Unbreakable – Spezialedition

Diese Geschichte ist Richard gewidmet, ohne ihn wäre sie nicht geschrieben worden. Ebenso bedanke ich mich bei meiner Nichte Nathalie, die mich mit soviel Hintergrundinformationen versorgt hat. LG  Pit

Max ging zur Tür hinaus. Nahm seinen Schlüssel und steckte sie in die Jacke. Hinter sich hörte er noch seine Mutter rufen, aber er verstand nicht mehr, was sie sagte, denn er rannte eilig die Treppen hinunter.

Er war noch nie so beleidigt worden, dass Gespräch mit seiner Mutter hätte er sich echt sparen können. Er musste raus, einfach nur weg.

Tränen liefen ihm über die Wangen, sein Hals brannte vom Schreien. Er rannte, rannte so lange, bis er nicht mehr konnte und trotzdem blieb er nicht stehen.

Bis er plötzlich merkte, dass er sich mitten ihm Stadtgarten befand. Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

Doch sie hörten nicht auf. erschöpft ließ er sich auf den Rasen fallen. Er war wütend. Er fing an, den Rasen auszureisen, seine Finger in den weichen Boden zu rammen. Sein Kopf dröhnte und er war nicht in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.

Warum hatte sie das zu ihm sagen müssen, sie war doch sonst immer so tolerant. Er verstand es nicht, er wollte es nicht verstehen. Er versuchte auf zustehen. Er hatte einen Entschluss gefasst: Jule, die wusste immer einen Rat.

Er erwischte noch gerade die Straßenbahn und löste eine Karte. Auf dem Weg zur ihr brach er immer wieder in Tränen aus und die Leute neben ihm guckten betreten zu Boden. An der Schillerstraße stieg er aus und wäre um ein Haar von einem Auto erfasst worden, laut quietschten die Reifen.

In letzter Sekunde konnte er sich mit einem Hechtsprung auf den Bürgersteig retten. Mit lautem Fluchen stand er auf, klopfte den Dreck von seinen Klamotten und lief weiter zu Jule. Die Fahrerin stieg aus dem Auto aus und wollte sich nach seinem Wohlbefinden erkundigen.

Aber es war ihm egal er wollte nur weiter. Er bog um die nächste Ecke und lief geradewegs in einen Mann hinein, der daraufhin zu Boden fiel. Total verstört half er dem Mann auf, aber hörte dessen Meckern nur weit entfernt.

Endlich stand er vor Jules Tür. Er drückte den Klingelknopf und wartete.

 

„Ja?“, hörte er es aus der Gegensprechanlage.

 

„Hier ist Max“, versucht er mit normaler Stimme zusagen.

 

„Oh, hallo Max“, sagte die Stimme und er erkannte, dass es sich um Jules Mutter handelte,

 

„Jule ist leider nicht da.“

 

„Wissen sie wo sie ist, oder wann sie zurückkommt, er wäre wichtig….“

 

„Sie wollte zur Bibliothek, aber ich weiß nicht, wann sie wiederkommen wollte“, antwortete die Mutter.

 

„Aber komm doch erst einmal herauf, du hörst dich nicht sonderlich gut an! Wir können ja versuchen, Sie auf dem Handy zu erreichen, wenn es so dringend ist“, fügte sie hinzu.

 

„Ich weiß nicht recht“, sagte Max und überlegte ob er nicht einfach abhauen sollte.

 

Doch ihm fiel ein, dass er in der Eile sein eigenes Handy zu Hause liegen gelassen hatte.

 

„Na gut ich komm rauf.“ Jules Mutter ließ ihn herein. Sie sah sofort seine roten Augen und gab ihm wortlos ein Papiertaschentuch.

 

„Setz Dich erst einmal, ich versuche Jule zu erreichen“, sagte sie.

 

Jules Mutter lief ins Nachbarzimmer, und er hörte wie sie mit Jule redete.

 

„Jule ist in einer Viertelstunde hier“, antwortete sie auf seinen fragenden Blick hin, als sie wieder das Zimmer betrat. Mit gesenkten Blick schaute er zu Boden, weil schon wieder seine Tränen zu laufen begonnen.

 

„Kann ich irgendetwas für Dich tun? Möchtest Du was trinken?“, fragte Jules Mutter ihn besorgt.

 

Er schüttelte nur den Kopf. Da fiel Jules Mutter die Wunde am Kopf auf. Sie setzte sich neben ihn.

 

„Max was ist denn passiert? Du blutest am Kopf.“

 

 

„Es ist nichts“, entgegnete er abwehrend und drehte sich weg. Erst jetzt spürte er den brennenden Schmerz an seiner Stirn.

 

„Kann ich nicht doch irgendetwas für Dich tun?“, fragte sie erneut.

 

Max schüttelte erneut den Kopf und ergab sich einem neuen Weinkrampf. Jules Mutter wusste sich nicht zu helfen. Sie nahm ihn vorsichtig in den Arm und gemeinsam warteten sie auf Jules Rückkehr.

Ein Schlüssel wurde ins Schloss gesteckt und die Wohnungstür wurde geöffnet. Hoffentlich konnte Jule dem armen Jungen helfen, dachte sich Jules Mutter. Jule kam in die Küche und schaute ihre Mutter fragend an?

Diese sah hilflos zurück. Jule kniete sich vor Max und hob dessen Gesicht vorsichtig an.

 

„Max?“

 

Mehr als ein Wimmern war aber aus ihn nicht herauszubekommen. Erschrocken sah sie sein blutverschmiertes Gesicht.

 

„Komm mit!“, sagte sie und zog ihn in Richtung Badezimmer.

 

Widerwillig stand Max auf und folgte ihr. Jule schloss die Tür hinter sich. Max setzte sich auf den Badewannenrand und hatte immer noch seinen Blick gesenkt. Er zitterte am ganzen Körper.

 

„Rede mit mir“, flehte sie ihn an.

 

Sie nahm ein feuchtes Tuch und wischte Max vorsichtig das Blut vom Gesicht. Er jedoch brachte immer noch nicht mehr als ein klägliches Wimmern hervor. Sie lief zum Arzneischrank und entnahm ihm ein Pflaster. Vorsichtig klebe sie es über den Riss auf der Stirn von Max.

 

„Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr…“, stammelte Max leise.

 

„Max nicht doch, hör auf so was zu sagen. Komm wir gehen in mein Zimmer.“

 

Sie nahm seine Hand und führte ihn aus dem Bad. Im Flur stand Jules Mutter. Sie schaute Jule fragend an. Jule schüttelte nur mit dem Kopf und zuckte mit den Schultern.

 

„Soll ich für euch beide einen Tee machen?“, fragte Jules Mutter leise.

 

Jule nickte und brachte Max in ihr Zimmer. Mit einem tiefen Schluchzen gefolgt von einem Schauder im ganzen Körper setzte sich Max aufs Bett.

 

„So Max, nun mal der Reihe nach, erzähl von Anfang an.“

 

Eine kurze Pause entstand. Max Gedanken rasten  immer noch.

 

„Ich… ich hab dir doch erzählt, …dass mich etwas bedrückt …und ich nicht wusste, wie ich es dir …sagen sollte.“

 

Erneut rannen Tränen über die Wangen von Max.

 

„Du musst mir das nicht erzählen, wenn du nicht willst“, sprach Jule in einen zarten Ton.

 

Die Stimme von Jule tat Max gut. Jule und er kannten sich schon seit dem Kindergarten. Seither waren sie unzertrennlich. Mittlerweile waren sie beide siebzehn und in zwei Wochen stand Max achtzehnter Geburtstag auf der Tagesordnung.

Trotz seiner 186 cm sah Max nicht aus wie eine Bohnenstange. Durch sein wöchentliches Basketballtraining, war er Top in Form. Wirr hingen seine schwarzen Haare ins Gesicht, verdeckten aber nicht, seine bis dahin strahlenden blauen Augen.

Jetzt waren sie tief rot vom vielen Weinen.

 

„Doch ich will es dir erzählen, wir …hatten bisher keine Geheimnisse voreinander, und …das soll auch so bleiben.“

 

Jule schaute ihn gespannt an.

 

„Du fragtest mich immer, warum ich noch keine Freundin habe, und zogst mich damit sogar auf.“

 

„Tut mir leid, ich wusste nicht, dass dir dies so nah geht.“

 

Nein, nicht wirklich Jule, ich weiß ja von wem es kam. Also der Grund warum ich keine Freundin möchte ist, … ich …ich bin …schwul.“

 

So jetzt war es heraus. Jule schaute ihn mit großen Augen an.

 

„Und war das jetzt so schlimm, es mir zu sagen?“

 

Zum ersten Mal hob Max sein Gesicht und schaute Jule in ihre Augen.

 

„Und du bist mir nicht böse, ich darf weiterhin dein Freund sein?“

 

„Böse schon, „Max schaute ein wenig entgeistert auf Jule, „aber deswegen kündige ich dir doch nicht meine Freundschaft. Wäre ja noch schöner.“

 

„Warum bist du mir böse?“

 

„Weil du es mir nicht schon eher gesagt hast. Wie lange weißt du es denn selber schon?“

 

Max senkte wieder den Kopf.

 

„Seit zwei Jahren. Mit fünfzehn hab ich gemerkt, dass mich Jungs mehr interessieren, als die Mädchen in meiner Klasse.“

 

„Oh man, und unsere Mädchen verstanden nie, warum der Hübscheste unsere Klasse, keine von ihnen zur Freundin haben wollte. Sie gaben immer mir die Schuld. Ich würde jedes Mädchen von dir fern halten.“

 

„Sorry das wusste ich nicht.“

 

„Och, Max das ist nicht schlimm. Alle glaubten ich wäre deine feste Freundin, trotz meiner Beteuerungen, es nicht zu sein. Muss aber zugeben es gefiel mir irgendwie.“

 

Ein kleines Lächeln huschte über Max`s Mund.

 

„Wird auch langsam Zeit, so gefällst du mir viel besser. Zieh jetzt endlich mal deine Jacke aus.“

 

Wie aufs Stichwort klopfte es an der Tür.

 

„Ja Mum, du kannst herein kommen, du störst nicht.“

 

Die Tür öffnete sich zaghaft und Jules Mutter trat ein. In der Hand hatte sie ein kleines Tablett. Darauf standen zwei Tassen und eine Teekanne. Sie stellte es auf den Tisch neben dem Bett.

 

„So ich lass euch gleich wieder alleine. Jule ich bin noch kurz bei Monika drüben, falls du mich suchst.“

 

„Ist in Ordnung Mum.“

 

Sie verließ das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Wenig später hörte man die Wohnungstür ins Schloss fallen.

 

„Aber das ist sicher nicht der Grund, warum du hier so verweint hier auftauchst, oder?“

 

„Nein ist es nicht. Ich habe mich vorhin bei meiner Mutter geoutet.“

 

Wieder entstand eine Pause.

 

„Ich denke nach deiner Verfassung zu urteilen, war sie nicht gerade begeistert.“

 

„Nein war sie nicht.“

 

Jule reichte Max eine Tasse Tee, an der er vorsichtig nippte.

 

„Sie sagte“, wieder begann Max an zu weinen, „in zwei Wochen, wenn ich achtzehn werde, kann ich dann meine Koffer packen und gehen. Sie will nicht ins Gerede kommen wegen mir.“

 

„Solche Sprüche bin ich überhaupt nicht von Marianne gewohnt.“

 

„Ich auch nicht, noch nie hat meine Mutter mich so angeschrieen.“

 

„Ich will deine Mutter ja nicht jetzt in Schutz nehmen, aber könnte es sein, das es ihr in dem Augenblick nicht besser ging als dir und nicht wusste wie sie darauf reagieren sollte?“

 

Ich weiß nicht Jule.“

 

„Warte kurz, ich muss was erledigen“, sprach Jule stand auf und verließ das Zimmer.

 

Sie lief zur Wohnung gegenüber und klingelte. Die Tür öffnete sich.

 

„Hallo Jule, kann ich dir helfen?“

 

„Hallo Monika, ich bräuchte kurz meine Mum, kann ich sie dir entführen?“

 

Christine hatte aus der Küche das Gespräch gehört, und lief in den Flur. Jule was ist?“

 

„Mum ich bräuchte dringend deine Hilfe kommst du rüber?“

 

„Ist es wegen Max?“

 

„Ja.“

 

„Okay Monika, ich glaub wir müssen unser Kaffeeklatsch verschieben, meine Person wird gebraucht.“

 

„In Ordnung Christine, du musst mir aber alles genau erzählen.“

 

„Werde sehen, was sich ergibt.“

 

So gingen Jule und ihre Mutter zurück in ihre Wohnung.

 

„Also, was ist mit Max?“

 

Jule hob ihren Finger auf den Mund und zeigte auf das Wohnzimmer. Schweigend folgte sie ihrer Tochter dorthin. Jule schloss hinter sich die Tür.

 

„Also Kurzfassung. Max hat mir gerade gestanden, dass er schwul sei. Er hat sich auch seiner Mum anvertraut heute. Die hat ein riesen Aufstand gemacht und will ihn an seinem achtzehnten Geburtstag hinaus schmeißen.“

 

„Moment langsam. Das muss ich jetzt selber verdauen. Max ist schwul? Und wie soll ich dir jetzt helfen?“

 

„Du und Marianne habt doch so einen guten Draht zueinander. Könntest du nicht mal mit ihr reden.“

 

„Da verlangst ja ganz schön viel von mir, aber ich kann ja eh nie einer deiner Bitten abschlagen. Ich ruf sie gleich an.“

 

„Du bist eine Wucht Mum, danke.“

 

Jule eilte zurück zu Max.

 

„Wo warst du solange?“, wollte Max wissen.

 

„Sagte doch, ich musste noch was erledigen.“

 

Jule begann in ihrem Regal zu kramen.

 

„Suchst du was?“

 

„Ich wollte es dir eigentlich erst an deinem Geburtstag geben, aber ich denke die Überraschung wird dir gut tun?“

 

Max schaute sie mit großen Augen an.

 

„Jetzt wird mir auch so vieles klar“, Jule suchte immer noch, „jetzt wo ich weiß wie du fühlst verstehe ich endlich alles. Dein Tun einfach… ah da sind sie ja.“

 

Sie setzte sich neben Max aufs Bett.

 

„Du weißt doch, dass in München in drei Wochen das Konzert von Westlife ist.“

 

„Ja, aber es ist total ausverkauft, ich wollte doch hin.“

 

„Das weiß ich ja, du liegst mir ja auch schon ewig in den Ohren damit. Nur das ich mich früher um die Karten“, Jule hielt ihm zwei Karten unter die Nase, „gekümmert habe, als der Vorverkauf begann.“

 

„Jule? Jule du bist ein Schatz, wie soll ich dir nur danken?“

 

„Indem du mich mitnimmst es sind zwei Karten“, sagte Jule frech.

 

„Ich weiß nicht was ich sagen soll.“

 

„Ich schon sag einfach, natürlich Jule ich nehme dich mit.“

 

Beide fingen an zu lachen. Sie tranken ihren Tee aus.

 

„Ich hätte da eine Frage Max.“

 

„Raus damit!“

 

Max schenkte sich noch Tee nach.

 

„Jetzt wo ich weiß, warum du so für Westlife schwärmst, welcher gefällt dir denn am besten.“ Max schoss das Blut in den Kopf.“

 

„Oje hab ich einen wunden Punkt getroffen?“ konnte sich dabei aber ein freches Grinsen nicht verbeißen.

 

„Es ist …Kian.“

 

„Kian? Der hat doch seit zwei Jahren eine feste Freundin.“

 

„Eben nicht, sie haben sich letzte Woche getrennt.“

 

Jule sah ein Funkeln in Max`s Augen.

 

„Man Max, du bist verliebt.“

 

„Na wenn, schon ich weiß ja sowieso, dass dies zwecklos ist, aber ich finde ihn so niedlich.“

 

Es klopfte und Jules Mutter steckte ihren Kopf herein.

 

„Max könntest du mal kurz kommen?“

 

„Ja Christine natürlich. Was ist denn?“

 

Er folgte ihr in den Flur und blieb entsetzt stehen. Vor ihm stand seine Mutter.

 

„Was soll…?“

 

Christine fiel ihm ins Wort.

 

Max langsam!“

 

Seine Mutter lies ihre Handtasche fallen, und stürzte sich auf Max und fiel ihm um den Hals.

 

„Max verzeih mir, ich wusste vorhin nicht, was ich dir alles an den Kopf geschmissen habe, es tut mir so leid.“

 

Dicke Tränen liefen über ihre Wangen.

 

„Wäre es nicht besser Mum, wenn wir nicht alle ins Wohnzimmer gehen würden“, meinte Jule die jetzt auch im Flur stand.

 

„Stimmt Kind, wo bleiben meine Manieren. Marianne gib mir deine Jacke bitte. Und setzt euch schon rein ich mach jetzt mal einen starken Kaffee.“

 

Marianne löste sich aus der Umarmung mit ihrem Sohn.

 

„Danke Christine.“

 

Jule reichte ihr ein Tempo.

 

„Max, verstehe mich bitte.“

 

Sie saßen mittlerweile alle im Wohnzimmer. Max saß eng an Jule. Sie hatte seine Hand fest umschlossen in ihrer Hand.

 

„Ich hatte es nicht einfach, als uns damals dein Vater wegen einer anderen sitzen ließ. Mit meiner ganzen Liebe zu dir, versuchte ich diesen Verlust für dich abzudecken.“

 

„Mama ich mach dir doch deswegen keine Vorwürfe“, das war das erste Mal, dass Max sich zu Wort meldete, „aber es tat so weh, was du mir vorhin alles gesagt hast.“

 

Seine Augen bekamen wieder einen feuchten Glanz.

 

„Max… ich dachte, ich hätte versagt. Mit deiner Erziehung… ich dachte ich wäre schuld, dass du …“

 

„Dass ich schwul bin, wolltest du sagen. Nein Mama, daran bist du nicht schuld. Es ist einfach da, und ich habe es dir deswegen gesagt, weil ich dieses blöde Versteckspiel satt hatte. Ich kann dir nicht erklären wie ich darunter leide, oder gelitten habe.“

 

„Also ich denke, ihr zwei vertragt euch wieder, na Max mach du den Anfang“, sagte Jule.

 

„Nichts lieber als das“, erwiderte Max, und stand auf und umarmte seine Mutter.

 

„Und das mit dem Ausziehen, nehme ich natürlich zurück Max, du kannst so lange bei mir wohnen wie du willst.“

 

„Danke Mama.“

 

„Max hast du vor, es noch jemand anderen zusagen?“, fragte Christine.

 

Max schaute Jule an.

 

„Ich würde es gerne Richard und Nathalie erzählen, weil sie unsere besten Freunde sind.“

 

Richard und Nathalie waren ein Paar und hingen die ganze Zeit mit Jule und Max zusammen, solange es die Freizeit zuließ.

 

„Du willst es ihnen echt sagen?“

 

„Ja Jule, ich finde, ich bin es ihnen irgendwie schuldig.“

 

„Mutig, mutig junger Mann, soll ich irgendwie nachhelfen?“

 

Max schaute Christine fragen an. „Wie meinst du das?“

 

„Also, da ich heute eh Lust habe zu kochen und du und deine Mutter eh schon da seid, könnten wir die Zwei auch zum Abendessen einladen.“

 

„Mum ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.“

 

„Doch Jule, deine Mutter hat Recht, je eher ich es hinter mich bringe, um so besser.“

 

„Okay Max, ich rufe gleich an und lade die beiden an.“

 

Christine schob Marianne in die Küche.

 

„Sie kommen Max, sie haben nur gefragt, warum sie zu solchen Ehren kommen.“

 

„Hast du ihnen etwas gesagt?“

 

„Nein, das überlasse ich dir. Sie werden in einer Stunde da sein.“

 

Die Zeit verging rasend schnell. Jule und Max waren gerade mit dem Tisch decken fertig, da klingelte es auch schon an der Tür.

 

„Ich mach auf“, rief Jule.

 

„Hallo Nathalie, hallo Richard, toll das ihr Zeit hattet.“

 

„Julia Krause, wenn du mich so kurz hältst, am Telefon, erweckst du die Neugier in mir“, sagte Nathalie und umarmte sie.

 

„Hallo.“

 

Die Köpfe flogen herum und Max stand vor ihnen.

 

„Max du bist auch da?“

 

Richard umarmte Max zur Begrüßung und gleich folgte Nathalie.

 

„Ist irgendetwas passiert?“, wollte Richard wissen.

 

„Jetzt setzen wir uns erst mal ins Wohnzimmer“, bestimmte Jule und lief vor.

 

Richard und Nathalie entledigten sich ihrer Jacken und folgten Max.

 

„Da ist ja für sechs gedeckt, wer kommt denn noch?“, fragte Richard neugierig.

 

„Meine Mutter und Max`s Mutter essen auch noch mit.“

 

„Also langsam wird die Sache komisch, da ist irgendetwas faul“, meinte Richard zu Nathalie.

 

„Jetzt setzt euch erst mal hin, ich muss euch etwas sagen.“

 

„Aha jetzt kommt es Richard, „raunte Nathalie leise und setzte sich neben ihn, „dann fang mal an Max, was ist so wichtig, wenn hier so aufgefahren wird?“

 

Max wurde rot im Gesicht. Jule legte ihren Arm um ihn.

 

„Geht’s?“

 

„Ja schon gut Jule. Also weswegen wir euch eingeladen haben, ich möchte euch sagen, dass ich…“

 

Er stockte.

 

„Das ich .. Okay ich bin schwul.

 

Richard drehte seinen Kopf zu Nathalie.

 

„Ich wusste es! Hab ich dir das nicht gesagt? Siehst du, ich hatte Recht!“

 

Max schaute beide fragend an und Nathalie startete einen Erklärungsversuch.

 

„Richard vermutet schon lange, dass du schwul bist. Ich habe nur gesagt, wenn es stimmt, sollst du es uns selber sagen.“

 

„Und?“

 

„Und was?“

 

„Ach so, sorry Max! Ich steh gerade auf der Leitung. Wir finden es toll, dass du uns eingeweiht hast.“

 

„Ja ich muss Nathalie zustimmen, und Max es ändert sich nichts zwischen uns.“

 

Nathalie fing an zu lachen, „außer du lässt deine Finger nicht von Richard, dann gibt’s Ärger.“

 

Sie formte ihre Hände zu Fäusten und drohte damit in Richtung Max. Nun fingen alle an zu lachen.

 

„Ihr seid ja gut drauf, dann können wir ja mit dem Essen anfangen.“

 

Christine stand in der Tür, dahinter die Mutter von Max, die zu ihm hinlief.

 

„Und alles in Ordnung mit dir?“

 

„Ja Mum.“

 

„Ihr müsst wissen, Max hat heute sein großes Outing“, sagte Jule zu Richard und Nathalie.

 

*-*-*

 

Der Abend verlief sehr lustig. Christine hatte einen ihrer berühmten Aufläufe gemacht. Am Schluss war alles leer.

 

„Oh ich kann nicht mehr“,  Richard rieb seinen Bauch.

 

„Mir platzt gleich die Hose“, ließ Nathalie verlauten.

 

„Oje schon so spät. Kinder ich muss nach Hause. Ich muss morgen früh raus“, sagte Marianne.

 

„Sie haben Recht Frau Kehrer, sonst schlafen Max und ich morgen in der Berufsschule ein“, kicherte Richard, was ihm einen bösen Blick von Max einhandelte.

 

Die Beiden ginge zusammen die Berufsschule.

 

„Ich wäre dafür wir räumen noch schnell ab und gehen dann alle“, schlug Max vor.

 

„Ach lass einfach alles stehen, ich mach das dann weg.“

 

„Hört, hört. Meine Tochter meldet sich freiwillig zum Küchendienst.“

 

Alle fingen an zu lachen, nur Jule verzog das Gesicht und streckte ihrer Mutter die Zunge raus. Sie standen auf und gingen in den Flur.

 

„Danke Jule.“

 

„Für was Max?“

 

„Dass du mir so geholfen hast.“

 

„Dafür sind Freunde doch da.“

 

„Trotzdem danke.“

 

„Jederzeit wieder, aber warte nicht wieder zu lange.“

 

*-*-*

 

Zuhause angekommen lief Max gleich in sein Zimmer. Noch einmal ließ er den Tag durch seine Gedanken laufen.

 

Puh, ging ja besser als ich dachte.

 

Er legte sich aufs Bett, worauf er auch gleich einschlief.

 

*-*-*

 

Zwei Wochen später…

 

„Guten Morgen Max, alles Gute zum Geburtstag.“

 

Die letzten zwei Wochen waren wie im Flug vergangen. Max ´s Outing hatte die vier noch fester zusammen geschweißt. Jede freie Minute verbrachten sie miteinander.

 

„Morgen… oh Mum, ich hab grad so schön geträumt…“

 

Er verarbeitete das eben gehörte und saß plötzlich kerzengerade im Bett.

 

„Du hast Recht! Ich habe Geburtstag, danke Mum!“

 

Sie umarmten sich und Max stand auf. Er wollte gerade ins Bad laufen, da klingelte das Telefon.

 

„Kehrer“, Max musste gähnen.

 

„Guten Morgen du Schlafmütze und alles Gute zum Geburtstag.“

 

„Jule?“

 

„Ja wer den sonst.“

 

„Sorry ich bin noch so müde, ähm… danke.“

 

„Wir sehen uns heute Mittag nach der Schule, okay?“

 

„Ja in Ordnung… gähn… Tschüss.“

 

„Tschüss, du Schlafmütze.“

 

Max legte auf und setzte seinen Weg zum Bad fort.

 

„Max?“

 

„Ja Mum?“

 

„Wie viele Leute kommen heute Abend eigentlich?“

 

„Es bleibt klein, wir sind nur wir vier.“

 

„Und es ist wirklich nicht schlimm, dass ich nicht da bin?“

 

„Nein Mum, geh du ruhig zu deinem Englischkurs.“

 

„Okay, ich muss dann, bis später.“

 

„Bye Mum.“

 

Er hörte die Wohnungstür ins Schloss fallen. Da heute nur vier Stunden Schule waren, wollte Max seinen lang gehegten Wunsch sich erfüllen. Einen zweiten Ohrring! Er hatte mit Richard ausgemacht, dass sie nach der Schule zum Schmuckhändler gingen.

Dort wollte sich Max ein zweites Loch stechen lassen.  Nach dem Frühstück schnappte er sich seinen Rucksack und verließ die Wohnung.

 

*-*-*

 

In der Schule…

 

„Morgen Max, alles Gute zum Geburtstag“, rief Richard und umarmte ihn herzlich.

 

„Danke Richard.“

 

„Hier eine Kleinigkeit für dich.“

 

„Man Richard, das sollst du doch nicht.“

 

„Sei ruhig und mach es auf, ich will dein Gesicht sehen, wenn du es siehst.“

 

„Ist ja schon gut. Ist eine CD, das sieht man ja.“

 

Max riss das Geschenkpapier herunter. Die neue Scheibe von Westlife kam zum Vorschein – Westlife – The greatest Hit Vol. I . Ich weiß keine Werbung *g* Pit

 

„Man Richard danke, du bist ein Schatz!“

 

„Nichts zu danken ich weiß doch, dass du auf die Jungs stehst. Bleibt es dabei nachher neuer Ohrring?“

 

„Klar! Nach der vierten Stunde, können wir uns gleich los.“

 

„Du Max, ich habe noch eine Überraschung für dich.“

 

„Und die wäre?“

 

„Jule hatte vier Karten besorgt, also sind Nathalie und ich dabei am Samstag bei Westlife. Ich mag die Musik ja nicht so, aber was man nicht alles für seine Freundin und seinen besten Freund tut.“

„Echt? Wirklich? Ist ja irre! Wir, zu viert… auf einem Westlife Konzert.“

 

„Du wirst es noch erleben können.“

 

Die vier Stunden vergingen wie im Flug. Max und Richard liefen wie abgesprochen gemeinsam zum Schmuckhändler. Er ließ sich nun am linken Ohr ebenfalls einen Ohrring verpassen.

 

„Tut das nicht weh?“, fragte Richard, und verzog sein Gesicht, als könnte er diesen Schmerz fühlen.

 

Max schüttelte den Kopf.

 

„Willst du dir nicht auch einen stechen lassen?“

 

„Ich? Auf keinen Fall, so etwas kommt mir nicht ins Ohr!“

 

May fing laut an zu lachen.

 

Okay…, war ja nur eine Frage. So… und dann möchte ich gerne bitte noch ein Paar Ohrringe.“

 

Richard zeigte Max goldene Ringe, doch dieser schüttelte den Kopf.

 

„Also sie sollten schon etwas dicker sein und etwas kantiger…, nicht so rund.

 

Der Verkäufer legte einige Exemplare auf den Tisch. Max entschied sich für ein Paar und zahlte. Strahlend verließ er mit Richard den Laden.

 

„Kommt ihr heut abends noch vorbei?“

 

„Du nein Max, ich muss meine Eltern noch helfen und Nathalie muss noch auf eine Arbeit lernen. Dafür sind wir ja den ganzen Samstag zusammen.“

Etwas enttäuscht schaute Max.

 

„Geht in Ordnung Richard, aber wir müssen noch ausmachen, wie das am Samstag läuft.“

 

„Ja müssen wir, also bis morgen in der Schule. Bye.“

 

„Bye Richard bis morgen.“

 

Am Mittag kam Jule vorbei. Sie brachte noch ein großes Paket mit.

 

„Man Jule noch etwas, hast du ein Geldscheißer?“

 

„Jetzt guck es dir doch erst einmal an.“

 

Jule tippelte von einem Fuß zum anderen. Wie ein Wilder riss Max das Geschenkpapier herunter und ein großes Bild kam zu m Vorschein.

 

„Kian? Wie kommst du da dran, und auch noch mit Unterschrift.“

 

„Tja im Internet gibt es viele Fanpages, und ich wurde fündig.“

 

„Wow Jule, das… das  ist riesig. Danke, danke, danke.“

 

Max hob Jule hoch und drehte sich mit ihr im Kreis.“

 

„Max beruhige dich wieder. Man sollte nicht glauben, dass du achtzehn Jahre alt geworden bist. Was soll das erst am Samstag geben auf dem Konzert?“

 

Max fing an zu lachen.

 

„Da stelle ich mich zu den kreischenden Girlies und mach mit. Und im richtigen Augenblick werfe ich dann meine Unterhose zu Kian.“

 

„Maaaaaaaaaxxxxxx.“

 

Jule und Max fielen aufs Bett und bekamen sich nicht mehr ein vor lachen.

 

*-*-*

 

Jules Mutter fuhr die vier nach München. Bis zur Halle kamen sie nicht. Volksmassen schienen unterwegs zu sein.

 

„Mum halt einfach an und lass uns raus, den Rest laufen wir.“

 

„In Ordnung Jule, und du bist wirklich sicher, dass ich euch nicht wieder abholen soll?“

 

„Nein Mum, es werden Sonderbusse eingesetzt, und einer davon fährt in unsere Richtung.“

„Keine Sorge, Christine. Wir bringen die Mädels schon gut nach Hause.“

 

„Ich verlass mich da auf dich Max.“

 

„Christine ich bin kein Kleinkind mehr.“

 

„Nein, aber meine Tochter.“

 

Sie stiegen aus und verabschiedeten sich. Christin wendete und fuhr davon. Nathalie zog an Richards Hand.

 

„Kommt schon in einer viertel Stunde ist Einlass“, rief Nathalie und lief los.

 

„Drängle nicht so, wir kommen schon noch rechtzeitig. Oh Gott, worauf hab ich mich nur eingelassen mit dieser Frau?“

 

Richard schüttelte den Kopf. Ein kurzer Aufschrei und Max und Jule sahen, wie Nathalie ihren Finger in Richards Rippen bohrte.

 

„Wenn Blicke töten könnten, Richard…“

 

Jule und Max begannen zu Lachen. Die Vier wurden regelrecht in die Halle hinein geschoben. Musik dröhnte laut über die Boxen.

 

„Wenn es geht, suchen wir einen Platz in der Mitte“, sagte Jule, „wenn ich in der Nähe der Boxen stehe, habe ich bis morgen einen Hörschaden.“

 

„Schaut euch mal um, hier komme ich mir mit meinen siebzehn Jahren vor wie ein Grufti“, meinte Richard.

 

In der Tat. Das Durchschnittsalter betrug hier so zwischen zwölf und fünfzehn Jahren. Nathalie lächelte.

 

„Dann kommst du mir schon nicht auf dumme Gedanken.“

 

Richard verzog sein Gesicht zu einer Grimasse. Ein Sprecher kündigte den Anfang an. Das Licht verlösche. Der Saal begann zu brodeln. Leise setzte die Musik ein.

 

BOP, BOP BABY, dachte sich Max, fängt ja gleich super an. Das Licht blitzte auf und die Fünf erschienen auf der Bühne und begannen mit ihrer Show. Max war hin und weg. Er tänzelte auf seinem Platz herum und fieberte mit der Musik mit.

Jule, Richard und Nathalie konnten nicht glauben was sie da sahen. Max war der wirklichen Welt entrückt.

 

„Ich wusste nicht, dass Max diese Musik so sehr liebt.“

 

Stimmt Jule, dein Geburtstagsgeschenk war gut ausgesucht.“

 

Max hob die Arme und klatsche im Takt in die Hände.

 

„Max?“

 

Keine  Reaktion.

 

„Maaaaaax?“

 

„Ähm ja, was ist.“

 

„Wollen wir nicht wir uns nicht ein bisschen weiter vordrängen?“

 

„Nein Jule ich sehe von hier aus ganz gut.“

 

Und schon war Max wieder entrückt.

 

Kurz vor der Pause, machte Max einen gequälten Gesichtsausdruck.

 

„Ist was Max?“, wollte Richard wissen.

 

„Boah, ich muss dringend zur Toilette.“

 

„Geh lieber jetzt, in der Pause stehen sie Schlange.“

 

„Okay bin gleich wieder da.“

 

Max drängte sich zum Ausgang und lief eilig die Treppe hinunter. Männertoilette. Max stieß die Tür auf und erschrak, als diese gegen die Wand knallte. Hoffentlich hatte dass niemand mitbekommen.

Oben wurde die Pause angekündigt, und der Saal schien zu Kochen. Schon lange war Max nicht mehr so guter Laune gewesen. Sich einfach treiben lassen mit der Musik. Max war total entspannt. Plötzlich ging das Licht aus.

 

„Was soll die Scheiße?“, schrie Max wütend.

 

Aber außer dem Grölen aus dem Saal war nichts zu hören. Max verschloss seinen Reißverschluss und  suchte das Waschbecken.  Langsam mit ausgestreckter Hand wurde er fündig.

Nur mit Mühe konnte er sich die Hände waschen ohne sich selbst unter Wasser zu setzten. Draußen kamen Stimmen näher.

 

„Leute bringt das in Ordnung, wir können uns nicht leisten, wenn die ganze Meute gleich hier einfällt und der Strom ist weg.“

 

Eine Stimme aus dem Flur. Max folgte der Richtung, aus der er eben noch etwas gehört hat. Etwas Hartes hinderten ihn aber daran.

 

„Autsch“, entfuhr es ihm.

 

Max war volle Kanne gegen die Eingangstür geknallt. Er rieb sich die Stirn und öffnete sie. Im Flur war es ebenso dunkel, wie in der Toilette. Er atmete tief durch und folgte der Geräuschkulisse von oben.

Langsam tastete Max sich an der Wand entlang. Plötzlich spürte er einen Rahmen. Hier war eine Tür. Unter der Tür sah er einen leichten Lichtschein. Neugierig drückte Max den Knauf herunter.

Plötzlich ging alles sehr schnell. Ehe er sich versah, lag er auf dem Boden und jemand auf ihm drauf.

 

„Fuck, what`s this.“

 

Es flackerte und das Licht ging an. Max traut seinen Augen kaum, auf ihm lag…

 

„Oh, sorry! Can I help you?“

 

Vor Max lag Kian. Der blonde Sänger von Westlife.

 

Damit ihr nicht mein schlechtes Schulenglisch genießen müsst, alles in Deutsch *g*

 

„Ähm… nein.“

 

„Wer hat hier die Tür offen gelassen zu den öffentlichen Gängen?“, schrie jemand den Flur entlang.

 

Ein Mann im dunklen Anzug erschien in der Tür und schaute die beiden verwundert an.

 

„Kian, ist etwas passiert?“

 

„Nein schon gut Bob, ich bin im Dunkeln nur über den Kleinen hier gestolpert.“

 

„Wer ist das?“

 

„Ich weiß nicht außer einem „Nein“ hat er noch nichts gesagt.“

 

„Mein Name ist Max.“

 

Max kam sich so blöd vor, was für ein geistreicher Satz. Da kniete wohl der süßeste Junge vor ihm und er sagt mein Name ist Max.

 

„Soll ich…?“, fragte dieser Bob Kian.

 

„Kein Problem, Bob. Max hat sich sicher genauso erschrocken wie ich. Deswegen brauchst du ihn nicht gleich hinaus befördern“, antwortete Kian und erhob sich.

 

Noch immer lag Max auf dem Boden.

 

„Alles in Ordnung, Kian ist in fünf Minuten wieder auf der Bühne“, sagte Bob über sein Headset.

 

„Beeile dich Kian, in zwanzig Minuten ist die Pause rum, und du musst wieder auf die Bühne.“

 

„Okay ich beeile mich, nur noch kurz in die Garderobe. Max kommst du mit?“

 

Kian reichte Max die Hand und zog ihn wieder auf die Füße.

 

„Gerne“, Max stand endlich wieder, „und wo hin?“

 

„In unsere Garderobe natürlich, wohin denkst du denn?“

 

Kian lächelte.

 

Oh Mann dieses Lächeln, dachte Max. Im kam alles vor wie im Traum.

 

„Und wie gefällt dir die Show bis jetzt?“

 

„Gut.“

 

„Nur gut? Man, was kann ich machen, das sie dir super gefällt?“

 

„In dem du den nächsten Song nur für mich singst.“

 

Ups hatte Max das gerade wirklich gesagt. Er wurde feuerrot im Gesicht. Kian schaute ihm tief in die Augen.

 

„Okay… wenn du willst, aber du stehst im Backstagebereich und nicht unten.

 

„Sorry ich …wollte nicht …“

 

„Keine Sorge Kleiner, aber ich weiß, was du meinst.“

 

Jetzt war Max völlig durch den Wind. Wie hat er das eben nur gemeint er versteht es? Kian strich mit seiner Hand durch Max`s Haar. Max war wie angewurzelt.

 

„So jetzt aber, ich muss aufs Klo und dann wieder auf die Bühne, warte hier.“

 

Kian verschwand hinter einer Tür. Was soll ich jetzt tun, dachte Max. Weglaufen? Machte keinen Sinn, er hatte keine Kontrolle über seine Körper. Er war völlig gelähmt. Die Tür ging auf und Kian kam heraus.

 

„So jetzt aber schnell, ich muss nach oben, komm!“

 

Kian schnappte sich Max‘ Ärmel und zog ihn hinter sich her. Ein weiterer Sicherheitsmensch kam auf ihn zu.

 

„Jarrett, könntest du dich bitte um den Kleinen hier kümmern, verpass ihm ein Ausweis und bring ihn hinter die Bühne, ich muss los, bin eh schon spät dran.“

 

„Geht in Ordnung der Herr.“

 

Schon verschwand Kian Richtung Bühne und Max sah ihm verwundert nach.

 

„So nun komm mal, wie heißt du eigentlich und was hast du mit Kian gemacht?“

 

„Ich?…Max… Wieso?“

 

„Kian hat noch nie jemand mit hinter die Bühne gebracht bei den anderen Jungs ist das Gang und Gebe.“

 

Max schüttelte nur den Kopf. Jarrett zog etwas aus seiner Jackentasche, schrieb etwas mit einem Stift darauf und reichte ihn dann Max.

 

„Den solltest du gleich anlegen, sonst könnte es Ärger geben.“

 

Max drückte den Klipp des Ausweises wie befohlen an sein Shirt. Garrett schob ihn langsam nach vorne, bis Max erkannte, dass er dicht neben der Bühne stand. Da waren auch noch die anderen vier Jungs.

Wieder stand er wie gelähmt da und konnte sein Glück nicht fassen. Die Fünf standen beieinander und redeten miteinander. Das Geschrei der Fans machte es Max unmöglich auch nur ein Wort zu verstehen.

 

*-*-*

 

„Wo bleibt Max denn?“

 

Jule versuchte sich in dem Getümmel um zu schauen.

 

„Ich weiß es nicht er wollte zur Toilette, aber als ich unten war, hab ich ihn nirgends gesehen“, erklärte Richard.

 

„Na super, können wir jetzt eine Vermisstenanzeige aufgeben?“, sagte Nathalie genervt.

 

„Der wird schon kommen, der wird sich doch sein Kian nicht entgehen lassen.“

 

Richard und Nathalie grinsen. Eng umschlungen, warteten sie auf die zweite Runde. Das Licht ging aus und fünf Spot erhellten. Die Jungs saßen auf Hockern und sanfte Gitarrenklänge begannen.

Der aufkommende Jubel der Fans verstummte langsam und im Nu war es in der Halle ruhig geworden. Viele kleine Flammen gingen auf und wurden zum Takt der Musik hin und her bewegt.

 

„Feel I’m so…“, begann es zu singen und die Menge fing wieder an zu brodeln.

 

Jule schaute sich immer noch besorgt nach Max um. Ein gelbes Glühen wie bei einem Sonnenaufgang erhellte die Bühne.

 

„…never knew I was losing you…“

 

Jule schaute Richtung Bühne. Ihr Blick blieb plötzlich dort haften.

 

„Was zum Teufel macht…“, rief sie.

 

„Was?“

 

Richard und Nathalies Köpfe flogen herum zu Jule.

 

*-*-*

 

„Stell dich ruhig bis vor an den Rand Max, sonst siehst du nichts.“

 

„Danke Jarrett.“

 

„Nichts zu danken Kleiner.“

 

Warum sagte jeder zu ihm Kleiner, so klein war er nicht. Er wollte sich beschweren, aber Garrett war schon verschwunden. Kian stand bei den Jungs und sprach mit ihnen. Fast gleichzeitig wendeten alle ihre Köpfe und schauten zu Max und grinsten.

Kian zwinkerte ihm zu. Max`s Gesichtsfarbe machte jedem Strahler Konkurrenz. Mark klopfte Kian  auf die Schulter und sie nahmen ihre Plätze ein. Gitarrenklänge stimmten an und die Meute vor der Bühne wurde ruhiger.

Nach und nach flammten immer mehr Lichter auf. Max fand es herrlich, denn es sah aus, wie ein riesiger Sternenhimmel. Sein Blick wanderte wieder zur Band und er sah Kian genau in die Augen, der zu ihm herübersah.

Er zwinkerte ihm zu und griff nach einer Gitarre und fing ebenfalls an zu spielen.

 

„Feel I’m so…“

 

Never knew i was losing you!

 

Max Lieblingslied. Aber woher konnte das Kian wissen? …ich werde dich nie verlieren! Es trieb Max Tränen in die Augen.

 

„Alles in Ordnung?“, hörte er plötzlich eine Frauenstimme neben sich.

 

Max fuhr zusammen und drehte sich zur Seite.

 

„Ja.“

 

„Hallo, ich bin Bell die Assistentin des Tourmanagers und du bist sicherlich Max?“

 

Neuigkeiten verbreiten sich hier wohl wie ein Lauffeuer, dachte sich Max. Er nickte. Bell schien ihm seine Unsicherheit an zu merken und lächelte ihn freundlich an.

 

„Hättest du Lust, nachher noch auf die Party der Jungs mitzukommen?“

 

„Party?“

 

Max riss erstaunt seine Augen auf.

 

„Ja, nach jedem Auftritt gibt es eine kleine Party.“

 

Max versuchte ganz ruhig zu atmen. Seine Beine zitterten seine Hände waren eiskalt.

 

„Äh… ja…, gerne… Ich bin aber nicht alleine hier…“

 

„Sagst du mir bitte ihre Namen?“

 

„Ähm, ja wieso?“

 

„Die kannst du natürlich mitnehmen. Ich werde mich drum kümmern sie aufzutreiben.“

 

Max zählte ihr die Namen auf.

 

„Okay, die werde ich schon finden. Genieß das Konzert!“

 

„Danke“, gab Max verschüchtert von sich und trat einen Schritt vor.

 

„Nicht weiter Max, das Publikum kann dich schon sehen.“

 

Max blieb wie angewurzelt stehen, aber von hier konnte er wieder Kian sehen und begann wieder an zu strahlen.

 

*-*-*

 

„Was ist denn Jule?“, fragte Nathalie verwirrt.

 

„Was ist? Schaut doch mal genau auf die Bühne neben der rechten Box beim Keyboard.“

 

Die Köpfe der beiden folgten der Richtung wie es Jule erklärt hatte.

 

„Nein…!“, stammelte Nathalie.

 

„Da steht ja…“, kam es von Richard.

 

„Max. Wie kommt der auf die Bühne?“, sagte Jule.

 

„Wow! Soviel Mut hätte ich ihm nicht zu getraut“, meinte Richard schmunzelnd.

 

*-*-*

 

Das Konzert lief weiter. Nach der dritten Zugabe war dann endlich Schluss. Max war die ganze Zeit unverändert auf seinem Platz gestanden. Die Drei machten sich im Geschiebe der Menge zum Ausgang auf, als plötzlich eine Durchsage durch die Halle dröhnte.

 

„Jule Schreiber und ihre Freunde bitte zur Information.“

 

Die Drei schauten sich verwundert an.

 

„Was soll das jetzt?“, fragte Jule.

 

Richard zuckte mit den Schultern. Als sie endlich durch den Ausgang gequetscht haben, liefen sie Richtung Information.

 

„Hallo, ich bin Jule Schreiber, sie haben mich ausrufen lassen?“

 

„Du bist Jule?“, sagte eine Frau, die sich bisher mit einem Mann unterhalten hatte.

 

„Ja bin ich.“

 

„Und ihr seid sicherlich Richard und Nathalie?“

 

Beide nickten nur und sahen Jule fragend an.

 

„Dann kommt mal mit.“

 

„Dürften wir erfahren was los ist?“, fragte Nathalie.

 

„Das erklärt euch gleich Max“, sagte die Frau und lief davon.

 

Schnellen Schrittes folgten die drei. Sie durchliefen eine dicke Eisentür und fanden sich in einem Flur wieder.

 

„So hier gleich rechts, setzt euch schon mal hin es kommt gleich jemand abholen“, sagte die Frau und wies sie in ein Zimmer.

 

Alle drei waren grad nicht ihrer Stimmen mächtig und nickten. Die Frau verschwand durch die offene Tür und ließ sie alleine.

 

„Was soll das?“, flüsterte Nathalie.

 

„Warum flüsterst du?“, kam es von Richard ebenso leise.

 

„Du tust es doch auch…“

 

Jule sah die beiden entgeistert an.

 

„Jetzt hört schon auf!“, fuhr sie die beiden an, „da kommt jemand.“

 

Draußen war Gelächter zu hören. Mehrere Leute versammelten sich vor dem Zimmer auf dem Flur. Einer davon drehte sich um und kam ins Zimmer. Es war Max.

 

„Hallo Leute.“

 

„Max?“ kam es wie aus einem Munde.

 

Die Frau von vorhin trat ins Zimmer.

 

„Max wir müssen uns beeilen kommt ihr?“

 

„Ja Bell, wir kommen… also los Leute, kommt.“

 

„Könnest du uns mal erklären was los ist“, fuhr ihn Jule säuerlich an.

 

„Jule gleich, kommt bitte mit! Ich habe eine Überraschung für euch“, erwiderte Max freudestrahlend.

 

Die Drei folgten Max. Durch ein Gewirr von Gängen kamen sie in eine Tiefgarage.

 

„Bis gleich Max..“, sagte jemand und stieg in einen kleine Tourbus ein.

 

Jule zog an Max Jacke.

 

„War das nicht gerade…?“

 

„Ja, das war Bryan. Aber nun kommt schon. Bei Bell steht unser Wagen.“

 

Wortlos folgten die Drei Max und stiegen ein.

 

Bell reichte Max etwas und schloss die Tür.

 

„So bevor ihr noch hier mir wegsterbt, alles der Reihe nach.“

 

Max erzählte Jule, Nathalie und Richard, das erlebte von der Pause

 

„Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte auf die Party mit zu kommen. Ohne euch wollte ich nicht gehen, und Bell sagte ich solle euch mitnehmen.“

 

„Wow Max, das ist wohl das Aufregendste, was ich bisher gehört habe“, sagte Jule und lies sich in ihren Sitz zurückfallen.

 

„Ach so hier sind eure Ausweise, damit ihr euch überall unbehelligt bewegen könnt. Und Jule, Kian will dich nachher kennen lernen.“

 

„Kian? Wirklich? Hast du noch mehr Überraschungen auf Lager?“

 

„Jetzt wartet es doch erst mal ab.“

 

„Und was ist mit unseren Eltern die warten auf uns.“

 

„Hat Bell bereits geregelt. Sie hat meine Mutter angerufen, damit sie die anderen verständigen kann.“

 

Der Wagen setzte sich in Bewegung.

 

„Später werden wir dann nach Hause gebracht. Also alles kein Problem unsere Eltern wissen Bescheid und wir haben grünes Licht.“

 

„Du bist nicht wieder zu erkennen Max, weißt du das?“ sagte Richard.

 

„Wenn du den süßesten Jungen auf dir liegen gehabt hättest wärst du auch so.“

 

„Das glaube ich weniger“, meinte Richard und alle fingen an zu lachen.

 

*-*-*

 

Das Gejohle der Fans am Hotel war unerträglich. Sogar hinter den Fenstern des gepanzerten Wagens, war es noch deutlich zu hören.

 

„Das erleben wir jedesmal“, sagte Bell, und wartet ab, wenn wir anhalten, wird es noch schlimmer.“

 

„Vor dem Hotel?“, fragte Nathalie.

 

„Ja im Hotel findet die kleine Party statt auf dem Stockwerk der Jungs.“

 

„Und wie kommen wir dahin?“, wollte Max wissen.

 

„Na ihr steigt zusammen mit Westlife vor dem Hotel aus.“

 

„Oh Gott, ich weiß nicht ob ich das kann“, meinte Max.

 

„Max keine Sorge, die Jungs kümmern sich schon um euch, hat mir Kian versprochen.“

 

Jule bemerkte ein Funkeln in Max Augen. Sie rückte ein wenig näher zu ihm hin.

 

„Du Max?“

 

„Ja?“

 

„Sei nicht enttäuscht, wenn nichts zu Stande kommt.“

 

„Jule keine Sorge, ich erwarte nichts, es ist schön das Größte für mich einen Abend mit ihm zu verbringen.“

 

„Dann ist ja gut.“

 

Das Auto fuhr vor. Westlife war bereits da. Ein Blitzlichtgewitter ging auf sie hernieder.

„So jetzt gilt es und immer lächeln Jungs und Mädels.“

 

Bell stieg aus. Jule und Nathalie folgten ihr, dann Richard und zum Schluss Max. Bryan kam her und umarmte die beiden Mädels und führte sie Richtung Eingang.

 

„Du Jule ich sehe nur noch Sternchen vor lauter Blitzlicht.“

 

„Meinst du mir geht es besser Nathalie, bin nur froh, dass Bryan uns führt.“

 

Richard und Max ging es nicht besser. Max hatte weiche Knie am liebsten wäre er wieder ins Auto zurück gestiegen. Aber Nicki packte ihn an der Schulter und lenkte ihn zum Eingang. Endlich drinnen, erholten sie sich erst Mal von den Blitzen. Bell stand plötzlich wieder neben ihnen.

 

„In den Aufzug mit euch, bevor die Meute das Hotel stürmt.“

 

Die Vier liefen zum Aufzug.

 

„Ach Max“, rief ihnen Bell hinterher, „bevor ich es vergesse, du sollst noch mal zu Kian kommen, er hat die Suite 5. Und ihr anderen folgt einfach der Musik oben.“

 

Die anderen schauten Max grinsend an, der ihnen die Zunge heraus streckte.

 

„Was denn, seid ja nur neidisch.“

 

„Ich bestimmt nicht“, sagte Richard und sie gingen lachend zum Aufzug.

 

*-*-*

 

Max suchte die Suite. Er sah die goldene Fünf auf der Tür und atmete tief durch. Zaghaft klopfte er an der Tür.

 

„Come in!“

 

Er sammelte seinen ganzen Mut zusammen und öffnete die Tür. Ihm stockte der Atem, denn  Kian war nur mit einer knappen Shorts begleitet, rubbelte sich gerade mit einem Handtuch die Haare trocken.

 

„Hallo Max…, setz dich, ich bin gleich fertig. Und wie hat dir die Show gefallen?“

 

„Ich bin noch ganz hin und weg.“

 

„Wusste ich doch, dass ich meinen Kleinen aus der Fassung bringen kann.“

 

Meinen Kleinen, hatte er meinen gesagt, Max wurde es ganz anders. Kian schien Max Verfassung nicht entgangen zu sein und kam zu ihm her.

 

„He, Max was ist los?“

 

Kian stand nun jetzt direkt vor ihm.

 

„Ich wollte mich noch bei dir entschuldigen, wegen der Sache mit dem Liedwunsch.“

 

„Schon gut Max habe ich gerne getan. Aber ist es das wirklich?“

 

„Nein, aber ich weiß nicht wie ich es sagen soll.“

 

„Ist es so schwer?

 

„Ja, weil ich nicht weiß wie du darauf reagierst.“

 

„Versuch es doch einfach einmal.“

 

Max zögerte.

 

„Ich bin… ein Fan von dir… und habe… habe mich…“

 

Sein Atem stockte.

 

„Ich bin schwul und habe mich in die verliebt!“, rasselte er schnell herunter.

 

Einen Augenblick herrschte Stille. Max wollte aufstehen und gehen. Dicke Tränen rannen über seine Wangen.

 

„Ich finde es mutig von dir, dass du mir das sagst. Ich hätte das nicht fertig gebracht…..ich bin noch lange nicht so weit wie du.“

 

Max drehte sich entsetzt und verwirrt um.

 

„Was hast du gesagt?“

 

„Du hast schon richtig verstanden Max.“

 

„Du hattest doch jetzt drei Jahre eine Freundin.“

 

„Was hat es damit zu tun? Ich dachte immer, was sind das so blöde Hintergedanken, wenn ich als Jungs hinter herschaute.“

 

„Und was hat deine Meinung geändert?“

 

„Du!“

 

„Wie ich?“

 

„Als du so auf mir lagst und das Licht anging… dein Blick, wie verträumt du mich angeschaut hast. Als du dann noch ohne Hemmungen deinen Musikwunsch geäußert hast und ich deine Strahlen sah, die Energie dahinter spürte, hat es mich erwischt.“

 

„Inwiefern?“

 

„Du machst es einem auch nicht gerade leicht Max.“

 

Kian war mittlerweile fertig angezogen.

 

„Ich habe dir in die Augen geschaut, und bekam Schmetterlingen in den Bauch. Ich dachte was für ein süßer Kerl, genau das, von was ich immer träumte.“

 

„Aber… aber du kennst mich nicht, du konntest nicht wissen, dass ich schwul bin.“

 

„Kennst du das nicht…, man sieht jemand an, wechselt ein paar Worte und hat dann das Gefühl, diesen Gegenüber schon immer zu kennen und könnte ihm alles anvertrauen?“

 

Max nickte und Kian drehte sich zum Fenster.

 

„Und genau dieses Gefühl… habe ich bei dir verspürt“, hörte Max Kian leise sagen.

 

Max erhob sich und lief zu ihm. Vorsichtig legte er seine Hand auf die Schulter. Ein Zucken ging durch Kian`s Körper.

 

„Kian?“

 

Dieser drehte sich um. Tränen liefen ihm über die Wangen.

 

„Warum weinst du?“

 

„Weil ich glücklich bin…, aber gleichzeitig auch traurig.“

 

Max schaute ihn fragend an.

 

„Du hast Recht, ich konnte nicht wissen, dass du schwul bist. Alles das hier ist mehr, als ich mir je erhofft habe.“

 

Den Satz hatte Max vor geraumer Zeit ebenso gesagt.

 

„He, hör bitte auf sonst mache ich mit.“

 

„Bitte nicht Kleiner. Dein Gesicht ist so…“

 

Weiter kam er nicht mehr. Max gab ihm einen Kuss. Die Tür flog auf.

 

„He Kian. wo ble…ups Entschuldigung au weia.“

 

Max und Kian fuhren auseinander.

 

„Schon gut Nicki komm rein.“

 

Kian schaute auf den Boden, blieb aber dicht bei Max stehen.

 

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Nicki leise.

 

„Ja passt schon. Ich habe mich grad Hals über Kopf in den Kleinen da verliebt.“

 

Dabei lächelte er Max an. Nickis Lippen wandelten sich in ein breites Grinsen.

 

„Dann gratuliere ich mal Kian!“

 

Die beiden umarmten sich.

 

„Danke Nicki.“

 

Max bekam nur ein Kopfnicken hin.

 

„Dir auch“, meinte Nicki und streckte ihm die Hand entgegen, „wie heißt du überhaupt?“

 

Max“, kam es leise über seine Lippen.

 

„Herzlichen Glückwunsch und willkommen in der Westlife Familie.“

 

Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Nicki verschwand wieder. Sein Blick wanderte wieder zu Kian, der immer noch neben ihm stand.

 

„Um ehrlich zu sein, Max du warst nur der Auslöser, aber darüber unterhalten wir uns später, auf wir müssen hinüber.“

 

Er nahm Max an der Hand und zog ihn zur Tür.

 

*-*-*

 

„Wo steckt er denn schon wieder.“ meinte Jule.

 

„Der ist bei seinem Kian“, kicherte Nathalie, „Jule guck mal sind das nicht Lucy und Jess von No Angels?“

 

„Stimmt Nathalie und Ben hab ich auch schon gesehen“, sagte Jule und verrenkte sich den Kopf  um vielleicht noch jemand zu entdecken.

 

„Ben wo, den muss ich kennen lernen.“

 

„He langsam meine Kleine ich bin ja auch noch da“, sagte Richard eifersüchtig.

 

Nathalie zwinkerte ihm verliebt zu. Die Tür öffnete sich und Kian und Max kamen herein.

 

„Hallo ihr drei. Darf ich euch Kian persönlich vorstellen?“

 

Sie gaben sich einander die Hand.

 

„Das ist meine beste Freundin Jule, von der ich dir erzählt habe Kian.“

 

„Hallo Jule, freut mich dich kennen zu lernen. Du bist also diejenige, die auf unseren Max aufpasst.“

 

„Und du musst Kian sein, der meinem Kleinen hier den Kopf so verdreht hat.“

 

Kian wurde rot.

 

„Kian ich sagte dir ja, vor Jule musst du dich in Acht nehmen vor Jule. Sie sagt was sie denkt.“

 

„Das habe ich gemerkt.“

 

Jule grinste ihn frech an. Ich stellte noch Nathalie und Richard vor.

 

„So, hab ihr die Jungs schon richtig kennen gelernt?“, fragte Kian.

 

Nathalies Augen flammten auf und schüttelte verzaubert den Kopf. Anders konnte man ihren Zustand nicht nennen.

 

„Dann werden wir das mal nachholen, und ich sehe schon da gib es bestimmt noch mehr Leute, die ich euch vorstellen kann.

 

Nathalie und Richard folgten Kian, während Max und Jule etwas Abstand hielten.

 

„Und was wollte er von dir?“

 

„Was bist du wieder so neugierig.“

 

„Man, Max ich will so was wissen, wenn mein Freund mit einem Lächeln den Raum betritt, als hätte er gerade den Jackpot geknackt.“

 

„Vielleicht habe ich das ja.“

 

„Du meinst…?“

 

„Wir haben uns geküsst.“

 

„Jetzt bin ich baff.

 

War ich auch.“

 

Beide mussten lachen.

 

*-*-*

 

Der Abend verging schnell, viel zu schnell, wenn es um Nathalie ging.

 

„Sag mal ist Bravo Pflichtlektüre bei dir oder warum weißt du über die Leute so gut Bescheid hier“, wollte Richard wissen.

 

„Das ist allgemein Bildung mein lieber Richard“, sagte Jule.

 

Nathalie und Jule fingen laut an zu lachen, als Richard eine Grimasse zog.

 

„Ich denke wir werden langsam aufbrechen, es ist schon ein Uhr, wir sollten uns langsam verabschieden und dann nach unserem Wagen Ausschau halten“, meinte Jule.

 

Die drei anderen nickten ihr zu. Bell kam auf sie zu.

 

„Was ihr wollt schon gehen? Schade, na ja ich hoffe es hat euch gefallen. Ich besorg euch den Wagen und hol die Jungs zur Verabschiedung“, sagte Bell und verschwand.

 

„Ob die irgendwann mal Feierabend hat, das wäre kein Job für mich.“

 

Die Jungs kamen und verabschiedeten sich.

 

„Wir werden uns ja bald wieder sehen, Nathalie nicht so traurig sein.“

 

Nathalie schaute die anderen verdutzt an.

 

„Ähm wie meint ihr das?“

 

„Hat es Kian noch nicht erzählt?“ sagte Shane.

 

„Nein habe ich noch nicht, Shane jetzt ist die ganze Überraschung kaputt. Ich wollte es als Weihnachtsgeschenk  aufheben.“

 

„Ups sorry, wenn ich vorgegriffen habe.“

 

Kian wandte sich am Max.

 

„Wir haben uns gedacht, ob ihr nicht Lust hättet, nach Weihnachten zu uns nach Irland zu kommen und Silvester mit uns zu feiern.“

 

„Was……..? Wow. Irland.“

 

Die Vier fielen sich in den Arm und jubelten.

 

„Gerne.“

 

„Wir sind dabei.“

 

„Silvester in Irland“

 

„Megastark.“

 

Sie sprachen alle durcheinander.

 

„Da meine Familie ein großes Haus besitzt, könnt ihr alle bei mir unterkommen“, meinte Kian. Diese Überraschung schien gelungen. Max trat zu Kian.

 

„Warum das alles?“

 

„Weil ich mich in dich verliebt habe, mein Kleiner. Ich möchte dich an meinen freien Tagen um mich haben. Und weil ich deinen Freunden was Gutes tun wollte, habe ich sie eben mit eingeladen.“

 

Max sah Kian sprachlos aber lächelnd an.

 

Die Jungs von Westlife gruppierten sich noch mal und fingen ohne Musik noch mal den Song „Never Knew I Was Losing You“ zu singen. Alle Gäste reihten sich um sie. Max bekam Tränen in die Augen, als Kian beim dem Wort „Losing“ ihn anschaute.

Jule nahm ihn in den Arm. Der Song war kaum fertig, als die ganze Menge anfing zu jubeln und applaudieren.

 

„Eurer Wagen ist da“, meldete sich Bell zu Wort.

 

„Ich komm noch mit runter Bell, bleib du hier oben und amüsier dich noch ein wenig“,

 

„Danke Kian, bis später.“

 

Und weg war sie wieder. Sie stiegen gemeinsam in den Aufzug, der sie in die Tiefgarage bringen sollte.

 

„Hier ist meine Handynummer Max, wenn irgendetwas sein sollte, rufe mich an, okay?“

 

Max sah ihn mit seinen immer noch feuchten Augen an und nickte. Bevor sie unten in den Wagen stiegen, nahm Kian Max noch mal in den Arm.

 

„Vergiss mich nicht Kleiner, in zwei Wochen sehen wir uns. Dann haben wir genügend Zeit zum Reden oder andere Dinge.“

 

„Ich freu mich auf dich Kian und ich werde dich bestimmt nicht vergessen.“

 

Sie gaben sich eine Kuss. Max stieg ein und setzte sich in die Ecke. Beim raus fahren winkte Kian ihm ein letztes Mal zu und verschwand im Aufzug. Dicke Tränen kullerten Max über die Wangen.

 

„Oh Mann hat es dich erwischt“, meinte Richard.

 

Sogleich füllte er einen Schmerz in der Rippengegend. Nathalie hatte ihm in die Seite gehauen.

 

„Wie kann man nur so unsensibel sein als Mann. Ich werde die Männer nie verstehen.“

 

Jule strich sanft über Max`s Haar. Er schaute nach draußen und dachte an Kian.

 

*-*-*

 

„Bin ich froh wenn diese Woche rum ist. Keinen Tag länger wollte ich zur Schule gehen dieses Jahr.“

 

„Ach Richard die paar Tage bekommst du auch noch vorbei. Und dann haben wir zwei Wochen Ferien.“

 

„Stimmt Max. Und dann noch Weihnachten und dann ab nach Irland.“

 

„Da wäre ich mir nicht so sicher.“

 

„Was?“

 

„Ach meine Mutter macht Stunk. Sie hat Angst um mich.“

 

„Warum das denn?“

 

„Sie glaubt ich wäre einem reichen Jüngelchen auf den Leim gegangen. Sie will mich nicht fortlassen.“

 

„Hey du bist jetzt achtzehn Jahre alt, da kannst du doch machen, was du willst.“

 

„Du magst mich jetzt zwar für altmodisch halten, aber ich horche meiner Mutter wenn sie etwas will.“

 

„Na ja. Also bis morgen in der Schule.“

 

„Bye Richard.“

 

*-*-*

 

„Hallo Mum, ich bin zu Hause.“

 

„Hallo Max, hast du Hunger?“

 

„Ja habe ich Mum, wie ein Bär.“

 

„Gut komm, ich bin gleich fertig mit dem Essen.“

 

Still schweigend saßen sie am Tisch und aßen.

 

„Max, zieh nicht so ein Gesicht. Ich mein es doch nur gut mit dir.“

 

„Ist gut Mum.“

 

Max wollte nicht reden. Seit dem Konzert lag seine Mutter ihm wegen der Irlandreise in den Ohren.

 

An der Tür klingelte es.

 

„Erwartest du jemanden Max?“

 

„Nein, nicht das ich wüsste.“

 

„Na ja. dann werde ich mal Nachsehen.“

 

Marianne lief zur Tür und öffnete. Der Postbote.

 

„Hallo Frau Kehrer hier ist ein Telegramm für Ihren Sohn.“

 

„Kann ich unterschreiben?“

 

„Aber natürlich, bitte hier an der Linie.“

 

„Danke und auf  Wiedersehen.“

 

Marianne schloss die Tür und lief zurück zur Küche.

 

„Wer war es denn?“

 

„Die Post.“

 

„Die Post? Die ist aber heute spät dran.“

 

Marianne trat in die Küche.

 

„Sie war ja auch schon durch. Nein hier dieses Telegramm ist für dich gekommen.“

 

„Ein Telegramm für mich?“

 

Max sah seine Mutter staunend an. Er nahm ein Messer und öffnete es. Es war von Kian.

 

Hallo Kleiner,

 

melde dich doch bitte. Du rufst nicht zurück und lässt meine SMS unbeantwortet. Was ist los?

 

Dein Kian

 

Max ließ das Telegramm fallen und stand auf. Er lief in sein Zimmer und schloss sich ein.

 

„Max? Was ist los?“, rief seine Mutter hinterher, aber sie bekam keine Antwort.

 

*-*-*

 

„Hallo Jule.“

 

„Hallo Marianne, warum rufst du denn an?“

 

„Könntest du bitte kommen?“

 

„Oje, das hört sich nicht gut an! Was ist passiert?“

 

„Ach ich habe Max gesagt, dass er nicht mit nach Irland soll, weil ich nicht haben will dass er zum Spielball von diesem Sänger wird. Und heute kam ein Telegramm, Mein Englisch ist noch nicht so gut, es ist aber von diesem Kian. Max hat es gelesen, es fallen lassen und sich danach in sein Zimmer eingeschlossen. Er antwortet nicht, wenn ich ihn rufe.“

 

Jule seufzte durchs Telefon.

 

„Gut mach nichts Marianne ich komme sofort.“

 

*-*-*

 

Etwa zwanzig Minuten später klingelte es an der Tür.

 

„Du warst aber schnell, hallo Jule.“

 

„Nein meine Mutter hat mich gefahren, sie parkt nur noch ein dann kommt sie hoch.“

 

„Hast du Verstärkung notwendig.“

 

„Das weiß ich noch nicht. Wo ist das Telegramm?“

 

„In der Küche, komm herein.“

 

Jule legte ihre Jacke ab und folgte Marianne.

 

„Hier Jule, das ist vorhin gekommen.“

 

Jule nahm es und lass es durch.

 

„Hallo ist jemand da?“

 

„Christine? Wir sind in der Küche.“

 

„Hallo Marianne. Schon wieder Familienkonferenz? Das wird langsam zur Gewohnheit deines Sohnes.“

 

„Tut mir leid Christine.“

 

„Ihr zwei wieder.“

 

Marianne und Christine schauten Jule erstaunt an.

 

„Der liebe Max ist verliebt. Dass erste Mal so richtig in seinem Leben. Aber er hört lieber auf seine Mutter, weil er sie nicht verletzten will und verzichtet auf diese Liebe.“

 

„Und… das steht da alles in dem Telegramm?“, fragte Marianne und setzte sich.

 

„Ach Quatsch. Das ist ein verzweifelter Hilferuf von Max`s Freund Kian. Max hat sich anscheinend nicht mehr bei ihm gemeldet“, erwiderte Jule.

 

„Da hab ich wohl was falsch eingeschätzt.“

 

Jule setzte sich zu Marianne an den Tisch.

 

„Ich glaub ich mach jetzt Kaffee. Marianne darf ich?“

 

„Ja Christine, du weißt ja wo alles steht.“

 

Sie wandte sich Jule zu.

 

„Marianne ich weiß nicht was da am Konzertabend vorgefallen ist. Ich habe nur die Hälfte mitgekriegt. Aber was ich gesehen habe, wie sehr verliebt die zwei sich angetan waren.“

 

„Das geht aber alles so schnell.“

 

„Marianne“, Christine mischte sich in das Gespräch ein, „hast du noch nie was von Liebe auf den ersten Blick gehört?“

 

„Doch schon.“

 

„Aber?“

 

„Ich werde nicht richtig mit dieser Situation fertig. Max ist immer noch mein kleiner Junge den ich aufgezogen habe. Und jetzt will er in die weite Welt hinaus um einen total Fremden wieder zusehen.“

 

„Wäre es was anderes, wenn es ein Mädchen wäre?“

 

„Ach Quatsch!“

 

„Ist das der Geldbeutel von Max?“

 

„Ja, aber was willst du mit dem?“

 

„Moment.“

 

Jule durchsuchte Max`s Geldbeutel.

 

„Jule das ist fremdes Eigentum so was macht man normalerweise nicht“, ermahnte Christine ihre Tochter.

 

„Wenn es Max hilft ist es egal. Ah da ist sie ja. Die Nummer von Kian.“

 

„Was hast du vor Jule?“

 

„Ich weiß es selber noch nicht so recht. Marianne wo steht das Telefon?“

 

„Im Wohnzimmer…?“

 

„Trinkt ihr euren Kaffee ich komme gleich wieder“, sagte Jule und verschwand.

 

„Ich glaub dass wird teuer…“, meinte Christine und stellte die Tassen ab.

 

*-*.-*

 

Am Wochenende…

 

„Hey Sohn wie lange willst du noch schlafen, es gibt schon Mittagessen.“

 

„Oh man Mum lass mich schlafen.“

 

„Wenn du willst, esse ich halt alleine. Ach übrigens da ist ein Brief aus Irland angekommen.“

 

Max war blitzschnell wach, und sprang aus dem Bett.

 

„Wo?“

 

Seine Mutter winkte mit dem Umschlag. Max riss ihr ihn förmlich aus der Hand.

 

„Okay dann geh ich schon mal, in einer halben Stunde gibt es Essen.“

 

„Okay Mum.“

 

Er öffnete das Kuvert und zog zwei Blätter heraus.

 

Hallo mein Kleiner,

 

du machst ja Sachen. Als Jule mich angerufen hat und mir alles erklärt hat, war mir sofort klar, das ich dir schreiben muss, denn an das Telefon gehst du ja nach wie vor nicht.

Ich finde es rührend wie du zu deiner Mutter stehst und ihre Meinung respektierst. Aber hast du nicht was vergessen. Es geht alleine nur um dich. Um uns! Ich weiß nicht was uns die Zukunft bringen wird, aber ich weiß das ich mich unheimlich verliebt in dich habe.

Du fehlst mir wahnsinnig, obwohl unsere Zweisamkeit nur kurz war. Ich weiß es klingt verrückt, nach einem Tag schon solche Gefühle zu hegen. Aber sei ehrlich dir geht es doch genauso, oder?

Meine Gefühle für dich sind echt. Und ich möchte mir die Zeit nehmen, diesen lieben Menschen, der mich so lieb in der Tiefgarage in München geküsst hat, näher kennen zu lernen. Gib mir die Chance und schlag es mir nicht aus.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber zum ersten Mal, empfinde ich eine Leere vor Weihnachten. Mir fehlt etwas. Du fehlst mir. Den ganzen Tag kann ich an Nichts anderes Denken. Sämtliche Ablenkungen der Jungs helfen nichts.

Und seit wir von der Tournee Pause machen, ist es noch schlimmer geworden, weil ich plötzlich zu viel Zeit habe für mich. Ich habe dir ein Bild mitgeschickt, das wenn du willst, bei dir aufstellen kannst.

Es ist ein privates, und in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Alleine für dich.Am Freitagabend steht in München ein Privatjet bereit, der sechs Personen mitnehmen soll. Ja sechs! Deine Mutter und die Mutter von Jule sind auch eingeladen.

Irgendwann sollte ich ja auch mal meine Schwiegermami kennen lernen. Aber Spaß beiseite, du siehst es ist mir ernst. Und wenn du nicht kommst, dann hole ich dich selber. Damit du deiner Mutter diesen Brief zeigen kannst, habe ich es in Deutsch übersetzen lassen und bei gelegt.

 

Dein Kian

 

..der dich unheimlich vermisst!!!!!!!

 

Max standen die Tränen in den Augen. Er zog das Bild aus dem Umschlag. Kian mit einem süßen Lächeln und wirren blonden Haaren. Er stand auf und zog sich an. Er lief zur Küche und setzte sich an den Tisch.

 

„Was ist?“

 

Max gab wortlos seiner Mutter die Übersetzung. Marianne lass den Brief. Sie hob den Kopf.

 

Du meinst, ich soll wirklich mit fliegen nach Irland zu deinem Kian?“

 

„Mum es wäre mir sehr wichtig, komm mit bitte.“

 

*-*-*

 

„Soll ich wirklich die ganzen Pullis mitnehmen Max?“

 

„Mum wie oft hab ich dir schon gesagt, bei Kian in Irland liegt Schnee. Oder willst du dich in Irland neu einkleiden.“

 

„Wäre nicht mal eine schlechte Idee.“

 

„Mumm!“

 

„Schon gut Max. Und die anderen kommen uns abholen?“

 

„Ja wir fahren mit Christine zum Flughafen. Aber beeile dich jetzt sie kommt in zehn Minuten.“

 

„Oh Gott, ich bin doch nicht fertig“

 

„Mütter.“

 

Es klingelte an der Tür.

 

„Das werden sie sein ich mach auf.“

 

Max öffnete die Tür und wollte schon Christine und Jule in Empfang nehmen, als…

 

„Kian!“

 

„Hallo mein Kleiner.“

 

„Du …?“

 

„Ja ich hole dich lieber selber ab. Bin mit dem Privatjet schon eine Stunde früher her geflogen. Dachte bevor du es dir doch anders überlegst…, soll ich hier warten.“

 

„Sorry Kian ich hab mit allem gerechnet, nur nicht mit dir, komm rein. Und vor allem komm mal her…“

 

Max zog Kian an sich umarmte ihn und gab ihn einen langen sinnlichen Kuss.

 

„Wow, hast mich wohl doch sehr vermisst…“

 

„Und wie Kian.“

 

„Na ja, jetzt hast du mich ja wieder.“

 

„Ja endlich…“

 

Max gab ihm noch einen Kuss.

 

„Ich will ja nicht stören Max, aber…“

 

Max und Kian fuhren auseinander.

 

„Sorry Miss Kehrer.“

 

Kian ging zu Max`s Mutter und streckte ihr die Hand entgegen. Sie schüttelte ihm die Hand

 

„Das ist also der junge Mann, der dir so den Kopf verdreht hat. Geschmack hast du ja, er sieht wirklich gut aus.“

 

„Mum.“

 

Kian schaute Max fragend an. Max übersetzte ihm, was seine Mutter gerade zum Besten gegeben hat, worauf Kian rot anlief. Max musste Lachen.

 

„Komm hilf mir mit dem Koffer, ich bin fertig.“

 

Im Flur war Getrampel zu hören. Es waren Jule und Christine, sie waren schon wieder beim diskutieren.

 

„Ja Mama habe ich eingepackt. Ich habe alles dabei. Und was ich nicht dabei haben sollte, was soll’s.“

 

„Hallo Jule Hallo Christine.“

 

„Hallo Max, wem gehört denn die Limousine vor dem Haus?“

 

„Dem hier“, sagte Max und zog Kian vor sich.

 

„Kian, hello“, Jule fiel Kian um den Hals, „what do you doing here?“

 

„Er wollte sicher gehen, dass ich auch wirklich mit komme“, beantwortete Max Jules Frage zu Kian.

 

„Das ist also der Junge, weswegen wir jetzt zwei Wochen Aufregung hatten“, sagte Christine.

 

„Ja Mama, darf ich dir Kian vorstellen. Kian this is my Mother Christine.“

 

„Gut Tag Christinä.“

 

„Du kannst deutsch“, fragte Max seinen Freund verwundert.

 

„Nur ein paar Worte Max, die Aussprache für mich doch schwierig ist. Aber ich denke wir müssen los. Jule sag deiner Mutter, wir laden das Gepäck um, wir fahren alle mit meinem Wagen.“

 

Die Koffer wurden herunter getragen und verladen und umgeladen. Dann ging es Richtung Flughafen.

 

*-*-*

 

„An so eine Limousine könnte ich mich gewöhnen“, meinte Christine.

 

„Da hast du Recht, Christine und schau wie das Auto ausgestattet ist“, meinte Marianne und sah sich weiter um.

 

Am Flughafen war die Begrüßung mit Richard und Nathalie genauso herzlich. Kian und Max kümmerten sich um das Gepäck. Während Richard und Nathalie sich von ihren Eltern verabschiedeten.

Und schon ging es los. Der Jet rollte über die Startbahn, und erhob sich in die Luft. Auf nach Irland.

 

„Na mein Kleiner glücklich?“

 

„Ja Kian. Ich wollte mich noch mal bedanken.“

 

„Wofür denn Max?“

 

„Es hat in meinem Leben sich noch nie jemand um mich bemüht, wie du. Schon dein Brief hat mir gezeigt, wie ernst du es meinst. Ich bin eben einfach glücklich mit dir. Am liebsten würde ich die Zeit anhalten und diesen Moment genießen so lange ich kann.“

 

„Zeit anhalten? Ich glaube da würdest du einiges verpassen.“

 

„Du machst mich neugierig.“

 

Kian lächelte.

 

„Lass dich überraschen, du wirst schon sehen.“

 

Es folgte ein langer Kuss.

 

„Sind sie nicht ein Traumpaar, dein Kleiner und dieser Kian?“

 

„Ach ich weiß nicht.“

 

„Was ist Marianne?“

 

„Im Augenblick ist alles schön und gut. Aber was ist wenn der Alltag die beiden einholt. Kian geht weiter auf Konzerttournee und Max muss wieder in die Schule. Was wird dann wenn sie sich ewig nicht sehen. Ich habe Angst um Max, dass er die langen Trennungen nicht standhält und es ihm das Herz bricht.“

 

„Marianne, malst du nicht ein bisschen schwarz? Ich verstehe deine Ängste. Aber vertraue deinem Jungen. Er wird es schon irgendwie hinbiegen. Und es gibt ja auch noch andere Ferien. Und nun lass nicht die Löffel hängen, sondern genieße diesen exklusiven Kurzurlaub.“

 

„Du hast Recht Christine ich weiß gar nicht mehr was es ist Urlaub zu machen. Und Max! Ich muss einfach mehr vertrauen zu ihm haben.“

 

„Recht so, und nun stoß mit mir an, wann kriegen wir schon mal Champagner serviert.“

 

Die Beiden prosteten sich zu.

 

„Meine kleine Schwester Jessica war ja so neidisch, als sie hörte dass ich zu Westlife nach Irland fliege.“

 

„Jule muss ich mir jetzt Sorgen machen um meine Nathalie?“

 

Jule grinste.

 

„Richard ich würde auf jeden Fall raten, mal auf sie aufpassen, Soviel ich weiß ist ja auch Mark noch solo.“

 

„Jule, du…“, weiter kam Nathalie nicht, weil Richard ihr den Mund zu hielt.

 

„Ich nehme jetzt die Hand weg und gebe dir einen Kuss und ich will keine Ton hören, okay?“

 

Nathalie nickte und Jule musste grinsen.

 

„Da muss ich wohl auf euch beide nicht aufpassen.“

 

*-*-*

 

Der Flug verlief ruhig, ebenso die Landung in Dublin. Die Formalitäten am Zoll gingen recht zügig voran, schnell konnten sie auschecken.

 

„Und wo geht es hin?“ wollte Max von Kian wissen.

 

„Draußen müssen schon zwei Wagen bereit stehen. Wir fahren erst Mal zu mir nach Hause.“

 

„Habt ihr denn soviel Platz? Wir sind sechs Personen.“

 

„Haben wir. Habe dir doch erzählt, dass meine Oma eine kleine Pension hat und das liegt direkt neben meinem Elternhaus. Und für dich ist ja wohl klar wo du schläfst“, bemerkte Kian mit frechen Grinsen.

 

Max wurde rot. Die Wagen standen vor dem Flughafen bereit. Ein freundlich strahlender Mann kam auf sie zu. Er sah aus wie Kian nur um einiges älter.

 

„Darf ich euch vorstellen, das ist mein Vater.“

 

„Hätte ich jetzt nicht gedacht, ihr habt ja auch gar keine Ähnlichkeit mit einander“, meinte Jule grinsend.

 

„Guten Abend, meine Herrschaften“, kam es von Kians Vater im perfekten Deutsch.

 

„Sie sprechen Deutsch, Mr. Egan?“ sagte Marianne erstaunt.

 

„Ja im Gegensatz zu meinem Sohn schon, meine Mutter ist Deutsche“, entgegnete er.

 

„Bei ihr werden sie auch wohnen, sie hat eine kleine Pension direkt neben unserem Haus.“

Kian sah Max fragend an.

 

„Tja ich denke du musst deutsch lernen, es wird dir nichts anderes übrig bleiben“, meinte Max zu Kian.

 

Alle fingen an zu lachen, nur Kian schaute ein wenig betrübt.

 

„He Großer nicht traurig sein, das wird schon.“

 

„So Kian John Francis Egan, wärst du so nett und würdest du mir deine Freunde mal vorstellen.“

 

„Francis?“

 

Max musste grinsen. Kian verdrehte die Augen.

 

„Natürlich Dad. Das ist Jule, Nathalie und Richard, Jules Mutter Christine und hier Max`s Mutter Marianne.“

 

Nacheinander schüttelte Kians Vater die Hände.

 

„Zu guter Letzt und das ist Max!“, sagte Kian stolz.

 

„Du bist also der Grund, warum wir die letzten zwei Wochen solche Höllenqualen erleiden mussten?“

 

„Bei Ihnen war das genauso?“, fragte Max`s Mutter.

 

Mister Egan nickte grinsend. Kian und Max wurden rot. Alle lachten und stiegen ein.

 

*-*-*

 

„Wow und hier soll ich die nächsten Tage schlafen.“

 

„Ja und direkt neben mir“, sagte Kian.

 

„Du weist ja gar nicht,  ob ich das will.“

 

„Was?“

 

Kian packte Max und schmiss ihn aufs Bett. Max musste laut lachen, als Kian ihn anfing zu kitzeln.

 

„Hör auf… haha, ich kann… haha ich kann nicht mehr… haha…“

 

An der Tür klopfte es. Kian ließ von Max ab.

 

„Come in.“

 

Es öffnete sich die Tür und eine Frau betrat das Zimmer.

 

„Mum. Komm herein ich will dir Max vorstellen.“

 

„Wird ja auch langsam Zeit. Du bist also Max?“

 

„Ja Miss Egan.“

 

„Ich freue mich sehr dich kenne zu lernen. Besonders weil du so einen guten Einfluss auf unseren Großen hast.“

 

Max schaute Kian fragend an. Er wurde rot.

 

„Seit Kian dich kennt, ist es hier viel familiärer wieder geworden. Er redet wieder mit uns, hat mehr Zeit mit uns zu verbringen. Das war bis vor kurzen nicht so. Da war er noch total verschlossen und abweisend.“

 

„Mum.“

 

„Kian, Tatsachen darf man sagen, oder Max?“

 

Max konnte nur nicken.

 

„So jetzt lasse ich euch aber noch ein bisschen alleine. Kommt aber pünktlich zum Essen.“

 

„Ja Mum.“

 

Sie ging und verschloss die Tür hinter sich.

 

„Mensch Kian ich habe noch was für dich“, sagte Max und rannte zu seiner Tasche.

 

Er zog ein großes Paket heraus.

 

„Wirklich für mich?“

 

„Ja.“

Kian riss das Geschenkpapier herunter und ein großer Bilderrahmen kam zum Vorschein. Ein großes Bild in der Mitte und viele kleine Bilder darum verteilt, alle von Max zierten es.

 

„Richard hat mir geholfen, der hat einen PC, da ging das dann leicht.“

 

„Mensch danke Max. Wow. Wo hänge ich das nur hin?“

 

„An dein Bett?“, sagte Max und grinste.

 

„Apropos Computer. Hier ist mein Geschenk für dich Max“, meinte Kian und reichte ihm einen Umschlag.

 

Max öffnete ihn.

 

„Das ist für mich, man Kian, dass kann ich nicht annehmen, das ist viel zu teuer.“

 

„Mach dir keine Gedanken wegen dem Geld, davon habe ich genug. Ich habe dir den PC gekauft, damit du per Internet immer mit mir in Verbindung bleiben kannst.“

 

„Deswegen warst du so früh in Deutschland, du hast mir einen PC gekauft.“

 

„Genau, wenn du wieder zu Hause bist, kannst du ihn abholen, aber davon wollen wir jetzt nicht reden, bist ja erst angekommen.“

 

„Danke Kian“, sagte Max und fiel Kian um den Hals.

 

„Könnten wir das später ins Bett verlegen?“

 

Max wurde rot.

 

„Du Kian …. ich habe noch nie…..du weißt schon.“

 

„Max keine Sorge, für mich ist es auch das erste Mal, deswegen wollen wir auch nichts überstürzen.“

 

„Danke Kian.“

 

„Aber nun los Max, wir müssen runter zum Abendessen. Sonst bekommen wir ne Standpauke von meiner Großmutter. Die hasst es wenn man unpünktlich ist.“

 

„Ist halt eine Deutsche“, erwiderte Max grinsend und folgte Kian aus dem Zimmer.

 

*-*-*

 

Max hatte mit allem gerechnet, nur nicht, dass er heute Abend deutsche Speisen vorgesetzt bekam. Kian schien das nicht zu stören, er aß alles mit Heißhunger in sich hinein. Es war klar, wer hier das Sagen beim Kochen hatte. Kian schien recht deutsch erzogen worden zu sein. Nur mit der Sprache da haperte es.

 

„Das Essen hat toll geschmeckt, Miss Egan.“

 

„Wieso schmeckt es zu Hause nicht so gut, Max?“, fragte sie mit einem Lächeln.

 

„Pass auf was du sagst“, meinte Nathalie und schaute zu Marianne.

 

„Ach wissen sie Miss Egan, wenn man Hunger hat isst man alles.“

 

Warte ab, wenn wir zu Hause sind, Bürschchen“, sagte Marianne.

 

„Wieso streikst du dann?“

 

„Nein, aber du kannst dich dann ums Essen kümmern.“

 

„Menno, Mutti du bist doch die Beste!“

 

„Auf einmal. So nicht!“

 

Marianne spielte die empörte. Jule merkte, dass Kian die ganze Zeit ein wenig abwesend war, sie wusste auch warum.

 

„Du Kian, ich habe da einen Vorschlag für dich.“

 

„Einen Vorschlag?“

 

„Ja. Max soll dir ein bisschen Deutsch beibringen, und du ihm dafür das Tanzen.“

 

„Warum tanzen?“

 

„Hör auf Jule, sei ruhig!“, sagte Max.

 

„Max hat zwar Taktgefühl und ich sage auch eine super Stimme, aber wenn es ums tanzen geht… einfach schrecklich.“

 

„Also da muss ich Jule recht geben, da kann sogar Richard besser tanzen“, sagte Nathalie.

 

„Ihr Verräter, habt ihr euch jetzt alle gegen mich verschworen?“

 

„Alle?“, fragte Christine, „ich habe nichts gesagt.“

 

„Und ich auch nicht“, meinte Richard um seinen Senf auch dazu zugeben.

 

Alle fingen an zu lachen, Jule übersetzt Kian alles und er begann ebenfalls herzlich zu Lachen.

 

„Was du fällst mir auch in den Rücken, das ist ja nicht zu fassen“, sagte Max und zog einen Schmollmund.

 

„Im Chat würde die dich, mit dem Schmollmund „Zicke“ nennen“, sagte Richard um noch eins oben drauf zu setzten.

 

Das Lachen nahm kein Ende.

 

Kian nahm Max in den Arm, „mach dir keine Sorgen Kleiner, ich habe da schon eine Idee“, und verschwand aus dem Zimmer.

 

Kians Vater meldete sich zu Wort.

 

„Ihr habt euch sicherlich gefragt, was Silvester geplant ist. Es ist schon seit einiger Zeit  so Brauch, eigentlich seit es Westlife gibt, das die fünf Familien der Gruppe und ihre engen Freunde, Silvester zusammen feiern. Dazu seid ihr alle recht herzlich eingeladen.“

 

„Singen da die Jungs auch?“ wollte Marianne wissen.

 

„Natürlich, ein paar Einlagen kommen bestimmt“, erwiderte Kians Vater.

 

„Das ist toll. Dann kann ich endlich mal sehen, worauf…, wie nennt man das… ach ja worauf mein Sohn so abfährt.“

 

Und wieder ging das Lachen los.

 

*-*-*

 

„Was hast du?“, fragte Max schockiert.

 

Kian schloss die Tür seines Zimmers. Max war sauer.

 

„Langsam Max, lass dir doch erklären.“

 

„Ach was Kian, wie stellst du dir das vor. Ich bin nicht so mutig wie du, kann nicht einfach auf die Bühne stehen und singen und tanzen.“

 

„Max…“, Kian nahm Max fest in den Arm, „hör auf dich so runter zu machen. Du bist mutiger als du denkst.“

 

Kian sah ihm tief in die Augen.

 

„Ach hör auf, du weißt genau, dass ich diesen Blick nicht standhalten kann.“

 

Max warf sich aufs Bett.

 

„He mein Kleiner. Jetzt höre mir mal genau zu.“

 

Kian setzte sich zu Max aufs Bett.

 

„Als Jule vorhin das mit dem tanzen brachte, hatte ich halt die Idee, dass du an Silvester mit uns auf die Bühne gehst, für ein oder zwei Lieder. Es sind doch nur Verwandte oder Freunde.“

 

„Ich weiß nicht Kian, wie wollt ihr das so schnell mit mir hinkriegen?“

 

„Das hört sich schon besser an, Max. Also wir haben ausgemacht, dass wir zwei kleine Proben vor Silvester machen. Bryan meinte du könntest eine Ballade mitsingen und bei etwas Schnellerem mit tanzen.“

 

„Du meinst ich schaffe das?“

 

„Ja, wir schaffen das. Wir!“

 

„Kian.“

 

„Ja.“

 

„Ich liebe dich.“

 

„Ich dich auch.“

 

Beide fielen sich in die Arme und sanken aufs Bett.

 

*-*-*

 

„Ob die zwei noch rüber kommen.“

 

„Klar Jule, Max hat es doch versprochen“, meinte Richard.

 

„Bist du naiv, Richard, also wenn ich so einen süßen Boy im Arm hätte, würde ich auch nicht aus dem Bett wollen.“

 

„Ah, ich bin dir wohl nicht mehr süß genug.“

 

Richard spielte den Beleidigten.

 

„Ich bin nicht naiv, sondern beleidigt, Nathalie.“

 

Jule lag auf dem Boden und kriegte sich nicht mehr ein. Nathalie kniete sich vor Richard.

 

„Wirst du mir noch mal verzeihen können?“

 

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür und Kian und Max traten ein.

 

„Ähm Richard? Mit wem bist du noch mal zusammen?“, fragte Kian grinsend.

 

Jule lachte Tränen.

 

„Dürften wir den Grund eures Heiterkeitsausbruches wissen?“, fragte Max.

 

„Ihr!“

 

„Oh ich wusste nicht dass wir solche Witzfiguren abgeben.“

 

Jule rappelte sich wieder auf und setzte sich wieder an den Tisch.

 

„Oh, Oma hat wieder ihren berühmten Glühwein gemacht, wollt ihr einen? Oder darf ich euch zuvor noch einen anderen Vorschlag machen?“

 

„Vorschlag?“, fragte Max, „wie viele Überraschungen hast du denn noch auf Lager?“

 

Kian bekam ein breites Grinsen.

 

„Sagen wir einmal so, wenn ihr nach Hause fahrt, werdet ihr die schönsten Tage eures Lebens erlebt haben.“

 

„Jetzt spann uns nicht so auf die Folter, sag uns endlich, was du  ausgeheckt hast.“

 

„Ihr zieht euch jetzt warm und dick an, und dann laufen wir zu einem Nachbarn. Dort wartet eure Überraschung.

 

„Also gut Leute anziehen, Hopp… Hopp“

 

Max und Kian liefen hinüber ins Elternhaus um ihre Sachen zu holen.

 

„Du Max, ich habe da noch eine Kleinigkeit für dich, ich weiß es ist ein bisschen früh dafür, aber ich möchte es dir gleich geben.“

 

Kian zog ein kleines Kästchen aus der Tasche und gab es Max. Er nahm es und öffnete es vorsichtig. Ein goldener Ring kam zum Vorschein.

 

„Für mich?“

 

Max bekam leuchtende Augen. Kian nahm ihn heraus, und steckte ihn an Max`s Ringfinger und gab ihm ein Kuss.

 

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“

 

„He kleiner Schatz, ich weiß von Jule, dass du und deine Mutter es oft nicht leicht hattet, und ich möchte einfach, dass deine Tage hier unvergesslich werden!“

 

Max liefen die Tränen über die Wangen.

 

„Kian, deswegen brauchst du mir doch aber nicht so etwas Teureres schenken. Ich bin glücklich, dass ich einfach bei dir sein darf, aber danke für den Ring, er bedeutet mir viel!“

 

„Danke Max, aber jetzt komm, die anderen warten.“

 

„Du willst mich heute wohl überhaupt nicht zur Ruhe kommen lassen.“

 

„Nein hatte ich eigentlich nicht vor“, sagte Kian grinsend.

 

Sie rannten die Treppe hinunter.

 

„Dad, wir sind dann beim Schlittenverleih. Bye.“

 

„Bye Jungs, viel Spaß noch.“

 

„Schlitten?“

 

Kian lachte, „lass dich doch überraschen.“

 

*-*-*

 

„Wow“, brachte Jule nur heraus.

 

Vor ihnen stand ein großer Schlitten, dem zwei Pferde vorgespannt waren.

 

„Los steigt ein, mir wird langsam kalt“, sagte Kian.

 

Er und Jule nahmen Max zwischen sich und Richard und Nathalie setzten sich gegenüber hin. Mit weichen Decken kuschelten sie sich alle ein. Der Schlitten setzte sich in Bewegung und fuhr in den dunklen Wald.

 

„Und ihr zwei, gibt es etwas Neues? Ihr strahl…, man muss fast eine Sonnenbrille anziehen“, kam es von Jule.

 

Max schaute auf Kian und dieser nickte. Darauf zog er seinen Handschuh aus und hob Jule seinen Ring vor das Gesicht.

 

„Wow, herzlichen Glückwunsch. Max.“ Jule umarmte Max.

 

„Und bist du glücklich?“

 

„Und wie.“

 

„Habe ich wieder einmal was verpasst?“, fragte Richard.

 

„Man Schatz, bist du so schwer von Begriff? Max und Kian sind jetzt ein festes Paar“, sagte Nathalie, herzlichen Glückwunsch ihr beiden.“

 

„Ups, da werde ich mich wohl anschließen“, sagte Richard verlegen.

 

„Und wie stellt ihr euch beiden jetzt die Zukunft vor?“, fragte Jule.

 

Jule, wie immer frech und frei heraus.

 

Kian kam Max zuvor.

 

„Also die Jungs wissen natürlich Bescheid und unsere Eltern natürlich auch.“

 

„Und jemand anderen wollten wir noch nicht einweihen, und was die Zukunft bringt…“sagte Max.

 

„ …wissen wir noch nicht!“, beendete Kian den Satz.

 

„Wir wollen nur nicht an die Öffentlichkeit, mit Rücksicht auf die Jungs, damit die Gruppe keinen Schaden nimmt.“

 

„Und wann werdet ihr euch wieder treffen“, setzte Jule nach.

 

Kian nahm Max`s Hand fest in seine.

 

„Ich denke Max und ich werden uns die nächste Zeit aufs telefonieren beschränken müssen oder auch mailen. Im März ist aber in Deutschland eine Preisverleihung und ich denke, da werden wir uns wieder sehen und ich hoffe natürlich, dass ihr mitkommt. Ich weiß wie wichtig für Max seine Freunde sind.“

 

„Gerne, ich denke in Zukunft werden wir noch viel zu sehen bekommen, dank unserem Max.“

 

„Schlimm?“

 

„Ach wo Max, wie kommst du darauf? Wenn ich daran denke, was ich in den letzten sechs Wochen alles passiert ist, also ich möchte das nicht mehr missen. Und jetzt genieße ich mal deine Schlittenfahrt.“

 

„Du hast Recht Jule, das haben wir noch nie gemacht, obwohl wir aus einer Gegend kommen, wo es diese Schlitten wie Sand am Meer gibt“

 

„Strand? Da wäre ich jetzt auch gerne“, gab Richard von sich.

 

Alle fingen an zu Lachen.

 

*-*-*

 

„Langsam Bryan. Den letzten Schritt habe ich jetzt nicht ganz so mitgekriegt.“

 

„So und dann so, ja genau du lernst sehr schnell Max, prima.“

 

„Ich habe auch fünf tolle Lehrer!“

 

„So jetzt alles noch mal, aber mit Musik“, meinte Bryan, „machst du das Band an Shane?“

 

„Ok Bryan.“

 

Shane lief zur Anlage und startete das Band.

 

Bop,  Bop  Baby

 

Bryan fing an zu singen und der Rest dahinter ihre Schrittfolge. Dann sang Max mit Kian seinen Part.

 

„Macht das einen Spass“, sagte Max völlig außer Puste, „aber so einen ganzen Abend, ein ganzes Konzert, wie schafft ihr das?“

 

„Alles Übung lieber Max. Während der Tour haben wir täglich Proben, Soundschecks für die Konzerte und alles was so anfällt“, sagte Nicki.

 

Bryan kam mit einem Blatt zu Max.

 

„Würdest du dir zutrauen das alleine zu singen? Ich meine wir unterstützen dich gerne als Backroundchor, meinst du, du schaffst das?

 

„Seid ihr sicher, dass ich so was, kann.“

 

„Mensch Max, du hast so eine tolle Stimme, richtig passend für das Lied!“

 

„Na gut, überredet ich mach es.“

 

*-*-*

 

„He du Langschläfer, willst du gar nicht aufstehen.“

 

Max öffnete die Augen und hatte Kians Gesicht vor sich.

 

„Nein komm näher, ich will das weiche warme Kissen wieder haben, wo ich die ganze Zeit drauf gelegen habe.“

 

Mit seiner Hand für er zärtlich über Kians Brust.

 

„Hast du was vor Kleiner.“

 

„Wie kommst du da drauf?“

 

„Weil deine Zärtlichkeiten auch jemanden anderen geweckt hat.“

 

„Wen denn?“

 

Max lag immer noch auf Kians Brust und streichelte ihn immer noch. Er nahm die Hand von Max und wanderte mit ihr unter die Decke. Max war plötzlich völlig wach, als er die harte Erregung von Kian in seiner Hand spürte.

 

„Du bist ja nackt.“

 

„Den Zustand sollten wir bei dir ja auch schnell ändern“, sagte Kian grinsend.

 

Und schon flogen T-Shirt und Shorts durch die Luft.

 

*-*-*

 

„Nanu sind alle ausgeflogen?“, sagte Max als sie später in die Küche kamen.

 

„Schau doch mal auf die Uhr“, erwiderte Kian.

 

„Was schon zehn, du hast mich doch schon um halb neun geweckt.“

 

Plötzlich wurde Max rot, „haben wir so lange?“

 

Kian grinste nur.

 

„Schau da ist noch Kaffee, aber wir haben nichts zu essen. Mist und ich habe solchen Hunger.“

 

Max ging zum Kühlschrank.

 

„Mal sehen was wir alles da haben. Dann zeig ich dir mal wie man ganz schnell zu einem super Frühstück kommen kann.“

 

Kian setzt sich auf die Anrichte und schaute Max zu.

 

Max stellte eine Pfanne auf und tat ein wenig Fett hinein. Er nahm ein bisschen Schinken etwas Gemüse und schnitt es klein. Danach warf er es in die Pfanne um es ein wenig an zu braten. Danach gab er noch Eier drüber.

 

„Würdest du mir bitte zwei Teller geben Kian?“

 

„Natürlich Max.“

 

Kian holte zwei Teller aus dem Schrank und stellte sie zu Max. Er selber verteilte den Rest Kaffe in zwei Tassen.

 

„Wie das duftet, einfach herrlich! Komm Max gehen wir rüber ins Esszimmer.“

 

Max folgte Kian ins Esszimmer.

 

„Und wie schmeckt es dir?“

 

„Fabelhaft, wusste nicht, dass du so gut kochen kannst.“

 

„Erwarte jetzt aber bitte kein Candlelightdinner.“

 

„Ich werde darauf zurückkommen, sagte Kian lachend.

 

„Das Problem ist, wer macht jetzt die Küche sauber?“

 

„Ich werde dir helfen Kleiner, dann geht es schnell.“

 

*-*-*

 

„Oh fleißig?“ Ihr könnt ja richtig Hausarbeiten erledigen“, sagte Jule, die grinsend am Türrahmen der Küche lehnte.

 

„Typisch Frauen….“, sagte Max, „als wären nur sie für die Küche geschaffen.“

 

„Was steht eigentlich heute noch an, außer der großen Party heute Abend.“, fragte Jule.

 

„Eigentlich, haben wir nichts vor. Warum?“

 

„Wir haben fast noch nichts von Dublin gesehen, könnte man das ändern?“

 

„Stimmt“, sagte Nathalie, „Jule hat Recht.“

 

So verbrachten sie den halben Tag in Dublin und Kian zeigte ihnen die Sehenswürdigkeiten.“

 

Max sah Kian an, der dick verpackt neben im her lief.

 

„Eigentlich gut, dass wir Winter haben, so eingepackt erkennt dich niemand.“

 

„Tja im Sommer kann ich hier ja schlecht so angezogen herum laufen, da würde ich ja auffallen.“

 

Alle fingen an zu lachen. Die Zeit verging viel zu schnell und sie mussten zurückfahren. Schnell waren sie alle umgezogen und für die große Feier bereit. Wieder standen zwei Wagen bereit.

 

*-*-*

 

„Ich glaub mich knutsch ein Elch“, sagte Richard, „aber diese Familienfeier übertrifft ja jedes Konzert.“

 

Sie standen am Eingang einer großen Halle. Viele runde Tische waren aufgestellt, herrlich gedeckt und dekoriert. Vorne war eine große Bühne aufgebaut mit Schlagzeug, Klavier und Gitarren.

Die Tische fingen an sich zu füllen und auch Kians Vater schob alle an zwei runde Tische ziemlich weit vorne. Die Jungs hatten sich bereits auf der Bühne eingefunden.

 

„Wo ist den jetzt wieder Max?“ wollte Jule wissen.

 

„Er sagte er komme gleich nach“, antwortete seine Mutter.

 

„Na sauber“, sagte Jule und schaute sich weiter um.

 

Währenddessen nahm Bryan das Mikro in die Hand.

 

„Hallo Leute, mir kommt es so vor; dass unsere Familie von Jahr zu Jahr größer wird.“

 

„Dafür sorgst du ja mit deinem Nachwuchs“, warf jemand von unten ein, alle fingen an zu lachen.

 

„So aber trotzdem freue ich mich auf diesen Abend und dass ihr alle gekommen seid. Wir haben uns auch etwas Besonderes einfallen lassen. Lasst euch überraschen und genießt den Abend. Also los geht es. Ein riesen Applaus folgte.

 

„Jetzt bin ich doch mal gespannt“, sagte Marianne zu Christine.

 

Das Licht ging langsam aus, die Spots gingen an und die Musik setzte ein.

 

„World of our own.“

 

Die Leute sprangen auf klatschen zur Musik und fingen an zu tanzen. Auch Marianne und Christine ließen sich davon anstecken. Jule hielt immer noch nach Max Ausschau. Das Lied endete mit einem tosenden Beifall.

Wieder verlöschte das Licht und das Klavier fing an zu spielen.

 

„Das ist doch das neue von Robin Williams“, sagte Nathalie zu Richard.

 

Der Hintergrund der Bühne war blau ausgeleuchtet, dass man die Person die alleine mitten auf der Bühne auf einem Hocker saß, nicht erkennen konnte.

Come and hold my hand

I wanna contact the living

Not sure i understand

This role i`ve been given

 

I sit and talk to god

and he just laughs at my plains

my head speak a language

i don`t understand

 

Die Person stand von Hocker auf.

 

i just wanna to feel real love

feel the home that i live in

cause i got too much life

running through my veins

going to waste

 

Die Jungs von Westlife begannen im Vordergrund eine paar Schritte zu tanzen, aber der einzelne blieb unbekannt.

 

i don`t want do die

but i ain`t keen on living either

before i fall in love

i `m preparing to leave her

i scare myself to death

that’s why i keep on running

bevor i arrived

i can see myself coming

 

i just want to feel real love

feel the home that i live in

cause i got too much life

running through my veins

going to waste

and i need to feel real love

and a life ever after

i cannot give it up

 

i just wanna feel real love

feel the home that i live in

cause i got too much life

running through my veins

going to waste

 

Come and hold my hand

I wanna contact the living

Not sure i understand

This role i`ve been given

 

Not sure i unterstand

 

Das Licht wurde heller.

 

Not sure i unterstand

 

Dieser jemand lief nach vorne an den Bühnenrand.

Not sure i unterstand

 

Es war Max der auf der Bühne stand.

 

Not sure i understand (Robbie Williams „Feel“)

 

Die Musik endete und Max ließ das Mikro sinken. Im Saal war es jetzt absolut still. Man hätte die berühmte Nadel fallen hören können. Jule stand auf und begann zu klatschen und wild zu johlen. Nathalie und Richard taten ihr es gleich. Plötzlich brach es los, der ganze Saal tobte. Max verbeugte sich. Bryan kam auf die Bühne und nahm ihm das Mikro aus der Hand.

 

„Beruhigt euch Leute, das ist doch nur Max unser Freund aus Deutschland.“

 

Ein Lachen ging durch den Saal.

 

„Lieber Max, ich habe noch nie jemanden mit so viel Hingabe ein Lied singen hören wie du eben. Und ich denke es ging mir nicht alleine so wie du eben an der Stille bemerkt hast“

 

Und schon war es wieder da, die ganze Meute klatschte Beifall. Marianne und Christine benahmen sich wie Teenager und schrien hysterisch laut nach Max. Er wurde verlegen.

 

„So, dass war aber noch nicht alles.“

 

Die Jungs kamen mit Hockern auf die Bühne und setzten sich neben Bryan und Max. Kian gab ihm ein neues Mikro. Wieder setzte die Musik ein und Max schaute zu Kian der flüsterte:

 

„Nur für dich Kleiner!“

 

Never knew i was losing you

 

Bryan begann zu singen und Max bekam feuchte Augen. Aber er bewegte sich zum Takt der Musik mit. Als die anderen ihren Text sangen, sang Max einfach mit. Unten an den Tischen wurden Feuerzeuge hochgehoben.

Jule beobachtete Max, wie er glücklich da oben saß und ab und zu, zu seinem Kian schaute. Das Lied endete wieder in einem Beifallssturm, doch die Musik spielte einfach weiter.

 

Bop, Bop Baby

 

Die Jungs schoben ihre Hocker weg und nahmen ihre Positionen ein. Sie standen anders als sonst, weil sie dieses Lied ja mit Max einstudiert hatten. Er tanzte seine Schritte genauso, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Das Publikum klatschte im Takt mit und keiner saß mehr auf seinem Stuhl. Alle hatten sich vorgedrängt an die Bühne.

 

Bop, Bop Baby please don`t let me go…

… Bop, Bop Baby please just let me no…

 

„Wie war das Jule, Max kann nicht tanzen?“, rief Richard.

 

„Also wenn ich es nicht selbst sehen würde, ich glaub ich träume… AUA, was soll das Nathalie?“

 

„Du glaubst doch, dass du träumst…“, lachte Nathalie.

 

„Deswegen musst du mich doch nicht gleich zwicken.“

 

„Hört auf ihr beiden, schaut lieber Max zu, er macht das auch für euch“, rief Richard.

 

Kians Vater wandte sich an Marianne.

 

„Sie können stolz auf ihren Sohn sein Frau Kehrer.“

 

„Bin ich auch, bin selbst überrascht, dass er das kann.“

 

Die Musik verstummte nur das Schlagzeug gab noch den Takt an und der ganze Saal sang im Chorus mit. Max war einfach glücklich. Er hatte alles herum um sich vergessen. Nur noch er und sein Kian.

 

*-*-*

 

„Und keine Lust so etwas beruflich zu machen, Max?“, fragte Kians Vater.

 

„Ich weiß nicht. Es hat mir viel Spaß gemacht, muss ich ehrlich zugeben, aber ob ich für so etwas gut genug bin.“

 

Max zuckte mit den Schultern.

 

„Gut genug?“

 

Die Jungs waren an den Tisch gekommen.

 

„Du hast uns die Show gestohlen. Da steht ein deutscher, schwarzhaariger Boy mit himmelblauen Augen und süßem Gesicht auf der Bühne und raubt sämtlichen weiblichen Wesen hier im Saal das Herz, einschließlich meiner Frau“, sagte Bryan.

 

Alle lachten.

 

„Neidisch?“, fragte Max.

 

„He, he, he. Der Junge lernt schnell“, sagte Shane.

 

„Meint ihr dass wirklich, ich meine, habe ich überhaupt eine Chance mit meinem Singen?“

 

„Max?“, sagte seine Mutter entsetzt, „was soll das jetzt?“

 

„Mum, das war nur so ein Gedanke, reg dich bloß nicht auf.“

 

Kian ließ sich neben Max auf seinen Stuhl fallen.

 

„Was meinst du dazu Kian?“, wollte Max wissen.

 

„Bist du dir da wirklich sicher Max, dass du das willst?“, erwiderte dieser.

 

„Ich meine, du siehst wir haben Erfolg, aber auch was da alles dahinter steckt, wie viele Entbehrungen jeder einzelne von uns aufbringt, lange ohne Familie oder Freunde. Wir sind auch oft sehr einsam.“

 

Die letzten Worte kamen recht leise über Kians Lippen. Kian warf ein Blick in die Runde und Nicki und Shane nickten ihm zu.

 

„He Leute, jetzt bloß kein Trübsal blasen, lasst uns weiter feiern!“, sagte Bryan.

 

„Stimmt Bryan!“, sagte Kian und wandte sich flüsternd zu Max, „überlegte dir das bitte genau Schatz.“

 

*-*-*

 

„10-9-8-7-6-5-4-3-2-1… Happy new Year!!!“

 

Alle fielen sich in die Arme und tauschten Glückwünsche aus. Marianne kam zu Kian.

 

„Ich weiß du verstehst mich nur schlecht.“

 

„Oh Miss Kehrer, ich versteht schon gut.“

 

Toll, zuerst ich heiße Marianne. Zweitens bin ich froh dass Max dich hat. So glücklich wie heute habe ich ihn noch nie erlebt. Also ich wünsche euch alles Gute für eure Zukunft.“

 

„Danke Miss… Marianne.“

 

Er fiel ihr um den Hals.

 

„Was ist den hier los, Mum das ist mein Freund!“

 

„Ich darf ja wohl noch meinen zukünftigen Schwiegersohn drücken, oder?“

 

„Ja aber nur drücken, mehr nicht.“

 

Die drei grinsten sich an.

 

„Max!“, rief Bryan von der Bühne.

 

Ihre Köpfe flogen herum.

 

„Einige Damen hier möchten noch mal „Feel“ hören, auch meine Frau.“

 

Er warf ihr einen gespielten bösen Blick zu. Max winkte ihr zu und warf einen Handkuss. Alle lachten wieder.

 

Max schaute zu Kian, „soll ich?“

 

„Na los du Mädchenschwarm, auf die Bühne mit dir.“

 

Max hätte ihn jetzt am liebsten geküsst. Bryan zog ihn auf die Bühne und sofort fing die Musik an zu spielen, brach der Jubel los bei der anwesenden Damenwelt.

 

*-*-*

 

Max schlug die Augen auf, die Sonne erhellte das Zimmer schon. Kian lag friedlich neben ihm und schlief. Er stand vorsichtig auf und verschwand im Bad. Fertig mit der Morgentoilette nahm er seine Klamotten und zog sich an.

Max schlich leise aus dem Zimmer um Kian nicht zu wecken. Er hatte nur ein Ziel…. „Jule“ Max zog sich seine Jacke über und stapfte hinüber zur kleinen Pension. Kians Großmutter öffnete die Tür, die natürlich schon auf war.

Er rannte die Treppe hinauf und klopfte leise an der Tür. Ein verschlafenes Herein war von drinnen zu hören.

 

„Du Max, was machst du denn so früh hier?“

 

„Früh? Es ist gleich elf Uhr.“

 

„Was willst du?“

 

„Reden.“

 

„Oh, komm zieh deine Schuhe aus, und setz dich zu mir aufs Bett.“

 

Max stellte die nassen Schuhe zur Heizung und setzte sich auf Bett zu Jule.

 

„So erzähl was los ist, was bedrückt dich?“

 

„Morgen fahren wir nach Hause, und es hat sich doch so vieles geändert in meinem Leben. So viel Neues, Fragen… Entscheidungen….“

 

„Max hör mir jetzt bitte genau zu! Im Grunde deines Herzen hast du dich doch schon entschieden, oder? Du bleibst bei Kian, dass ist klar. Nach deinem Schulabschluss wirst du dich um eine Stelle in seiner Nähe bemühen. Die Singerei wirst du nicht weiter verfolgen, obwohl es dir mehrfach  versichert wurde, du könntest etwas draus machen. Du hast dich für ein Leben mit und für Kian entschieden.“

 

Max schaute sie fragend an.

 

„Ach, Max. Ich kenne dich schon lang genug, ich wusste von Anfang an, dass dieser Weg der einzige war und ist. Ich wünsche dir viel Glück auf diesem Weg, auch wenn ich dadurch meinen besten Freund nur noch selten zu Gesicht bekomme.“

 

„Danke Jule.“

 

*-*-*

 

Sie saßen im Flieger nach Deutschland. Der Abschied auf dem Flughafen von Dublin war mehr als traurig gewesen. Die ganze Truppe war erschienen, was den Abschied nicht leichter machte. Aber man versprach sich, nächstes Silvester wieder hier zu sein.

Nun saßen alle still schweigend auf ihren Plätzen. Max schaute nach draußen, er wollte nicht, dass jemand sah, dass er weinte. Die drei Monate bis zur Preisverleihung im März vergingen zügig.

Richard und Max begannen sich langsam auf ihre Abschlussprüfungen vorzubereiten, während Jule und Nathalie weiter mit ihrer Lehre beschäftigt waren. Max holte auch mit Richard noch sein Weihnachtsgeschenk von Kian ab, den neuen Computer.

Natürlich kümmerte sich Kian darum, dass die Vier zur Verleihung nach Hamburg geholt wurden. Am Flughafen gab es eine sehr herzliche Begrüßung, besonders zwischen Kian und Max, die sich in den letzten Wochen nur gemailt oder telefoniert haben.

 

*-*-*

 

Sie stiegen alle gemeinsam in den Tourbus ein und fuhren Richtung Halle. Es ging quer durch die Stadt, bis an die Halle kamen. Dort angekommen stiegen Westlife natürlich als erste aus, dicht gefolgt von Jule und Max.

Obwohl schon erlebt, konnten sich die Vier nicht an das Getobe der Fans und dem Blitzlichtgewitters gewöhnen. Max konnte trotzdem ein wenig die Leute hinter der Absperrung beobachten. Unzählige Mädchen standen da und schrien sich ihre Seele aus dem Leib.

Er ließ seine Blicke weiter wandern und blieb plötzlich an einem Gegenstand haften, er erstarrte.

Eine Pistole.

Sie war genau in Richtung Kian gerichtet.  Das Aufschreien der umstehenden Personen war von dem Gejohle der Fans nicht zu unterscheiden. Max rannte los und stürzte sich auf Kian. Noch im Flug während er Kian schrie, hörte er den Schuss.

Es lief wie in Zeitlupe ab. Er schrie nach Kian, doch der reagierte nicht. Ein stechender Schmerz unterbrach seinen Flug, dann wurde alles dunkel und kalt um ihn.

 

„Maaaaaaaaaaax“, schrie Jule.

 

Kian spürte nur einen Körper der ihn nach unten riss und auf ihm liegen blieb. Securityleute stürzten sich auf den Schützen und überwältigten ihn, andere zerrten die Jungs in die Halle.

 

„Ein Krankenwagen, ruft doch jemand einen Krankenwagen. Max sag bitte was,… bitte…“, Jules Stimme erstickte.

 

Richard kniete sich ebenfalls neben Max und versuchte seine Jacke auf die Wunde zu pressen. Nathalie stand dagegen völlig starr daneben und zitterte am ganzen Körper. Jule streichelte vorsichtig über Max`s Haar.

 

„Max sag doch was, schlag die Augen auf, beweg dich doch. O Gott stirb mir hier nicht weg … Maaaaaaaaaaax bitte…“

 

Sanitäter näherten sich, und sofort wurde Max versorgt. Die Wunde wurde verbunden, und er langsam auf eine Trage gelegt. Max öffnete die Augen.

 

„Ist Kian was passiert …?“, sprach er sehr leise.

 

„Nein Max ihm geht es gut“, antwortete Jule ihre Tränen wegwischend.

 

„Jule bleib bei mir, lass mich nicht alleine, ich habe solche Angst…“

 

Max streckte seine Hand aus. Der Arzt schaute Jule an und nickte.

 

„Ich bleibe bei dir Max, ich lasse dich nicht alleine.“

 

Mit Blaulicht und Sirene fuhr der Krankenwagen davon. Bell kam heraus gerannt und zog Nathalie und Richard ebenfalls in die Halle. Nur die blutverschmierte Jacke von Richard lag auf dem Boden.

 

*-*-*

 

„Na ihr zwei geht es wieder?“, fragte Bell.

 

Mir geht es so einiger maßen, aber ich glaube Nathalie steht unter Schock, wo ist Kian?“

 

„Da drüben.“

 

Richards Blick wanderte zu der ihm gewiesenen Richtung. Kian saß in sich zusammen gekauert in einer Ecke auf dem Boden und weinte.

 

„Bell könntest du kurz auf Nathalie aufpassen, ich will zu Kian“, sagte Richard.

 

„Ja mache ich, gehe ruhig.“

 

Bell nahm Nathalie in den Arm, und Richard lief rüber zu Kian und kniete sich vor ihn hin.

 

„Blut überall Blut… er ist tot…“, fing Nathalie plötzlich an zu schreien.

 

Bell holte aus und schlug ihr ins Gesicht. Sofort fing diese an zu heulen. Richard wollte aufspringen, aber Bell hieß ihm per Wink er solle bleiben.

 

„Er hat sich für mich geopfert, er ist wegen mir gestorben, ich bin schuld…ich bin schuld…“ drang es von Kians Lippen.

 

Richard nahm sein Gesicht in die Hände. Seine Augen waren tief rot vom Weinen.

 

„Kian… Kian..“, sagte Richard, der aber nicht reagierte, so schrie er „Kian!“

 

Kian verstummte plötzlich und schaute Richard in die Augen.

 

„Kian Max ist nicht tot, er ist unterwegs ins Krankenhaus, Jule ist bei ihm.“

 

Kian ließ seine Blicke über Richard wandern, der überall mit Blut verschmiert war. Er fing wieder an zu weinen.

 

„Hört mal her!“

 

Bryan hatte das Wort ergriffen.

 

„Kian ist alles andere fähig jetzt auf zu treten. Bell schnapp dir die Drei und fahr mit ihnen ins Krankenhaus, wir werden hier alleine fertig.“

 

Die anderen nickten ihm zu und liefen Richtung Backstagebereich. Richard zog Kian aus seiner Ecke und folgte Bell, die Nathalie im Arm hatte.

 

*-*-*

 

„……..and the winner is…..Westlife. „

 

Der Saal kochte, die Lautstärke stieg ins Unermessliche. Bryan übernahm den Preis und ging zum Mikro.

 

„Hallo Hamburg…“

Das Schreien der Fans stieg ins Unermessliche.

 

„… den Preis haben wir euch zu verdanken, euch, unseren Fans, herzlichen Dank!“

 

Der Jubel brauste noch einmal auf. Bryan hob den Arm und augenblicklich wurde es ruhiger.

 

„Ihr werdet euch wundern, warum wir hier nur zu viert stehen, aber draußen vor der Halle, hat einer mit ner Pistole herum geballert. Von uns wurde niemand verletzt. Aber ein sehr guter Freund wurde getroffen und schwer verletzt. Kian ist jetzt bei ihm im Krankenhaus. Also habt bitte Verständnis dafür. Und jetzt für euch und speziell für unseren Freund „Unbreakable“.

 

*-*-*

 

„Jule.“

 

„Ach Richard Gott sei dank, ich verzweifle hier noch fast.“

 

„Was ist mit Max?“

 

„Sie operieren immer noch.“

 

Bell kam mit Kian und Nathalie angelaufen. Beide schienen jetzt recht gefasst zu sein. Jule ging zu Kian und nahm in fest in den Arm. So standen sie eine Weile, ohne ein Wort zusagen.

 

„Du liebst Max?“

 

„Nicht so wie du, Kian, ja aber ich liebe ihn.“

 

Kian fing wieder an zu zittern.

 

„Ganz ruhig Kian, es wird alles gut.“

 

Die Tür ging auf und ein Arzt kam heraus gelaufen.

 

„Ist hier jemand verwandt mit dem Patienten?“

 

„Nein, aber ich bin sein Freund, sein Lebensgefährte.“

 

Jule wunderte sich über die Festigkeit in Kians Stimme.

 

„Also die gute Nachricht ist, er ist über dem Berg, trotz seines hohen Blutverlustes, er scheint ein Kämpfer zu sein“, sagte der Arzt.

 

„Und die schlechte Nachricht?“ stammelte Jule leise.

 

„Ähm…die Kugel die wir entfernt haben, war direkt an der Wirbelsäule gesessen. Dass heißt…, wir wissen nicht ob er einen Schaden davon getragen hat, also was ich meine ist… wir wissen nicht ob er noch laufen kann.

 

Kian wurde kreidebleich.

 

„Aber ich würde ihnen raten, erst einmal nach Hause zu gehen, Der Patient liegt jetzt im künstlichen Coma, damit sein Körper sich regenerieren kann. Vor zwei Tagen ist mit besuchen nichts drin.“

 

„Richard, Nathalie und für dich Jule habe ich Zimmer besorgt. Und ich habe deine Mutter telefonisch erreicht, sie kümmert sich um Max`s Mutter und kommt mit ihr, mit dem nächsten Flug hierher. Auch für sie haben wir schon Zimmer gebucht.“

 

„Ich würde vorschlagen, du Jule und Bell fahrt zum Flughafen, holt die beiden ab und ich kümmere mich hier um meine zwei Sorgenkinder und bringe sie ins Hotel“, sagte Richard.

 

„So kenne ich dich gar nicht Richard“, erwiderte Jule.

 

„Du weißt viel von mir nicht Jule, aber darüber können wir später im Hotel reden. Du wirst sicher ja noch mit Marianne später hier ins Krankenhaus fahren. Bell kann ja dann meine Mutter zum Hotel bringen.“

 

„Okay Richard, machen wir es so“, sagte Jule.

 

„Euer Wagen wird gleich da sein, und danke Richard, dass du dich um Kian kümmerst“, sagte Bell.

 

„Das ist selbstverständlich. Kian ist der Freund meines besten Freundes.“

 

*-*-*

 

Es klopfte an der Tür.

 

„Come in.“

 

„Ah Richard, du bist es, und schläft Nathalie?“

 

„Ja Kian, sie schläft. Und wie geht es dir?“

 

„Ich weiß nicht recht, ich komme mir so mies vor, wegen Max.“

 

„Das  hatten wir schon einmal, Kian. Du bist nicht schuld daran, das es Max erwischt hat und auch nicht…, dass er vielleicht nicht mehr laufen kann.“

 

Richard legte seine Hand auf Kians Schultern.

 

„Richard ich wollte ihn bei mir haben, er war nur in Hamburg, weil ich es so wollte, deswegen bin ich auch schuld.“

 

„Kian höre auf damit, was Max jetzt am wenigsten brauchen kann, ist ein Freund der sich von Selbstvorwürfen fressen lässt.“

 

„Du stehst Max sehr nahe, oder?“

 

„Ja, Max ist mein bester Freund und er hat mir immer geholfen wenn es mir nicht gut ging.“

 

Richard setzte sich auf einen Sessel der bei Kian am Bett stand.

 

„Als vor drei Jahren mein Vater bei einem Autounfall ums Leben kam, da war Max für mich da. Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen. Ich habe das nicht verkraftet. Meiner Mutter wollte ich nicht zur Last fallen, die hatte genug mit sich zu tun, und so fraß ich alles in mich hinein. Max merkte schnell, was mit mir los war und er war mein Rettungsanker, sonst wäre ich elend vor die Hunde gegangen. Ich bin zwar jetzt auch für ihn da, aber was er jetzt braucht, bist du Kian.“

 

„Er wird mir Vorwürfe machen.“

 

„Nein Kian, dass glaube ich nicht. Dazu kenne ich Max zu gut. Er braucht jetzt deine Liebe und falls es wirklich stimmt mit seinen Beinen, braucht er dich umso mehr.“

 

Kian schaute immer noch ein wenig abwesend.

 

„Ich weiß die zwei Tage bis sie ihn wieder wecken sind für dich der Horror, aber da musst du jetzt durch. Auch wenn dich die Ungewissheit plagt. Aber du bist nicht alleine Kian, du hast Freunde die sich um dich kümmern, die für dich da sind, vergiss dass nicht bitte!“

 

Wieder klopfte es an der Tür.

 

„Come in!“, kam es erneut von Kian.

 

„Ihr seid schon da?“, sagte Richard erstaunt

 

„Ja Richard, gerade eben angekommen. Marianne ist mit Jule ins Krankenhaus gefahren und diese Bell hat mich her gebracht. Hallo Kian.“

 

„Hallo.“

 

Kian war aufgestanden und reichte ihr die Hand.

 

„Du siehst aber auch nicht gut aus Kian.“

 

„Er denkt, dass Max ihm jetzt Vorwürfe macht und er an allem schuld ist.“

 

Christine nahm Kian in den Arm, der sofort anfing laut zu heulen.

 

„Ja heule dich aus Kian, ist gut, lass alles raus.“

 

Sie strich ihm sanft über den Kopf.

 

„Ich will ja nicht stören Leute“, Bell stand in der Tür, „wir haben es regeln können, dass Kian bis Montag hier bleiben kann, aber dann muss er nachkommen, bye Leute.“

 

Schon war Bell wieder verschwunden. Kian beruhigte sich langsam wieder.

 

„Und besser?“, fragte Christin.

 

„Ja dank schön“, sagte Kian auf Deutsch.

 

„Was macht Nathalie, Richard?“ wandte sich Christine zu Richard.

 

„Der Arzt vom Hotel hat ihr ein Beruhigungsmittel gegeben, sie schläft jetzt.“

 

„Ich würde dir mal vorschlagen, du gehst jetzt duschen und ziehst was anderes an, ich hab euch noch Ersatz von zu Hause mitgebracht.“

 

Richard hatte immer noch dieselbe Kleidung an wie vorhin, überall waren die Blutspritzer verteilt.

 

„Gute Idee, kann ich dich alleine lassen, oder willst du mit zu mir, Kian?“

 

„Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich gerne mitkommen, ich möchte jetzt nicht alleine sein.“

 

„Gut komm mit. Liegt Frau Kehrer eigentlich mit dir im Zimmer, Christine?“

 

„Ja tut sie, wir können uns ja alle noch ein wenig zusammen setzten nachher, wenn Marianne und Jule wieder da sind.“

 

„Ich würde so gerne bei ihm sein jetzt“, sagte Kian leise.

 

„Morgen wieder Kian, morgen“, sagte Richard und nahm ihn mit in sein Zimmer.

 

*-*-*

 

„Ganz ruhig Marianne, das hilft nichts, wenn du dich jetzt verrückt machst“, sagte Jule und nahm ihre Hand in die ihre.

 

„Ich will ihn nicht auch noch verlieren.“

 

„Tust du nicht, Max ist stabil und sieh, sie haben sogar schon das Beatmungsgerät abgenommen, das ist doch schon ein gutes Zeichen.“

 

„Er sieht aus als würde er friedlich schlafen.“

 

„Ja, der Arzt hat ja auch gesagt, sein Zustand wäre so stabil, dass sie ihn morgen wieder wecken werden.“

 

„Am liebsten würde ich jetzt die ganze Zeit an seinem Bett sitzen bleiben.“

 

„Marianne, du bringst Max nichts, wenn du morgen total übernächtigt an seinen Bett stehst, wenn er die Augen aufmacht.“

 

„In Ordnung. Komm fahren wir zum Hotel.“

 

Noch einmal strich Marianne über die Stirn ihres Sohnes.

 

„Unten wartet ein Wagen auf uns Marianne komm“, sagte Jule.

 

*-*-*

 

„War Max eigentlich nie in dich verliebt Richard?“

 

Richard hatte alles ausgezogen und stand nur noch in seinen Boxer da.

 

„Wenn ich dich so ansehe, du siehst echt nicht übel aus.“

 

Richard wurde rot.

 

„Du Kian, genau genommen habe ich mir da noch nie Gedanken darüber gemacht, ich weiß es ja auch erst seit Anfang Dezember dass Max schwul ist und bisher hatte ich da noch keine Zeit darüber nach zudenken. Aber danke fürs Kompliment.“

 

„Nichts zu danken. … ich vermisse meinen Kleinen…“

 

„Wird schon wieder, Kian“, sagte Richard.

 

„Danke Richard, dass du für mich da bist.“

 

„Jederzeit wieder. So ich gehe duschen, falls Nathalie wach werden sollte bist du ja da.“

 

„Ja bin ich.“

 

Richard verschwand im Bad. Kian lief zum Fenster und schaute in die verregnete Nacht hinaus. An der Tür klopfte es.

 

„Come in.“

 

„Hallo Kian“, sagte Jule, „wo ist Richard.“

 

„Unter der Dusche und Nathalie schläft.“

 

„Gut, denn ich habe eine gute Nachricht für euch, sie wollen Max schon morgen wieder wecken.“

 

„Und was ist mit seinen Beinen?“

 

„Das werden wir dann morgen erfahren.“

 

*-*-*

 

Alle saßen beim Frühstück, als Marianne den Raum betrat. Jeder schaute gespannt zu ihr.

 

„Und?“, wollte Christine wissen.

 

„Er ist noch nicht aufgewacht“, antwortete Marianne. Kian wurde bleich und wollte aufstehen.

 

„Bleib sitzen Kian, es ist nicht gut, wenn du alleine bist. Bleibe lieber bei uns“, sagte Jule und legte ihre Hand auf seinem Arm.

 

Er nickte und setzte sich wieder. Marianne trat an seinen Stuhl heran.

 

„Kian, niemand macht dir Vorwürfe, du bist nicht schuld, an dem was passiert, Ok?“

 

Wiederum nickte Kian und Jule sah, dass kleine Tränen ihren Weg über seine Wangen bahnten. Richard reichte ihm ein Taschentuch, der ebenfalls die Tränen bemerkt hatte.

 

„Wird schon wieder Kian, nachher fährst du mit Marianne ins Krankenhaus und schaust selber nach deinem Kleinen.“

 

„Ja mach ich“, erwiderte Kian mit leiser Stimme.

 

Marianne goss sich einen Kaffee ein und lehnte sich langsam zurück. Es klopfte an der Tür.

 

„Come in“, sagte Kian im beherrschten Ton. Die Tür ging auf und die Jungs kamen herein.

 

„Morgen Leute, wir kommen nur noch kurz vorbei um uns zu verabschieden, wir fliegen gleich weiter nach Madrid“, sagte Mark und blinzelte dabei Jule an.

 

„Ich komme dann in zwei Tagen nach“, meinte Kian.

 

„Pass auf dich auf Kleiner, und gute Besserung für Max“, sagte Bryan.

 

Kian stand auf und umarmte jeden seiner Bandkollegen.

 

„Danke.“

 

Der Rest stand ebenfalls vom Frühstück auf und man verabschiedete sich herzlich voneinander. Mark und Jule schienen sich etwas länger im Arm zu halten. Und schon waren die Jungs verschwunden.

 

„Und was machen wir heute, nur hier herum sitzen und warten?“, fragte Nathalie.

 

„Ich denke Marianne wird mit Kian ins Krankenhaus fahren, und ich für meinen Teil wenn ich schon mal da bin, würde ich mich gerne in Hamburg ein wenig umschauen, war ja schließlich noch nie hier“, sagte Richard.

 

Kian und Marianne nickten ihm zu.

 

„Und außerdem sollten wir Jule mal auf andere Gedanken bringen“, setze er hinten dran.

 

„Wie… was?“, kam es von Jule, völlig aus den Gedanken gerissen.

 

„Töchterlein, das habe ich sogar bemerkt, wie du den Mark angehimmelt hast“, sagte Christine grinsend.

 

Jule wurde feuerrot im Gesicht.

 

„Erwischt“, sagte Nathalie und fing laut an zu lachen. Die anderen stimmten mit ein.

 

Bis das Telefon klingelte. Marianne sprang auf und nahm das Gespräch entgegen.

 

„Was aufgewacht, ich bin sofort unterwegs. Auf Wiederhörn.“, sagte sie und legte auf, „kommst du Kian, Max ist aufgewacht und fragte nach dir.“

 

Kian stand auf und ein kleines Lächeln huschte über seine Lippen.

 

„Denk dran, das wird schon wieder“, sagte Richard zu Kian, der das Zimmer darauf mit Marianne verließ.

 

*-*-*

 

Kian wurde sichtlich unruhiger, als sie im Krankenhaus ankamen. Marianne merkte es und nahm ihn an der Hand. Wie es so üblich ist, auf einer Intensivstadion, bekamen  sie grüne Kittel zum überziehen.

Marianne öffnete leise die Tür und trat mit Kian ein. Max lag alleine im Zimmer und eine Schwester saß neben seinem Bett. Sie nickte den Beiden freundlich zu, stand auf und verließ das Zimmer.

 

„Hallo Max“, sagte seine Mutter fast unhörbar.

 

Max schlug seine Augen auf und schaute in ihre Augen.

„Mama….“

 

Tränen begannen ihm über die Wangen zu laufen.

 

„Pssssst, mein Sohn, nicht reden, aber schau, ich habe dir jemanden mitgebracht“, sagte Marianne und wich zur Seite, damit Max Kian sehen konnte.

 

Max hob langsam die Hand und hob sie Kian entgegen. Kian ging in die Knie nahm die Hand und begann sie zu küssen. Auch er musste jetzt weinen.

 

„Nich…weine…Schatz“, sagte Max angestrengt.

 

Kian hob den Kopf und schaute Max mit seinen verweinten Augen an.

 

„Warum hast du das gemacht Max, du hättest sterben können.“

 

„Unkrau…. ver.. geht nich…“

 

Und jetzt kannst du wahrscheinlich nie wieder laufen…“, sagte Kian und fing wieder an zu weinen.

Max strich ihm zärtlich über den Kopf. Kian erhob erneut den Kopf. Max gab ihm Zeichen näher an seinen Mund zukommen. Kian folgte seinem Wunsch und kam mit seinem Ohr ganz nah an Max.

 

„Für dich …. werd …ich lauf …lerne… und jetzt… gib mir …einen Kuss…endli……“

 

Kian gab ihm einen zärtlichen Kuss. Max schloss die Augen und schlief wieder ein. Marianne, die das Ganze beobachtet hat, wischte sich die Tränen aus den Augen.

 

„Kian ich geh mal zum Arzt und frage wie sein Zustand jetzt ist, bleibst du alleine bei ihm?“

 

Kian nickte und Marianne verließ das Zimmer. Er legte seinen Kopf neben Max aufs Kissen und fing leise an zu singen.

 

I’ll be loving you forever Deep inside my heart you leave me never

Even if you took my heart And tore it apart

I would love you still, forever You are the sun

You are my light And you’re the last thing on my mind, before I go to sleep at night

You’re always round When I’m in need

When troubles on my mind You put my soul at ease

 

There is no one in this world Who can love me like you do

That is the reason that I Wanna spend forever with you

 

I’ll be loving you forever Deep inside my heart you leave me never

Even if you took my heart And tore it apart

I would love you still, forever You are the sun

You are my light And you’re the last thing on my mind, before I go to sleep at night

You’re always round When I’m in need

When troubles on my mind You put my soul at ease

 

We’ve had a fun We’ve made mistakes But who’d have guessed along that road

we’d learn to give and take It’s so much more than I could have dreamed

‘Cause you’ve make loving you, so easy for me

There is no one in this world Who can love me like you do

That is the reason that I Wanna spend forever with you

 

I’ll be loving you forever Deep inside my heart you leave me never

Even if you took my hear And tore it apart

I would love you still, forever You are the sun

You are my light And you’re the last thing on my mind, before I go to sleep at night

You’re always round When I’m in need

When troubles on my mind You put my soul at ease

And boy I pray you leave me, never

 

‘Cause this is the world, where lovers often go astray

But if we learn each other, we won’t go that why So put your doubts aside

Do what it takes to make it right I love you, forever; no-one can tear us apart

 

I’ll be loving you forever Deep inside my heart you leave me never

Even if you took my heart And tore it apart, I would love you still, forever And I’ll be loving you forever.

 

©westlife-Forever

 

Kian spürte wie Max`s Hand seine fest drückte und Tränen über Max`s Wangen liefen.

 

„Ich liebe dich kleiner Mann, für immer und ewig!“, sagte Kian.

 

„Ich .. dich auch…Kian.“

 

*-*-*

 

Uferpromenade

 

„Es ist zwar sehr schön hier, aber an das Klima müsst ich mich erst gewöhnen“, sagte Nathalie zu Christine.

Da muss ich dir Recht geben, mich fröstelt es auch ein wenig“, entgegnete Christine.

 

Jule und Richard liefen ein wenig langsamer und waren dadurch deutlich zurück gefallen.

 

„Jetzt sag schon, was ist mit dir und Mark?“, fragte Richard.

 

Jule truckste auf der Stelle herum.

 

„Ach ich weiß auch nicht. Wir verstehen uns sehr gut, haben schon ein paar tolle Gespräche geführt.“

 

„Und wie lange geht das schon?“

 

„Seit Dublin.“

 

„Dublin? Man und ich habe überhaupt nichts mitgekriegt.“

 

„Ja, es war auch eher unauffällig, aber wie es jetzt weitergeht, weiß ich nicht.“

 

„Bist du in ihn verliebt?“

 

Jule wurde rot.

 

„Ja, ein bisschen.“

 

He ihr zwei, wenn ihr noch langsamer lauft, geht ihr rückwärts“, schrie Nathalie zu ihnen.

 

„Jo, wir kommen ja schon“, rief Richard zurück.

 

„Ich wäre so gerne bei Max“, sagte er zu Jule.

 

„Ja ich auch. Es ist das erste Mal, dass ich nicht mit ihm sprechen kann, wenn ich ihn brauche.“

 

„Du hast doch mich Jule“, sagte Richard mit einem Grinsen.

 

„Dafür bin ich dir auch dankbar Richard, das kannst du mir glauben.“

 

„Aber mir geht es genauso.“

 

„Kian ist bei ihm.“

 

„Ja und er liebt Max wirklich. Ich habe noch nie einen Menschen so lieben sehen wie Kian. Mit soviel Gefühl und Hingabe, könnt man richtig neidisch werden.“

 

„Mensch Richard, so kenn ich dich überhaupt nicht, du bist ja ein richtiger Romantiker.“

 

„Ich weiß, nicht mal Nathalie kennt mich richtig, wird mir langsam klar.“

 

„Und warum das Ganze?“

 

Richard schaute Jule in die Augen.

 

„Was meinst du?“

 

„Warum du dich verstellst. Denn ich denke du bist ein Typ wie Kian, genauso gefühlvoll, nur du zeigst es eben nicht.“

 

„Du meinst, ich soll mehr aus mir heraus gehen?“

 

„Ja.“

 

„Ich weiß nicht…, Jule.“

 

„Richard ich will dir jetzt nicht zu Nahe treten, aber ich habe dich seit der Beerdigung deines Vaters vor drei Jahren, nicht einmal weinen sehen.“

 

Richard wendete den Kopf Richtung Wasser.

 

„Ist das so schlimm?“

 

„Ja, warum versteckst du deine Gefühle. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte man bei Max`s Unfall meinen können dich lässt das kalt, jedenfalls nach außen hin, schien es so.“

 

„Sollte ich mich hinstellen und los heulen, ich weiß nicht was du willst, mir hat das genauso wehgetan, als ich Max da liegen sah.“

 

Mittlerweile war Richard ein bisschen laut geworden, und Nathalie und Christine waren stehen geblieben, aufgeschreckt durch die Lautstärke von Richard.

 

„Wenn du genau wissen willst, es hat mir mein Herz zerrissen, als er da lag und ich das Blut sah. Mein bester Freund Max, liegt erschossen am Boden.“

 

Tränen rannen übers Richards Gesicht.

 

„Ich liebe Max, nein nicht so wie Kian, er ist für mich wie ein Bruder, den ich nicht habe.“

 

Jule war stehen geblieben, weil Richard sie schon fast anschrie.

 

„Und du stellst mich hin wie eine eiskalte Maschine. Jule das bin ich nicht, ich habe auch Gefühle, ich bin genauso verletzlich wie andere.“

 

Richard fing laut an zu schluchzen und ging in die Knie. Jule nahm ihn in den Arm.

 

„Ja weine! Wein dich aus Richard.“

 

„Ich will nicht, dass ich Max verliere, ich habe doch sonst niemanden. Er war immer für mich da und ich für ihn, ich will doch nur das es so bleibt.“

 

Nathalie und Christine waren inzwischen zu den beiden gestoßen. Nathalie strich Richard sanft durch das Haar. Sie nickte Jule zu.

 

„Danke Jule.“

 

Christine schaute zwischen den Mädchen fragend hin und her.

 

„Ein andermal Mum, jetzt nicht“, sagte Jule.

 

Richard stand auf und wischte seine Tränen ab.

 

„Und geht es wieder?“, fragte Nathalie. Richard nickte.

 

„Es tut mir Leid Richard, dass ich dich auf diese Art aus der Reserve locken musste, aber sogar Nathalie machte sich schon Sorgen um dich, weil du immer ruhiger wurdest.“

 

Richard schaute Nathalie an.

 

„Du machst dir wegen mir Sorgen?“

 

„Ja Richard natürlich. Ich liebe dich und es tut mir weh, wenn ich sehe, wie du innerlich kaputt gehst und ich dir nicht helfen kann.“

 

„Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll…“ meinte Richard, „ich bin nur gerührt, dass ich so liebe Freunde habe.“

 

„Und Richard“, sagte Jule, „du hast Max nicht an Kian verloren, du hast durch Kian einen Freund dazu gewonnen!“

 

*-*-*

 

Im Krankenhaus…

 

„Kian, könnt ich mal kurz mit dir sprechen?“

 

Kian schreckte auf, er hatte Marianne nicht ins Zimmer kommen hören.

 

„Natürlich um was geht es.“

 

„Die gute Nachricht, Max kann laufen es wurden keine weiteren Schäden festgestellt, nur und das ist die etwas schlechtere Nachricht, durch das Trauma, dass er erlitten hat, muss er es erst wieder lernen.“

 

Kian fiel ein Stein vom Herzen.

 

„Bei uns in der Nähe bei München gibt es eine Rehaklinik wo er das wieder erlernen kann, der hiesige Oberarzt regelt alles, dass wenn Max wieder so weit fit ist, er nach dort verlegt wird.“

 

*-*-*

 

Zwei Wochen später, Kian war bereits wieder mit den Jungs auf Tournee, konnte Max endlich verlegt werden. Gleich am ersten Tag in der Reha Klinik kamen natürlich Richard und die zwei Mädels zu Besuch.

 

„Man bin ich froh euch wieder zu sehen“, sagte Max zu ihnen.

 

„Meinst du wir erst“, erwiderte Jule und nahm Max in den Arm.

 

„Darf ich das überhaupt noch?“, fragte Max grinsend.

 

„Was?“ kam es von Jule als Gegenfrage.

 

Richard musste ebenfalls grinsen. Jule schaute zwischen den beiden hin und her.

 

„Hat die alte Plaudertasche ihren Mund nicht halten können“, kam es von Jule.

 

„Sorry Jule, aber ich musste es Max am Telefon sagen. Du sagtest doch selber ihr habt keine Geheimnisse vor einander oder?“

 

„Schon gut Richard, ich hätte es ihm nur gern selber gesagt.“

 

„Ist doch egal ihr beiden, Hauptsache jeder ist glücklich“, sagte Max.

 

„Und wie steht es mit dir Max?“ fragte Nathalie.

 

„Mir? Ich habe jetzt noch drei Wochen Zeit einigermaßen laufen zu lernen, aber sonst geht es mir gut“, antwortete Max.

 

„Was ist denn in drei Wochen?“, fragte Nathalie.

 

„Man Nathalie, hab dir doch gesagt, dass Kian Ende April Geburtstag hat“, sagte Richard und nahm sie in den Arm.

 

„Mein Geburtstagsgeschenk für ihn soll sein, dass ich ihm gehend gratulieren kann“, meinte Max.

 

„Ist das romantisch“, sagte Nathalie und schmiegte ihren Kopf an Richards Schulter.

 

„Was ganz anderes, war von euch schon mal jemand im Paris?“, wollte Max wissen.

 

Alle drei standen da und schüttelten den Kopf.

 

„Warum fragst du Max?“

 

Auch Jule und Nathalie starrten ihn fragend an.

 

„Ganz einfach Richard. Wenn Kian Geburtstag hat, sind die Jungs mit ihrer Tournee gerade in Paris und ich werde doch nicht ohne meine drei Bodyguards dorthin fahren.“

 

„Paris? Wirklich? Max du bist eine Wucht“, sagte Jule.

 

„Du kannst deinen Mark wieder sehen, bei Richard und Nathalie weiß ich, dass ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gehen und ich kann endlich meinen Kian in die Arme schließen.“

 

„Und uns zwei willst du hier versauern lassen“, kam es von der Tür.

 

Alle Köpfe flogen herum. Marianne und Christine standen an der Tür.

 

„Nein Mama ich hätte euch das schon noch gesagt und euch auch mitgenommen“, sagte Max, „ und außerdem ist das alles schon geregelt, die Flug ist gebucht und die Zimmer reserviert.“

 

„Wie hast du das denn fertig gebracht?“, wollte Richard wissen.

 

Max musste lachen.

 

„Ein gewisser junger Mann der eine gewisse junge Dame dringend wieder sehen möchte hat mir dabei geholfen.“

 

Alle schauten zu Jule, die sofort rot wurde. Nun mussten alle lachen, auch Jule.

 

*-*-*

 

Ein paar Tage später…

 

„Morgen Max, und bereit für deine Schwimmübungen?“

 

„Natürlich Andreas, meine Beine wollen nach Paris, dass weißt du doch“, antwortete Max zu dem Pfleger, „und wer ist das?“

 

Im Wasser lag ein junger Mann so Mitte zwanzig mit schwarzen Haar, der von einem anderen Pfleger über Wasser gehalten wurde.

 

„Das ist Kim, er kann sich leider schon seiner Geburt nicht bewegen, aber er ist ein Kämpfer er will wie du einmal laufen lernen“, antwortete Andreas.

 

„Geht das denn, ich meine bei einer so argen Lähmung?“, fragte Max.

 

„Ich bin nicht gelähmt, meine Muskeln gehorchen mir nur nicht“, kam es von dem jungen Mann aus dem Wasser.

 

Max wurde rot, er hatte wohl doch zu laut geredet. Er ließ sich von Andreas in Wasser heben.

 

„Hallo ich bin Max“, sagte er zu Kim.

 

„Ich weiß“, entgegnete dieser, „du bist mir bekannt.“

 

„Ich? Wieso das denn, bin doch erst seit ein paar Tagen hier“, fragte Max erstaunt.

 

„Du bist Gesprächsthema Nummer eins bei der Schwesternschaft und den Pflegern, jeden Tag so viele Anrufe und mehrmals am Tag Geschenke“, versuchte Kim das Rätsel zu lösen, „dich muss ja jemand ganz dolle verehren.“

 

Max wurde rot im Gesicht. Ihm war überhaupt nicht aufgefallen, dass seine viele Telefoniererei mit Kian und die Geschenke und Blumen dir er täglich von ihm, so auffällig waren. Er überlegte kurz, ob er die Wahrheit sagen sollte.

 

„Ja, er verehrt mich ganz schön“, sagte Max.

 

„Er? Du bist schwul?“, fragte Kim.

 

Max stieg wieder das Blut in den Kopf und wurde etwas distanzierter.

 

„Ja, wieso Probleme damit?“

 

„Ich bestimmt nicht mein kleiner Bruder ist es auch“, antwortete Kim.

 

Nachdem beide ihre Übungen absolviert hatten wurden sie auf Ruheliegen gelegt um aus zuspannen.

 

„Nur er hatte nicht soviel Glück wie du“, sagte Kim plötzlich.

 

„Dein Bruder?“, fragte Max.

 

„Ja.“

 

„Erzählst du es mir.“

 

„Wenn du willst gerne.“

 

Max drehte sich ein wenig zu Kim und sah zu ihm hinüber. Kim erzählte, dass sein Bruder per Internet also beim chatten einen Jungen kennen gelernt hatte. Sie haben sich langsam angefreundet und ineinander verliebt.

 

„Geht das denn? Ich meine wenn die zwei sich noch nie gesehen haben, wie kann man sich da verlieben?“, wollte Max wissen.

 

„Denk doch an die vielen Fan der Stars, die kennen ihre Idole auch nur von Bildern her.“

 

„Ja, dass kenne ich nur zu gut, da kann ich mitreden, aber das erzähl ich dir ein andermal.“

 

„Gut. Jedenfalls haben die zwei jetzt endlich ihr erstes Treffen geplant. Die Eltern sind eingeweiht, und jetzt sind alle gespannt was dabei heraus kommt.

 

„Kann ich mir vorstellen. Ich weiß wie das ist sich nur mit Mails oder am Telefon zu unterhalten, und sich nicht zu sehen, das kann sehr hart sein.  Kommt er dich den irgendwann besuchen, kann ich ihn kennen lernen?“

 

„Nein….“

 

„Warum das nicht, mag er nicht?“

 

„Das ist eine lange Geschichte…“

 

„Was machst du heute Mittag, ich habe Zeit und kann gut zuhören.“

 

„Meinst du wirklich, ich will dich nicht langweilen Max.“

 

Pfleger Andreas kam mit einer Schwester und einem anderen Pfleger zurück. Beide wurden in ihre Rollstühle verfrachtet und zurück in ihre Zimmer gebracht.

 

*-*-*

 

Gegen späten Mittag, wurde Max von Andreas abgeholt und zu Kim gebracht.

 

„Hallo Kim da bin ich, wie versprochen.“

 

„Hallo Max und hast du schon Vorschritte gemacht?“

 

„Ja schau her“, sagte Max und mit Hilfe von Andreas stemmte er sich aus seinem Rollstuhl heraus und blieb auf seinen Füßen alleine stehe, Etwas unbeholfen zwar, aber immerhin.

 

Danach lies er sich wieder auf seinen Rolli fallen und fuhr direkt zu Kim ans Bett.

 

„Wow, das ist aber toll, ich kann bis jetzt nur meine Hand bewegen“, sagte Kim und machte eine Winkbewegung.“

 

„Immer noch besser als gar nichts würde ich sagen“, sagte Max.

 

„Was meintest du eigentlich heute morgen mit, „da kann ich mitreden“ wegen der Fans?“, fragte Kim.

 

„Also gut, ich werde es dir erzählen, aber posaune es bitte danach nicht heraus, es ist nämlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“, meinte Max ernst.

 

„Jo, ich werde aufstehen und im Krankenhaus herum rennen und es jedem erzählen der mir über den Weg läuft“, erwiderte Kim grinsend.

 

Jetzt mussten beide lachen.

 

„Am besten erzähle ich dir das von Anfang an. Das ich mir meine Schussverletzung bei einer Preisverleihung von Westlife zu gezogen habe, hast du ja sicherlich mitbekommen.“

 

„Ja es hieß, ein Freund der Gruppe wurde schwer verletzt. Und das warst du? Wie kommst du zu der Ehre, mit Westlife befreundet zu sein.“

 

„Ja bin ich, aber ich muss ein bisschen ausholen, wie ich die Bekanntschaft mit ihnen gemacht habe. Ich habe zu meinem Geburtstag letztes Jahr von meiner besten Freundin Jule Konzertkarten für Westlife bekommen.“

 

So erzählte Max die Geschichte im Keller und der Zusammenstoß mit Kian. Das sie nach Weihnachten in Irland waren und Silvester mit Westlife verbrachten.

 

„Und seitdem bin ich mit Kian fest zusammen“, beendete er seine Erzählung.

 

„Jetzt bin ich aber platt, und du liebst ihn?“, fragte Kim.

 

„Und wie, meinst du warum ich wieder laufen lerne. Kian hat Ende des Monats Geburtstag. Ich will ihn damit überraschen, dass ich auf meinen eigenen Beinen zu ihm laufe und ihm gratuliere.“

 

„Man wie romantisch“, sagte Kim und bekam feuchte Augen.

 

„Und du hast keinen Ansporn endlich laufen zu lernen?“ wollte Max wissen, „willst du nichts mit deinem Bruder unternehmen?“

 

„Ich habe sogar noch eine Schwester, aber die wissen nichts von mir.“

 

„Wie die wissen nichts von dir?“, fragte Max erstaunt.

 

„Na ja, als sie klein waren, wollten meine Eltern sie nicht unnötig damit belasten, dass sie einen behinderten Bruder hatten. Und später wollte ich es nicht mehr.“

 

„Mensch Kim, ich finde deine Geschwister haben ein Recht zu erfahren, dass es dich gibt.“

 

„Ich weiß Max, aber ich habe Angst vor den Vorwürfen von ihnen, die sie bestimmt machen, wenn sie das von mir erfahren.“

 

„Wäre es ihnen zu verübeln?“

 

„Nein, bestimmt nicht. Ich bin schon die ganze Zeit am Überlegen, aber irgendwie kriege ich nicht die Kurve.“

 

„Das schaffst du schon!“, sagte Max.

 

*-*-*

 

Max strengte sich die nächsten zwei Wochen kräftig an, und der Tag der Entlassung kam dann letzt endlich doch, genau drei Tage vor Kians Geburtstag.

 

„Hallo Mum, nimmst du gleich meine Sachen, ich möchte hier noch was erledigen“, sagte Max.

 

„Was?“, fragte seine Mutter.

 

„Ich wollte Kim, doch noch das Bild von mir vorbei bringen, für seine Sammlung.“

 

„Stimmt ja, aber mach nicht so lange, ich warte dann am Auto auf dich.“

 

„Geht klar Mum“, sagte Max und verschwand aus dem Zimmer.

 

Einen Stock zum Stützen hatte er zwar immer noch, aber das war ihm egal. Hauptsache er konnte wieder laufen, auch wenn ihn Richard damit aufzog, wie ein alter Mann auszusehen. Nach großer Anstrengung hatte er endlich das Zimmer von Kim erreicht. Er klopfte an.

 

„Herein“, kam es von drinnen. Er öffnete die Tür.

 

„Hallo Max, kommst du dich noch verabschieden, das ist aber lieb von dir.“

 

„Ich werde doch nicht meinen Freund hier einfach vergessen, außerdem habe ich dir noch etwas mitgebracht.“

 

„Was denn?“

 

„Hier ein Bild von mir, für deine Sammlung.“

 

„Man Max, das ist echt super von dir. Stellst du es bitte zu den Anderen?“

 

„Ja kann ich machen.“

 

Max umrundete langsam das Bett und stellte das Bild auf die Kommode zu den anderen Fotografien.

 

„Deine Augen strahlen heute so, hat das einen bestimmten Grund?“ wollte Max wissen.

 

„Ja das hat es, bei einer Routineuntersuchung haben sie festgestellt dass ein paar Nervenstränge falsch zusammen gewachsen sind.“

 

„Und das bedeutet?“

 

„Das wenn ich mich einem Eingriff unterziehe, dass die Möglichkeit wieder laufen zu lernen um mindestens um fünfzig Prozent steigt.“

 

„Wow, super. Und warum hat das keiner früher entdeckt. Hast du es schon deinen Eltern gesagt?“

 

„Da fragst du mich zu viel, und nein ich sage meinen Eltern noch nichts, sie sollen sich nicht unnötig Hoffnungen machen. Und da wegen verschiedener Untersuchungen die nötig sind, die Operation eh erst Ende August ist, halte ich da mich doch lieber zurück.“

 

„Das ist dein alleiniges Recht, so jetzt muss ich aber, meine Mum wartet draußen schon am Wagen auf mich, aber ich komme dich weiterhin besuchen, wenn ich darf.“

 

„Natürlich darfst du, ich will ja wissen, was auf Kians Geburtstag so abgegangen ist, und schon aufgeregt?“

 

„Ja und wie. Ich werde dir alles beim nächsten Besuch erzählen. Also bis dann Tschüss Kim!“

 

Max nahm Kim in den Arm und drückte ihn fest.

 

„Tschüss Max und vergiss mich nicht.“

 

„Keine Sorge Kim bestimmt nicht.“

 

Und schon verließ Max das Zimmer.

 

*-*-*

 

Drei Tage später im Flugzeug…

 

„Ich kann es noch gar nicht glauben Christine, endlich werde ich mal Paris  sehen, die Stadt der Liebe“, sagte Marianne.

 

„Und dir wahrscheinlich einen hübschen Franzosen anlachen, oder?“

 

„Christine, was denkst du von mir.“

 

„Nur das beste.“

 

Beide fingen an zu lachen. Richard gesellte sich zu Max der alleine an einem Fenster saß und versuchte etwas am Boden zu erkennen.

 

„Und schon aufgeregt Max, Kian weiß wirklich nicht das du kommst?“

 

„Nein Richard, wir haben vorhin noch mal telefoniert. Er war total traurig und wäre gerne sofort zu mir geflogen, weil er seinen Geburtstag nicht ohne mich feiern wollte. Da aber extra seine Familie von Dublin angereist kommt, geht das natürlich nicht. Zu meinem Glück.“

 

„Ich denke Mark hätte ihn ja bestimmt abgehalten, wenn er sich das anders überlegt hätte“, meinte Richard.

 

„Jo, ich denke schon, wobei der keinen Kopf mehr hat und nur noch an seine Jule denkt.“

 

„Neidisch?“, kam es von der Sitzreihe vorne dran.

 

Jule setzte sich auf und drehte sich zu den Beiden.

 

„Wieso sollte ich neidisch sein, auch wenn mein Schatz mich nicht erwartet, weiß ich schon, dass er sich freuen wird“, beantwortete Max die Frage von Jule.

 

„Ich freue mich auch auf Mark“, sagte Jule, „wir haben letzten Tage jeden Abend miteinander telefoniert.“

 

„Dich hat es ja wirklich erwischt, Jule“, sagte Max.

 

Jule wurde leicht rot auf den Wangen.

 

„Und wie“, sagte Jule und sank grinsend auf ihren Sitz zurück.

 

*-*-*

 

Am Flughafen gab es keine weiteren Probleme. Und natürlich wurden sie schon von Bell und Mark erwartet.

 

„Hi, Mark und Bell“, rief Max, der die beiden als erstes entdeckte.

 

„Wow Max, das klappt ja ganz gut mit den Laufen“, sagte Bell und nahm ihn in den Arm.

 

„Ja nur noch der Stock muss weg, aber mit fühle ich mich im Augenblick besser.“

 

„Na Kleiner bereit für deine großen Auftritt heut abends?“ wollte Mark wissen.

 

„Du meinst wirklich er wird vorher nichts merken?“, fragte Max.

 

„Keine Sorge, alle sind eingeweiht außer natürlich Kian“, gab dieser zurück, „und jetzt lass mich mal los ich muss da jemanden anderen begrüßen.“

 

Mit einem Lächeln lief er zu Jule, nahm sie in den Arm und gab ihr einen Kuss.

 

„Uuuuhhhh“, war von allen zu hören.

 

„Ist das jetzt offiziell?“, wollte Nathalie natürlich gleich wissen.

 

„Ja!“ sagte Jule mit einem strahlenden Gesicht.

 

„So jetzt aber los“, meinte Bell, „sonst merkt noch jemand dass wir zwei im Hotel fehlen.“

 

Das Gepäck wurde entgegen genommen und zum Tourbus transportiert. Und sogleich ging es ab ins Hotel. Bell wandte sich noch einmal zu den anderen.

 

„Also Leute, Kian ist im Augenblick bei einem Interview, also freie Bahn für uns. Eure Zimmer sind bereit. Die Party steigt heute abends um acht, also ihr habt genug Zeit um euch frisch zu machen und umzuziehen.“

 

„Bell du kennst meine Mutter noch nicht, die braucht ewig“, sagte Max und hatte die Lacher auf seiner Seite.

 

„Maximilian Kehrer, das will ich überhört haben!“, erwiderte Marianne, worauf das Gelächter noch lauter wurde.

 

*-*-*

 

Im Hotel im oberen Stockwerk…

 

„Und wer bekommt welches Zimmer?“, wollte Christine wissen.

 

Marc und Bell halfen den anderen ihre Zimmer zu finden. Max`s Zimmer lag natürlich direkt neben dem von Kian.

 

„So Max, ich werde dann gleich Kian rauf holen, und du stellst dich am besten mitten ins Zimmer. Ich werde die Tür verschließen“, sagte Marc.

 

„Du denkst natürlich auch an alles, ich danke dir von Herzen“, erwiderte Max.

 

„Für Kian und dich tue ich doch fast alles“, sagte Marc grinsend und verlies das Zimmer.

 

Max wurde nervös, Seit dem Unfall, hatte er Kian nur noch kurz danach im Krankenhaus in Hamburg gesehen, seither hatte es keine Möglichkeit mehr geben. Der einzige Kontakt war per Telefon. Plötzlich hörte er laute Stimmen auf dem Flur.

 

„Man Marc, ich hatte doch gesagt ich will keine Feier“, kam es von Kian.

 

„Das man dich erst immer zu deinem Glück zwingen muss“, schien Marc zu kontern, „außerdem hab ich ja nur gesagt, ziehe bitte was anderes an oder?“

 

Max hörte wie die Karte durchs Schloss gezogen wurde und es Klick machte. Der Tür Griff wanderte nach unten und die Tür öffnete sich langsam.

 

„Ich sage dir aber gleich, ich habe keine Grund da lange zu erscheinen“, sagte Kian beim Reingehen.

 

„Nicht mal wenn ich der Grund bin“, sagte Max.

 

Kian schaute auf.

„Max…, Max du bist hier…?“, sagte Kian mit erstickender Stimme.

 

„Wo soll ich sonst sein?“, sagte Max und lief vorsichtig ein paar Schritte zu Kian.

 

Kian schaute erstaunt auf Max`s Beine.

 

„Ich hab es dir versprochen, ich lern für dich wieder laufen…“

 

„Max…“

 

Kian sprang auf Max zu und nahm ihn in die Arme. Marc stand an der Tür, grinste Max nickend an, und schloss hinter sich die Tür.

 

„Kian…, Kian ein bisschen vorsichtig bitte, ich kann noch nicht so gut stehen“, meinte Max.

 

Kian nahm ihn auf den Arm und trug ihn zum Bett, wo er ihn sanft hinlegte. Was folgte war ein langer Kuss.

 

„Man Kleiner habe ich dich vermisst. Ich dachte ich kann dich erst im Sommer wieder sehen. Das ist heut wohl das schönste Geburtstagsgeschenk, was ich bekommen habe“, sagte Kian.

 

Tränen liefen ihm über die Wangen.

 

„He mein Schatz warum weinst du?“

 

„Ich dachte immer, das du es nicht schaffst mit dem Laufen, ich habe dir da zu wenig vertraut.“

 

„Ich sagte ja schon Unkraut vergeht nicht, so und jetzt wasch dein Gesicht und zieh etwas Schickes an. Ich bin wieder da, und es kann nur ein traumhafter Abend werden.“

 

Kian gab ihm keine Antwort, sondern hauchte ihm sanft eine Kuss auf die Lippen.

 

*-*-*

 

In einem anderen Zimmer.

 

„Jetzt sind wir wohl Leidensschwestern, Christine.“

 

„Was meinst du damit Marianne.“

 

„Ganz einfach. Mein Sohn hat Kian und deine Tochter hat Mark.“

 

„Ich finde das aufregend.“

 

„Wieso aufregend?“

 

„Gibt doch mal zu. An Weihnachten waren wir in Dublin jetzt sind wir in Paris, was der Sommer bringt daran möchte ich gar nicht denken. Wann kommen wir zwei schon mal so herum in der Welt? Du musst das genießen Marianne.“

 

„Und du meinst die wollen uns immer dabei haben?“

 

„So wie Jule gesagt hat schon. Von Max weiß sie, dass er dich gerne immer dabei hat.“

 

„So etwas erzählt mir mein Max nie.“

 

„Aber es ist ein sicheres Zeichen, dass er dich liebt Marianne. Er will alles teilen. Du warst immer für ihn da, und ich denke er will sich einfach mal bedanken, auch wenn er es nicht Worten tut.  Du kannst stolz sein auf deinen Großen. So jetzt aber, welches Abendkleid ziehen wir an heut abends?“

 

„Gute Frage, wenn ich das wüsste.“

 

*-*-*

 

„Was ist los mit dir mein alter Brummbär?“, sagte Nathalie und strich ihrem Freund durch die Haare.

 

„Immer noch wegen Max?“

 

„Ja irgendwie schon. Wir hatten so wenig Zeit miteinander zu reden. Nur immer Kian.“

 

„Richard“, er schaute auf, „ bist du da nicht ein wenig ungerecht?“

 

„Wieso ungerecht?“

 

„Denk mal dran, wie es war als wir uns kennen lernten. Du hast Max auch links liegen lassen, am Anfang hast du mir nicht mal von ihm erzählt.“

 

Nathalie nahm Richard in den Arm.

 

„Lass ihm einfach Zeit Richard. Bei Max dauert, dass eben ein bisschen länger als bei uns. Schon alleine wegen dem Unfall, wie viel Zeit hat er mit seinem Kian bisher verbracht? Du siehst mich fast jeden Tag. Die beide wenn es hoch kommt vielleicht mal alle zwei Monate. Und außerdem, wenn du ein Problem hättest, Max wäre der Letzte der dir die Hilfe verweigern würde.“

 

Richard schaute Nathalie in die Augen.

 

„Meinst du wirklich?“

 

„Ja ich mein das so. Ich glaube Richard, seit dein Vater gestorben ist, war Max für dich irgendwie der große Bruder, zu dem du immer gehen konntest, egal mit was, stimmt doch, oder?“

 

„Ähm…. ja schon.“

 

„Sag jetzt nicht aber Richard, Max hat ein Recht aufs eigene Leben, er kann nicht immer auf dich aufpassen, wie er es in der Vergangenheit getan hat!“

 

„Ich brauche ihn immer noch, ich weiß.“

 

„Wieso, für deine Entscheidungen und deine Selbstsicherheit? Ich kann mich gut erinnern wer von uns beim Unfall den kühlen Kopf behalten hatte. Da warst du alles andere als unsicher. Und vor allem, dass hast du Max zu verdanken.“

 

„Nathalie.“

 

„Ja.“

 

„Ich bin so glücklich, dass ich so eine liebevolle Freundin habe, die mit so einem großen Herz ausgestattet ist. Danke.“

 

Beide umarmten sich kräftiger und küssten sich.

 

*-*-*

 

„Kian hör auf ich krieg ja keine Luft mehr, du bist ja richtig süchtig“, sagte Max.

 

„Stimmt Kleiner ich kann von dir nicht genug kriegen.“

 

„So jetzt aber Schluss, Gesicht waschen und umziehen, sonst kommt uns wo möglich noch jemand holen.“

 

„Du Max, da fällt mir was ein. Ich habe mir erst neulich in Rom was zum Anziehen gekauft.

 

Und weil ich weiß, dass es dir auch gefallen würde, hab ich dir es gleich mit gekauft.“

 

„Du hast schon wieder Geld für mich ausgegeben, waren es nicht genug Geschenke in den letzten drei Wochen?“

 

„Hast du dich nicht darüber gefreut?“

 

„Und wie, muss zugeben, ich konnte es nicht abwarten, was als nächstes von dir kam.“

 

Beide fingen an zu lachen und Kian ging an eine von seinen Koffern. Er holte eine größere Schachtel heraus und kam zu Max ans Bett zurück.

 

„Würdest du das bitte anziehen?“

 

Max öffnete die Schachtel, und zum Vorschein kam ein schwarzer Anzug von Armani.

 

„Für mich, wow.“

 

Max zog das edle Teil heraus. Eine glatt geschnittene Hose, eine kragenlose Jacke, und ein weites weises Hemd.

 

„Kian, du müsstest mir aber beim Anziehen helfen, ich bin noch ein wenig unsicher auf meinen Beinen.“

 

„Aber klar doch Kleiner, gerne doch.“

 

Kian zog Max die Schuhe aus.

 

*-*-*

 

„Wow Max wo hast du das edle Teil her?“, fragte Jule und hinter Max kam Kian herein spaziert, „dumme Frage, Kian hat das selbe an, schon gut.“

 

„Gefalle ich dir?“, fragte Max.

 

„Und wie, dass kannst du mir glauben“, antwortete  Jule.

 

„Muss ich jetzt eifersüchtig werden, oder muss ich mir auch so was kaufen?“ meinte Marc der hinter Jule stand.

 

„Nein mein Schatz du gefällst mir auch so“, sagte Jule.

 

Kian und Max mussten grinsen. Jule, Richard und Nathalie gratulierten Kian zum Geburtstag. Beide liefen danach Hand in Hand weiter durch den Raum. Bei Kians Eltern blieben sie stehen um sie zu begrüßen.

 

„Mensch Max, du kannst ja wieder ganz toll laufen“, kann es von Kians Vater.

 

„Und das sogar ohne Stock, Kian ist eine gute Stütze“, sagte Max.

 

Alle mussten Grinsen.

 

„He Jungs, kommt ihr mal rüber?“, rief  Marianne.

 

Die beiden liefen hinüber und setzten sich an den Tisch zu Marianne.

 

„Kian, Max wollte es nicht, aber du bekommst es trotzdem“, fing Marianne an.

 

„Mum bist du dir wirklich sicher?“

 

„Ja Max bin ich“, und schob Kian ein kleines Etui zu.

 

Kian öffnete vorsichtig das Kästchen und ein Medaillon mit einer Goldkette kam zum Vorschein.

 

„Herzlichen Glückwunsch mein Schwiegersohn“, sagte Marianne und stand auf um Kian zu umarmen.

 

Christine war sichtlich angetan und wischte sich die Tränen aus den Augen.

 

„Die Kette ist von Christine und das Medaillon von mir“, sagte Marianne, „mach es doch mal auf!“

 

Kian hatte bis jetzt noch kein Wort über die Lippen gebracht. Mit zitternden Händen öffnete er den kleinen Verschluss und öffnete den Deckel. Ein Kinderbild und ein aktuelles Bild von Max waren zu sehen.

 

„Oh Marianne und Christine, ich weiß wirklich nicht was ich sagen soll“, sagte Kian.

 

„Wie wäre es mit Danke?“ meinte Max frech grinsend.

 

„Danke“, sagte Kian lächelnd und umarmte Marianne und Christine.

 

*-*-*

 

Etwas später am Abend.

 

„Du Max, Kian hat uns von deinem Freund Kim in der Klinik erzählt“, sagte Shane.

 

„Ja und?“, fragte Max.

 

„Also ich und die Jungs dachten uns, wenn wir im Herbst unsere Tournee in Frankfurt beenden, meinst du wir könnten ihn dazu nicht einladen?“

 

„Das wäre wirklich ein gute Idee, aber es kommt auch darauf an wie gut er diesen Eingriff übersteht, ich kann ihn aber wenn ich zurück bin fragen.“

 

„Gut mach das, wäre uns echt eine Freude Kim damit eine Freude zu machen.“ Erwiderte Shane.

 

Auf der Tanzfläche, lief ein Lied von Celine Dior an, Goodbeye’s.

 

„Wollen wir tanzen Kian?“, fragte Max.

 

„Bist du sicher, ich meine wegen deinen Beinen?“ antwortete Kian.

 

„Kian, das ist sehr langsam, das wird ich noch schaffen“, sagte Max und erhob sich von seinem Stuhl.

 

Beide liefen langsam auf die Tanzfläche, nahmen sich in den Arm und fingen an zu tanzen. Mittlerweile waren auch Jule und Marc auch Nathalie und Richard gekommen. Die Tanzfläche füllte sich und es war nicht der letzte Tanz, den die beiden miteinander tanzten.

 

*-*-*

 

In Kians Zimmer…

 

„Wann musst du wieder zurückfliegen Kleiner?“, fragte Kian.

 

„Morgen Mittag“, sagte Max.

 

„Schon.. schade.“

 

Kian lehnte sich zurück und legte seinen Kopf auf seine verschränkten Arme.

 

„He Jo, nicht traurig sein.“

 

„Wie hast du mich grad genannt?“

 

„Jo, warum?“, fragte Max mit einem Grinsen, „oder hätte ich dich lieber Francis nennen sollen, Kian John Francis Egan?“

 

Max legte sein Kopf auf Kians Brust und streichelte dabei seinen Körper.

 

„Du weißt immer wie du mich aufmuntern kannst. Max ich hätte eine Frage an dich, du brauchst sie aber nicht gleich zu beantworten, lass dir damit Zeit“

 

„Und die wäre?“

 

Kian schaute Max tief in die Augen.

 

„Könntest du…, könntest du dir ein Leben mit mir zusammen vorstellen, also ich meine immer bei mir zu sein, auf den Tourneen und auch privat.“

 

Max fing wieder an schelmisch zu grinsen.

 

„Die Frage war ernst gemeint“, sagte Kian der das grinsen falsch gedeutet hatte.

 

„Ich weiß, und ich kann dir auch eine Antwort geben lieber Kian … nein und ja!“

 

Kian schaute erstaunt und zu Max, und wollte gerade ansetzten, als Max ihm ins Wort fiel.

 

„Nein deswegen, weil ich jetzt erst meine Schule fertig mache werde, weil mir das wichtig ist, und ja deswegen, weil ich mir selber schon Gedanken darüber gemacht habe und nach den Prüfungen gerne mit dir meine ganze Zeit über den Sommer verbringen würde.“

 

Kian setzte ein Lächeln auf, dass Max fasst dahin schmelzen lies.

 

„Nur den Sommer?“, sagte Kian.

 

Max setzte sich auf und nahm Kians Hand in die seinige.

 

„Kian, dränge mich nicht bitte. Wir kennen uns jetzt gerade fast fünf Monate und das ist eine wichtige Entscheidung in meinem Leben. Es wird alles verändern, woran ich immer gewohnt war. Und deswegen möchte ich nicht soweit voraus planen. Gut, ich muss zugeben, diese fünf Monate, waren die ereignisreichsten in meinem Leben und auch die schönsten, mal von dem Unfall abzusehen.“

 

Eine einzelne Träne suchte ihren Weg über Max`s Wange.

 

„Aber ich will diese Zeit mit dir nicht missen Kian, dafür liebe ich dich viel zu sehr. Also lass mit bitte Zeit. Lassen wir es langsam angehen. Eins kann ich dir versprechen, ab Ende Juni, wirst du mich jedenfalls einige Wochen am Hals haben.“

 

„Tut mir Leid Max, wenn du das Gefühl bekommen hast, das ich dich zu was drängen wollte.

 

Ich wollte einfach mal klare Verhältnisse schaffen, sonst nichts. Es ist auch für mich ein riesiger Schritt, weil es einfach, wie auch für dich, Veränderungen bringt. Ich habe mir auch Gedanken darüber gemacht, was wird wenn es an die Öffentlichkeit kommt, denn ich bin es gewohnt im Rampenlicht zu stehen, und du, du wirst da mit hineingezogen. Auch das wird dein Leben total verändern, zwar nicht in dem Ausmaße wie bei mir, aber davon verschont bleibst du auch nicht. Ich will nur dir klar machen, auf was du dich einlässt Max.“

 

„Um ehrlich zu sein, habe ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht. Und wenn ich mir das ganze so überlege… mit dir an meiner Seite würde ich das auch durchstehen. Kian wir haben einiges durchgemacht und erlebt, das schweißt zusammen. Und ich möchte nicht wegen irgendwelchen Kamaratypen, unsere Liebe opfern.“

 

Kian zog Max zu sich, küsste ihn…

 

*-*-*

 

Frühstück bei Christine und Marianne.

 

„Hier könnt ich ewig bleiben Marianne.“

 

„Wenn du das nötige Kleingeld hast bestimmt Christine.“

 

„Hast du die Preise hier gesehen, die Jungs wohnen ganz schon gehoben.“

 

„Christine, die leben im Augenblick nur aus dem Koffer. Alle drei Tage ein anderes Hotel, irgendwie müssen sie ja einen ruhigen Gegenpol haben zu ihrer Tour, warum dann nicht in solchen Luxussuiten.“

 

„Hast ja Recht, ich könnte das jedenfalls nicht, diese Rumreiserei. Ich bin zu arg Heimchen, um das hier durchzustehen.“

 

„Du Christine kann ich dich was fragen?“

 

„Natürlich schieß los.“

 

„Ich habe mir Gedanken gemacht. Max ist bald mit seinem Job fertig und ich denke der Kleine wird mich bald verlassen.“

 

„Du fürchtest dich vor der Einsamkeit, wenn du deinen Max nicht mehr um dich hast, oder?“

 

„Stimmt, ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Und vor allem ich möchte Max nicht im Wege stehen, wie auch immer er sich entscheidet.“

 

„Ich habe da eine Idee Marianne, wenigstens etwas gegen die Einsamkeit.“

 

„Und die wäre, willst du mich etwa verkuppeln…Kians Vater ist schon verheiratet…“

 

Beide fingen an zu Lachen.

 

„Nein, mal ganz im Ernst, Marianne. Ich weiß, das Ende des nächsten Monat, die Wohnung neben mir frei wird. Und da wir uns so gut verstehen, hätte ich gerne, dass du da einziehst.“

 

„Und das ist dein Ernst?“

 

„Ja ist es Marianne, du weißt Jule ist jetzt mit Marc zusammen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch sie das Haus verlässt, also was meinst du?“

 

„Ich weiß von dir, dass wir fast die gleiche Miete zahlen, die Wohnung ist schon ein Stückchen größer, als die jetzige Wohnung. Es wäre vor allem sehr nahe an meinem Arbeitsplatz, ich wäre nicht unbedingt aufs Auto angewiesen.“

 

„Also abgemacht?“

 

„Ja, abgemacht!“

 

„Da fällt mir noch was ein, die zwei Wohnungen waren früher anscheinend eine, den es gibt eine Verbindungstür zwischen den Beiden. Bei mir steht jetzt zwar ein Schrank davor, aber wir könnten sie wieder in Betrieb nehmen. Was meinst du dazu?“

 

„Ja, wäre nicht schlecht, zumal wir dann nicht immer über den Flur müssten.“

 

„Also wenn wir zu Hause sind, werden wir gemeinsam, das nötige veranlassen.“

 

„Okay.“

 

*-*-*

 

Kians Zimmer…

 

Es klopfte.

 

„Come in!“, sagte Kian.

 

„Morgen Kian, wo ist Max, „ wollte Jule wissen.

 

„Wieso suchst du ihn bei mir?“, fragte Kian grinsend.

 

„Weil er nicht in seinem Zimmer ist, und er nur bei dir sein kann.“

 

„Beide mussten laut lachen.“

 

„Schon gut, ich habe ihn ein Bad eingelassen, und ihn reingesetzt. Ich wollte ihn nicht alleine lassen, ein wenig unsicher ist er halt doch noch.“

 

„Ja ist er. Meinst du ich kann auf ihn hier warten?

 

„Klar warum nicht, ich hole ihn jetzt eh raus, bevor er Schwimmhäute bekommt.“

 

Wieder musste Jule und er lachen.

 

„Was gibt es hier zu lachen?“, kam es von der Badtür.

 

Max stand nur mit einer Boxer bekleidet im Türrahmen angelehnt.

 

„Man Kleiner konntest du nicht warten, bis ich dir raushelfe würde?“

 

„Es ging ja, zwar ein wenig langsam, aber es ging.“

 

Max lief langsam zu der Sitzgruppe hin und ließ sich fallen.

 

„Aber anstrengend ist es schon, ich muss erst mal verschnaufen.“

 

„Bist echt ein Blödmann, dass du immer gleich übertreiben musst“, sagte Jule ernsthaft.

 

In dem Augenblick sah Jule die frische Narbe auf Max Rücken.

 

„Sie stand auf und fuhr sanft mit dem Finger darüber.

 

„Bitte nicht!“, sagte Max und zuckte zusammen.

 

Jule fuhr erschrocken zurück.

 

„Entschuldige Max, habe ich dir wehgetan?“

 

„Nein Jule, aber bei jeder Berührung werde ich irgendwie schmerzlich an diesen Abend erinnert und vor mir laufen die Bilder ab.“

 

„Das tut mir Leid Max, dass wollte ich nicht.“

 

„Nicht schlimm Jule, du konntest es ja nicht wissen.“

 

Max soll ich dir den Rücken wieder eincremen“, sagte Kian, der in der Zwischenzeit, Kleidung aus Max`s Zimmer geholt hatte.

 

„Ja wäre nett Kian, ich will mich anziehen so langsam wird’s mir kalt ohne Klamotten.“

 

„Och ich finde den Anblick ganz süß, oder Jule?“

 

„Hast Recht Kian, ich habe Max schon immer süß gefunden.“

 

„Jule…“, kam es gespielt entsetzt von Max.

 

Alle fingen an zu lachen.

 

„Meinst du die anderen würden mit uns Frühstücken, ich würde den Zimmerservice bestellen“, fragte Kian.

 

„Also Marc steht noch unter der Dusche, müsste aber gleich fertig sein“, erwiderte Jule.

 

„Woher weißt du das?“, lachte Max.

 

Jule wurde wieder rot.

 

„Kian reichst du mir mal das Telefon ich klingle mal Richard an, ob sie Lust haben rüber zu kommen“, meinte Max.

 

Kian reichte ihm das Telefon, und begann seinen Rücken einzucremen.

 

„Hallo Richard, hab ich euch geweckt oder bei was gestört?“, fragte Max und schaute grinsend zu Jule.

 

„Nein, wir sind grad am Anziehen.“

 

„Hättet ihr Lust mit uns zu frühstücken?“

 

„Natürlich, sind in einer viertel Stunde bei euch… ähm bei wem denn eigentlich?“

 

„Bei Kian.“

 

„Stimmt wo den sonst. Bye“, sagte Richard und legte auf.

 

„Ich werde dann mal nach Marc sehen und ihn rüber bringen“, meinte Jule und verließ das Zimmer.

 

„Kian, hilfst du mir bitte beim anziehen?“

 

„So gefällst du mir aber besser.“

 

Kian nahm Max in den Arm und ihre Lippen trafen sich zu einem Kuss.

 

*-*-*

 

Jule betrat Marcs Zimmer.

 

„Marc bist du schon fertig?“

 

„Ja, ich komme gleich, warum fragst du?“

 

„Wir sollen hinüber kommen zu Kian, wir wollen alle zusammen frühstücken.“

 

„Ihr seid auch die Unzertrennlichen“, sagte Marc und kam aus dem Bad.

 

„Warum auch nicht, jeder braucht gute Freunde.“

 

„Stimmt und eine Freundin.“

 

Jule lächelte und zog ihn zu einem Kuss zu sich.

 

„Hast du dir über meinen Vorschlag Gedanken gemacht.“

 

„Euch auf der Tour im Sommer zu begleiten?“

 

„Ja.“

 

„Ich hab lange darüber nachgedacht und ich denke es wäre für mich mal ein anderer Urlaub. Auch wenn er etwas stressig ist.“

 

„Du willst wirklich mit Jule?“

 

„Klar doch, kann doch meinen Schatz nicht mit den vielen tauenden weiblichen Fans alleine lassen.“

 

Beide fingen an zu lachen.

 

*-*-*

 

Kians Zimmer

 

„Bitte Kian, hilf mir, ich friere.“

 

„Okay Kleiner, komm her ich helfe dir.“

 

„Danke, alleine bin ich doch noch etwas unsicher.“

 

„Schon gut Max, mach ich doch gerne.“

 

Es klopfte an der Tür.

 

„A moment please!“, sagte Kian.

 

Er lief an die Tür und öffnete.

 

„Und können wir reinkommen, oder sollen wir im Flur frühstücken?“, sagte Nathalie grinsend.

 

„Kommt rein, Max ist gerade am anziehen, aber er ist gleich fertig“, antwortete Kian.

 

Nathalie und Richard liefen ins Zimmer, gerade rechtzeitig um zu sehen, das Max das Gleichgewicht verlor. Richard stürzte sich auf ihn und konnte ihn gerade noch auffangen.

 

„Danke Richard, dass war knapp.“

 

„Nichts zu danken, großer Bruder“, antwortete Richard.

 

„Großer Bruder?“

 

„Ja großer Bruder. Richard ist endlich klar geworden, dass du für ihn eigentlich der große Bruder bist, und in den letzten Jahren immer für ihn da warst“, erwiderte Nathalie.

 

Max schaute in Richards großen Augen.

 

„Danke Richard, das ehrt mich!“

 

„Nichts zu danken“, erwiderte Richard.

 

Beide fielen sich in die Arme und blieben so einige Augenblicke stehen.

 

„Du musst jetzt nicht eifersüchtig werden Kian, Richard ist meiner und das wird auch so bleiben“, sagte Nathalie, die Kians Blick auf die Beiden verfolgte.

 

„Mein Großer ist eifersüchtig, das nenn ich mal süß“, sagte Max und humpelte zu Kian.

 

„Wie kommst du darauf?“, sagte Kian mit einem Lächeln.

 

Max zog Kian zu sich und gab ihm sanft einen Kuss.

 

„Könnt ihr mal mit der Schmuserei aufhören, ich habe nämlich Hunger.“

 

Dies war die Stimme von Marc, der mit Jule an der noch immer offenen Tür stand.

„Sag bloß der Zimmerservice war noch nicht da, mit knurrt schon der Magen“, setzte Marc noch dran, und rieb über seinen Bauch.

 

„Irgendwann wirst du das büßen, dass du immer soviel isst“, sagte Kian.

 

„Mit deiner Traumfigur kann ich es allemal noch aufnehmen“, meinte Marc.

 

Alle prusteten los, keiner konnte sich fast noch auf den Füßen halten vor Lachen.

 

„Boah noch ein Brötchen und ich platze“, sagte Marc.

 

„Jule, du musst auf Marc aufpassen, sonst haben wir bald ne Kugel auf der Bühne rumtanzen“, sagte Kian lachend.

 

„Menno, wenn ich verliebt bin krieg halt Hunger, kann ich was dafür“, meinte Marc.

 

„Oh Gott, da kommt ja noch was auf uns zu“, erwiderte Kian und alle stimmten in sein Lachen ein.

 

„Leute, etwas ganz anderes“, unterbrach Marc den Heiterkeitsanfall der anderen, „also Jule und Max begleiten uns in den Sommerferien auf unserer Tour. Wie sieht es mit euch beiden aus Richard und Nathalie?“

 

Die beiden schauten sich an und Richard ergriff das Wort.

 

„Wäre ja toll, aber wir wollen euch nicht zur Last fallen Marc.“

 

„Ach was, ihr fallt uns nicht zur Last. Ihr gehört mittlerweile genauso zur Familie, wie Max und Jule. Ohne euch könnten wir uns das jetzt auch nicht vorstellen.“

 

Nathalie schaute nachdenklich zu Marc.

 

„Ich weiß nicht, das sind doch emenze Kosten, die durch uns entstehen, dass möchte ich nicht.“

 

„Nathalie, mal ganz bescheiden ausgedrückt, wir verdienen schon einiges, und außerdem werden unsere Zimmer eh von Veranstalter gezahlt. Und ein Zimmer mehr oder weniger, wird die nicht umbringen.“

 

„Wieso nur ein Zimmer?“

 

„Nathalie ist heute nicht von der schnellen Truppe, glaub ich Marc“, sagte Jule, „ganz einfach Nathalie, ich schlaf bei Marc und Max ist sowieso bei Kian im Zimmer, und für euch brauchen wir nur ein Zimmer.“

 

„Und uns habt ihr natürlich vergessen, oder?“ sagte Christine, die Marianne in der Tür stand.

„Nein überhaupt nicht“, sprach Kian.

 

Alle Köpfe flogen herum und schauten Kian fragend an.

 

„Mein Vater hat mir den Auftrag gegeben euch nach Irland einzuladen, ob ihr nicht ein oder zwei Wochen mit meinen Eltern verbringen wollt.“

 

Alle Köpfe am Tisch wanderten wieder zu Marianne und Christine die noch immer an der Tür standen. Fast wie bei einem Schlagabtausch beim Tennis.

 

„Darüber lies sich reden“, meinte Marianne zu Christine, „und wann soll das genau sein?“

 

Wieder wandten sich alle zu Kian. Max der dieses Schauspiel mit den Köpfen beobachtete, fing an zu kichern. Kian schaute ihn ein wenig verwundert an. Max zuckte mit den Schultern.

 

„Ungefähr dann, wenn wir im Sommer eine Pause einlegen und die in Irland verbringen werden“, antwortete Kian.

 

„Dann wären wir ja alle wieder zusammen“, sagte Christine, „so Marianne nun aber los, ich will noch was von Paris sehen bevor wir heute Mittag zurück fliegen, also Tschüß Kinder bis nachher.“

 

Beide verließen das Zimmer.

 

„Und wir?“, stellte Jule die Frage in den Raum.

 

„Also ich bleibe bei Kian im Zimmer, ich will nicht noch mal umkippen“, sagte Max.

 

„Marc und ich haben nachher noch einen Soundcheck, aber ich werde nachher auch wieder hier sein“, meinte Kian.

 

„Also ich habe auch keine sonderliche Lust dazu irgendwo hier rum zu laufen“, sagte Richard und Nathalie nickte ihm zu, „Max wenn du nichts dagegen hast, werden wir dir Gesellschaft leisten.“

 

„Geht klar, wäre auch langweilig alleine hier auf meinen Schatz zu warten“, meinte Max und grinste dabei Kian an.

 

„Aha, als Lückenbüßer, sollen wir also da bleiben“, Jule spielte die Empörte.

 

„Ach und du wartest nicht auf jemanden bestimmten“, wollte Max sie ärgern.

 

„Wie kommst du darauf, auf wen sollte ich warten?“, erwiderte sie zu Max.

 

Marc stand auf und gab Jule einen sehr sinnlichen Kuss, dass sie fast vom Stuhl gerutscht wäre.

Alle stimmten in ein herzhaftes Lachen ein.

 

„Okay, okay, ich gebe mich geschlagen“, meinte Jule und strich Marc sanft über die Wange.

 

*-*-*

 

Zu einem späteren Zeitpunkt, im gleichen Zimmer…

 

„Scheiße“, sagte Max und knallte den Hörer aufs Telefon.

 

„Was ist denn Max?“, wollte Nathalie wissen.

 

„Ach irgendwas ist bei den Proben schief gelaufen, Kian und Marc können nicht kommen, also sehen wir sie nicht vor der Abreise.“

 

„Oh nein“, entfuhr es Jule.

 

„Mal ganz ruhig“, sagte Richard, „Max gibst du mir mal Kians Handynummer?“

 

„Was willst du denn mit der?“, fragte Max und gab sie Richard.

 

„Abwarten…“

 

Richard gab die Nummer ein und wartete.

 

„Hallo Kian hier ist Richard…, ja habe ich schon gehört…, könntest du dafür sorgen, dass wir problemlos in die Halle kommen…, ja natürlich wir werden pünktlich unten sein…, nein Bell brauchst du nicht unbedingt mit zuschicken … ja geht in Ordnung, mach ich …Ciao bis nachher.“

 

„Wow Richard, du erstaunst mich immer wieder“, sagte Jule.

 

„Reiner Eigennutz, Jule. Ich möchte nachher einen ruhigen Rückflug mit Nathalie genießen und nicht zwei Heulsusen trösten müssen.“

 

„Ich bin stolz auf dich“, sagte Nathalie und küsste ihn zur Belohnung.

 

„Mmmmmmmmh, kann ich noch mehr haben?“, fragte Richard.

 

„Später… vielleicht;“ meinte Nathalie grinsend.

 

Christine und Marianne waren auch schon da, und begannen ihre Sachen zu packen.

 

„Und alle fertig?“, rief Jule über den Flur.

 

„Ja“, kam es fast aus allen Zimmern gleichzeitig.

 

Ein Page kam und holte das Gepäck mit einem Wagen ab.

 

„Nun macht schon der Wagen steht unten und wartet“, sagte Jule ungeduldig.

 

„Du wirst doch einen alten Mann nicht über die Flure jagen wollen“, sprach Max und lief an seinem Stock langsam zum Aufzug.

 

„Schon gut“, erwiderte Jule grinsend.

 

*-*-*

 

Ohne Probleme kamen sie auf das Gelände der Halle. Obwohl das Konzert erst abends stattfand, waren schon recht viele Fans anwesend und hatten sich am Zaun entlang versammelt. Als ihr großer Wagen anhielt und Max ausstieg, fingen einige Fans an zu klatschen und jubeln.

 

„Tja Max, du bist jetzt schon ein wenig bekannt“, sagte Bell, die bereits zu Auto gelaufen kam.

 

„Bekannt?“, fragte Max.

 

„Einige Jugendzeitschriften berichteten über den Zwischenfall, bei der Verleihung Anfang März und haben sogar ein Bild von dir veröffentlicht…, und das scheinen einige doch in Erinnerung zu haben“, erwiderte Bell.

 

Max schaute zu den immer noch johlenden Fans und winkte ihnen zu.

 

„Los Max komm schon wir haben nicht mehr viel Zeit“, sagte Jule fast drängend.

 

„Lauf du schon vor zu Marc, ich komm dann irgendwann hinterher“, sagte Max leicht verärgert.

 

„Da fällt mir etwas Besseres ein“, sagte Richard und nahm Max ohne Vorwarnung auf den Arm.

 

„Richard lass mich runter, ich bin doch kein kleines Kind mehr“, sagte Max jetzt doch leicht säuerlich.

 

„Bei den Fans kommt es an, schau nur wie sie verrückt Fotos von uns machen.“

 

„Na sauber, aber jetzt ist es ja auch schon egal, komm lass uns rein gehen Kian wartet bestimmt schon.“

 

„Okay Herr und Meister, dein Weg wird auch meiner sein.“

 

Beide fingen an zu lachen.

 

*-*-*

 

Die Jungs standen auf der Bühne und sangen gerade „I have a dream“ ein altes Stück, von Abba, was Max auch gerne hörte. Bell hatte einen Stuhl für Max gebracht, wo er sich dankbar draufsetzte.

Die Boys beendeten ihre Probe und kamen in den Backstagebereich. Alle redeten durcheinander, jeder begann sich von jedem zu verabschieden. Es flossen Tränen und dann wurde wieder gelacht.

 

„Na mein Kleiner, die Zeit bis Ende Juni bringen wir auch noch vorbei“, sagte Kian zu Max.

 

„Okay Großer, wenn du mir versprichst mich nicht zu vergessen, dann komm ich damit klar.“

 

„Wie könnte ich diesen Traumboy, den ich über alles liebe, vergessen“, sprach Kian und nahm Max fest in den Arm.

 

„Ich liebe dich Max!“

 

„Ich liebe dich auch Kian!“

 

Und beide gaben sich einen Kuss. Kian wurde am Ärmel leicht gestoßen.

 

Jungs passt doch auf, hier könnte jeden Augenblick irgendein Reporter auftauchen“, sagte Shane.

 

„Wäre mir mittlerweile auch egal“, sagte Kian der von Max abgelassen hatte, „es soll ruhig alle wissen, wie sehr ich meinen Kleinen liebe.“

 

„Bist du dir sicher?“, fragte Max leise.

 

„So sicher wie jetzt war ich noch nie.“

 

Noch mal fielen sich alle in den Arm und wenn es auch noch so schwer fiel, mussten sie sich trennen. Der Wagen brachte die Sechs an den Flughafen.

 

*-*-*

 

Buisnessclass…

 

Zu viert saßen sie an einem Tisch und schlürften ihre Drinks.

 

„Und ihr zwei seit sicher, dass ihr das auf nehmen wollt?“, fragte Christine.

Jule und Max nickten.

 

„Ich weiß, dass sich alles verändern wird, wenn das mit Kian und mir an die Öffentlichkeit kommt. Aber ich stehe zu Kian, und das weiß er auch“, sagte Max.

 

„Und mir geht das mit Marc nicht anders“, setzte Jule hintendran.

 

„Sie werden halt nicht nur euch durchleuchten, sondern auch uns, ihr wisst wie die Presse ist, sie gräbt alles um, um ne gute Story zu bekommen“, sagte Marianne.

 

„Wir werden uns schon zu wehren wissen, wir wohnen dann ja zusammen“, lachte Christine und nahm noch einen kräftigen Schluck von ihrem Drink.

 

„Wie zusammen wohnen?“, kam es fast aus einem Mund von Jule und Max.

 

„Jule, du weißt doch das Manuela nebenan ausziehen, und da sie noch keinen Nachmieter gefunden hat, beschlossen ich und Marianne, dass sie die Wohnung über nimmt.“

 

„Und wann wolltet ihr uns das sagen?“, fragte Jule.

 

„Wieso wir sagen es euch doch gerade, und außerdem müssen wir ja auch schließlich an uns denken“, sagte Christine und schaute zu Marianne die ihr zu nickte.

 

„Genau, weil so wie es aussieht werdet ihr zwei uns ja nicht mehr lange erhalten bleiben, oder?“ wollte Marianne wissen.

 

„Jetzt planen die schon über uns“, sagte Jule gespielt entrüstet zu Max.

 

„Die wollen uns einfach nur aus dem Haus haben, um selber wüste Orgien mit jungen Männer feiern zu können“, erwiderte Max frech grinsend.

 

Prompt kam ein Kissen geflogen und traf Max genau ins Gesicht.

 

„Mein Sohn wieder, was der von seiner alten Mutter hält…“, sagte Marianne.

 

„Das gleiche was du von mir hältst“, sagte Max und warf das Kissen gekonnt zurück.

Richard erschien auf der Bildfläche.

 

„Und da soll mir noch einer erzählen Erwachsene wären vernünftig“, sagte Richard, wofür er gleich vier Kissen abbekam.

 

*-*-*

 

Zurück in München…

 

Max schloss die Tür auf. Der Briefschlitz quoll über vor Zetteln.

 

„Komisch wir waren doch nur ein Wochenende weg, warum ist der Briefkasten so voll?“, sagte Marianne die gerade ihren Koffer im Flur abstellte.

 

„Ah, Frau Kehrer, sind sie zurück, habe ich doch richtig gehört“, kam es von der Nachbarin.

 

Frau Möllendorf.

 

Max konnte sie noch nie ausstehen. Sie war aufdringlich, neugierig und steckte in alle Sachen ihre Nase rein, die sie nichts angingen. Max nickte ihr nur zu, was sie aber völlig ignorierte.

 

„Hallo Frau Möllendorf, wir sind eben zurückgekommen“, antwortete Marianne höflich.

 

„Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier los war. Laufend waren Leute hier, die nach Max gefragt haben. Hat ihr Sohn etwas angestellt?“

 

„Bestimmt nicht, dazu kennen ich meinen Sohn zu gut. Sie wissen nicht was die Leute genau wollten?“

 

Marianne wurde langsam ärgerlich.

 

„Och, sie haben mich über Max ausgefragt, was er so treibt und so.“

 

„Und da haben sie natürlich frei von der Leber alles erzählt, was ihnen einfiel“, sagte Max`s Mutter im scharfen Ton.

 

„Ich wollte ja nur behilflich sein, das hat man jetzt davon. Wieso habe ich nur etwas gesagt“, sagte die Möllendorf empört.

 

„Das Frage ich mich auch, aber Frau Möllendorf, dass wird noch ein Nachspiel haben, dass versichere ich ihnen. Einfach Sachen über meine Sohn fremden Menschen zu erzählen, wie kommen sie überhaupt dazu? Was fällt ihnen eigentlich ein? Woher nehmen sie sich überhaupt das Recht in andere Leute Sachen einzumischen?“

 

Bis jetzt war es ruhig im Flur gewesen, lediglich Mariannes laute Stimme war zu hören. Plötzlich johlte es im Flur los, es wurde Beifall geklatscht und Sachen waren dabei wie. endlich sagte der alten Schachtel mal die Meinung… oder das geschieht ihr recht… Frau Möllendorf wurde feuerrot im Gesicht und plusterte sich regelrecht auf.

 

„Nehmen sie ihre scheiß, kranke Schwuchtel ruhig in Schutz, schade dass der Typ ihn nicht richtig abgeknallt hat. Suchen sie sich eine andere Bleibe, mit solch einem Abschaum möchte ich…“

 

Weiter kam die Möllendorf nicht. Marianne hatte ausgeholt und ihre eine gescheuert. Jetzt kam Marianne erst richtig in Fahrt.

 

„Wer hier der Abschaum ist, ist wohl nicht die Frage sie alte Zimtzicke. Passen sie auf was sie sagen, sonst kommt sie das teuer zu stehen und ihren Wunsch das wir hier ausziehen werden wir fröhlich Sorge leisten, weil ich es hier mit einen solcher narzisstischen Person wie sie als Nachbarin eh nicht aushalte.“

 

Max versuchte seine Mutter in die Wohnung zu ziehen, doch sie war zu sehr in Rage um sich von ihrem Platz bewegen lassen.

 

„Ich werde an die Hausverwaltung schreiben, mit welchen Mitteln sie hier ihre Nachbarn schikanieren und ich denke hier im Haus würde es jeder liebend gern unterschreiben. Und ob mein Sohn schwul ist oder nicht, liebe Frau Möllendorf, dass geht sie einen Scheißdreck an.“

 

Marianne drehte sich um und schob Max in die Wohnung und knallte hinter sich die Wohnungstür zu. Draußen war wieder Beifall zu hören. Und noch immer stand die Möllendorf kreidebleich vor ihrer Wohnung, keiner Bewegung fähig.

 

„Max hol mir irgendetwas zu trinken, egal was, aber irgendwie muss ich jetzt wieder runter kommen“, sagte Marianne.

 

Sie drehte sich zu Max, und sah das er an der Wand gelehnt stand und weinte er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.

 

„Mein Gott Max, was ist denn komm setz dich hin bevor du mir noch umfällst.“

 

Marianne griff nach dem Telefon und wählte die Nummer von Christine. Christine war über den Anruf überhaupt nicht begeistert, sie fluchte am Telefon und versprach sofort zu kommen. Zwanzig Minuten später klingelte es an der Tür, und Marianne ging aufmachen.

 

„Guten Abend, sind sie Frau Kehrer, können wir mit Max sprechen, wir sind von der Zeitu…“

 

„Herrschaften sie können morgen wieder kommen, es ist sonntagabend, könnten sie uns wenigstens jetzt ein bisschen Ruhe gönnen.“

 

Das war Christine, die auf der Treppe stand und begann die Leute von der Tür wegzudrängen.

 

„Und wenn ihnen das nicht gefällt, können sie das der Polizei erzählen, die ich gleich anrufen werde, wenn sie nicht verschwinden.“

 

Die Reporter zogen ab und Christine und Jule, betraten die Wohnung.

 

„Wo ist Max?“, wollte Jule wissen.

 

„Er war eben noch im Wohnzimmer“, antwortete Max`s Mutter.

 

Jule zog ihre Jacke aus und lief ins Wohnzimmer. Max lag auf der Couch total kreide bleich, mit roten Augen vom Heulen.

 

„Max geht es wieder?“, fragte seine Mutter besorgt.

 

Er zitterte an ganzen Körper. Er gab keine Antwort und starrte nur ins Leere.

 

„Max!“, rief Jule und strich ihm dabei über den Arm.

 

„… scheiß kranke Schwuchtel hat sie gesagt…“, stammelte Max.

 

Christine fasste ihm an die Stirn.

 

„Mein Gott der glüht ja richtig, ich glaube dein Sohn hat einen Schock, Marianne rufe lieber einen Arzt an, ich will ja nicht den Teufel an die Wand malen, aber Max sieht wirklich nicht gut aus.“

 

Marianne nahm den Hörer und wählte die Nummer ihres Hausarztes. Währenddessen deckte Jule Max mit einer Decke zu. Christine schaffte die Koffer aus dem Flur in die Zimmer. Sie ging an die Tür und hob den Stapel Papier auf, der aus dem Briefschlitz gefallen war.

 

„Was machen wir denn jetzt?“, sagte Marianne, den Hörer wieder aufgelegt hatte.

 

„Kommt der Arzt?“, fragte Jule.

 

„Ja er ist gleich da.“

 

„Gut dann rufe ich jetzt Bell an.“

 

„Was willst du von Bell.“

 

„Ich erzähl es dir nach dem Telefongespräch mit ihr“, sagte Jule und verschwand in Max`s Zimmer wo sich noch ein Anschluss befand.

 

*-*-*

 

„Keine Sorge Frau Kehrer, ihr Sohn hat sich nur zu viel zugemutet. Seine Beine sind noch nicht ganz fit und dann noch die Schussverletzung vor zwei Monaten, dass war einfach zu viel für ihn. Eine Nacht durchgeschlafen, und es ist alles wieder in Ordnung. Ich habe ihm jetzt ein Beruhigungsmittel gegeben, er dürfte auch bis morgen durchschlafen“, erklärte der Arzt.

 

„Dann bin ich beruhigt“, meinte Marianne, und begleitete den Arzt zur Tür.

 

„So alles erledigt“, sagte Jule.

 

„Was hast du erledigt?“, fragte Christine.

 

„Ich habe mit Mark und Bell telefoniert. Gleich wird ein junger Mann kommen der uns dabei behilflich ist alles zu regeln, wenn die Presse wieder kommen sollte“, erzählte Jule.

 

„Jetzt wundert mich nichts mehr“, sagte Marianne, als sie wieder ins Wohnzimmer trat, „schaut her, das Übel aller Ursachen.“

 

Marianne hatte den Stapel Papiere in der Hand, der sich im Briefschlitz befand. Obenauf lag eine Fotografie. Es waren Kian und Max drauf zu sehen, wie sie sich zum Abschied in der Halle bei Paris küssten.

 

„Sehen die zwei süß aus“, meinte Jule.

 

„Jule, das ist wohl nicht der passende Augenblick!“ meinte Christine.

 

„Mum reg dich nicht auf, warte ab bis Siegfried kommt, den Bell zu uns schickt. So wie mir Bell erklärt das erklärt hat, sind sie dafür schon vorbereitet. Wir bringen Max nichts, wenn wir um ihn herum aufgeschreckt herum rennen. Er braucht seine Familie und seine Freunde zu hundert Prozent.“

 

Christine nickte und Marianne ebenfalls.

 

*-*-*

 

Wo bin ich hier. Ich kann überhaupt nichts erkennen, nur Nebel. Da vorne wird es heller. Soll ich da hin laufen? Wenn dieser Nebel doch aufhören würde. Was wollen die vielen Leute da auf der Seite? Warum beschimpfen sie mich, ich habe ihnen doch gar nichts mehr getan. Und die Fotografen auf der anderen Seite, sie könnten jetzt endlich aufhören Bilder von mir zu machen. Da vorne steht Kian. Kian. Kian hörst du mich nicht. Warum dreht er sich jetzt wieder weg. Kian bleib stehen, ich liebe dich, bleib bei mir, verlasse mich nicht, ich brauche dich. Ich muss ihn einholen. Ich kann wieder rennen, meine Beine gehorchen wieder, oh wie mich das freut, Kian bleib stehen ich komme zu dir schau ich kann wieder ganz gut laufen. Kian nimm mich in die Arme bitte. Er dreht sich um. Er kommt auf mich zu…

 

„Max… Max… aufwachen… Max.“

 

Nein ich will hier nicht weg, lasst mich bei Kian…

 

„He Max, aufwachen Großer hier ist Richard.“

 

Max öffnete die Augen.

 

„Was ist los, warum bist du hier?“ wollte Max wissen.

 

„Heut ist Sonntag und du wolltest mit mir spazieren gehen.“

 

„So früh schon?“

 

„Früh ist gut, es ist zwei Uhr mittags, du hast jetzt achtzehn Stunden geschlafen.“

 

„Solange, was…“

 

Da fiel Max ein was gestern Abend passierte. Ich kamen die Worte von der Möllendorf in den Sinn und er merkte wie seine Augen wieder feucht wurden.

 

„He Max nicht traurig werden“, sagte Richard, der anscheinend Max Gedanken bemerkte, „wird alles wieder gut.“

 

„Hilfst du mir aufstehen und anziehen, fühl mich irgendwie noch total geschafft…“

 

„Mach ich doch gerne, du hast dir eben zu viel zu gemutet“, erwiderte Richard.

 

„Jo Herr Doktor und wie ist ihr Befund.“

 

„Das hat Jule erzählt, der Doktor hat das gesagt als er dich gestern untersuchte.“

 

„Das habe ich nicht mehr mitbekommen.“

 

„Er meinte du hast übertrieben, alleine das mit Paris war schon zu viel für dich.“

 

„Dann kann ich ja jetzt liegen bleiben.“

 

„Nix da, deine Gehübungen werden schon gemacht, und morgen gehen wir auch wieder in die Schule.“

 

„Ja Papa.“

 

Beide fingen an zu lachen.

 

In der Schule…

 

„Warum starren die mich denn alle so an?“, fragte Max Richard.

 

„Ich hätte es dir ja gerne erspart, aber da gibt’s eine bestimmte Zeitung, die hat sich es in den Kopf gesetzt, wieder alles publik zu machen.“

 

„Ist mir eigentlich auch egal, dann brauchen Kian und ich uns wenigstens nicht mehr verstecken.“

 

„Bist du sicher, dass du damit fertig wirst?“

 

„Sicher, erstens hab ich dich und Jule als Unterstützung und zweitens, dass ja auch für Kian tue, sonst wäre er enttäuscht.“

 

„Dann mal los, ab in die Höhle des Löwen…“

 

*-*-*

 

„Geht’s?“

 

„Warum haben die hier in der Schule eigentlich keine Aufzüge?“

 

„Komm die vier Stufen packst du noch oder?“

 

„Muss zugeben ein bisschen schwindelig ist mir schon.“

 

„Kipp mir jetzt aber bloß nicht um Max.“

 

„Keine Sorge Richard, es geht noch und wir sind ja gleich im Klassenzimmer.“

 

Richard öffnete die Tür und beide traten ein. In der Klasse wurde es augenblicklich ruhig.

 

„Was denn?“, fragte Max laut genervt.

 

Max humpelte mit dem Stock langsam auf seinen Platz. Richard folgte ihm langsam und stellte sein Rucksack neben seinen Platz. Max ließ sich auf seinen Stuhl fallen, er musste erst mal verschnaufen.

 

„Hattest uns das ja ruhig vorher sagen können“, kam es von Sabine, viele nickten zustimmen.

 

Max hob seinen Kopf und schaute sie an.

 

„Es ist nämlich nicht schön, so was aus der Zeitung, dass unser Klassenliebling endlich einen Freund hat“, setzte sie nach.

 

„Ihr wisst…?“

 

„Ach Max, dass wissen wir alle schon lange, dass du schwul bist, ist ein offenes Geheimnis in unserer Klasse, oder warum meinst du, hast du deswegen nie Ärger an der Schule gehabt hast, alle waren hier bemüht, dass du immer Rückendeckung hattest. Es war ja auch nicht leicht mit deinem Kian“, sagte Melanie.

 

„Und du hast dich immer gewundert, dass niemand was zu dir gesagt hast“, meinte Richard lächelnd.

 

Max saß da und bekam kein Wort heraus.

 

„Seid deinem Unfall in Hamburg wissen wir Bescheid. Frag Jochen, der war nämlich dort und hat alles mitbekommen“, sagte wieder Sabine.

 

Jochen saß auf seinem Stuhl und wurde rot.

 

„Hast du das gewusst?“, fragte Max Richard.

 

„Nein mit keiner Silbe“, antwortete er.

 

Jochen stand auf und kam zu Max an den Platz.

 

„Du musst wissen …du bist nicht der einzige… der hier auf Jungen steht… Herzlichen Glückwunsch“, sagte Jochen und umarmte ihn.

 

Jetzt wurde die Stille in der Klasse gebrochen und alles fing an zu johlen. Jeder kam zu Max und gratulierten ihm.

 

„Man Max, jetzt hat die Frauenwelt wieder so ein süßen Typen verloren“, meinte Sabine und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, „und merk dir wir stehen hinter dir!“

 

„Danke Sabine, weiß ich zu schätzen.“

 

Die Tür flog auf und Lehrer Jakobsen kam herein. Jeder setzte sich auf seinen Platz und wartete, dass er mit seinem Unterricht an. Er aber starrte nur Max an.

 

„Haben sie ein Problem?“

 

Wieder war es Sabine, die Stille brach.

 

„Wie… ich? Nicht direkt“, erwiderte Jakobsen erschrocken die Frage.

 

„Wir auch nicht!“ kam es von Sabine, „wir wissen alle Bescheid, also braucht keiner einen Aufstand zu proben. Wir tun es ja auch nicht.“

 

Bei jeder anderen Gelegenheit, wäre Sabine jetzt rausgeflogen, weil niemand eigentlich so mit einem Lehrer reden würde, schon gar nicht in dem Ton. Max starrte zwischen Sabine und Jakobsen hin und her.

 

„Gut, fangen wir mit den Unterricht an“, sagte Jakobsen und holte Unterlagen aus seiner Tasche.

 

Sabine schaute zu Max und nickte ihm grinsend zu. Er warf ihr eine Kusshand zurück.

 

*-*-*

 

Zuhause bei Marianne.

 

„Bin ich froh, dass ich noch zwei Wochen Urlaub dran gehängt hab“, sagte Marianne, die anfing den Wohnzimmerschrank aus zu räumen.

 

„Aber sie ziehen jetzt nicht wegen diesem Vorfall mit ihrer Nachbarin aus“, fragte Siegfried.

 

„Nein, das war schon vorher beschlossene Sache, wir wussten nur nicht, dass die Wohnung so schnell frei wird. Meine Vormieter waren so gütig und haben die Wohnung renoviert hinterlassen. Und durch den Vorfall hier kam es mir zu Gute, dass mich die Hausgesellschaft ohne Probleme aus dem Mietvertrag lies“, erwiderte Marianne.

 

„Dann kann es ja gar nicht besser laufen… Moment ich hebe ihnen den Karton runter… und das mit der Presse werden wir ja auch schaukeln…“, sagte Siegfried.

 

„Ich hoffe nur Max verkraftet dass alles“, meinte Marianne leise und packte weiter ihr Geschirr ein.

 

Die Wohnungstür wurde aufgeschlossen.

 

„Hallo Mum, ich bin wieder zuhause“, kam es von Max aus dem Flur.

 

„Hallo Schatz, ich bin hier im Wohnzimmer mit Siegfried.“

 

Die Tür zu Wohnzimmer ging auf und Max und Richard kamen herein.

 

„So Frau Kehrer, hier bringe ich ihren Sohn wieder wohl behalten zurück“, meinte Richard.

 

„Richard, sag bitte Marianne, oder was meinst du?“

 

„Geht in Ordnung Frau… Marianne“, sagte Richard grinsend.

 

„Und wie war die Schule“, fragte Siegfried.

 

„Hallo Siegfried, hab dich ja noch gar nicht begrüßt“, sagte Max.

 

Siegfried stand auf und umarmte Max.

 

„Die war absolut Spitzenklasse. So wohl wie heute habe ich mich noch nie dort gefüllt“, antwortete Max.

 

„Spitzenklasse? Mein Sohn freut sich über die Schule, geht es dir auch wirklich gut?“ wollte Marianne wissen.

 

Max und Richard fingen an zu lachen. Max lies sich in einen Sessel fallen und Richard setzte sich zu Siegfried.

 

„Also alles langsam zu verstehen. Meine Klasse offenbarte mir heute Morgen, dass sie schon lange Bescheid wussten. Und was ich natürlich am besten fand, sie hielten mir die ganze Zeit den Rücken frei, sogar die Presse kam in der schule an mich ran. Der Rektor ließ die Herren sogar aus der Schule schmeißen“, erklärte Max.

 

„Mit der Reaktion hätte ich auch nicht gerechnet“, meinte Siegfried.

 

„Ach so Mum, der Rektor meinte ich könnte meine Abschlussprüfung trotzdem machen, meine Noten wären so gut, dass ich die ohne weiteres schaffen würde“, sagte Max zu seiner Mutter.

 

„Das freut mich aber, dachte schon, du musst eine Ehrenrunde einlegen. Ach Richard bleibst du zum Essen?“, fragte Marianne.

 

„Nein danke, meine Mutter wartet bestimmt schon. Ich muss dann eh los, also Max, ich hol dich morgen wieder ab.“

 

„Danke Richard, für alles!“

 

„Nichts zu danken großer Bruder, jederzeit wieder.“

 

„Oh, da schließe ich mich an, ich hab noch ordentlich was zu tun“, meinte Siegfried und erhob sich ebenfalls.

 

Sie verabschiedeten sich beide und verließen die Wohnung.

 

„Hast du es eigentlich eilig mit Umziehen oder warum packst du schon Sachen ein, Mum?“, fragte Max.

 

„Es hat sich soviel angesammelt in den Jahren, da muss ich anfangen aussortieren. Es ist ja nicht gerade wenig.“

 

„Und wann wollen wir umziehen?“

 

„Siegfried war so nett, uns einen LKW der Firma zur Verfügung zu stellen, ich dachte so Mittwoch nächste Woche. Wenn wir uns ran halten, können wir das schaffen.“

 

„Und was ist…?“

 

Max stockte. Marianne schien Max`s Gedanken lesen zu können. Sie lief zu ihm und nahm seine Hände in die Hand und kniete sich vor ihm hin.

 

„Max, du meinst sicher wegen deinem Dad.“

 

Max nickte.

 

„Ich war lange Jahre glücklich mit ihm hier. Sicher hast du Recht, hier in der Wohnung erinnert uns viel an ihn und du weißt auch, dass ich immer noch etwas für ihn empfinde. Aber du musst es auch so sehen, es ist auch eine Chance für einen Neuanfang.“

 

„Ab und zu fehlt er mir halt, Mum. Ich hätte gerne gewusst, was er jetzt macht, was er von mir denkt“, sagte Max traurig.

 

„Das kannst du ihn nachher selber fragen“, sagte Marianne.

 

„Was?“, fragte Max laut erstaunt.

 

Marianne stand auf und verpackte weiter Geschirr.

 

„Jürgen liest ebenfalls Zeitung, und da hat er heute morgen angerufen und gefragt, ob er vorbei kommen dürfe“, sagte Marianne ruhig, „ich wusste nur nicht ob dir das recht ist.“

 

„Natürlich habe ich nichts dagegen ihn zu sehen. Es ist schließlich schon wieder vier Jahre her, als er sich das letzte Mal mit mir getroffen hat. Aber nur, weil dieser blöde Zeitungsausschnitt erschienen ist, braucht er nicht zu erscheinen“, sagte Max ein wenig traurig.

 

„Max er ist schließlich dein Vater, auch wenn er dieses Amt sehr vernachlässigt hat.“

 

Es klingelte an der Tür.

 

„Ich mache auf Max, bleib du lieber von der Tür weg, es könnte ja wieder die Presse sein“, sagte Marianne und verließ das Wohnzimmer.

 

An den Stimmen im Flur erkannte Max, dass es sich um seinen Vater handelte. Aber er hörte noch eine andere Stimme von einem Jungen, die Tür ging auf und die Gehörten kamen herein.

 

„Hallo Max“, sagte sein Vater und blieb stehen.

 

Max stand auf und humpelte ohne Stock auf ihn zu. Jürgen nahm ihn in den Arm.

 

„Hi Dad, lange ist es her“, erwiderte Max.

 

„Solange auch nicht, nur du weißt nicht“, sagte Jürgen.

 

Max schaute ihn fragend an.

 

„Dein Vater an dem Abend des Unfalls auch im Krankenhaus, er war rein zufällig geschäftlich in Hamburg, fuhr aber an dem Abend zurück“, erklärte ihm seine Mutter.

 

„Und warum hast du mir das nicht erzählt?“, fragte Max.

 

„Junge wir hatten andere Probleme, als an so was zu denken.“

 

„Ich hätte mich nur halt darüber gefreut, wenn ich es gewusst hätte. Wollt ihr mir nicht mal den jungen Mann hinter Dad vorstellen?“, meinte Max.

 

„Das ist Christian, dein … Stiefbruder“, sagte Jürgen.

 

„Ich hab einen Steifbruder? Wow. Ist heut der Tag der Wahrheiten“, fragte Max leicht sauer.

 

„Tag Max“, sagte Christian, „ ich bin Chris.“

 

„Hallo Chris, komm wir gehen in mein Zimmer und lassen die erwürdigen Herrschaften mal alleine reden“, sagte Max und lief mit seinem Stock zur Tür.

 

Christian sah seinen Vater fragend an, der nur nickte.

 

„Warum hast du Christian dabei, wenn ich fragend darf?“, kam es von Martina“, komm setze dich.“

 

Jürgen ließ sich in den Sessel fallen. Er atmete tief durch.

 

„Weil ich nicht mehr weiter weiß. Das Max schwul ist, damit habe ich mich ja abgefunden. Ich muss ein bisschen ausholen. Christian ist seit einiger Zeit ziemlich verschlossen. Es gibt kein Herankommen mehr an ihn. Und heute morgen als ich die Zeitung mit dem Artikel von Max lass, saß er neben mir und meiner Frau am Frühstückstisch. Gundula und ich diskutierten darüber, und waren uns einig, dass ich Max meine Hilfe anbiete, wenn er sie nötig hätte.“

 

Jürgen machte eine Pause, man merkte es viel ihm sichtlich schwer, das zu erzählen.

 

„Möchtest du etwas zu trinken?“, fragte Marianne, die es sofort bemerkte.

 

„Ja danke, ein Glas Wasser wäre toll.“

 

„Moment.“

 

„Ich habe eine Stiefbruder…, jetzt bin ich wirklich platt“, sagte Max und ließ sich auf sein Bett fallen, „setz dich, da in dem Sessel ist Platz.“

 

Christian setzte sich, er war sichtlich nervös.

 

„Warum bist du mitgekommen, wolltest du deinen berühmten Bruder kennen lernen, oder hast du einen anderen Grund.“

 

Christians Augen wurden feucht.

 

„He Kleiner, was ist mit dir, entschuldige, wenn ich etwas Falsches gesagt habe.“

 

Max versuchte mühsam wieder aus seinem Bett auf zustehen.

 

„Bleib bitte sitzen, du hast eh noch Schwierigkeiten aufzustehen, darf ich mich zu dir setzen?“

 

Es war das erste, was Christian seit seiner Begrüßung gesagt hatte.

 

„Klar doch komm rüber!“

 

Christian stand auf und setzte sich an den Rand des Bettes neben Max.

 

„Wie alt bist du eigentlich?“

 

„Bin vor drei Wochen siebzehn geworden.“

 

In Max Kopf fing es angestrengt zu rechnen.

 

„Brauchst nicht nachrechnen, ich bin auf die Welt gekommen, da war dein Vater noch bei euch“, sagte Christian schuldbewusst.

 

„Du hast keine Schuld Chris, die hat alleine nur unser Vater und wenn du nichts dagegen hättest, würde ich das Stiefbruder gerne weglassen und nur Bruder sagen“, meinte Max hin und streckte ihm die Hand hin, „ Brüder?“

 

„Gerne“, sagte Christian und fiel ihm um den Hals. Er fing an leise an zu weinen.

 

„Chris, jetzt sag endlich was los ist.“

 

Es dauerte noch eine Weile, bis Christian sich gefangen hatte. Max hob ihm ein Tempo hin, damit er sich die Tränen wegwischen konnte.

 

*-*-*

 

„So hier ist dein Wasser, und jetzt erzähl endlich was dich bedrückt.

 

„Also… wir hatten gerade mit reden aufgehört, als Christian neben mir einfach zu weinen anfing. Es war mal wieder kein Ton aus ihm heraus zukriegen. Bis er eben auf Max`s Bild in der Zeitung zeigte. Mein Gott Marianne, der Kleine hatte Angst.“

 

„Warum denn das?“

 

„Er dachte sich wohl, wenn sie in Max`s Privatleben rumstochern würden, wäre ich natürlich auch mit dran, und er als Sohn auch.“

 

Jürgen nahm ein Schluck aus seinem Glas.

 

„Marianne, Christian ist auch schwul, und er dachte es würde so rauskommen.“

 

„Und wie habt ihr darauf reagiert.“

 

„Erst mal gar nicht, er sprang dann auf und rannte in sein Zimmer, wo er sich einschloss. Ich hab mich dann in der Firma abgemeldet und bin zu Hause geblieben und Christian habe ich in der Schule entschuldigt. Den ganzen Morgen saß ich vor seiner Tür und versuchte ich ruhig dazu zubewegen, seine Tür zu öffnen.“

 

„Und wie lange saßt du da?“

 

„Fast zwei Stunden, bis endlich der Schlüssel im Schloss sich drehte.“

 

„Du hast ganz schön Ausdauer, hattest du mit unserem Sohn nie… sorry, ich wollt das Thema nicht mehr anschneiden.“

 

„Schon gut, du hast ja Recht. Also stand ich auf und ging leise in sein Zimmer. Er lag auf seinem Bett und hatte sein Gesicht im Kissen vergraben. Ich setzte mich zu ihm auf das Bett und strich ihm eine Weile über den Kopf. Dann begann er leise zu reden, ob ich mich jetzt schäme zwei schwule Söhne zu haben und ob er ihn und seine Mama auch verlassen würde.“

„Was Kinder alles mit sich herum tragen, man Christian hat sich aber ganz schön belastet“, sagte Marianne und trank ebenfalls einen schluck aus ihrem Glas.

 

„Erst da merkte ich, wie ähnlich Max und Christian sich wirklich sind. Du hast sicherlich auch gesehen, wie ähnlich sie sich sind. Die schwarzen Haare, die Größe, einfach alles. Und da fragte er mich ob er bei meinem nächsten Besuch bei Max mitkommen dürfte und so habe ich ihn einfach mitgebracht. Ich dachte auch, vielleicht konnte Max ihm ein bisschen helfen bei seinen Problemen. Ich fühle mich irgendwie hilflos, weil ich mich trotz Max mit dem Thema nicht weiter auseinander gesetzt hatte.“

 

„Ich kann dir das nachfühlen, mir ging es am Anfang nicht anders.“

 

„Und wie bist du dann damit zu Recht gekommen.“

 

„Max hat mich einfach an seinem Leben teilhaben lassen.“

 

*-*-*

 

„Ich hab heut… morgen meinem … unserem Vater gesagt, …dass ich es auch …bin.“

„Sorry, ich sitze auf der Leitung, was bist du Chris?“

 

„Schwul.“

 

„Ui.“

 

Max fing an zu lachen. Christian schaute ihn fragend an.

 

„Tut mir Leid Chris, aber ich dachte grad über Dad nach, als er erfuhr, dass seine beiden Söhne schwul sind.“

 

„Ach so.“

 

„Und was wird jetzt?“

 

„Ich weiß nicht, ich habe ja mit noch niemand darüber geredet.“

 

„Dann ist heute dein großer Tag?“

 

„Wenn du so willst, ja“, sagte Christian und putzte sich die Nase.

 

„Und jetzt weißt du nicht, was du machen sollst?“

 

„Nein.“

 

„Lass mich überlegen…….. oh ja ich hätte da eine Idee, aber die ist noch nicht spruchreif, ich muss erst mal mit unser Dad reden, komm das erledigen wir gleich.“

 

„Was hast du vor, Max?“

 

„Komm einfach mit, du wirst schon sehen.“

 

Max stand auf nahm seine Stock und mit der anderen zog er Christian hinter sich her.

 

*-*-*

 

„Und dann hast du alles verstanden?“

 

„So nach und nach. Ich lernte Max`s Welt kennen. Ich durfte seine Gefühle und seine Liebe zu Kian miterleben und es machte mich einfach glücklich meinen Kleinen so zu sehen.“

„Das mit dem jungen Sänger.. Kian, muss wohl richtig ernst sein?“

 

„Ja das ist sehr ernst, ich liebe Kian“, Max stand mit Christian in der Tür, „ und habt ihr euch auch ein wenig aus getauscht?“

 

„Ja haben wir“, sagte Marianne und machte für die zwei Jungs platz auf dem Sofa. Christian hielt sich dich an Max, seine Hand hatte er immer noch nicht los gelassen.

 

„Dann habt ihr sicherlich über das Gleiche wie wir gesprochen“, sagte Max und schaute dabei zu seinem Bruder, der rot anlief.

 

„He Kleiner, nicht schlimm, hier reißt dir keiner den Kopf ab. Dad ich habe eine Frage an dich, was habt ihr jetzt in den Sommerferien vor.“

 

„Ähm, wir wollten mit Christian zwei Wochen wegfliegen, warum?“ antwortet Max`s Vater.

 

„Könntest du mir meinen Bruder für sechs Wochen ausleihen?“

 

„Bruder, das ging aber schnell bei euch beiden“, meinte Marianne erstaunt.

Jürgen wusste nicht, was er sagen sollte.

 

„Ich gehe doch mit Kian in den sechs Wochen Sommerferien auf Tour und anschließend nach Irland. Mum ist dabei und meine Freunde auch, und da kam mir in den Sinn, deinen zweiten Sohn zu entführen und mitzunehmen“, sagte Max.

 

„Mein Sohn, wie immer großherzig und nur immer an die anderen denken“, sagte Marianne grinsend.

 

Christian schaute erstaunt auf Max.

 

„Du würdest mich mitnehmen, in echt?“, fragte er leise.

 

„Wenn es unsere alter Herr Vater es erlaubt, sehr gerne sogar.“

 

„Von wem hat unser Sohn nur diese Selbstsicherheit, Marianne von mir nicht!“ meinte Jürgen.

 

Alle fingen an zu lachen.

 

„Ich hätte nichts dagegen, wenn Christian nicht dauernd bei uns rumhängen würde.“

 

„Paps, willst mich wohl loshaben“, sagte Christian leicht empört.

 

„Nein Chris, aber du kommst so selten raus, es wäre doch wirklich mal eine Abwechslung für dich und du könntest Max besser kennen lernen. Mit deiner Mutter regle ich das schon.“

 

„Ich darf mit Paps?“

 

Christian sprang auf und fiel seinem Vater um den Hals.

 

„Ja natürlich mein großer.“

 

„Ähm, der Große bin ich..“, sagte Max.

 

Und wieder fingen alle an zu lachen.

 

*-*-*

 

„Hallo Richard, ich bin’s hast du heute Abend Zeit?“, fragte Max am Telefon.

 

„Ja hab ich, steht was an?“ kam es von Richard.

 

„Könntest du und Nathalie heut Abend in unser Stammcafe kommen, ich hab eine Überraschung für euch.“

 

„Schon wieder eine Überraschung, hatten wir da nicht schon genug davon.“

 

„Das ist eine Positive und wird sogar dir gefallen.“

 

„Gut, in Ordnung, wann sollen wir da sein?“

 

„So gegen sieben?“

 

„Okay, ich ruf gleich Nathalie an, also bis heut Abend Max.“

 

„Gut Richard bis nachher. Cu!“

 

„Cu Bruder.“

 

„Jo, cu kleiner Bruder.“

 

„Kleiner Bruder?“, fragte Christian, der neben Max wieder auf dessen Bett saß.

 

„Ach für Richard bin ich irgendwie der große Bruder, seit vor drei Jahren sein Vater gestorben ist, weil ich halt eben immer für ihn da war, wenn er mich brauchte, so wie man es von einen Bruder gewohnt ist“, antwortete Max.

 

Jürgen war inzwischen gegangen, und Christian wollte einfach noch einwenig bleiben, weil es ihm bei Max so gut gefiel. Außerdem wollte Max ihn ja noch nachher mitnehmen und ihn seinen Freunden vorstellen.

 

„Soll dass jetzt heißen, ich darf jetzt immer für dich da sein, wenn es dir einmal nicht so gut geht?“, fragte Christian mit einem Grinsen.

 

„Darfst du Chris, aber jetzt kümmern wir uns erst mal um dich“, kam es von Max.

 

„Wieso mir geht es doch gut wie lange nicht mehr.“

 

„Das meinte ich auch nicht, steh mal bitte auf.“

 

Christian stand auf und schaute Max fragend an.

 

„Also die gleiche Größe haben wir ja, dann müsste dir auch etwas von mir passen. Die gleichen Schuhe wie du habe ich auch.“

 

„Was hast du denn vor?“

 

„Wie wäre es mal, als ein Zwilling aufzutreten?“

 

„Wow, gar keine schlechte Idee.“

 

„Also komm zieh dich aus, machen wir gleich eine kleine Modenschau.“

 

Christian wurde auf einmal rot im Gesicht. Max der das merkte, bekam ein breites Grinsen im Gesicht.

 

„Jetzt hab dich nicht so Brüderlein. Du bist nicht der erste, der sich vor mir auszieht. Und außerdem bekommst du die Ehre, deinem großen Bruder beim Anziehen zu helfen, weil ich da immer noch nicht so fit bin“, sagte Max um seinen Bruder zu beruhigen.

 

Christian schälte sich aus seinen Klamotten und hängte sie fein säuberlich über den Stuhl.

 

„Nicht von schlechten Eltern“, sagte Max anerkennend, der den Body seines Bruders begutachtete.

 

„Eigenlob stinkt“, erwiderte Christian und beide fingen an zu lachen.

 

„Du Max ich hab eine Frage?“ meinte dann Christian verlegen.

 

„Heraus damit!“

 

„Darf man seinen Bruder eigentlich  küssen?“

 

„Natürlich“, antwortete Max und zog seinen Bruder an sich und gab ihm einem sanften Kuss auf den Mund.

 

„Wow ist küssen immer so schön?“, fragte Christian, nachdem sein Bruder von ihm abgelassen hatte.

 

„Dein erstes Mal?“

 

Christian nickte.

 

„Das wird noch viel schöner, kann ich dir versprechen. So jetzt ziehen wir uns aber an, mal sehen was mein Kleiderschrank so hergibt.“

 

Max öffnete seinen Schrank und durchforstete seine Klamotten.

 

„Wow, wo hast du den edlen Zwirn her, was ist das Boss?“

 

„Ah ein Kenner der Modebranche, nein das ist Armani und ein Geschenk von meinem Freund.“

 

„So einen Freund möchte ich auch mal“, kam es von Christian.

 

„Kann dir schneller passieren, als dir lieb ist“, erwiderte Max und erzählte ihm in Kurzfassung das Kennenlernen mit Kian.

 

Christian musste die ganze Zeit grinsen.

 

„Hast du Bilder von ihm und seiner Familie?“

 

„Ja hier, schau.“

 

„Das sind alle seine Geschwister?“

 

„Ja, das hier ist Gavin, Tom, Colm, Viv, Fenella und das hier Marielle. Seine Eltern Kevin und Patricia.“

 

„Das muss ja ein großes Haus sein, in dem sie wohnen, ich meine die müssen doch alle Platz haben.“

 

„Ja ist es, aber die meisten sind die ganze Zeit ausgeflogen, aber du wirst ja alles noch selber sehen“, sagte Max.

 

„Ich kann es immer noch nicht fassen, mit dir und Kian, den Sommer zu verbringen.“

 

„An den Gedanken musst du dich gewöhnen. So und nun zieh das an.“

 

Max gab ihm eine schwarze Hose, ein weißes T-Shirt und Hemd. Nach dem sie sich angezogen hatten, machte Max Christians Haare noch ein wenig so wie er seine immer frisierte.

 

„So und jetzt gehen wir mal zu meiner Mum, mal sehen was sie sagt“, meinte Max.

Er öffnete die Tür und rief nach ihr.

 

„Mum, könntest du mal kurz kommen und schauen, ich will dir was zeigen.“

 

„Ja was ist denn…“, sprachlos stand sie beiden gegenüber.

 

„Ihr seht ja wirklich wie Zwillinge aus, jetzt bin ich paff. Darf ich ein Foto machen?“, fragte sie um schon die Kamera zu holen.

 

„Ich habe nichts dagegen du Chris?“, sagte Max.

 

Christian schüttelte den Kopf.

 

„So jetzt bin ich gespannt, was die drei sagen werden“, sagte Max, als Christian ihm half aus dem Auto zu steigen, „Mum ich ruf dich an wenn du uns abholen kannst.“

 

„Okay, aber nicht zu spät ihr habt beide morgen Schule vergesst das nicht“, erwiderte Marianne.

 

„Bei dir war er auch so geheimnisvoll am Telefon, Richard?“, fragte Jule.

 

„Ja, er sagte nur etwas von Überraschung“, antwortete Richard.

 

„Ist Kian vielleicht da?“ kam es von Nathalie.

 

„Nein, ich habe vorhin noch mit Mark telefoniert, sie haben heute Abend ein Konzert in Madrid. Und ich denke nicht wenn Kian da wäre, das er sich in der Öffentlichkeit zeigen würde, nachdem was heute in den Zeitungen stand“, meinte Jule.

 

„In einer Zeitung waren sogar wir abge……..“, mitten im Satz erstarb Nathalies Stimme, „dreht euch mal um.“

 

Max und Christian waren gerade hereingekommen. Richards und Jules Köpfe flogen herum und allen flog, die Kinnlade herunter.

 

„Hallo ihr drei, warum schaut ihr mich so entgeistert an, hab ich Soßenflecken am Hemd?“, fragte Max und Christian musste grinsen.

 

„Hat dir die Firma jetzt einen Doppelgänger gegeben?“ sagte Jule, die als erste die Worte wieder fand.

 

„Nein, darf ich vorstellen meinen Bruder Christian.“

 

„Bruder?“, fragte Richard ungläubig.

 

„Ja Bruder, du musst Richard sein, noch ein kleiner Bruder von Max nur das ich ein leiblicher bin“, sagte Christian.

 

Max freute sich, dass Chris sämtliche Scheu verloren hatte, so gefiel ihm sein kleiner Bruder wirklich.

 

„Max setz dich du zitterst schon wieder“, meinte Richard, doch noch ein wenig verblüfft über das eben geschehene, „Chris du natürlich auch.“

 

„So ihr drei, da ihr immer noch wie ein Auto schaut, kurze Erklärung. Christian ist mein Halbbruder, aber das Wort vergesst ihr ganz schnell wieder, er ist mein Bruder, der Sohn aus zweiter Ehe meines Vaters“, sagte Max und nahm Chris in den Arm.

 

„Deswegen diese verblüffende Ähnlichkeit“, sagte Nathalie.

 

„Max würdest du bitte mal deine Freunde jetzt richtig vorstellen“, sagte Christian.

 

„Bin wohl heute nicht so auf Zack. Also Richard kennst du ja schon, mein bester Freund, Klassenkamerad und zurzeit auch noch Krankenschwester bis ich wieder richtig alleine laufen kann.“

 

Richard grinste.

 

„Wo ist den dein Häubchen?“, fragte Nathalie lachend.

 

„Die Dame, die sich gerade über meine besten Freund lustig macht ist Nathalie, seine feste Freundin“, meinte Max.

 

„Und diese junge hübsche Frau neben dir?“, fragte Christian und schaute Richtung Jule, die sofort rot wurde.

 

„Der gleiche Charme wie sein Bruder muss ich feststellen Ich bin Jule, Max`s große Sandkastenliebe“, sagte Jule.

 

Jetzt fingen alle an zu lachen.

 

„Aber du kannst ruhig deinen Charme spielen lassen, Jule ist bereits auch schon vergeben“, kam es von Nathalie.

 

Max schaute Christian an und der nickte.

 

„Also, wir sind richtige Brüder und so haben wir auch die gleichen Vorlieben, liebe Nathalie“, konterte Max.

 

„Du meinst Chris ist auch…“, sagte Nathalie.

 

„Ja ich bin auch schwul“, kam es von Christian, der sich wunderte, dass dies so leicht von seinen Lippen glitt.

 

„Und schon ein Freund?“, kam es von Jule, direkt wie sie halt mal war.

 

„Nein, leider noch nicht, hab mich ja offiziell heute erst geoutet“, sagte Christian leise.

 

„Dann werden wir wohl uns um dich kümmern müssen“, meinte Jule.

 

„Gut dass du dies anschneidest, ich möchte nämlich Chris in den Sommerferien mitnehmen“, sagte Max.

 

„Super, dann können wir uns alle besser kennen lernen“, sagte Jule begeistert.

 

„Danke Max“, sagte Christian.

 

„Wofür Bruderherz?“, fragte Max.

 

„Das du dich meiner so annimmst“, erwiderte Christian.

 

„Ist für einen großen Bruder doch selbstverständlich, seinen kleine Bruder in die Obhut zunehmen“, kam es von Max und strich Christian über die Haare.

 

*-*-*

 

Die Wochen bis zu den Sommerferien vergingen wie im Flug. Die Pressemitteilungen wurden weniger, Max und seine Mutter waren umgezogen. Christian war fast täglich zu Besuch und Marianne und Christians Eltern kamen sich auch ein wenig näher.

Die Prüfungen für Richard und Max waren voll am laufen, und die Planung der Sommerferien stand auch schon.

 

„Morgen noch Richard und wir haben es endlich hinter uns“, sagte Max, der gerade aus dem Klassenzimmer kam.

 

„Und wie ist dein Gefühl?“, fragte Richard.

 

„Ich habe jedenfalls bei allen Punkten etwas stehen. Aber Montag wissen wir dann mehr, wenn alle Ergebnisse bekannt geworden sind“, antwortete Max.

 

„Ich hab übrigens eine positive Antwort auf einer meiner Bewerbungen gekriegt, ich habe am Dienstag ein Vorstellungsgespräch“, meinte Richard.

 

„Mensch das ist super, da drück ich dir die Daumen“, sagte Max und viel ihm um den Hals.

 

„Nana, soll ich das dem Kian petzen?“ kam es von der Tür.

 

„Klar Sabine, hast du seine Telefonnummer?“, fragte Max grinsend, der ihre Stimme erkannt hat.

 

„Nein, so ein kleiner Schnösel rückt die Nummer nicht raus“, gab sie zur Antwort, „ach bevor ich es vergesse, kommt ihr jetzt zur Abschlussfeier?“

 

„Ich denke schon“, sagte Max und Richard nickte zustimmend, „Richard bringt seine Freundin mit und ich meinen Bruder.“

 

„Okay, dann trag ich das mal ein“, sagte Sabine und trabte davon.

 

Richard wandte sich wieder zu Max.

 

„Und wie sieht es bei dir jetzt aus mit einem Job?“

 

„Ich weiß nicht für was ich mich entscheiden soll. Ich kann hier in München anfangen bei der Tourmanagementgruppe, die auch Westlife unter Vertrag hat, oder eben bei Kevin Kian`s Vater in seiner Firma“, antwortete Max, aber ich werde wahrscheinlich hier bleiben. Hier kann ich wenigstens öfter zu Kian reisen wenn er unterwegs ist.“

 

„Und du bleibst uns erhalten. So jetzt muss ich aber nach Hause, sonst steigt mir meine Mutter noch aufs Dach, bin zurzeit eh so selten zu Hause“, meinte Richard.

 

*-*-*

 

Richard und Max hatten bestanden. Die Abschlussfete stand an.

 

„Du willst wirklich, dass ich mitgehe?“

 

„Oh Chris, wie oft willst du mich das noch fragen?“, sagte Max genervt.

 

„Ist ja schon gut, bin ja schon ruhig“, antwortete dieser ein wenig beleidigt.

 

„Chris komm mal her“, sagte Max und nahm ihn in den Arm.

 

„Ich will dich dort jemanden vorstellen.“

 

„Willst mich verkuppeln?“

 

„Wenn du so weitermachst, ja, damit ich dich endlich los hab“, sagte Max lachend.

 

„Oh Mann.“

 

„Chris, ich will dir nur Jochen vorstellen. Was du im Endeffekt daraus machst, ist dir über lassen. Aber denk dran in fünf Tagen reisen wir ab“, sagte Max mit einem frechen Grinsen.

 

„Kann ich so gehen?“, fragte Christian und versuchte noch sein Haar zu richten.

 

„Bist ja bald schlimmer wie meine Mum, lass jetzt die Finger aus deinem Haar. Du siehst von süß aus so und jetzt komm, ich will nicht grad der letzte sein“, meinte Max und gab ihm einen kleine Stoß zur Tür hinaus.

 

*-*-*

 

„Hallo Nathalie.. Richard.“

 

„Hallo Chris, dufte siehst du aus“, sagte Nathalie.

 

„Nathalie, du schaust mir letzter Zeit zu viel anderen Männer nach“, kam es von Richard.

 

„Ich würd mir da Sorgen machen“, sagte Max mit einem Lächeln im Gesicht.

 

„Man könnte meine Jule spricht aus dir“, konterte Richard.

 

„Lass uns hinein gehen, ich möchte ein wenig tanzen“, sagte Max.

 

„Geht es denn?“, fragte Chris ein wenig besorgt.

 

„Ja, ich darf es nur nicht übertreiben“, antwortete Max.

 

„Dafür werde ich schon sorgen, kam es auch Chris und Richards Mund gleichzeitig.

 

Alle fingen an zu lachen und gingen hinein. Die Stimmung war gut, viele waren auf der Tanzfläche, einige standen an der Bar. Sabine sah sie reinkommen und kam gleich auf sie zu.

 

„Wenn ihr nichts dagegen habt, entführ euch gleich diesen Schatz hier“, meinte sie und zog Max auf die Tanzfläche. Chris schaute Richard an.

 

„Ich glaube wir müssen wirklich auf unseren Bruder aufpassen“, meinte er und Richard bestätigte das mit einem Nicken, bevor er von Nathalie ebenso auf die Tanzfläche gezogen wurde.

Jemand klopfte Chris auf die Schulter und er erstarrte als er sah wer.

 

„Hi ich bin Jochen, du musst Chris sein, bist jedenfalls der einzige der so gut aus sieht wie unser Max“, sagte ein junger Mann.

 

Im Augenblick bekam Christian keine Ton heraus. Er verlor sich regelrecht in den braunen Augen von Jochen. Dieser nahm seine Hand und ging mit ihm zur Mitte der Fläche wo alle schon tanzten.

Christian ließ sich von der Musik leiten, ohne aber von Jochens  Augen zu lassen.

 

„Oje, ich glaube Max`s Bruder hat es erwischt. Schau nur wie sie sich ansehen“, sagte Nathalie zu Richard. Irgendwann lief Max langsam zu einem Stuhl und ließ sich fallen.

 

„Sorry Sabine ich muss langsam machen, nicht böse sein“, sagte er.

 

„Ist doch nicht schlimm, ich will nicht das du mir umkippst, tanzen wir später noch ein bisschen. Soll ich dir etwas zu trinken bringen?“, fragte Sabine.

 

„Gerne, irgendwas mit Cola. Danke“

 

Sabine nickte und lief zur Bar. Max schaute sich um und konnte seinen Bruder nicht entdecken. Auch auf der Tanzfläche konnte er ihn nicht sehen.

 

„Hier Max, dein Trinken. Suchst du jemanden?“ sagte Sabine und drehte sich zur Tanzfläche.

 

„Danke Sabine“, sagte Max und nahm sein Trinken entgegen, „ich kann nur nicht meinen kleinen Bruder finden.“

 

„Christian?“

 

„Ja, hast du ihn gesehen?“

 

„Ja hab ich, komm einfach mal mit“, sagte Sabine mit einem Grinsen.

 

Sie zog Max mit der Hand von seinem Stuhl und führte ihn hinaus. Sie hob ihren Finger auf den Mund und zeigte Richtung Garderobe. Dort stand Christian eng umschlungen mit Jochen mit einem langen innigen Kuss. Max war gerührt.

Hatte er sich doch so was erhofft. Er ging mit Sabine zurück in die Klasse und setzte sich wieder auf seine Stuhl. Er nippte an seinem Glas und träumte in die Musik hinein.

 

*-*-*

 

„Und du bist sicher, dass du nicht doch bei Jochen bleiben willst?“, fragte Max Christian, der ihm half seinen Koffer zu schließen.

 

„Geht schon Max, wir kennen uns grad mal fünf Tage. Und außerdem hab ich mich jetzt so auf den Urlaub gefreut, den möchte ich mir nicht entgehen lassen“, sagte Christian, „und Jochen versteht das, ich habe mit ihm schon geredet.“

 

„Dich hat es ganz schön erwischt, kann das sein, Chris?“, fragte Max.

 

„Ehrlich gesagt, ich weiß es noch nicht recht. Ich fühle mich sehr wohl und geborgen bei Jochen. Aber ob er wirklich der richtige ist, kann ich dir nicht sagen.“

 

„Chris, du hast alle Zeit der Welt überstürze nichts“, sagte Max und schaute ihm in die Augen.

 

„Du Max, ich bin froh, dass ich dich hab“, erwiderte Christian und umarmte sein Bruder.

 

„So jetzt aber, wann kommt Papa her uns abholen?“, fragte Max.

 

„So gegen zwei, die Maschine fliegt um Vier“, gab Christian zur Antwort.

 

„Gut, hilfst du mir schon den Koffer runter tragen alleine ist er mir zu schwer?“

 

„Komm her Großer, gar kein Problem.“

 

Max und Christian trugen gemeinsam das Gepäck hinunter und stellten es neben die Eingangstür. Marianne hatte ihnen noch etwas zu Essen gekocht. Beide schlangen mit Heißhunger das Essen hinunter.

Christians Eltern kamen und mit zwei Wagen fuhren sie dann zu Siebt an den Flughafen. Nathalie und Richard waren schon mit ihren Eltern anwesend. Ebenso Jochen.

 

„Jochen, du hier?“, fragte Christian sichtlich erstaunt.

 

„Ich kann ja dich nicht abfliegen lassen, ohne Tschüss zu sagen“, antwortete Jochen.

 

„Wir haben uns doch erst gestern ausführlich verabschiedet. Jo warum tust du das? Jetzt fang ich gleich wieder an zu weinen“, sagte Christian und seine Augen wurden feucht.

 

„Nicht mein Kleiner, ich wollte dir doch nur was mitgeben, das du mich nicht vergisst.“

 

„Was denn?“

 

Jochen gab ihm einen kleinen Bilderrahmen mit einem Foto von sich drin. Christian sah es an und nahm darauf Jochen in den Arm. Ein kleiner Kuss folgte. Jürgen und Marianne beobachteten diese kleine Szene.

 

„Ich muss mich erst daran gewöhnen, da zu zuschauen“, meinte Jürgen.

 

„Freu dich mit deinem Kleinen, er ist verliebt“, sagte Marianne.

 

„Ich freue mich ja.“

 

„Aber?“

 

„Ich hab ein bisschen Angst um ihn, er ist erst siebzehn.“

 

„Sein Bruder passt schon auf ihn auf, keine Sorge“, kam es von Max der hinter ihnen stand, „Jochen ist ein ganz lieber, der ist ganz harmlos.“

 

„Na da muss ich mich wohl auf meine Ältesten verlassen, was bleibt mir anderes übrig“, meinte Jürgen.

 

„Da hast du eine gute Wahl getroffen“, meinte Marianne lächelnd.

 

Max nahm seine Mutter in den Arm und drückte sie fest.

 

„Wir sehen uns in drei Wochen, okay?“, fragte Max.

 

„Geht klar mein Sohn, wir sehen uns in Dublin“, erwiderte Marianne auf die Frage.

 

Max checkte als erster ein und so langsam trudelten alle am Schalter ein.

 

„Was für Plätze haben wir denn, können wir wenigstens zusammen sitzen?“, fragte Christian unwissend.

 

„Kannst du ja noch nicht wissen, aber lass dich mal überraschen“, sagte Jule und zog in durch den Schalter.

 

Als sie dann zur Privatmaschine von Westlife kamen, machte Christian nur große Augen.

 

„Wow, wir fliegen mit diesem Jet?“, fragte Christian.

 

„Was dachtest du denn, mit was anderem geben wir uns nicht ab“, sagte Richard frech grinsend.

 

„Jetzt veralbert doch meinen Bruder nicht so, ist ja richtig gemein“, sagte Max und nahm seinen Bruder in den Arm.

 

„Den schickt uns Westlife Bruderherz“, sagte er zu ihm.

 

„Weiß gar nicht was ich sagen soll?“ erwiderte Christian.

 

„Entspann dich einfach, genieße die nächsten sechs Wochen, Chris, ich verspreche dir sie werden unbeschreiblich schön sein“, antwortete ihm Max.

 

Sie stiegen in das Flugzeug, das sich gleich danach in Bewegung setzte.

 

*-*-*

 

Eineinhalb  Stunden später auf dem Flugplatz von Lissabon…

 

„Man ist das hier heiß, ich bin viel zu warm angezogen“, meckerte Nathalie.

 

„Du wolltest mir ja nicht glaube“, versuchte sie Jule aufzuziehen.

 

„Da vorne steht Bell, kommt jetzt“, drängelte Max.

 

„Da kann einer nicht erwarten, seine Schatz zu sehen“, meinte Jule.

 

„Das sagt gerade die Richtige“, erwiderte Max.

 

Endlich war Bell erreicht. Es war ein herzliches Wieder sehn.

 

„Max du hast nicht übertrieben, ich hab nicht geglaubt, dass es dich in zwei Versionen gibt, genauso süß wie du“, sagte Bell und musterte Christian, der darauf rot wurde.

 

„Aber nun los, der Wagen wartet, euer Gepäck wird automatisch ins Hotel gebracht“, setzte sie nach, „und ich kann mir denken, ihr wollt direkt zu den Proben, oder?“

 

Max und Jule riefen gleichzeitig „Ja“, was bei den anderen lautes Lachen auslöste.

 

*-*-*

 

„Auf einer Burg?“, fragte Christian erstaunt.

 

„Ja, Lissabons  »Castello de Sáo Jorge «, ein riesiges Freilichtspecktakel, » antwortete Bell.

 

„Da bin ich mal gespannt, ich habe so etwas bisher immer nur im Tv gesehen“, kam es von Christian.

 

Sie fuhren langsam die Straße zur Burg hinauf und obwohl bis zu dem Konzert noch fünf Stunden Zeit war, drängten sich jetzt schon die Fans scharrenhaft zur Festung. Einige versuchten einen Blick in die Limousine zu erhaschen, aber durch das verdunkelte Glas war es nicht möglich.

Der Wagen wurde durch die Absperrung gelassen und an einem schattigen Platz geparkt.

 

„Jetzt muss ich mir doch die Beine vertreten, die lange Sitzerei im Flugzeug und jetzt noch die Autofahrt, meine Beine fühlen sich richtig steif an“, meinte Max und streckte sich.

 

„Also ich such jetzt erst mal meine Schatz“, sagte Jule und schaute Bell flehend an.

 

„Komm ich zeig dir, wo sie ihre Garderoben haben“, meinte Bell und zog sie hinter sich her. Kaum waren sie im Haus verschwunden, kam Kian heraus gerannt und schaute suchend um sich. Max und seine Blicke trafen sich gleichzeitig.

Kian rannte Max fast über den Haufen, mit seiner stürmischen Begrüßung, das ganze endete in einem langen, innigen Kuss. An den Zäunen fingen Fans an zu johlen und zu klatschen, die das Ganze mitbekommen hatte.

 

„Max, Schatz habe ich dich vermisst…“, kam es leise von Kian und gab Max noch einen Kuss.

 

Das ging mir nicht anders mein Großer“, erwiderte Max, als Kian von ihm abließ.

 

Jemand im Hintergrund hüstelte.

 

„Oje, wo bleiben meine Manieren, Kian darf ich dir meinen Bruder Christian vorstellen?“ sagte Max ein wenig verlegen.

 

„Nicht schlimm Max, ich verstehe ja, dass ihr euch erst begrüßt, könnt man regelrecht neidisch werden“, sagte Christian.

 

„Das ist dein Bruder Christian?“, fragte Kian verblüfft über die Ähnlichkeit beider.

 

„Ja, das ist Chris“, kam es von Max.

 

„Toll, gleich zwei von der Sorte“, sagte Kian, der aber gleich mit einem Stoß in die Seite von Max bestraft wurde.

 

„Das kann ja heiter werden“, meinte Richard und begrüßte Kian, in dem er ihn in den Arm nahm. Nathalie schloss sich an.

 

„He, dass ist meiner“, grinste Max und alle fingen wieder an zu lachen.

 

„So und da oben haben wir eure Plätze reserviert“, sagte Kian zu Max, der ihm gerade die Bühne zeigte.

 

Wow, das wird bestimmt ein geiles Konzert“, antwortete Max.

 

„Und wie geht es meinem Kleinen?“

„In Anbetracht der Tatsachen, das ich jetzt sechs Wochen mit dir zusammen bin, was soll ich noch sagen… bin der glücklichste Mensch der Welt.“

 

Max zog Kian langsam zu sich und ihrer Lippen trafen sich. Kian wanderte mit seiner Hand unter das T-Shirt von Max und streichelt ihn zärtlich. Max durchfuhr ein leichtes Zittern. Er war wirklich glücklich. Drei Wochen auf Tour und dann noch drei Wochen in Irland.

 

„Worüber denkst du gerade nach, Kleiner“, fragte Kian.

 

„Was ich die nächsten sechs Wochen alles erleben werde“, gab Max zur Antwort.

 

„Weißt du eigentlich, dass wir heute eine Band zu Gast haben?“

 

„Wen?“, fragte Max.

 

„O-Town, die kennst du doch, oder?“, gab Kian zur Antwort.

 

„Natürlich, die mit dem süßen Ashley.“

 

„Hat der dich auch über den Haufen gerannt?“

 

„Hör ich da etwa was von Eifersucht?“, sagte Max grinsend.

 

„Könnte sein“, sagte Kian mit einem Herz zerreisendem Lächeln, „willst du ihn persönlich kennen lernen?“

 

„Geht das denn, sind die auch schon da?“

 

„Ja sind sie komm mit wollte ihnen eh meinen Freund vorstellen.“

 

„Aha, man redet wieder von mir.“

 

„So lange man über dich redet bist du interessant. Und ich könnte stundenlang von dir reden.“

 

„Du brauchst dich nicht einschmeicheln“, sagte Max und legte wieder seine Arme um Kian, ich liebe dich heiß und innig. Und das werde ich dir heute Nacht noch beweisen!“

 

„Das brauchst du mir zwar nicht beweisen, aber so ein verführerisches Angebot kann ich natürlich nicht abweisen.“

 

Ein langer Kuss folgte. Danach liefen sie nach unten, wo die Garderoben waren.

 

„Kann ich kurz Christian holen, ich weiß er schwärmt für O-Town und wäre mir böse wenn ich ihn nicht mitnehmen würde“, fragte Max.

 

„Natürlich, und für wem schwärmt er im Speziellen?“, fragte Kian scheinheilig.

 

„Das hat er mich nicht wissen lassen und außerdem gibt es da schon jemand in seinem Leben, noch nicht richtig fest, aber verliebt ist er alle mal“, gab Max zum Besten.

 

Er betrat die Umkleidekabine und fand alle lachend vor.

 

„Was ist denn hier los?“ wollte Max und Kian wissen.

 

„Ach sind unsere zwei Turteltäubchen auch mal da. Hallo Max“, sagte Bryan und umarmte ihn. Der Rest der Band folgte.

 

„Nichts besonderes Max“, klärte Nathalie auf, Jule hat Richard nur grad auf den Arm genommen, dass Übliche halt.“ Und wieder fingen alle an zu lachen.

 

„Immer auf die Kleinen“, sagte Richard.

 

„Wieso was war denn, Bruderherz?“ sagte Max.

 

„Jule hat mir gerade sehr glaubhaft klar gemacht, dass wir heute Abend arbeiten müssen… Cola verkaufen und so, und als ich dann sagte ich kenn mich mit dem spanischen Geld nicht auf, fingen alle an zulachen.“

 

„Ich verstehe nicht“, sagte Kian.

 

„Kian, seit einem guten Jahr haben wir doch alle die gleiche Währung, da gibt es kein spanisches und deutsches Geld mehr nur noch den Euro“, beantwortete Max die Frage.

 

Und alle prusteten wieder los, nur Richard verzog mit rotem Gesicht eine Grimasse.

 

„Du Chris hättest du kurz Zeit, ich will dir noch jemanden vorstellen“, sagte Kian mit einem frechen Grinsen auf den Lippen.

 

Christian schaute abwechselnd zu Max und Kian.

 

„Na klar doch, wer soll es denn sein?“

 

„Komm einfach mit, kleiner Bruder“, sagte Max.

 

Die Drei verließen das Zimmer und Kian klopfte an der Nachbartür.

 

„Come in“, daran es von drinnen heraus.

 

Kian öffnete die Tür und ging als erstes hinein. Christian und Max folgten ihm.

 

„Hi Ash, ich wollte dir doch meinen Freund persönlich vorstellen“, meinte Kian zu Ashley.

 

„O-Town“, stammelte Christian verlegen.

 

„Ja so nennen wir uns“,  sagte Trever und stand auf und begrüßte die beiden mit einer Umarmung. Eric, Dan und Jacob begrüßten sie ebenfalls.

 

„Und wer von den beiden ist es nun, die sehen sich ja völlig gleich“, fragte Ashley verwirrt.

Christian und Max grinsten sich an.

 

„Wenn du mich so fragst, ja wo du das erwähnst, welchen soll ich denn nehmen… uff“, kam nur noch aus Kians Mund, nachdem er von Max in die Rippen gestoßen bekam.

 

„Du bist Max, wenn ich das eben so richtig mitgekriegt habe.“

 

Max bestätigte mit einem Nicken.

 

„Und wer ist, dann dieser gleichsehende Kerl neben dir?“ sprach Ashley weiter.

 

„Ich bin Christian sein Bruder“, mischte er sich ein. Max lächelte ihn an.

 

„Und auch Solo, unser Midol ist auch grad wieder solo“, kam es von Jacob.

 

„Midol?“, fragte Max, aber seine Frage wurde schon von Trever beantwortet, als er Jacob einen Fausthieb auf den Arm gab und meinte, er solle den Mund halten.

 

„Oje, wer hat denn die Fliege gemacht?“, fragte Kian und Max schaute ihn erstaunt an.

 

„Du wusstest das?“

 

„Ja natürlich, wir sind eine große Familie, da weiß jeder über jeden Bescheid, nur dringt da nichts nach draußen“, beantwortete Kian die Frage.

 

„Josh hat Schluss gemacht, wegen einer dieser neuen Boygroup, wo alle schwul sind.“

 

„Josh von Neutral?“, fragte Christian entgeistert.

 

„Jepp, genau der“, kam es von Erik.

 

„Max du hast mir wirklich nicht zu viel versprochen, dass es interessant wird“, meinte darauf Christian lachend.

 

„Und bist du nun solo“, harkte Jacob noch mal nach.

 

„Jacob halt endlich deinen Mund, ich suche mir meinen Freund schon selber aus“, kam es sauer von Trever.

 

„Wieso, gefalle ich dir nicht?“ kam es von Christian, und Max freute sich regelrecht, wie der Junge sich verändert hatte, von Selbstzweifel keine Spur mehr.

 

Trevor wurde rot im Gesicht und schaute betreten auf den Boden. Jeder hatte ein breites Grinsen im Gesicht.

 

„Und was ist mit Jochen?“, fragte Max seinen Bruder, als sie sich später was zu essen holten.

 

„Was soll mit Jochen sein?“ kam es von Christian.

 

„Komm ich hab gesehen wie du noch mit Trever geflirtet hast.“

 

„Ich wüsste nicht was dich das anging“, meinte Christian und bereute sofort den zu scharfen Ton, den er angelegt hatte.

 

„Tut mir Leid Max, ich weiß nicht was in mich gefahren ist“, entschuldigte Christian sich.

 

„Schon gut, aber nicht wiederholen, den Ton mag ich nicht.“

 

Christian nahm Max in den Arm und gab ihm ein Kuss.

 

*-*-*

 

Ein paar Tage später in München…

 

An der Verbindungstür klopfte es.

 

„Christiane du kannst ruhig reinkommen es ist offen“, rief Marianne.

 

Die Tür ging auf und Christiane kam herein.

 

„Hallo Marianne, hast du noch einen Kaffee für mich“, fragte sie erschöpft.

 

„Wie siehst du denn aus, ist dir ein Geist begegnet?“

 

„Nicht direkt, aber was ich gesehen habe, hat die selben Auswirkungen.“

 

Marianne stellte zwei Tassen auf den Küchentisch und schenkte ein.

 

„Los, jetzt spann mich nicht so auf die Folter“, meinte Marianne.

 

„Es geht um Christian, ich habe vorhin seinen Jochen gesehen, als ich die Karten für unseren morgigen Abend im Kino geholt habe.“

 

„Ja und?“

 

„Er stand da, knutschend mit einem anderen Jungen.“

 

„Echt, das ist ja…“

 

„Als er mich bemerkte, wurde er knall rot und lief weg.“

 

„Scheint doch nicht so harmlos zu sein, wie Max behauptete“, meinte Marianne.

 

„Und was machen wir jetzt?“

 

„Ich werde Max wohl ne SMS schicken müssen, damit er wenigstens Bescheid weiß.“

 

„Ja mach das…“ kam es von Christiane.

 

*-*-*

 

„Was ist mit dir du siehst so traurig aus?“, fragte Kian Max, als er das Hotelzimmer betrat.

 

Er kam soeben vom Soundscheck zurück, wie sie ihn bei jeder Probe in einer neuen Stadt machten, so wie eben jetzt in Neapel.

 

„Hab grad eine SMS von meiner Mutter bekommen.“

 

„Ist zu Hause etwas passiert, jemand krank geworden.“

 

„Nein und ja. Es sind alle gesund, nur Christiane hat… Christians Jochen dabei erwischt wie er einen anderen Jungen ziemlich abgeknutscht hat.“

 

„So eine Scheiße.“

 

„Das kannst du laut sagen, wie soll ich das nur meinem Chrisi beibringen…?“

 

„Brauchst du nicht mehr…..“

 

Erschrocken fuhren Max und Kian herum. Christian stand in der Tür. Er hatte total verheulte Augen.

 

„Er hat mich eben über mein Handy angerufen, und gesagt dass es…“, und Christian fing an zu heulen.

 

Max sprang auf und nahm Christian in seinen Arm. Es dauerte eine Weile, bis sich Christian wieder beruhigt hatte. Kian machte die Zimmertür zu weil schon einige Crewmitglieder neugierig in sein Zimmer blinzelten. Max reichte Christian ein Taschentuch.

 

„Wenn das immer so weh tut, möchte ich gar keinen Freund mehr haben“, kam es leise von Christian.

 

„Rede nicht so ein Quatsch, Chris. Ich weiß was du fühlst, wie weh das tut. Als ich damals dachte, dass ich auf Kian verzichten müsste, zerbrach es mir fast das Herz“, sagte Max um ihn ein wenig zu beschwichtigen.

 

„Aber du hast deinen Kian jetzt, und ich sitze alleine da“, sagte Christian.

 

„Ich habe da was für dich“, meinte Kian, „hat mir ein süßer Boy zu gesteckt.“

 

Kian gab ihm eine Visitenkarte mit einer Handynummer drauf.

 

„Von Trever?“

 

„Ja er gab sie mir  für den Fall, dass du vielleicht doch deine Meinung ändern solltest.“

 

Max grinste Kian an und der zwinkerte im zurück.

 

„Ich weiß nicht warum ich euch beide verdiene“, sagte Christian und wischte sich die Tränen weg, „da werde ich doch gleich telefonieren gehen müssen.“

 

„So gefällst du mir schon besser, auch wenn es weh tut nach vorne schauen, eine andere Möglichkeit haben wir nicht Chrisi… Bruderherz.“

 

Die Tour verlief ohne Zwischenfälle, alle Termine konnten eingehalten werden. Der positive Nebeneffekt war, dass die Fünf mit Westlife viele große europäische Städte zu Gesicht bekamen.

Dann nahte die Sommerpause. Endlich froh aus dem Tourenstress heraus zu kommen packten sie noch einmal ihr ganzes Gepäck zusammen um es für den Abflug nach Dublin bereit zu haben.

 

„Und freust du dich auf deine drei Wochen Urlaub?“, fragte Max Kian, als der den Reisverschluss seines Koffers zuzog.

 

„Ja und wie, besonders weil ich mich jetzt dann voll und ganz dir widmen kann.“

 

„Und was hast du geplant?“

 

„Erst einmal dich durch das Bett jagen“, sagte Kian und schmiss Max aufs Bett.

 

„Junger Mann, was haben sie mit mir vor“, spielte Max den empörten.

 

„Das wirst du gleich sehen“, meinte Kian und legte sich auf ihn und begann ihn wild zu küssen.

 

In Dublin regnete es, als sie mit dem Privatjet auf dem Flughafen landete. Im Terminal gab es ein großes Wiedersehen. Marianne und Christiane waren bereits da und jeweils auch ein paar Familienmitglieder der fünf von Westlife, und  wäre die Absperrungen nicht gewesen, würde man hier meinen eine Volksfest würde hier stattfinden.

Natürlich war es nicht geheim geblieben, dass Westlife ihre Sommerpause heute begonnen haben. Laut schreiende Teenies standen hinter den Absperrungen, riefen Namen, Blitzlichtergewitter ging über die Gruppe hernieder sobald auch nur einer der Gruppe in freier Sicht war.

 

„Hättest du mit so einem Empfang gerechnet“, fragte Jule ihren Mark.

 

„Eigentlich ist das schon normal, nur wäre es mir heute lieber gewesen, darauf verzichten zu können“, sagte Marc.

 

„Hat das einen besonderen Grund?“, fragte Jule.

 

„Denke schon, wenn ich meine Herzdame meinen Eltern vorstellen möchte, dann nicht mit tausend schreiender Girlies im Hintergrund“, gab Mark zur Antwort.

 

„Du willst was? Hättest du mir das nicht vorher sagen können, dann hätte ich mich noch ein wenig zu recht machen können.“

 

Richard fing plötzlich an zu lachen, als er das Gespräch von eben mitbekam. Max sah ihn verwundert an. Richard erklärte es in kurzen Stichworten.

 

„Ich glaube Jule wird auf ihre alten Tage noch eitel“, sagte Richard und fing erneut an zu lachen.

 

„Komm Jule, lassen wir diese blöde Heinis stehen und verschwinden kurz auf die Toiletten“, kam es von Nathalie und zog Jule hinter sich her.

 

Richard musste nur noch mehr lachen.

 

„Na Christian alles wieder gut?“, fragte Marianne, als sie sich zu ihm durchgekämpft hat.

 

„Ja schon“, gab er knapp zurück.

 

„Hi Mum, na ihr zwei, schon die neusten Infos ausgetauscht?“ sagte Max der zu den beiden stieß.

 

„Wieso neue Informationen?“, fragte Marianne erstaunt.

 

„Die Information kommt in einer halben Stunde mit dem nächsten Flug aus Amerika“, sagte Christian strahlend.

 

„Kann mir mal einer von euch erklären, was ihr jetzt meint. Ich verstehe nur Bahnhof“, sagte Marianne verwirrt.

 

„Terminal Mum. Wir sind in einem Terminal“, sagte Max frech.

 

„Du bist mir noch nicht alt genug für ne Ohrfeige junger Mann, also pass gefälligst auf. Also jetzt der Reihe nach, wer kommt aus Amerika?“, fragte Marianne.

 

„In Lissabon, bei dem Konzert sind auch O-Town mit aufgetreten, und unser Christian hat sich mit Trevor angefreundet“, gab Max als Erklärung ab.

 

„Und dieser Trevor, kommt also jetzt aus Amerika?“

 

„Ja, seine Maschine müsste gleich landen“, sagte Christian ganz aufgeregt.

 

„Chris, ganz ruhig er kommt schon an. Es wäre jetzt eh nicht so gut bei diesem Massenandrang mit Fotografen, hier eine Mords Begrüßungsszene hin zulegen“, sagte Max zu seinem Bruder.

 

Christian nickte einsichtig, und blickte traurig Marianne und Max an.

 

„Komm davon geht schon nicht die Welt unter“, meinte Marianne und nahm Christian am Arm und führte ihn hinter den anderen her, die sich auf zur Tiefgarage machten.

 

Max stand da und schaute auf die große Anzeigetafel. Die maschine aus Amerika war soeben gelandet. Etwas abseits wartete Max am Ausgang. Die Passagiere schoben sich durch den engen Flur, passierten die Kontrolle. Max sah Trevor gleich, trotz hochgezogenem Kragen der Jacke und der Basemütze.

 

„Hi Trevor, nice to see you“, meinte Max.

 

„Freue mich dich auch zu sehen Max“, erwiderte Trevor, „wo ist Chrisi?“

„Er ist bei den anderen, in der Tiefgarage. Hier war ein Aufgebot von Fotografen, wäre nicht so toll gekommen, wenn die mitbekommen hätten, das du hier herum läufst.“

 

„Danke Max. Daran habe ich gar nicht gedacht.“

 

„Komm lass uns runter gehen, die anderen warten sicherlich schon und wollen fahren.“

 

„Hi Chrisi“, sagte leise Trevor als er hinter Christian stand.

 

Christian fuhr herum, starrte kurz und fiel Trevor um den Hals.

 

„Hallo Trevor, endlich bist du da“, kam es leise von Christian.

 

„Hallo Trevor“, sagte Mark.

 

Die beiden hatten nicht gemerkt, dass es plötzlich still geworden war um sie herum. Alle Augenpaare waren auf sie gerichtet. Beide wurden rot. Trevor hob langsam die Hand und winkte ein wenig. Ein schüchternes „Hi“, kam von ihm.

Bis Jule anfing zu lachen, das ansteckte. Als alle sich wieder ein bekommen hatten, stiegen sie in ihre Wagen und fuhren los.

 

„Schlafen wir wieder in denselben Zimmern wie das letzte Mal?“, fragte Christine.

 

„Würde ich schon sagen“, meinte Max und lächelte Kian an.

 

„Chris du und Trevor könnt in dem Zimmer meines Bruders Tom schlafen, er ist über die Ferien nicht da“, sagte Kian.

 

„Direkt neben uns?“, fragte Max leise Kian, mit einem frechen Lächeln im Gesicht.

 

„Meinst du sie könnten etwas hören?“ tuschelte Kian zurück.

 

„Was sollen sie denn hören“, sagte Max scheinheilig.

 

*-*-*

 

Im anderen Wagen.

 

„Wow, drei Wochen Irland. Hätte das einer von euch gedacht, als wir letztes Jahr zu dem Westlife Konzert gefahren sind“, sagte Nathalie.

 

„Nein wirklich nicht, und wenn mir jemand gesagt hätte, ich würd so einen lieben Schatz finden, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, kam es von Jule.

 

Mark lächelte Jule kurz an und gab ihr einen Kuss auf die Nase.

 

„Leute ich bin irgendwie froh, dass sich alles so entwickelt hat. Schaut doch Max nur an, wie er sich verändert hat“, sagte Richard, „ nie habe ich ihn so glücklich gesehen, wie zur Zeit. Er ist richtig ausgewechselt.“

 

„Das macht die Liebe, mein Schatz“, sagte Nathalie und gab ihren Richard einen Kuss.

 

„Das werden interessante Ferien“, meinte Jule.

 

*-*-*

 

Die Wochen vergingen viel zu schnell. Das Ende nahte und es wurde noch mal ein Abschiedsfest mit allen gegeben. Der Abschied am Flughafen, war dementsprechend traurig. Bei der letzten Durchsage mussten sie sich dann alle trennen. Wie eine Horte Fans standen alle da und winkten wie verrückt, als die Sieben den letzten Check durchliefen.

 

„Wuste gar nicht mehr wie mein Zuhause aussieht“, kam es von Max, als er sein Zimmer betrat.

 

„Und ich weiß nicht mal wo ich alle meine Mitbringsel unterbringen soll“, meinte seine Mutter.

 

„Morgen muss ich mich in den ersten tag in der Firma melden, bin jetzt schon ein wenig aufgeregt“, meinte Max zu seiner Mutter.

 

„Ach komm, sehe es positiv, endlich verdienst du dein eigenes Geld, kannst jeder Zeit zu Kian, wenn er auf Tour ist oder einen Termin hat, was macht dich daran nervös?“

 

„Hast ja Recht Mum“, sagte Max und begann seine Sachen aus zupacken.

 

*-*-*

 

Am nächsten Morgen…

 

„Hallo Max, und wie war dein Urlaub?“, fragte mich Siegfried, der Max als erstes über den Weg lief.

 

„Traumhaft, muss ich schon sagen. Ähm du Siegfried, könntest du mir helfen wo ich jetzt hin muss?“

 

„Gerne doch, drei Türen weiter sitzt Annabelle, die weiß über alles Bescheid“, sagte Siegfried und war schon hinter einer anderen Tür verschwunden.

 

Max lief zur beschriebenen Tür und klopfte an.

 

„Herein.“

 

Er öffnete und stand vor einer Frau mittleren Alters, die hinter einem hoffnungslos, überfüllten Schreibtisch saß.

 

„Guten Morgen ich bin der Max.“

 

„Oh, hallo Max auf dich warte ich schon sehnsüchtig.“

 

Max musste dumm aus der Wäsche geguckt haben, weil Annabelle anfing zu grinsen.

 

„Wir haben eine Menge Arbeit und ich weiß grad nicht wo mir der Kopf steht.“

 

„Und wo werde ich aktiv sein?“

 

„Ach so entschuldige, wie dumm von mir.“

 

Annabelle stand auf und öffnete die Tür zum Nachbarraum. Max folgte ihr und machte große Augen.

 

„Mein eigenes Büro? Wow. Damit hab ich jetzt nicht gerechnet. Herr Körner hat mir zwar einiges über mein Arbeitsfeld gesagt, aber von einem Büro hat er nix erzählt.“

 

„Und über meine Funktion wohl auch nicht?“

 

„Ähm nein“, sagte Max.

 

„Normalweise bin ich deine Assistentin, mein offizieller Titel, aber hier ist es so Gang und gebe, dass wir alle gleich stehen.“

 

„Wäre mir schon lieber, mit dem Gleichgestelltem, bis ich hier eingearbeitet bin, könnt ich mich wohl eher als Assistent bezeichnen.“

 

„Ach Max, dass geht relativ schnell, glaub mir, und so wie mir Alex, also Herr Körner erzählt hat, bist du ganz schön auf Zack. So aber jetzt mal zu deinem Büro. Hier dein Computer.“

 

Max setzte sich auf seinen Stuhl und ließ sich von Annabelle einweisen.

 

„Hier ist deine private Addy, aber nur denen geben, die dir wirklich wichtig erscheinen, sonst kannst du dich vor Mails nicht mehr retten, geschäftliche bekommst du nämlich schon genug.“

 

Sie klickte die Seite der geschäftlichen Mails an und eine lange Liste erschien.

 

„So sieh hinter dir, auf die Ablage. Hier stehen die Ordner, die für dich wichtig sind. Abrechnungen, Tourpläne, Namenslisten, Gehaltabrechnungen, Hotellisten, Namen aller Hallen und Säle, wo unsere Gruppen auftreten. Ich versuch so gut wie es geht dies Ordner zu aktualisieren, damit du mit dem Papierzeugs nicht auch noch Arbeit hast, das ist meine hauptsächliche Arbeit hier.“

 

„Jetzt bin ich wirklich platt. Dann werde ich mich mal in die Arbeit stürzten.“

 

„Wenn du Hilfe brauchst, hier auf dem Telefon die Taste drücken, dann bist direkt mit mir verbunden. Dann mal viel Spaß mit den Mails.“

 

Annabelle lief zurück zu ihrem Büro.

 

„Annabelle lass bitte die Tür offen, ist mir lieber so!“

 

„Danke Max, hätte ich auch gar nicht anders von dir erwartet. Ach so, vorhin kam eine Mail für dich von Kian rein, hab’s sie dir auf deine private Addy weitergeleitet.“

 

„Danke Annabelle.“

 

Max öffnete gleich seine private Seite.

 

Hallo mein Kleiner,

 

hoffe du wirst nicht gleich so mit Arbeit überhäuft. Vermiss dich schon wieder und freu mich schon auf Oktober wenn wir uns wieder sehn. Telefonieren wir noch heut Abend? Will ja nur deine Stimme hören, dass ich gut einschlafen kann. Morgen geht’s ja wieder weiter mit unserer Tour. Ach so bevor ich es vergessen, könntest du dich drum kümmern, dass die Sache mit Kim ins laufen kommt, wäre net von dir. Freu mich auf heut Abend, also bis dann

 

Dein Kian

 

Kim hatte Max ganz vergessen. Er stand auf und lief zu Annabelle rüber. Er erzählte ihr die Sachlage und bat sie sich kundig zu machen, wie das mit Krankentransporten zu regeln wäre. Zurück im Büro holte er die Addy vom Kims Bruder Markus aus seinem Geldbeutel und machte sich daran ihm eine Mail zuschreiben.

 

Von: markuss@web.de

An:                  max.schefflers@t-online.de

Gesendet: Dienstag, 03. September 2003 10:14

Betreff: Einladung/Verabredung

 

 

 

Hallo Markus,

 

ich weiß wir kennen uns zwar nicht, aber das will ich ja ändern. Ich denke dein Bruder hat sicher von mir erzähl. Ich bin der Max, der im April wieder in der Klinik wieder laufen lernte und dabei deinen Bruder kennen lernte. Mein Bild auf seiner Kommode hast du ja vielleicht gesehen.

Es tat mir leid, als ich dass von deinem Freund erfuhr. Ich habe das erfahren, als ich gerade in Dublin war, sonst hätten wir uns sicherlich schon eher getroffen. Hoffentlich geht es dir soweit gut, ich weiß einen Menschen den man liebt und verliert, ist fast nicht auszuhalten.

Der eigentliche Grund warum ich dir schreibe ist Kim. Wie du vielleicht aus den Zeitungen mitbekommen hast, bin der Freund von Kian – „Westlife“. Ich habe den Jungs von Kim erzählt und sie würden gern Kim zum Abschlusskonzert in Frankfurt Anfang Oktober einladen. Könntest du dich bitte schlau machen, ob das irgendwie zu bewerkstelligen ist? Ich möchte natürlich dich gerne kennen lernen, seit Kim mir soviel von dir erzählt hat. Ich finde dich sehr interessant und hoffe wir können uns schon vor dem Konzert treffen.

Sag bitte Kim noch nichts, es soll wirklich eine Überraschung werden. Ist bei seiner OP jetzt was heraus gekommen? Kann er vielleicht wieder laufen? Es würde mich so für ihn freuen. So jetzt aber genug ich habe noch ein wenig zu arbeiten. Schick mir bitte eine Antwort, ob das mit Kim klar geht und ob wir uns nicht einfach mal treffen können.

 

Bis dahin

 

Max

 

So und nun brauchte Max sie nur noch ab zu schicken. Irgendwann wir ja mal Antwort kommen dachte er sich. Er begann die geschäftlichen Mails abzurufen und merkte schon bald, dass er ohne Hilfe von Annabelle aufgeschmissen wäre.

Ständig lief er mit irgendwelchen Papieren zu ihr und lies es sich alles erklären. Langsam bekam er einen Durchblick und seine Sparziergänge zum Nachbarzimmer wurden weniger. Bald sah es auf seinem Schreibtisch aus wie bei Annabelle.

Sein Drucker kam nicht mehr zur Ruhe. Er hefte Unterlagen selber ab und legte sie in das Fach seiner Kollegin.

 

„Hast dich ja schon prima eingearbeitet, wie ich an deinem Schreibtisch sehe, hast du schon Unterlagen für mich?“ meinte Annabelle, die im Türrahmen stand.

 

„Ja hier, die zwei Hallen fordern noch ihr Geld an, hier bei dieser Hotelabrechnung gibt es Ungereimtheiten, da wurde was doppelt berechnet. Und hier hat sich was bei dem Tourenplan von O-Town geändert, dass muss zu erst bezahlt werden.“

 

„Alex hatte Recht, du hast wirklich was drauf. Gib her wird sofort erledigt.

 

„Danke.“

 

Und schon war sie mit den Unterlagen verschwunden. Max lehnte sich zufrieden zurück. So hatte er sich seinen ersten Arbeitstag zwar nicht vorgestellt, aber besser auch nicht. Ein Fenster am Monitor ging auf und es kam „Sie haben Post.“ Er öffnete das Fenster.

 

Hallo Max!

 

Danke für deine liebe Mail, aber ich hatte eh vor mich bei dir zu melden, weil ich dich ebenfalls kennen lernen wollte. So hast du mir den ersten Schritt schon abgenommen. Ebenfalls danke für deine Anteilnahme. Tommy ist und wird auch in Zukunft in meinem Herzen bleiben. Aber es geht ja weiter, wie Kim jetzt sagen würde. Ja und ich hab jemanden neuen kennen gelernt. Er arbeitet bei uns im Haus, als Azubi. Wir sind jetzt seit zwei Tagen fest zusammen, trotz anfänglicher Schwierigkeiten, aber das kann ich dir ja erzählen, wenn wir uns treffen. Seine Liebe zu mir hilft mir doch über einiges weg. So ich will ebenfalls noch etwas arbeiten, ruf mich einfach an und wir können einen Termin ausmachen. Darf ich meinen Lukas mitbringen?

 

Als bis dann

 

Markus

 

„Annabelle wie kann ich nach draußen telefonieren?“ rief er zu benachbarten Büro.

 

„Einfach die Null vorwählen und dann die Nummer eingeben“, kam es von dort zurück.

 

„Danke.“

 

Max wählte die Nummer vom Markus.

 

„Hotel Schefflers, guten Tag, sie sprechen mit Markus Scheffler.“

 

„Hallo Markus, hier ist Max, ich habe gerade deine Mail abgerufen.“

 

„Wow, das ging aber schnell, hallo Max.“

 

Eine kleine Pause entstand.

 

„Hast du heute Abend schon etwas vor? Oder anders gefragt, habt ihr heute Abend noch einen Tisch für sechs Personen frei?“

 

„Was hast du den vor willst du Westlife mitbringen“, sagte Markus lachend zu Max.

 

„Nein, die hätten gar keine Zeit, haben morgen Abend ein Konzert in Sizilien. Ich wollte meine Freunde mitbringen, die wollen dich nämlich auch kennen lernen.“

 

„Was hat Kim bloß über mich erzählt, das mich alle Welt kennen lernen will?“

 

„Nur positives Lukas, nur positives.“

 

Beide fingen sie an zu lachen.

 

„Moment ich schaue mal, ob wir noch Plätze frei haben, wie viel Uhr eigentlich denn?

 

„So gegen sieben? Ist dann Lukas auch da?“

 

„Nein der liegt noch im Krankenhaus.“

 

„Im Krankenhaus?“

 

„Ja, aber das ist eine längere Geschichte, kann ich dir heute Abend erzählen. Ich denke wir machen dass heute Abend anders. Ich setzte euch einfach an unseren Familientisch, da kann ich mich wenigstens dazu setzten.“

 

„Man das wäre toll, da kann ich gleich meine Leute zusammen trommeln.“

 

„Ach Max bevor ich es vergesse, dass Kim vielleicht wieder laufen kann soll auch ein Geheimnis bleiben, er will alle damit überraschen, wenn es wirklich klappt.“

 

„Geht in Ordnung, also dann bis heute Abend.“

 

„Okay, bis später ich freue mich schon.“

 

„Ich auch. Bye.“

 

„Bye.“

 

*-*-*

 

Nach der Mittagspause wollte, Max dann alle anrufen, aber bis dahin war ja noch ein wenig Zeit und so widmete er sich den restlichen Mails, die anscheinend nicht weniger wurden. Annabelle kam bald und holte ihn zur Pause und sie gingen zu seiner Tür heraus.

Erst das bemerkte er das Schild an der Tür, an dem er so achtlos vorhin vorbei gelaufen war. Da stand sein Name drauf. Maximilian Kehrer – Rechnungswesen.

 

*-*-*

 

„Und du willst dich wirklich noch mal mit ihm treffen Chris?“ sprach Max am Telefon.

 

„Ja das eine mal noch. Nur um einen zu Trinken. Keine Sorge ich hab jetzt meinen Trevor und wir wollen ja schließlich hinüber zufliegen im Herbst, oder?“ kam es von Christian.

 

„Ja tun wir, wenn du Ferien hast. So wie es aussieht kommt ja auch die ganze Meute mit, wenn alle frei bekommen. So dann wünsch ich dir einen schönen Abend Chris.“

 

„Dir auch und sag allen einen Gruß von mir.“

 

„Ja mach ich Chris, bye.“

 

„Bye, Bruderherz.“

 

Max legte auf. Er widmete sich weiter seinen Mails und den Papieren. Als wieder das Telefon klingelte.

 

„Rechnungswesen Max Kehrer.“

 

„Hi Max, hier ist Tobias von der Beschaffung.“

 

„Hi Tobias, was gibt es?“

 

„Wir haben da ein tolles Angebot für eine neue Lichtanlage bekommen, würdest du runterkommen und dir das mal anhören, du sitzt jedenfalls auf dem Geld und bist der Boss.“

 

„Moment, sage dir gleich Bescheid, hier ist grad jemand ins Büro gekommen.“

 

Max legte den Hörer auf den Tisch und lief zu Annabelle.

 

„Du Annabelle, ich hab da den Tobias dran von der Beschaffung, der will grünes Licht für eine neue Lichtanlage, kann ich das grad so entscheiden?“

 

„Ja kannst du, eine neue Lichtanlage wurde genehmigt, soll ich mit kommen?“

 

„Wäre mir recht, ich will nicht am ersten Tag etwas in den Sand setzten, wo es um so viel Geld geht.“

 

„Tust du bestimmt nicht Max, und wenn du es verstehst, versuch ihn doch noch mit dem Preis zu drücken, kommt immer gut an bei unseren Lieferanten.“

 

„Okay ich werde es versuchen.“

 

Max lief in sein Büro und nahm den Hörer in die Hand, „du Tobias bin gleich bei dir.“

 

„Ist gut Max, bis gleich.“

 

Annabelle betrat das Zimmer.

 

„Du Annabelle, ist es eigentlich normal, dass sich alle hier duzten?“

 

„Ja ist es, deswegen herrscht hier auch so ein tolles Arbeitsklima. Du musst bedenken, jeder hier war schon mal mit auf Tour, und du weißt von Kian selber wie es dort zugeht, da wäre ein >Sie< unangebracht.“

 

„Ja verstehe ich, und wo müssen wir jetzt hin?“, fragte Max.

 

„Komm einfach mit.“

 

Max lief Annabelle hinterher. Zwei Stockwerke tiefer betraten sie einen großen Konferenzraum, an dessen Ende eine kleine Lichtanlage aufgebaut war. Ein junger Mann kam auf sie zu gelaufen.

 

„Du bist sicherlich Max“, kam es von ihm.

 

Max nickte.

 

„Dann lass uns dann Ding mal ansehen“, sagte Max.

 

Er ließ sich alles an der Anlage erklären, hielt Rücksprache mit Tobias. Nach längerem hin und her, gab Max sein Ja. Annabelle und Max verließen mit Tobias den Konferenzraum.

 

„Wow Max, du hast den Guten noch um viereinhalb Tausend Euro gedrückt, wo hast du dich nur versteckt, so einen wie dich hätten wir hier schon länger brauchen können“, sagte Tobias aufgeregt.

 

„Habe ich doch gleich gesagt, dass der Kleine  dass Zeug dazu hat“, sagte Annabelle.

 

„So hast du?“, fragte Max grinsend.

 

„Ja hab ich. Du musst wissen, ich habe alles mit verfolgt, was das letzte Jahr passiert ist, und ich denke nachdem du soviel mitgemacht und erlebt hast, bist du genau der Richtige.“

 

„Danke, Annabelle“

 

„Wie lange geht es denn noch den Berg rauf“, meinte Jule.

 

„Das Hotel ist auf der Spitze, wir hätten ja auch mit der Bergbahn fahren können, wenn das euch lieber gewesen wäre“, antwortete Max.

 

Marianne hat das große Auto von Jürgen geliehen bekommen, indem sie zu sechst locker Platz drin hatten.

 

„Aha, da vorne ist es, Schefflers Hotel“, sagte Marianne.

 

Langsam parkte sie den wagen auf den Gästeparkplatz ein.

 

„Ist doch näher, als ich dachte“, sagte Christine.

 

„Ja ich dachte es wäre auch weiter“, antwortete ihr Marianne.

 

„Jetzt lass uns rein gehen ich will endlich Markus kennen lernen“, sagte Max ungeduldig.

 

Ein Grinsen ging durch die Runde. Sie betraten das Hotel. Sie gaben ihre Jacken und Mäntel am der Garderobe ab. Max öffnete die schwere Holztür zum Restaurant und trat ein. Ein junger Mann im Anzug kam auf sie zu.

 

„Du musst Markus sein, siehst deinem Bruder wirklich ähnlich“, sagte Max zu dem jungen Mann.

 

„Max?“, kam es wieder rum von diesem.

 

„Ja bin ich“, antwortete Max.

 

„Kommt euer Tisch ist dort drüben“, sagte Markus und führte sie an einen großen runden Tisch.

 

„Einen Moment bitte ich komme gleich zu euch“, sagte Markus und ging zu einer anderen Bedienung, die gerade angefangen hatte die Bestellung bei anderen Gästen aufzunehmen.

 

In der Zwischenzeit kam eine Frau hinter der Theke hervor zu ihnen an den Tisch.

 

„Grüß Gott, ich bin Markus‘ Mutter, freut mich euch alle kennen zu lernen. Und du musst Max sein, von dem mir Kim erzählt hat.“

 

Max nickte. Jeder gab Frau Scheffler die Hand.

 

„Kann ich schon eure Getränke aufnehmen bis Markus wieder kommt?“

 

Jeder bestellte sein Trinken und als und Frau Scheffler verlassen wollte kam Markus zurück.

 

„Max du hättest ruhig auch deinen edlen Zwirn anziehen können, schau Markus an, der sieht richtig gut aus“, sagte Jule grinsend.

 

„Erstens Jule, bin ich auch so gut angezogen, und zweitens, du schaust schon wieder anderen Männer nach.“

 

Jule verzog das Gesicht und alle fingen an zu lachen.

 

„Na habe ich was versäumt?“, kam es von Markus, der wieder am Tisch neben seiner Mutter stand.

 

„Nicht wirklich“, kam es von seiner Mutter, die darauf zur Theke zurück lief…

 

„So Markus, ich will dir erst mal unsere heitere Runde vorstellen. Das hier ist mein bester Freund Richard und seine Freundin Nathalie, meine Mutter und hier dieses grinsende Mädel ist Jule und hier Jules Mutter. Mein Bruder Chris konnte heute Abend nicht, der hatte schon was anderes vor.“

 

Ein Grinsen ging durch die Runde.

 

Markus machte zwar ein nicht wissenden Eindruck, gab aber jedem einzelnen die Hand und nickte zur Begrüßung.

 

„Max erzählte uns, dass du noch ins Gymnasium gehst?“, fragte Jule.

 

Markus setzte sich zu ihnen an den Tisch.

 

„Ach du meinst, weil ich hier bediene. Ich helfe oft hier im Hotel aus, es ist eben ein Familienbetrieb. Da muss jeder mit anpacken, sonst läuft es nicht. Normalerweise bin ich auch nur im Büro, aber unsere Marlene ist heute das erste Mal am bedienen und da mir meine Eltern die Verantwortung für die Azubis übertragen haben, helfe ich hier heut Abend ein bisschen, um ihr die Unsicherheit zu nehmen“, beantwortete Markus die Frage.

 

„Du machst das aber recht professionell“, sagte Nathalie.

 

„Danke, ich mach das ja auch schon eine Weile“, gab er ihr zurück.

 

*-*-*

 

Der Abend wurde recht nett und als Rosi seine Schwester seinen Dienst übernahm, konnte Markus sich voll und ganz auf seine Gäste konzentrieren.

 

„Und da fand ich ihn auf einem Felsvorsprung liegen“, war Markus grad am erzählen, als seine Mutter kam.

 

„Markus kommst du Telefon, es ist Lukas“, sagte sie im leisen Ton.

 

„Wenn man von Teufel spricht, könntet ihr mich für einen Augenblick entschuldigen, bin gleich wieder da. Mum könntest du noch nach Getränken fragen, wäre nett von dir.“

 

„Gerne doch, für dich tue ich doch fast alles“, erwiderte sie mit einem hämischen Grinsen, was ihr am Tisch die Lacher einbrachte.

 

Markus verlies den Tisch und verschwand hinter der Theke in die Küche. Nach geraumer Zeit, kam er denselben Weg wieder zurück.

 

„So da bin ich wieder.“

 

„Du wolltest uns weiter erzählen, wie du und Lukas zusammen gekommen seid.“

 

„Stimmt. Ach so, über das Handy hab ich dann die Rettungswacht gerufen. Danach bin ich zu ihm herunter gestiegen, weil er immer noch keine Ton von sich gab. Später im Krankenhaus stellten sie dann fest, er hatte ein Bein gebrochen, zwei Rippen auch und eine Prellung am Kopf.“

 

Markus schaute Max an.

 

„Und du, Kim erzählte, dass du in den Rücken getroffen worden bist.“

 

„Ja“, gab Max kurz zurück

 

„Was für ein Gefühl war das wenn ich fragen darf?“, fragte Markus vorsichtig.

 

„Uff… ein bisschen schwer zu beschreiben.“

 

Jule nahm Max`s Hand nahm und streichelte sie.

 

„Ich spürte diesen stechenden Schmerz im Rücken, als würde jemand ganz schnell ein Loch in mich hineinbohren. Dass ich gefallen bin hab ich nicht mehr gespürt. Es wurde irgendwie alles dunkel um mich herum. Ganz weit weg, hörte ich Schreie und Stimmen. Ich hatte irgendwie das Gefühl über mir zu schweben, zu sehen wie ich da liege.“

 

Eine kleine Pause folgte und Max nahm einen Schluck.

 

„Dann irgendwann hörte ich meinen Namen. Die Dunkelheit verflog und ich merkte dass ich gerade auf einer Trage in den Krankenwagen gehoben wurde. Ich konnte leicht Jule hier erkennen“, er schaute kurz zu ihr herüber, sie lächelte, „und ich weiß noch, dass ich sie nach Kian fragte und das sie bei mir bleiben solle, weil ich so Angst hatte, danach bin ich erst wieder im Bett aufgewacht.“

 

„Das ist das erste Mal, dass du mit uns darüber redest“, meinte seine Mutter.

 

„Es ist mir bisher schwer gefallen und das tut es jetzt auch noch“, antwortete Max.

 

„Ich wollte keine na ja Wunden auf reisen“, sagte Markus stockend.

 

„Ist schon gut Markus ich kann das ja nicht ewig mit mir herum tragen“, kam es von Max.

Markus Mutter kam an den Tisch.

 

„Markus erzählte mir davon, das deine Freunde planen, Kim zur Abschlussvorstellung einzuladen“, fing sie an, wie habt ihr das euch vorgestellt?“

 

„Kim ist doch in seinem Rollstuhl transportfähig, oder?“, fragte Max.

 

„Ja ist er“, antwortete seine Mutter. Markus merkte, dass sie der ganzen Sache sehr kritisch gegenüber stand. Er gab ihr ein Zeichen, sie solle sich neben ihn setzten, was sie auch tat. Marianne, Max`s Mutter ergriff das Wort.

 

„Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen Frau Scheffler“, sagte sie.

 

Mütterliche Intuition dachte Markus.

 

„Ja, das Management hat bereits alles geklärt. Er würde mit einem Privatjet abgeholt, seinen Pfleger Andreas kann er mitnehmen, dafür habe ich schon gesorgt. Ein Zimmer stände auch bereit, und am nächsten Tag wird er wieder zurück geflogen.“

 

„Soviel Aufwand nur für Kim?“ sagte Frau Scheffler erstaunt.

 

„Ja, wissen sie Frau Scheffler, er war mir eine große Hilfe, als ich in der Reha war. Und die Jungs wollen ihn ja schließlich auch kennen lernen. Es ist kein Aufwand, wenn man bedenkt, was es für ein Erlebnis es für Kim und uns wird. Ach so bevor ich es vergesse Markus, du und Lukas seid natürlich auch eingeladen.“

 

Der Genannte bedankte sich freudestrahlend.

 

„Typisch unser Max immer ein großes Herz für andere“, sagte Jule stolz und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.

 

„Soll ich das Mark erzählen“, sagte Nathalie grinsend.

 

„Kannst du, er hat keinen Grund eifersüchtig zu werden“, erwiderte Jule grinsend.

 

„Mark?“

 

Jule zog ein kleines Bild aus der Tasche.

 

„Der Mark von …“, sagte Markus erstaunt.

 

„Ja, das ist mein Mark, aber bitte halt den Schnabel, braucht nicht gleich morgen in der Zeitung stehen.“

 

„Ist gut, ich wusste das nur nicht“, antwortete er.

 

*-*-*

 

Der Tag in der Firma, fing genauso an, wie der letzte aufgehört hatte. Nur heute nahm Max an mehreren Sitzungen der Chefetage teil. Er war verwundert und stolz zu gleich, dass er hier so eingebunden wurde und auch seine Meinung für wichtig empfunden wurde.

Total geschafft kam Max zurück in sein Büro, schenkte Annabelle ein müdes Lächeln und lies sich in seinen Sessel fallen. Kaum saß er klingelte auch schon das Telefon, ein Gespräch von außerhalb.

 

„Tourmanagement Skylife guten Tag, sie sprechen mit Max Kehrer.“

 

„Hallo Max, hier spricht Markus.“

 

„Ach hallo Markus, was gibt es?“

 

„Sag mal, gibt es noch Karten für die Vorstellung für in Frankfurt?“

 

„Ich könnte da etwas regeln, wie viele brauchst du denn?“

 

„Fünfundzwanzig, oder eine mehr falls unser Lehrer noch mit fährt.“

 

Markus erzählte Max, was ihm am Morgen in der Schule passiert war.

 

„Den Bus müsstet ihr aber selber finanzieren, die Karten denk ich könntet ihr so bekommen.“

 

„Super, wäre echt toll. Ich weiß wir haben genug in der Klassenkasse, dafür würde es schon reichen.“

 

„Gut ich gebe dir eine Telefonnummer von einem Unternehmen, die öfter für uns fahren, die sind recht billig.“

 

Sie sprachen noch kurz über Kim und Lukas und beendeten dann das Gespräch. Max legte den Hörer auf, und versuchte sich auf seine Arbeit zu konzentrieren.

 

*-*-*

 

„Na und wie war dein Treffen mit Jochen“, sagte Max zu Christian.

 

„So wie ich es erwartet hatte, nur Entschuldigungen und dass dies nie wieder vorkommen würde, er würde alles bereuen, so wie man dass vom Fernseher her kennt“, antwortete Christian.

 

„Noch traurig?“

 

„Nein, ich habe ja jemanden kennen gelernt, der mich mehr fasziniert.“

 

„Dann ist ja gut.“

 

„Nee, so gut auch nicht, ich vermiss Trevor.“

 

„Dann geht es dir ja wie mir kleiner Bruder, ich vermisse mein Kian genauso.“

 

„Und wann werdet ihr euch wieder sehn?“, fragte Christian.

 

„Ich denke auf dem Konzert und da hab ich noch jede Menge zu tun für.“

 

*-*-*

 

Die Wochen bis zu dem Konzert, waren schnell vorbei. Max wurde als volles Mitglied der Firma akzeptiert. Markus war für seine Klasse mit Karten versorgt, und das Flugzeug war gechartert. Diesmal war es recht voll, da ja einige Personen mehr mit flogen als sonst.

Markus und sein Freund Lukas, der mittlerweile von seinem Gipsbein befreit worden war. Dann war Kim mit seiner Freundin und ohne Pfleger, weil durch hartes Training, er sich jetzt recht gut schon selbst bewegen konnte, was für Max ebenso ein bewegender Augenblick war, wie für Kims Familie.

Das Wochenende des Konzert war endlich gekommen und alle trafen sich auf dem Münchner Flughafen, wo die Maschine schon für sie bereit stand. Alle waren total aufgeregt, als würden sie zum ersten Mal fliegen. Aber auf dem Konzert wurden endlich alle wieder vereint.

Aus den Staaten kam sogar extra Trevor angeflogen, so standen dem Liebesglück von Trevor und Christian nichts mehr im Wege.

 

„Du bist also der sagenumwobene Max“, sagte Martina und gab Max die Hand.

 

„Hallo Martina, sagenumwogen?“, fragte Max.

 

„Ja Kim hat mir viel von dir erzählt, und so wie mir scheint, hast du dass hier ja alles auf die Füße gestellt“, erwiderte Martina.

 

„Ja, das kann man so sagen.“

 

„Und ich bin froh und stolz so einen Freund zu haben“, kam es von Kian, der hinter Martina mit seinen Krücken auftauchte.

 

„Hallo Kim“, sagte Max erfreut.

 

„Komm her endlich kann ich dich so in den Arm nehmen wie ich das damals schon gern getan hätte“, meinte Kim.

 

Max ging auf ihn zu und lies sich fest von Kim umarmen. Tränen rannen ihm an seinen Wangen herunter.

 

„He Kleiner nich weinen, es ist alles in Ordnung“, sagte Kim.

 

„Mir ging nur in sekundenschnelle, alles noch mal durch den Kopf, was eigentlich passiert war“, sprach Max, „irgendwie kann ich das gar nicht glauben, und doch bin ich jetzt der glücklichste Mensch der Welt.“

 

Max sah sich um und lies seine Blicke über seine Freunde gleiten. Richard sein bester Freund und Vertrauter. Er war durch die Ereignisse beständiger geworden, hatte viel mehr Selbstvertrauen gefunden, wo seine Freundin Nathalie nicht ganz unbeteiligt war.

Sie stand zwar immer im Hintergrund, aber wenn es um etwas Wichtiges ging, war sie mit ihrer festen Meinung genauso vertreten, wie alle anderen auch.

Christian, hatte sich in der kurzen Zeit ganz schön gemausert, war nicht mehr der kleine schüchterne Bruder, wie er ihn vor Monaten kennen gelernt hatte.

Seine Mutter und Christiane waren mittlerweile unzertrennliche Freundinnen geworden, und verbrachten die meiste Zeit ihrer Freizeit miteinander. Sogar die Männer ließen sie gemeinsam abblitzen.

Ein Lächeln huschte über Max`s Lippen. Markus und Lukas blödelten mit Christian herum. Sie waren ein hübsches Paar und Max hoffte, dass sie es auch bleiben würden. Ja und besonders stolz war er auf Kim.

Er hatte es fertig gebracht endlich wieder laufen zu lernen, zwar noch an Krücken, aber wenn man fünfundzwanzig Jahre ans Bett gefesselt war, konnte man dies gut ertragen. Dann war da noch Jule, die ihm gerade einen freundlichen Blick zuwarf und winkte.

Sie war von Anfang an für ihn da. Alle zusammen waren jetzt wie eine große Familie für Max, deren Zusammenhalt für ihn wichtig war. Ihr Flug wurde aufgerufen und alle begaben sich an Bord des kleinen Jets.

In Frankfurt wurden sie von einem Tourbus abgeholt, der sie zur Halle brachte. Kaum hatte der Bus den Hinterhof der Halle passiert, stand auch schon Kian vor der Tür des Wagens. Max stieg aus und fiel seinem Schatz in die Arme.

Ein wildes Gejohle und Blitzlichtgewitter kam von Zaun, wo sich viele Fans erhofften, doch einen Blick auf ihre Stars zu ergattern, und mit dieser romantischen Szene belohnt wurden. Eine ganze Gruppe fing laut an zu schreien, als Markus den Bus verlies. Es war seine Klasse die mit dem Bus mittlerweile auch angekommen war.

Er lief zum Zaun und begrüßte diese freudig, hinter ihm stand Lukas ein wenig nervös.

 

„Hi Lukas, kannst ruhig an den Zaun kommen, wir fressen dich schon nicht“, kam es von Marco und streckte ihm durch den Zaun die Hand entgegen.

 

Markus lächelte ihm zu und bedankte sich nickend. Alle machten sich auf den Weg in die Halle, wo Christian endlich seinen Trevor in die Armen schließen konnte und Jule sich auf Mark stürzte und ihn mit Küssen übersäte.

Sie gingen durch einen Seiteneingang zu der für sie reservierten Tribüne und suchten sich ihre Plätze. Die Klasse von Markus saß bereits und trotz der Begrüßung draußen, standen alle noch einmal auf und Markus und Lukas zu begrüßen.

Sie setzten sich und nach der Vorgruppe konnte die Show endlich losgehen. Westlife fing gleich mit Unbreakable an, was im Saal von den tausenden von Fans lautstark mitgesungen wurde.

Wie ein Lichtermeer sah es aus, wenn man in das Publikum schaute, wo fast jeder mit seinem Lämpchen zum der Takt der Musik winkte. Max saß wie immer total entgeistert da und lauschte der Musik.

 

„Bist du glücklich Max?“, fragte Jule in der kleinen Pause, während des Auftrittes.

 

„Ja bin ich Jule, es war zwar ein beschwerlicher Weg bis hier her, aber es hat sich gelohnt durchzuhalten“, kam es von Max.

 

„Stimmt, das war jetzt ein Jahr voller Ereignisse, die ich aber nicht missen möchte. Und was mich besonders freut, ist, dass unsere Freundschaft nur noch intensiver dadurch wurde.“

 

„Jule und ich bin um jeden Tag froh wo wir beide für einander das sein können.“

 

„Jeder hat von uns einen Partner gefunden, keiner braucht mehr alleine zu sein.“

 

„Ja, und das wichtigste ist, das wir alle Freunde sind, die zusammenhalten. So wie es normalerweise sein sollte. Das ist ein Geschenk was mich glücklich macht… solche Freunde zu haben ja und auch mich stolz macht. Die Menschen um sich zu haben, die man liebt.“

 

*-* Ende*-*

 

 

 

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