Regenbogenfamilie Teil 90 – Schwedenmöbel

Nach einer etwa halbstündigen Fahrt vom Münchner Jugendamt standen wir auf dem großen Parkplatz des schwedischen Möbelhauses im Münchner Süden. Ich telefonierte mit Mario und fragte nach, wo wir sie finden würden. Er meinte, wir sollen im Eingangsbereich warten, er schickt seinen kleinen Bruder los, um uns einzusammeln.

Wir waren gerade ins Gebäude eingetreten, als uns bereits Pit entgegenkam. Pit grinste über das ganze Gesicht und erklärte: „Mario ist schon leicht nervös geworden, er hatte die Befürchtung, dass ihr uns vergessen habt und direkt nach Rosenheim gedüst seid. Er wollte schon fast den Einkauf abbrechen, und nur das Mitnehmen, wofür er sich bereits entschieden hat.“

Holger meinte: „Das lag nicht an uns, dass wir so spät erst hier sind, wir haben fast eine halbe Stunde vor dem Jugendamt gewartet, bis die Dame vom Notdienst erschien und uns meine Sachen ausgehändigt hat. Ihr Kollege, der heute Dienst gehabt hätte, ist erkrankt und sie ist für ihn eingesprungen, wurde aber nicht davon informiert, dass wir heute am Vormittag meine Kisten abholen.“

Auf dem Weg durch den Ausstellungsbereich erklärte Pit: „Einen Esstisch mit Stühlen hat Mario bereits ausgesucht, ein Bett mit Lattenrost und Matratze steht auch schon fest. Derzeit entwirft er mit einer Planungshelferin seinen Kleiderschrank. Danach braucht er noch ein Sofa, Wohnzimmertisch, Schrank und ein Lowboard für seinen Fernseher. Den ganzen Kleinkram dazu finden wir dann im zweiten Teil des Ladens. Zuletzt geht es ans Einsammeln der Kartons mit den Möbelteilen.“

Wir standen inzwischen neben Mario und beobachteten ihn, wie er zusammen mit der jungen Dame den Kleiderschrank plant und einrichtet. Pit meinte: „Kann sich nur noch um Stunden handeln, bis Mario mit dem Schrank fertig wird. Entweder sind Teile nicht auf Lager oder ihm gefällt es dann doch nicht. Angefangen hat das schon bei der Auswahl der Türfronten, da nicht alle Teile lagernd waren.

Plötzlich fragte Mario mich: „Peter, kannst du dir den Kleiderschrank anschauen und aus deiner Sicht beurteilen. Ich denke, dass ich alles berücksichtigt habe, was notwendig ist.“

Er erklärte mir seinen Entwurf und wo er was unterbringen will. Als er geendet hatte fragte ich: Wo willst du deine Bettwäsche und deine Handtücher unterbringen, dafür habe ich bisher nichts entdeckt in deinem Schrank. Denk daran, der Schrank ist so hoch, dass du für die oberen Fächer eine kleine Leiter benötigst, um die Sachen herauszuholen. Ansonsten ist mir nichts Besonderes aufgefallen.“

Mario erklärte: „Ich dachte, dass ich Bettwäsche und Handtücher in einem der beiden mittleren Teile unterbringe und da vorwiegend in den oberen Fächern, da sie nicht so häufig benötigt werden, wobei er es bevorzugen würde Handtücher und Badetücher vorwiegend in einem Schrank im Badezimmer unterzubringen. Ich bleibe bei dem jetzigen Entwurf, können sie mir bitte die Teileliste und die Montageübersicht ausdrucken, damit ich mir nachher die einzelnen Kartons zusammensuchen kann.“

Als er von der Mitarbeiterin die Listen erhalten hatte, bedankte er sich für ihre Mithilfe und meinte, an uns gewandt: „So jetzt schauen wir, was wir im Bereich der Wohnzimmer finden, das, was ich im Internet gesehen habe, war nicht so umwerfend, am ehesten noch ein Sofa, danach gehen wir Geschirr, Besteck, Töpfe und Accessoire kaufen.“

Wie erwartet fand Mario in der Abteilung für Wohnzimmer nur ein Sofa, dass ihm gefiel und auch auf Lager war. Da damit die Möbelauswahl aus dem Ausstellungsbereich abgeschlossen war gingen wir in die Shoppingzone. Mario meinte, wir sollten mindestens drei Einkaufswägen mitnehmen, die vermutlich sehr schnell gefüllt sein würden.

Der erste der drei Wägen füllte sich innerhalb weniger Minuten mit den Gerätschaften, wie Küchenhelfer, Besteck, Gläsern, Pfannen und Töpfen, sowie dem Geschirr, dass für die Küche bestimmt war. So nach und nach füllten sich in den weiteren Abteilungen die Wägen mit Bettwäsche, Spannbetttüchern, Handtüchern, Geschirrtüchern, zwei Oberbetten und den dazugehörigen Kissen, und allem, was Mario auf seine Liste stehen hatte.

 

Für sein Wohnzimmer kaufte er sich Schiebevorhänge und Schiebegardinen, während er für seinen Schlafraum normale Gardinen und Vorhänge in den Wagen legte. Zwei kleinere Teppiche, die als Bettvorleger dienen sollten, landeten ebenfalls in einem der Einkaufswägen. Er hatte sich zu Hause bereits eine große Einkaufsliste angefertigt, die er so nach und nach abhakte.

 

Nach fast eineinhalb Stunden waren wir endlich durch die Shoppingzone durch, zwischenzeitlich hatte sich noch ein weiterer Einkaufswagen hinzugesellt. Mario meinte, ob es nicht schlauer wäre, dass was er bisher gekauft hatte an der Kasse zu bezahlen und in einem zweiten Durchgang die Kartons und das Zubehör einzusammeln, in dem die Bauteile für seine Möbel verpackt sind.

 

Ich schaute ihn an und meinte: „Finde ich nicht so gut, bis wir bezahlt und alles eingeladen haben, und im zweiten Anlauf wieder umgeschichtet haben, verlieren wir mindestens eine halbe Stunde. Ich bin dafür, die bisherigen Wägen zwischenzuparken, alle benötigten Teile auf weitere Einkaufswägen zu laden und dann erst zur Kasse zu gehen.

 

Wenn wir uns an den Kassen aufteilen und an mehreren Kassen fast gleichzeitig bezahlen, behindern wir nicht die anderen Kunden und sind insgesamt schneller damit fertig. Wenn wir die Wägen mit den Bauteilen dabei als erstes durch die Kasse schieben, können die ersten bereits zum Transporter vorausgehen gehen und mit dem Einladen beginnen. Denk daran, dass so viel Platz verbleibt, dass dein Sofa und die beiden Matratzen noch nachträglich eingeladen werden können.“

 

Mario lachte und meinte: „Peter, ich sehe schon, du machst das nicht zum ersten Mal. Du hast dir vorher überlegt, wie du den Einkauf beim schwedischen Möbelhaus beschleunigen kannst. Wenn ich an einer Kasse mit allen Wagen auftauche, dauert es eine Ewigkeit, bis alles im Kassensystem erfasst ist. Auch dein Tipp mit der Beschriftung der Kartons kommt davon. Du hast mich überzeugt, gehen wir nach deinem Plan vor.“

 

Es dauerte immerhin doch gut eine halbe Stunde, bis die Kartons mit den Möbelteilen auf weiteren drei Einkaufswägen aufgeladen und beschriftet waren. Als wir uns dem Kassenbereich näherten checkte ich kurz die Lage und verteilte dann die Wägen mit den Möbelteilen an die Selbstbedienungskassen, wo am wenigsten los war.

 

Die weiteren vier Einkaufswägen mit dem ganzen Kleinkram verteilte ich auf die normalen Kassen, wobei ich an einer Kasse zwei Wägen positionierte, da ich sehen konnte, dass in den Einkaufswagen der anstehenden Kunden immer nur kleinere Warenmengen lagen. Damit war eine rasche Abwickelung an der Kasse gewährleistet. Machbar war das nur, weil wir doch insgesamt acht Personen waren.

 

Die ersten drei Wagen an den Selbstbedienungskassen waren bereits nach zehn Minuten auf dem Weg zum Transporter. Mario, David und Tobias schoben die Wägen und nachdem die nächsten beiden Einkaufswägen abgearbeitet waren, schickte ich Pit und Florian los, um die Einkaufswägen zum Transporter zu schieben. Ihr fragt euch sicher, warum ich Mario fortgeschickt hatte zum Einladen, ganz einfach, wir hatten vereinbart, dass ich alles mit Kreditkarte verauslage und er mir später die Summe in Etappen erstattet.

 

Als die beiden letzten Einkaufswagen abkassiert waren, ging ich mit Holger und Gero zum Transporter, den sich Mario aus der Gärtnerei Grubmüller ausgeliehen hatte und so nach und nach verschwanden die letzten Teile im Bauch des Fahrzeugs. Immerhin hatten sie den Platz für das sperrige Sofa freigehalten, so dass wir gleich an der Warenausgabe die Teile nur noch einladen mussten. Die zwei Matratzen entpuppten sich als Rollmatratzen, die nur wenig Platz beanspruchten.

 

Als alles eingeladen war erklärte ich: „Jungs, bevor wir jetzt zurückfahren, lade ich euch noch zu einer gemütlichen Brotzeit in den nächstgelegenen McDonalds ein. Wir könnten fast zu Fuß hingehen, sind keine hundert Meter, trotzdem fahren wir mit den Fahrzeugen dorthin.

 

Da die meisten der Bestellautomaten belegt waren ging ich mit meinen Leuten an den einzigen Bestellschalter und einer nach dem anderen durfte seine Bestellung loswerden. Ich meinte drei bleiben hier zum Schleppen, der Rest macht sich auf die Suche nach einem Platz für uns alle. Ich bezahlte und als das erste Tablett gefüllt war, schnappte es sich David und ging zu unserer Truppe.

 

Die nächsten beiden Tabletts wurden von Tobias und Florian weggeschleppt. Mit dem vierten und letzten Tablett machte ich mich auf die Suche, glücklicherweise hatte Mario mich gesehen und winkte mir, dass ich in seine Richtung kommen sollte. Ich setzte mein Tablett am Tisch ab und so schnell konnte ich gar nicht schauen, bis alle Sachen bei den Jungs verschwunden waren.

 

Ich meinte: „Und wo ist meine Bestellung gelandet? Jungs ich habe für mich auch etwas zum Essen bestellt.“ Man glaubt es kaum, die Jungs schoben ein Getränk, eine Portion Pommes und eine Schachtel mit einem Hamburger auf das Tablett, das ich als meine Bestellung identifizierte.

 

Ich setzte mich und genoss meine Brotzeit von McDonalds. Irgendwann hatten alle aufgegessen und die Tabletts in den Abräumwagen gestellt. Wir gingen zu unseren Fahr­zeugen und fuhren auf die Autobahn. Ich hatte mit Mario abgesprochen, dass wir hinter ihm fahren würden, damit wir gleichzeitig in der Gärtnerei ankommen.

 

Er meinte noch, ich ruf jetzt gleich die Helfer an, dass sie in etwa einer Stunde in der Gärtnerei sind, damit sie uns beim Ausladen helfen. Die Fahrt nach Rosenheim und zur Gärtnerei war an diesem Samstag ein richtiges Vergnügen, kein großes Verkehrsaufkommen, kein Stau, so dass wir nach gut einer Stunde vor dem Wohn- und Verwaltungsgebäude der Gärtnerei standen.

 

Es standen bereits drei Fahrzeuge auf dem Parkplatz und als wir ausstiegen, kamen uns bereits Ronald, Gero, Philipp und Marcus entgegen. Aus den beiden anderen Fahrzeugen stiegen Bernhard und Ludwig, sowie Manuel, Pete und Richie aus. Als Mario den Transportraum öffnete, meinte Philipp: „Da habt ihr aber richtig zugeschlagen, auf in den Kampf, damit die Sachen möglichst schnell oben in der Wohnung sind.“

 

Ich erklärte: „die kleinen Sachen kommen alle ins Kinderzimmer, bitte so verteilen, dass die Sachen für die Küche, fürs Schlafzimmer oder Wohnzimmer jeweils beieinanderstehen, die großen Teile gehören zum Sofa und gehören ins Wohnzimmer. Die beiden Rollmatratzen bitte auch ins Kinderzimmer. Die Kartons mit den Möbelteilen sollten alle beschriftet sein, W steht für Wohnzimmer, E für Essecke und S für Schlafzimmer.“

 

Mario war bereits vorausgegangen, hatte die Haustür aufgesperrt und mit einem Keil vor dem automatischen Zufallen gesichert. Er rief uns noch zu: „Wartet einen Moment, bis ich oben überall das Licht eingeschaltet habe, damit ihr nicht über irgendetwas stolpert.“

 

Als oben die ersten Lichter angingen, schnappte sich Philipp und Marcus den ersten Karton mit dem Teilen des Sofas. Ludwig und Bernhard ergriffen die zweite Kiste, die zum Sofa gehört. Da insgesamt vierzehn Kartons für das Sofa in den unterschiedlichsten Größen nach oben mussten, waren einige Jungs beschäftigt, bis die Teile für beiden Sofas im Wohnzimmer standen.

 

Danach mit den kleineren Päckchen und Paketen, die vor allem im Kinderzimmer landeten, war es dann doch einfacher. Bei den leichteren Sachen wurden schon einmal drei oder vier Päckchen auf einmal nach oben getragen. Nach gut einer Stunde war alles oben. Mario war direkt oben geblieben und hatte vor allem dafür gesorgt, dass alles in die richtigen Räume verteilt wurde.

 

Nachdem alle wieder auf dem Parkplatz standen, fragte ich in die Runde: „Wer von euch ist morgen mit dabei, wenn die Möbel von Mario aufgebaut werden. Es meldeten sich genau die sieben Leute, die heute mit einkaufen waren. Gero meinte noch, mein Buder Randolf hilft ebenfalls mit. So fragte ich Mario: „Wann hattest du vor mit dem Aufbau zu beginnen. Ich frage deswegen, damit wir mit möglichst wenig Fahrzeugen durch die Gegend kurven.“

 

Mario meinte dazu: „Ich denke wir sollten so gegen neunuhrdreißig mit dem Aufbau beginnen, damit wir möglichst weit kommen mit dem Aufbau. Ich will auf alle Fälle mit Pit schon um neun Uhr hier sein, um die Kartons für den Kleiderschrank zu sortieren in welcher Reihenfolge wir sie brauchen, dafür habe ich eine extra Liste erhalten.

 

Ich hoffe, dass in der Werkzeugkiste, die im Büro steht, das passende Werkzeug vorhanden ist. Was wir auf alle Fälle zusätzlich brauchen, ist eine Bohrmaschine und Bohrer für Stein, Beton und Holz in verschiedene Stärken, sowie Dübel und Schrauben für die Wandbefestigungen.“

 

Gemeinsam fuhren wir weiter zum Gutshof, Mario hatte den Transporter auf den Parkplatz abgestellt und sich, zusammen mit seinem Bruder in seinen kleinen Corsa gesetzt.

 

Während Philipp und Mario ihre Fahrzeuge vor dem Gutshof, beziehungsweise in der Garage abstellten, blieb ich vor dem Verwalterhaus stehen, damit die Umzugskartons von Holger ausgeräumt werden können. Vor dem Aussteigen sagte ich: Wir frühstücken morgen gegen acht Uhr, wenn ihr wieder mit mir zur Gärtnerei fahren wollt, erwarte ich euch kurz nach acht Uhr bei uns zum Frühstück.“

 

Florian grinste und meinte: „Ei, Ei Sir, wir sind um acht Uhr wieder bei euch zum Frühstück.“ Danach schnappten sich die fünf Bewohner des Verwalterhauses die Umzugs­kartons und verschwanden im Haus. Ich fuhr den Galaxy in die Garage und gemeinsam mit David und Tobias ging es nach oben in unsere Wohnung.

 

Thomas der mitbekommen hatte, dass die Jungs aus der zweiten Etage vor uns zurückgekommen sind, erwarte uns bereits im Flur und stellte fest: „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ihr so früh zurückkommen würdet. Ich bin eher davon ausgegangen, dass ihr erst gegen neunzehn Uhr ankommt. Wollen wir kochen, oder gehen wir heute mit unseren Jungs zum Essen. Felix und Dennis sind heute Abend nicht daheim.“

 

Ich lachte und meinte: „Willst du mit all unseren Jungs zum Essen gehen, hast du heute deine Spendierhosen an? Mit allen Jungs die momentan zu unserer Familie gehören? Dann solltest du schnellstens einen Tisch im Nebenzimmer für dreizehn Personen bei Alexandra bestellen, da ich davon ausgehe, dass ein Ehepartner und ein Bruder mit eingeladen sind.“

 

Thomas grinste und erklärte: „Ich hatte an David und Tobias gedacht, als ich von unseren Jungs gesprochen habe. Ich glaube ich sollte in Zukunft vorsichtiger mit solchen Aussagen umgehen, zumindest so lange, bis sämtliche Pflegekinder volljährig und damit keine Familienmitglieder mehr sind.“

 

„Thomas,“ sagte ich, „passt schon, gehen wir mit all unseren Jungs heute Abend zum Essen, dann können wir zumindest innerhalb der Familie bereits Abschied von Florian und Holger nehmen, die ab Montag als Adoptivkinder zur Familie Winter gehören. Für morgen lädt Mario alle zum Abendessen ein, die heute beim Einkaufen und Hochtragen geholfen haben, und die, die morgen beim Aufbauen der Möbel helfen.“

 

Thomas bestellte im Restaurant den Tisch für uns und bat Alexandra uns im Nebenzimmer unterzubringen, da es sich um eine kleine Familienfeier handelt. Als erstes rief ich im Verwalterhaus an und bat Holger, zusammen mit Florian und Pete um neunzehn Uhr im Restaurant im Nebenzimmer für eine kleine Familienfeier zu erscheinen. Seine Frage, warum sie eingeladen seien, wehrte ich ab mit der Begründung, das würden sie beim Abendessen erfahren.

 

In der Wohnung eine Etage höher wollte ich nicht extra anrufen, so bemühte ich mich zu Fuß nach oben um alle Bewohner zum Abendessen im Familienkreis einzuladen. Ich klingelte und Pit öffnete mir die Tür. Ich bat Pit alle aus ihren Zimmern zu holen, da ich allen etwas ankündigen will. Er holte seinen Bruder, klopfte bei Gero und Randolf, bat sie auf den Flur und rief nach Philipp und Marcus.

Als die sechs Jungs im Flur versammelt waren, erklärte ich ihnen, dass wir uns um neunzehn Uhr im Restaurant im Nebenzimmer treffen, zum einen zu einem gemütlichen Abendessen und einer kleinen Familienfeier.

 

Philipp schaute mich an und meinte: „Ich habe keine Ahnung, haben wir einen Geburtstag übersehen, oder wieso gibt es eine kleine Familienfeier? Wir wollten gerade mit dem Kochen anfangen, das hat sich damit erledigt.“

 

Ich grinste und erklärte: „Ihr habt keinen Geburtstag vergessen, wir feiern einfach sechs Pflegekinder in weniger als zwei Wochen, das ist Grund genug, um eine kleine Familienfeier zu veranstalten. Mario kann ich nicht als unser Pflegekind einstufen, er ist volljährig und wird vermutlich auch in einer Woche wieder ausgezogen sein. Aber als großer Bruder von Pit gehört er auch mit zur Familie. Wir sehen uns um neunzehn Uhr.“

 

Damit verschwand ich wieder nach unten, ich wollte mich zu diesem Zeitpunkt auf keine größere Diskussion einlassen, da ich ihnen den wahren Grund vorenthalten hatte. Ich meinte zu Thomas: „Gerade noch rechtzeitig, bevor die Jungs kochen wollten. Wir sollten zumindest auch unseren zwei Jungs mitteilen, dass wir nicht kochen, sondern mit ihnen zum Essen ins Restaurant gehen.“

 

Ich klopfte bei den beiden an und auf ein Herein, öffnete ich die Tür. Das, was ich vorher oben schon erklärt hatte, sagte ich jetzt zu David und Tobias. Die beiden Jungs meinten dann, dass sie sich vorsichtshalber duschen und frisch anziehen wollen, da sie vorher bei der Schlepperei doch etwas geschwitzt hätten. Ich grinste und meinte, ich würde sie nicht aufhalten, wenn sie sich frischmachen wollen.

 

Kurz vor neunzehn Uhr verließen wir die Wohnung und hörten, dass eine Etage höher die Wohnungstür geöffnet und die Jungs unterwegs waren. Wir warteten auf sie und gingen gemeinsam nach unten. Im Restaurant angekommen erwartete Alexandra und meint: „Ihr könnt ins Nebenzimmer, es ist alles vorbereitet. Ihr seid aber nur zehn Personen, warum hat Thomas vorher von dreizehn Leuten gesprochen?“

 

Bevor ich reagiert sagte Thomas: „Die letzten drei kommen aus dem Verwalterhaus, aber deinen Worten kann ich entnehmen, dass die Jungs noch nicht eingetrudelt sind. Wenn sie bei dir auftauchen, schick sie doch zu uns ins Nebenzimmer.“

 

Fünf Minuten später traten die Jungs aus dem Verwalterhaus ins Nebenzimmer, gefolgt von Alexandra, die sofort begann die Speisekarten zu verteilen und anschließend die Getränkebestellungen aufzunehmen. Sofort begann die Diskussion darüber, wer was zum Essen bestellt.

 

Da Alexandra zwischenzeitlich den Nebenraum verlassen hatte, bat ich um Aufmerk­samkeit: „Thomas und ich haben euch zu dieser kleinen Familienfeier eingeladen. Ich habe vorher in der zweiten Etage erklärt, dass wir den unerwarteten Familienzuwachs innerhalb der letzten beiden Wochen feiern würden. Das stimmt auch grundsätzlich so, doch es gibt einen weiteren Grund.

 

Dazu muss ich euch alle zum absoluten Stillschweigen verdonnern, zumindest bis Montagmittag, weil wir dann offiziell allen die Neuigkeit verkünden. Zwei der Jungs werden am Montag die Familie bereits wieder verlassen und bei ihrer Adoptivfamilie untergebracht werden.“

 

Ich blickte in eine Reihe fragender Gesichter, zumindest bei denen, die bisher nicht in die ganze Angelegenheit involviert waren. Philipp fragte dann doch nach: „Das verstehe ich jetzt überhaupt nicht. Ersten kenne ich nur einen von den Jungs, und der soll von Manuel und Daniel adoptiert werden. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Adoptionsverfahren bereits nach so kurzer Zeit abgeschlossen ist.“

 

Während ich nur grinste, antwortete Florian: „Philipp, zumindest liegst du bei der Vermutung richtig, dass ich einer der beiden bin, die am Montag zu ihren Adoptiveltern wechseln. Ehrlich gesagt, ich habe es auch nicht verstanden, warum das Verfahren so abrupt abgeschlossen wurde, Barbara hatte je von mehreren Wochen gesprochen, bis es so weit sein würde. Jetzt bin ich gerade einmal eine Woche hier. Ich denke mein großer Adoptivbruder kann euch vielleicht mehr dazu sagen.“

 

Gespannt warteten jetzt diejenigen, die bisher nichts wussten, wer der Zweite sein sollte, der adoptiert wurde. Plötzlich fing Holger zu grinsen an und erklärte: „Ich kann es euren Nasenspitzen ansehen, dass ihr verdammt neugierig darauf seid, wer das andere Adoptivkind ist. Schaut nicht so dumm, ich bin derjenige, der ab Montag neue Adoptiveltern bekommt.

 

Wenn ich Barbaras Erklärung richtig verstanden habe, gab es gestern Vormittag eine Verhandlung beim Familiengericht. Dort wurde beschlossen, dass ich von Amts wegen zur Adoption freigegeben werde, weil eine Rückkehr in meine bisherige Familie unter den gegebenen Umständen unmöglich ist, da, um mein Leben zu fürchten sei.

 

Barbara meinte, dass Petes Vater maßgeblich an der beschleunigten Abwickelung beteiligt war. Peter hatte mich am Donnerstag gefragt, ob ich damit einverstanden wäre, wenn ich aus Sicherheitsgründen kurzfristig zur Adoption freigegeben werde. Ich bin in dem Moment davon ausgegangen, dass mich Peter und Thomas adoptieren würden.

 

Da ich das nicht ablehnte, hat wohl Petes Vater, nach Absprache einen dringlichen Termin beim Familiengericht beantragt. Barbara war überrascht davon, dass nicht nur die Freigabe verhandelt wurde, sondern die Adoption durch Manuel und Daniel Winter in der gleichen Sitzung abgehandelt und genehmigt wurde.

 

Florians Adoption wurde direkt danach verhandelt, mit der Begründung, wir würden beide in die gleiche Adoptionsfamilie einziehen und könnte somit in einem Aufwasch geklärt werden, und auch hier wurde der Antrag vom Jugendamt positiv aufgenommen. Wir wurden gestern Nachmittag von der positiven Mitteilung überrascht. Am Montag haben wir einen Termin beim Standesamt, wo wir die notwendigen Unterlagen erhalten. Was genau können euch vielleicht David oder Tobias verraten, die haben das schon hinter sich gebracht.“

 

Er hatte mit seinen Erklärungen gestoppt, da die Tür zum Nebenzimmer aufging und unsere Getränke gebracht wurden. Alexandra verteilte die bestellten Getränke nahm anschließend unsere Essensbestellungen auf. Nachdem sie den Raum wieder verlassen hatte, meinte ich: „Gut, dass während Alexandras Anwesenheit nicht mehr über das Thema gesprochen wurde.

 

Insoweit kann ich Holgers Ausführungen bestätigen, Barbara und ich waren am Mittwoch bereits der Meinung, um Holgers wahre Identität zu verschleiern, sollte er über eine Teilnahme am Zeugenschutzprogramm zu einer neuen Identität kommen. Da Barbara mit Petes Vater über eine mögliche Adoption gesprochen hatte, nahm der dies zum Anlass, das Adoptionsverfahren zu beschleunigen, weil er der Meinung war, dass durch diesen Schritt, Holger schneller und effektiver geschützt werden könne als im Zeugenschutzprogramm.

 

Ich hatte vorher mit Manuel und Daniel geklärt, ob sie sich vorstellen können, Holger zu adoptieren, Florian war bei dem Gespräch dabei und hat für einen großen Bruder gestimmt. Dass es so schnell gehen würde, hat keiner von uns geahnt. Es gibt noch etwas, was euch Holger bisher verschwiegen hat, er wird nicht nur seinen Familiennamen wechseln, sondern der Vorname wird auch mit abgeändert.

 

Er will zukünftig Klaus genannt werden, abgeleitet von seinem zweiten Vornamen Nikolaus, der zukünftig in seinen Papieren stehen wird. Holger verschwindet vollständig. Offiziell gilt das alles erst ab Montag, denkt bitte daran.“

 

Gero, der bisher nur stumm dagesessen hatte, erklärte: „Das sind ja Neuigkeiten, an die ich mich erst einmal gewöhnen muss. Immerhin bist du deine rechtsradikale Familie damit endlich los und kannst dazu stehen, dass du schwul bist, zumindest bei deinen beiden Vätern und deinem kleinen Bruder sollte das kein Problem sein.“

 

Wieder blickte ich in ratlose Gesichter, zumindest von denen, die vorher nicht gewusst hatten, dass Holger zu der Gruppe von gleichgeschlechtlich Lebenden gehört. Ich schaute zu Gero und meinte: „Gero, nicht gerade klug von dir, deinen besten Freund vor der Allgemeinheit zu outen, sicher wusste der eine oder andere, dass er auf Jungs steht. Das hättest du besser für dich behalten und abgewartet, bis er es auch den anderen erklärt hätte.“

 

Holger grinste und antwortete: „Halb so schlimm, aber es wäre wirklich besser gewesen, du hättest abgewartet, bis ich mich selbst geoutet hätte. Ich kann zum Glück nur sagen, dass vermutlich keiner der Anwesenden ein Problem damit hat, dass ich auf Jungs abfahre, denn sonst würden sie nicht hier wohnen. Vermutlich sind wir rechnerisch sogar in der Überzahl.“

 

Pete, der ebenfalls bisher nur ruhig zugehört hatte erklärte: „Von meinem Vater wurde schon gesprochen, er hat kein Problem damit, dass ich schwul bin. Meine Mutter ist wohl ein wenig rechtslastig und hat Probleme mit einem schwulen Sohn. Genau deswegen lebe ich seit fast zwei Wochen hier, weil meine Mutter mich nie wieder sehen will. Deine Vermutung kann ich nur bestätigen, mit mir sind wir acht Schwule gegen fünf Heten.“

 

Ich grinste ihn frech an und widersprach: „Ich bin mir sicher, dass dir bei deiner Rechnung mindestens ein klitzekleiner Fehler unterlaufen ist. Ich bin nicht schwul, ich bin bisexuell und bin mit einem Mann verheiratet, immerhin bin ich der leibliche Vater von Philipp und Martina, also war ich für alle ein Heterosexueller. Von den fünf anderen behaupte ich jetzt einmal, dass sie sich noch nicht eindeutig festgelegt haben, wohin ihre Reise eines Tages gehen wird.

 

Ich denke da an einen gewissen Bernhard Koblinsky, der sich Hals über Kopf in Benjamin Dreier verknallt hat, obwohl er immer der Meinung war, er sei Hetero und zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits sein siebzehntes Lebensjahr vollendet. Solange einer seine Partnerin oder seinen Partner nicht gefunden hat, ist es aus meiner Sicht nicht richtig zu behaupten, er wäre heterosexuell ausgerichtet.“

 

Pete grinste und meinte dazu: „Okay Peter, du hast mich überzeugt, ich wandle das ganze ab in acht männliche Wesen, die sich ein Zusammenleben mit einem Mann vorstellen können oder es verwirklicht haben. Den Rest würde ich der Einfachheit halber, nur als noch Suchende bezeichnen.“

 

Thomas schaute in die Runde und fragte: „Gibt es zur Adoption von den beiden Jungs noch Fragen oder können wir das Thema damit abschließen. Denkt daran, offiziell wird es erst am Montagvormittag, wenn Peter mit den beiden Jungs wieder vom Standesamt zurück ist. Ich hätte eine andere Frage an euch, habt ihr euch schon überlegt in welchen Gruppierungen ihr morgen gemeinsam Marios Möbel aufbauen wollt?“

 

Ich beobachtete die Jungs, die fast durchgehend den Kopf schüttelten, also keine weiteren Fragen zum Thema Adoption von Holger. Ich überlegte kurz, bevor ich erklärte: „Im Schlafzimmer wird als erstes der Schank aufgebaut, dafür sollte das Team aus mindestens vier Leuten bestehen. Für den Esstisch und die Stühle reichen zwei Mann. Beim Sofa, das doch einiges an Gewicht hat, sollten trotzdem vier Mann reichen. Danach ist nur noch im Schlafzimmer das Bett aufzubauen, habe ich etwas vergessen?“

 

Mario bestätigte: „Mehr ist momentan nicht aufzubauen, ich werde am Montagabend noch bei einem Möbelhaus in Rosenheim verbeischauen, dort habe ich im Internet einen Wohnzimmerschrank gesehen, der mir gefallen würde. Wenn ich das richtig sehe, ist der auf Lager, muss ebenfalls selbst aufgebaut werden. Da werde ich auf alle Fälle noch einmal eure Hilfe benötigen.

 

Was dann noch fehlt werde ich so nach und nach noch einkaufen. Ich hätte es schon gern gesehen, wenn mein kleiner Bruder Pit bei mir eingezogen wäre, aber ich kann ihn auch verstehen, wenn er derzeit nicht mehr mit unserer Mutter zusammentreffen will. Ich kann ihn nicht jedes Mal wegschicken, wenn sich Mutter mit mir treffen will. Sie hat sogar angeboten, mir in der Gärtnerei zu helfen, was ich bisher noch immer abgelehnt habe.

 

Sie traut sich nicht einmal, sich hier mit mir zu treffen, damit sie Pit nicht über den Weg läuft. Sie ist sich bewusst, dass sie ihn bei seinen Plänen für seine Zukunft in den Rücken gefallen ist und er deshalb kein Vertrauen mehr in sie hat. Sie hat aber auch keinen Plan, wie sie sein Vertrauen wieder zurückgewinnen kann.“

 

Endlich kam unser Essen, zumindest die Vorspeise wurde serviert. Als ich Alexandra fragte, warum heute alles so lange dauert, erklärte sie: „Peter, ich hätte euch im Restaurant nicht mehr unterbringen können, wir sind randvoll. Anhand der Vorbestellungen sind wir von einem ruhigen Samstagabend ausgegangen und wurden von den Gästen überrollt.

 

Wir haben eindeutig zu wenig Personal eingeplant, sowohl in der Küche als auch im Service. Dennis ist mit Felix unterwegs, ich hätte ihn sonst als Verstärkung geholt. Wenigstens für die Küche konnte Sebastian noch einen Mitarbeiter als Verstärkung ins Haus holen.“

 

Zumindest während alle mit ihrer Vorspeise beschäftigt waren, wurden nur leise persönliche Gespräche geführt. Kaum waren die leeren Teller und Suppentassen abgeräumt, kam Alexandra mit einem weiteren Servierwagen und einer Mitarbeiterin und sie servierten uns den Hauptgang.

 

Inzwischen waren alle mit dem Essen fertig und die leeren Teller verschwanden nach und nach vom Tisch. Als Alexandra fragte, ob jemand einen Nachtisch oder Kaffee haben möchte, durfte sie einen weiteren Schwung Bestellungen aufnehmen.

 

Gegen zweiundzwanzig Uhr löste sich unsere Gruppe so langsam auf, Gero und Randolf erklärten mir noch, dass sie morgen früh direkt mit Mario und Pit zur Gärtnerei fahren und nicht bei uns mitfahren werden. Ich bat Alexandra um die Rechnung. Beim Abkassieren wunderte ich mich etwas über den Rechnungsbetrag, da ich mit einer etwas höheren Summe gerechnet hatte. Alexandra erklärte, dass sie einen Abzug von fünf Prozent vorgenommen habe, da wir so lange auf unser Essen warten mussten.

 

Ich erklärte ihr, dass das nicht sein müsste, wir hatten kein Problem damit, dass wir etwas länger warten mussten. So konnten wir in der Zwischenzeit in aller Ruhe unsere Planung, hinsichtlich der Möbelmontage am morgigen Tag besprechen. Sie grinste und meinte noch, Mario hat für morgen Abend für elf Personen einen Tisch bestellt, er will seine fleißigen Helfer zum Abendessen einladen.

 

Wir setzten uns noch kurz ins Wohnzimmer und ich erklärte: „Gero und Randolf fahren direkt mit Mario und Pit zur Gärtnerei, das haben sie mir noch mitgeteilt, bevor sie nach oben gegangen sind. Damit verbleiben noch die drei Jungs aus dem Verwalterhaus und wir vier, die später in die Gärtnerei fahren.“

 

Thomas grinste und meinte: „Das trifft sich gut, dann fahren wir mit dem Galaxy zur Gärtnerei und brauchen nur mit einem Auto dorthin kutschieren. Ich war heute Vormittag mit dem Galaxy beim Einkaufen und da haben Ronald und ich festgestellt, dass bisher keiner die beiden hinteren Sitze wieder ausgebaut hatte. Die Brotzeit, die wir eingekauft haben, hat locker in dem Auto Platz.“

 

Ich dachte schon eine Weile über Alexandras Worte nach, dass Mario für morgen Abend für elf Personen einen Tisch bestellt hatte, nachdem wir immer nur von zehn Personen gesprochen hatten. Bis zum Zubettgehen, konnte ich mir keinen Reim auf seine Berechnung machen.

 

 

Sonntagmorgen standen Thomas und ich gegen sieben Uhr auf und verschwanden direkt ins Bad, immerhin sollten wir heute wieder einmal zu acht am Frühstückstisch sitzen, sofern Dennis und Felix auch aufstehen mussten. Am Abend hatte ich Alexandra noch gebeten, dass wir heute Morgen ausnahmsweise für acht Leute Brötchen benötigen.

 

Kurz vor siebenuhrdreißig sah ich nach, ob unsere Lieferung bereits vor der Wohnung stehen würde. Ich war erstaunt, dass an einem Sonntagmorgen, zu so früher Stunde schon die Semmeln und Brezen geliefert und vor unserer Tür standen. Mit dem gut gefüllten Säckchen folgte ich Thomas in die Küche.

 

Er hatte bereits die Kaffeemaschine zum Laufen gebracht, da wir zum einen fürs Frühstück sicher zwei Kannen benötigen würden und anschließend zwei weiter Kannen zum Mitnehmen gebraucht wurden. Er meinte, er würde in der Küche weiter alles vorbereiten und ich sollte nur kurz die Brötchen in zwei Körbchen verteilen und anschließend im Esszimmer mit dem Tisch eindecken beginnen.

 

Gegen viertel vor acht Uhr standen David und Tobias im Esszimmer und fragten, ob sie mir noch helfen könnten. Gleichzeitig erklärten sie mir, dass Dennis und Felix, ebenfalls zum Frühstück kommen, die beiden wären gerade ins Bad gegangen. Ich meinte, ihr könnt zu Thomas in die Küche gehen und alles, was er bereits vorbereitet hat, auf den Esstisch verteilen.

 

Ich wollte gerade in die Küche wechseln, als an unserer Wohnungstür geläutet wurde. Bevor ich die Esszimmertür vollständig öffnen konnte, rief Felix, dass er nachschauen werde, wer bei uns um diese Zeit klingelt. Ich ließ die Tür vom Esszimmer zumindest ein Stück weit offen, bevor ich in die Küche ging. Thomas meinte, ich solle doch die eine Kanne Kaffee gleich mitnehmen, er würde mit der zweiten Kanne gleich nachkommen.

 

Beim Eintritt ins Esszimmer stellte ich fest, dass statt der erwarteten zwei, drei der Bewohner des Verwalterhauses im Esszimmer standen und David und Tobias begrüßten. Ich grinste, jetzt hatte ich meine Erklärung, warum heute Abend, elf Personen beim Abendessen, versammelt sein würden. Ich wusste zwar immer noch nicht warum, aber das würde sich sicher im Laufe des Tages herausstellen.

 

Ich bat meine Jungs doch ein weiteres Gedeck auf den Tisch zu stellen und für unseren zusätzlichen Gast, Besteck aus der Küche zu holen. Pete grinste mich an und meinte: „Mario hat mich gebeten, ob ich mitkommen könnte, und ihnen beim Aufbauen der Möbel helfe, nur scheint er euch nicht informiert zu haben, dass eine Person mehr zum Frühstück erscheint.“

 

Ich antwortete: „Kein Problem, einer mehr oder weniger beim Essen, fällt bei uns normalerweise nicht auf. Ich frage mich nur, warum er dich zum Arbeiten eingeladen hat, ich gehe davon aus, dass du ebenfalls keine Ahnung hast, warum du eingeladen wurdest?“

 

Mir fiel in diesem Augenblick auf, dass Florian, im Gegensatz zu den beiden anderen Jungs, einen eher wissenden Gesichtsausdruck zeigte. Für mich stand fest, er musste wissen, warum Holger eingeladen wurde. Inzwischen waren alle versammelt und wir setzten uns an den Tisch und frühstückten gemeinsam.

 

Während des Frühstücks erklärte ich den Jungs aus dem Verwalterhaus, dass bei uns nur Personen klingeln, die nicht zur Großfamilie gehören. Da sie derzeit Teil dieser Familie sind, bitte nicht klingeln, wenn die Tür nicht verschlossen ist. Was glaubt ihr, wie oft einer von uns zur Wohnungstür gerannt ist, als es diese Regelung noch nicht gab.

 

Es klopfte an der Esszimmertür und als sie sich öffnete standen Katharina und Kevin im Türrahmen und fragten, ob sie bei uns mitfrühstücken könnten, da ihre Eltern wieder einmal länger schlafen wollen. Thomas grinste und sagte: „Klar könnt ihr mit uns frühstücken, aber wir fahren kurz nach neun Uhr los. Wer macht Schokolade für die beiden und wer deckt für sie auf?“

 

Felix meinte: „Ich mache die Schokolade für die beiden und bringe Besteck mit, den Rest kann Dennis kurz erledigen.“ Die beiden standen auf, Felix ging in die Küche und Dennis holte für meine Enkelkinder jeweils ein Gedeck aus dem Schrank. Kevin hatte sich neben Holger gesetzt und seine Schwester wollte unbedingt neben mir sitzen, wo sie David von seinem Platz vertrieb.

 

David grinste und meinte frech: „Peter du solltest zukünftig dafür sorgen, dass immer sonntags ein Platz neben dir frei ist für Katharina. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich deswegen umsetzen muss.“

 

Ich grinste zurück und antwortete ebenso frech: „Wenn du schon verstanden hast, dass du öfter an einem Sonntag, deinen Platz für Katharina freimachen darfst, warum setzt du dich dann immer neben mich? Es zwingt dich keiner direkt neben mir Platz zu nehmen.“

 

Katharina meinte: „Ich würde mich auch neben jemand anderes setzen, der mir meine Semmeln so herrichtet, wie ich sie liebe, aber das versteht Opa Peter am besten. Deswegen sitze ich auch am liebsten neben meinem Opa.“

 

Felix, der mit dem Kakao aus der Küche kam und die letzten zwei Sätze mitgehört hatte, meinte: „Kathi, hier dein Getränk, so wie du es am liebsten magst. Bei mir war es meine Oma, die mir immer meine Brote schmieren musste, sie verstand am besten, wie mir meine Frühstücksbrote schmecken. Ich kann dich da sehr gut verstehen. Lass dich nicht von David ärgern, der traut sich doch nicht, zuzugeben, dass er seine Frühstücksbrötchen ebenfalls von Peter geschmiert haben möchte.“

 

Das war eine Steilvorlage, die Felix geliefert hatte, den Kevin fragte sofort: „David soll ich meinen Opa für dich fragen, ob er deine Frühstücksbrötchen für dich vorbereiten soll, wenn du dich nicht selbst traust?“

 

David sagte: „Ihr seid Idioten, ich bin alt genug meine Brötchen selbst zu schmieren. Außerdem, ich habe keine Angst vor Peter und wenn ich meine Brötchen von ihm zubereitet haben will, kann ich ihm das selbst sagen.“

 

Jetzt fingen alle zu lachen an, bis ich erklärte: „David, heute bist du derjenige, der auf den auf den Arm genommen wurde. Felix hat dich sauber verarscht und du bist auf seinen und Kevins Spruch hereingefallen. Jetzt setz dich endlich und iss weiter, oder sollen wir ohne dich losfahren, um Mario beim Aufbau seiner Möbel zu helfen, weil du heute deinen bockigen Kleinkindtag nehmen willst.“

 

Thomas streckte den Daumen nach oben, um mir anzudeuten, gut gemacht Peter, das hat der junge Mann gebraucht, um wieder auf den Boden der Tatsachen anzukommen. Zumindest konnten wir ab diesem Zeitpunkt ohne weitere Störung unser Frühstück zu Ende bringen. Während ein Teil der Jungs den Tisch abdeckte, richteten Thomas mit David und Tobi die Getränkekisten und die Brotzeit her, die wir in die Gärtnerei mitnehmen wollten.

 

Immerhin standen wir um neun Uhr vor der Garage um den Galaxy aus der Garage zu holen und zur Gärtnerei Grubmüller zu fahren. Wir luden alles ein und ich durfte mich ans Steuer setzen, weil ich den Weg schon mehrmals gefahren war. Kurz vor neunuhrdreißig standen wir auf dem Parkplatz vor der Gärtnerei. Was mir als erstes auffiel, dass heute neben Marios fahrbarem Untersatz auch das Auto von Sepp auf dem Parkplatz stand.

 

Sepp, der scheinbar unsere Ankunft beobachtet hatte öffnete uns die Haustür und wir betraten das Treppenhaus. Sepp meinte, ob ich ein paar Minuten für ihn Zeit hätte, er würde gern etwas mit mir besprechen. Ich meinte, geht ihr schon nach oben, Sepp möchte mit mir etwas besprechen, ich komme später nach.

 

Ich ging mit Sepp ins Büro und als wir uns beide gesetzt hatten erzählte er: „Peter, ich kann es immer noch nicht glauben, dass du dich entschlossen hast, die Gärtnerei zu übernehmen und weiterzuführen. Mit dem Einzug von Mario in die Betriebsleiterwohnung kommt so langsam der Zeitpunkt, wo ich realisiere, dass das kein Traum mehr ist.

 

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als wir die ersten Gespräche geführt haben und du mir zum einen die mündliche Zusage gegeben hast, aber gleichzeitig auch erklärt hast, dass du eine enge Zusammenarbeit mit der Gärtnerei Winter anstrebst, um die Nachfrage der Kunden zu befriedigen. Ich habe in den letzten Tagen viele Gespräche mit meinen Abnehmern geführt, so wie ich es dir versprochen hatte.

 

Ich wollte meine ehemaligen Kunden zurückholen, um die Gärtnerei wieder mehr auf eigene Beine zu stellen. Mir ist es auch gelungen zwei meiner ehemaligen Abnehmer auf meine Seite zu ziehen. Bei sieben Abnehmern hatte ich kein Glück, sie meinten, sie hätten inzwischen verbindliche Verträge mit der Gärtnerei Winter abgeschlossen, für die Belieferung mit biologisch angebautem Gemüse.

 

Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht, aber dann habe ich doch begriffen, dass durch die Zusammenarbeit mit der Gärtnerei Winter, die Kunden letztendlich weiterhin, mit der Gärtnerei Grubmüller zusammenarbeiten. Ich habe den Kunden erklärt, dass das okay sei, da die Gärtnerei Grubmüller zukünftig eng mit der Gärtnerei Winter zusammenarbeiten wird, und ein Teil der zu verkaufenden Produkte aus meinem ehemaligen Betrieb stammen werden.

 

Dem ersten, der mir sagte, dass er jetzt mit der Firma Winter zusammenarbeite, habe ich erzählt, dass ihr in der Zukunft plant auch andere Bio-Produkte von Biobauern zu ver­markten. Als er mir erklärte, dass er Interesse daran hätte, habe ich ihm versprochen mit dem neuen Eigentümer darüber zu sprechen.

 

Inzwischen haben vier ehemalige Abnehmer ihr Interesse erklärt, diese Produkte in ihr Sortiment aufnehmen zu wollen. Ich habe dir eine Liste der vier Unternehmen mit den Ansprechpartnern und den Telefonnummern erstellt.“

 

Ich schaute ihn an und meinte: „Sepp, es ist aus meiner Sicht nicht so schlimm, wenn deine Kunden nicht mehr direkt zurückkommen, interessanter ist jedoch die Tatsache, dass sie bereits mit der Winter GmbH Lieferverträge abgeschlossen haben. Das heißt am Ende, dass sie von der Produktionsgemeinschaft beliefert werden, der die Gärtnerei Grubmüller angehört.

 

Was ich nicht so gut finde, dass du von meinen zukünftigen Plänen gesprochen hast, dafür gibt es bisher kein fertiges Konzept, es war nur eine Idee, die ich hatte. Erst muss das mit den landwirtschaftlichen Betrieben abgeklärt werden, ob sie das überhaupt wollen. Die Produkte, die im Gutshof produziert werden, sind sicher dabei, da das in meinem Einflussbereich liegt.

 

Immerhin interessant, dass deine Abnehmer sich dafür interessieren, das liefert zu­sätzlich Argumente für die Umsetzung meiner Idee. Aber was ganz anderes, du bist doch nicht nur hier, um mir das zu erzählen, da steckt doch mehr dahinter.“

 

Sepp lachte und meinte: „Peter, du bist ein so ausgefuchster Hund, der sofort bemerkt, wenn etwas ungewöhnlich ist. Als Mario am Freitag erzählte, dass er am Sonntag mit einigen Leuten hier sei, um seine Möbel aufzubauen, hat meine Gattin beschlossen, für die Truppe ein Mittagessen zu kochen. Sie hat mich losgeschickt, damit ich feststelle, wie viele Helfer Mario heute hat.

 

Ich war schon oben bei Mario und habe ihn ausgehorcht, wobei ich ihm erklärte, dass ich hier sei, um mit dir ein Gespräch zu führen. Meine Frau hat bereits die Informationen und wird gegen elf Uhr hier auftauchen und das Essen fertig zubereiten.“

 

Ich grinste und meinte: „Danke für das Kompliment, du bist leider nicht der erste, bei dem ich sofort bemerkt habe, dass da etwas nicht stimmig ist. Marios kleiner Bruder war auch so ein Kandidat, der mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht hat, beim Bewerbungsgespräch sich so schlecht wie möglich darzustellen. Als ich ihn darauf angesprochen habe, hat er eingestanden, dass das der Plan war, den er mit seinem Bruder ausgeheckt hatte, um sich vor einer Ausbildung zum Gemüsegärtner zu drücken.

 

Das war die Ursache, warum wir am Ende deine Gärtnerei gekauft haben. Hätte sein Vater mitgespielt, hätte Mario die elterliche Gärtnerei zusammen mit seinem Bruder Pit über­nommen und wir hätten mit ihnen zusammengearbeitet. Du hast ja mitbekommen, die beiden wohnen derzeit im Gutshof und Thomas und ich sind inzwischen zu Pits Pflegeeltern bestimmt worden, nachdem seinen Eltern das Sorgerecht entzogen wurde.

 

Ursprünglich war Mario als seine Sorgeberechtigter vorgesehen, was Pit aber abgelehnt hat, weil er derzeit keinen Kontakt zu seinen Eltern wünscht. Mario hat seiner Mutter inzwischen verziehen und er wollte auch wieder Kontakt mit ihr aufnehmen, deswegen zieht auch Mario allein in die Wohnung. Ins Appartement wird Richie mit Erreichen der Volljährigkeit einziehen und gleichzeitig in die Gärtnerei Grubmüller als Auszubildender wechseln. Pit wird seine Ausbildung vorerst nur in der Gärtnerei Winter absolvieren.“

 

Sepp meinte: „Richie an die Seite von Mario zu stellen ist eine verdammt gute Entscheidung. Das, was ich in den letzten Tagen von seiner Arbeit mitbekommen habe, hat mich angenehm und positiv überrascht. Er hat eigentlich das Wissen eines Azubis im dritten Ausbildungsjahr und das bereits nach fünf Monaten, die er sich jetzt in Ausbildung befindet. Wenn seine schulischen Leistungen auch so gut sind, würde ich für ihn auf alle Fälle eine Ausbildungsverkürzung beantragen.

 

Mario hat mir in den letzten Tagen schon so einiges erzählt, warum er hier ist. Wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, hat sein Vater jetzt keinen Nachfolger für seine Gärtnerei. Dass seine Mutter ebenfalls ausgezogen ist und er sich hier mit ihr treffen will, habe ich mitbekommen. Wenn ihm jetzt vielleicht auch noch ein Teil seiner Mitarbeiter verlässt, wird er schnell in große Schwierigkeiten kommen.

 

Hast du keine Angst davor, dass Mario nicht doch noch abspringen könnte, wenn sein Vater einsieht, dass er so nicht weitermachen kann und seinem Sohn die Gärtnerei doch übergeben will.“

 

Ich lachte und erklärte: „Mir macht das kein großes Kopfzerbrechen, falls Mario einen Rückzieher machen sollte, wird Daniel, Manuels Ehepartner, technischer Leiter der Gärtnerei Grubmüller. Ich kann es mir trotzdem nicht vorstellen, denn Mario würde damit meine Unterstützung verlieren, weil die Gärtnerei Winter vorerst nur mit einem weiteren Unternehmen zusammenarbeiten kann.

 

Die ursprünglich geplante Zusammenarbeit kommt dann nicht zustande, und das ist Mario bekannt. Er hat für sich die Entscheidung getroffen, die Gärtnerei Grubmüller als Betriebsleiter zu führen und mit Manuel zusammenzuarbeiten, und dabei bleibt er auch, vor allem, weil er seinem Vater nicht vertrauen kann. Das wäre nur noch möglich, wenn sich sein Vater sofort aus dem täglichen Geschäft zurückziehen würde und den beiden Jungs die Gärtnerei sofort übergibt.“

 

Sepp sagte: „So habe ich das gar nicht gesehen, als ich diese Frage stellte. Gut, deine Feststellung vorher, dass Pit seinen eigenen Bruder als Sorgeberechtigten abgelehnt hat, weil dieser wieder Kontakt mit seiner Mutter aufnehmen will, hätte mich nachdenklich machen müssen. Jetzt verstehe ich auch, warum du dir so sicher bis, dass Mario bleiben wird.“

 

Ich grinste und ergänzte: „Mario und auch Pit werden bleiben, weil sie ihrem Vater beweisen wollen, dass Mario trotz seiner körperlichen Beeinträchtigung fähig ist eine Gärtnerei zu leiten. Ich werde jetzt nach oben gehen und den Jungs beim Aufbauen der Möbel helfen. Wir sehen uns später, wenn deine Frau hier ist.“

 

Sepp meinte: „Warte Peter, ich habe noch einen Punkt, du triffst dich doch diese Woche mit Dieter, wegen der beiden Jobs in eurer IT und bei den Handwerkern. Ich habe mir überlegt und mit Mario darüber gesprochen, dass er, bei der Menge der Arbeit, vermutlich ab April oder Mai, eine weitere Hilfe gebrauchen kann. Kannst du ihn fragen, ob er noch jemanden hat, den er unterbringen will?“

 

Ich antwortete nur kurz und bündig, dass ich das machen werde und verabschiedete mich nach oben in die Wohnung.

 

Im Schlafzimmer waren zwei Jungs damit beschäftigte, die Kartons vorsichtig zu öffnen und die Bauteile für den Zusammenbau vorzubereiten. Zwei weitere beschäftigten sich mit dem zusammenfügen der Bauteil zu einem ersten schmalen Schrank der laut Plan ganz links stehen sollte. Als ich den Plan näher betrachtete, fiel mir auf, dass der zweite Schrank breiter sein müsste als das, was Pit und Florian eben vorbereiteten.

 

Ich fragte vorsichtshalber: „Wollt ihr die Schrankwand nach Plan aufbauen oder hat es eine Planänderung gegeben?“

 

Mario meinte: „Eigentlich nicht, warum fragst du überhaupt.“

 

Ich antwortete: „Wenn ich mir den ausgedruckten Plan so betrachte, sollte neben dem ersten schmalen Schrank ein breiterer angebaut werden und danach wieder zwei schmale Schränke. Florian und Pit bereiten aber einen weiteren schmalen Schank vor.“

 

Mario erwiderte: „Oh, das ist mein Fehler, ich hatte noch unseren ersten Entwurf im Kopf und da waren jeweils außen zwei schmale Schränke und die beiden breiten in der Mitte, egal, wir machen den zweiten schmalen Schrank fertig und stellen ihn dann zur Seite. Als nächstes bereitet ihr wie geplant den breiten Schrank vor.“

 

Meine nächste Station war das Esszimmer, das auch als Gäste- oder Kinderzimmer dienen könnte. Dort waren Holger und Pete am Arbeiten. Den Tisch hatten sie bereits fertig aufgestellt, bei meinem Eintreten beschäftigten sie sich mit dem ersten von sechs Stühlen. Ich fragte, wie es ihnen beim Zusammenbau ergehe. Pete meinte: „Wir haben die einfachste Arbeit erwischt, hier gibt es keine komplizierten oder umfangreiche Aufbaupläne, die abzuarbeiten sind.“

 

Weiter ging es ins Wohnzimmer, wo Thomas, Gero, Randolf und Tobias damit be­schäftigt waren, die vielen einzelnen Pakete und Kisten zu leeren und die zum Aufbau benö­tigten Teile zusammenzusuchen. Ich fragte, wo die Bohrmaschine, der Akku-Bohrer und die Wasserwaage wären, da ich sie im Schlafzimmer vorher nicht gesehen hatte.

 

Thomas meinte, dass die Sachen eigentlich im Flur stehen sollten, wir brauchen sie nicht zum Aufbau des Sofas. Im Flur fand ich nichts, so dass ich annahm, dass die Gerätschaften irgendwo im Schlafzimmer zu finden sein mussten.

 

Im Schlafzimmer angekommen, verschaffte ich mir erneut einen Überblick und bat alle, kurz die Arbeit zu unterbrechen. Ich erklärte: „Bevor ihr hier weitermacht, ihr solltet ein paar Dinge beim Aufbau der Schränke beachten. Da zur Stabilisierung die einzelnen Schränke miteinander verschraubt werden, sollten sie waagrecht und gleich hochstehen. Deswegen haben wir auch die Wasserwaagen mitgenommen.

 

Dazu kommt, dass der komplette Schrank mindestens drei- bis viermal an der Wand mit Dübeln und Schauben zu befestigen ist. Dafür haben wir extra den Bohrhammer und das Zubehör mitgenommen. Zu beachten ist auch, dass die Türen und die Inneneinrichtung erst eingebaut werden, wenn der Korpus vollständig und gut befestigt ist.“

 

Mario und David hatten die drei fertigen Korpusse bereits nebeneinandergestellt. Ich hatte inzwischen unser Werkzeug entdeckt, holte die Wasserwaagen und zwei Holzzwingen. David legte die beiden Wasserwaagen in die ersten beiden Schränke. Er meinte, dass sieht gut aus, die beiden Korpusse sollten waagrecht stehen.

 

Er befestigte die erste Zwinge unten und danach die zweite oben an den Schränken und prüfte noch einmal, ob die beiden Kanten glatt nebeneinander liegen würden. Er wollte gerade zum Bohrhammer greifen, als ich ihm erklärte: „Ich denke, für die Verbindung der beiden Schränke brauchen wir sicher keine so großen Geschütze aufzufahren, dafür sollte der Akkuschrauber vollkommen ausreichend sein.

 

David grinste und meinte: „Ich dachte, dass der Bohrhammer zum Bohren von Löchern zum Einsatz kommt und der Akkuschrauber nur zum Einschrauben verwendet wird. Papa, bist du dir sicher, dass das kleine Ding ausreicht, um die Löcher für die Schrankverbindungen zu bohren.“

 

Ich grinste und erklärte: „Um das bisschen Holz zu durchbohren, reicht der Akku­schrauber allemal, die Löcher sind ja bereits vorgebohrt und du hast nur wenige Millimeter, die du durchbohren musst. Wichtig ist nur, dass du einen kleinen Holzbohrer dazu verwendest, er sollte nicht dicker sein als die bereits vorhandenen vorgebohrten Löcher.“

 

Er holte einen Holzbohrer aus der Verpackung und prüfte, ob der Durchmesser der vorhandenen Löcher mit dem Durchmesser des Bohrers übereinstimmte. Er setzte den Akkuschrauber an und wunderte sich dann doch, dass nur ganz kurz den Motor eingeschaltet hatte, als der Bohrkopf bereits auf die andere Seite durchrutschte. Er grinste und meinte noch: „Da hätte ich wirklich mit Kanonen auf Spatzen geschossen, wenn ich den Bohrhammer zum Einsatz gebracht hätte.“

 

Ich erklärte noch kurz, dass am sichersten auch hinten die beiden Schränke miteinander verbunden werden, dort sollte auf alle Fälle eine Verbindung in der Mitte ausreichen. Mit dieser Erklärung verzog ich mich aus dem Schlafzimmer und ging noch einmal ins Wohnzimmer. Dort waren inzwischen sechs Mann am Arbeiten.

 

Holger und Pete fingen an die Gardinenleisten für die Schiebegardinen zur Decken­montage vorzubereiten. Holger meinte, die die Stoffe haben eine Länge von rund drei Metern, die Deckenhöhe beträgt aber nur knapp zwei Meter und fünfundvierzig Zentimeter.

 

Du solltest kurz ins Schlafzimmer gehen und mit Mario abklären, wie er es haben will. Für die Löcher solltet ihr euch den Bohrhammer aus dem Schlafzimmer holen. Holger meinte, er geht und holt Mario und bringt gleich den Bohrhammer mit. Kurze Zeit später stand er mit Mario im Wohnzimmer und besprachen mit ihm, wie er sich seine Gardine vorstellte und wie sie anzubringen ist.

 

Da ich hier oben nicht gebraucht wurde, ging ich wieder nach unten ins Büro zu Sepp. Beim Eintreten ins Büro stellte ich verwundert fest, dass das Büro unbesetzt war. War Sepp nach Hause gefahren, um seine Frau abzuholen? Beim Blick aus dem Fenster stellte ich fest, dass sein Wagen noch immer auf dem Parkplatz stand, wo es bereits bei unserer Ankunft gestanden hatte. Daneben stand jetzt jedoch ein Kleinwagen.

 

Das würde bedeuten, dass Sepps Frau Marianne inzwischen eingetroffen sein musste. Ich versuchte deshalb mein Glück im Aufenthaltsraum, wo ich die beiden gesuchten Personen antraf. Ich begrüßte sie herzlich und stellte fest, dass in den beiden Pfannen bereits einige Fleischpflanzerl brutzelten. Deshalb fragte ich gleich: „Wie sieht es aus, wann soll ich die schwer arbeitende Meute in den Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter der Gärtnerei scheuchen.“

 

Sepp schaute seine Frau und sagte: „Ich denke, du kannst schon nach oben gehen und alle holen, damit sie rechtzeitig hier sind, die ersten Fleischpflanzerl werden in wenigen Minuten fertig sein.“

 

Ich ging wieder nach oben und mein erster Weg führte mich ins Wohnzimmer, wo ich den größeren Teil der Helfer finden sollte. Ich blieb an der Tür stehen und meinte: „Alle kurz zuhören, die fleißigen Helfer werden im Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter der Gärtnerei erwartet.“

 

Thomas schaute mich an und fragte: „Was sollen wir dort, du hältst uns nur von unserer wichtigen Arbeit ab. Können wir uns nicht später gemütlich zusammensetzen?“

 

Ich grinste und antwortete: „Theoretisch schon, aber dann wäre, dass schöne Essen, das Marianne für euch gekocht hat, sicher wieder kalt. Ich bin mir sicher, dass wir das auch kalt essen könnten, aber Marianne erwartet euch bereits dort und wir sollten sie nicht zu lange warten lassen. Mittagspause, also Abmarsch nach unten.“

 

Ich ging weiter ins Schlafzimmer und verbreitete die gleiche Meldung wie eben im Wohnzimmer. Mario schaute mich an und sagte: „Ich hatte schon den Verdacht, dass Sepp nicht nur deinetwegen hier war, um mit dir zu plaudern. Schon als er mich fragte, mit wie vielen Leuten wir heute arbeiten würden, kam mir das etwas komisch vor. Ich vermute, dass Marianne gekocht hat und wir runterkommen sollen, bevor wieder alles kalt wird. Jungs auf geht’s, bevor wir uns Ärger bei Marianne einhandeln.“

 

Die sechs aus dem Wohnzimmer standen schon im Flur und warteten auf uns. Mario ging voraus und alle folgten ihm. Thomas und ich gingen als letzte hinter der ganzen Truppe nach unten.

 

Als wir in den Aufenthaltsraum eintraten, grinste Mario Marianne an und sagte zu ihr: „Ich habe schon so etwas geahnt, als Sepp vorher bei mir war und scheinheilig nachfragte, mit wie vielen Personen wir heute meine Möbel aufbauen. Vor allem seine Begründung, er sei nur hier, um mit Peter ein wichtiges Gespräch zu führen, war mir etwas suspekt. Das Gespräch hätte er sicher auch telefonisch erledigen können.“

 

Ich mischte mich ein und sagte: „Sepp hat mit mir über die Mitarbeiter von Dieter gesprochen und gemeint, dass ich bei ihm kurzfristig nachfragen soll, ob er eventuell ab April oder Mai jemanden hat oder bekommt, der uns in der Gärtnerei unterstützen könnte. Soweit ich informiert bin, hat er mit dir darüber bereits gesprochen.“

 

Mario schaute mich an und sagte: „Darüber haben wir diese Woche gesprochen, das stimmt, ich habe dem Vorschlag auch zugestimmt. Ich war nur der Meinung, dass ich das erst in wenigen Wochen mit dir und Dieter abklären soll.“

 

Ich grinste und erklärte: „Ich bin voll auf deiner Seite, das hätten wir in wenigen Wochen auch noch klären können, aber Sepp benötigte eine brauchbare Erklärung, warum er am Sonntag hier ist. Musste halt Dieter als Ausrede herhalten, um dich auszuhorchen. Marianne hätte ihn sonst um einen Kopf kürzer gemacht, wenn er nicht herausfindet, für wie viele Leute sie kochen soll.“

 

Marianne lächelt und meinte: Jungs setzt euch, der Kartoffelsalat und Getränke stehen schon am Tisch. Ich stelle gleich noch die Pfannen mit den Fleischpflanzerln auf den Tisch und dann könnt ihr loslegen.“

 

Marianne und Sepp setzten sich zu Thomas und mir an den Tisch und während des Essens grinste mich Sepp an und sagte: „Peter, ich frage mich, wie du es schaffst, Marianne als Sündenbock hinzustellen und mich aus der Schusslinie zu holen.“

 

Marianne lächelte Sepp am und meinte: „Den schwarzen Peter übernehme ich gern, ich war es doch auch, die dich dazu gedrängt hat, mir die notwendigen Informationen zu besorgen. Dass du nicht mit der Tür ins Haus fallen solltest, war doch von Anfang an klar, also hast du eine gute Ausrede gebraucht.“

 

Nach dem guten und reichlichen Mittagessen scheuchte Mario die Jungs wieder nach oben, um dort weiter die Möbel zusammenzubauen. Er meinte: „Marianne, ich bin mir sicher, dass du sehen willst, wie ich mich einrichte. Du kannst nachher gern nach oben kommen und dir alles anschauen. Für das Schlafzimmer haben wir alles eingekauft, die Essecke ist fast vollständig und im Wohnzimmer fehlt noch der Wohnzimmerschrank, ein Lowboard für den Fernseher und ein Tischchen am Sofa.

 

Ich werde diese Woche noch in einem Rosenheimer Möbelhaus nach den fehlenden Teilen schauen. Die neue Küche wird am Donnerstag geliefert und aufgebaut. Ich kann dir aber bereits ein Bild zeigen, wie die neue Küche aussehen wird.“

 

Damit verschwand er ebenfalls nach oben, nachdem sich Thomas ihm angeschlossen hatte. Ich blieb mit Marianne und Sepp im Aufenthaltsraum zurück. Ich meinte: „Die Jungs haben beim Essen ordentlich zugeschlagen, es ist kaum noch etwas übriggeblieben. Ich helfe euch schnell, das schmutzige Geschirr in den Geschirrspüler einzuräumen, dann können wir die Maschine gleich einschalten und ihr habt morgen wieder sauberes Geschirr für Mittag.“

 

Während Sepp und ich abräumten verstaute Marianne das Geschirr in den Spüler und als sie alles verstaut hatte meinte sie: „Es hätte sicher noch etwas Geschirr Platz in der Maschine, aber ich denke wir können sie dennoch anschalten.“

 

Ich hatte mir ein Spültuch besorgte und wischte bereits die Tische ab, als Sepp meinte: „Marianne, den Jungs scheint es geschmeckt zu haben, sonst wäre weitaus mehr übriggeblieben. Peter, wie du siehst, fällt es Marianne und mir immer noch schwer, endlich loszulassen und uns endgültig aufs Altenteil zurückzuziehen. Ich hoffe du hast damit kein Problem, wenn wir euch noch eine Zeitlang erhalten bleiben.“

 

Ich lächelte und meinte: „Marianne, Sepp, ich kenne das von meinem Vater, der auch lange gebraucht hat, bis er sich entschlossen hat den Gutshof zu verpachten und sich teilweise zurückzuziehen, da keines seiner Kinder, mich eingeschlossen, einen rein landwirtschaftlichen Betrieb weiterführen wollte. Er hat sich im Grunde genommen fast bis zu seinem Tod mit dem Fortbestand des Gutshofes auseinandergesetzt.

 

Erst auf seinem Sterbebett, hat er mir erklärt, dass ich sein Nachfolger als Familien­oberhaupt werden soll. Damit hatte ich nicht gerechnet und ich musste mich erst mit der ganzen Materie vertraut machen. Da der Pächter aus Altersgründen und ebenso ohne Nachfolger, den Pachtvertrag gekündigt hatte, sollte ich als erste Aufgabe einen neuen Pächter suchen.

 

Im Zuge der Vorbereitungen für die Beisetzung, landete mein Neffe Jonas mit seinem Tim bei mir, weil seine Mutter für ihn angeblich in ganz Rosenheim kein Hotelzimmer gefunden habe. Als die beiden uns erzählten, dass sie in Weihenstephan Landwirtschaft studieren wollen, reifte so langsam der Plan, den landwirtschaftlichen Teil doch nicht zu verpachten, sondern mit der Jugend zusammen, den Gutshof auf mehrere Säulen zu stellen.

 

Da die beiden Jungs zukünftig auch Gemüse anbauen wollten, bot sich der Kauf der Gärtnerei Winter an, nachdem Manuel zufällig zu uns gestoßen war. Zeitgleich entstand die Idee mit dem Hofladen und dem Hofcafé, dem Restaurant im Gutshof und der Nutzung des Gesindehauses für benachteiligte Kinder und Jugendliche.

 

Mit der Übernahme der J. Graf GmbH und der G. Bauer GmbH, sowie der Gründung der Stiftung kamen weitere neue Betriebszweige hinzu. Eure Gärtnerei ist inzwischen das zehnte Unternehmen, dass wir in den letzten zweieinhalb Jahren übernommen haben. Alle werden eigenständig weitergeführt.

 

Völliges Neuland, auch für mich, habe ich mit der E. Obermeier GmbH betreten. Der bisherige Handwerksbetrieb für Elektro, Sanitär und Heizung, wurde schrittweise um weitere Gewerke, die am Bau benötigt werden, erweitert. Inzwischen decken wir damit fast alle am Bau benötigten handwerklichen Sparten ab. Eddie blieb uns auch ein gutes halbes Jahr erhalten, er hat sich zum Jahresende endgültig zurückgezogen.“

 

Marianna lachte und meinte: „Dann ist das ja für dich nichts neues, dass sich ehemalige Firmeninhaber schwertun, endgültig loszulassen.“

 

Ich erklärte dazu: „Ich habe kein Problem damit, angefangen hat das schon bei Fritz Winter, der, obwohl er von seinem Sohn nichts mehr wissen wollte, immer wieder im Betrieb aufgetaucht ist und wissen wollte, wie sich das Unternehmen weiterentwickelt.

 

Spätestens seit Eddie ist mir klar geworden, dass die jungen Mitarbeiter sogar froh darüber sind, wenn ein alter, erfahrener Hase in der Übergangszeit an ihrer Seite steht. Bei Mario sehe ich das ebenso, da er auf die Erfahrungen von Sepp zurückgreifen kann, er kennt seinen Betrieb bisher am besten. Vor allem auf die wichtigen Erfahrungen, die bei Biogemüse notwendig sind. Kommt Mario doch aus einem traditionellen Gemüseanbauunternehmen, dass vorwiegend auf Kunstdünger gesetzt hat.“

 

Sepp meinte: „Ich kann das nur bestätigen, Mario hat noch seine Schwierigkeiten mit der im Bioanbau erforderlichen Düngung, ihm ist bewusst, dass Kunstdünger nichts auf dem Boden zu suchen hat und lernt derzeit, dass seine wichtigsten Instrumente für die Düngung kompostierte Abfälle sind.

 

Da fällt mir ein, Manuel und Mario haben in den letzten Tagen öfter darüber gesprochen, ob die Kompostierung zukünftig nur in einer Gärtnerei durchgeführt wird. Es ging wohl darum, dass die Kompostierung der Gärtnerei Winter erneuert und erweitert werden soll. Ich habe dann angeregt, die Kompostierung zu uns zu verlegen und nur die Kapazitäten so auszuweiten, dass der komplette Kompost für beide Gärtnereien in einer Anlage produziert werden soll.“

 

Ich schaute ihn an und meinte: „Das Thema ist nicht neu für mich, wir haben schon vor Monaten darüber gesprochen. Es ging in erster Linie darum, dass mit den neuen Wohnungen noch mehr Biomüll anfallen wird, der zu kompostieren ist. Damals gab es noch keine weitere Gärtnerei, so dass wir damals davon ausgegangen sind, dass die Anlage bei der Gärtnerei Winter entsprechend erweitert wird.

 

Deine Anlage ist vermutlich neueren Datums, sie wird mit der neuen Gärtnerei entstanden sein. Da würde sich anbieten, dass wir die neuere Anlage erweitern und die alte Anlage bei Manuel komplett stilllegen, sofern die Anlage bei dir entsprechend erweitert werden kann. Der gewonnene Platz könnte mit einem neuen ressourcenschonenden Gewächshaus bebaut werden, was die Erneuerung der Gewächshäuser beschleunigen würde.“

 

Sepp meinte: „Der Platz für eine Erweiterung ist vorhanden, da ich immer davon ausgegangen, dass wir mehr Kompost brauchen, wenn mein Enkel die vorgesehenen Erweiterungen durchgezogen hätte. Nach der neuen Abpackhalle wären die nächsten Schritte, Erweiterung der Anbauflächen und der Kompostierung gewesen. Der Gärtnerei gehören noch Grundstücke, die bisher noch verpachtet sind an zwei Landwirte.“

 

Marianne schaute ihn an und meinte: „Sepp, das kann nicht sein, von den Landwirten sind die vereinbarten Pachtsummen für das laufende Jahr, in den letzten Tagen direkt auf unserem privaten Konto eingegangen. Wenn die Pachtverträge mit der Gärtnerei abge­schlossen wurden, sollten wir die beiden Summen unverzüglich auf das Konto der Gärtnerei übertragen.“

 

Sepp sagte: „Ich bin felsenfest überzeugt, dass die Verträge zwischen der Gärtnerei und den Landwirten geschlossen wurden, denn die gesamten Grundstücke wurden damals von der Gärtnerei erworben. Könntest du die Pachtverträge aus dem Büro holen, damit wir das eindeutig klären können.“

 

Marianne stand auf und ging ins Büro. Nach wenigen Minuten kehrte sie mit zwei Ordnern zurück, die mit den Namen der Landwirte beschriftet waren. Sepp öffnete den ersten Ordner und holte den Pachtvertrag heraus. Er las sich kurz in den Pachtvertrag ein und meinte: „Der Pachtvertrag mit dem Wimmerbauern ist eindeutig von der Gärtnerei abgeschlossen worden.“

 

Das gleiche Spielchen wiederholte sich beim zweiten Ordner, wo er ebenfalls bestätigte, dass der Vertrag zwischen dem Huberbauern und der Gärtnerei geschlossen wurde. Er erklärte. „Marianne, wir müssen die beiden Summen sofort an die Gärtnerei übertragen, ansonsten könnte uns Peter Unterschlagung vorwerfen.“

 

Ich lachte und meinte: „Unterschlagung ist es erst dann, wenn du vorsätzlich das Geld abkassierst. Einen Vorsatz sehe ich bis jetzt noch nicht. Du kannst nichts dafür, dass die beiden Landwirte auf dieses Konto überwiesen haben. Kann ich die beiden Ordner mitnehmen, damit wir die Pachtflächen in unsere Immobilienverwaltung aufnehmen können.

 

Was du machen solltest, die beiden Landwirte darauf hinweisen, dass sie zukünftig die Pachtzahlungen auf das Firmenkonto der Gärtnerei überweisen. Ihr braucht euch mit der Überweisung nicht zu beeilen, da bei uns erst die Voraussetzungen geschaffen werden müssen, dass wir die Zahlungseingänge verbuchen können. Vor Ende nächster Woche wird da nicht viel passiert sein. Habt ihr für mich Kopien der Grundbuchauszüge, die der GmbH gehören, dann kann das bei uns vollständig und ordentlich zugeordnet werden.“

 

Marianne erklärte: „Ich habe im Büro den Ordner gesehen, in dem sämtliche Grundbuchauszüge der Grundstücke der Gärtnerei abgelegt sein sollten. Ich kann den Ordner sofort holen.“

 

Ich schaute Marianne an und meinte: „Bevor du jetzt losrennst und den Ordner holst, am besten du stellst alle Ordner zusammen, die Grundstücksangelegenheiten betreffen. Dann können sich unsere Immobilienleute einen vollständigen Überblick über die Liegenschaften der Gärtnerei machen. Wichtig erscheint mir auch, auf welchem Grundstück sich die verschiedenen Gebäude und Gewächshäuser befinden, damit für Grundsteuerangelegenheiten eine vernünftige Zuordnung möglich ist.

 

Habt ihr auch eine Flurkarte, auf der die einzelnen Grundstücke erkennbar sind. Im Grunde genommen brauche ich alles über die einzelnen Grundstücke, die der Gärtnerei gehören. Vorher sollten wir aber erst der Betriebsleiterwohnung einen Besuch abstatten.“

 

Marianne grinste und meinte: „Sepp, du kommst doch mit zur Besichtigung von Marios Wohnung, danach suchen wir für Peter gemeinsam alle Ordner zusammen, die etwas mit den Grundstücken zu tun haben.“

 

Die beiden standen auf und ich erhob mich ebenfalls von meinem Sitzplatz. Gemeinsam gingen wir eine Etage höher und betraten die Wohnung. Unser erster Weg führte uns ins Schlafzimmer, wo ich bei meinem Eintritt feststellte, dass der Kleiderschrank kurz vor der Fertigstellung war. Inzwischen waren die Jungs bereits dabei die Einzelteile für das Doppelbett aus den Kartons zu holen und mit dem Zusammenbau zu beginnen.

 

Als Marianne den Vier-Meter-Kleiderschrank inspizierte, meinte sie zu Sepp: „So einen Kleiderschrank hätte ich mir auch immer gewünscht, da bringe ich nicht nur die Bekleidung, sondern auch alle Handtücher und die Bettwäsche locker unter.“

 

Mario grinste und meinte: „Ich habe alle Unterlagen, dass du dir den gleichen Schrank bei Ikea zusammensuchen und bei dir aufbauen kannst. Wenn du die Türen in einer anderen Farbe haben willst, es gibt mindestens fünfzehn verschiedene Fronten zur Auswahl. Du kannst sie sogar als Spiegeltüren haben.“

 

Sepp schaute ihn an und erklärte: „Du glaubst doch nicht wirklich, dass wir uns deswegen einen neuen Kleiderschrank kaufen, nur weil Marianne dein Schranksystem so gut gefällt. In unserem Alter brauchen wir uns keine neuen Möbel mehr anzuschaffen.“

 

Ich meinte: „Sepp, Marianne, lasst uns weitergehen, es gibt noch mehr zu sehen als nur ein Schlafzimmer. Ich würde sagen, als nächstes sehen wir uns sein neues Esszimmer an, auch wenn dort bisher nur ein Tisch und sechs Stühle stehen.

 

Im Kinder- oder Gästezimmer stehen eine Menge Kartons, das sind alles Dinge, die später in der neuen Küche ihren Platz finden. Geschirr, Töpfe, Schüsseln, Besteck, Gläser und alles, was er bereits für seine Küche eingekauft hat.“

 

Im Esszimmer meinte Marianne: „Ein schöner großer Tisch mit sechs Stühlen, da kann er sich schon Gäste einladen. Wenn er endlich eine passende Lebensgefährtin gefunden hat, kann die sich bereits ins gemachte Nest setzen und braucht nicht erst eine komplette Wohnung einzurichten. Die Möbel, die er sich bisher ausgesucht hat, gefallen mir sehr gut.“

 

Weiter ging es ins zukünftige Wohnzimmer, wo die Sitzgelegenheit sich so langsam der Fertigstellung näherte. Immerhin bastelten sie jetzt zu sechst an dem Sofa. Die Schiebevorhänge und -gardinen hingen bereits von der Decke und verbreiteten ein wohnliches Gefühl. Ich meinte zu Thomas, wenn wir neue Vorhänge und Gardinen kaufen, würde ich ein System mit Schiebevorhänge und -gardinen bevorzugen. Das gefällt mir besser als unsere inzwischen doch altmodischen Gardinen.

 

Da Marianne und Sepp alles gesehen hatten, verabschiedeten sich die Beiden und Marianne meinte: „Wir richten dir im Büro alle Ordner her, die etwas mit dem Grundbesitz der Gärtnerei zu tun haben. Du kannst sie später zum Gutshof mitnehmen, damit deine Leute die Daten in eure Immobilienverwaltung einbringen können. Wir werden anschließend nach Hause fahren.“

 

Gegen sechzehn Uhr waren alle Möbel in der neuen Wohnung von Mario aufgebaut. Ich meinte: „Jungs, wir fahren jetzt nach Hause, ich brauche vorher aber noch ein paar Helfer, die mit mir die von Marianne und Sepp bereitgestellten Ordner mit den Grundstücksinformationen zu meinem Auto bringen.“

 

Ich ging voraus ins Erdgeschoß und beim Blick ins Büro sah ich am Schreibtisch zwei Gemüsekisten, bepackt mit etwa insgesamt fünfzehn oder sechzehn Ordnern. Als David und Tobias auftauchten, meinte sie, die zwei Kisten würden sie locker ins Auto tragen. Ich sagte dazu nichts, da ich vermutete, was die Kisten mit den Ordnern in etwa wiegen könnten.

 

Als David die erste Kiste hochlupfen wollte, stellte er fest, dass die Kiste für einen allein doch etwas zu schwer wäre. Gemeinsam schleppte David und Tobias die erste Kiste zum Auto und stellten sie in den Kofferraum. Ich hatte ihnen den Autoschlüssel mitgegeben, damit sie das Fahrzeug öffnen konnten.

 

Holger und Florian schnappten sich die zweite Kiste und brachten sie ebenfalls zum Auto. Wir saßen alle im Auto und waren bereits unterwegs nach Hause, als David meinte: „Sag mal Peter, haben Marianne und Sepp Bleibarren in die Kisten gelegt, die haben verdammt viel Gewicht.“

 

Ich grinste und meinte: „Nein haben sie sicher nicht, ein einziger Ordner kann bis zu sechshundert Blatt aufnehmen, damit wiegt jeder volle Ordner etwas mehr als drei Kilogramm. Selbst wenn die Ordner nicht vollgepackt sind, wiegt eine Kiste mindestens dreißig Kilo. Die beiden Kisten zusammen kommen sicher auf mindestens knapp sechzig Kilo.“

David meinte: „Peter, wie kommst auf die gut drei Kilo pro Ordner, Papier ist doch gar nicht so schwer!“

 

Ich erklärte: „Dann rechne einfach mit, sechzehn Blatt ergeben einen Quadratmeter, der Quadratmeter hat ein Gewicht von achtzig Gramm. Wenn ich die achtzig Gramm durch sechzehn teile, komme ich auf etwa fünf Gramm je Blatt. Fünf Gramm mal sechshundert Blätter ergibt dreitausend Gramm, dazu das Gewicht des Ordners mit etwa zweihundert Gramm. So einfach ist das gerechnet.“

 

Zuhause trugen die vier Jungs die Kisten mit den Ordnern in mein Büro, wo ich sie am Montag an Benjamin, Ludwig und Bernhard zur weiteren Bearbeitung übergeben wollte. Vom Abendessen, zu dem uns Mario ins Restaurant eingeladen hatte, gibt es nichts Besonderes zu berichten. Selbst die Gespräche hatten nur Belanglosigkeiten als Thema.

 

Unsere vier Mitbewohner konnten uns anschließend doch noch zu einem kurzweiligen Spieleabend überreden, den wir gegen zweiundzwanziguhrdreißig beendeten.

 

 

Am Dienstagmorgen verlief alles wieder in geordneten Bahnen, mit dem kleinen Unterschied, dass ich heute wieder einmal das Vergnügen hatte, der Realschule in Rosenheim einen Besuch abstatten zu dürfen. Unsere beiden Schulpflichtigen, David und Tobias, hatten sich wie immer um kurz nach sieben Uhr verabschiedet um gemeinsam mit den anderen Kids, mit dem Schulbus zu ihrer Bildungsanstalt zu fahren.

 

Kurz vor siebenuhrdreißig stand ich mit Gero und Ronald vor dem Verwalterhaus und klingelte. Manuel öffnete und meinte, er würde kurz seine beiden Jungs rufen, damit wir rechtzeitig vor Schulbeginn im Sekretariat und bei der neuen Direktorin aufschlagen. Nachdem er nach den beiden Jungs gerufen hatte, hörte ich schon kurze Zeit später, wie sie polternd die Treppe herunterstürmten.

 

Auf dem Weg zur Schule meinte Manuel: „Peter, könntest du mich nachher direkt in der Gärtnerei abliefern, sonst müsste ich Daniel anrufen, damit er mich vom Gutshof abholen kommt. Wir hatten über das Wochenende nur unser kleines Auto da, alle Transporter standen ausnahmsweise in der Gärtnerei.“

 

Ich meinte: „Kein Problem, der kleine Umweg über die Gärtnerei, sollte kein Problem für mich sein.“

 

Ich fragte nach hinten: „Klaus, wie geht es dir mit deinem neuen Vornamen, hast du dich schon daran gewöhnt? Du solltest heute und die nächsten Tage verdammt gut aufpassen, dass dir nicht aus Versehen rausrutscht, dass du bisher Holger warst.“

 

Florian grinste und meinte: „Gestern, als wir nach Klaus riefen, fühlte er sich überhaupt nicht betroffen, erst auf Klaus-Holger hat er reagiert. Zumindest heute Morgen beim Aufwecken und beim Frühstück hat er auf Klaus reagiert. Es besteht noch Hoffnung, dass er sich so langsam an seinen neuen Vornamen gewöhnt.“

 

Klaus lachte und sagte: „Ist noch schwer gewöhnungsbedürftig, dass ich jetzt Klaus heiße, aber so langsam wird es schon. Ist aber auch nicht verwunderlich, wenn du dein ganzes Leben lang Holger gerufen wirst und inzwischen schon automatisch darauf reagierst. Ich hoffe die anderen denken daran, dass sie nicht nach Holger rufen und ich, dass ich auf Klaus reagiere. Ich habe aber auch noch Schwierigkeiten mit meinem neuen Familiennamen, nur ist das leichter, da im Verwalterhaus vier Personen leben, die mit diesem Familiennamen herumlaufen, unter anderem meine beiden Väter.“

 

Ich erklärte: „Es ist wichtig, dass du dich so schnell wie möglich an deine neuen Namen gewöhnst, sonst hilft die ganze Verschleierungstaktik nichts, die das Jugendamt und das Familiengericht veranstaltet haben.“

 

Klaus erklärte: „Florian und ich haben ins abgesprochen, dass wir uns schon sehr lange kennen und wir beide von Daniel und Manuel Winter deshalb adoptiert wurden, weil wir zwei Brüder sind. Wenn es jemand genau wissen will, erklären wir, dass unsere Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind und wir seit Jahren im Kinderheim leben. Das müssen wir nur noch den anderen Mitbewohnern vom Gutshof verklickern, die mit uns zur Schule gehen.“

 

Manuel, der die ganze Zeit ruhig zugehört hatte, meinte: „Jungs, ihr seid verrückt, das kann niemals funktionieren. Florian du hast dabei vergessen, dass du vor gut einer Woche als Pflegekind bei Peter und Thomas untergebracht wurdest. Wo kommt plötzlich dein älterer Bruder her, da er nicht als Pflegekind bei Peter aufgetaucht ist.“

 

Er lachte und erklärte: „Ganz einfach, ich habe dich und Daniel so lange genervt, bis ihr zugestimmt habt, meinen großen schwuler Bruder ebenfalls zu adoptieren, weil ich nicht ohne ihn hier leben wollte. Unsere Adoption wurde kurzfristig abgearbeitet, weil er nach seinem Outing das Kinderheim sowieso hätte verlassen müssen und in einem Jugendwohnheim untergekommen wäre.“

 

Ich hatte inzwischen vor der Schule eingeparkt und meinte: „Jungs, die Story sollten wir noch in Ruhe besprechen, und vor allem alle Jungs informieren, bevor ihr die Geschichte in Umlauf bringt. Es wird Zeit, dass wir aussteigen und uns auf den Weg ins Sekretariat machen.“

 

Wir stiegen aus, gingen ins Schulhaus und auf dem direkten Weg zur Schulsekretärin, die uns auch sofort ins Direktorat zu Frau Gerber brachte. Ich begrüßte sie freundlich und meinte: „Florian kennen sie ja bereits, mit ihm war ich letzte Woche zum Anmelden hier. Der junge Mann hier, Klaus, darf ab heute für die letzten Monate ihre Bildungseirichtung besuchen, ich nehme an, sie wurden von Frau Wegmann bereits informiert.

 

Dann hätten wir hier die beiden Brüder Gero und Ronald, dafür sollten ihnen die aktuellen Schulunterlagen seit Ende letzter Woche vorliegen. Für die beiden Jungs sind mein Partner und ich als Pflegeeltern eingesetzt worden.“

 

Sie meinte: „Frau Wegmann hat mich am Freitag noch angerufen und hat mir bereits avisiert, dass ab dieser Woche ein weiterer Schüler, der am Gutshof wohnen wird, von ihnen und seinem Adoptivvater bei uns angemeldet wird. Ich nehme an, dass dann Manuel Winter ein Elternteil von dem jungen Mann sein wird.

 

Gero und Ronald wurden mir bereits am Mittwoch avisiert, ebenfalls von Frau Wegmann. Sie meinte noch, die Jungs würden ab dieser Woche zu uns kommen, hat aber nicht gesagt, dass sie bei ihnen als Pflegekinder gelandet sind. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass ein Mitarbeiter vom Kinderheim die beiden anmelden wird.“

 

Ich antwortete ihr: „Wir sollten trotzdem Florian als erstes abarbeiten, dass er noch rechtzeitig in seine Klasse kommt, bevor der Unterricht beginnt. Bei ihm gibt es auch eine Änderung. Florian ist ab sofort nicht mehr unser Pflegekind, er wurde ebenfalls von Manuel und seinem Ehepartner adoptiert. Hier ist die offizielle Adoptionsurkunde, die wir gestern vom Standesbeamten bekommen haben.“

 

Als ich ihr die Urkunde in die Hand drückte, lachte Frau Gerber und meinte: „So eine Urkunde war der Auslöser, warum ich über Nacht zur Schulleiterin wurde und dass ist gerade mal sechs oder sieben Wochen her.“

 

Sie öffnete die Tür zum Sekretariat und bat Frau Färber zu uns zu kommen. Sie erklärte ihr: „Florian Hübner gibt es nicht mehr, bei dem jungen Mann wurde das Adoptionsverfahren abgeschlossen und er heißt ab sofort Florian Winter. Hier sitzt einer der beiden Väter, den sie sicher noch kennen, als er hier die Schulbank gedrückt hat. Ich hatte ihn noch in meinem ersten Jahr an dieser Schule in meiner Klasse.

 

Bringen sie bitte Florian in seine Klasse und erklären, warum Florian erst mit leichter Verspätung zum Unterricht kommt. Sie können seelenruhig erklären, dass er bereits Freitag letzter Woche von Manuel Winter und seinem Ehepartner adoptiert wurde. Wir wussten bereits, dass das Verfahren lief, nur wann es abgeschlossen wird, war noch offen.“

 

Florian grinste und beim Verlassen des Raumes sagte er: „Bis später Papa, ich fahr dann mittags mit meinem Bruder Klaus und den anderen Kids mit dem Bus zum Gutshof zurück.“

 

So schnell wie er danach den Raum verlassen hatte, konnte keiner mehr reagieren. Manuel und ich schauten uns an, den mit seiner Aussage, hatte er vollendete Tatsachen geschaffen. Klaus schaute hilflos zwischen Manuel und mir hin und her und meinte: „Musste das jetzt sein, das Florian mich sofort outet.“

 

Frau Gerber schaute Manuel und mich unsicher an, so dass ich versuchte zu erklären: „Die beiden Jungs teilen sich ein großes Zimmer und Florian betrachtet Klaus als so etwas wie seinen großen Bruder, den er nie hatte. Immerhin wurden beide Jungs von Manuel und Daniel adoptiert und sind damit zumindest so etwas wie Adoptivbrüder. Vielleicht hat er es davon abgeleitet, aber definitiv weiß ich es nicht. Hier ist die Adoptionsurkunde von Klaus, für ihre Unterlagen.“

 

Bevor wir uns jedoch mit ihm beschäftigen, sollten wir dafür sorgen, dass Ronald und Gero von mir angemeldet werden. Sie hätte Florian noch gar nicht mit der Sekretärin losschicken müssen, da beide vermutlich in eine Klasse gehen werden. Die beiden Jungs kennen sich bereits aus ihrer bisherigen Schule.“

 

Ich übergab ihr die Urkunde für Klaus, sowie die beiden Pflegschaftsurkunden für Ronald und Gero und sprach weiter: „Frau Gerber, es wird das Vernünftigste sein, die beiden Anmeldungen vorzuziehen, dann kann die Sekretärin auch den Neuzugang in Florians Klasse loswerden, während wir danach die Angelegenheit Klaus klären.“

 

Sie meinte: Okay, können wir so machen, wenn ich das so richtig sehe, was ich den mir vorliegenden Unterlagen entnehmen kann, kennen sich Gero und Holger ebenfalls, da sie bisher ebenfalls in eine Klasse gegangen sind.“

 

Wir erledigten die die Anmeldeprozedur für unsere beiden Pflegekinder und als alles erledigt war, rief Frau Gerber erneut nach ihrer Sekretärin und bat sie, Ronald in dieselbe Klasse zu bringen, wo sie vorher bereits Florian abgeliefert hatte. Sie erklärte ihr, dass es ihr leidtun würde, sie noch einmal zu bemühen, aber sie habe vorher im Eifer des Gefechts vollständig übersehen, dass die beiden Jungs in eine Klasse gehen würden.

 

Frau Färber erklärte ihr: „Edith kein Problem, ich habe mich vorher zwar gewundert, warum ich nur Florian dort abliefern sollte, da ich ja auch wusste, dass Ronald und Florian in einer Klasse sein werden. Ich hatte angenommen, dass die drei Neuzugänge gesondert in die jeweiligen Klassen eingeführt werden. Ronald auf geht’s, ich kann dir schon sagen, dass du neben Florian sitzen wirst.“

 

Ronald stand auf, schnappte sich seine Schultasche und folgte Frau Gerber zu seiner neuen Schulklasse, dass er neben Florian sitzen sollte, beflügelte seine Schritte. Kaum hatte sich die Tür wieder geschlossen erklärte ich: „Ich habe keine Ahnung, was ihnen Frau Wegmann bereits über Klaus erzählt hat. Es gibt weiter Hintergrundinformationen, die sie wissen sollten. Für uns ist nur wichtig, dass keinerlei Informationen an Dritte weitergegeben werden, vor allem, um das Leben von Klaus nicht zu gefährden.“

 

Sie schaute mich erschrocken an und sagte: „Dann kann ich nur hoffen, dass er kein Mafios ist. Drogen, Mord und Totschlag kann ich an der Schule nicht brauchen.“

 

Klaus grinste und meinte: „Keine Sorge, ich bin weder Mafioso noch ein krimineller Junge, ich habe nur ein Handicap, ich bin schwul und deshalb will mich mein eigener Vater umbringen, weil er mich für lebensunwert hält, so ähnlich wie es bei Peter Burgmeister ist, dessen Mutter ihn ebenfalls für lebensunwert erachtet.“

 

Ich klärte Frau Gerber auf: „Klaus leiblicher Vater ist ein bekannter Rechtsradikaler und Nationalsozialist in München. Er hat letzte Woche am Gutshof randaliert und wollte seinen Sohn umbringen, weil er schwul ist. Mit Hilfe der Polizei und Herrn Oberstaatsanwalt Burgmeister, sowie dem Jugendamt konnte schlimmeres verhindert werden. Noch sollte Klaus Vater in Untersuchungshaft sitzen. Das Jugendamt hat mit Hilfe des Familiengerichts den Eltern das Sorgerecht entzogen.

 

In einer Eilanhörung hat das Familiengericht entschieden, dass Klaus nie wieder zu seinen Eltern zurückkann, was er auch gar nicht mehr will, solange er nicht volljährig ist. Um seinem Vater die Suche nach seinem Sohn zu erschweren, wurde die Adoption kurzfristig durchgezogen und gleichzeitig, die Adoption von Florian, da beide zu den gleichen Adoptiv­eltern kommen sollten.

 

Dass Thomas und ich ihn adoptieren konnten, mussten wir von vornherein ausschließen, da es ansonsten für ihn leichter gewesen wäre seinen Sohn bei uns aufzustöbern. Wir hatten auch schon darüber diskutiert, ihn in einem Zeugenschutzprogramm unterzubringen. Herr Burgmeister, meinte aber, dass es vernünftiger und sicherer wäre, wenn Klaus nur adoptiert wird. Er ist der Meinung, dass sein Vater, sofern er nach seinem Sohn suchen würde, eher von einer Unterbringung im Zeugenschutzprogramm und nicht von einer Adoption ausgehen würde.

 

Im Übrigen wurde vom Familiengericht angeordnet, dass Klaus seinen bisherigen Rufnamen durch einen neuen ersetzen muss, um damit die Suche nach ihm weiter zu erschweren. In den Unterlagen des Standesamts taucht sein alter Rufname nicht mehr auf, Klaus ist der erste Vorname, der jetzt in allen Urkunden eingetragen ist.“

 

Frau Gerber meinte: „Ich habe heute Morgen ein Fax der Münchner Realschule erhalten in dem uns die bisherigen Leistungen für einen Klaus Joachim Winter übermittelt wurden. Mit dem, was ihr mir eben erzählt habt, stelle ich fest, dass selbst die Unterlagen in München bereits so abgeändert wurden, dass bei uns kein adoptiertes Kind ankommt.

 

Da Klaus noch keinen neuen Personalausweis hat, werde ich in den Akten nur vermerken, dass der anmeldende Vater bekannt sei, sich aber zusätzlich durch seinen Personalausweis ausgewiesen hat. Damit brauche ich keine Kopie der Adoptionsurkunde in meinen Unterlagen aufzubewahren. Wieder ein Risikofaktor weniger.“

 

Manuel schaute Frau Gerber an und sagte: „Habe ich das jetzt so richtig verstanden, dass von der Münchner Realschule ein Schüler mit dem Namen Klaus Joachim Winter angekündigt wurde und sie deshalb keine Adoptivurkunde benötigen. Ist einer von euch in der Lage zu erklären, wie so etwas überhaupt möglich ist. Am Freitag wurde das am Familiengericht verhandelt und beschlossen, am Montag haben wir am Vormittag vom Standesamt die Urkunden bekommen, da muss das Münchner Jugendamt doch spätestens am Freitagmorgen alles bereits mit der Schule geklärt haben.“

 

Ich meinte: „Das wird uns vermutlich keiner erklären können, ich war selbst verwundert darüber, dass die gesamte Aktion innerhalb von gerade einmal achtundvierzig Stunden durchgezogen wurde. Da hat wohl Peters Vater seine ganzen Beziehungen aufgewendet, um den Fall so schnell wie möglich abzuschließen.

 

Ich will auch gar nicht wissen, was da im Hintergrund gelaufen ist. Für mich ist entscheidend, dass die Spuren zu Klaus möglichst gut verwischt sind, damit ihn keiner auf die Schnelle finden kann. Vor allem, je länger es dauert, desto geringer wird das Interesse daran, ihn überhaupt noch zu finden.“

 

Manuel durfte die Schulanmeldung unterschreiben und Frau Gerber meinte dann: „Herzlich willkommen an der Realschule in deinem letzten Jahr, was ich bisher an Noten gesehen habe, lässt mich hoffen, dass du problemlos den Abschluss schaffen kannst. Du solltest dich nur schnell genug nach einem Ausbildungsplatz im Raum Rosenheim umsehen.

 

Ich gehe mit euch beiden gleich in eure Klasse, wo ich euch kurz vorstellen werde, den Rest könnt ihr danach direkt vor euren Klassenkameraden selbst erklären. Einige deiner Mitschüler wirst du bereits kennengelernt haben, sie wohnen wie du am Gutshof. Ich denke da insbesondere an die beiden Jungs mit dem Vornamen Peter und an David und Tobias.“

 

Gero unterbrach sie und fragte: „Kann ich den neuen Klassenkameraden auch erklären, warum ich hier in der Schule gelandet bin, Ich denke mein kleiner Bruder wird das in seiner Vorstellung sicher gemacht haben. Es bringt wenig, wenn ich es verschweige und nachher wird über mich nur getratscht. Es war schon schwierig genug, es vor meiner alten Klasse geheim zu halten.“

 

Frau Gerber schaute ihn an und fragte nach: „Gero, ich habe keine Ahnung, warum du und dein Bruder hier sind, Frau Wegmann gibt uns darüber normalerweise keine Auskunft, wenn sie ein neues Kind ankündigt. Die Entscheidung liegt bei dir, ob du dies der Klassengemeinschaft erzählen willst.“

 

Gero grinste und meinte: „Vielleicht ist es ganz gut, wenn ich es den Mitschülern zeige, Peter hat mich eines gelehrt, sich in der Öffentlichkeit bemerkbar machen und sich helfen zu lassen, ist verdammt wichtig, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Er war der erste, der überhaupt bemerkt hat, dass mit mir etwas nicht stimmt.

 

Nachdem er wusste um was es ging, hat er zu mir gesagt, ich kann dir helfen, aber auch nur dann, wenn du die Hilfe überhaupt annehmen willst. Ich habe ihm gesagt, dass ich seine Hilfe annehmen werde, wenn er gleichzeitig meinem kleinen Bruder, die Hilfe anbietet. Peter hat gemeint, dass er uns beiden helfen würde. Er hat sogar angedeutet, dass ich meinen kleinen Bruder mit etwas Glück noch am gleichen Tag in den Arm nehmen kann.

 

Ich hatte nicht daran geglaubt, dass ich Ronald noch an selben Tag sehen würde. Ich hoffte zumindest, dass er am nächsten Tag bei mir sein wird. Mit Hilfe von Frau Wegmann, schaffte er es tatsächlich, dass ich noch am gleichen Abend meinen jüngeren Bruder umarmen und trösten konnte.“

 

Frau Gerber meinte: „Jetzt hast du mich aber doch neugierig gemacht, was dir und deinem kleinen Bruder so Schlimmes widerfahren ist. Ich kann mir einiges vorstellen und hoffe nur, dass es nicht das ist, was ich im Moment vermute.“

 

Ich schaute sie an und meinte: „Frau Gerber, ich kann sie beruhigen, es war kein sexueller Missbrauch, bei den beiden Jungs geht es um körperlich Misshandlung. Gero du kannst Frau Gerber und deiner Klasse ruhig deinen Rücken zeigen, noch sind die Spuren der körperlichen Misshandlung deutlich zu sehen, auch wenn sich gegenüber letzter Woche bereits deutliche Besserung erkennen lässt. Ich persönlich finde es sehr gut, wenn du anderen Kids zeigst, dass man sich helfen lassen kann, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen.“

 

Gero stand auf und zeigte Frau Gerber seinen Rücken, indem er sein Shirt nach oben schob. Ihr entsetzter Blick zeigte mir, dass die Wirkung auf Außenstehende immer noch sehr groß sein musste. Sie meinte: „Jetzt kann ich verstehen, warum hier sofort gehandelt werden musste und ihr möglichst weit weg von eurem bisherigen Zuhause untergebracht wurdet.

 

Wenn du den Mut dazu hast, dass der Klasse zu zeigen und gleichzeitig zu erklären, dass man sich helfen lassen muss, kannst du das gerne durchziehen. Vielleicht hilft es anderen Kids deinem Beispiel zu folgen.“

 

Bevor wir uns verabschiedeten und die Jungs dem Schicksal des Lernens überließen, fragte Frau Gerber ihre Sekretärin, was Ronald bei seiner Vorstellung vor der ganzen Klasse erzählt habe. Frau Färber grinste und erklärte: „Am Anfang verlief alles ganz normal, Ronald erklärte, wie alt er sei und wo er herkomme. Plötzlich meinte er, er wolle der ganzen Klasse gern zeigen, warum er hier sei, er sei aber froh, dass er und sein Bruder aus der Gewaltspirale ausbrechen konnten.

 

Er dreht sich mit dem Rücken zur Klasse und ich konnte die entsetzten Gesichter sehen. Als er wieder sein Gesicht zur Klasse wandte, konnte ich die Striemen des Verprügelns deutlich sehen und verstand, warum die Schüler so erschrocken sind. Er meinte zu seinen neuen Mitschülern, dass es besser sei sich fremde Hilfe zu holen, denn sonst würde es nie ein Ende nehmen.“

 

Ich fuhr mit Manuel zur Gärtnerei und unterwegs meinte er: „Peter, das heute an der Schule hat mir deutlich gezeigt, dass den Kids etwas an die Hand gegeben werden muss, dass sie sich selbst helfen können. Du solltest mit Barbara und Dieter darüber reden, ob es sinnvoll ist eine neutrale Anlaufstelle, mit angegliederter Unterkunftsmöglichkeit für diese Kids zu schaffen, wohin sie sich wenden können, egal welche Art von häuslicher Gewalt sie ausgesetzt sind.“

 

Ich grinste und erklärte: „Ich hatte eine ähnliche Idee, die ich mit Barbara besprechen wollte, aber Dieter mit einzubinden finde ich sehr gut. Vielleicht können wir mit seinem Arbeitgeber gemeinsam so eine Einrichtung auf die Beine stellen, die nicht direkt dem Staat untersteht und die nicht sofort die endgültige Trennung von den Eltern bedeutet.“

 

Ich lieferte Manuel in der Gärtnerei ab und fragte vorsichtig nach, wann er und Mario, mir ihre neuen Pläne für die Kompostierung der Bioabfälle vorstellen will. Er meinte, noch ist nicht alles geklärt, aber spätestens in zwei Wochen sollten wir so weit sein.

 

Im Büro angekommen fragte mich Petra: „Wieso hat das an der Schule so lange ge­dauert, bei David oder Tobias warst du doch nach einer Stunde wieder zurück.“

 

Ich lachte und erklärte: „Du solltest bedenken, dass wir drei neue Schüler angemeldet haben und bei Florian die Umschreibung seines Familiennamens, die nach vollzogener Adoption, anstand. Ich habe Frau Gerber erklärt, dass niemand Unbefugter erfahren darf, das Klaus adoptiert wurde und vor allem nicht seinen ursprünglichen Familiennamen.

 

Da die Namensänderung zusätzlich bereits an seiner alten Schule vollzogen wurde, erhielt sie Unterlagen aus München mit dem neuen Namen von Klaus, so dass sie auf die Adoptionsurkunde verzichten konnte und Manuel als Adoptiv-Vater die Anmeldung nur noch unterschreiben musste. Hinzu kommt, dass ich auf dem Rückweg noch einen kleinen Schlenker zur Gärtnerei Winter einlegen durfte, um dort Manuel loszuwerden.“

 

Sie erklärte, dass es bisher ein ruhiger Vormittag gewesen sei und keine wichtigen Termine auf mich warten. Ich ging in mein Büro und bat die Jungs aus der Stiftungsverwaltung und der Immobilienverwaltung in mein Büro zu kommen. Als die Jungs in meinem Büro saßen erklärte ich: „Ich habe für euch eine große Fleißarbeit auf Lager. Bei meinem sonntäglichen Gespräch mit Sepp von der Gärtnerei Grubmüller, fand ich heraus, dass die Gärtnerei aus einer größeren Anzahl von Grundstücken besteht.

 

Ich habe hier zwei Kisten mit sämtlichen Unterlagen der Grundstücke. Hinzu kommt, dass derzeit nicht alle Anbauflächen von der Gärtnerei selbst genutzt werden, sondern zusätzlich an verschiedene Landwirte verpachtet sind. Ich hoffe ihr wisst, was das für euch bedeutet.“

 

Alle vier Jungs schauten mich verzweifelt an, so dass ich erklärte, obwohl sie eigentlich wissen mussten, welche Arbeiten zu erledigen sind: „Im ersten Schritt legt ihr euch in der Immobilienverwaltung einen neuen Mandanten an. Im zweiten Schritt legt ihr die Immobilien, also die einzelnen Grundstücke an und ordnet sie dem neuen Kunden als Eigentümer zu. Im dritten und vorletzten Schritt legt ihr die Pächter mit den dazugehörigen Pachtverträgen an und anschließend ordnet ihr die verpachteten Flächen den Pächtern, die sonstigen Liegenschaften der Gärtnerei zu.

 

Wobei ihr bitte nicht vergessen dürft, die jeweils vereinbarten Pachtbeträge und den Zahlungsmodus zu hinterlegen, damit wir die eingehenden Gelder zuweisen können. Für die von der Gärtnerei selbst genutzten Flächen brauchen keine Pachtbeträge hinterlegt werden. Sepp wird uns in den nächsten Tagen die bereits gezahlten Pachtsummen für das laufende Jahr auf das Konto der Gärtnerei überweisen.

 

Die jährlichen Steuerbescheide der Stadt Rosenheim, für die Grundstücke könnt ihr direkt in die Buchhaltung weitergeben, dort werden sie bearbeitet und abgelegt. Dazu solltet ihr mit Klaus von der Buchhaltung abklären, dass die eingegangenen Zahlungen erst dann endgültig verbucht werden können, wenn ihr mit eurer Arbeit fertig seid.

 

Wie ihr euch die Arbeit untereinander aufteilt, überlasse ich euch, wenn ihr Hilfe braucht, sagt mir, wann ihr Unterstützung braucht. Vielleicht können euch der eine oder andere aus dem Vermietungsbereich unterstützen.“

 

Benjamin sagte: „So weit habe ich das verstanden, was von uns erwartet wird. Was mich jedoch etwas verwundert, dass erst jetzt aufgefallen ist, dass das Gärtnereigelände aus vielen verschiedenen Grundstücksteilen besteht und dies auch noch teilweise verpachtet sind.“

 

Ich antwortete: „Aufgekommen ist das ganze erst gestern, als mir Sepp erklärt, dass die Gärtnerei noch genügend Grundstücksreserven hat, um die komplette Kompostierung sowohl für den Gutshof als auch für die beiden Gärtnereien, auf den Flächen der Gärtnerei Grubmüller durchzuführen, wenn wir die vorhandene Anlage entsprechend erweitern und dafür die Kompostierung in der Gärtnerei Winter einstellen. Er hatte mir berichtet, dass Manuel und Mario derzeit darüber nachdenken, die Kompostierung zentral bei der Gärtnerei Grubmüller anzusiedeln. Manuel hat mir heute bestätigt, dass sie darüber gesprochen haben, noch sei keine Entscheidung gefallen.

 

Beim Kaufvertrag ist es nicht aufgefallen, da wir die GmbH gekauft haben einschließlich der dazugehörigen Grundstücke, die aus mehreren Flurstücken und Grundbuchblättern bestehen. Es wäre spätestens dann aufgefallen, wenn die Pachtzahlungen bereits auf den Konten der Gärtnerei eingegangen wären.

 

Außerdem haben wir den Kaufvertrag für die Gärtnerei Grubmüller erst in Kalender­woche zwei abgeschlossen, ist also erst wenige Tage her, dass wir beim Notar waren. Ich bin immer davon ausgegangen, dass wir nur ein einziges Grundstück erworben haben. Dass die Gärtnerei aus mehreren Grundstücken besteht, ist neu für mich. Vielleicht sollten wir bei der Gärtnerei Winter prüfen, ob dort nicht auch mehrere Grundstücke vorhanden sind und die Daten aktualisieren.

 

Michael erklärte: „Wir machen das jetzt so, ich werde mit Benjamin die Unterlagen vorab sichten und danach entscheiden wir, wer welche Arbeiten übernimmt. Wir brauchen auf alle Fälle die Gärtnerei Grubmüller als Eigentümer, den werden wir einrichten. Wir setzen uns noch einmal mit dir zusammen, wenn feststeht, wie die weiteren Schritte genau aussehen werden. Ich würde vorschlagen, den Termin können wir für morgen Nachmittag einplanen.

 

Bis dahin können wir sicher auch abschätzen, wie lange wir brauchen, um alles einzugeben. Sicher sollen auch alle Dokumente digital erfasst und hinterlegt werden, so wie ich dich kenne.“

 

Ich meinte: „Dann schnappt euch die beiden Kisten, am besten immer zu zweit, denn sie haben ein ordentliches Gewicht. Das mit morgen Nachmittag kann ich euch noch nicht hundert Prozent zusagen, da ich einen längeren Termin mit Dieter habe. Vormittags sind wir zuerst bei den Handwerkern und anschließend setzen wir uns mit Philipp und Markus zusammen wegen eines Mitarbeiters für die IT-Abteilung. Aber spätestens Donnerstag können wir uns in aller früh zusammensetzen. Falls es morgen Nachmittag noch funktioniert, melde ich mich bei euch.“

 

Die vier Jungs standen auf und verabschiedeten sich. Michael wollte eine Kiste allein schleppen, meinte dann aber: „Peter, ich war überzeugt, dass die Kisten nicht so schwer sind, wie du behauptet hast, aber die kann man wirklich nur zu zweit schleppen. Eigentlich kein Wunder, Papier hat ganz ordentlich Gewicht, das habe ich komplett überschätzt.“

 

Da die Jungs inzwischen mein Büro verlassen hatten, rief ich in der Gärtnerei Winter an und fragte Manuel: „Ich habe da eine Frage an dich, die du hoffentlich aus dem Stegreif beantworten kannst. Besteht das Grundstück der Gärtnerei Winter aus einem einzigen Grundstück oder gibt es dort mehrere Grundstücke mit unterschiedlichen Flurnummern.“

 

Daniel lachte und erklärte: „Die Frage kann ich dir aus dem Stegreif beantworten, es gibt mehrere Flurstücke mit eigenen Nummern, und einige Grundbuchblätter dazu. Wieso willst du das wissen?“

 

Ich meinte: „Das Thema ist aufgekommen, weil die Gärtnerei Grubmüller ebenfalls aus mehreren Grundstücken besteht und ein Teil der Flächen derzeit noch an zwei Landwirte verpachtet sind. In diesem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass ich damals auch nur die Winter GmbH gekauft habe und keine Ahnung davon habe, wie sich dort die Grundstücksverhältnisse darstellen.

 

Im Hinblick auf die in den nächsten Jahren fällige Änderung der Bewertung der Grundstücksflächen für die Grundsteuer sollten wir zumindest wissen was den einzelnen Unternehmen gehört. Könntest du die Unterlagen gelegentlich zusammenstellen und unseren Mitarbeitern in der Immobilienverwaltung zur Verfügung stellen, damit wir einen genaueren Überblick über die vorhandenen Grundstücksflächen und Flurnummern bekommen.“

 

Manuel meinte: „Ich werde mal mit meinem Vater darüber reden und dann stelle ich euch die Daten zusammen, die wir über die Grundstücke und Flächen der Gärtnerei haben. Vielleicht finde ich auch einen Ordner, in dem alle Unterlagen darüber gesammelt sind.“

 

Ich verabschiedete mich von ihm und bedankte mich im Voraus für die Erledigung des Auftrags. Anschließend ging ich mit den Jungs, die just in demselben Moment mein Büro stürmten, in die Kantine zum Mittagessen.

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