Querbeet – Teil 2 – Selbst das Opfer

Selbst das Opfer

Ich habe kaum bemerkt, dass es schon so spät ist. Gern würde ich Dirk noch auf einen Drink einladen, aber so langsam sollte ich nach Hause, da ich morgen früh raus muss.

Noch so ein Nachteil, dass man als Sohn des Chefs auch ab und an mal am Samstag arbeiten muss. Aber die Aussicht auf den Kunden morgen lässt mich nur zu gerne dieses Opfer bringen.

Den Weg nach Hause kenne ich im Schlaf, genauso wie die Busfahrzeiten. Deshalb komme ich auch pünktlich an der Haltestelle an, so dass ich direkt in den Bus einsteigen kann.

Um die Uhrzeit ist wenig los, weshalb ich auch vorne neben dem Fahrer platz nehme. Es ist ein junger Fahrer, zwar nicht ganz mein Typ, aber trotzdem gutaussehend.

Die Tatsache, wie er mich heimlich im Spiegel beobachtet, lässt mich annehmen, dass er hetero ist. Leider habe ich für dieses Spiel keine Zeit, aber diese Begegnung muss ja nicht die Letzte gewesen sein.

Bevor ich den Bus verlasse, werfe ich dem Fahrer noch einen intensiven Blick zu und ich bin mir sicher, der erkennt mich beim nächsten Mal wieder.

Die wenigen Meter nach Hause male ich mir aus, wie ich ihn am Besten verführen könnte und schmunzle genüsslich vor mich hin. Als ich die Wohnungstür aufschließe, muss ich leise sein, denn ich habe zwar eine separate Wohnung, aber leider teile ich mir mit meinen Eltern einen gemeinsamen Eingang.

Es ist ihr Haus und so schleiche ich mich nach oben, um auch gleich darauf in mein Bett zu fallen. Morgen früh gibt es bei meinen Eltern Frühstück, da auch mein Vater einen wichtigen Kunden hat und wir etwa gleichzeitig los müssen.

Lust habe ich ja keine, mal wieder dem Gerede meiner Mutter zuhören zu müssen, aber sie ist bekannt für ihr üppiges Frühstück, was ich mir nur ungern entgehen lasse. Irgendwie werde ich schon das Geschnatter überleben.

Als mich das nervige Geräusch meines Weckers aus dem Schlaf holt, habe ich das Gefühl gerade erst eingeschlafen zu sein. Am liebsten würde ich mich gerne noch einmal umdrehen und in meine weichen Kissen kuscheln, aber meine Mutter möchte ich ungern wütend erleben.

Weshalb ich auch beschließe aufzustehen und ins Bad, um duschen zu gehen.

Als ich nach unten komme, sitzen meine Eltern schon am Küchentisch und meine Mutter begrüßt mich mit einem Küsschen: „Na, mein Schatz. Hast du gut geschlafen? Irgendwie siehst du heute blass aus, geht es dir nicht gut?“

Ich setze mich zu meinem Vater an dem Tisch, der die Zeitung liest und antworte ihr wie üblich.

„Die Nacht hätte etwas länger sein können. Vielleicht kriege ich etwas Farbe, wenn ich gefrühstückt habe.“

Meine Mutter schenkt mir Kaffee ein und mein Vater schaut mich über die Zeitung hinweg an.

„Wenn du abends nicht so lange weg bleibst, dann ist die Nacht auch länger.“

Ich nicke ihm nur zustimmend zu und greife in den Brötchenkorb, in dem sich selbstgebackene Brötchen befinden. Mit meinem Vater zu diskutieren bringt nichts, da man stets den Kürzeren zieht.

Deshalb schneide ich mein Brötchen auf und belege es nach Lust und Laune mit Salat, Tomaten und Käse. Eine kleine Tomate wandert so in meinem Mund und während ich noch kaue, hat mein Vater hinter seiner Zeitung Schutz suchend, noch mehr zu sagen:

„Ich habe die Tage mit Herrn Janssen gesprochen…“,

Herr Janssen ist einer unserer Besten Kunden,

„…seine Tochter scheint ein Auge auf dich geworfen zu haben…“, er hat eine hübsche Tochter, aber sein Sohn würde mir eher zusagen,

„…ihr seid für heute Abend beim Italiener an der Ecke verabredet…“

Ein sehr teures Restaurant,

„…also blamiere uns nicht!“

Bitte was? Ich soll mit ihr ausgehen? Na super, dass kann ja was werden.

Natürlich hat meine Mutter auch noch was dazu zu sagen, wo sie mich doch ständig fragt, ob ich immer noch keine Freundin habe.

„Deinen neuen Anzug habe ich gestern aus der Reinigung geholt, der ist dafür perfekt. Ihr seid beide im heiratsfähigem Alter, sie ist hübsch und reich, was willst du mehr?“

Einen Mann! Mir stockt der Atem und dann verschlucke ich mich auch noch an dem Stückchen Brötchen, was ich gerade runterschlucken wollte. Hustend versuche ich meinen noch viel zu heißen Kaffee runter zu schlürfen und verbrenne mir auch noch die Zunge.

Der Tag fängt ja gut an!

*-*-*

Während ich auf dem Weg zu meinem Kunden bin, versuche ich mir krampfhaft eine Ausrede für heute Abend einfallen zu lassen. Jedoch bin ich schneller an meinem Ziel, als dass mir etwas Sinnvolles einfällt.

„Nur keine Hektik, bis heute Abend ist noch genug Zeit“, sage ich vor mich hin, während ich durch das Tor des großen Anwesens gehe.

Die Klingel, die ich anschließend betätige, spielt eine nette Melodie und ein älterer Herr im Pinguin-Dress öffnet mir die große, schwere Eingangstür.

„Guten Tag, Sir. Sie werden bereits erwartet. Bitte folgen Sie mir“, begrüßt mich der Butler und führt mich wie schon so oft den langen Flur entlang, in das Arbeitszimmer, in dem, seit ich regelmäßig herkomme, auch eine sehr bequeme Couch steht.

Meine dunkelgrünen Augen erblicken einen Mann Anfang dreißig, der genau meinem Geschmack entspricht. Es ist mein Kunde Herr Salzberger oder wie ich ihn seit einiger Zeit nennen darf, Armin.

„Hi. Seit wann verspätest du dich?“, fragt er mich neckisch.

„Seit wann stellst du hier die Fragen?“, stelle ich eine Frage zurück und grinse dabei frech. Armin schweigt und fängt an sein Hemd aufzuknöpfen.

Anschließend kniet er vor mir nieder und fängt an mir die Hose aufzumachen.

„Siehst du, so ist es doch gleich viel besser“, sage ich zu Armin und streichle sanft über seine kurzen, dunklen Haare.

Während er bereits sein Ziel ausgepackt hat und es kräftig bearbeitet, bekomme ich einfach keinen freien Kopf. Die Sache mit heute Abend geht mir nicht aus dem Kopf, weshalb ich auch nicht richtig in Stimmung komme.

Armin kann noch so intensiv saugen und lecken, es regt sich nichts. Ich atme kräftig durch und lege dann meine Hand unter Armins Kinn.

„Du lass mal, irgendwie bin ich nicht in Stimmung“, sage ich mit ernster Stimme zu ihm.

Er lässt auch gleich von mir ab und so verstaue ich mein bestes Stück und gehe in Richtung Fenster, um hinaus zu schauen.

„Kann jedem Mal passieren“, versucht Armin mich aufzumuntern.

„Mir ist so etwas noch nie passiert“, gebe ich zurück und muss mich dabei zwingen, meine Stimme normal klingen zu lassen.

Ich lasse meine Hand durch meine kurzen, blonden Haare fahren und drehe mich zu Armin um.

„Dann lass uns mal anfangen. Schließlich bin ich nicht nur deswegen hier“, sage ich und setze mich an dem großen Schreibtisch.

Armin setzt sich auch hin und ohne ein weiteres Wort über das Geschehene zu verlieren, machen wir uns an die Arbeit. Natürlich bin ich nur halb bei der Sache, weswegen wir auch früh abbrechen und einen Termin für nächste Woche ausmachen.

Vielleicht auch besser so, denn dann habe ich gewiss auch alles überstanden und bin wieder voll einsatzbereit – in jeglicher Hinsicht.

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