahrzeug. Ich ging auf die beiden zu, begrüßte zuerst Jason, um mich dann voll auf Maximilian zu konzentrieren.

Ich schaute ihn an und wartete darauf, ob er mich erkennen würde, gut es war rund dreißig Jahre her, dass wir uns zuletzt gesehen hatten und wenn Jason nicht erwähnt hatte, mit wem er sich da treffen will, dann war die Überraschung auf meiner Seite. Ich begrüßte ihn mit „Hallo Max, wie geht’s, wir haben uns lange nicht mehr gesehen.“

Er schaute mich verwundert an, bis ihm so langsam dämmerte wer da vor ihm stand. „Du Peter, wirklich, wir haben uns seit meinem überhasteten Auszug aus der Wohngemeinschaft nicht mehr getroffen. Wie bist du auf meinen Sohn gekommen, dass er als Architekt für deine Pläne in Frage kommen könnte?“

Ich antwortete ihm: „Nicht ich bin auf die Idee gekommen, die Tochter deines Nachbarn Huber, Alexandra hat mir Jason und Jennifer empfohlen. Sie ist doch mit einem Sebastian befreundet und der wiederum ist der Cousin meines Schwiegersohnes Christoph. Du siehst, dass da mehrere Zufälle im Spiel waren.

Aber ihr seid sicher nicht zum Plaudern gekommen, euch interessieren eher die vorhandenen Pläne von allen Gebäuden am Gutshof, vor allem von denen die umgebaut oder renoviert werden sollen. Folgt mir ins Büro meines verstorbenen Vaters.“

Mutter saß immer noch im Büro und hatte auf uns gewartet, wobei, sie war nicht mehr allein, Jonas und Tim waren von ihrer Entdeckungstour im Gutshaus wieder zurück. Ich stellte Maximilian als meinen ehemaligen Mitbewohner in der Wohnge­meinschaft während des Studiums vor und Jason als seinen Sohn, der als Architekt unsere Um- und Anbauarbeiten, sowie alle Erweiterungen rund um den Gutshof begleiten wird.

Ich bat die beiden zum Schreibtisch und zeigte ihnen unsere Funde, die ihnen für die Planung helfen könnten. Maximilian zeigte sofort seine Begeisterung für die alten Unterlagen und meinte, dass die gefundenen Pläne eine hervorragende Grundlage für die weitere Planung seien. Jason war weitaus weniger angetan von den alten Plänen, er gehörte bereits zu der Generation von Architekten, für die von Hand gezeichnete Baupläne zu einer längst vergangenen Epoche gehören.

Nach etwas mehr als einer Stunde packten Maximilian und Jason die ersten Pläne, die sie für ihr weiteres Vorgehen benötigten, zusammen und verabschiedeten sich.

Jonas, Tim und ich verabschiedeten uns von Mutter und wir fuhren in die Stadt zurück. Wie mit Philipp und Marcus vereinbart fuhren wir noch im Computerladen vorbei und holten die Note­books und die sonstigen bestellten Geräte ab. Während ich zahlte, trugen die beiden Jungs bereits die Einkäufe zum Fahrzeug und luden sie ein. Danach ging es auf fast direktem Weg nach Hause, nur bei einer Konditorei stoppten wir kurz und besorgten noch Kleingebäck zum Kaffee.

Zuhause räumten wir zusammen das Auto aus und übergaben die technischen Geräte an Philipp und Marcus, die bereits Kaffee gekocht hatten. Da sie bereits in der Essecke gedeckt hatten setzten wir uns an den Tisch und während wir den Kaffee tranken und die gekauften Gebäckteile verzehrten, erklärte ich Marcus und Philipp, dass wir heute Abend noch Gäste erwarten. Ich meinte, bei dem schönen Wetter könnten wir grillen und draußen auf der Terrasse essen, während ich mit Daniel und Manuel die geplanten Gespräche führen.

Marcus meinte, es wäre vielleicht besser, wenn wir dann doch noch Einkaufen gehen würden, zum Grillen wäre nicht genügend im Haus. Jonas meinte, er würde mit mir zum Einkaufen fahren und Tim könnte Marcus und Philipp mit den Notebooks helfen, da er der Computerfreak von ihnen beiden sei. So fuhr ich mit Jonas zum Einkaufen in die Metzgerei und zum Supermarkt, während die Drei zuerst in der Essecke für Ordnung sorgten und sich danach um die Notebooks kümmerten, um sie für ihren Einsatz für unsere Gutshof-Truppe einzurichten.

Wir besorgten Grillfleisch, Würstchen, Salate und verschiedene Baguette für den Grillabend. Jonas meinte, dass wir vielleicht auch noch alkoholfreie Getränke mitnehmen sollten, vor allem für die Beiden, die später noch nach Hause fahren mussten. Er und Tim würden heute auch lieber alkoholfreies bevorzugen.

Während der Rückfahrt fragte er mich, was ich mir von dem Gespräch versprechen werden. Ich erklärte ihm, dass ich mir erstmal alles anhören will und danach darüber nachdenken will, welche Lösungen sich anbieten werden. In etwa das gleiche Vorgehen, wie ich es bei ihnen getan hätte.

Zuhause angekommen, schleppten wir unsere Einkäufe in die Küche, wo uns Tim und Thomas bereits erwarteten, um mit den Vor­bereitungen für den Grillabend zu beginnen. Ich fragte Thomas, wie es ihm heute im Büro ergangen sei, nachdem ich mich zurückgezogen hatte und wen er endgültig als seinen Stellvertreter bestimmt hat.

Thomas erzählte kurz, dass er die Stellvertreterfrage kurzfristig vertagt hat, da er mit den dafür in Frage kommenden Mitarbeitern erst persönliche Gespräche führen will, zu denen er heute nicht die nötige Zeit hatte, und danach eine Ent­scheidung treffen will. Viele Kollegen wollten wissen, warum du so kurzfristig ausgestiegen bist, noch dazu mit Zustimmung des Geschäfts­führers.

Thomas hat ihnen erklärte, dass die privaten Veränderungen, die nach dem Tod meines Vaters auf uns zugekommen sind, unsere bisherigen Pläne für die nächsten Jahre vollständig über den Haufen geworfen hätten. Im Moment sei meine volle Aufmerksamkeit auf meine neue Aufgabe erforderlich. Vor allem, nachdem du dich auch noch kurzfristig intensiv in die Planung für die Umgestaltung des Familienunternehmens gestürzt hast, war dieser Schritt mehr als nur notwendig. Ansonsten haben sie zumindest kein Problem damit, dass du mich als deinen Nachfolger vorgeschlagen hast.

Ich ließ die drei allein in der Küche zurück, nachdem die Haustürglocke unsere Besucher ankündigte. Ich öffnete die Tür und sah Daniel mit seinem Freund vor mir stehen. Ich begrüßte die Beiden herzlich und bat sie ins Haus. Mit den beiden im Schlepptau ging ich nochmal in die Küche, stellte Thomas unsere beiden Besucher vor, die sowohl ihn als auch Tim und Jonas herzlich begrüßten.

Wir gingen weiter auf die Terrasse, wo wir es uns auf der kleinen Lounge Garnitur gemütlich machten. Ich fragte, ob sie etwas zum Trinken haben wollen. Da sie verneinten, meinte ich, dass wir dann direkt mit unserem Gespräch beginnen könnten.

Zuerst sprach ich Manuel an: „Manuel, so wie ich das bis jetzt sehe bist du der bisher nicht geoutete Freund von Daniel, der Sohn des Gartenbauunternehmers Fritz Winter und befürchtest, wenn du dich deinen Eltern gegenüber als Schwuler zu erkennen gibst, dass dein Vater dich enterben und vor die Tür setzen wird.“

Sowohl Manuel als auch Daniel schauten mich verwundert an und Manuel bestätigte meine Vermutungen, wollte aber sofort wissen, woher ich diese Information habe, dass er der Sohn des Gartenbauunternehmers sei, da Daniel nach seiner Aussage ihm gegenüber höchstens den Vornamen genannt hätte.

Ich erklärte ihn: „Keine Angst, Daniel hat wirklich nichts ausgeplaudert, ich hatte heute Mittag noch ein längeres Gespräch mit meiner Mutter, die meinte, dass du nur der Sohn von Familie Winter sein kannst. Sie erzählte mir auch, dass einige eurer Grundstücke direkt an unsere Flächen angrenzen würden.“

„Stimmt“ bestätigte Manuel, so habe ich ja auch Daniel wieder näher kennengelernt, der sich vorher bei meinem Vater um eine Lehrstelle bemüht hatte. Bei Arbeiten auf den Gemüsefeldern sah ich Daniel danach das erste Mal wieder, der auf einer der angrenzenden Flächen des Gutshofes arbeitete.

Wir kamen ins Gespräch und einige Wochen später hatte ich endlich den Mut, Daniel gegenüber zu erklären, dass ich mich in ihn verliebt hätte. Ich wusste, dass Daniel auf Jungs steht, seit unserer gemeinsamen Schulzeit, nur damals war ich zu feige, ihm meine Liebe zu gestehen. Seit dieser Zeit treffen wir uns immer nur bei ihm oder in der Öffentlichkeit, zu mir nach Hause, habe ich mich bisher nie getraut, ihn mitzunehmen.“

Daniel ergänzte: „Ich hatte mich schon während unserer Schulzeit in Manuel verknallt, aber mich auch nie getraut etwas zu ihm zu sagen. Deshalb war ich auch sehr glücklich, als er mir, Jahre später, seine Liebe gestand. Dass wir uns immer nur heimlich bei mir treffen können, war anfangs auch kein Problem für mich, aber inzwischen hat sich unsere Liebe genügend vertieft und gefestigt, ich will zukünftig noch offener damit umgehen.“

Da die Beiden schwiegen, fragte ich mit einer Feststellung: „Manuel, du bist zu Hause nicht geoutet, wie stellst du dir eine ge­meinsame Zukunft mit deinem Daniel vor? Willst du warten bis dein Vater eines Tages gestorben ist, um ab diesem Zeitpunkt erst mit Daniel richtig glücklich zu werden?

Was würde geschehen, wenn Daniel dir jedoch vorher erklärt, dass er diese Heimlichkeiten nicht länger ertragen kann und sich deshalb dauerhaft von dir trennen will, so wie Jonas und Tim ihm das heute Mittag bereits gera­ten ha­­ben? Entweder du bekennst dich zu deinem Daniel, auch wenn schwerwiegende Probleme damit verbunden sind, die ihr sicher gemeinsam oder notfalls mit fremder Hilfe lösen könnt.“

Während ich sprach, sah ich Thomas, der den Grill anheizte und Tim und Jonas, die bereits den Tisch deckten. Daniel fragte mich, wieso dort für acht Personen gedeckt wird, er dachte wir wären nur zu sechst. Ich klärte die beiden auf, dass mein Sohn Philipp und sein Freund Marcus ebenfalls mit uns Essen, sie seien oben in ihren Räumen und würden gerade die neuen Laptops für die Projektgruppe Gutshof Sonneneck vorbereiten und die VPN-Zugänge einrichten.

Ich nutzte die Gelegenheit und sprach wieder mein Hauptanliegen mit den beiden an: „Manuel, wie könnte deiner Meinung nach, dein Vater reagieren, wenn du ihm vor die Tatsache stellst, dass er von dir keine Enkelkinder zu erwarten hat, weil du dich in einen Jungen verliebt hast?“

Er antwortete mir: „Ich kann es dir nicht wirklich sagen, wie er darauf reagieren wird, aber so wie ich ihn aktuell ein­schätze wird er mich möglicherweise sofort aus dem Haus und der Firma werfen. Sein Problem ist nur, dass er außer mir, keinen weiteren Nachfolger hat, der die Firma übernehmen kann und will. Meine beiden älteren Geschwister kommen als Nachfolger nicht mehr in Frage, da beide studiert haben, aber nichts was in Richtung Gemüse- und Gartenbau geht und wenn er die Firma verkauft, dann gehe ich endgültig leer aus.“

Ich wollte ihn jetzt bewusst provozieren und fragte ihn: „Was ist dir in deinem Leben wichtiger, dein Erbe oder dein Liebe zu Daniel? Wenn ich es richtig sehe, will Daniel nur dich, er ist nicht an deinem Geld oder deinem Erbe interessiert, sicher nimmt er dich auch mit deinem Erbe, er würde sogar bei dir im Betrieb mitarbeiten, aber nur wenn du dich eindeutig für ihn entscheiden könntest.“

Tim kam zu uns und meinte wir können gleich essen, wir sind so weit fertig mit den Vorbereitungen und Thomas hat bereits Fleisch zum Braten auf den Grill gelegt. Jonas holt gerade noch Marcus und Philipp von oben.

Ich sagte zu Tim: „Wir kommen sofort, ich will nur noch kurz mit den beiden das Gespräch beenden.“ An Daniel und Manuel gerichtet „Ihr habt gehört, wir können jetzt essen. Wir reden nach dem Essen noch weiter, dann aber in einer größeren Runde.“

Manuel meinte: „Sehe ich das richtig, ihr seid alle Pärchen und lebt zusammen? Daniel hatte mir nur erzählt, dass Tim und Jonas ein Pärchen seien und sein zukünftiger Chef, schwul sei. Ich dachte, dass einer der beiden Jungs sein neuer Chef wird, ich bin jedoch überrascht, jetzt drei Pärchen hier anzutreffen, vor allem, dass du sein neuer Chef bist und selbst schwul bist, davon bin ich überhaupt nicht ausgegangen.“

„Na ja, Daniel wusste nicht alles, dafür war unser Gespräch heute Mittag viel zu kurz“ erklärte ich Manuel und sprach weiter: „Jetzt lasst uns zu den anderen gehen und in Ruhe essen.“

Während des Essens erzählten Marcus und Philipp, dass sie die ersten Notebooks bereits fast fertig hätten und ich morgen früh bereits mein Exemplar in Betrieb nehmen könnte. Thomas wollte wissen was wir da wieder ausgeheckt hatten, ich meinte nur, wir haben neue Notebooks für alle besorgt, die von Marcus und Philipp so eingerichtet werden, dass alle auf die Daten für die Planung zum Gutshof zurückgreifen können.

Ich erzählte in Kurzform Daniel und Manuel und auch Jonas und Tim, wie Thomas und ich zusammengekommen sind, wie wir anfangs heimlich zusammen in einem Bett geschlafen haben, wobei Thomas morgens immer rechtzeitig ins Gästezimmer zurück ist, wenn er am Wochenende bei uns übernachtete.

Philipp erzählte den Jungs wie er Thomas und mich eines Sonntags zusammen in einem Bett erwischt hatte, nachdem er im Gästezimmer Thomas nicht gefunden hatte, als er ihn zum Frühstück aufwecken wollte. Dabei erwähnte er, dass seine Schwester bei der ganzen Aktion dabei war. Während er diese erzählte, beobachtete ich Daniel und Manuel, die sich amüsierten und so nebenbei noch mehr über mich und meine Familie erfuhren.

Philipp wollte irgendwann wissen, ob wir alle satt seien und sie den Tisch abräumen könnten. Da alle satt waren und keiner weiter essen wollte, räumten unsere vier Jungs den Tisch ab, während ich mit Thomas bei Manuel und Daniel sitzen blieb. Thomas wollte jetzt von mir wissen, warum ich die beiden eingeladen habe.

Die Frage wollte Daniel beantworten und erklärte: „Ich habe heute Mittag Peter als meinen zukünftigen Chef auf dem Gutshof kennen gelernt. Er erklärte mir und meinen Kollegen, dass wir alle übernommen werden, wobei er die Entscheidung uns überlassen wolle. Er erzählte uns auch, dass er schwul sei und wissen wollte, ob wir damit Probleme haben würden.

Dabei habe ich ihm erklärt, dass ich selbst schwul sei und somit kein Problem damit habe, wobei ich mich gegenüber meinen Kollegen erstmals geoutet habe, da diese bisher ebenfalls nichts davon gewusst hatten. Peter wollte nach der Versammlung mit mir sprechen und dabei ist mir herausgerutscht, dass Manuel und ich in unserer Beziehung Probleme haben. Er hat uns für heute Abend zum Essen eingeladen, seine genauen Absichten kannte ich jedoch nicht.“

Thomas sprach weiter: „Und vor dem Abendessen hat er Manuel wohl den Kopf gewaschen, wenn ich das richtig mitbekommen habe.“

Ich antwortete ihm: „Nein, so kannst du das nicht sehen, ich habe Manuel nur klargemacht, dass er, wenn er so weitermacht wie bisher, Daniel dauerhaft verlieren kann. Er solle sich entscheiden und notfalls auch mit den privaten Konsequenzen leben. Im Prinzip so wie bei Marcus, der von seinen Eltern aus dem Haus geworfen wurde und seitdem zusammen mit Philipp hier bei uns wohnt.“

Manuel wollte wissen: „Kann das sein, dass ihr uns ebenso helfen würdet, wie ihr es bisher bei den anderen auch getan habt, wenn sie in Schwierigkeiten geraten sind?“

Thomas antwortete sofort: „Da kannst du sogar Gift darauf nehmen, dass Peter euch beiden sofort helfen würde. Wie seine Hilfe ausfallen wird, kann ich euch nicht voraussagen und wird euch Peter im Augenblick auch noch nicht hundertprozentig sagen können, aber wir haben noch immer eine Lösung für seine Problemkinder gefunden.“

Ich mischte mich ein und erklärte Manuel: „Wie du sicher schon mitbekommen hast, planen Jonas und Tim, neben der Landwirtschaft auch Gemüseanbau zu betreiben. Ihr könntet beide dort mitarbeiten und wir hätten mit dir bereits einen qualifizierten Mitarbeiter, der uns gerade bei der Planung und Vorbereitung des Projektes eine große Hilfe sein könnte.

Da wir die ganzen Vorplanungen inzwischen gestartet haben, könntest du sofort einsteigen und mit mir und den Jungs das Ganze auf gesunde Beine stellen. Wie gesagt, das ist eine Möglichkeit, die ich dir sofort zusagen kann. Es gibt noch weitere Überlegungen, aber da muss erst die Zukunft zeigen, ob und wie sich das Umsetzen lässt.“

Während der letzten Sätze, die ich von mir gab, waren unsere vier Jungs wieder aus dem Haus gekommen und hatten sich zu uns an den Tisch gesetzt. Jonas und Tim schauten auf die Beiden und warteten auf eine Reaktion. Da die zwei sich immer noch völlig überrascht von meinen Aussagen anschauten ergriff Tim das Wort: „Was gibt es da zu überlegen, eine so große Chance wird euch sicher nicht ein zweites Mal angeboten.

Wir haben auch sofort zugegriffen als uns Jonas Onkel gefragt hat, ob wir, bedingt durch unsere Berufswünsche, Interesse daran hätten, die Landwirtschaft des Gutshofes zu übernehmen. Wir können in den nächsten Jahren jede Hilfe gebrauchen, bis wir mit unserem Studium fertig sind.“

Manuel schaute seinen Daniel an und fragte ihn: „Hast du wirklich nichts gewusst von den ganzen Plänen?“ Daniel antwortete ihm ruhig: „Nein, ich bin genauso überrascht von dem Angebot, das mein zukünftiger Chef uns unterbreitet hat. Chef, kann ich mit meinem Manuel ein Gespräch unter vier Augen führen, bevor er seine Entscheidung trifft.“

Während Daniel darauf wartete, dass er aufstand und mit ihm unter vier Augen das Gespräch führen würde, erklärte dieser: „Ich glaube kaum, dass wir beide ein derartiges Vier-Augen-Gespräch führen müssen. Wir können das vor allen Anwesenden machen, denn das Vertrauen, dass sie uns bisher entgegengebracht haben, zeigt mir, dass wir für sie so etwas wie sehr gute Freunde geworden sind. Mit guten Freunden kann man auch über schwierige Entscheidungen sprechen, davon bin ich überzeugt.“

Daniel schaute ihn verwundert an und erwiderte: „Damit habe ich jetzt nicht gerechnet, selbst du schaffst es immer wieder mich zu verblüffen. Hast du dich bereits entschieden, wie es mit uns weitergehen soll?“

„Das nicht, aber ich finde sie haben ein Recht darauf zu hören, was wir uns zu sagen haben. Ich will von dir wissen, ob du dich wirklich von mir trennen würdest, wenn ich weitermachen würde wie bisher?“ erklärte ihm Manuel.

Der angesprochene überlegt nur kurz, bevor er Manuel antwortete: „Ich denke schon, so kann es einfach nicht auf Dauer weitergehen, entweder du stehst zu unserer Liebe mit allen Konsequenzen oder wir beenden es möglichst rasch. Ich will mich nicht immer mit dir verstecken, du siehst doch bei Jonas und Tim oder auch bei Philipp und Marcus, dass es anders geht.

Wenn dein Vater nichts mehr von dir wissen will, so haben wir dennoch Freunde, die uns weiterhelfen werden. Ich will nur diesen Manuel, mit dem ich zusammen so viel Spaß habe und nicht einen reichen Schnösel, der gelegentlich mit mir seinen Spaß haben will.“

Wir übrigen sechs schauten uns an und grinsten, zumindest hatte Daniel ihm klar gesagt, was er erwartet und wen er will. Jetzt war es an Manuel sich zu erklären: „Hättest du das nicht auch einfach mit ja beantworten können, dass du dich von mir trennen würdest, wenn ich so weiter mache.“

Daniel schaute ihn an und meinte: „Sicher hätte ich das gekonnt, aber ich wollte dir damit auch zeigen, dass ich es ernst meine. Entweder ich oder dein Vermögen, das kannst du dir jetzt aussuchen! Wenn du mich wählst, musst du dir im Klaren darüber sein, dass dein Erbe weg sein könnte.“

Manuel überlegte nicht lange und sagte: „Ich habe mich schon längst entschieden Daniel, ich will dich und sonst nichts. Ich will dich und ich will meine Eltern nicht enttäuschen, das ist mein Konflikt, mit dem ich mich seit Wochen und Monaten plage. Ich sehe ein, es hat keinen Sinn dauerhaft so weiterzumachen wie bisher, morgen früh werde ich meinen Eltern erklären was Sache ist und wenn sie mich nicht mehr wollen, dann habe ich nur noch dich und unsere neuen Freunde.

Egal wie es morgen früh enden wird, selbst wenn meine Eltern kein Problem mit meiner Homo­sexualität haben, will ich bei eurem Projekt dabei sein und mit euch zusammen den Gemüseanbau zum Laufen bringen. Immer unter der Voraussetzung, dass ihr mich dabeihaben wollt.“

Jonas meinte nur: „Warum sollten wir dich nicht dabeihaben wollen, mit deiner Erfahrung kannst du uns doch nur helfen. Wir sollten uns eher überlegen, ob wir, unter der Voraussetzung, dass deine Eltern dich so akzeptieren wie du bist und den elterlichen Betrieb übernimmst, uns Gedanken über einen gemeinsamen Vertrieb der Produkte machen, außerhalb des Verkaufs im Hofladen.

Wir könnten uns in der Produktpalette ergänzen und jeder nur bestimmte Gemüsesorten produzieren.“ Tim nickte nur zu Jonas Ausführung, um anzudeuten, dass er das genau so sehe.

Jetzt mischte ich mich wieder ein: „Okay, du willst deinen Daniel, egal was geschieht, meine Zusage dich in die Planung für den Gemüseanbau einzubinden steht ebenso fest, egal wie dein Gespräch morgen früh ausgehen sollte. Die beiden Jungs haben bestätigt, dass sie dich auf alle Fälle dabeihaben wollen.

Im Optimalfall ändert sich für dich nichts, du wohnst vorerst weiter zuhause, aber wir sollten uns überlegen, wenn es nicht so ablaufen sollte, welche Möglichkeiten bleiben dir dann. Wir können dir anbieten, dass du ab Sonntag unser Gästezimmer haben kannst, bis wir für euch beide vorübergehend eine Wohnung gefunden haben, bis Sonntag müssten Daniel und seine Eltern dich aufnehmen. Später finden wir für euch beide eine Unterbringungsmöglichkeit auf dem Gutshof, da bin ich mir sicher.“

Tim meldete sich und meinte: „Ab Januar können die beiden auch bei uns im Verwalterhaus wohnen, wir brauchen dann nur eine andere Unterbringungsmöglichkeit für Alejandro und Jorge, bis deren Wohnung fertig ist. Im Übrigen, Jonas und ich haben kein Problem damit, wenn Manuel morgen bereits zu uns ins Gästezimmer einzieht.

Ich glaube sogar Philipp und Marcus würden ihn ebenso für ein paar Tage aufnehmen. Er kann trotzdem jederzeit bei Daniel über­nachten, wenn ihm danach ist. Wenn wir beide am Wochenende heimfahren, könnte sogar Daniel hier bei euch übernachten, wenn er will, bis wir in etwa zwei oder drei Monaten wieder hier sind“

Thomas erklärte uns: „Alejandro und Jorge sind kein Problem, wenn ihr vier im Verwalterhaus wohnt, können die beiden ins Gästezimmer einziehen, bis das Gutshaus umgebaut ist. Darüber können wir uns den Kopf zerbrechen, wenn es so weit ist, vielleicht ist ein Einzug ins Gutshaus zu einem früheren Zeitpunkt bereits möglich. Das hängt nur von der Planung des Architekten und unseren Vorgaben dazu ab.“

Philipp bestätigte noch, dass er und Marcus Manuel gerne für ein paar Tage in ihrem Reich unterm Dach aufnehmen werden. Damit war für mich das Thema ausreichend behandelt und das erklärte ich den Anwesenden. Daniel strahlte, weil Manuel sich endlich eindeutig für ihn entschieden hatte.

Manuel ergriff noch einmal das Wort: „Ich hätte nicht gedacht, dass sich mir heute hier so viele Möglichkeiten eröffnen, eigentlich wollte ich gar nicht mit Daniel hierherkommen. Seine Hartnäckigkeit hat sich für uns beide ausgezahlt. Ich weiß, dass ich jetzt eine Zukunft in der Heimat habe und dass wir hier neue Freunde gefunden haben, die immer für uns da sein werden. Ich verspreche euch, dass Daniel und ich ab sofort, ebenso für euch da sein werden, wenn es erforderlich ist.“

Ich fand, dass Manuel damit ein gutes Schlusswort gesprochen hatte und beim Blick zur Uhr meinte ich, dass es für alle Beteiligten langsam Zeit wird, entweder nach Hause oder ins Bett zu kommen.

Wir verabschiedeten uns von Daniel und Manuel, wobei ich Manuel noch meine Visitenkarte zusteckte, mit meiner Rufnummer, damit er mich jederzeit anrufen kann. Ich nahm ihm noch das Versprechen ab, mich morgen, sobald er das Gespräch mit seinen Eltern geführt hat, über das Ergebnis des Gesprächs in Kenntnis zu setzen.

Ich persönlich glaubte nicht an den Optimalfall, würde mich aber für die beiden Jungs freuen, wenn es so wäre, wie ich es Thomas und unseren Jungs erklärte. Wir unterhielten uns noch eine Weile über die beiden, bis Thomas meinte es wäre jetzt wirklich an der Zeit ins Bett zu kriechen, da er morgen früh wieder fit für die Arbeit sein müsste, nachdem ich ihm mit dem heutigen Tag die gesamte Verantwortung für die Abteilung untergeschoben habe.

Ich lachte und meinte: „Von wegen, ich hätte dir die Verantwortung untergejubelt, du hättest immer noch die Möglichkeit gehabt, Johannes zu erklären, dass du meine Nachfolge nicht antreten willst. Du hast dich dafür entschieden, ergo musst du jetzt auch mit den Konsequenzen leben.

Wir räumten noch die Gläser in der Küche in den Geschirrspüler und gingen anschließend nach oben in unseren Schlafraum. Thomas fragte mich noch, während wir uns bettfertig machten, warum ich so überzeugt sei, dass das Morgenfrüh nicht ohne Probleme ablaufen würde.

Ich erklärte ihm, dass das Gespräch, das ich mit Mutter heute Mittag geführt hatte, nur diese eine Schlussfolgerung für mich zugelassen hat. Ich wäre froh, wenn ich mich da täuschen würde. Wir kuschelten uns ins Bett und es dauerte auch nicht lange und wir waren beide eingeschlafen.

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