Welcome to Australia – Teil 18

War ich hier im falschen Film.

„Timothy, komm sofort hier her!“, schrie Mrs. Stefferson.

„Priscilla, so nehmen sie doch Vernunft an!“, hörte ich Abby sagen.

Sie richtete die Waffe auf Abby.

„Die wunderschöne, neunmalkluge Abby, immer froh gelaunt und mischt sich immer ein. Timothy… hier her…“

Während Priscilla herum geiferte fuchtelte sie wie wild mit der Waffe herum. Bekam in der Nachbarschaft niemand mit, was hier abging? Timothy stand mit Nath neben mir. Ängstlich drückte er sich gegen Nath.

Tränen liefen über sein Gesicht. Mir und den anderen ging es nicht anders. Dicht gedrängt standen wir beieinander. Riley lief ein Schritt nach vorne.

„Priscilla, hör auf damit! Du machst den Kindern Angst.“

„Diesem schwulen Pack? Schau doch, deinen Sohn haben sie auch schon angesteckt.“

„Und wenn es so wäre?“, schrie Riley.

„Bist du durch geknallt, mein Sohn ist nicht schwul!“

Gerade als sie mit ihrer Hand eine ausladende Bewegung machte, löste sich ein Schuss. Ich fuhr zusammen und drückte mich noch enger an Berry. Er zitterte wie ich. Aber anscheinend hatte doch jemand aus der Nachbarschaft endlich etwas mitbekommen.

In vielen Häusern ging das Licht an und irgendwo her hörte ich Polizei kommen.

„Timoooothy… komm hier her“, schrie Priscilla weiter und drückte erneut ab.

„Der Junge bleibt hier“, schrie Riley zurück.

Priscila richtet die Waffe genau auf Rileys Gesicht.

„Halt deine blöde Fresse, geh doch zu deiner Johnsonschlampe…, der Junge gehört mir.“

Molly fing an zu weinen. Nicht mal als mein Vater mich schlug hatte ich soviel Angst wie jetzt. Warum mir das gerade jetzt einfiel, wusste ich nicht.

„Timoooothyyy!“

Timothy löste sich von Nath und drückte sich an den Erwachsenen vorbei.

„Nein Junge, du bleibst hier“, sagte Riley im normalen Ton, was mich sehr verwunderte.

„Komm… hier her!“, schrie Priscilla und fuchtelte weiter mit der Waffe herum.

„Dad…“, hörte ich die weinerliche Stimme von Timothy.

Er ging tatsächlich zu Priscilla, die mittlerweile rückwärts, mit der Waffe auf uns gerichtet, zu ihrem Wagen gelaufen war.

„Einsteigen!“, schrie sie.

Plötzlich, wie von einer Tarantel gestochen, fing Nathaniel neben mir an zu schreien.

„Neeeeeeeeeeeeeeeein… Timothy… nein.“

Er drückte sich durch die Erwachsenen und rannte auf den Wagen zu.

„Nathaniel“, schrien alle, doch dann löste sich ein Schuss.

Wie in Zeitlupe kippte Nathaniel nach vorne und schlug hart auf den Boden auf. Während Priscilla mit Timothy in den Wagen stiegen, sprangen die Erwachsenen vor uns zu Nathaniel. Ich dagegen stand starr, wie eingefroren da. Sie hatte auf Nath geschossen. Mit quietschten Reifen brauste der Wagen davon.

*-*-*

In Decken gehüllt, saßen wir vier auf der Veranda. Molly weinte leise vor sich hin, während ich dicht gedrängt bei Berry saß und immer noch auf die Stelle starrte, wo vorhin noch Nathaniel gelegen hatte.

Überall war Blaulicht und es liefen eine Menge Polizisten herum. Die Erwachsene standen etwas abseits von uns und unterhielten sich mit den Beamten. Bob löste sich von der Gruppe.

„Kommt Kinder, ich bring euch nach Hause, Berry und Lesley ihr schlaft heute bei uns!“

Schlafen? Wie konnte er nach so etwas an Schlafen denken.

„Was ist mit… Nath?“, fragte ich.

„Das weiß ich nicht…“

Wir schossen Tränen in mein Gesicht.

„Wird er…“

Bob ging vor mir in die Hocke und nahm meine Hände.

„Tom er ist in guten Händen und wenn wir mehr wissen, erfahrt ihr es als erstes. Priscilla hat ihm am Bein getroffen…“

„Aber…, aber das viele Blut.“

„Es war ein glatter Durchschuss und davon stirbt man nicht so schnell.“

Ich bewunderte Bob, wie er so ruhig sein konnte.

„Kommt jetzt!“, meinte er und zog Molly auf die Füße, die weinend in die Arme ihres Vaters fiel.

Mehr stolpernd als laufend erreichten wir Bobs Wagen und stiegen ein. Ich setzte mich nach vorne, während Berry und Lesley Molly zwischen sich nahmen. Bob startete den Wagen und rollte langsam los.

An der Absperrung hatten sich sehr viele Menschen versammelte, jeder reckte den Hals um etwas sehen zu können, obwohl schon alles vorbei war. Ein Beamter hob das Absperrband an, damit Bob mit dem Wagen durchrollen konnte, doch weit kam er nicht.

Die Menschenmenge war so groß, dass er immer wieder auf die Bremse treten musste. Wie blöd standen die Menschen um den Wagen und gafften uns an. Ich fuhr zusammen, als ein Blitzlicht aufleuchtete.

Bob drückte auf die Hupe, nein er drückte nicht nur, er ließ den Finger darauf, das Hupen nahm kein Ende. Mehrere Beamte kamen und drückten die Leute zurück, so dass Bob endlich freie Fahrt hatte.

Bob gab Gas und schnell entfernten wir uns vom Tatort. Schon wenig später rollte der Wagen die Auffahrt hinauf. Licht brannte im Haus und Doreen kam vor die Tür. Bob verließ als erstes den Wagen.

„Doreen, bitte kümmere du dich um die Kinder. Wenn etwas ist ruf bitte an, ich fahr zurück zu Abby.“

„Kein Problem Bob, wie geht es Linda und Riley?“

Auch sie schien  Bescheid zu wissen, obwohl nie vor uns darüber geredet wurde.

„Den Umständen entsprechend.“

„Und Priscilla?“

Bob zuckte mit den Schultern.

*-*-*

Berry

Ich war schon sehr überrascht, als plötzlich unser Prinzipal Steinhardt in Toms Zimmertür stand.

„Jungs wie geht es euch?“, fragte er und betrat das Zimmer.

Tom befreite sich langsam aus meinen Armen und setzte sich auf.

„Ich soll euch schöne Grüße von Bob sagen, Nathaniel geht es so weit gut, er ist stabil und bei vollem Bewusstsein.“

Wenigstens etwas. Steinhardt setzte sich auf Tom Stuhl.

„Wo sind Bob und Abby?“, wollte Tom wissen.

Immer noch bei Linda.

„Warum hat sie das gemacht?“, fragte Tom mit zitternder Stimme und fing wieder an zu weinen.

Ich legte den Arm um ihn und zog ihn an mich.

„Tom, keiner kann in die Psyche eines Menschen schauen.“

„Sie… sie hat einfach auf Nath geschossen…“

„Ich weiß Tom, aber wie gesagt, wir wissen nicht, warum Timothys Mutter so gehandelt hat.“

„Und Timothy? Was wird aus dem…, er ist mit dieser Verrückten noch zusammen“, warf ich ein.

„Die Suchaktion läuft auf vollen Touren.“

Der Türgong machte sich bemerkbar und Tom zuckte in meinen Armen zusammen. Stimmen waren zu hören und plötzlich erschien Doreen mit Mollys Grandpa in der Tür. Steinhardt stand auf um ihn zu begrüßen.

„James, es ist lange her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben“, meinte Steinhardt.

„Ja und ich wünschte, es wäre zu einem anderen Anlass…, wo ist Molly?“

„Moment, ich hole sie“, sagte Doreen.

Ich konnte noch jemand anderen ausmachen, der unmittelbar hinter Mollys Grandpa stand.

*-*-*

Tom

Ich hatte mich aus Toms Armen gelöst und war aufgestanden. Grandpa kam auf mich zu und nahm mich in den Arm.

„Timothy?“, hörte ich Steinhardt sagen und schaute auf.

„Hallo Scot…“

Molly und Lesley kamen mit Doreen die Treppe hinunter.

„Grandpa“, rief Molly und viel ihrem Grandpa in die Arme.

„Ich…“, begann Steinhardt, aber Doreen unterbrach ihn.

„Alles in die Küche“, befahl sie und wir gehorchten.

Wenig später saßen alle um den großen Küchentisch. Molly hatte für uns heiße Schokolade gemacht und die Erwachsenen hatten Kaffee. Ich dagegen schaute zwischen Grandpa und diesem Timothy hin du her.

Grandpa schien meine Blicke zu bemerken und stellte seine Tasse ab. Doch bevor er etwas sagen konnte, wurde die Haustür aufgeschlossen. Bob kam ins Sichtfeld, ebenso Abby. Dicht gefolgt kamen Linda und Riley.

Berry und Lesley sprangen gleichzeitig auf und sprangen zu ihrer Mutter. Auch Molly rannte zu ihren Eltern. Ich dagegen saß immer noch auf meinem Stuhl.

„Doreen, hast du einen starken Kaffee für uns?“, fragte Abby, während sie ihre Tochter in den Armen hielt.

„Schon in Arbeit.“

Bob kam zu mir um den Tisch.

„Alles klar mit dir?“, fragte er und strich mir durchs Haar.

Ich nickte.

„Vater?“, hörte ich plötzlich Riley sagen.

„Ja, mein Junge.“

Dieser Timothy stand auf und begrüßte seinen Sohn.

„Was machst du hier?“

„Das ist eine lange Geschichte…“

„Die ihr euch am Tisch anhören könnt“, meinte Doreen trocken und stellte ein paar Tassen ab.

Ohne Widerworte setzten sich alle. Am Tisch war es zum ersten Mal richtig voll. Alle schauten gespannt auf Timothys Großvater. Doreen schenkte Kaffee aus. Einige Fragen brannten mir auf der Zunge.

Aber da niemand grad etwas sagte, blieb ich auch ruhig und lehnte mich wieder an Berry, der seinen Arm um mich legte. Timothy Großvater trank einen Schluck und hustete kurz.

„Timothy, dass sind meine Tochter Abby und ihr Mann Bob. Die kleine ist meine Enkelin Molly“, begann Grandpa plötzlich zu reden.

„Eine süße Enkelin hast du.“

Molly wurde rot und Lesley begann zu kichern.

„Der junge Mann neben Molly ist Lesley und unschwer zu erkennen daneben sein Bruder Berry. Den Herrn, den Berry im Arm hält ist Tom, der Neffe von Bob aus den Staaten. Seine Geschichte habe ich dir ja schon erzählt.“

„Der berühmte Tom“, sagte Timothys Großvater.

Ich wurde rot.

„Berry und Lesley sind die Söhne von Jim und Linda…, du weißt doch, der Mann, der mit dem Flugzeug verunglückte.“

„Ja, ich kann mich daran erinnern.“

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