Adventskalender 2022 – Tür 20 – Suddenly royal 3

„Dazu war gar keine Zeit und war so auch nicht geplant. Dafür hat Grandma wenigstens Gregory kennen gelernt und die Zwillinge waren auch dabei.“

„Die können reiten?“, fragte Mum überrascht.

„Stan wie Niclas haben bei ihren Großeltern, die anscheinend eine Farm besitzen, reiten gelernt.“

„Ich muss dann wieder, dein Grandpa möchte noch etwas von mir“, unterbrach uns Taylor und verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Lächelnd schaute ich ihm hinter her.

„War das Sophia nicht zu viel?“

Diese Frage kam von Oma. Ich hatte sie auch noch nie von Grandma reden hören.

„Ach wo, wir waren zahlende Gäste wie andere auch. Emily, Grandmas Freundin kümmert sich um die Gäste und Grandma selbst macht Kuchen oder Gebäck.“

„Ihr habt zahlen müssen?“, fragte Mum leicht schockiert.

„Mum, ich möchte nicht, nur weil ich ihr Enkel bin, irgendwie bevorzugt werden. Ich zahle schön für das, was ich bekommen habe…davon leben die beiden schließlich.“

Mum schaute ihre Mutter an.

„Was, der Junge hat Recht!“, sagte Oma und grinste mich an.

Ich sah Mum an.

„Sie hat auch von dir gesprochen, sie würde dich gerne kennen lernen, ich zitiere wörtlich  „die Frau die Isaac so sehr liebte!“

Mum wurde doch tatsächlich etwas rot, aber ihr Blick wurde auch traurig. Sie wischte sich eine Träne aus dem Auge.

„Ich habe für diese Liebe gekämpft! Es gab da eine starke Konkurrenz.“

„Kann ich mir gut vorstellen“, sagte ich lächelnd.

Warum lächelte Mum nicht und warum wurde Omas Blick plötzlich so ernst?

„Willst du ihm das wirklich erzählen?“, fragte sie.

Mum nickte. Von was sprachen die beiden?

„Jack hat damit angefangen, mit dieser Geheimniskrämerei aufzuräumen, ich will nicht diejenige sein, die weiterhin irgendwelche Heimlichkeiten vor ihm hat, um ihm damit in den Rücken fallen.“

„Du hast aber Issac versprochen, nie darüber ein Wort zu verlieren.“

„Das war eine andere Zeit und dir habe ich es ja schließlich auch erzählt!“

Darauf sagte Oma nichts. Mein Blick wanderte zwischen den beiden hin und her. Von was redeten die beiden? Was für ein Geheimnis hatte mein Dad, dass man es vielleicht verheimlichen musste?

Mum nahm meine Hand. Ihr fiel es sichtlich schwer, darüber zu reden.

„Dein Dad…“, sie atmete tief durch.

„Mum, wenn es dir so schwer fällt, du brauchst mir das nicht zu erzählen.“

„Doch Jack und vielleicht verstehst du mich etwas besser.“

„Warum sollte ich dich falsch verstehen.“

Dein Vater war…“, ihr Kopf wankte etwas hin und her, „… heute würde man vielleicht  sagen…, vielseitig interessiert.“

„Inwiefern?“, fragte ich, weil ich nicht wusste, was sie damit meinte.

„Meine Konkurrenz… war ein Mann“, flüsterte sie fast.

Geschockt sah ich sie mit weit aufgerissenen Augen an.

„Dad war bi?“, rief ich schrill.

So schrill, dass Oma zusammenfuhr. Mum nickte nur und schaute zu Boden. Mit allem hatte ich gerechnet, aber nicht damit!

„Mein erster Gedanke“, sprach Mum leise weiter, „, als du im Herbst unten im Hof sagtest, du seist schwul, da dachte ich, hat er das auch von seinem Dad geerbt? Aber ich verwarf den Gedanken sofort wieder!“

„Bist du jetzt sauer auf deinen Vater?“

Diese Frage kam von Oma.

„Wieso sollte ich böse sein…, ich bin nur überrascht, ich hätte so etwas nie gedacht. Wer weiß davon alles?“

„Nur ich und deine Oma…, natürlich auch Michael.“

„Michael?“

„Der junge Mann, mit dem Dad ständig zusammen hing…“

In meinem Kopf machte es Klick und mir fiel etwas ein.

„Michael Hughes?“

Mums Kopf fuhr nach oben und schaute mich schockiert an.

„Woher kennst du den Namen? Hast du den in einen der Briefe gelesen?

Ich schüttelte den Kopf. Auch Oma schaute mich fragend an. Eigentlich dachte ich, dass Mr. Hughes in Mum verliebt war und deswegen mit meinen Eltern zusammen abhing. Aber es war mein Vater, deswegen diese plötzliche Traurigkeit in seinem Gesicht, als wir über meine Eltern sprachen.

„Er hat mich euch studiert…, hat aber dann abgebrochen?“

„Nicht direkt abgebrochen, er… woher in Gottes Namen weißt du das alles?“, fragte Mum leicht verwirrt.

„Ich habe dir doch erzählt, dass Mr. Ward mein Lehrer am Mittwoch nicht zum Unterricht erschienen ist. Gut mittlerweile wissen wir, dass er wegen der Sache mit Timothy suspendiert wurde…“

„Was hat das mit Michael zu tun?“

„Wir haben vom Ministerium direkt einen neuen Klassenlehrer für das restliche Jahr bekommen!

„Michael…?“

„Ja,  Mr. Hughes ist mein neuer Klassenlehrer. Wusstest du nicht, das er fürs Lehramt studiert hat?“

„Na Mahlzeit, bekommt er den Vater nicht, will er jetzt den Sohn?“

„Mutter! Oma!“, sagten Mum und ich fast gleichzeitig.

Entsetzt sah ich sie an.

„Wie kommst denn auf so etwas? Der Mann ist viel zu alt für mich und du hast selber vorhin gesagt hast, bin ich mit Taylor zusammen!“

Oma winkte ab.

„So jemand dürfte nicht auf einer Schule unterrichten!“

Ich glaubte nicht, was ich da hörte. Wut stieg in mir auf.

„Wieso das denn? Soll ich nach meinem Studium mich in mein Zimmer einschließen und den Schlüssel wegwerfen?“

„Jack!“, kam es von Mum.

Meine Stimme war laut geworden. Ich stand mittlerweile vor ihr und hatte meine Hände in die Seiten gestemmt.

„Was hat das denn mit dir zu tun?“, fragte Oma verwundert.

„Weil ich vielleicht damit anfreunden könnte, nach dem Studium, mein Wissen weiter zu geben, um andere darin zu unterrichten… das können auch Kids sein!“

Darauf sagte sie nichts.

„… oder soll ich dann sagen, oh Entschuldigung, ich kann nur Erwachsene unterrichten?“

„Jack, es reicht!“, sagte Mum.

„Mir reicht es schon lange!“

Ich griff nach meiner Jacke und stürmte aus meinem Zimmer. Knallend fiel die Tür ins Schloss. Was sollte plötzlich diese Äußerung? Hatte Oma doch etwas gegen Schwule?

Die Treppe hinunter rennend, warf ich meine Jacke über, zog den Schal aus der Tasche und wickelte in um meinen Hals.

Dann verließ ich das Haus. Draußen angekommen, zog ich scharf die kalte Luft ein und atmete sie wieder aus. War das alles nur gespielt? Unweigerlich trieb es mir Tränen in die Augen.

Ich dachte meine Großeltern hätten nichts dagegen, damit ich mit Taylor zusammen war. Langsam fing ich an zu laufen. Ich umrundete das Haus, weil es nur einen Ort gab, wo ich jetzt hinkonnte. Der Stall!

*-*-*

Ich stand am Gatter gelehnt und beobachtete die Pferde, wie sie über die noch halb verschneite Wiese rannten.

„Ich muss wieder in den Stall, Jack“, meinte Taylor neben mir.

Er wuschelte mir durchs Haar und drückte mir einen Kuss auf die Wange.

„Versprich mir, dass du mit deiner Oma keinen Streit mehr anfängst!“

„Ja…versprochen…“

„Wir sehen uns später!“

Wieder gab er mir einen Kuss auf die Wange und verschwand. Ich hatte ihn die ganze Zeit nicht angeschaut. Er hatte mir erklärt, dass vieles im Bezug auf Schwule, einfach in den Leuten Köpfen fest verankert ist.

Zum Beispiel, dass alle Schwule Tucken sind und gerne in Frauenkleidern herum rennen. Bei dem Gedanken schüttelte es mich. War es wirklich Oma eingemeißelter Gedanke, oder hatte sie generell etwas gegen Schwule.

„Ach hier bist du…“

Ich drehte meinen Kopf und Grandpa stand leicht versetzt hinter mir. Ich richtete mich auf und drehte mich zu ihm.

„Grandpa?“

Ich war vorhin laut geworden und es würde mich nicht wundern, wenn er etwas mitbekommen hatte.

„Ich habe dich vorhin das Haus verlassen sehen und dachte es wäre gut, auch an die frische Luft zu gehen. Aber deine Mutter kam aufgelöst die Treppe herunter.“

„Du hast es also mitbekommen?“

„Du meinst, dass mein Jüngster genauso wie du, gerne mit Männern zusammen war?“

„Du weißt das?“

Grandpa nickte und stellte sich nun ans Gatter. Seine Arme lehnte er gegen den oberen Holm.

„Das war der Hauptstreitpunkt, zwischen meiner Exfrau und mir. Ich gab ihr die Schuld daran, dass Isaac so verweichlicht ist, so… entschuldige den Ausdruck, aber damals dachte ich so… abartig ist.“

Ich stellte mich neben Grandpa, aber sagte nichts, weil es einfach weh tat.

„Umso mehr freute es mich zuhören, dass Isaac eine Freundin hatte und heiraten wollte. Für mich war das einfach so eine Phase von ihm. Danach machte ich mir keine Gedanken mehr darüber, bist du vergangenen Herbst plötzlich gesagt hast, du bist…schwul.“

Mein Blick hing zwar an den Pferden, aber Grandpa hatte meine volle Aufmerksamkeit.

„Da kam alles wieder hoch und deswegen bin ich an jenem Abend von dir weggelaufen. Zu groß war der Schmerz?“

„Und was hat deine Meinung geändert?“

„Du!“

„Ich?“

„Ja, du! Du hast mich die ganze Zeit, seit wir uns kennen gelernt haben, an deinem Leben teilhaben lassen. Ich weiß ich bin alt, aber auch im Alter kann man noch vieles dazulernen. Du hast mir deine Welt gezeigt und beigebracht, dass du kein anderer Mensch bist, nur weil du einen Jungen liebst!“

Erneut rannen Tränen über meine Wangen.

„Dein Großvater hat Recht!“

Erschrocken drehte ich meinen Kopf Richtung Stall. Dort stand James.

„Entschuldigung, wenn ich ihre Unterhaltung mit angehört habe. Aber du bist kein anderer Mensch, nur weil du mit Taylor zusammen bist. Hätte mein Sohn damals mehr Vertrauen zu mir gehabt, hätten wir seine Probleme vielleicht gemeinsam lösen können… Nur weil er so fühlte, war er kein anderer Mensch für mich!“

„Hallo James…“

„Hallo Mr. Newbury!“

„Ich war schon viel zu lange nicht mehr bei ihnen… und es ist immer wieder schön und entspannend, die Pferde auf der Goppel zu sehen.“

„Sie haben schöne Pferde ausgesucht…“

„Danke…!“, meinte Grandpa und wandte sich wieder zu mir.

„Wie Taylor dir schon sagte, Pferde erkennen sofort, ob jemand gut oder böse ist. Du bist einfach Jack, nicht mehr, oder weniger!“

*-*-*

Beim Lunch ging es eher ruhig zu. Jeder schien in seinen Gedanken. Nur vereinzelt wurde sich am Tisch unterhalten, am meisten meine Cousins und Stan. Er hatte sich wohl gut mit den drei angefreundet.

Trotz eines weiteren ausführlichen Gesprächs mit Mum und Oma, schaute ich die beiden während des Essens kaum an. Oma war wirklich diesem Schubladendenken verfallen und hatte nicht darüber nach gedacht, was sie da sagt.

Das es mich verletzten könnte, realisierte sie erst später, als ich das Zimmer bereits verlassen hatte.

„Wollt ihr heute Mittag wieder ausreiten?“, fragte Taylor neben mir, der gerade seinen Teller geleert hatte.

Ich nickte leicht. Plötzlich spürte ich seine Hand auf meinem Schenkel. Ich schaute ihn an, er strahlte mich an.

„Gerne…“, meinte ich und versuchte etwas zu lächeln.

„Wir nicht!“, kam es von Jayden, „wir wollen mit Stan nach Newbury.

Damit waren wohl Molly, Sabrina und Gregory gemeint, denn sie nickten alle.

„Und wie kommt ihr da hin?“, fragte Henry.

„Du fährst uns!“, grinste Jayden seinen Vater an.

„Es ist schön auch mal davon zu erfahren!“

Darauf kam nichts, nur das Jayden, und die anderen drei heftig strahlten.

„Kann ich auch mit reiten gehen?“, fragte Niclas neben Taylor.

„Sicher!“, antwortete ich.

„Macht es dir etwas aus, wenn ich mitkomme?“, fragte nun Mason seinen Sohn.

Der lächelte und schüttelte den Kopf.

„Noch jemand?“, fragte Taylor.

„Also ich werde vielleicht mit Dema und Brenda sparzieren gehen, fürs Reiten bin ich einfach zu alt.“

Die beiden nickten Grandpa zu.

„Sag das nicht, Grandpa.“

Er lächelte mich an. Dann wanderte mein Blick zu Mum, die die ganze Zeit der Unterhaltung still gefolgt war.

„Charlotte, was hältst du davon, wenn wir den Reitern folgen?“, fragte plötzlich Abigail.

„Du willst reiten gehen?“, kam es von Henry.

„Ja, warum nicht? Es sind genügend Pferde da und es wird mir sicherlich gut tun.“

„Wann bist du zum letzten Mal auf dem Pferd gesessen?“

„Das ist ja wohl egal Henry“, sagte nun Mum, „so etwas verlernt man nie! Taylor würdest du mich und Abigail mit einrechnet?“

„Kein Problem!“, lächelte mein Schatz.

*-*-*

Das Abigail mit reiten ging, war selbst für mich überraschend. Seit ich sie kannte, agierte sie mehr aus dem Hintergrund, als vorne mit dabei zu sein. Taylor ließ es sich natürlich nicht nehmen, den Damen aufs Pferd zu helfen.

Mason half seinem Sohn, bevor er selbst das Pferd bestieg. So waren ich und Taylor die letzten, die auf unseren Pferden Platz nahmen. Tiara drehte den Kopf zu mir, als würde sie fragen, wann es denn endlich los ginge.

Am Haus sah ich Grandpa mit Oma und Dema. Ich winkte ihnen zu und alle drei winkten zurück.

„Du weißt schon, dass wir eventuell am roten Haus vorbei reiten?“, hörte ich Mum Abigail fragen.

„Warum meinst du, quäle ich meine alten Knochen auf das Pferd?“

Ich war froh, dass ich mit dem Rücken zu ihnen stand und sie mich nicht grinsen sehen konnten. Es war aber auch interessant, dass Abigail sich entschlossen hatte ihre Mutter zu sehen.

Wobei ich mir nicht sicher war, ob sie das nicht bereits gemacht hatte. Seit sie wusste, dass ihre Mutter im roten Haus weilte, konnte sie jederzeit ohne unser Wissen dort hingegangen sein.

Geäußert hatte sie sich uns gegenüber nicht und Grandma Sophie ebenso wenig. Mason, der auf seinem Pferd richtig imposant wirkte, setzte sich mit seinem fast schwarzen Vollblut als erstes in Bewegung. Dagegen wirkte Niclas, der ihm auf seinen Fuchs folgte, richtig klein.

Abigail schien wirklich nichts verlernt zu haben. Souverän lenkte sie ihr Pferd den beiden hinter her, zusammen mit Mum. Taylor und ich bildeten das Schlusslicht.

„Geht es dir jetzt besser?“

Ich schaute zu Taylor. Er strahlte mich an, wie schon den ganzen Tag.

„Ja, danke…, danke dass du für mich da warst!“

„Danke, dass ich deine erste Anlaufstelle war!“

„He, du bist mein Freund, wo hätte ich sonst hin sollen?“

„Im Haus hat es genug Leute, zu denen du hättest gehen können.“

„Aber nur du bist mein Freund!“

„Niclas hat den Weg zum roten Haus eingeschlagen…“, wechselte Taylor das Thema.

„Das ist der einzige Weg den er kennt, den sind wir erst gestern geritten.“

„Dann wird deine Mutter auf Grandma Sophie treffen. Hast du keine Bedenken?“

„Wieso sollte ich bedenken haben? Mum ist nun sicher nervöser, als ich es bei meiner ersten Begegnung mit Grandma war.“

„Bist du dir da wirklich sicher?“, grinste mich Taylor an.

„Ja, oder wie hast du dich gefühlt, als Mum wusste, dass wir ein Paar sind?“

„Punkt für dich.“

Den See hatten wir hinter uns gelassen und ich stellte fest, dass immer weniger Schnee die Wiesen bedeckte. Durch den zügigen Galopp, den Mason vorlegte, dauerte es auch nicht mehr lange, bis das rote Haus vor uns erschien.

So waren Niclas und er auch die ersten, die am Parkplatz ankamen. Eins fiel mir aber sofort auf, es standen dort keine Autos und am Haus war kein Licht zu sehen. Hatte Emily das Cafe geschlossen?

Als wir am Parkplatz ankamen, waren die anderen vier bereits abgestiegen und banden ihre Pferde fest.

„Richtig ausreiten ist das aber nicht“, hörte ich Mum sagen.

„Wir können auf dem Rückweg ja eine andere Richtung einschlagen. Es ist ja nicht so, als würde ich mich nicht auskennen!“

„Abigail“, hörte ich eine Stimme vom Haus rufen.

Dort stand Grandma und winkte uns zu. Verwundert schaute ich Taylor an.

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