Mit anderen Augen – Teil 7

Kapitel XXXVII, Vorbereitungen

Einige Tage zuvor im Büro des Direktors des Internats.

„Setzen Sie sich Fräulein Kühn. Sie können sich denken, warum ich Sie hergebeten habe?”

„Nun, ich denke, weil Sie mich am Sonntagabend abgeholt haben? Ich bat meinem Onkel mir ein Taxi zu rufen.”

„Fast, dass ich Sie abgeholt habe, war nur der kleinere Teil ihres Verstoßes. Sie haben sich unerlaubt vom Internat entfernt.”

„Bin ich hier eine Gefangene?”

„Ich habe letztendlich die Verantwortung für alle Schüler, die dieses Internat besuchen. Ich habe Regeln aufgestellt und diese in der Hausordnung zusammengefasst. Diese Hausordnung ist die Basis für ein reibungsloses Miteinander zwischen Schülern, Lehrern, Betreuern und Bediensteten. Woran kann es nur liegen, dass es in den letzten Jahren kaum Probleme gab?”

„Ist dies eine rhetorische Frage?”

„Ah, Sie haben es erfasst. Es liegt daran, dass diese Regeln von allen respektiert werden, außer von Ihnen Fräulein Kühn. Zum Thema Ausgang habe ich die Regel aufgestellt, dass sich alle Schüler bei der Aufsicht abzumelden haben. Gerade am Abend. Das haben Sie nicht getan. Ihr Onkel hat sich richtig verhalten.”

„Er ist nicht mein Vater, was er getan hat war nicht fair.”

„Nicht fair? Sie haben sich nicht fair verhalten. Sie haben doch die Hausordnung gelesen und es mit Ihrer Unterschrift bestätigt, gilt Ihr Signum nicht? Davon abgesehen, Ihr Onkel hat sehr wohl das Recht dazu, da er eine von Ihrem Vater eingesetzte Bezugsperson ist. Des Weiteren wurde mir zugetragen, dass Sie im Unterricht nicht sehr kooperativ sind. Das spricht nicht gerade für Sie. Kurz um, in Rücksprache mit den Betreuern im Internat, Ihrem Onkel und Ihrem Vater, haben Sie bis auf Weiteres Hausarrest. Ausgang nur in Begleitung zum Unterricht und Kursen. Abends ab 20 Uhr 30 dürfen Sie Ihren Flur nicht mehr verlassen, organisieren Sie dementsprechend ihren Tagesablauf. Abweichende Regelungen müssen von mir zuvor genehmigt werden. Außerdem hätte ich eine schriftliche Erörterung über das Thema ‘Kleiderordnung und Schulkleidung im Internat’ bis zum Ende der Woche von Ihnen. Das war es fürs Erste.”

„Aber…”

„Es gibt kein ‘Aber’ und Sie werden schon am Eingang erwartet, Frau Möller-Klein begleitet Sie zum Unterricht.”

*-*-*

Carsten und Max wurden herzlich empfangen, als sie eine Woche später am Sonntagabend wieder im Internat eintrafen. Seine Clique hatte einen Kuchen gebacken und dieser wurde nun genüsslich auf Carstens und Andreas’ Zimmer verspeist. Für Max gab es Hundekekse und Streicheleinheiten, besonders bei Andreas verweilte sie lange. Währendessen berichtete Carsten von den Umständen seines Krankenhausaufenthaltes. Ganz langsam rutschte das Gespräch zum Internatsalltag, dass die Lehrer ein ruhiges Tempo vorlegten. Carsten war an sich froh um diesen Umstand, vierzehn Tage Lehrstoff aufzuarbeiten kostet Zeit, die er lieber mit anderen Dingen verbringen wollte. Vor allem mit Andreas. Als die Sprache auf die neue Mitschülerin zu sprechen kam, wurde Carsten – zumindest was das Stufenleben angeht – auf den neusten Stand gebracht.

Britta berichtete weiter davon, dass Melanie Hausarrest hat. Andreas sah sich dabei seinen Freund an. Seine Reaktionen ließen auf nichts Außergewöhnliches schließen. Doch war da etwas, so gut kannte er seinen Freund schon, Carsten wusste mehr. Ganz in Gedanken verloren sah er zu seinem Freund. Erst als der Rest der Clique sehr still wurde und alle ihn an sahen, entschuldigte er sich, dass er für einen Augenblick geistig abwesend war. Chris sprach aus, was alle dachten: Das seine Gedanken wohl bei Carsten waren. Leicht errötend und frech grinsend lenkte er ab. Dann kamen sie auf die Sitzordnung in der Klasse. Melanie hatte den noch freien Platz an der Tür von Frau Möller-Klein zugewiesen bekommen. Anscheinend wollte sie das Mädchen vorne beim Lehrerpult haben. Auch wenn jetzt durch die unterschiedlichen Kurse ein Teil der Plätze frei blieben konnte keiner wechseln. Carsten atmete durch, so konnte sie Max und ihm nicht in die Quere kommen, aber seine wissendliche Neugier war noch nicht gestillt.

„Wie benimmt sie sich denn in der Klasse?”

“Da hast du soviel nicht verpasst. Ich glaube sie ist die erste Schülerin, die es geschafft hat, an einem Tag alle Lehrer zu verärgern. Bei Herrn Walz hat sie darauf bestanden mit dir ein Konzert zu geben. Nur wusste er noch gar nichts davon. Daher hat er schon einmal ihren Vorstellungen einen Riegel vorgeschoben, indem er ihr gesagt hatte, dass Herr Kramer für dich zuständig ist. Ihrem Gesichtsausdruck nach war sie leicht frustriert. Zudem hat er ihr noch die Flügel dahingehend gestutzt, dass er sie erst einmal spielen hören möchte.”

„Und vergiss nicht Britta, wie Herr Gabriel sie noch einmal daran erinnerte, die Schulkleidung zu tragen. Was meinte sie noch? Ach ja: Das Blau der Schulkleidung beißt sich mit meinem roten Lippenstift.”

„Das hat sich Herr Gabriel gefallen gelassen?”

„Nicht im geringsten. Mit einem britischen Akzent und einem trockenen Ton hat er sinngemäß geantwortet: Ob dein Lippenstift nun mit der Schulkleidung harmoniert oder nicht, interessiert mich so sehr, wie wenn ein Sack Reis in der Provinz Jiangxi umfällt. Wenn du der Meinung bist, die Farbe deines Lippenstiftes beißt sich mit dem Blau der Schulkleidung, dann lass ihn einfach weg. Oh man war Melanie sauer und der halbe Kurs lachte.”

„Das kann ich mir richtig gut vorstellen und befolgt sie nun die Kleiderordnung?”

„Jep!”

„Wie ist das Britta, dürft ihr euch eigentlich schminken?”

„Solange es dezent ist Carsten, sagen die Pauker nichts. Ich meine das gehört ja auch ein wenig zu dem, was wir hier lernen: Die Präsentation der eigenen Person. Ich muss sagen, Chris ist eine der Wenigen, welche ohne Make-up auskommen würde und dabei eine gute Figur macht. Ich fühle mich nur wohl, wenn ich etwas Rouge aufgetragen habe.”

„Und was ist mit dem Problemkind?”

„Ihr Make-up passt einfach nicht zu ihrem Typ. Sie hat einfach keine Klasse. Die Lehrer scheren sich darum aber nicht die Bohne. Aus Trotz trägt sie absichtlich keinen Lippenstift mehr und das ist das einzige was ihr wirklich steht.”

„Man, die hat scheinbar wirklich das ganze Programm abgefahren, was es hier in den ehrwürdigen Hallen gibt, hatte denn keiner Mitleid?”

„Oh, da gibt es eine kleine Gruppe deren Alphaamöbe sie sein darf.”

„Können die unserem JHP News Projekt gefährlich werden?”

„Ich denke nicht, sie interessieren sich mehr für den Tratsch und den Klatsch der Modewelt. Und für Melanies Kohle!”

„Ich weiß, ich löchere euch ein wenig, doch ihr müsst entschuldigen, dass ich einfach nicht auf dem Laufenden bin.”

„Um dich kurz auf den neusten Stand zu bringen, die News steht quasi vor ihrem Druck. Wir warten nur noch auf das Okay des Direx. Wir planen zwei Schwerpunkte. Das erste Thema befasst sich mit flirten, kennen lernen, feste Freundschaft. Wir fanden das ist ein hervorragender Einstieg.”

„Vor allem, weil er noch ganz neutral ist. In der zweiten Folge wird es dann ernst. Da packen wir auch schon das Thema Homosexualität an. Ralph möchte gerne mittels einer Gegenüberstellung zur Heterosexualität feststellen, dass es eben keine gravierenden Unterschiede gibt.”

„Meines Erachtens ist es doch so, dass die Gefühle identisch sein müssten. Die Hormone schlagen doch Purzelbäume wenn man jemanden in die Augen schaut, eine Stimme hört, oder einfach nur berührt. Das sind biochemische Vorgänge, die eben Menschen bezogen sind. Das Geschlecht der Person ist da eher sekundäres Merkmal.”

„Hört sich nach einem gesunden Standpunkt an. Wie ist das mit der Sexualität hier im Haus?”

„Ganz offiziell, ist miteinander schlafen verboten, Knutschen, Petting etc. wird großzügigerweise geduldet, wenn es nicht in der öffentlich geschieht.”

„Sorry Leute, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich zwei in die Aula stellen und sich an die Wäsche gehen.”

„Ist aber schon vorgekommen. Zumindest was uns der Betreuer erzählt hat. Da haben sich wohl zwei frisch Verliebte beim Knutschen gehen lassen. Angeblich war die Hand des Jungen unter dem T-Shirt seiner Freundin und knetete die Brüste.”

„Aua!”

„Was, kann doch passieren? Okay bei euch Jungs wird wohl die Hand nicht über der Gürtellinie kneten.”

„Das meine ich doch gar nicht Chris, was du für Gedankengänge hast. Sich dabei erwischen zu lassen … das tut weh.”

Der Rest der Versammelten lachte. Da hatte Carsten Chris geschickt ausgehebelt.

Ralph machte darauf aufmerksam, dass er am nächsten Tag früh raus müsse und er gerne noch etwas schlafen möchte.

„Was ist mit dem Geschirr?”

„Sollen wir morgen zum Frühstück mitbringen. Ich stelle es solange auf den Tisch. Ist es da vor Max sicher?”

„Natürlich. Es kann sein, dass sie daran mal schnuppert, aber das war es auch schon. Ich weiß wirklich nicht, wie ihr Trainer es hinbekommen hat, aber Schokolade und solch Süßkram lässt sie kalt. Mama hat sie hingegen schon einmal dabei erwischt, wie sie verdächtig nahe an einem rohen Schnitzel war.”

Andreas lachte. Denn er konnte es sich richtig gut vorstellen, wie Max mit ihren Vorderpranken die Feldbach’sche Küchenanrichte hoch ist, um dort liegende frische Schnitzel mit ihrer Nase zu begutachten. Dennoch weiß er auch, dass ein mahnendes Wort eines Zweibeiners ihr Einhalt gebietet.

Peu à peu verließ auch der Rest der Clique das Zimmer. Andreas sah sich Carsten an. Er schien etwas müde zu sein. Doch da Max’ Gassirunde noch anstand, würde Carsten noch nicht ins Bett gehen.

„Sag mal Tiger, ich habe den Eindruck, du weißt mehr von Melanies Problemen, als du uns sagen wolltest.”

„Tu’ ich auch. Ich habe im Krankenhaus etwas erfahren, was nicht zu ihrem Vorteil ist.”

„Darf ich es erfahren, oder ist es ein Geheimnis?”

„Hast du eine Ahnung, wie hier Verfehlungen geahndet werden?”

„Nicht die geringste.”

„Wenn sich jemand unerlaubt vom Internat entfernt und wird vom Direktor persönlich irgendwo abgeholt, dann sind bis auf weiteres alle Privilegien gestrichen. Wenn irgendetwas zu dessen Gunsten ausgelegt werden kann, gibt es nur Ausgangssperre.”

„Dann frage ich mich, was zu Melanies Gunsten gesprochen hat! Denn ich könnte nicht sagen, dass sie eine Fürsprache verdient.”

„Anscheinend gibt es aber jemanden. Es kann natürlich auch sein, das Dr. Neubert ihr einen Schuss vor den Bug gegeben hat. Eine Chance ihr Verhalten zu überdenken.”

„Ich glaube nicht, dass sich ihr altes Verhalten ändern wird.”

„Du kennst sie von früher?”

Andreas schluckte, manchmal setzte eben sein Denken aus und sein Mundwerk ist schneller. Es half nichts, Carsten hatte ihm diese Frage gestellt und es wäre eine Beleidigung seines Intellekts, diese nicht zu beantworten. Langsam fing er an seine ganze Geschichte von Anfang an zu erzählen. Hin und wieder sah er Carsten an um seine Reaktion zu beobachten. Doch Carsten schien ganz ruhig zu bleiben. Nein, etwas hatte sich verändert: Sein Gesichtsausdruck.

Andreas kannte seinen Freund schon gut genug, um zu wissen, dass dieser harte Ausdruck Wut und Zorn entsprach. Just in diesem Moment tat ihm Melanie leid.

Nachdem Andreas geendigt hatte, stand Carsten auf, ging zu Andreas hinüber und umarmte ihn einfach. Mehr bedurfte es nicht, um ihm mitzuteilen, dass er ihn liebte. Andreas spürte soviel Vertrauen in dieser Geste, dass er endlich die Vergangenheit ruhen lassen konnte.

„Ich weiß, es passt jetzt nicht so richtig, für mich steht noch eine Gassirunde an.”

„Och, Max geht mit dir Gassi? Das will ich sehen!”

„Jepp und wenn du willst, kannst du sie begleiten.”

Andreas kicherte los und Carsten konnte es nicht fassen, dass Andreas seine Aussage ganz anders interpretierte. Aber es gefiel ihm, dass sein Freund so um die Ecke denken konnte. Daher machten sich beide für eine Gartenrunde fertig. Carsten nahm die Leine und seinen Stock mit. Max trottete neben den beiden Jungen her. Am Spind zogen beide noch warme Jacken über und wasserfestes Schuhwerk an. Dann ging es hinaus. So schnell wie die Hündin davon stob, konnte Andreas nicht gucken. Carsten war die Ruhe in Person. Langsam ging er in Richtung des Sees. Am Bootshaus setzte er sich auf die Bank und klopfte sachte neben sich. Andreas sah sich um, eine unangenehme Überraschung wollte er nicht erleben. Dann setzte er sich dicht neben seinen Freund und hielt seine Hand.

„Melanie wird nicht aufkreuzen.”

„Woher weißt du das?”

„Ganz einfach, weil sie Hausarrest hat und ich sicherheitshalber dafür gesorgt habe, dass sie auf ihrem Zimmer bleibt. Falls sie es dennoch verlassen sollte … sagen wir einmal so, weiter als zur Toilette kommt sie um diese Zeit nicht.”

„Wie hast du das angestellt?”

„Also, mein Stationsarzt im Krankenhaus ist ihr Onkel. Durch einen Zufall habe ich ein Gespräch zwischen ihnen mitbekommen. Daher weiß ich mittlerweile, dass sie finanzielle Probleme hat. Bitte behalte dies für dich. Weiter im Text, ich habe am nächsten Tag den Arzt von diesem Zwischenfall unterrichtet, was soll ich sagen? Er wusste es. Dann haben wir uns unterhalten und sind zu einem Einvernehmen gekommen.”

„Lass mich raten, er hat auf dein Geheiß Dr. Neubert angerufen und ihn gebeten, Melanie nur mit diesem Hausarrest zu belegen?”

„Du hast es fast erfasst. Nun zurück zum Arrest, ich habe mit einer Abiturientin ihres Flures gesprochen. Sie ist die Flursprecherin, sie hat unter anderem dafür zu sorgen, dass zum Beispiel Disziplinarmaßnahmen eingehalten werden. Ich habe mit ihr gesprochen, weil sie mir einen Gefallen schuldig ist und sie hat mir versprochen, dass Melanie abends ihren Flur nicht verlässt.”

„Okay und was hast du noch vor?”

„Jetzt bin ich dran, wie kommst du darauf?”

„Chris hat mir gesagt, dass du gerne im Hintergrund agierst. Wenn ich jetzt etwas Mathematik betreibe komme ich auf zwei. Du hast dich wissentlich eingemischt um ein gewisses Ziel zu erreichen.”

„Du bist klug und kannst logisch weiterdenken. Tust du mir einen Gefallen…?”

„Ich soll jetzt noch still halten? Schatz, ich weiß, das passt jetzt nicht so richtig in deine Planung, doch ich würde sagen, lass sie in Ruhe.”

„Nachdem, was sie dir angetan hat?”

„Sei mal ehrlich, was ändert es, wenn wir Rache üben? Das, was sie mir angetan hat, macht es nicht rückgängig. So wie ich sie kenne, wird sie früher oder später über ihre eigenen Fehler stolpern. Nehmen wir zum Beispiel die Ausarbeitung für den Englischkurs. Glaubst du allen Ernstes Dr. Gabriel lässt sich von einem Teenager auf sein Kreuz legen? Der wird ihr schon sagen, was Sache ist. Ich würde sogar sagen, Melanie sollte sich bei ihm im Unterricht warm anziehen. Gleiches gilt für unsere anderen Pädagogen. Und wenn sie herumposaunt ich sei schwul, dann hat sie mal die Wahrheit gesagt. An deiner Seite kann sie mir nun nichts mehr anhaben.”

„Du bist einzigartig Schatz und ich bin froh, dass ich dein Auserwählter bin. Denn ein schöneres Kompliment konntest du mir nicht machen. Dennoch einen kleinen Denkzettel hat sie verdient. Max, hier!”

Die Retrieverhündin fegte um die Ecke und sprang direkt mit ihren Pfoten auf Carstens Schoss. Andreas sah sie freudig grinsen und dann bemerkte er es: Ihr Fell war vom vielen Schnee feucht. Aber seinem Freund machte es nicht im Geringsten aus. Im Gegenteil, sein Gesicht leuchtete förmlich auf. Er knuddelte den Hund liebevoll und zum Dank leckte sie sein Gesicht. Andreas lachte. Dann zog sich Max zurück und Andreas beugte sich vor, bis sich ihre Lippen berührten. Der Kuss dauerte nicht lange. Max schüttelte sich direkt vor der Bank und schleuderte Schnee und kleine Eisbrocken zu ihnen hinauf.

„Max du bist unmöglich. Carsten sprich ein Machtwort!”

„Okay, ab unter die Dusche Andreas, sonst holst du dir noch was weg. Komm Max.”

„Hey, so meinte ich das nicht!”

Andreas knuffte seinen Freund liebevoll und gemeinsam schlenderten sie zum Internat zurück. Am Spind rubbelte Carsten Max trocken. Dann ging es schleunigst nach oben. Carsten zog sich aus und hängte seine feuchten Sachen über einen Stuhl. Andreas sah sich seinen Freund an, wie er da nackt vor dem Kleiderschrank stand. Es passte alles zueinander. Der trainierte Körper, ein Waschbrettbauch war zu erahnen und nicht zuviel Muskeln. Und sein Penis wölbte sich über die Kronjuwelen, gesäumt von dunkelblondem Haar. Dieses Bild kam Andreas Vorstellung eines Adonis nach. Was auch sein Bestes Stück meinte. Als Carsten seinen Bademantel überzog kehrte bei Andreas die Realität wieder ein. Carsten suchte sich sein Duschzeug zusammen und wartete ungeduldig auf Andreas. Gemeinsam gingen sie zu den Duschen hinüber. Andreas nahm sich praktischerweise die Nachbarkabine von Carsten und bald schon hörte er das Wasser plätschern. Er selbst fand den warmen Regen aus der Brause angenehm entspannend. Ganz in Gedanken an die letzten Stunden bekam er nicht mit, wie Carsten schon wieder das Wasser abdrehte.

„Du weißt, dass zuviel Wasser ungesund ist Andreas?”

„Hm?”

„Du weißt, dass zuviel Wasser….”

„…. ungesund ist? Ja, aber die Wärme tut mir gut. Ich habe überhaupt nicht registriert, dass mir so kalt war.”

„Na, dann solltest du dir schleunigst etwas überziehen.”

Das ließ sich Andreas natürlich nicht zweimal sagen und fluchs stand er trocken, in seinem Bademantel gehüllt, neben Carsten. Dann gingen sie zurück auf ihr Zimmer. Carsten überzeugte sich, dass der Wassernapf gefüllt war, ging zu seiner Hündin und tätschelte ihr den Kopf. Währenddessen versorgte Andreas die nassen Badetücher, indem er diese über Stuhllehnen hängte. Dann sah er sich um, das Zimmer wirkte nicht wirklich aufgeräumt, aber auch nicht sonderlich chaotisch. Nachdem er sich davon überzeugte, dass die Tür verschlossen war, ging er zu seinem Bett. Er wollte sich gerade seinen Schlafanzugoberteil anziehen, als Carsten ihn zu sich rief. Er löschte das Licht und ging halbnackt zu ihm hinüber, setzte sich auf die Bettkante und strich mit seiner Hand über die Bettdecke. Carsten zog Andreas langsam zu sich hinunter bis sich ihre Lippen berührten. Der Kuss war zurückhaltend und in seiner Art sehr leidenschaftlich. Andreas ließ sich gehen und kroch mit unter die Bettdecke. Er kam sich im ersten Moment etwas verlegen vor, denn Carsten hatte sich nicht die Mühe gemacht, etwas anzuziehen. Seinen Freund schien das jedoch nicht im Geringsten zu stören. Anscheinend machte sich Carsten ein Spiel daraus, ihn erkunden zu wollen. Carstens Hand strich ihm über die Brust. Andreas schnurrte unter den Berührungen und überließ sich ganz diesem prickelnden Gefühl. Carstens Finger strichen weiter über die warme Haut seines Freundes. Er bedachte die nackte Haut mit kleinen Küssen. Seine Lippen knabberten an den harten Brustwarzen von Andreas und er vernahm ein wohliges Stöhnen. Seine Hand glitt langsam zum Bauchnabel. Carsten ließ sich von seinem Gefühl leiten. Was er machte gefiel seinem Freund. Sacht führte er eine Hand unter den Bund der Hose, er folgte einem kleinen Steg Haare die in einem wahren Gewusel endeten. Er nahm Andreas bestes Stück in die Hand. Sacht strich er darüber.

Andreas half ihm, sein letztes Kleidungsstück auszuziehen. Dabei drehte er sich ein wenig zu Carsten hin. Langsam ließ auch er seine Hand in Richtung des Objektes seiner Begierde wandern und wurde nicht enttäuscht. Was schön anzusehen war, fühlte sich noch besser an. Der Junge neben ihm raubte ihm die Sinne. Er spürte wie Carsten begann sachte seinen Schwanz zu massieren. Es gefiel ihm und brachte ihn langsam in Ekstase.

Carsten beugte sich wieder vor und küsste Andreas, während seine Hand weiter Andreas verwöhnte. Andreas gab auf, er war Wachs in den Händen seines Freundes. Seine Bauchmuskeln spannten und es gab kein zurück. Die warme Flüssigkeit rann über seine Haut.

„Sch…”

„Psst, ist doch alles in Ordnung, Liebling. Ich bin doch auch gekommen.”

„Sag das noch einmal Tiger.”

„Ich bin doch…”

„Nein, das Wort ‘Liebling’. Aus deinem Mund hört sich das so… so weich und liebevoll an.”

„Liebling, ich liebe dich.”

Ohne eine weitere Antwort abzuwarten küsste er Andreas und kuschelte sich ganz dicht an ihn. Sein Kopf lag auf Andreas’ Brust. Er hörte das regelmäßige Schlagen des Herzens. Andreas legte seinen Arm um Carsten. Er fühlte den warmen Atem seines Freundes auf seiner Haut. Langsam nahm er das Aroma seines Freundes war. Andreas holte tief Luft um diesen speziellen Duft zu inhalieren, den er so sehr lieben gelernt hatte. Dann schlief er sehr zufrieden mit sich und der Welt ein.

Carsten weckte ihn etwas früh. Halb sieben war nicht seine Zeit und er beklagte sich.

„Wie beliebt Ralph immer zu sagen: Watt mutt, dat mutt. Ich mach mich frisch und dann geht es raus zur ersten Gassirunde. Du kannst ja noch etwas liegen bleiben.”

„Nein, lass mal. Das Geschirr von gestern muss ja auch noch nach unten, dann frühstücke ich halt etwas länger. Ich bin nur etwas enttäuscht, dass du mir noch kein Morgenbusserl gegeben hast.”

Das konnte Carsten natürlich nicht auf sich sitzen lassen und beseitigte das Manko recht schnell.

Eine dreiviertel Stunde später trafen sie sich in der Kantine wieder. Britta und Chris waren auch schon da und riefen sie zu sich. Carsten ließ Max zu den Mädchen laufen und ging selbst erst einmal zur Essensausgabe. Andreas packte alles auf ein Tablett und führte Carsten zu dem Tisch der Mädels. Max Frühstück kam wenige Minuten später. Carsten stellte die Näpfe auf den Boden und füllte den Zweiten mit Wasser. Andreas wunderte sich etwas, da Max nicht sofort zu fressen begann. Ganz erwartungsvoll saß sie daneben und sah ihr Herrchen an. Erst als Carsten das entsprechende Wort sagte, hörte er sie schmatzen. Die Unterhaltung am Tisch beschränkte sich auf den Vormittag. Da Carsten erst zwei Freistunden hatte, wollte er diese nutzen um mit einigen Lehrern zu sprechen. Zunächst war der Musikpädagoge dran. Anschließend musste er noch einmal mit der Stufenleiterin Frau Möller-Klein sprechen. Sein Kursplan war zwar grob abgesteckt, doch einige Feinheiten lagen da noch in der Schwebe.

Kapitel XXXVIII, Pläne

Herr Walz hatte sein Sprechzimmer im Lehrerflügel. Carsten klopfte an die Tür und nach Aufforderung betrat er den Raum. Herr Walz kannte seinen Schüler und kam gleich zur Sache.

„Guten Morgen Carsten, schön das ihr beiden wieder hier seid. Was kann ich für dich tun?”

„Guten Morgen, ich bin gekommen, um mit Ihnen über die Vorbereitungen zu dem Benefizkonzert zu sprechen. Soweit ich mich erinnere, sollte das Klavierkonzert in a-Moll von Schumann gegeben werden.”

„Ja, dabei bleibt es auch. Herr Gärtner hat für dieses Konzert einen Saal in dem Gewandhaus zu Leipzig bekommen. Für einen ganzen Abend wäre das aber etwas zu wenig. Hättest du eine Idee? Nicht das mir die Vorschläge ausgehen, doch ich möchte erst hören was du meinst.”

„Es kommt darauf an, wie viel Zeit sie investieren möchten. Zu Beginn eine Overtüre, soweit ich weiß, haben sie mal etwas von Camille Saint-Saëns einstudiert, danach den Schumann. Zum Abschluss vielleicht etwas moderneres, Rachmaninoff zum Beispiel.”

„Das ist wirklich eine gute Idee. So kann das Orchester wirklich ein gutes Leistungsspektrum präsentieren. Zumal unsere Streicher um acht Instrumente verstärkt werden konnte. Ich denke, ich habe da auch schon ein passendes Stück. Du wärest nicht enttäuscht wenn du nur ein Stück spielst?”

„Das Klavierkonzert ist schon genug und durch die, sagen wir einmal unfreiwillige Pause von vierzehn Tagen, fehlt mir etwas Zeit.”

„Gut, das hätten wir dann. Kann ich noch etwas für dich tun?”

„Ja, mir bei den Vorbereitungen für die diversen Vorspiele der Hochschulen helfen.”

„Gut, dass du davon anfängst. In Absprache mit Volker übernimmt er deinen kompletten Musikunterricht und auch die Abschlussbeurteilung. Ich denke, mit dem was du bei uns schon gelernt hast, hast du eine gute Basis, auf der du ein Studium weiter aufbauen kannst.”

„Danke, Herr Walz. Das war es auch schon meinerseits.”

Die Hündin gesellte sich an Carstens Seite und gemeinsam verließen sie das Büro. Ihr Weg führte direkt in die Mensa. Daniel war nicht da, daher brachte eine der Angestellten ihm eine große Tasse Milchkaffee und für Max eine Schüssel Wasser. Er tastete seine Uhr ab, das Gespräch hatte nicht so lange gedauert wie er gedacht hatte. So hatte er bis zu seinem nächsten Termin noch ein wenig Zeit. Der Kaffee tat ihm gut. Das Wetter hatte sich in der Nacht geändert, es war wärmer geworden und regnete leicht. Während er seinen Kaffee trank, dachte er an das Gespräch. So wie es momentan stand, konnte es besser gar nicht laufen.

„Max, wir verschwenden nur unsere Zeit. Wie wäre es mit etwas Frisbee?”

Die Retrieverhündin stand auf und legte ihre Pfote auf sein Bein. Carsten wuselte ihren Kopf und stand behutsam auf. Die Tasse und die Schüssel stellte er auf ein Tablett und anschließend auf das Band. Carsten ging direkt zum Spind, holte seine Regensachen hervor und zog sie an. Das Geschirr machte er ab und kaum hielt er die Tür auf, stürmte sie an ihm vorbei. Auf dem schon matschigen Rasen jagte Max hinter der fliegenden Scheibe hinterher, um mit einem eleganten Bremsmanöver den Plastikdiskus kurz vor dessen Landung abzufangen. Dass dabei das Fell ein wenig schmutzig wurde, interessierte bei diesem Spiel nicht wirklich einen.

„Du wirst sie wohl unter die Dusche bringen müssen.”

„Ist es so schlimm? Guten Morgen Herr Tauber, wie sieht denn der Rasen aus?”

„Das wird schon wieder, aber hast du nicht Unterricht?”

„Später, nachher habe ich erst einen Termin bei Frau Möller-Klein. Aber wenn Max erst noch unter die Dusche muss, wird das nichts mehr. Glauben Sie, ich kann sie so mitnehmen?”

„Natürlich, sie ist ein Retriever, wenn du sie einfach noch etwas abtrocknest ist es nicht mehr so schlimm. Der Weg zur Schule ist heute auch nicht besser, wenn ihr über die Strasse lauft, würdet ihr ebenfalls schmutzig werden. Von daher hinterlasst ihr beiden Schmutz. Nur ins Bett würde ich sie so nicht lassen.”

„Okay ich habe verstanden. Ich möchte mich bei Ihnen noch einmal bedanken, dass Sie Max Hinterlassenschaften beseitigen.”

„Da ihr euch daran haltet, immer die gleiche Ecke zu benutzen ist das halb so schlimm. Einmal mit dem Rechen drüber und die Sache ist erledigt. So, ich muss weiter. Die Inspektionen der Spielgeräte und Freizeitanlagen stehen an. Da muss ich erst nach dem Rechten sehen. Ah, könntest du Andreas sagen, dass ich mit ihm über die Pflege seines Rondells sprechen möchte?”

„Mache ich. Er hat sich schon Gedanken dazu gemacht, sagte er mir.”

Der Gärtner verabschiedete sich und Carsten ging mit Max langsam wieder zum Gebäude zurück. Als sie sich auf den Weg zum Schulgebäude machten, war Max frisch gebürstet und fast trocken. Frau Möller-Klein war erfreut Carsten und Max wiederzusehen. Dann setzten sie sich zusammen und besprachen Carstens Kursplan im Detail. Carsten war kein einfacher Schüler und seine Vorstellungen wusste die Pädagogin gewitzt zu bremsen. Nach einer halben Stunde fand Carsten ihn perfekt. Seine Blindenkurse waren gut über die Woche verteilt. Mit Ausnahme zweier Nachmittage hatte er nur an den Vormittagen Unterricht. Seine Klavierstunden und den Musikunterricht bei Herrn Kramer konnte er flexibel gestalten, ohne das wöchentliche Schwimmtraining zu verschieben. Die Proben mit dem Schulorchester für das Benefizkonzert hatte Herr Walz auf einen späten Nachmittag gelegt, so blieb ihm ausreichend Zeit für seine eigenen Klavierübungen, Max und seinen Freund. Die Wochenenden hielt er sich frei.

Der Junge fasste sich ans Handgelenk, klappte seine Uhr auf und ertastete die Zeit. Bis zum Unterricht hatte er noch Zeit für einen Café Latte am Schulkiosk. Mit Max’ Hilfe war er zügig da und orderte einen Becher Milchkaffee. In einiger Entfernung standen einige Stehtische und Carsten ließ Max einen freien Tisch aussuchen.

„Hi Carsten!”

„Hi Ralph, der Unterricht schon vorbei?”

„Dr. Neubert hat die nächsten Experimente vorgestellt und die theoretischen Grundlagen durchgenommen. Das schien etwas schneller gegangen zu sein, als er sich das gedacht hatte. Darum hat er uns etwas früher entlassen. Und was machst du schon hier?”

„Ich hatte mit Frau Möller-Klein meine Kursplanbesprechung. Sie hat mich ganz schön gebremst, aber ich finde wir haben einen guten Kompromiss gefunden. Ich habe an zwei Nachmittagen und an den Vormittagen Unterricht. Jetzt muss ich nur noch mit meinem Professor sprechen, um meine Klavierstunden bei ihm unterzubringen.”

„Und hast du dann noch ausreichend Zeit für deine Freunde?”

„Davon einmal abgesehen, dass ich für Max schon feste Zeiten eingeplant habe, bleiben für Familie und Freunde noch viel Zeit übrig. Zumal ich in diesem Semester nicht mehr jedes Wochenende nach Hause fahren kann. Aber da du schon davon angefangen hast: Wie kommst du denn mit der Sache zwischen mir und Andreas klar?”

„Da du dich ja für vierzehn Tage aus dem Staub gemacht hast, habe ich diese Zeit mal genutzt um in Ruhe darüber nachzudenken. Es war im ersten Augenblick nicht ganz einfach, es erinnerte mich an die Geschichte mit meiner Mutter. Dann habe ich mir gedacht, ein Gespräch mit dem Vertrauenslehrer kann nicht schaden. Davon abgesehen, dass du mein bester und ältester Freund hier im Internat bist, habe ich mit Andreas nun einen weiteren neuen Freund gefunden. Wir haben uns bei einem Glas Wein unterhalten. Er ist in mancher Hinsicht ein kleiner Philosoph und hat mir mal eine andere Sichtweise vorgestellt. Er meinte, jeder Junge, der sich freiwillig der Isolation durch seine homosexuelle Orientierung aussuchen würde, gehörte in die Klapse. Da muss ich ihm recht geben. Ein Teenager will dazugehören und nicht verlassen am Rande stehen. Allein durch die Reaktion meiner eigenen Familie, die Mutti das Leben zur Hölle gemacht haben, als bekannt wurde, dass sie lesbisch ist, durfte ich diese Erfahrung machen. Nur gut, dass sie Freunde hatte, die zu ihr gestanden haben. Und ich stehe als Freund zu euch beiden. Kurzum, ich habe mich dazu bereit erklärt, genau das Thema für die News zu wählen. Was ich gestern Abend gesagt habe, das mit den Gefühlen und so, kommt nicht von ungefähr. Ich bin davon überzeugt, dass es eben keinen Unterschied macht. Glaub mir, jeder der euch beiden deswegen ein Haar krümmen will, soll sich vor mir in Acht nehmen.”

„Ich freue mich für uns und vor allem für dich Ralph.”

„Ich nehme das mal als Kompliment auf. Aber wir sollten uns jetzt auf den Weg machen, soweit ich weiß, haben wir jetzt eine gemeinsame Stunde Englisch für Fortgeschrittene. Kommt Andreas auch?”

„Nein, für den sind wir lediglich Englisch sprechende Anfänger.”

Ralph lachte, mit dieser Ansicht hatte Carsten ja Recht. Die Englischstunde fing locker an, britischer Humor war der Unterrichtsstoff und Dr. Gabriel hatte wohl an schwarzem Humor Gefallen gefunden. Die Hausaufgaben waren dann schon etwas weniger lustig.

Gegen Mittag traf sich die Clique am gewohnten Mittagstisch. Dort besprachen sie alles Wichtige der Schülerwelt.

„Und, was macht ihr heute Nachmittag noch?”

„Ich treffe mich nachher mit unserem Gärtner. Herr Tauber wollte mit mir über mein Pflanzenbeet sprechen. Danach gebe ich noch eine Nachhilfestunde und habe zu guter Letzt Sport.”

„Ralph und ich sollen ein gemeinsames Projekt in Biologie machen. Wir planen etwas mit Wasserpflanzen.”

„Genauer gesagt handelt es sich dabei um Lagarosiphon major.”

„Der was?”

„Lagarosiphon major, die krause Wasserpest, Chris.”

„Alle Achtung Andreas. Wir möchten untersuchen, in wie weit sich das Licht auf das Wachstum der Pflanze auswirkt. Der Biolehrer meinte, es sei für unser Vorhaben die beste Wasserpflanze.”

„Vor allem, weil sie eine recht unempfindliche und robuste Pflanze ist.”

„Dem kann ich nur zustimmen. Nur wie wollt ihr den Sauerstoffgehalt des Wassers über einen längeren Zeitraum regulieren? Soweit ich mich erinnere, hängt die Sauerstoffproduktion stark vom Lichteinfall ab.”

„Wir sorgen dafür, dass die Sauerstoffsättigung des Wassers erhalten bleibt, indem wir Luft über eine Membran einleiten. Wir müssen nur noch herausbekommen, wie wir das Wachstum nachweisen können. Du hast nicht zufällig eine Idee?”

„Wiegen!”

“Wiegen?”

„Wiegen, Wachstum heißt doch nichts anderes als Zunahme der Biomasse. Alternativ könntet ihr auch das Prinzip des Archimedes anwenden, ist aber etwas schwieriger.”

„Prinzip des Archimedes?”

„Ja, da die Dichte der Biomasse gleich bleibt, muss ergo das verdrängte Wasservolumen dem Wachstum entsprechen.”

„Genial, jetzt haben wir schon zwei Methoden! Ich denke, wir können auch beide Methoden anwenden und somit einen doppelten Beweis erbringen. Wir überlegen uns nur noch, wie es am besten anstellen.”

„Schaut mal in der Bibliothek nach, die ist wirklich gut ausgestattet.”

„Werden wir heute Nachmittag in Angriff nehmen. Danke Andreas und was machst du, Chris?”

„Ich habe heute die Hausaufgabenbetreuung der Unterstufen übernommen. Danach verschwinde ich in den Fitnessraum.”

„Carsten?”

„Ich treffe mich mit Herrn Gabriel, ich habe ihn vorhin um einen Termin gebeten. Danach habe ich Klavierunterricht. Dann treffen wir uns eventuell zum Abendessen wieder?”

Der Rest der Clique stimmte Carsten zu. So langsam löste sich die Runde auf. Max stand wie gewohnt auf und deutete Carsten raus zu müssen. Carsten hatte schon damit gerechnet und ihm stand der Sinn nach Bewegung. Andreas begleitete ihn. Das Büro der Gärtner lag in einem abgelegenen Nebengebäude in der Nähe der Schulgartenanlage. Da traf es sich gut, dass er noch mit den Gärtnern sprechen wollte. So konnte er das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Und das Carstens Nähe für ihn sehr angenehm war, stand ganz außer Frage. Als sich die Jungen wetterfest eingepackt hatten, ließ Carsten Max laufen. Er selber hakte sich bei Andreas ein, der ihn führte.

Nachdem Carsten Andreas bei dem Gärtner gelassen hatte, machte er sich wieder auf den Weg zurück zum Hauptgebäude. Carsten klopfte nach der Mittagspause an die Tür des Englischlehrers. Dr. Gabriel bat ihn herein.

„Was kann ich für dich tun Carsten? Willst du in den Leistungskurs wechseln?”

„Glauben Sie, dass es sinnvoll wäre? Nein, mir reicht Ihr Fortgeschrittenenkurs völlig aus. Ich möchte meine Sprachkenntnisse vertiefen, damit ich mich später einmal gut unterhalten kann. Und dennoch geht es um den Leistungskurs englische Literatur. Es gibt da ein Problem zu lösen.”

„Das Problem heißt nicht zufällig Miss Kühn?”

„Oh Sie wissen schon? Wie schätzen Sie sie ein, ich meine im speziellen ihre Sprachkenntnisse?”

„Da ich dich und deine Verschwiegenheit schon kenne Carsten, habe ich keine bedenken deiner Bitte nachzukommen. Melanie spricht ein durchschnittliches Englisch, versucht einen amerikanischen Akzent, aber für den Kurs ist das unerheblich. Leider könnte sie mehr erreichen, wenn sie nicht so nachlässig wäre.”

„Und wie gehen Sie mit der Beurteilung in diesem Kurs um. Was bewerten Sie primär und was sekundär?”

„Ich habe mich dazu entschieden, dieses Jahr mein System zu erweitern. In den Basiskursen zählt zur Hälfte die mündliche Mitarbeit. Und der Rest setzt sich aus den Hausaufgaben, Tests und zu guter Letzt aus der Klausurarbeit zusammen. Im Leistungskurs Literatur, dafür scheinst du dich ja im Besonderen zu interessieren, ist neben der Mitarbeit im Kurs die schriftliche Ausarbeitung eines Themas wichtig. Jeder Schüler hat von mir ein Thema bekommen, über das er im Laufe des Halbjahres mehrere Abhandlungen anzufertigen hat. Alle zwei Wochen stelle ich Fragen unter welchem Gesichtspunkt das Thema abgehandelt werden soll. So entsteht ein kleines Dossier, welches zu einem Drittel in die Gesamtbewertung eingeht.”

„Das habe ich verstanden, wie gehen Sie damit um, wenn jemand für einen Anderen diese Aufgabe erledigt?”

„Du meinst, wie ich Melanie ahnde, weil sie mir eine Ausarbeitung von Andreas aufgetischt hat? Andreas benutzt eine schriftliche Ausdrucksweise, die dem Hochenglisch sehr nahe kommt. Um sein Englisch zu bereichern, bekam er von mir auch ein Thema der neueren Literatur. Melanie ist zu dieser Ausdrucksform nicht fähig. Außerdem hat sie keine Ahnung, was in ihrer Ausarbeitung steht. Andreas ist sehr gewitzt vorgegangen. Der hat immer wieder etwas von Hamlet dazwischen geschrieben. Melanie hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, die Ausarbeitung durchzulesen.”

„Oh, Andreas weiß sich zu wehren. Wie geht es jetzt weiter?”

„Diese Woche steht noch ein Test zu den Ausarbeitungen an. Wer seine Aufgabe selbst erledigt hat, wird wohl keine Schwierigkeiten haben.”

„Werfen Sie Melanie aus dem Kurs?”

„Das Recht hätte ich dazu, aber es würde pädagogisch nichts bringen. Nein, wenn sie sich nicht selbst auf den Hosenboden setzt, wird dass mit ihrem Abitur nichts. Ganz etwas anderes, du hast nicht zufällig etwas vor, was Frau Kühn in Bedrängnis bringt?”

„Eigentlich schon, doch Andreas meinte, ich solle davon Abstand nehmen. Seinen Wunsch werde ich respektieren. Vielleicht können Sie sie ja in ihre Schranken weisen.”

„Liebend gern, wenn du dich da raus hältst.”

„Versprochen. Das war es auch schon. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Nachmittag.”

Da die Stunde schon etwas vorgerückt war, ging er mit Max hinunter zum Musikkabinett. Mitten auf dem Weg änderte Carsten seine Meinung. Er gab seine Absicht Max bekannt, welche ihn sicher zum Direktorat führte. Bei Frau Schmidt fragte er an, ob Herr Neubert zu sprechen sei. Die Sekretärin begleitete den Besuch ins Arbeitszimmer des Direktors. Nach einer halben Stunde kam ein zufriedener Carsten wieder hinaus. Dann ging er weiter zum Musikraum.

Herr Kramer hörte schon, bevor er den Raum betrat, dass Carsten zurück ist. Erfreut betrat er den Raum und begrüßte den Jungen und seine Begleitung. Ohne großes Aufhebens setzte er sich an das zweite Instrument im Raum und wärmte sich ebenfalls auf. Nebenbei sprach er mit Carsten über die Inhalte des Unterrichts im kommenden Halbjahr. Dann fuhren sie ohne weitere Umschweife mit dem Klavierunterricht fort. Carsten hatte gut zu tun, um den Anforderungen seines Klavierlehrers gerecht zu werden. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde saß ein geschaffter und zufriedener Carsten mit dem Rücken zum geschlossenen Klavier.

„So das war es schon wieder für heute. Die angesprochenen Variationen übst du am besten mit der CD. Da habe ich noch zwei Anliegen. Einmal habe ich einen neuen Schüler der Nachhilfe benötigt. Kannst du das übernehmen?”

„Kein Problem, ich hätte da noch am späten Mittwoch Nachmittag Zeit. Wie wäre es da?”

„Ich werde es ausrichten und diesen Raum werde ich für dich ab halb sechs Uhr reservieren, danke. Und dann möchte ich dir noch dein Honorar für das Dezemberkonzert geben.”

„Da werde ich nicht nein sagen. Richten Sie meinen Dank aus.”

„Werde ich tun, hast du noch etwas auf dem Herzen?”

„Ja, Sie kennen doch das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms, den würde ich gerne mal wieder spielen.”

„Du brauchst dazu ein Orchester und ich weiß auch schon welches. Der Leiter des Londoner Symphonie Orchestra war im Dezember in Dresden und hat dich spielen gehört. Hättest du Lust im Sommer bei den BBC Proms mitzuwirken?”

„Habe ich denn überhaupt Zeit?”

„Lass mich mal überlegen: Den Schumann kannst du, das fünfte Klavierkonzert vom Beethoven ist auch nicht neu für dich. Ich denke darum brauchst du dir auch keinen Kopf zu machen. Wie steht es mit dem Brahms? Soweit ich mich erinnere hattest du den auch schon in deinem Repertoire?”

„Lang ist es her. Vier Jahre habe ich den nicht mehr richtig gespielt.”

„Ich habe da noch eine Aufnahme mit der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, die bringe ich dir morgen mit. Wenn ich es mir recht überlege, haben wir bis zum Sommer ein gutes Programm. Alle Facetten der Vorspiele werden abgedeckt. Nur steht die Frage noch aus, ob du auch möchtest. Ich könnte es arrangieren, dass du das mit einigen Tagen Urlaub in London verbindest. So stände dann auch gemeinsamen Proben nichts mehr im Weg. Überleg es dir und sag mir Ende der Woche Bescheid.”

„Da brauche ich nicht lange zu überlegen. Machen wir erst die Proms und anschließend das Festivalkonzert mit Sir MacCollins. Legen wir London in den ersten beiden Wochen der Sommerferien und …”

„Milano, das fünfte Klavierkonzert soll als Gastspiel in Italien stattfinden.”

„Bestens, anschließend Mailand. Dann mach ich halt dieses Jahr in Italien meine Ferien.”

„Ich werde es genauso managen lassen. Wen nimmst du als Begleitung mit?”

„Ich werde mal mit Andreas sprechen, der ist in beiden Sprachen fit und ich denke, er kann ruhig ein paar Tage Abwechslung gebrauchen. Ganz etwas anderes, ist der Flügel im Musiksaal schon gestimmt?”

„Soweit ich mich erinnere, war der Klavierstimmer heute Morgen da. Du kannst ihn nachher ruhig testen, schließlich spielst du darauf auch den Schumann.”

„Das werde ich tun. Noch etwas, Sie wissen nicht ob der Raum morgen frei ist?”

„Warte mal, ich habe eine Kopie vom Belegungsplan. So, ja der Raum ist nach Plan Dienstagnachmittag bis 16 Uhr 45 frei. Danach macht Herr Walz seine Proben mit dem Orchester.”

„Perfekt, tragen Sie mich doch bitte für Dienstags von 14 Uhr bis 16 Uhr 30 ein und sagen Sie ihrem Schüler, dass er morgen Nachmittag kommen soll. Ich möchte ihn einmal spielen hören.”

Herr Kramer bestätigte Carsten und verabschiedete sich von ihm und Max.

Da Carstens Unterricht beendet war, machte Herr Kramer sich daran die Vorbereitungen für seinen nächsten Schüler, Andreas, zu treffen.

*-*-*

Carsten ging mit Max vor die Tür, um frische Luft zu schnappen. Carsten fand, dass es an der Zeit war, ihr die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken, da sie sich den ganzen Tag ruhig verhalten hatte. Als neues Element ihres Spiels führte Carsten Tauziehen ein. Während Max an dem einen Ende ihres Kauseils zog, hielt Carsten das Andere fest. Daneben durfte das Frisbeespiel nicht fehlen und auch nicht ein obligatorisches Bad im kalten Seewasser. Als Max genug hatte, setzte sie sich samt dem Diskus neben Carsten ab. Carsten fasste sich ans Handgelenk und las die Zeit an seiner Uhr ab. Zeit für eine Tasse wärmendes Getränk. Gemeinsam gingen sie ins Haus zurück. Am Spind wurde Max trocken gerubbelt und ihr Führgeschirr angelegt. In der Mensa orderte Carsten für die Retrieverhündin eine Schüssel Wasser und für sich eine Tasse heiße Schokolade und ein paar Kekse. Er fragte sich gerade, was Andreas wohl machen würde, als er schon von ihm gerufen wurde. Hatte er sich also auch für die Mensa entschieden.

„Wie war dein Nachmittag?”

“Herr Tauber war erfreut von mir zu hören, dass die Pflege des Rondells nicht ganz so zeitintensiv ist. Lediglich die Buchsbaumhecken müssen regelmäßig geschnitten werden. Die Rosen bekommen ihren Rückschnitt im Frühjahr, anstatt im Herbst und in den warmen Sommermonaten reicht es aus, das Beet morgens und abends zu wässern. Sogenanntes Unkraut jäten wird von Schülern übernommen, die den Gärtnern zur Hand gehen sollen.”

„Also die etwas angestellt haben.”

„Herr Tauber meinte, dass es immer Schüler gibt, welche freiwillig helfen wollen. Und natürlich die, welche eine Strafe bei ihm abzuarbeiten haben.”

„Hast du in diesem Jahr auch dergleichen vor?”

„Ich habe mich dazu entschlossen, die Leitung der Schulgärten zu übernehmen. Herr Tauber hat es mir angeboten. Es täte auch meinem Taschengeld gut.”

Andreas nahm einen Schluck von seinem Kaffee und schob einen Keks hinterher. Carsten aß erst den Keks und nahm danach einen Schluck Kakao. Andreas lenkte das Thema auf Max, deren Fell schon wieder golden glänzte, aber ihre Pfoten noch immer aussahen, als hätten sie eine Schlammkur über sich ergehen lassen. Carsten grinste.

„Ich weiß, ich werde sie heute Abend noch duschen. Allein schon, weil sie heute den Rasen etwas aufgemischt hat. Das Wetter war zwar nach ihrem, aber nicht nach meinem Sinn. Eben als ich sie abgetrocknet hatte, musste ich feststellen, dass im Fell noch ganz viel Sand ist.”

„Was sagt denn der Hausmeister dazu, ich meine so wegen der Fellhaare im Abfluss?”

„Er hat mir seinen Segen gegeben, solange es nicht überhand nimmt. Da es nur in den Wintermonaten vielleicht zweimal vorkommt, mache ich mir keine Gedanken darum.”

„Und in der übrigen Zeit reicht ein See aus?”

„Nein, Papa duscht sie regelmäßig bevor er sie trimmt. Der See, so gern sie auch da hineinspringt, lässt sie nur hundetypisch riechen. Und im Sommer ist es ideal, damit sie sich erfrischen kann. Aber was hast du heute noch gemacht?”

„Nach der Besprechung mit Herrn Tauber hatte ich etwas in der Redaktion zu tun. Chris hatte mich angesprochen, ob ich das Titelbild für die nächsten News schon einmal skizzieren könnte. Danach hatte ich Klavierunterricht. Darf ich dich dazu mal etwas fragen?”

„Nur zu.”

„Also wir haben einige Etüden von Chopin durchgenommen. Dabei habe ich festgestellt, dass ein Fehler in den Noten ist. Die Zählwerte der zweiten Stimme passt nicht immer mit denen der ersten überein.”

„Das ist kein Fehler, das ist der Clou an den Etüden. Chopin hat zwei Tempi verwendet. Manche spielen Triolen in der zweiten Stimme oder ziehen die erste Stimme in ein Legato. Hört sich nicht schlecht an, verfehlt meines Erachtens den Sinn der Kompositionen.”

„Kann ich das lernen?”

„Warum nicht? Ich habe volles Vertrauen in deine Künste. Außerdem kannst du es ja auch an meinem Keyboard üben. Da hast du die Möglichkeit per Rekorder die Stimmen der linken und rechten Hand getrennt aufzunehmen und entsprechend zu lernen.”

„Danke, Benutzt du diese Variante des Lernens auch?”

„Ja natürlich. Besonders wenn ich die Übungen vom Czerny mache. Es macht einige Dinge wirklich leichter.”

„Du und Czerny, wozu brauchst du denn noch die Fingeretüden?”

„Opa sagte immer: Wer rastet der rostet! Nein im ernst, es sind ja nicht nur die Fingerfertigkeiten die ich trainiere, sondern auch die Geläufigkeiten und die Modi der Tonarten. Dafür hat der Zeitgenosse Beethoven die Etüden ja auch geschrieben. Und um auf den Rekorder zurück zu kommen, wenn ich schwierige Passagen einer Hand übe, ist es gut, wenn ich mich allein darauf konzentrieren kann. Wie bei deinem Chopin eben.”

Andreas nickte und war gespannt, ob er es auch hinbekommen würde. Danach erzählte Carsten von seinem Nachmittag. Was Herr Gabriel gesagt hatte und wie er ihm versprach, Melanie in dieser Hinsicht in Ruhe zu lassen. Er lobte seinen Freund für sein gewitztes Vorgehen. Dann berichtete er, wie sein Kursplan nun aussah und sie verglichen ihre miteinander. Anschließend fuhr Carsten mit seinem Bericht fort, bis zum Zeitpunkt als Andreas ihn zu sich rief.

Andreas fragte, ob er noch für Nachschub sorgen sollte, doch Carsten verneinte für sich. Als nächstes stand Max’ Duschorgie an und anschließend war schon fast Abendbrotzeit. Danach wollte er sich an die Aufgaben in Englisch machen. Andreas schüttelte nur den Kopf, aber er schloss sich seinem Freund an. Er war etwas traurig, dass sie sich nicht so einfach zur Begrüßung küssen konnten wie Britta und Ralph. Und überhaupt hatte er es satt, sich verstellen zu müssen.

Auf ihrem Zimmer nahm sich Andreas die Zeit, seinen Freund in den Arm zu nehmen und ihn liebevoll zu küssen. Carsten freute sich über diese Geste und brachte seine Gefühle ebenso zum Ausdruck.

Als Andreas ihn dann entließ, sammelte Carsten die Duschutensilien für Max und verschwand im Duschraum. Andreas war erstaunt, dass die Hundedusche so schnell vollbracht war, denn Carsten stand eine halbe Stunde später wieder im Zimmer. Max Fell sah noch feucht aus und der blinde Junge hatte ein nasses Badetuch über seinen Arm hängen. Das Tuch hängte Carsten über einen Stuhl, die restlichen Utensilien legte er auf den Tisch ab und holte aus einer Schublade seines Schreibtisches eine Bürste. Dann setzte er sich vor seinem Bett auf den Boden und rief den Hund zu sich. Andreas sah ihm zu, wie er das Fell striegelte, diesmal bis hinunter zu den Pfoten. Max genoss, ihrem Ausdruck nach, die Prozedur. Nach einer weiteren halben Stunde sah sie dann richtig Ladylike aus. Zu guter Letzt bedankte sie sich bei Carsten, indem sie ihm die Hand leckte. Carsten wuselte ihr freundlich den Kopf und legte ihr das Halsband wieder an. Er stand auf und entsorgte die ausgebürsteten Haare.

„Kommt morgen die Putzfrau, Carsten?”

„Ich denke schon, liegt hier soviel Fell herum?”

„Jedenfalls mehr als sonst. Ach was, ich habe gerade eh nichts zu tun, dann kann ich auch eben mit dem Staubsauger durch.”

„Das musst du nicht.”

„Ich weiß, aber ich will. Auch wenn Max dein Hund ist, sie hilft mir hin und wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe.”

„Nur zu. Dann kann ich ja schon einmal die nassen Handtücher versorgen. Ich bringe sie runter in den Trockenraum, gibt es sonst noch etwas was ich mitnehmen könnte?”

„Später wollte ich noch unter die Dusche, aber jetzt gibt es nichts. Kommst du wieder hoch oder gehst du zum Abendessen?”

„Ist schon wieder so spät, dann bleibe ich unten. Kommst du auch?”

„Jep. Direkt wenn der Staubsauger verstaut ist.”

„Gut, Max komm!”

Die Hündin trabte an und begleitet Carsten hinunter. Während sich der Junge an den Handläufen und Geländer orientierte lief Max hinter ihm her. Im Trockenraum des Internats hängte Carsten die nassen Tücher auf.

„Hallo Carsten.”

„Hallo Melanie, was willst du?”

„Deine Sachen richtig aufhängen.”

„Ich denke, es hängt alles richtig. An jeder Seite eine Klammer und es kann bis morgen wieder trocken werden.”

„Das Tuch hängt schief.”

„Glaubst du, dass es deswegen weniger trocken wird? Wohl kaum, also lass die Finger davon.”

„Carsten du bist süß, gescheit, warum bist du so abweisend zu mir?”

„Dreimal darfst du raten.”

„Schade, dass du nicht sehen kannst wie hübsch ich bin.”

„Das Äußere ist für mich nicht ausschlaggebend, da gibt es ganz andere Werte, die für mich interessant sind. Nehmen wir zum Beispiel die Integrität. Hier im Internat beißt sich förmlich dein Auftreten mit der Bedeutung des Wortes. Wenn ich dir einen Rat geben darf: Lies die Märchen der Gebrüder Grimm.”

„Aus dem Alter bin ich heraus.”

„Es war lediglich ein Rat. Komm Max, es ist Essenszeit.”

Die Retrieverhündin gesellte sich zu Carsten und gemeinsam verließen sie Melanie. Irgendwie tat ihm das Mädchen schon fast leid. Ihre größte Eigenschaft war, sich selbst Steine in den Weg zu legen. Wieder einmal war er froh, auf Andreas gehört zu haben. Er hatte recht behalten, dass sie über ihre eigenen Fehler stolpern würde.

Kapitel XXXIX, Die Wurfbahn des Bumerangs

Am frühen Mittwochnachmittag traf Carsten im großen Musiksaal ein und da er nichts hörte, setzte er sich an den Flügel. Dann öffnete er die Tastatur und begann mit einigen Fingerübungen. Anschließend spielte er mehrmals die Tonleiter rauf und runter. Mal melodisch, mal harmonisch und abschließend noch einige Präludien und Etüden, zwischendurch hörte er wie jemand den Saal betrat.

„Hallo Carsten, ich bin Miguel. Herr Kramer sagte, ich sollte heute hier herkommen.”

„Hi Miguel, ja, bevor ich dir Nachhilfe gebe, möchte ich dich anhören. Ich sollte doch schon wissen, wo bei dir Hilfe nötig ist. Kannst du vom Blatt spielen?”

„Ja, aber deine Noten kann ich nicht lesen.”

„Schau doch einmal in das Notenfach im Regal.”

Während Miguel zum Regal ging, stand Carsten auf. Miguel entnahm dem Notenfach einige Blätter. Carsten las er die Titel vor und dieser entschied sich dann für den Donauwalzer von Strauß. Miguel setzte sich und positionierte die kleine Bank zurecht. Anschließend ließ er seine Finger über die Klaviatur gleiten. Als Miguel den Walzer spielte, hörte Carsten, dass er etwas konnte, nur fehlte ihm der Feinschliff in der Technik und im Halten der Tempi. Carsten wusste, was er zu tun hatte.

„Gut, Miguel. Du spielst richtig gut. Keine Lust beim Benefizkonzert mitzumachen?”

„Ich spiele mit. Herr Kramer meinte, ich könne doch Rachmaninoff spielen, dieses Paganini Thema. Deswegen brauche ich deine Hilfe.”

„Ist ein schönes Stück. Passt dir der Mittwochnachmittag, sagen wir um halb sechs?”

„Ja, prima sogar.”

„Dann nächste Woche drüben im kleinen Kabinett. Ich werde noch einmal mit Herrn Kramer sprechen und du bringst den Rachmaninoff mit. Okay?”

„Lebend?”

„Wie bitte?”

„Soll ich Serge Rachmaninoff lebend mitbringen? Wird etwas schwer werden!”

„Quatschkopf, die Noten von Rachmaninoffs ‘Rhapsody on a Theme of Paganini‘, meine kannst du ja nicht lesen.”

„Touché! Ich freue mich schon darauf, danke Carsten.”

Dann legte Miguel die Noten ins Fach zurück und verabschiedete sich. Carsten widmete sich nun seinen eigenen Übungen. Er spielte einige Passagen aus dem Konzert, welche er tags zuvor mit Herrn Kramer erarbeitet hatte.

So langsam schritt die Zeit fort und Carstens Stunde näherte sich dem Ende. Er schloss den Flügel und rief Max zu sich. Er tastete seine Uhr ab und war froh noch Zeit zu haben. Doch bevor er hinaus gehen konnte, wurde er von einem eintretenden Musiker aufgehalten. Sie unterhielten sich länger. Er hörte aufmerksam zu und nickte. Danach gingen sie auseinander.

„Hi Carsten, schon Feierabend?”

„Hi Chris. Nein, ich wurde gerade eben noch eingeladen einer Probe des Orchesters beizuwohnen. Genauer gesagt, einer Streicherprobe. Du kennst doch den Stimmführer der Violinen und Bratschen?”

„Ja, hat das ein besonderen Grund? Ich meine Stimmproben sind doch nicht ungewöhnlich.”

„Er meint, es passt irgendetwas nicht.”

„Tolle Aussage.”

„Ja, ist nicht viel, besonders weil er sich nur auf sein Gefühl verlässt. Doch ich habe ihn beim Musical kennen gelernt, wenn sein Gefühl sagt, es stimmt etwas nicht, dann glaube ich ihm. Außerdem kann ich mir ja mal anhören, wie der Klangkörper mit den neuen Schülern ist. Laut Herrn Walz wurden die Bratschen und Violinen mit jeweils vier Instrumenten verstärkt. Das Schumann Konzert ist da nicht ganz ohne für die Musiker.”

„Ich verstehe dich, aber du bleibst nicht die ganze Probe da?”

„Nein, nur eine halbe Stunde oder so. Ich habe ja auch noch einige Aufgaben für die Schule zu machen und Max ist heute auch noch nicht richtig zum Zuge gekommen.”

„Na dann wünsche ich dir einen schönen Abend. Ich bin heute Abend bei Mario und seinen Eltern zum Essen eingeladen.”

„Grüß sie von mir und euch einen schönen Abend.”

Ihre Wege trennten sich und Carsten ging wieder zurück zum Musikraum. Vor der Tür hörte er, wie die Instrumente gestimmt wurden. Leise betraten sie den Saal und Max führte Carsten zum nächsten freien Stuhl. Während der Junge sich das Abstimmen der Violen anhörte, kraulte er Max hinter den Ohren. Herr Walz war anscheinend noch nicht da und das Stimmen zog sich hin. Nach weiteren fünf Minuten hatte er genug und unterbrach die Musiker. Erwartungsvoll sah ihn der erste Violinist an. Carsten gab ein leises Kommando und Max führte ihn zum Flügel.

„Sorry, so hat das keinen Sinn Leute. Einige kennen mich ja noch vom Musical und da haben wir gute Erfahrungen mit folgendem System gemacht: Es spielen immer zwei Bratschen gleichzeitig, fangen wir mit der ersten Stimme an.”

Die erste Stimme der Violen war okay. Hin und wieder wurde noch etwas korrigiert, was bei den neuen Musikern etwas länger dauerte. Endlich waren die letzten Violen dran.

„Die zweite Bratsche etwas höher, dein a’ ist noch zu tief. Gut so. Und nun gemeinsam, hier der Ton.”

Die Streicher spielten gemeinsam auf und siehe da, es passte wieder nicht. Auch nach nochmaligem Korrigieren klang das Instrument immer wieder verstimmt.

„Es hat keinen Sinn hier weiter zu machen. Ich vermute die Saiten müssen erneuert werden. Ist das ein Schulinstrument?”

„Nein Carsten und die Saiten sind gerade neu aufgezogen worden.”

„Melanie, wenn dem so ist, führe bitte das Instrument Herrn Walz vor. Da es sich selbst verstimmt, könnte etwas am Kopf, den Wirbeln oder der Steg kaputt sein.”

„Da ist nichts kaputt. Und woher nimmst du dir das Recht über mein Instrument zu urteilen. Du hast ja keine Ahnung.”

„Ich nehme mir das Recht heraus, weil ich aus diesem Grund erstens zu dieser Probe eingeladen wurde und zweitens dein Instrument den Ton nicht halten kann oder spielst du absichtlich falsch? Und drittens ich sehr wohl Ahnung von der Materie habe. Vielleicht nur in der Theorie, aber wir können ja einmal ein Experiment starten. Dürfte ich einmal um eines dieser Stimmgeräte bitten?”

„Bitte Carsten.”

„Danke und nun sieh genau hin. Der Ton a’ auf dem Klavier. Auf dem Messgerät sollte eine Frequenz von 435 Hz angezeigt werden.”

„Stimmt genau.”

„So und nun du Melanie. Du kannst ruhig die Grundtöne des Instruments spielen und endest mit dem Kammerton und den hältst du fünf Bogenstriche lang. Hier dein Akkord.”

Das Mädchen befolgte seine Anweisung, weil sie sich vor den restlichen Musikern keine Blöße geben wollte. Zuerst spielte sie, wie Carsten sagte, auf den leeren Saiten die Töne c – g – d’ und zuletzt den Ton a’. Nach den fünf Bogenstrichen spielte sie schon ein as’ welches Carsten mit dem Ton auf dem Flügel bewies und der Stimmführer am Stimmgerät ablesen konnte. Nun zweifelte auch Melanie Carstens Fähigkeiten nicht mehr an. Ihr Instrument war nicht in Ordnung. Woran es genau lag, konnte Carsten nicht sagen, doch Herr Walz würde es schon finden. Bis dahin wurde entschieden, dass sie ein Instrument aus dem Schulfundus bekam. Der erste Bratschist bedankte sich bei ihm für die Hilfe und entließ Carsten und Max. Auf dem Flur kam ihm Andreas entgegen.

„Hi Carsten, wo warst du solange?”

„Im Musikraum, ein paar Musikern bei einem kleinen Problem helfen. Sorry aber ich muss erst nach draußen, Max quengelt ein wenig.”

„Darf ich euch begleiten?”

„Ja, warum denn nicht? Glaubst du allen ernstes, ich hätte nicht schon längst mitbekommen, dass Max einen Narren an dir gefressen hat?”

„Wie kommst du darauf?”

„Nun, auch wenn es retrieveruntypisch ist, ist sie bei Menschen normalerweise eher zurückhaltend. Ich merke das besonders, wenn ich sie im Geschirr ist. Sie wirkt manchmal bei Begegnungen angespannt. Bei dir bleibt sie ganz locker. Und als du mir vor kurzem gesagt hattest, dir wäre fast die Hand vor lauter Kraulerei abgefallen, war dies nur eine Bestätigung meiner Vermutung. Also komm einfach mit und spiel mit uns, sie hat dich nun auch in unser Rudel aufgenommen.”

„Danke Max für diese Ehre.”

Fast hätten die Beiden ihr Abendessen verpasst vor lauter Spaß am Diskuswerfen und herumtollen. Dass es dem Hund Freude machte, konnte Andreas an ihrem grinsenden Gesicht sehen und Carsten daran fühlen wie entspannt sie wirkte. Aber ein knurrender Teenagermagen will besänftigt werden. Andreas erinnerte an die vorgerückte Stunde und Carsten ließ für die Hündin ein entsprechendes Kommando verlauten. Im Hause verzichtete der blinde Junge auf das Führgeschirr und hielt sich einfach an Andreas fest, der ihn sicher zur Mensa brachte. Dort orderten sie jeweils ein kleines Menü und Max’ Abendration. An einem abgelegenen Tisch ließen sie sich nieder und sprachen über ihre jeweiligen Nachmittage. Andreas sah aus den Augenwinkeln, dass ihre Clique dafür sorgte, auch ungestört zu bleiben.

„Tiger, du bist bewundernswert. Glaubst du, sie wird sich rächen wollen?

„Dazu wird sie keine Gelegenheit haben Schatz. Ich habe gestern noch einmal mit Dr. Neubert gesprochen. Ich habe versprochen mich aus allem herauszuhalten, dafür wird er sich um ihre Probleme kümmern.”

„Wie meinst du das? Du kannst ruhig erzählen, unsere Freunde sorgen schon dafür, dass wir ungestört bleiben.”

„Du weißt doch von Melanies finanziellen Schwierigkeiten?”

„Ja, aber das ist doch nicht alles. Sie ist faul und versucht sich durch die Schule zu mogeln.”

„Genau das wird sie nicht können. Dr. Neubert wollte sich, auf meinen Wunsch hin, noch einmal mit ihrem Vater und ihrem Onkel unterhalten. Er wollte ihnen vorschlagen, dass sie Melanies Schulden übernehmen und ihr dafür ein zinsloses Darlehen gewähren. Sie wird es abbezahlen müssen.”

„Das ist ja noch nichts Außergewöhnliches. Es verhindert, dass sie in die Schuldenfalle tappt.”

„Herr Neubert wollte folgende Idee unterbreiten: Da wir am Ende dieses Schuljahres unseren ersten Abschluss erreichen, kann sie, bei einem Durchschnitt von Zwei oder besser, ein Teil ihres Darlehens erlassen bekommen. Wie viel genau kann ich nicht sagen, das bestimmen ihre Angehörigen. Diese Staffelung zieht sich bis zum Abitur hin. Der Direx war hell auf begeistert von meinem Vorschlag. Zum einen übernimmt sie die Verantwortung für ihr Handeln und zum anderen hat sie die Möglichkeit ein wenig zu lernen.”

„Und wenn sie nicht mitmacht?”

„Auf Geheiß des Direktors werden alle Lehrer sie an die Kandare nehmen und die haben den längeren Atem. Glaub mir, so unterschiedliche Auffassungen unsere Pädagogen auch haben mögen, bei so etwas ziehen sie an einem Strang. Nein, sie kann lediglich entscheiden, wie weit sie kommen will, jedes begonnene Schuljahr muss sie auch beenden. Ein Schulwechsel ist, laut ihrem Vater, nur noch in ein katholisches Mädcheninternat in der Schweiz abseits aller Zivilisation möglich. Für Rachegedanken wird sie keine Zeit haben, dafür werden die Lehrer sorgen. Um eine Zwei zu bekommen, musst du hier was leisten. Überdies muss sie im Stoff noch einiges aufholen, wenn ich den Worten des Direx glauben darf.”

„Darfst du. Und wie bist du auf die Idee gekommen?”

„Ich musste unserem Englischlehrer versprechen, sie in Ruhe zu lassen, er wird sich um die – sagen wir einmal so – Täuschungsversuche kümmern. Dafür sind Pädagogen besser geeignet, meinte er. Dann hast du mich gebeten sie in Ruhe zu lassen. Mit meinem Wissen und deiner Einstellung zu dem ganzen Thema, war es nicht schwer für mich, die Akte Kühn in professionelle Hände zu geben. Außerdem habe ich absolut keine Lust meine wertvolle Zeit mit so einer Person zu vergeuden. Meine Idee war Stundung und Ausbildung, zinsloses Darlehen war Dr. Neuberts Beitrag.

„Genial, Melanie wird nimmer auf den Gedanken kommen, dass du dahinter stecken könntest. Jetzt verstehe ich auch warum sie nicht auf Rache sinnt, weil jeder auf diesen Vorschlag hätte kommen können. Sowohl ihre Angehörigen als auch unsere Pädagogen. Carsten, so langsam beginne ich dich mit ganz anderen Augen zu sehen. Weil du nicht im Mittelpunkt stehen möchtest, stehst du im Zentrum.”

„Was hast du gemacht? Wenn ich mich nicht irre, hattest du Kunstunterricht.”

Wir haben die Impressionisten kopiert. Ich habe eine Kopie von Monet erstellt.”

„Die Seerosen, Der Weg im Garten des Künstlers…?”

Die japanische Brücke war meine Vorlage für eine Collage. Laut unserem Lehrer wird mir die Kopie gelingen.”

„Schade, dass ich sie nicht sehen kann.”

„Hm, ich habe von dir gelernt, dass ich nicht nur mit den Augen sehen kann. Das schöne an Monet ist, dass seine Bilder irgendwie plastisch wirken. Genau das will ich kopieren. Ich habe begonnen, ein Model von dem Bild anzufertigen. Für das Auge die Farben, für die Hände die Struktur. Ende des Monats soll die Arbeit fertig sein.”

„Da bin ich ja mal gespannt.”

„Darfst du auch sein. Woher kennst du die Bilder?”

„Es gibt sehr gute Bildbeschreibungen für Blinde. Mich interessiert das deshalb, weil – nun ja, ich habe eine Möglichkeit gesucht meine Gedanken beim Klavierspielen zu kanalisieren.”

„Sorry, das verstehe ich jetzt nicht.”

„Du weißt ja, dass die altgriechischen Philosophen stundenlange Reden halten konnten.”

„Ja, sie haben sich zu bestimmten Textpassagen bestimmte Punkte im Raum eingeprägt, heißt es.”

„So ähnlich handhabe ich das mit meinem Klavierspiel. Damit ich nicht durcheinander komme, stelle ich mir etwas Bestimmtes vor. Für das zweite Klavierkonzert von Brahms zum Beispiel, würde ich mir einen Spaziergang durch einen Garten vorstellen.”

„Da liegt der Monet wohl auf der Hand, oder?”

„Diese Bildbeschreibungen haben mich erst auf diese Idee gebracht.”

„Dann hast du eventuell eine neue plastische Vorlage für ein weiteres Konzert. Nur einen kleinen Nachteil hat die Sache, meine Hände sind durch das Modellieren mit Gips etwas in Mitleidenschaft genommen.”

„Ich habe oben eine Creme für solche Fälle. Ist eine Empfehlung von Paul.”

„Deinem Vater? Modelliert der auch?”

„Ja, in gewisser Weise. Gebrochene Beine von Tieren werden üblicherweise mit Gipsbandagen stabilisiert. Papa hat einiges ausprobiert und schwört darauf. Ich kann das nur bestätigen, ich benutze sie selbst auch wenn meine Hände trocken sind. Wie weit ist Max?”

„Mittlerweile fertig, sie hat sich heute Zeit gelassen. Geht ihr später noch raus?”

„Nein, das machen wir jetzt gleich, ich bin müde und Max wohl auch. Ich denke, sie wird sich nachher einfach auf ihre Decke legen und bis morgen früh Ruhe geben. Falls nicht, schicke ich meinen Mitbewohner heute Nacht raus.”

„Untersteh dich.”

„Hihi, du lässt dich aber leicht aus der Reserve locken. Max wird nie auf die Idee kommen dich zu wecken, das solltest du schon wissen.”

„Dir traue ich es aber zu.”

„Andreas, ich gehe mit ihr hinunter, sie macht ihr Geschäft und steht danach sofort wieder neben mir. Spätestens zwanzig Minuten später bin ich wieder im Bett. Gehst du mit ihr hinunter, bist du nach einer halben Stunde noch immer nicht zurück. Sie würde das schamlos ausnutzen, bei mir wagt sie es zu dieser Zeit nicht.”

„Hast du sie so gut unter Kontrolle?”

„Ich habe sie unter Kontrolle, aber sie hat es gleich am Anfang unsere Beziehung ausprobiert. Eine strenge Ansprache und eine Runde schmollen hat unser Verhältnis in klare Bahnen gerückt. Tagsüber ist das etwas anderes.”

„Gut, ich bringe das Geschirr weg und du gehst an die frische Luft. Dein Mädchen wird es dir danken. Ich geh nach oben und springe schnell unter die Dusche.”

„Sonst noch etwas?”

„Beeil dich. Soweit ich weiß, musst du noch Hausaufgaben machen.”

Carsten zog seine Augenbrauen hoch und grinste leicht. Andreas passte etwas zu gut auf, doch Carsten musste ihm zustimmen. Hausaufgaben wollen gemacht sein, um gute Noten zu bekommen. Und etwas auf die lange Bank schieben, war in dieser Hinsicht nicht seine Sache. Am Spind zog Carsten seine Regenjacke über. Sie schlugen den Weg um das Hauptgebäude ein. Carsten ging langsam, mit seinem Stock den Weg tastend. Max folgte ihm, machte ihre Geschäfte und lief an ihm vorbei, um bei nächster Gelegenheit herumschnüffelnd auf ihn zu warten. Die Runde dauerte eine gute halbe Stunde. Am Hintereingang brauchte er nur die Tür offen zu halten und Max huschte hinein. Carsten rubbelte sie mit einem Handtuch ab. Er fühlte, dass sie müde war und einfach nur noch ausruhen wollte. Die Jacke verstaute er wieder und nahm das Geschirr in die Hand. Danach schloss er den kleinen Schrank und gab das Kommando. Auf seinem Zimmer machte er das Halsband ab und Max verzog sich auf ihre Decke.

Da er allein war, setzte er sich an seinen Schreibtisch, holte seinen kleinen Rechner heraus und begann mit den Schulaufgaben. Als Andreas nach der Dusche sein Zimmer wieder betrat, saß Carsten konzentriert an seine Hausaufgaben. Er wunderte sich etwas, da Max Gassirunde abends normalerweise länger dauert.

„Oh, ihr seid schon wieder zurück?”

„Ja, bei Max ist heute die Luft raus. Aber hast du uns denn gar nicht vermisst?”

„Nö. Wie kommst du darauf? Ich war hier vollauf beschäftigt.”

„Ich hoffe doch, nichts Unanständiges?”

„Wie meinst du das? Upps, nein nicht was du denkst, beziehungsweise, was ich glaube, dass du denkst.”

„Noch eine Runde und ich nehme dir deine Zurückhaltung nicht mehr ab.”

„Och menno. Was machen die Englischaufgaben?”

„Ablenken ist auch ein Geständnis …”

„Ich habe mir beim Duschen keinen runtergeholt, das wolltest du doch wissen.”

„Nein, nicht nur ich muss Aufgaben erledigen, wie steht es bei dir mit Mathe?”

„Du fieser Kerl. Mich aus der Reserve locken ist wohl dein neues Hobby geworden. Warte ich werde es dir schon noch zeigen.”

Andreas stürmte auf seinen Freund zu und fing an ihn zu kitzeln. Bald schon wälzten sie sich auf dem Boden. Mal war Carsten oben und dann wieder Andreas. Der kleine Tisch und die Stühle wurden dabei etwas verrückt und letztere fielen um. Von dem Lärm wurden auch einige Mitschüler angelockt. Es klopfte und die Tür wurde vorsichtig vom Flurältesten geöffnet. Es hätte ja auch etwas Schlimmes passiert sein können. Andreas blickte in ein grinsendes Gesicht im Türspalt und wurde sich über sein Erscheinungsbild bewusst. Sein Bademantel war verrutscht und gab etwas mehr Blöße.

„Ih, du perverse Schwuchtel, lass die Finger von Carsten.”

Aus Andreas Gesicht wich alle Farbe. Was hatte Melanie hier zu suchen? Das fragte er sich nicht alleine, auch der Flur Älteste wunderte sich über die Anwesenheit Melanies.

„Das ist der Jungenflur und um diese Zeit haben Mädchen hier nichts zu suchen.”

„Ich wollte Carstens Noten bringen, er hat sie auf dem Klavier liegen lassen.”

Andreas stand auf und half Carsten hoch.

„Davon einmal abgesehen, dass du meine Noten gar nicht lesen kannst, gehören sie auch dort hin. Die aktuellen Unterlagen liegen immer auf meinem Klavier im kleinen Musikraum. Nur was hattest du da zu suchen? Der Raum ist für die Klavierspieler reserviert. Außerdem will ich noch von dir wissen, was an Homosexualität pervers ist?”

„Schwanzlutscher gehören in Behandlung, damit sie wieder zu normalen Menschen umgepolt werden.”

„Dann müsste ich auch in Behandlung, weil ich nämlich diesen süßen Kerl an meiner Seite liebe. Einen Menschen zu lieben ist für mich nicht pervers, sondern normal. Des Weiteren finde ich es eher pervers, einen Jungen zu fesseln, ihn auszuziehen und mit einem Freund zu missbrauchen. Oder wie war das in München auf deinem Gymnasium?”

„Woher weißt du das?”

„Dank meiner Redaktionsarbeit habe ich im Internet viele Kontakte geknüpft und ein Bekannter aus München konnte deinen Namen mit dieser Geschichte in Verbindung bringen. Außerdem hast du momentan ein weitaus größeres Problem zu lösen: Hausarrest! Und Melanie, lass die Noten hier, ich habe keine Lust wegen deiner Anmaßung hinter meinen Sachen herzusuchen.”

„Ich wollte dir nur einen Gefallen tun …”

„Jetzt hör mir endlich einmal richtig zu. Ich will dich nicht als irgendeine Freundin. Du gehst mir auf die Nerven und falls du es noch nicht begriffen haben solltest, ich bin zwar blind aber bei weitem nicht hilflos. Merk dir einfach, das du mir mittlerweile unsympathisch bist und ich habe keine Lust meine Zeit mit deinen Unzulänglichkeiten zu vertrödeln.”

Die Anwesenden schauten abwechselnd zu Carsten und Melanie. Dass Carsten so direkte Worte gefunden hat, war für viele der Umherstehendem ungewohnt. Und sein Ton ließ keine Zweifel aufkommen, dass er es auch so meinte. Der Flurälteste übergab die Unterlagen und wandte sich dem Mädchen zu.

„Dann bringe ich dich mal zurück. Ihr beiden räumt hier noch ein wenig auf und geht schlafen. Es ist spät genug. Das gilt auch für alle anderen hier.”

Damit löste er die Versammlung auf. Mit Melanie im Schlepptau ging es zurück zum Mädchenflügel, wo sie schon erwartet wurden.

Andreas stellte die Stühle auf und rückte den Tisch auf seinen alten Platz. Er sah zu Carsten, der sich einfach auf sein Bett gesetzt hatte. Dessen Gesichtsausdruck ließ keine Zweifel aufkommen: Carsten war erschöpft. Aber sicherlich nicht vom herumalbern. Nein, Andreas kannte diesen Ausdruck im Gesicht seines Freundes. Es war, als würde nach einer Anstrengung alle Energie aufgebraucht sein. Melanie schien ihm doch mehr zugesetzt zu haben, als ihm lieb gewesen ist. Er setzte sich zu ihm und legte seinen Arm um ihn. Carsten lehnte sich an ihn und schloss seine Lieder. Er gab seinem Freund Kraft und dieser bedankte sich mit einem zaghaften, bezaubernden Lächeln. Nach einigen Minuten ging es wieder und Andreas nutzte den Moment.

„Danke, dass du nicht meinen Namen genannt hast.” Carsten richtet sich wieder auf.

„Nichts zu danken, du warst leider nicht der einzige. Mein Bekannter in München konnte mir noch mehr erzählen. Melanie musste die Schule wechseln, weil sie sich an einem Jüngeren vergriffen hat. Nur haben dessen Eltern davon Wind bekommen und haben entsprechend Rabatz gemacht. Da half auch die ganze Kohle und der Einfluss nicht mehr.”

„Oh! Dieses Miststück. Aber du bist gut informiert.”

„Kunststück, mein Informant ist der Redakteur der Schülerzeitung des Gymnasiums. Du hast mal gesagt, dass euer Direktor die Zeitung zensierte. Das gefällt keinem Journalisten, also war er auch nicht gut auf ihn zu sprechen. Die Sache Melanie wurde von der Schulleitung unter den Teppich gekehrt, frei nach dem Motto wir sind eine anständige Schule, so etwas gibt es bei uns nicht. Doch durch einen Zufall hat der Redakteur davon erfahren und einen Skandal gewittert. Wenn erst einmal ein Verdacht besteht, lassen sich Tatsachen schnell finden. Mit Erfolg, wie du nun weißt. Außerdem lässt er dich grüßen.”

„Dann grüß ihn bei Gelegenheit zurück. Hier ist es heute Abend aber dumm gelaufen.”

„Ach was, hast du nicht die Reaktion unseres Flures bemerkt?”

„Es gab keine, die waren eher wegen Melanie sauer.”

„Richtig. Unser Coming-Out wurde zumindest hier neutral aufgefasst. Das bedeutet, unsere Jungs akzeptieren uns, wie wir sind und ich glaube sie stehen uns bei, wenn es irgendwo Schwierigkeiten gibt.”

„Du glaubst? Was ich mich außerdem frage, wieso macht unser Senior so einen Aufstand wegen Melanie und nicht wegen Britta oder Chris?”

„Wir haben immer Bescheid gesagt, wenn es später werden würde. Melanie ist neu und hat wieder einmal gegen die Regeln verstoßen. Aber du erinnerst mich an etwas. Wir sollten unsere Freunde über diesen Vorfall unterrichten, damit sie im Bilde sind.”

„Das erledige ich eben, mein Laptop ist noch online. Aber was geschieht jetzt mit Melanie?”

„Das geht mich von nun an nichts mehr an, unser hausinternes Regelwerk wird das schon erledigen. Nun aber gut Schatz, meine Akkus sind alle.”

Andreas sah sich Carsten an und ihm fielen wirklich die Augen zu. Schnell noch die Abendtoilette und dann ab in die Kiste. Zuvor gab Carsten ihm die Salbe für die Hände. Nachdem er die Mail verschickt hatte, löschte Andreas wie den Abend zuvor das Licht, verschloss die Tür und kroch zu Carsten. Er schubste seinen schon schlafenden Freund etwas zur Seite. Etwas Unverständliches murmelnd, schlang dieser einen Arm um Andreas und hielt ihn fest. Glücklich schlief dieser darüber ein.

Beim Frühstück hatte nicht nur Andreas das unbestimmte Gefühl im Mittelpunkt zu stehen. Immer wieder traf er auf Augenpaare, die zu ihrer Gruppe hinüber sahen. Chris grinste sie an.

„Ihr beiden seid nun einmal die Internatsschlagzeile.”

„Wie kommst du darauf, Chris?”

„Als ich in unserem Waschraum war, wurde über euch beide getuschelt.”

„Und was sollen wir nun tun?”

„Am besten, ihr verhaltet euch wie immer.”

„Nein, das werde ich nun nicht mehr tun, Chris. Ich habe keine Lust mich noch weiter verstellen zu müssen. Wenn ich meinen Freund küssen möchte, küsse ich ihn. Will ich mit ihm Händchen haltend zur Schule gehen, tue ich das auch.”

„Der Meinung schließe ich mich an. Wenn wir zwei zum alltäglichen Bild werden, wird hoffendlich auch die Akzeptanz und nicht nur die Toleranz zur Normalität. Vielleicht gibt es auch anderen Mut zu ihren Gefühlen zu stehen.”

„Andreas hat Recht, meinen Segen habt ihr ebenfalls. Vielleicht werdet ihr in der nächsten Zeit hier oder da noch argwöhnisch beäugt, aber ich denke Leuten wie Melanie ist der Wind aus den Segeln genommen. Ansonsten sind wir auch noch da.”

„Was ist eigentlich mit Melanie? Hat eure Seniorin gestern noch etwas gesagt?”

„Wenn sie etwas gesagt hätte, wäre es für Melanie leichter, Andreas. Nein, sie hat sie gestern Abend schweigend in Empfang genommen. Und wenn Blicke töten könnten, wäre Melanie tausend Tode gestorben.”

Dann erzählten Chris und Britta abwechselnd, was seitdem auf dem Mädchenflur ablief. Nicht nur, dass sie die Autorität der Flur Ältesten untergräbt, sondern auch dem Ansehen des gesamten Flures im Internat geschadet hat. Selbst die kleine Gruppe um sie herum hat sie wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen. Kurzum, das Mädchen wird hart an sich arbeiten müssen, um allein auf dem Flur wieder akzeptiert zu werden. Ralphs Kommentar traf es recht gut, denn wer einen Bumerang wirft, sollte auch fangen können.

„Was glaubt ihr wird Frau Möller-Klein sagen?”

„Gar nichts Andreas, sie wird Melanie heute morgen an den Sozialbetreuer verweisen.”

„Jetzt verstehe ich nichts mehr.”

„Musst du auch nicht. Frau Möller-Klein ist nicht umsonst unsere Vertrauenslehrerin. Neben ihrem Lehramtstudium hat sie noch zwei Semester Kinder- und Jugendpsychologie studiert. Hegt sie den Verdacht, dass einer von uns psychische Hilfe braucht, informiert sie den Sozialbetreuer, der ist ein ausgebildeter Psychologe.”

„Wie du siehst, fällt hier keiner durch ein Netz. Die Stiftung hat an alle Eventualitäten gedacht. Außerdem erleichtert so eine Person die Arbeit der Lehrer ungemein.”

„Sorry Britta, das hört sich irgendwie nach ‘abschieben’ an.”

„Ich würde eher sagen ‘ergänzen’. Die Lehrer sind ja nicht aus ihrer Pflicht entlassen, doch sie können sich besser auf das individuelle Lehren der Schüler konzentrieren.”

„Können wir das Thema abhaken, wir werden wahrscheinlich noch genug mitbekommen. Das Mädchen ist ja nicht aus der Welt, sondern geht weiter mit uns zur Schule und lebt hier mit uns zusammen. Ich habe gestern ja schon zu Andreas gesagt, sie gehört in professionelle Hände.”

Der Gong ertönte und Stühle wurden gerückt. Andreas sammelte Carstens und sein Geschirr ein, um es an der Abgabe auf das Band zu stellen. Anschließend gingen sie noch einmal auf ihr Zimmer um ihre Schultaschen zu holen. Bevor sich die Jungs auf dem Weg machten, gab Andreas seinem Freund noch einen innigen Kuss. Dann ging es ab zum Schulgebäude, Hand in Hand. Unterwegs trafen sie, wie zufällig, auf Dr. Neubert, der sie begleitete. Dabei achtete er darauf, dass sie ungestört blieben.

„So ihr beiden, ich werde euch jetzt keine Predigt über den Verhaltenskodex halten. Ihr wisst, wie weit ihr gehen dürft. Ich gehe einmal davon aus, das ihr euch beide über Safer Sex informiert habt, wenn nicht solltet ihr es schleunigst nachholen. Wir bieten auch einen anonymen HI-Virus Test bei unserem Hausarzt an.”

„Danke, wir werden es besprechen und uns gegebenenfalls melden. Ich spreche jetzt auch einmal für Andreas mit, wir haben es nicht ganz so eilig, wie sie es sich vorstellen. Lassen sie uns einen Schritt nach dem anderen tun.”

„Gut, dann würde ich gerne wissen, wer von euch beiden den weiblichen Part übernimmt?”

„Wie bitte? Das ist jetzt nicht Ihr Ernst.”

„Doch, wer übernimmt beim Tanzen den Part der Frau?”

Andreas prustete los und Carsten konnte auch nicht lange an sich halten. Dr. Neubert hatte wirklich den Schalk im Nacken, so doppeldeutige Aussagen zu treffen. Andreas beruhigte den Direktor, dass sie sich beim Tanzen schon einig werden würden. Danach trennten sich ihre Wege.

In den kommenden Wochen wurden Andreas und Carsten zum alltäglichen Bild. Wenn der eine auftauchte, dauerte es auch nie lange, bis der zweite erschien. Am meisten profitierte Max, denn auch Andreas integrierte sie in seinen Tagesablauf mit ausgiebigen Spieleinheiten.

Seltsamerweise hielt sich Melanie von den beiden fern. Was ihnen ganz lieb war. Andreas wollte es aber genauer wissen und fragte Chris danach.

„Sagen wir einmal so Andreas, ich habe ein ernstes und einseitiges Gespräch mit ihr geführt, als sie vom Sportlehrer ins Ruderteam gesteckt wurde. Ich sagte, so etwas wie: Wir sind ein Team und arbeiten zusammen. Falls sie meint, sich nicht an irgendwelche Regeln halten zu müssen, zeig ich ihr, was eine 20 kg Hantel ist. Ich glaube, sie hat sofort verstanden. Ähnliches haben wohl auch Britta und Ralph zu ihr gesagt.”

Andreas wollte noch etwas sagen, ließ es dann aber bleiben. Wahrscheinlich wollte er es dann doch nicht mehr bis ins kleinste Detail wissen. So nach und nach bekam er auch mit, dass Melanie kaum Zeit hatte. Die Pädagogen sorgten erst einmal dafür, dass sie ihre Defizite in den einzelnen Fächern aufarbeitete. Herr Gabriel hielt sein Versprechen gegenüber Carsten. Der Pädagoge zerpflückte Melanies Ausarbeitung in allen Einzelheiten, bis ihr selbst auffiel, dass sie von ihrer eigenen Arbeit nichts wusste. Herr Gabriel verlangte von ihr eine neue Fassung, die nicht nur um einiges umfangreicher ausfallen sollte, sondern auch die behandelten Gesichtspunkte bis dato einschloss. Melanie traute sich nicht noch einmal den Lehrer zu täuschen, also verbrachte sie mit Shakespeare viel Zeit in der Bibliothek. Des Weiteren verpasste Herr Walz ihr noch Einzelunterricht im Bratschespiel, es war seine Bedingung, damit das Mädchen im Orchester bleiben konnte. Carsten hörte bei den gemeinsamen Proben zum Benefizkonzert, dass sie sehr wohl gut spielen konnte, wenn sie nur wollte und entsprechend übte. Der Stimmführer der Bratschen hatte ihm zwischendurch mitgeteilt, dass ihre Viola, wie Carsten seiner Zeit vermutete, defekt war. Der Wirbel am Kopf des Instruments war ausgedehnt, so dass die A-Saite immer wieder an Spannung verlor.

Kapitel XL, Ausnahmen vom Alltag

Das Benefizkonzert in dem Gewandhaus fiel für alle Beteiligten bestens aus. Auch wenn Carsten mit dem Schumann Klavierkonzert die Attraktion war, konnten die Schüler noch einiges mehr zeigen. Die Schulband hatte mit ihrer modernen Version einer Ouvertüre von Camille Saint-Saëns die Anwesenden vom Können überzeugt. Auch wenn es für manchen seltsam anmutete, das Schlagzeug, E-Bass und Keyboard zusammen mit Streichern und Blechbläsern auftraten. Neben Carsten spielte Miguel zusammen mit dem Orchester Klavier. Sie brachten die Rhapsody on a Theme of Paganini Op. 43 von Serge Rachmaninoff, was den Abend erfolgreich abrundete. Vor allem Carsten hörte dem Jungen aufmerksam zu. Hatten sie beide doch intensiv an diesem Stück gearbeitet und Carstens Nachhilfe wirkte. Im Anschluss des Konzertes gab es ein kleines Meeting, bei dem sich unter anderem Carsten beim Orchester persönlich bedankte. Melanie wagte sich nicht in seine Nähe. Denn bei all den gemeinsamen Proben zu diesem Konzert, musste sie sich eingestehen, dass Carsten in einer ganz anderen Liga musizierte. Letztendlich hat er sie vor einer Blamage bewahrt, denn bei einem Duett hätte er sie ohne mit einer Wimper zu zucken in Grund und Boden gespielt.

Wie Andreas später erfuhr, blieb nach Abzug aller Kosten noch immer ein vierstelliger Betrag für die Stiftung übrig. Also hatte sich es auch finanziell gelohnt. Melanies Sanktionen wurden nach und nach aufgehoben und nach einigen Wochen hatte sie es geschafft, wieder etwas Respekt auf ihrem Flur zu erlangen. Was daran lag, dass Carsten und Andreas mit der Flur Ältesten gemeinsam Kaffee trinken waren. Sie waren überein gekommen, dass Melanie nach all der Zeit mal wieder eine kleine Chance verdient hatte. Was auch die Seniorin bestätigen konnte. Das hohe Ross, welches Melanie bildlich bestiegen hatte, wurde seit dem besagten Abend bei ihr nicht mehr gesehen.

Nach dem Konzert brach für beide eine stressige Zeit an. Carsten probte neben seinem normalen Unterricht in Schule und Klavier, an den Konzerten von Beethoven und Brahms. Andreas bekam dann schon einmal mit, wie sein Freund entnervt aus der Haut fuhr. Dann nahm er ihn einfach an die Hand und führte ihn in den Garten. Was seine beruhigende Wirkung nie verfehlte. Andersherum lernte Carsten Andreas von einer anderen Seite kennen. Denn eines Abends, als er ihr Zimmer betrat, war Andreas ziemlich ungehalten gegenüber Max. Wie Carsten erfuhr, war Andreas’ Tag alles andere als positiv verlaufen. Im Gewächshaus des Schulgartens hatte die Regenanlage die Arbeit mehrer Wochen im wahrsten Sinne des Wortes ertränkt und Max hatte seine Sportschuhe geschreddert. Dann setzte sich Carsten an sein Keyboard und lud ihn ein, gemeinsam etwas zu spielen. Später gingen sie dann alle drei in die Stadt und kauften Ersatz, von da an ließ Max auch Andreas Schuhe in Ruhe. Herr Tauber half Andreas ein Teil der ertränkten Pflanzen wieder aufzupäppeln. Dabei lernte der Junge noch einige Tricks, die selbst sein Vater nicht kannte.

*-*-*

Ein Höhepunkt in dem Halbjahr war Herr Kramers Geburtstag. Andreas hatte Carsten vorgeschlagen, ihm gemeinsam etwas vorzuspielen. Carsten war hellauf begeistert. Am besagten Tag führten beide ihren Klavierlehrer in die Aula, wo auf dem Podium zwei Flügel standen.

„Jungs das könnt ihr mir auch in unserem Musikkabinett vorspielen.”

„Nein, sowohl Carsten als auch ich sind der Meinung, dass die Aula den besseren Rahmen dafür bietet und auch die Akustik spricht für diesen Raum.”

„Darf ich euch fragen, was ich zu hören bekomme?”

„Warten Sie es ab, Professor.”

Andreas führte Carsten zu dem einen Flügel und er selbst setzte sich an den zweiten. Er hörte Carstens obligatorisches Anschlagen einiger Tasten. Gleiches tat er um Carsten akustisch mitzuteilen, dass auch er bereit war. Die Sonate in D-Dur für zwei Klaviere von Mozart KV 448 begann mit einem leichten Kopfnicken von Carsten.

Das in der Aula etwas Interessantes vor sich ging, blieb nicht lange unbemerkt und in wenigen Minuten war ein Großteil des Kollegiums, als auch der Schülerschaft versammelt. Alle hörten den Pianisten da oben auf der Bühne gespannt zu, vor allem Herr Kramer. Eine knappe halbe Stunde später ertönte der Schlussakkord und zwei zufriedengrinsende Klavierspieler saßen an den mittlerweile verstummten Flügeln.

Applaus kam nur sehr zögernd auf, doch Herr Kramer klatschte begeistert in die Hände. Noch einmal schlug, wie zuvor abgesprochen, Andreas in die Tasten und beide entwickelten eine jazzige Interpretation des Geburtstagsklassikers Happy Birthday to you. Spätestens jetzt wusste auch der Letzte im Saal, dass es sich mitnichten um Unterricht oder einer Prüfung handelte. Selbst der anwesende Direktor schlug sich mit der Hand vor den Kopf, da er den Geburtstag seines Kollegen vergessen hatte.

„Jungs, das war ein wunderbares Geschenk, so etwas bekomme ich nicht alle Tage zu hören und es war perfekt interpretiert. Woher habt ihr es gewusst?”

„Was gewusst? Dass diese Sonate zu ihren Lieblingssonaten gehört? Es war purer Zufall, Andreas erzähl es ihm doch einmal.”

„Nicht hier, ich glaube Daniel hat noch etwas Kuchen für uns reserviert, lasst uns in die Mensa gehen.”

Max trottete vor den kleinen Trupp her und Herr Kramer ging zwischen den Jungs. In der Mensa hatte Daniel nicht nur noch Kuchen übrig, sondern eine ganze Geburtstagstorte. Andreas hatte natürlich auch daran gedacht und entsprechende Informationen gegeben.

Nachdem sie sich einen ruhigen Fleck ausgesucht hatten und die Zahl der Gratulanten abebbte, sah sich Andreas bemüßigt, die Frage des Professors zu beantworten.

„Ich habe im Herbst meinen Großeltern in Italien von unserer Begegnung erzählt und, dass sie mir Klavierunterricht geben wollen. Oma hat sich dann wieder einmal die alten Unterlagen meiner Mutter angesehen und fand dabei die Noten dieser Sonate. Da hat sie sich gedacht, dass ich sie gut gebrauchen könnte und mir zugesandt. Nun, als ich die Noten in den Händen hielt, sah ich, dass Mutti sich Notizen darin gemacht hat. Ich habe Carsten davon erzählt und er sagte spontan, dass wir unser Geschenk hätten.”

„Ich habe mir die entsprechenden Noten in Braille besorgt und anschließend gemeinsam die Skizzen bearbeitet.”

„War sicherlich schwierig.”

„Nein, im Gegenteil. Carsten konnte sofort etwas damit anfangen.”

„Wie das?”

„Die von Andreas beschriebenen Zeichen bezeichneten Arrangements der Sonate und bezogen sich auf harmonische Kadenzen. Bei den Notizen war es etwas komplexer, da sie sich auf die künstlerischen Kadenzen bezogen. Nachdem ich erkannte, was es war, habe ich die Tempi und Werte der Noten und Takte entsprechend ergänzt und leicht geändert. Mir gefielen sie auf Anhieb, da sie der Sonate einen Touch Verliebtheit geben. Waren sie in Andreas Mutter verliebt?”

Ja und ich war sicher nicht der Einzige. Es gab kaum jemand, der sich ihrem Charme hatte entziehen können, doch ihr Herz gehörte uneingeschränkt deinem Vater Andreas.”

„Ich weiß und nicht nur ihm, auch mir.”

Für einen Augenblick wurde es still am Tisch. Jeder hing seinen Gedanken nach und keiner empfand das Schweigen unangebracht. Carsten unterbrach dann die Ruhe. Es gab für ihren Klavierlehrer noch ein zweites Geschenk: Das Exemplar der Sonate mit all den Notizen von Andreas Mutter und die Bearbeitung der Jungs. Als der Professor die erste Seite öffnete, entdeckte er eine handgeschriebene Widmung.

‘Für Volker,

der sich in mich verliebt hat und dessen Liebe ich nie erwidern kann. Ihm gelten die folgenden von uns gemeinsam erarbeiten Skizzen, da sie der Sonate nach meinem Verständnis ein wenig zum Träumen einladen. Nie hatte ich in einem Lehrer einen besseren und verständnisvolleren Freund finden können als ihn.

Francesca Carina’

Herr Kramer hatte Mühe, seine Fassung zu behalten. Als er Andreas ansah, entdeckte er ein klein wenig des Charmes seiner Mutter in seinem Ausdruck. Ob es an diesem Moment lag, konnte keiner so richtig sagen, aber ihr Verhältnis änderte sich. Herr Kramer war den Jungs gegenüber nicht mehr nur ihr Lehrer, sondern auch ein Freund.

*-*-*

Mitte Juni stand Andreas’ Rondell mit dem natürlichen Internatslogo in voller Blühte. Herr Neubert freute sich, dass Andreas aus dem Eingang des Internats ein ehrwürdiges repräsentatives Portal gemacht hatte. Es gab dem Anwesen einen Hauch Exklusivität, dessen Glanz sich auch auf den Ort übertrug.

Andreas Clou war, dass je nach Jahreszeit sich das Logo entsprechend präsentierte. Wo im Winter die kleinen Buchsbaumhecken hervorstachen, waren es im Frühjahr die Tulpen und im Sommer die Rosen mit ihrem zarten Duft. Selbst, wenn zum Herbst hin das Laub fiele und die Rabatte langsam kahler werden würden, hatte es seinen Reiz. Vor allem freute es den Gärtner, da Andreas sich nur auf alte heimische Pflanzen beschränkte und die Pflege sich dadurch wesentlich einfacher gestaltete. Zwar bekam Andreas dafür keine Beurteilung, obwohl er es sicher verdient hätte, dafür erteilte ihm der Direktor das Privileg einer Stunde mehr Ausgang. Was Andreas gut gebrauchen konnte, wenn er wieder einmal mit Carsten und der Clique die Ortskneipe für einen gepflegten Freundesabend besuchte. Dabei wurden auch schon mal die Ferienpläne besprochen.

„Und Carsten, wo geht es dieses Jahr hin?”

„Potsdam, London, München, Milano!”

„Wie Bitte?”

„Andreas und ich machen eine Tour quer durch Europa. Wir haben eine Woche Potsdam gebucht. Ich wollte schon immer mal das Hohenzollernschloss Sanssouci besuchen. Über meine Blindenorganisation habe ich ein Angebot mit Schloss- und Stadtführung erhalten.”

„Anschließend fahren wir nach London weiter und bleiben dort für zwei Wochen. Die BBC und das Londoner Symphonie Orchestra haben Carsten zu den BBC Proms eingeladen. Da kann mein Freund seine Englischkenntnisse testen. Sowohl im alltäglichen Leben, wie auch bei den drei geplanten Proben im Vorfeld. Im Anschluss geht es mit dem Zug zurück nach München. Dort bleiben wir ein paar Tage bei meinen Großeltern. Opa freut sich schon, Carsten München näher zu bringen.”

„Hofbräuhaus, Alter Hof, Olympia Zentrum, Englischer Garten…”

„Einiges sicherlich, aber dann geht es schon bald gemeinsam weiter nach Italien. In Milano treffen wir den Rest der Familien. Andreas’ italienische Großeltern haben uns alle eingeladen. Wir werden dort die restlichen drei Wochen verbringen.”

„Andreas, du bist ja eine gute Partie für Carsten. Haben deine Großeltern soviel Geld?”

„Sie betreiben ein kleines Restaurant mit ihrem Ältesten und ein Onkel eine kleine Pension, damit sind schon einmal Unterkunft und Verpflegung gesichert. Die restlichen Tage werden auch irgendwie organisiert. Vor allem machen wir dort alle Urlaub und wie ich meine Familie kenne, wird das sicherlich sehr lustig. Vor allem meine Oma möchte den Bambino sehen, der mir das Herz geraubt hat.”

„Haha, Carsten ein Bambino.”

„Och, für meine Oma sind alle ihre Kinder Bambini. Und sie hat eine ganze Menge davon. Jedenfalls hat Carsten dort nicht nur Urlaub, sondern spielt zusammen mit dem Deutschen Sinfonischen Orchester in der Scala.”

„Erst ist Carsten ein Bambino und dann muss er auch noch arbeiten.”

„Seit wann ist für mich Klavierspielen arbeiten? Außerdem ist es eine Ehre, denn Andreas hat mir ein wenig aus der Geschichte seiner Familie erzählt.”

„Eine Enkelin des Architekten von 1776, Giuseppe Piermarini, ist die Urgroßmutter meiner Oma mütterlicherseits. Demnach gehört die Scala auch irgendwie zur Familie.”

„Wie ihr seht, sind wir gut vorbereitet.”

„Und warum fliegt ihr nicht? Mit dem Zug durch Europa ist doch langweilig.”

„Es gibt kaum Fluggesellschaften, die Blindenhunde mit an Bord lassen. Max hätte dann immer irgendwo im Gepäckraum mitfliegen müssen und da war die Entscheidung mit dem Zug ganz gut. Zumal Papa dafür gesorgt hat, dass die Reiseagentur für uns immer ein Schlafwagenabteil allein in der ersten Klasse gebucht hat. Und die paar Stunden werden Andreas und ich uns schon irgendwie vertreiben können.”

„So ein Urlaub könnte mir auch gefallen, Ralph.”

„Na wenn dem so ist, kann ich ja die drei Wochen an der französischen Atlantikküste stornieren.”

„Untersteh dich! Ich freue mich schon darauf. Drei Wochen mit dir, der Natur und viel Surfen.”

„Chris, wie verbringst du die Ferien?”

„Wenn ich die Klausuren überstanden habe, geht es erst einmal nach Hause. Dann fliegen Mario und ich für zwei Wochen nach Lanzerote. Von dort aus fahren wir mit dem Schiff zurück nach Sizilien und besuchen Marios Verwandtschaft.”

„Mafia?”

„Soll es da auch geben. Nein, Mario lernt dort wie man italienisches Eis macht. Ob er das Eiscafe seiner Eltern übernimmt weiß er zwar noch nicht, doch der Beruf macht ihm Spaß. Warum also nicht? Vielleicht kann ich da auch noch etwas italienisch lernen. Außerdem haben wir noch eine Rafting-Tour geplant. So kommt keiner von uns zu kurz.”

„Dann würde ich sagen Freunde, lasst uns die Gläser auf unsere Ferien heben.”

Andreas’ Toast kam bei allen an. Dann wurde es auch schon Zeit, das Internat aufzusuchen.

*-*-*

Die Prüfungswochen gingen recht entspannt an der Clique vorüber. Den wortwörtlichen Vogel schoss, bei den Prüfung zum Musikunterricht, Andreas ab. Herr Walz hatte im Semester einige Konzerte der Romantik durchgenommen. Eine Auswahl an Originalaufnahmen von Festivals und Openair Veranstaltungen wurden zur Prüfung vorgespielt und jeder sollte einiges zu den Stücken schreiben. Andreas, es wunderte irgendwie keinen, war recht fit und schrieb neben den Werktitel, auch noch den Komponisten, die Tonart und den Entstehungszeitraum hinzu. Er klassifizierte und analysierte die Konzerte nach bestem Wissen und kommentierte zum Schluss noch die Aufnahme mit seinen eigenen Worten. Jedoch bei einer der Aufnahmen waren Hintergrundgeräusche zu hören, die dem Jungen doch ein Schmunzeln ins Gesicht zauberten. Kurzum, Herr Walz war von dem Kommentar des Jungen fasziniert, denn noch keiner von seinen Schülern hat darauf aufmerksam gemacht, dass bei einer Sinfonie eine Nachtigall im Hintergrund trällerte.

In den Naturwissenschaften mussten sich Britta und Ralph ranhalten, denn in Andreas hatten sie einen ebenbürtigen Mitschüler, der zu seinem Vorteil die Fächer interdisziplinär verbinden konnte. Nur in Mathe, Andreas’ schwachem Fach, konnte er lediglich im Mittelfeld mitspielen. Aber sowohl sein Lehrer, als auch Carsten meinten, dass sie sich noch nicht richtig warm geworden sind. Denn – soviel erkannte auch Andreas – ohne Mathe würde ein Studium der Landschaftsarchitektur schwer werden. Dennoch, allzu große Sorgen machte er sich nicht, zusammen mit Carsten würde er auch diese Baustelle meistern.

Am letzten Schultag gab es Zeugnisse und dann war es soweit: Ferien. Andreas und Carsten hatten ihre Sachen gepackt und das Zimmer sah etwas verwaist aus. Paul und Ercan kamen mit dem großen Van, um die Jungs abzuholen. Nachdem alles verstaut war, verabschiedeten sie sich von ihren Freunden.

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