Welcome to Australia – Teil 20

Erschrocken zog ich Tom hoch. Molly und Lesley kamen nun auch. Zu viert trugen wir ihn umständlich auf sein Bett.

„Tom…“, meinte Bob und tätschelte seine Wange.

Die Tränen, die über meine Wangen liefen, tropfen ungehindert auf Toms Bettdecke.

„Molly, ruf Doc Ebeny an…“, sagte Bob und Molly verließ das Zimmer.

Wenig später tauchte Abby auf und ihr folgten die anderen Erwachsenen.

*-*-*

„Kein Grund zur Beunruhigung Bob. Das was heute passiert ist würde sogar einen Erwachsenen, den Boden unter den Füßen weg ziehen. Ich habe Tom eine Beruhigungsspritze gegeben, er wird bis morgen durchschlafen. Für euch wäre es auch besser ins Bett zugehen.“

Damit waren wohl wir gemeint. Bob und der Doc verließen Toms Zimmer und wir waren wieder alleine.

„Wir sollten uns wirklich besser hinlegen“, meinte Molly.

Ich nickte und legte mich vorsichtig neben Tom. Auch Molly und Lesley kuschelten sich unter die Decke.

„Bruderherz, machst du das Licht aus?“

„Ja“, meinte ich gähnend.

*-*-*

Molly und Lesley waren bereits in der Küche. Prinzipal Steinhardt hatte uns von der Schule befreit. Ich saß bei Tom am Bett, der noch friedlich schlief. Mein Blick glitt über seine Brust, die sich langsam hob und senkte.

Mit der Hand strich ich ihm eine Strähne von der Stirn. Er schien wach zu werden, denn ein leichtes Lächeln zierte seine Lippen.

„Morgen Tom“, hauchte ich leise.

„Morgen“, brummte Tom zurück und fuhr mit der Hand über sein Gesicht.

Kaum war die Hand weg, sah er mich mit zwei hellen wachen Augen an.

„Es ist so schön morgens von dir geweckt werden…, müssen wir schon aufstehen… in die Schule?“

Fragend schaute ich Tom an, aber anscheinend wusste er gerade nicht, was gestern vorgefallen war. Aber sein Gesichtsausdruck änderte sich, als er mich lange angeschaut hatte.

„Es war kein Traum, oder?

„Nein Tom…“

„Nath…“

„Dem geht es so weit gut.“

„Timothy…?“

Ich schüttelte den Kopf.

*-*-*

Tom

Während ich mit den anderen schweigend am Tisch saß, wurde die Haustür aufgerissen. Erschrocken fuhr ich herum und konnte meine Mutter entdecken.

„Tom“, rief sie und kam auf mich zugelaufen, „Bob hat mich angerufen, dass du gestern zusammen gebrochen bist…“

„Hallo Mum… ähm… mir geht es so weit wieder gut.“

Sie richtet sich wieder auf und schaute auf die anderen.

„Hallo Kinder…, ihr müsste ja Schlimmes durchgemacht haben“, meinte sie.

Die drei nickten ihr nur zu. Mum zog sich einen Stuhl her und setzt sich neben mich.

„Wo sind die Kleinen?“, fragte ich.

„Bei meinen Schwiegereltern.“

„Schade, ich habe sie eine Weile nicht gesehen.“

„Du musst einfach mal vorbei kommen, Eric und Emilie fragen ständig nach dir und auch nach Berry.“

„Schwesterherz“, hörte ich plötzlich hinter uns Bob rufen.

Mum stand auf und die beiden umarmten sich beide.

„Sind die Kleinen auch dabei?“, fragte Bob und schaute sich suchend um.

„Nein, aber vielleicht bringt sie Roger hier her, wenn er sie von seinen Eltern abholt.“

„Darüber wird sich Abby sicher freuen.“

„Über was soll ich mich freuen?“

Abby war nun auch in die Küche gekommen.

„Schatz kannst du kurz Barney helfen, er bräuchte dringend deinen Rat“, meinte sie und umarmte dann meine Mutter.

Anscheinend hatten die zwei sich wieder vertragen.

„Ich gehe nur, wen du mir ein Tasse Kaffee machst…“

Abby lächelte. Bob verschwand und Abby setzte sich mit Mum zu uns an den Tisch.

„Mit dir alles in Ordnung?“, fragte mich Abby.“

Ich nickte.

„Bevor ich es vergesse…, da draußen an der Hundehütte liegt jemand und wartet auf sein Herrchen.“

Abby hatte dies nicht irgendwie böse gemeint, dazu lächelte sie viel zu sehr. Trotzdem wusste ich, dass ich damit gemeint war und es sich um Gustav handelte. Ich stellte die Tasse ab und stand auf.

„Bin gleich wieder da“, meinte ich und verließ die Küche.

*-*-*

Ich ließ das Mückengitter ins Schloss fallen und lief die Treppe hinunter. Bis auf Gustav konnte ich keine der anderen Hunde ausmachen. Mein Hund lag vor seiner Hütte, den Kopf auf seinen Vorderpfoten.

Sonst sprang er auf und kam mir entgegen gerannt. PLötzlich stoppte er und lief zurück zur seiner Hütte, wo er sich  nieder ließ. Dann hob er nur kurz die Ohren, machte aber sonst keine Anstalten um sich zu wieder erheben. So lief ich auf ihn zu. Er beobachtete mich. Ich ließ mich auf der Holzbank nieder, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

„Du bist mir immer noch böse, oder?“

Sein Schwanz schlug leicht auf den Boden.

„Ich habe dir gesagt, dass es mir Leid tut Gustav…“

Ich beugte mich nach vorne und hob meine Hand.

„Du kannst jetzt natürlich da liegen bleiben, mich ignorieren, dann gehe ich wieder hinein. Oder du kommst jetzt her und wir vertragen uns wieder.“

Seine Ohren gingen wieder hoch und dieses Mal bleiben sie auch oben. Einfach hinein gehen konnte ich jetzt nicht. So stand ich wieder auf und lief zu seiner Hütte.

„Gustav…“, sagte ich in einem leicht bettelten Ton.

Mit einem Ruck stand er auf und wedelte mit dem Schwanz.

„Alles wieder gut?“, fragte ich und ging in die Hocke.

Er trottete langsam zu mir und ließ sich in den Arm nehmen.

„Gustav, es tut mir wirklich Leid, wird nie wieder vorkommen…, okay?“

Er bellte kurz, als hätte er mich verstanden.

*-*-*

Berry

„Mir ist langweilig“, meinte Lesley.

Prinzipal Steinhardt, hatte uns zwar Aufgaben für die Schule zukommen lassen, aber so recht Lust hatte keiner sie zu machen. Ich klappte mein Buch zu und schaute zu Tom.

„Hast du schon alles fertig?“, fragte Molly.

„Nein, aber ich mag nicht mehr. Das hier ist ja schlimmer wie in der Schule.“

„Du hast meine Mutter gehört. Es ist allen lieber, dass wir von der Schule wegbleiben. Sei froh, dass wir wenigstens alle hier zusammen sein können.“

Molly hatte Recht. Wir konnten froh sein, dass wir hier bei Molly zusammen sein konnten. Die Erwachsenen und auch die Polizei waren der Meinung, dass es für uns besser wäre, nicht so in der Öffentlichkeit herum zu stolzieren.

Man konnte ja nicht wissen, was die gute Mrs. Stefferson ja sonst noch so geplant hatte. Gefunden wurde sie bis jetzt noch nicht und auch von Timothy fehlte jede Spur. Lesley war sich sicher, dass sie die Stadt bereits verlassen hatte und auch bestimmt hier nicht mehr auftauchen würde.

Aber man horchte ja den Erwachsenen. So saßen wir am Küchentisch und machten die uns aufgetragenen Hausaufgaben, oder auch nicht.

„Also ich muss mal an die frische Luft, wir sind hier ja nicht im Gefängnis“, sagte Lesley.

„Für eine Pause wäre ich auch“, mischte sich nun auch Tom ein.

Er stand auf und streckte sich. Als er sich gerade Richtung Haustür bewegen wollte, machte sich die Hausglocke bemerkbar und er fuhr zusammen.

„Tom, ich mach auf“, sagte Doreen, die wie aus dem Nichts erschien.

Er kam zu uns in die Küche zurück. Doreen öffnete die Tür und wenig später trat Mrs. Greenwich mit ihrer Katze ins Haus.

„Immer den Flur durch, Mrs. Greenwich, sie kennen sich ja aus“, hörte ich Doreen sagen.

Das fehlte noch, dass die Frau jetzt gerade hier erschien. Sie blieb stehen und schaute zu uns in die Küche.

„Hallo Kinder, habt ihr denn keine Schule?“, fragte sie neugierig.

Als würde sie nicht genau wissen, was vorgefallen war.

„Nein, Mrs. Greenwich, wir haben heute früher aus“, antwortete Molly.

„Und dann macht ihr gemeinsam Hausaufgaben…? Das nenne ich aber vorbildlich…!“

Sie hätte sicher noch länger dort an der Küche gestanden, wenn nicht plötzlich Bob erschienen wäre und sie in die Praxis geleitet hätte.

„Ich mag die Alte nicht“, sagte Lesley leise.

„Die wird niemand mögen“, kommentierte ich Lesleys Bemerkung.

„Lasst sie doch“, kam es von Molly.

„Ich weiß nicht was ihr habt, sie war doch nur nett“, meinte Tom.

„Bei der bin ich mir nicht so sicher, ob das nett ist, oder ob sie einfach mehr heraus bekommen möchte, was hier los ist. Die Katze hat bestimmt nichts.“

Lesley spielte verärgert mit seinem Stift, während Doreen wieder die Küche betrat. Wenig später kam auch Bob in die Küche.

„Wollt ihr denn den ganzen Morgen hier sitzen?“, fragte er.

„Was bleibt denn uns anderes übrig?“, fragte Molly.

Bob sah uns entgeistert an.

„Ihr könnte vielleicht in den Garten, oder raus zu den Hunden.“

Tom seufzte und legte seine Sachen zusammen.

„Und wer passt auf uns auf?“, fragte er genervt, „ich dachte, wir sollen das Haus nicht verlassen. Es weiß ja niemand wo sich diese feine Dame aufhält, die uns nach dem Leben trachten könnte.“

Das kam recht sarkastisch herüber. Bob legte seinen Arm um Tom.

„Tom, dass ist nur eine kleine Vorsichtsmaßnahme. Keiner möchte dass euch etwas zustößt und die Schule ist nun mal ein Ort, wo keiner so richtig auf euch aufpassen kann.“

„Ich bin ja nicht wild auf die Schule, aber nur hier herum sitzen ist auch nicht mein Ding.“

„Ich sagte ja, ihr könnte ruhig aus dem Haus. An der Straße steht ein Wagen in Zivil, mit Polizei darin, da passiert sicher nichts.“

Das war mir neu. ´

„Dann geh ich raus zu Gustav“, meinte Tom, ließ sein Schreibzeug liegen und verließ die Küche.

*-*-*

Tom

Mittlerweile war der Stall komplett sauber, die Gehege entlaubt und auch die Tränke frisch gefüllt.

„Gibt es noch etwas, was wir tun können?“, fragte ich.

„Nicht das ich wüsste“, sagte Molly und stellte ihren Eimer in die Ecke.

„Wenn wir wenigstens zur Hütte könnten“, sagte Lesley.

Berry, der sich die ganze Zeit im Hintergrund gehalten hatte, stand am Gatter vor Abbys Pferd. Ich ging zu ihm hin.

„Alles klar?“, fragte ich und nahm ihn in den Arm.

Er nickte und gab mir einen Kuss.

„Hast du Angst?“

„Nein, ich denke nur gerade an Mum.“

„Ähm… ich dachte eigentlich gerade eher wegen dem Pferd.“

Er sah mich an und grinste.

„So lange es im Gatter steht und ich hier draußen habe ich keine Angst.“

„Darf ich wissen, warum du so Angst vor den Tieren hast?“

Berry seufzte.

„Ich war als Kind einmal mit bei Sally auf dem Pferdehof.“

„Die Mutter von Joshua?“

„Ja und da wurde ich von einem Pferd gebissen…“

„Arg?“

„Nein es ging, aber seither nehme ich großen Abstand von diesen Viechern.“

„Du weiß aber, dass nicht alle Pferde gleich sind?“

Berry zuckte mit den Schultern. Ich ging ans Gatter, öffnete es und trat zu Abbys Pferd. Mein Freund bewegte sich keinen Meter.

„Komm her, es ist ganz lieb“, sagte ich und streichelte es über die Flanke, „siehst du?“

„Ich weiß nicht…“

„Du brauchst wirklich keine Angst haben“, meinte ich und hob meine Hand.

Zögerlich trat er ans Gatter. Plötzlich zeriss ein Knall die Stille.

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