Gone, but not forgotten – Teil 5

5. Kaminstunden

 

Drew

Abends hatte ich beschlossen, für uns beide zu kochen. Marc lehnte lässig an der Küchenzeile und schaute mir aufmerksam zu.

Mit zwei Topflappen nahm ich den großen Topf vom Herd und bat meinen Gast:

„Könntest du bitte zwei Schüsseln rüber geben?“

„Klar, kein Problem.“ Schon öffnete Marc die Tür des Hängeschranks neben sich.

„Nein, dort nicht, in der zweiten Schublade von unten findest du sie.“

„Ah, bei mir zu Hause stehen Schüsseln oben in einem Hängeschrank.“ Wieder einmal war es Marc gelungen, ein kleines Stückchen seiner Vergangenheit aufzudecken. „Komisch, ich weiß es plötzlich ganz genau.“ Es schien ihn offensichtlich zu verwirren. Prüfend schaute ich Marc an. Er wollte jedoch nicht weiter darauf eingehen.

„Wie nennt sich das, was du da gekocht hast?“

„Kaninchen-Eintopf spezial“, verkündete ich nicht ganz ohne Stolz, „eine Spezialität, die ich gern in meinem Gasthof anbieten möchte, wenn es mal soweit ist.“

„Kaninchen?“ Marc schien überrascht.

„Probier mal.“ Ich fischte einen Löffel voll aus dem dampfenden Topf, wartete einen Moment und fütterte dann Marc damit. Erwartungsvoll schaute ich ihn an.

„Mmh, willst du eine ehrliche oder eine freundliche Antwort?“ Seine Augen blitzten und er grinste verschlagen. „Kann ich dir vielleicht beim Abschmecken helfen?“

„O je, so schlimm?“ Ehrlich gesagt war ich enttäuscht.

„Nein, so schlimm ist es nicht. Es fehlen nur ein paar Sachen.“ Tröstend streichelte er mich und nahm mich in den Arm. Wie sehr ich das genoss. Alles hätte er über mein Essen sagen können, diese Zärtlichkeiten wogen es vielfach auf.

Marc schaute in den Kühlschrank und suchte sich einiges Gemüse heraus, eine Paprikaschote, Champignons. Tomaten, Zwiebeln. Dann plünderte er mein Gewürzregal. Aufmerksam beobachtete ich jede seiner selbstsicheren Bewegungen. Er schien genau zu wissen, was er tat.

Zwanzig Minuten später war ich nun an der Reihe, von Marc gefüttert zu werden, um sein Werk zu versuchen.

„Wow, das ist ja köstlich.“ Wirklich, Marc konnte fantastisch kochen, ohne Frage!

„Danke. Also schein ich doch was zu können“, kommentierte er bescheiden und lächelte wie ein unschuldiger kleiner Junge.

„Ok, von jetzt an kochst du“, stupste ich ihn an.

„Komm, lass uns essen.“ Und das taten wir in aller Ruhe.

***

Später saßen wir gemütlich vor dem Kamin. Das Prasseln des Feuers verbreitete eine heimelige Atmosphäre und die Flammen warfen ein warmes gedämpftes Licht in den Raum.

„Ich stieß also den Bienenstock aus Versehen um“, fuhr ich fort zu erzählen. „Ungefähr eine Million Bienen flog hektisch heraus. Paul und ich rannten zum See. Mann, waren die Bienen sauer, sie haben uns regelrecht aufgelauert. Ich konnte entkommen, aber Paul hat es böse erwischt.“

Beide lachten wir herzlich. Ganz eng rückten wir zusammen, sodass sich unsere Beine und Oberkörper berührten. Natürlich genoss ich die Nähe dieses Mannes.

„Du hast trotz allem Glück, einen solchen Bruder zu haben”, meinte Marc.

„Ja schon, er hat sich eigentlich immer gut um mich gekümmert, vor allem seit dem Tod meiner Eltern. Er kommt eben mit bestimmten Dingen auch nicht klar. Wir haben aber immer viel Spass miteinander gehabt.“

Nach kurzem Schweigen begann ich zögerlich: „Wegen gestern Nacht…“

„Ah, ich musste auch gerade daran denken: der Kuss“, fiel mir Marc ins Wort. Beide waren wir unsicher, das fühlte ich eindeutig.

„Bitte verzeih mir, ich habe dich total damit überrumpelt.“ Wirklich, es tat mir aufrichtig leid. Ich konnte ja gar nicht wissen, wie so etwas bei Marc ankam. Zwar meinte ich starke Signale dahingehend von ihm zu spüren, aber das war nichts als pure Vermutungen, vielleicht gar Wunschdenken. Und die Sache beim Unfall, wer weiß…

„Drew, da ist etwas, was ich dir sagen möchte. Ich fühle mich sehr wohl bei dir. Meine Erinnerungen kommen langsam zurück … und … wir verstehen uns wunderbar. Nun, du hast mir das Leben gerettet. Ich … bin sehr froh und dankbar, dass du mich an jenem Tag gerettet hast. Es ist schön, dass du jetzt bei mir bist.“ Feierlich schaute Marc mir in die Augen. Mir wurde ganz warm ums Herz.

In Zeitlupentempo näherten sich unsere Gesichter. Ich spürte Marcs Wärme, seinen Atem, genoss die Atmosphäre der Geborgenheit. Dann trafen sich unsere Lippen zu einem zärtlichen Kuss. Dieses Mal lief Marc nicht davon. Er öffnete leicht seinen Mund und bat mit seiner Zunge um Einlass, was ich ihm liebend gern gewährte. Eine Sicherung in mir brannte durch. Leidenschaftlich umfing ich Marc, zog ihn in meine Arme, ohne den Kuss zu unterbrechen und begann ihn mit meinen Händen überall am Körper zu streicheln.

Den Kuss unterbrach ich nur, um ihm – und mir – Pullover und T-Shirt über den Kopf zu ziehen. Eng schmiegten wir uns aneinander und genossen die Berührungen der nackten Haut. Marc war es dann, der mir meine Hose auszog, seine folgte sogleich. Liebevoll begann er an meinen Brustwarzen zu knabbern und leckte über meinen Bauch. Seine Hand strich zart über die Beule in meiner engen Shorts, ich konnte nicht anders als lustvoll aufzustöhnen.

Stundenlang liebkosten wir uns so gegenseitig und gaben uns der körperlichen Lust hemmungslos hin. Noch lange lagen wir dann völlig erschöpft eng aneinander gekuschelt vor dem langsam erlöschenden Feuer und genossen bedächtig die Köstlichkeit des Moments.

***

Marc

Drew stand vor mir, dick verpackt in Regenkleidung. Es goss in Strömen. Er redete eindringlich auf mich ein. Verzweiflung übermannte mich, bis hin zur völligen Panik.

Mit wild klopfendem Herzen schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Wieder hatte ich schlecht geträumt.

Seufzend erhob ich mich aus dem Bett und verschwand ins Bad, eine Dusche würde mir gut tun. Nur mit einer Shorts bekleidet checkte ich die Lage und lief in die Küche. Lächelnd bemerkte ich, dass Drew – ebenso ziemlich unbekleidet wie ich – gerade das Frühstück zubereitete. Sofort kam er auf mich zu, nahm mich in den Arm und drückte mir sanft einen Kuss auf die Wange.

„Guten Morgen, Marc, hast du gut geschlafen?“

„Hallo, Drew… mmh…“

Liebevoll streichelte er mir über den Rücken.

„Hattest du wieder Albträume?“

„Ja, und je mehr ich von meinem Leben weiß, desto weniger gefällt’s mir.“

„Meinetwegen kannst du dein altes Leben ruhig vergessen.“ Drew zwinkerte mir zu und schmiegte sich erneut an mich.

„Warum denn das?“, fragte ich neugierig.

„Na ist doch klar, weil ich gern mit dir zusammen bin“, schnurrte Drew.

„Ach ja, bist du das?“, neckte ich ihn.

„Ja, wirklich.“ Drew schaute mir tief in die Augen und sein Blick bekam etwas sehr Ernsthaftes. „Übrigens siehst du toll aus in meinen Klamotten“, fügte er hinzu und strich mit seinen Händen über meinen Hintern.

Ich lächelte ihn schweigend an. Die ganze Situation überforderte mich ein wenig, die Amnesie, keine Vergangenheit zu haben, kein Zuhause…

„Hey, führe ich Selbstgespräche?“, stichelte Drew, der irgendeine Reaktion erwartete.

„Soll ich dir auch sagen, wie gut du in deinen Sachen aussiehst?“, grinste ich ihn an.

„Ja, das würde mir gefallen“, nuschelte Drew, indem er an meinem Ohrläppchen knabberte und meinen Hals mit Küssen bedeckte.

„Tust du…“, waren meine letzten Worte, bevor wir uns hingebungsvoll küssten.

„Nehmen wir zusammen ein Bad?“, flüsterte mir mein Süßer ins Ohr und ich konnte nicht anders als zuzustimmen.

***

Es war wunderschön, mich in seine Arme fallen zu lassen, ich lehnte mich an ihn an und legte meinen Kopf auf seine Schulter. Die Wärme des Wassers lullte mich ein wenig ein.

„Wie war eigentlich dein erstes Mal?“ Meine Neugier trieb mich zu dieser Frage.

„Ist das eine Fangfrage?“, fragte Drew lächelnd.

„Nein, auf keinen Fall.“

„Mein erstes Mal… war einfach mein erstes Mal.“ Er wich also aus. Gut, ich konnte das nachvollziehen. Sicher wollte er nicht, dass ich Vergleiche anstellen würde und er selbst wollte mich also nicht an etwas Vergangenem messen.

„Erzähl mir davon“, bat ich ihn dennoch.

„Nun…“, begann Drew zögerlich, „das erste Mal ist schon was besonderes in gewisser Weise. Es gab da einen Jungen im Sportunterricht. Wir gingen öfter mal morgens zusammen Joggen. Einmal machten wir ein Wettrennen … und landeten plötzlich in den Büschen. Es war schon recht krass.“

„Nicht schlecht“, bemerkte ich.

Auf der Stelle hatte ich das Verlangen Drew zu küssen, und ich tat es dann auch.

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