It’s raining – Teil 11 (Ende)

Tassilo

„Tassilo… Schatz aufwachen…, wir landen gleich.“

„Hmm?“

„Jetzt wach schon auf, wir müssen uns anschnallen.“

Ich schlug die Augen auf und sah Daniel vor mir.

„Wie, wir sind schon da, sind doch eben erst gestartet.“

Jetzt war ich hellwach.

„Ja, vor knapp zwei Stunden. Du hast die ganze Zeit geschlafen!“

„Ja, wird endlich Zeit dass du aufwachst, dein Geschnarche nervt total“, hörte ich Ella neben mir sagen.

„So schlimm war es auch nicht“, verteidigte mich Daniel.

Beide grinsten sich an. Ein leiser Gongton war zu hören und die Anschnallleuchte flammte auf.

„Sind wir echt schon da?“, fragte ich ungläubig.

„Ja, schau raus, du siehst Springfield schon.“

„Ich soll mich anschnallen!“

„Einen kurzen Blick kannst du riskieren.“

Ich stand kurz auf, ging zu einem der kleinen Fenster und schaute hinaus. Wirklich, ich sah eine Stadt unter mir, recht groß, aber hier in Amerika schien ja alles sehr groß zu sein. An den sich nähernden Häusern sah ich, wie die Maschine langsam sank.

Schnell setzte ich mich wieder auf meinen Platz, zog den Gurt fest und wartete die Landung ab. Ich sah zum Fenster und merkte nun, wie schnell der Jet sein musste. Die Skyline von Springfield raste nur so vorbei.

Ein kurzes heftiges Ruckeln durchzog die Maschine.

„Und schon sind wir gelandet, willkommen in Springfield“, meinte Daniel und schaute nach draußen.

Ich spürte, wie die Maschine abgebremst wurde, dann rollte sie von der Landebahn auf den großen Terminal zu. Ob Billy schon da war?

„Ich find das alles so cool!“, meinte Ella neben mir.

„Gebe ich dir Recht!“

„Du, ich freu mich tierisch auf Billy. Seit er in die Staaten gegangen ist, hatte ich leider keinen Kontakt mehr.“

„Außer den Emails hatte ich auch keinen Kontakt zu ihm.“

„Du hast mir noch nicht einmal gesagt, was er so geschrieben hat.“

„Nicht?“

„Nein, ein gewisser süßer Engel hatte deine Sine geraubt.“

Ella sah grinsend zu Daniel, der nun ebenso lächelte.

„Billy hat einen Freund namens Matthew, den du sicher gleich kennen lernen wirst.“

„Er hat sich auch wieder verliebt, coooool!“

Die Maschine ruckte noch einmal und blieb dann endgültig stehen. Die Flugbegleiterin erschien.

„Lord Cavendish, Sie können im VIP- Raum Platz nehmen, bis alle Formalitäten erledigt sind.“

„Danke Miller“, meinte Daniel und stand auf.

Die Dame geleitete uns aus der Maschine und brachte uns zum besagten VIP-Raum. Draußen war es recht warm in der Sonne und ich war froh, als wir das kühle Gebäude betreten konnten. Bevor Miller die Tür zum VIP–Bereich öffnete, konnte ich drinnen laute Stimmen hören, die plötzlich Formen annahmen, als die Tür aufging.

„Schaffen Sie diesen Abschaum aus dem Raum, das ist ja widerwärtig.“

„Ich weiß nicht, was sie meinen, Sir. Beruhigen Sie sich bitte.“

Billy

Das war nicht gut. Die beiden Männer sahen uns plötzlich an und hielten sofort in ihrem Gespräch inne.

„Das darf doch nicht wahr sein“, meinte der eine, „hat das schwule Pack jetzt schon überall Zutritt?“

Matthew schaute mich an und schüttelte den Kopf, sollte wohl heißen, dass ich nicht darauf reagieren sollte.

„Ruf die Leitung an. Wollen wir doch mal sehen, wer hier rein darf und wer nicht.“

Ich beobachtete den Mann, der ans Telefon ging und dort jemanden anwies her zu kommen. Matthew und ich blieben nach wie vor sitzen und reagierten nicht darauf. Nicht mal eine Minute später wurde die Tür geöffnet und eine Frau betrat den Raum.

„Sie wünschen?“

„Schaffen Sie diesen Abschaum aus dem Raum, das ist ja widerwärtig.“

„Ich weiß nicht, was sie meinen, Sir. Beruhigen Sie sich bitte.“

„Gibt es Probleme?“, hörte ich eine Stimme von der anderen Seite.

Ich drehte den Kopf und traute meinen Augen nicht, denn da standen Tassilo, Ella und noch ein Typ.

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht“, sagte einer der Männer zu dem Typ, der sie auch angesprochen hatte.

„Ich wusste nicht, dass ich Ihnen gestattet habe, mich zu duzten!“

Tassilo

Ich sah Billy im Sessel sitzen, der genauso gebannt auf Daniel schaute wie die anderen auch. So hatte ich Daniel bisher noch nicht erlebt.

„Da hör dir doch diesen kleinen frechen Schnösel an!“

„Mein Name ist Lord Daniel Cavendish, zukünftiger Duke von Burlington, und ich wüsste nicht, was SIE hier zu suchen haben und zudem belästigen Sie meine Gäste!“

Ich musste mir ein Lachen verbeißen und Ella ging es genauso.

„Madame, könnten Sie bitte dafür Sorge tragen, dass die Herren hinaus begleitet werden? Dies ist ein privates Treffen und diese Herren sind nicht geladen.“

„Da hört sich doch alles auf“, regte sich der Mann vor Daniel auf.

Ein kurzer Augenblick der Ruhe machte sich breit. Keiner sagte etwas. Es knisterte nur heftig, die Spannung im Raum war deutlich zu spüren.

„Soll ich den Sicherheitsdienst rufen lassen?“, legte Daniel noch eins drauf.

„Sie haben gehört, was Seine Lordschaft gesagt hat“, sagte die Frau und versuchte die zwei zum Gehen zu bewegen.

„Das hat noch ein Nachspiel, ich möchte sofort den Leiter sprechen.“

Daniel ging zurück an die Tür und öffnete sie.

„Miller, bitte schicken Sie mir Mike, ich habe hier Probleme!“

Es dauerte keine Minute und die Tür wurde aufgerissen. Mike kam samt Copilot herein gestürzt.

„Wo gibt es Probleme?“, fragte Mike.

„Die beiden Herren belästigen mich und meine Gäste.“

Mike baute sich vor den zwei Geschäftsmännern auf.

„Wenn Sie mich auch nur anrühren, verklage ich Sie, dass Sie bis an Ihr Lebensende nicht mehr glücklich werden!“, keifte der Mann Mike an.

„Einen Scheiß werden Sie, Lord Cavendish genießt diplomatische Immunität, alles was in diesem Raum geschieht, wird nicht nach draußen gelangen und wenn doch, dann können Sie sich warm anziehen.“

Die beiden standen dicht beieinander. Ich wartete nur darauf, dass gleich einer zuschlagen würde. Plötzlich griff der Geschäftsmann nach seiner Tasche und rannte fluchend aus dem Raum.

Sein Kollege folgte ihm.

„Danke Mike“, meinte Daniel.

„Immer wieder gerne…, Eure Lordschaft“, sagte Mike grinsend und verließ ebenfalls mit Kollegen den VIP–Raum.

Es dauerte einige Sekunden und plötzlich fingen wir alle an zu lachen.

„Diplomatische Immunität… der Spruch war gut“, kam es lachend von Ella.

„Dein Vater ist Diplomat?“, fragte ich Daniel.

„Ach Quatsch, aber der Spruch wirkt immer wieder.“

Erneut brachen alle in Lachen aus. Mein Blick fiel auf Billy, der neben dem Jungen mit Gips stand.

„Hallo Billy“, meinte ich.

„Hallo Tassilo“, erwiderte Billy und wir fielen uns in die Arme.

„Also Tassilo, jetzt bin ich dran, ich habe Billy genauso lange nicht mehr gesehen.“

Ich ließ Billy los und Ella bemächtigte sich seiner. Dahinter saß der Junge mit Gips, das musste Matthew sein. Ich lief zu ihm hin und streckte meine Hand aus.

„Tassilo… hallo…“

Er hob die Hand und schüttelte meine.

„Matthew… hallo“, gab er von sich.

„Wer waren denn eigentlich die Heinis, kennt ihr die?“, fragte Ella.

Billy

Ich schaute zu Matthew, der mir fast unscheinbar zunickte. Doch bevor ich etwas sagen konnte, sprach Ella weiter.

„Wer ist der süße Typ mit Gipsfuß im Sessel?“

„Matthew, mein Schatz“, antwortete ich und ging zu ihm.

„Entschuldigt Leute, ich würde ja gerne aufstehen und euch… ähm gebührend begrüßen, aber leider habe ich ein leichtes Handicap.“

„Sportunfall?“, fragte Ella.

„Nein…“

„Entschuldige, wenn ich zu neugierig war“, sagte Ella, die sofort merkte, dass Matthews Laune sank.

Ich schaute zu Matthew, der mir unscheinbar zunickte.

„Die zwei Herren, die Daniel eben hinauswerfen ließ“, begann ich zu erklären, „waren die Väter der zwei Kerle, die Matthew fast tot geschlagen haben…“

Alle schauten Matthew an.

„Bin ich froh dich endlich zu sehen…“, sagte Tassilo plötzlich.

Ich lächelte ihn an.

„Ja, noch vor zehn Stunden glaubte er sterben zu müssen“, kicherte es hinter ihm.

„He, damit ist nicht zu spaßen, okay? Nicht jeder ist die Fliegerei gewohnt!“

Tassilo drehte, während er dies sagte, seinen Kopf und streckte die Hand aus.

„Darf ich dir meinen Freund Daniel vorstellen?“, fragte Tassilo.

Daniel trat in den Vordergrund.

„Muss… ich jetzt auch Sie… sagen… und Eure Lordschaft?“

Daniel schüttelte den Kopf und Ella begann wieder zu kichern.

„Nein, für meine engen Freunde bin ich einfach nur Daniel und ich hoffe, wir zwei werden gute Freunde.“

„Und du bist wirklich ein waschechter Lord?“, fragte ich.

Daniel nickte.

„Wie kommt man an einen Lord?“, fragte ich Tassilo.

„Den habe ich auf einem Friedhof gefunden.“

Matthew und ich schauten Tassilo verwundert an. Wieder herrschte kurz Stille, bevor Ella in schallendes Gelächter verfiel.

„Jungs, jetzt nicht so steif, müssen wir hier drinnen bleiben, oder können wir auch hinaus?“

„Wir müssen noch kurz warten, bis alle Formalitäten erledigt sind und wir unsere Pässe wieder bekommen“, erklärte Daniel und dann wandte er sich zu mir.

„Kannst du mir die Namen sagen?“

„Welche Namen?“

„Die Namen der Herren, die uns eben nicht gerade freundlich behandelt haben.“

Ich schaute zu Matthew.

„Davies und Barton, beiden gehört hier in Springfield eine Computerfirma und sie sind sehr vermögend.“

„Was hast du vor?“, fragte Tassilo seinen Freund.

„Einen Moment…“

Daniel ging zum Telefon und nahm den Hörer ab.

„Hallo, hier ist Lord Cavendish, wären Sie bitte so freundlich und würden ein Gespräch mit meinem Vater in England herstellen? Danke!“

Er legte wieder auf.

„Was hast du vor?“, wiederholte Tassilo seine Frage.

„Mein Vater hat gute Verbindungen und ich möchte nicht, dass Matthew und Billy nach unserem Besuch auf irgendeine Weise weiter belästigt werden.“

„Danke“, meinte ich.

Das Telefon klingelte und Daniel nahm wieder ab. Ich wandte mich an Tassilo.

„Da hast du dir ja etwas Tolles heraus gesucht.“

„Ja, und ich möchte keinen Tag mehr ohne ihn sein.“

Das hatte er auch schon oft zu mir gesagt. Ich verwarf den Gedanken.

„Wie war euer Flug? War es wirklich so schrecklich?“

„Schrecklicher“, kicherte Ella und knuffte Tassilo in die Seite.

„Wäre es zuviel verlangt, wenn ihr euch setzen würdet?“, beschwerte sich Matthew.

Ich musste grinsen und setzte mich wie gewünscht zu Matthew, genauso wie Ella und Tassilo. Mein Engel starrte Tassilo an, als würde er irgendetwas von ihm wollen. Dies blieb natürlich nicht unbemerkt.

„Was hast du auf dem Herzen?“, fragte Tassilo.

Matthew drückte sich im Sessel herum.

„Darf ich dich etwas sehr Privates fragen?“

Tassilo nickte.

„Warum hast du ihn gehen lassen?“

„Billy?“

„Ja!“

Tassilo atmete tief durch und lehnte sich in den Sessel zurück.

„Hätte es Sinn gemacht, diese Freundschaft aufrecht zu erhalten, wenn man sich nicht mehr sieht und tausende Kilometer auseinander wohnen?“

Ich sah Matthew verwundert an, was bezweckte er mit dieser Frage?

„Hattest du nicht genügend Vertrauen in Billy, dass er dir treu bleibt?“

„Damit hat es nichts zu tun gehabt, ich vertraue Billy blind… auch heute noch, sonst wäre ich nicht hier.“

„Mit was dann?“

„Warum stellst du solche Fragen?“, unterbrach ich die beiden.

„Weil ich Tassilo verstehen möchte.“

„Billy, es ist gut, ich bin auf Matthew deswegen nicht böse und ich antworte ihm gern, wenn ich kann“, sagte Tassilo.

Dann wandte er sich wieder Matthew zu.

„Ich habe nie an Billy gezweifelt. Dein Freund ist etwas Besonderes, aber das brauche ich dir wohl nicht zu erzählen. Der Entschluss, Billy frei zu geben, betrifft alleine mich. Ich hätte es nicht ertragen, so lange von ihm getrennt zu sein… ich sah irgendwie keine Zukunft für uns. Er in den Staaten und ich in England. Und nach dem Flug heute denke ich nicht, dass ich all zu oft in die Staaten kommen werde.“

Ella lächelte etwas.

„Du hast also das Vertrauen zu dir selbst verloren?“

„Ja… hatte. Jetzt habe ich es wieder, dank diesem Typ dort am Telefon.“

„Man könnte genauso fragen, warum sich Billy hat wegschicken lassen“, sprach nun Ella, „aber Jungs, wisst ihr was? Das ist alles egal! Im Endeffekt zählt doch nur das, was heraus gekommen ist, oder?“

Alle nickten wir. Daniel beendete indes sein Telefonat und legte den Hörer auf.

„So, nun müsste alles geregelt sein.“

„Was hast du gemacht?“, fragte Tassilo.

„Ich habe meinen Vater gebeten, diese Firma zu durchleuchten. Wenn jemand etwas findet dann er.“

„Und wieso?“, fragte Matthew.

„Ich finde die zwei Herren haben einen Denkzettel verdient.“

Die Tür wurde erneut aufgerissen und George kam herein.

„Hier seid hier, man Jungs könntet ihr mir das nächste Mal was sagen, wenn ihr einfach von der Bildfläche verschwindet!“

„Mein Onkel George, Mitinhaber einer Galerie und Grund eures Daseins“, erklärte Matthew.

„Oh“, kam es von George.

„George, das ist Tassilo, der die tollen Bilder gemalt hat“, erklärte Matthew weiter.

George lief zu Tassilo und schüttelte ihm die Hand.

„Hallo Tassilo, freut mich dich kennen zu lernen.“

„Hallo George, danke noch einmal für die Einladung… und Sie wollen wirklich die Bilder ausstellen?“, fragte Tassilo.

„Sag ruhig du und ja, für Montagabend ist alles schon arrangiert, eine Vernissage und geladene Gästen.“

„Wow, das hätte ich jetzt nicht gedacht.“

Georges Blick fiel auf Ella und Daniel, was Tassilo natürlich nicht entging.

„Das ist mein Freund Daniel und meine beste Freundin Ella“, meinte er deswegen kurz.

Auch ihnen schüttelte George die Hand. Matthew stand umständlich auf und griff nach seinen Krücken.

„Was ist denn?“, fragte ich.

„Ihr steht alle, da komm ich mir blöd vor und außerdem möchte ich jetzt gehen, bevor hier noch mal jemand rein stürmt.“

„War irgendetwas?“, fragte George.

„Ja, Mr. Davies und  Mr. Barton sind hier aufgekreuzt“, erklärte ich.

„Oh und ihr lebt noch?“, kam es scherzhaft von George.

„Ja, dank Tassilos Freund konnten sie in die Flucht geschlagen werden.“

„Au weh, das gibt sicher noch mehr Ärger.“

„Auch darum wurde sich gekümmert.“

„Ich muss das jetzt nicht verstehen, oder?“

„Nein!“, lachte ich.

„Okay, dann lasst uns gehen“, meinte George und öffnete die Tür.

Tassilo

Es dauerte noch eine Weile, bis wir unser Gepäck bekamen und auch alles mit den Bildern geregelt war. Vor dem Flughafen wartete schon eine Limousine auf uns.

„Die ist für uns?“, fragte Billy ungläubig.

„Ich dachte, ein bisschen Luxus wäre nicht schlecht, wann bekommen wir hier in dieser Stadt schon mal hohen Besuch?“, meinte George und lächelte Daniel dabei an.

So stiegen wir alle in die Limousine ein und wieder wurde mir bewusst, welchen Luxus Daniel eigentlich gewohnt war. Er ließ sich neben mir nieder und suchte meine Hand.

„Alles klar?“, fragte ich leise.

„Schon…“

„Aber?“

„Ich möchte nicht, dass die hier wegen mir einen Staatsbesuch veranstalten.“

„Ja, verstehe was du meinst, aber wir sind Gäste und können nichts dagegen machen.“

Daniel seufzte. Als alle im Auto saßen und auch Matthew es sich bequem gemacht hatte, rollte der Wagen auch schon los.

„Also ich dachte, wir machen eine klitze kleine Stadtrundfahrt, bevor wir euch bei Billy absetzen“, sagte George.

Ich nickte und während die Limousine das Gelände des Flughafens verließ, kuschelte sich Daniel näher an mich. Mir blieb nicht verborgen, dass mich Billy ständig anschaute. Verlegen lächelte ich ihn an.

Erinnerungen kamen zurück, die schöne Zeit mit Billy, die ich mit ihm verbringen durfte.

„Also wenn ihr noch nichts weiter geplant habt…“, redete George plötzlich weiter, „dann möchte ich euch heute Abend zu mir einladen.“

„Zu dir?“, fragte Billy.

„Ja, es kommen noch einige Freunde und ich veranstalte ein Barbecue.“

„Einige Freunde?“, fragte  nun Matthew kritisch.

„Ja, ich dachte so an Takumi mit Samuel und Aiden, vielleicht noch Toby.“

„Toby?“

Billy fing an zu kichern und genauso wie ich schauten auch die anderen fragend.

„Toby war mein Pfleger im Krankenhaus und hat sich etwas in meinen Onkel verliebt.“

„Sie… ähm du bist auch schwul?“, fragte ich überrascht.

George grinste über das ganze Gesicht, das war dann wohl Antwort genug.

„Gibt es vielleicht auch noch jemanden für mich, oder muss ich jetzt auch zum anderen Ufer wechseln?“, ließ Ella gespielt beleidigt vom Stapel.

Alle begannen zu lachen.

*-*-*

„Hallo Ella und Tassilo, freut mich euch zu sehen.“

Billys Mum kam auf uns zu und umarmte uns beide kurz.

„Hallo Grace, freut mich auch, dich zu sehen“, meinte ich, „darf ich dir meinen Freund Daniel vorstellen?“

Daniel gab artig die Hand, aber ich spürte, wie unwohl er sich gerade fühlte.

„Hallo Grace“, hörte ich nun George rufen und somit stand ich mit Daniel und Ella wieder alleine da.

Während Billy mit seinem Vater das Gepäck auslud, griff ich mir Daniels Hand und lief mit ihm etwas herum. Hier musste es ordentlich geregnet haben, denn auf den Feldern rund um das Haus herum stand eine Menge Wasser.

„Gefällt mir hier“, kam es von Daniel, „so ganz anders als bei uns.“

„Stimmt, nur, dass die auch so viel Regen hatten wie wir.“

„He mein Großer, jetzt scheint die Sonne und genießen wir den Aufenthalt hier, wann kommen wir schon mal in die Staaten.“

Ich lächelte Daniel an, da er es ja ermöglicht hatte, hier her zu kommen.

„Die Autos sehen ja nicht gerade gut aus“, kam es von Ella.

„Hallo ihr Drei“, hörte ich Billys Vater rufen, „wir haben uns noch gar nicht richtig begrüßt.“

Ich nickte. Er umarmte mich und Ella und schüttelte Daniel die Hand.

„Hallo, ich bin Oliver und du musst Daniel sein, der Tassilo den Kopf so verdreht hat.“

Daniel nickte verlegen.

„Kein Problem, muss dir nicht peinlich sein. War der Flug gut und hat das mit den Bildern alles gut funktioniert?“, fragte Oliver weiter.

„Oliver, wir sind mit einer Privatmaschine angekommen, da ist alles etwas anders“, meinte Ella und ich musste grinsen.

„Entschuldigt, ich vergaß. Aber jetzt gehen wir erst einmal hinein, ihr habt doch sicher etwas Hunger?“

Wir nickten und für einen kurzen Augenblick nahm ich durch die offene Scheunentür ein Motorrad war.

„Wer fährt hier Motorrad?“, fragte ich.

„Das ist meine“, kam es von Billy stolz, „wie du siehst, wohnen wir etwas außerhalb von Springfield und damit mein Schulweg gesichert ist, habe ich ein Motorrad bekommen.“

Er schaute richtig stolz.

„Matthew fährt auch Motorrad?“, fragte nun Daniel und ich freute mich, dass er sich wenigstens an der Unterhaltung beteiligte.

„Nein, der hat einen Pickup.“

„HATTE!“, kam es von Matthew.

„Wieso hatte?“, fragte Ella.

„Bisher wurde er noch nicht geborgen und ich weiß nicht, in welcher Verfassung er sich befindet.“

„Was ist denn passiert?“

„Als wir den Sturm am Freitag hatten und wir alle vor den Wassermassen fliehen mussten, haben George, meine Mum und meine Schwester meinen Pickup genommen, während ich mit meinem Dad hier Billy und seine Eltern abholte und dabei sind sie mit meinem Wagen verunglückt.“

„Ach du Käse…, aber warum habt ihr die Fox’s abgeholt, die haben doch selbst einen Wagen, na ja, was davon übrig geblieben ist.“

Ella war wie immer neugierig. Matthew lehnte sich an den einen Wagen, während die Limousine gerade den Hof wieder verließ.

„Weil wir mit unseren Autos nicht durchgekommen wären“, beantwortete Oliver die Frage, „und weil ich nach einem Unfall mit Billy nicht fähig war zu fahren.“

„Unfall? Mir scheint, nicht nur bei uns war es ein turbulenter Wochenausgang, sondern hier auch.“

Billy

„Turbulent? Ich habe doch nur versucht, aus meinem Gips ein Aquarium zu machen“, meldete sich Matthew zu Wort.

Nach kurzem Austausch aller auf die vergangenen Tage bezogenen Informationen, standen wir dann alle stumm da.

„Das tut mir leid Tassilo“, begann Oliver plötzlich zu reden. „Ich habe Richard einmal gut gekannt, dachte nicht, dass er zu so etwas fähig ist.“

„He, es ist vorbei, hört auf Trübsal zu blasen…, wie war das, es gibt etwas zu essen?“

Diese Bemerkung machte Ella und ich musste grinsen.

„Stimmt, kommt rein, Grace hat jede Menge aufgefahren“, meinte Oliver.

*-*-*

Ich lag mit Matthew auf meinem Bett, während sich unsere Gäste in ihren Zimmern etwas ausruhten.

„Tassilo ist nett… Daniel etwas schüchtern und Ella voll krass“, meinte Matthew kichernd.

„Ja, anders kenne ich Ella nicht.“

„Die beiden passen gut zusammen.“

„Daniel und Tassilo?“

Matthew nickte und sah mich an.

„Was?“

„Ich wollte mich bei dir noch entschuldigen.“

„Für was denn?

„Dass ich so misstrauisch war.“

„Eigentlich verständlich…“, meinte ich und gab ihm einen Kuss auf die Nase, „alles schon vergessen!“

„Ich liebe dich, Billy Fox!“

„Ich liebe dich auch, Matthew Kingsley.“

„Sollen wir wirklich zu der Party von George?“

„Dein Onkel hat wohl meine Eltern ebenfalls eingeladen und da können wir schlecht sagen, wir bleiben zu Hause. Deine Eltern kommen übrigens auch.“

„Na super.“

„Schlimm?“

„Nein, eigentlich nicht. Wobei, wenn ich an die drei Jungs denke…, weiß nicht.“

„Die sind ganz in Ordnung und lustig, besonders Aiden.“

„Und dann noch Ella, oh Gott, meine armen Rippen. Da haben sich sicher zwei gesucht und gefunden.“

Beide lagen wir lachend im Bett und kuschelten uns dicht aneinander.

Tassilo

„Das ist schon heftig mit Matthew, erst wird er zusammengeschlagen und säuft dann auch noch fast ab“, meinte Daniel, der sich gerade so halb auf mich legte.

„Da gebe ich dir recht“, meinte ich und atmete durch.

„Was hat mein Großer?“, fragte Daniel besorgt.

„Ach nichts, es ist nur sehr viel passiert, einiges habe ich noch gar nicht verarbeiten können. Dinge, über die ich teilweise gar nicht nachdenken will.“

„Wegen Richard?“

„Auch. Aber ich denke, das wird sich auch wieder legen. Genießen wir erst einmal das alles hier.“

„Billy ist ein süßer Kerl, muss ich zugeben.“

„Ja, ein Grund mehr, dass ich mich damals so Hals über Kopf in ihn verliebt hatte.“

Es klopfte.

„Ja?“, rief ich.

Die Tür ging auf und Ella steckte den Kopf herein.

„Kann ich zu euch kommen, da drüben alleine ist es so langweilig.“

„Klar“, antwortete Daniel, „etwas Platz haben wir noch im Bett.“

Er kicherte und Ella ebenso.

„Also ich finde hier alles cool, ihr nicht?“

„Doch klar“, antwortete Daniel.

„Bin gespannt auf dieses Barbecue, ich habe so etwas bisher nur im Fernsehen gesehen.“

„Billy sagte etwas von Jungs, die hier in einem Verein sind… etwas über misshandelte Jugendliche und so, wo die sich darum kümmern“, erzählte ich.

„Nicht schlecht, vielleicht ist da ja etwas für mich dabei.“

„Ella“, begann Daniel, „die sind auch alle schwul.“

„Man, sind in den Staaten alle schwul oder was?“

„Nein“, lachte ich.

*-*-*

Sam, Matthews Vater war so nett uns alle abzuholen. Der Pickup schien neu zu sein, auf alle Fälle glänzte er heftig. Ich war verwundert, wie weit zwar die Leute hier auseinander wohnten und doch von Nachbarn redeten.

Dazwischen waren nichts als Felder mit Mais oder Weizen, so weit man schauen konnte. Sam bog in eine Einfahrt ein. Der Weg war von Bäumen gesäumt und auch hier konnte man noch leicht die Reste sehen, die von den vergangenen Wassermengen der letzten Woche zurück geblieben waren.

Vor dem Haus standen schon ein paar Wagen und Sam parkte seinen dazu.

„Alle aussteigen, wir sind da“, verkündete Sam und stellte den Motor ab.

Billy kam nun ebenfalls an und stellte sein Motorrad direkt neben uns ab. Ich musste zugeben, dass er mir in seiner Motorradkluft gut gefiel.

„Hallo zusammen“, begrüßte uns George, der nun auf der Veranda des Hauses erschien, „kommt nach hinten, die anderen sind schon da.“

Billy

Langsam ging ich neben Matthew her. Der Boden war an einigen Stellen noch sehr rutschig und er hatte Probleme damit, nicht hinzufallen.

„Weißt du was…, hier nimm mal meinen Helm“, meinte ich.

„Wieso?“, fragte Matthew.

„Jetzt nimm ihn“, sagte ich und reichte ihm den besagten Helm.

Verwirrt schaute er mich an und nahm ihn an sich. Ich dagegen packte ihn und nahm ihn einfach Huckepack.

„Billy, bitte nicht…, wenn uns jemand sieht…“

„… wird er wissen, dass ich dir nur helfe!“

Ich hatte nicht gedacht, dass Matthew so schwer war und war heftig am Schnaufen.

„Im Bett bist du leichter“, keuchte ich.

Matthew fing an zu lachen, was die Sache nicht gerade erleichterte. Hinter dem Haus angekommen setzte ich ihn ab und atmete erst mal kräftig durch.

„Danke mein Starker Hüne…“

„Wenn…, wenn der… Gips ab ist…“, keuchte ich, „dann treiben wir… Sport… Du bist… einfach… zu schwer.“

Matthew zeigte mir den Vogel und humpelte zu den anderen.

„Billy! Hallo!“, hörte ich Aiden rufen.

„Hallo… Aiden“, rief ich zurück, immer noch nach Luft japsend.

Er kam her zu mir.

„Was sollte eben die Akrobatikübung?“

Er drückte mich kurz und ließ wieder von mir ab.

„Es ist so rutschig…“, antwortete ich.

Aiden sah mich durchdringend an.

„Du weißt schon, dass ich mit Matthew zusammen bin?“

Aiden seufzte.

„Ja… leider.“

Ich lächelte gerührt.

„Probleme?“, hörte ich eine Stimme hinter mir.

Ich drehte mich leicht und Matthew stand hinter mir.

„Nein“, lächelte ich ihn an.

„Dann könntest du uns etwas zu trinken besorgen? Ich verdurste fast.“

„Aber gerne doch“, meinte ich und gab ihm einen Kuss.

Aidens Seufzer fiel dieses Mal noch lauter aus. Gemeinsam lief ich mit Matthew an den kleinen Tisch, auf dem die Getränke standen.

„Kann es sein, dass sich der Kleine in dich verknallt hat?“

„Schon möglich“, sagte ich und legte meine Jacke und den Helm ab.

„Ich kann es ihm nachfühlen.“

Ich griff nach zwei Flaschen Coke und reichte ihm eine davon.

„So?“, sagte ich leicht süffisant.

„Ja!“

Beide standen wir uns grinsend gegenüber.

„Nicht dass dein knackiger Hintern in der Ledercombi mich jetzt anmachen würde, oder diese funkelnden und strahlenden Augen mich gefangen nehmen würden, oder dieses Lächeln, welches einen um den Verstand bringen könnte, du bist einfach ein lieber Kerl.“

„Nur ein einfach lieber Kerl?“, fragte ich ironisch.

„Ein lieber Kerl, den ich über alles liebe!“

„Das hast du lieb gesagt.“

Matthew sah mich an und wartete anscheinend noch auf etwas, aber ich ließ ihn zappeln.

„Ja, ich weiß, unter diesem unheimlich harten Kern steckt die Sanftheit pur, so bin ich eben.“

„Harter Kern?“, grinste ich.

„Ja klar!“

Ich grinste weiter und beugte mich vor.

„Das einzige harte, neben deinem Gips“, begann ich in sein Ohr zuflüstern, „das ich an dir kenne, würde ich jetzt gerne in mir spüren.“

Matthew wurde rot und schaute sich um, als hätte er Angst, dass dies jemand gehört haben könnte.

„Ach so und noch etwas“, sprach ich im normalen Ton weiter.

„Ja?“

„Ich liebe dich genauso!“

*-*-*

Matthew hatte bereits das zweite Steak intus und überlegte, ob er sich noch einmal zu George an den Grill begeben sollte.

„Das schmeckt alles so unheimlich gut, ich weiß gar nicht, was ich als Nächstes essen soll“, schmatze mir Ella entgegen.

„Wie wäre es, wenn du deinen Teller erst mal leer essen würdest?“

Sie streckte mir nur die Zunge raus, was in diesem Fall nicht gerade appetitlich aussah. Ich stand auf, nahm meinen leeren Teller und ging zu George. Bei ihm standen auch Takumi und Samuel.

„Na, noch eine Portion?“, fragte George.

„Nein danke, ich bin satt!“

„Also Billy, wie ihr Davies & Barton abserviert habt, einfach köstlich“, meinte Samuel, der gerade von Takumi gefüttert wurde.

„Woher wisst ihr das schon wieder?“, fragte ich.

„Solche Sachen sprechen sich schnell herum, es ist sogar von einer Anzeige wegen Steuerhinterziehung die Rede“, antwortete Takumi.

„So schnell werden Gerüchte in die Welt gesetzt“, kam es von George.

„Das haben die sich wohl selber zuzuschreiben, wenn sie solche Sprösslinge groß ziehen, oder?“

Ich wollte mich nicht aufregen, aber schon allein der Gedanke an den Tag im Krankenhaus, als die beiden mich verfolgten, brachte mich fast zur Weißglut.

„Wir werden sehen, was dabei heraus kommt“, meinte George ruhig, „jetzt kommt morgen erst einmal auf die Ausstellung von Tassilo.“

Tassilo

Trotz der vorgerückten Stunde und der Zeitverschiebung von England in die Staaten war ich hell wach. Daniel schlief friedlich in meinem Arm, er hatte ein sanftes Lächeln auf den Lippen.

Wovon er wohl träumte? Ich dachte über die Galerie nach und was es für mich bedeutete, dass die Bilder ausgestellt werden. George hatte erzählt, dass es sein konnte, dass jemand ein Bild sogar erwerben wollte.

Ich wusste nicht, ob ich bereit war, meine Bilder zu verkaufen. Wobei ich mir auch wieder eingestehen musste, hätte ich den Leuchtturm nicht geerbt, hätte ich auch den größten Teil meiner Bilder nicht mehr gesehen, die mein Onkel erstanden hatte.

Vorstellen konnte ich es mir sowieso nicht, dass jemand eins meiner Bilder kaufen wollte, so gut waren sie jetzt auch wieder nicht. Meine Gedanken schweiften zum Barbecue, wo wir viel gelacht hatten, besonders über Ella und Aiden, die sich regelrecht ineinander eingeschossen hatten.

Es gab heiße Diskussionen, wie man einen Freund oder eine Freundin behandeln dürfte, da ging deren Meinung stark auseinander, sehr zur Freude der anderen. Ich musste schon wieder grinsen.

*-*-*

Irgendetwas kitzelte mich an der Nase. Ich rieb darüber, aber es fing wieder an. Ein Auge leicht geöffnet, nahm ich Daniel war, der knapp vor meinem Gesicht ruhte. Aber er schlief nicht, dafür war das Grinsen auf seinen Lippen zu heftig.

„Morgen“, brummte ich.

Daniel reagierte nicht, aber das Grinsen blieb. Ich wanderte mit meinem Kopf etwas nach vorne und küsste ihn sanft auf den Mund. Ich fuhr regelrecht zusammen, als Daniel plötzlich seine Arme um mich schlang und der Kuss um einiges intensiver wurde.

„Morgen mein Schatz“, raunte er und grinste immer noch.

„Sind deine Gesichtsmuskeln eingefroren, oder warum bekommst du dieses Grinsen nicht mehr von den Lippen?“

„He, ich freu mich halt. Kannst du dir vorstellen, wie schön es ist, morgens aufzuwachen und der Kerl, den du liebst, liegt neben dir?“

„Ja, kann ich.“

Daniel seufzte kurz.

„Aber es bringt nichts, wir sollten aufstehen.“

„Och, ich würde gerne noch etwas liegen blieben.“

„Zu spät, es ist schon fast zwölf.“

„Bitte?“

„Ja, wir haben lange geschlafen…, war ja nicht gerade früh, als wir ins Bett sind.“

„Das ist Ansichtssache, ob es früh oder spät war. Aber du hast recht, wir sollten aufstehen. Ich weiß nicht, wann die in die Stadt wollen und auch nicht, wann wir bei George erscheinen sollen.“

Ich stand auf und lief zum Fenster.

„Oh… die zwei Autos sind weg und der Hof ist auch wieder sauber.“

„Ja, vorhin war ein Abschleppdienst da und hat die Wagen abgeholt.“

Ich drehte mich um und sah vor mir einen fast nackten Daniel liegen.

„Sag mal, wie lange bist denn schon wach?“

„Eine Stunde.“

„Und was hast du die ganze Zeit gemacht?“

„Dir beim Schlafen zugeschaut.“

Er schlug die Decke zurück und stand auf.

„Was hast du vor?“

„Wenn es dir nichts ausmacht, möchte ich duschen gehen. Kannst ja nach kommen.“

„Ich komme gleich mit!“

Grinsend folgte ich meinem Schatz.

„Meinst du, das Bad ist überhaupt frei?“

„Um diese Zeit?“

„Stimmt, da hast du auch wieder recht.“

Daniel warf sich sein Handtuch über die Schulter und öffnete die Zimmertür.

„Dass Ella uns nicht geweckt hat ist komisch“, meinte ich.

„Die wird genauso lange geschlafen haben wie wir. Vielleicht sollten wir sie wecken.“

„Lieber nicht, ich will in Ruhe duschen.“

Daniel öffnete die Tür, blieb aber ruckartig stehen.

„Guten morgen ihr zwei“, hörte ich es von drinnen.

„Morgen ist gut“, entgegnete Daniel.

Als er die Sicht frei gab, sah ich, mit wem er redete. Matthew saß in der Badewanne und hatte den Gips auf den Rand gelegt, während Billy am Beckenrand bei ihm saß.

„Da kommen wir später wieder“, meinte ich verlegen.

„Nein, nein. Ich bin fertig und Matthew kann noch etwas einweichen. Ihr könnt ruhig duschen, wenn ihr möchtet“, meinte Billy.

Er hatte nichts an, machte aber keine Anstalten sich irgendetwas anzuziehen. Daniel lächelte mich süffisant an. Matthew grinste auch irgendwie unverschämt.

„Okay“, meinte ich und schob Daniel weiter ins Bad hinein.

Ich schloss die Tür hinter mir, während Daniel schon seine Shorts fallen ließ. Er drehte die Dusche an, während ich mich ebenso entkleidete.

„Nicht schlecht“, hörte ich Matthew kichern.

„Hallo?“, meckerte Billy gespielt.

„Man darf doch wohl noch schauen!“

Jetzt musste ich selbst grinsen und stieg zu Daniel in die Dusche.

Billy

Tassilo sah immer noch so sexy aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Dies blieb auch meinen unteren Regionen nicht unbemerkt. Matthew grinste mich weiter an.

„Du hast doch selbst geschaut“, meinte er und starrte auf meine Erregtheit.

„He, ich bin ein hormongesteuerter Jugendlicher…“

Es klopfte. Wie aus einem Mund riefen wir gleichzeitig *Besetzt*.

„Seid ihr etwa zu viert da drinnen?“, hörten wir Ella rufen.

„Ja“, antwortete ich.

„Mach die Tür auf, so was kann man sich doch nicht entgehen lassen, gleich vier zuckersüße Kerle auf einem Haufen.“

„Vier nackte Kerle“, rief ich zurück, was sogar einen Lacher unter der Dusche verursachte.

„Ihr seid gemein.“

„Nein, nur unter uns.“

„Manchmal wäre ich lieber ein Junge…, ich verpasse eindeutig zu viel.“

*-*-*

Nach dem wir zu dritt Matthew aus der Badewanne gezogen hatten, waren wir wieder auf unseren Zimmern und zogen uns an. Besser gesagt, ich half Matthew, sich anzuziehen, da er mit seinem Gipsfuß recht unbeweglich war.

„Was steht jetzt eigentlich an?“, fragte Matthew und zog sich ein Shirt über.

„Kurz etwas essen und dann nach Springfield, denke ich. Dein Onkel und die Galerie.“

„Stimmt ja, hatte ich völlig vergessen. Das wird sicherlich langweilig.“

„Glaubst du?“

„Da stehen wir nur herum und schauen den Leuten zu, wie sie Tassilos Bilder begaffen.“

„Gefallen dir Tassilos Bilder nicht?“

„Doch klar gefallen mir die…“

„Aber?“

Matthew kam nicht mehr zur Antwort.

„Kids, Sam ist da, um euch abzuholen, seid ihr fertig?“

Die Stimme meines Vaters. Matthew seufzte.

„Also nichts mehr mit essen.“

„George hat sicherlich etwas für uns. Kannst du mir helfen, den Schuh anzuziehen?“

Ich nickte. Wenig später waren wir unten und auch die anderen drei hatten sich eingefunden.

„Hallo, dann können wir ja gleich los“, meinte Sam und ging hinaus.

„Na ihr, alle gut geschlafen?“, fragte Mum.

Wir nickten und folgten Sam. Alle waren so seltsam ruhig. Ob es an dem späten Schlafen gehen lag? Anscheinend war noch niemand so richtig wach. Als Matthew im Auto verstaut war, ging es auch schon los.

„Halt, ich habe etwas vergessen“, meinte Daniel und stieg wieder aus.

Er rannte ins Haus und kam mit einer Tasche zurück.

„Wir können“, rief er und Sam startete den Wagen.

*-*-*

Ich hätte etwas Leichteres anziehen sollen, denn um die Zeit war es richtig warm in der Stadt. Zum Unterschied beim Regen knallte die Sonne jetzt regelrecht. Mir tat Matthew mit seinem Gips leid.

Sam fuhr uns bis zum Eingang der Galerie, wo wir schon erwartet wurden.

Tassilo

George stand schon auf dem Gehweg und erwartete uns.

„Hallo, da seid ihr ja. Und, alle fit?“

Ich wusste nicht, wo dieser Mann diese Energie hernahm. Er sah weder müde aus, noch sah man irgendwelche Spuren von vielem Alkoholgenuss.

„Dann können wir mal beginnen, die Bilder aufzuhängen.“

„Habt ihr das noch nicht?“, fragte ich verwundert.

„Nein, wir wollten warten, bis du da bist.“

Wir betraten die Galerie, in der sich eine Frau aufhielt.

„Das ist Katie, meine Kollegin und Katie, das ist Tassilo, der Schöpfer der Bilder.“

„Hallo Tassilo“, meinte Katie und schüttelte meine Hand.

„Hallo Katie“, meinte ich lächelnd.

„Sollen wir auch helfen?“, fragte Ella.

„Natürlich, viele Augen sehen mehr als nur vier“, antwortete George.

So machten wir uns alle daran, die Bilder auszupacken. Daniel und Billy hängten das erste auf und Ella und Katie gaben ihre Kommentare dazu ab, so wegen Gradheit und Beleuchtung des Bildes.

Das ganze dauerte fast zwei Stunden, bis endlich alles hing.

„So, nun das letzte“, meinte George und sah mich an.

„Das war eben das letzte Bild“, meinte Billy, der mit Katie und Ella das Verpackungsmaterial verräumte.

„Wie, das letzte…, da fehlt doch eins“, sagte George und nahm die Liste in die Hand.

Er überflog diese und verglich sie mit den hängenden Bildern.

„Mist, ich dachte, es wäre ein Bild mehr in der Sammlung.“

„Ist doch nicht schlimm“, meinte ich.

„Doch, schau da, direkt am Eingang, da fehlt uns nun ein Bild.“

Ich sah die große weiße Fläche im Eingangsbereich.

„Vielleicht kann ich abhelfen“, sagte Daniel plötzlich.

„Du?“, fragte ich erstaunt.

„Ja. Ich habe da etwas mitgenommen“, antwortete er und zog die Tasche hervor, die er vorhin noch schnell geholt hatte.

Daniel hatte die Bleistiftzeichnung von sich mitgeschleppt und als er sie zum Vorschein brachte, bekam George große Augen.

„Wow.“

Das war das einzige was er hervorbrachte. Lange betrachtete er es und hob es dabei in verschiedenen Richtungen ins Licht.

„Ähm… es hat halt keinen Rahmen…“, meinte ich.

„Wir sind eine Galerie und es wäre schlecht, wenn wir keine Rahmen als Ersatz hätten“, meinte Katie.

Verlegen lächelte ich sie an.

„Und ich weiß auch schon, welchen wir da nehmen“, fügte sie hinzu und verschwand kurz.

„George, kannst du mir mal bitte helfen?“, rief sie plötzlich von hinten.

George nahm den gleichen Weg wie Katie und verschwand im hinteren Bereich. Wenig später kamen sie beide mit einem großen alten Goldrahmen zurück.

„Ist… der… nicht etwas wuchtig für die kleine Zeichnung?“, fragte Ella.

Genau das hatte ich auch gerade gedacht.

„Nein, der ist genau richtig, wartet ab, bis es hängt“, antwortete Katie.

Die blonde Frau mit Brille öffnete vorsichtig das Hinterteil des Rahmens, während George das Bild darin positionierte. Danach verschlossen sie den Rahmen wieder und hängten es an die freie Stelle im Eingangsbereich.

„Ich muss sagen“, begann Matthew, „du hast Daniel super getroffen. Das sieht aus, als wäre es fotografiert.“

„Stimmt“, meinte Ella, „er sieht genauso frech aus…“

Alle fingen an zu kichern und Daniel schaute gespielt böse zu Ella.

„Kannst du diesem Lächeln böse sein“, sagte Ella und schmiegte sich an ihn.

Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn und lächelte ebenso wie sie. George war unbemerkt verschwunden und kam nun mit einem Tablett voll Sekt zurück.

„So, meine Damen und Herren. Stoßen wir auf Tassilo an und seine Bilder, dass er noch viele malen möge und hier ein wenig bekannter wird. Auch darauf, dass hier neue Freundschaften entstehen, die ewig halten mögen und bestehende nie zerbrechen!“

Dabei sah er erst mich und Daniel an und dann Billy und Matthew. Dem konnte man eigentlich nichts mehr hinzufügen. Jeder nahm sich ein Glas und gemeinsam stießen wir alle an.

Die Tür öffnete sich und ein Pärchen kam herein.

„Ist die Galerie schon eröffnet?“, fragte die Frau.

George schaute mich kurz an und ich zuckte mit den Schultern. Er lächelte zurück und lief zu den beiden an die Tür.

„Ja, sie ist eröffnet und sie haben sogar das Glück, den Maler persönlich kennen zu lernen.“

Ich spürte wie mein Gesicht rot wurde, aber Daniel schnappte sich meine Hand und drückte sie fest.

„He keep cool! Das schaffen wir alles!“

Billy lächelte uns an.

„Ja, wir sind alle bei dir, kann überhaupt nichts schief gehen!“

Die Tür ging erneut auf und weitere Gäste strömten herein. Ich griff nach Billys Hand und zog ihn zu uns. Mein Blick wanderte zwischen den beiden hin und her.

„Ihr habt beide eine besondere Stellung in meinem Leben und dafür bin ich euch dankbar.“

Ich gab Billy einen Kuss auf die Wange und Daniel küsste ich auf den Mund.

„Und wir gehen leer aus?“, fragte plötzlich Ella, die mit Matthew hinter mir stand.

Ich drehte mich um und gab jedem ebenfalls einen Kuss.

„Einfach danke, dass ihr alle da seid, das bedeutet mir sehr viel. Ohne euch wäre mein Leben nicht so farbenreich, wie es jetzt ist. Stoßen wir einfach auf uns an, die wir hier stehen.“

Ich wischte mir eine Träne aus dem Auge und die Gläser klangen durch den Raum. Jeder trank einen Schluck.

„Wie wäre es mit einer kurzen Runde Gruppenknuddeln, bevor der Laden hier voll steht?“, schlug Ella vor.

Sie brauchte gar nicht lange zu fragen. Wir umringten Matthew und drückten uns alle fest an ihn. Wieder ging die Tür auf und weitere Leute kamen herein. Wir trennten uns. Ella und Daniel halfen Katie mit den Sektgläsern.

Billy und Matthew verteilten Häppchen, Matthew eben so gut er konnte und ich… ich hatte mein erstes Gespräch mit den Gästen, die mich mit Fragen über Maltechniken löcherten. George stand lächelnd an der Tür, nickte mir kurz zu und begrüßte weitere Gäste.

Strahlend nahm ich meine Aufgabe wahr und genoss diesen besonderen Tag in vollen Zügen.

*-*-* Ende *-*-*

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