Welcome to Australia – Teil 17

Mr. Stefferson bemerkte wohl unsere Blicke auf Timothy.

„Entschuldigt, ich wollte ihn nicht alleine zu Hause lassen.“

„Kids, was haltet ihr davon, wenn ihr in einer eurer Zimmer geht und uns reden lasst?“

Berry und Lesley nickten. So standen wir auf. Timothy stand etwas verloren da, hielt sein Gipsarm fest. Ich ging auf ihn zu und legte den Arm um seine Schulter.

„Und du kommst mit.“

Wo wir sonst eigentlich alle Widerstand und blöde Bemerkungen gewohnt waren, wurden wir sehr überrascht, dass Timothy gar nichts sagte und sich einfach mitziehen lassen ließ.

*-*-*

Berry

Ein ungewohntes Bild für mich. Tom hatte Timothy im Arm und zog ihn mit in meine Zimmer. Wir suchten uns alle einen Platz und ließen uns nieder. Dann war Stille, keiner sagte etwas.

Mein Blick wanderte von einem zu anderen und jeder erwiderte ihn. Nur Timothy schaute zu Boden.

„Hast du noch Schmerzen?“, fragte Tom in die Stille.

„… im… Augenblick nicht… nur nachts beim schlafen…“, antwortete Timothy.

Ich sah plötzlich, dass er weinte. Die anderen schienen es auch zu merken und sahen mich fragend an. Wieder war es Tom, der als erstes reagierte und aufstand, um sich vor ihm hinzuknien.

„Timothy?“, hörte ich Tom leise Stimme.

„Was ist los?“

„Meine Mutter…“

Tom schaute uns an.

„Was ist mit ihr?“

„Sie ist… durchgedreht… ich wohne seit gestern bei meinem Vater…“

Deshalb vorhin dieser Spruch, er möchte Timothy nicht alleine lassen.

„Hat sie dich geschlagen?“, kam es von Lesley, was ihm einen Ellenbogen von Molly einhandelte.

„Fast…, ich bin weggerannt.“

„Sie weiß nicht wo du bist?“, fragte Tom.

Er schaute auf und hatte ein schiefes Lachen im Gesicht.

„Meine Mutter weiß alles, ich weiß zwar nicht wie sie das macht, aber es ist so“, kam es im sarkastischen Ton.

„Du hast Angst vor ihr?“, harkte Tom nach.

Er nickte.

„… Tom…?“

Timothy schaute wieder auf, wischte sich die Tränen vom Gesicht und sah meinem Tom direkt ins Gesicht.

„Warum machst du das?“, fragte Timothy.

„Was?“

„Warum redest du noch mit mir…“

„Weil ich es möchte…“

„Obwohl ich über Berry und dich so Sachen abgelassen habe?“

„Ja.“

„Das verstehe ich nicht…“

„Um Tom zu verstehen, solltest du ihn besser kennen lernen“, ließ ich nun vom Stapel.

Tom drehte den Kopf zu mir und lächelte. Timothy schaute ebenfalls zu mir. Ich setzte mich auf meine Bettkante beugte mich vor und gab Tom einen Kuss auf die Wange.

„Tom hat, bevor ich ihn kennen lernte, einiges durchgemacht.“

Ich hatte jetzt einfach das Bedürfnis, dass Timothy jetzt zu erzählen.

„… und obwohl er hier fremd war, hat er sich gleich für jemanden eingesetzt, den er gar nicht richtig kannte.“

„Wen?“, fragte Timothy.

„Mich!“, antwortete ich.

Tom wurde leicht rot, Molly und Lesley grinsten.

„Er hat mir gezeigt wie es ist, wenn einem ohne Vorbehalte jemand glaubt, zu ihm steht und zeigt, was Liebe ist.“

Timothy sah Tom sehr lange an.

“Du liebst ihn wirklich?”, fragte Timothy.

Tom nickte und Timothy seufzte auf diese Antwort.

„Ihr habt euch… sicher gefragt…, warum ich immer so ätzend bin.“

„Bei der Mutter…“, rutschte Lesley heraus, worauf er sich gleich drei böse Blicke einhandelte.

Molly schüttelte den Kopf und wollte etwas sagen.

„Lass ihn… er hat ja Recht!“

Tom

Erstaunt schaute ich mein Gegenüber an. Sollte jetzt der wirklich Timothy vor mir sitzen? Den, den Nath uns beschrieben hat? Timothy schaute zögernd zu Berry hinüber.

„Hast du dich eigentlich nie gefragt, warum ich ständig in deiner Nähe war, dir über den Weg gelaufen bin?“

Berrys Augen wurden groß und er schüttelte den Kopf.

„Du bist mit Abstand der best aussehenste Typ an unserer Schule, hast was im Kopf und bist sportlich dazu.“

„Ähm, ich bin sein Zwilling“, mischte sich Lesley ein.

„Aber nicht schwul!“

So langsam dämmerte es mir, worauf Timothy hinaus wollte.

„Aber… ich bin es…“, sagte mein Berry leise.

Timothy nickte.

„Du warst so unnahbar…, man kam absolut nicht an dich heran…“

„Und dann hast du ihn mit Nath unter der Dusche erwischt“, rutschte es mir heraus.

Wieder nickte Timothy und Lesley schaute seinen Bruder erstaunt an.

„Du und Nath?“

Berry wurde total verlegen und rot. Ich musste lächeln, obwohl ich an dieser Offenbarung schuld war. Ich wandte mich wieder an Timothy.

„Eins verstehe ich noch nicht. Wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du Berry runter gemacht, weil du ihn nicht haben konntest, aber Nath hast du nichts getan. Wieso?“

„Nathaniel war der einzige, dem es egal war, wie ich mich gab. Er liebt mich.“

„Du liebst mich?“, fragte Berry fassungslos.

„Schatz, ich verstehe ihn“, grinste ich.

„Tut mir Leid, Berry. Mir sind die Sicherungen durch gebrannt und dachte, wenn ich dich nicht haben kann, soll es auch kein anderer tun.“

Berry schnappte nach Luft, konnte aber nichts sagen.

„Was hat dich zum Umdenken bewegt“, wollte Molly wissen.

Timothy zeigte auf mich.

„Tom?“

„Ja!“

„Was habe ich gemacht?“

„Du liebst Berry…“

„Klar liebe ich ihn!“

„Und gegen so eine Liebe komm ich nicht an.“

Keiner sagte darauf ein Wort und es kehrte die Stille vom Anfang zurück Ich stand auf und setzte mich zu Berry, der gleich seinen Arm um mich legte. Doch dann stand Berry auf und holte sein Handy aus der Jackentasche.

„Was hast du vor?“, fragte ich.

„Nath anrufen.“

*-*-*

Das Nath wirklich auftauchen würde, verwunderte mich nicht sehr. Ohne Rücksicht auf den Rest im Raum fiel Nath Timothy um den Hals. Was mich wunderte, dass Timothy keine Gegenwehr zeigte und seinen gesunden Arm um Nath legte.

„Und wie geht es jetzt weiter?“, fragte ich, nachdem der erste Begrüßungsansturm vorüber war.

„Was meinst du?“, fragte Molly.

„Bleibt jetzt alles so, also solange wir unter uns sind klar, was ich meine, wenn wir morgen wieder in der Schule sind, wird es dann genauso weiter laufen, wie vorher?“

Timothy verstand anscheinend, was ich meinte, sein Gesichtsausdruck wurde traurig. Er schüttelte leicht den Kopf.

„Nein, ich kann einfach nicht mehr…“

Seine Stimme klang nicht mehr so fest wie vorhin.

„Also kreuzten wir morgen als drei Pärchen auf?“

Er nickte.

„Dann haben wir das ja erledigt“, meinte ich und lehnte mich in Berry Arm, der mich stolz anlächelte.

„Timothy Stefferson Junior, ich bin so stolz auf dich“, sagte Nathaniel und gab ihm einen dicken Kuss auf die Wange.

Alle in der Runde grinsten, ebenso Timothy. Aber der Name, wie ihn Nath sagte, brachte mein Gehirn zum Arbeiten.

„Timothy…, dein Großvater heißt wie du, oder?“, wollte ich wissen.

„Ja. Timothy Stefferson Senior…, warum fragst du.

„Du meinst…“, begann Berry.

„Ja, klar, was soll ich sonst denken?“

Die anderen schauten uns fragend an. Ich wandte mich zu Molly und Lesley.

„Wer war der Unbekannte in Grandpas Tagebuch?“

„Der hieß Timothy“, antwortete Molly.

„Du denkst, der Freund von Mollys Grandpa und Timothys Grandpa sind die ein und dieselbe Person?“, fragte Lesley ungläubig.

„Ja, soviel Zufälle kann es nicht geben, oder?“

„Kann mir mal einer sagen, wovon ihr redet?“, kam es von Timothy.

„Ach ich habe in meinem Zimmer ein altes Buch gefunden und wie es sich herausstellte, war es das Tagebuch von Mollys Grandpa. Darin ist sehr häufig von einem Timothy die Rede und Grandpa hat mir gesagt, als ich nach dem Nachnamen fragte, er heißt Timothy Stefferson.“

Gebannt schauten nun alle auf Timothy, doch bevor dieser etwas dazu sagen konnte, wurde unser Gespräch durch einen Schrei vor dem Haus unterbrochen. Ruckartig standen wir alle auf, um wenige Minuten später oben vor der Haustür zu erscheinen.

„Du hast mir alles kaputt gemacht, dafür wirst du büßen“, kreischte eine Frau.

Niemand anders als Mrs. Stefferson. Sie hatte eine Waffe auf Linda gerichtet.

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