Welcome to Australia – Teil 34

„Und sie schließen wirklich nicht, wenn das Wasser kommt“, meinte Mrs. Prandigan ängstlich.

Ich versuchte derweil lautlos meine Badzimmertür zu öffnen.

„Das kann ich ihnen nicht genau sagen, aber wir versuchen es natürlich.“

Ich kam in Bobs Sichtfeld und wir schauten uns kurz in die Augen. Er begann zu grinsen.

„Ich bringe sie noch an die Tür“, meinte Bob plötzlich und schob Mrs. Prandigan zur Tür, ohne dass sie mich sah.

Nachdem ich mein dringendes Geschäft verrichtet hatte, lauschte ich an der Tür, ob noch jemand im Flur war. Keine Stimmen. Ich öffnete die Tür und erschrak, weil ich direkt in Bobs Gesicht schaute.

„Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken… guten Morgen.“

„Morgen“, meinte ich und zog die Tür hinter mir zu.

„Du hast völlig recht mit dem Umbau…“, redete Bob weiter.

„…, dass du dich jedes Mal in dein Bad schleichen musst, wenn die Praxis offen hat.“

„Ist ja eine Ausnahme, ich wäre ja normalerweise schon in der Schule.“

„Ich weiß, aber trotzdem ist es nicht gut. Was macht dein Arm?“

„Brennt noch ein bisschen. Wenn ich ihn nicht groß bewege tut es nicht weh?“

„Soll ich mir es gleich mal anschauen?“

Nicht dass ich an Bobs Fähigkeiten zweifeln würde, aber er war Tierarzt.

„Ich muss nachher eh zum Doc, du hast sicher viel Arbeit.“

„Keine Widerrede. In der Innenstadt steigt dass Wasser und ich weiß nicht, ob man zum Arzt überhaupt gut durchkommt, ohne stecken zu bleiben.“

„Ist es schon so schlimm?“

„Ja leider.“

„Gut…, ich zieh mir aber noch schnell was an, so möchte ich nicht in die Praxis sparzieren.“

„Och, du hast doch nichts zu verstecken“, grinste mich Bob an.

Unsere Wege trennten uns. Ich ging ins Zimmer, während Bob wieder in die Praxis verschwand. Während ich noch Berry schlafen im Bett meinte, saß dieser schon an meinem Schreibtisch.

„Du ich glaube du hast eine Mail bekommen“, sagte er, las ich herein kam.

Stimmt, ich hatte gestern vergessen meinen PC herunter zu fahren und das Mailprogramm war auch noch offen.

„Wer schreibt?“

„Ich habe es nicht aufgemacht, Tom, dass ist deine Post.“

„Habe ich Geheimnisse vor dir?“

„Nein…“, meinte Berry und hob seinen Kopf schief.

„Du wolltest auf die Toilette und die Luft ist rein, keiner auf dem Flur.“

„Okay, dann verschwinde ich mal kurz.“

Er sprang auf, gab mir einen flüchtigen Kuss und verließ mein Zimmer. Ich dagegen setzte mich an den Schreibtisch und klickte auf das blinkende Emailtool in der Taskleiste. Die Seite baute sich auf und ich wurde sofort fündig.

Christoph? Wer war Christoph? Ich öffnete die Mail.

Hallo Tom,

danke für deinen Brief, den du mir geschickt hast. Ich bin froh von dir zu hören, auch dass er doch anscheinend noch mehr Verwandte gibt, von denen ich nichts wusste. Ich dachte, ich schickte dir die Antwort per Mail zurück, damit du nicht so lange warten musst.

Mr. Lukas scheint dich nicht ganz informiert zu haben, als ich meine wer ich bin und was ich mache. Zu erst zu mir. Ich bin jetzt fünfundzwanzig Jahre alt und seit zwei Jahren glücklich mit meinem Mann verheiratet…

„Und, eine Mail von deiner Grandma?“

Berry war wieder zurück.

„Nein! Ich habe dir doch von diesem Christoph in Deutschland erzählt. Ich habe ihn einen Brief geschrieben und jetzt kommt die Antwort.“

„Cool… und was schreibt er?“

„Er ist schwul“, meinte ich lächelnd.

„Bitte?“, fragte Berry erstaunt nach und ließ sich neben mir auf dem Bett nieder.

„Ich habe ihm im Brief alles über mich geschrieben und natürlich wollte ich ehrlich sein und habe auch erwähnt, dass ich schwul bin.“

„Mutig!“

„Wieso mutig?“

„Er hätte so ein Arschloch sein können, dass Schwule hasst.“

„Dann hätte mich die Kanzlei nicht ermutigt…, also dieser Mr. Lukas, dass ich Christoph schreiben soll.“

„Warum hat er dir dann nicht gleich die Emailadresse gegeben, du hättest nicht so lange auf Antwort warten müssen.“

„Ich weiß es nicht, die werden schon ihre Gründe haben…“

„Und was schreibt er noch?“

„Ich weiß es nicht, ich habe erst angefangen zu lesen.“

Ich wandte mich wieder dem PC zu und lass laut vor.

… ja du hast richtig gelesen, ich bin auch schwul. Mein Mann und ich führen hier so eine Art Wohngemeinschaft, für junge Leute, die nicht soviel Glück im Leben hatten, aber da brauche ich dir sicher nichts zu erzählen.

Du hast recht fiel durchgemacht, umso mehr freut mich, dass du den Neustart so gut verkraftet hast. Hast du eigentlich einen Freund und wie gehen „unsere“ Verwandten damit um. Entschuldige, wenn ich zu neugierig bin.

Über deine Einladung nach Australien habe ich mich sehr gefreut und mein Michael meinte, ein Urlaub würde uns auch gut tun. Schreib uns bitte, wie du dir das vorstellst, wir erwarten deine Antwort.

Liebe Grüße

Christoph

„Wow!“, entfleuchte es Berry neben mir.

„Kann ich mich dir nur anschließen.“

„Die soziale Ader scheint in eurer Familie zu liegen.“

Ich musste grinsen. Mir fiel Bob ein.

„Du ich sollte kurz in die Praxis, Bob will sich die Wunde anschauen.“

„Macht dass nicht lieber euer Hausarzt?

Berry dachte wohl genauso wie ich über Bob.

„Da schon Wasser in der Innenstadt steht, meinte er, es wäre besser er schaute nach.“

„Wasser? Ist die Schule ausgelaufen…?“

„Du hast wohl nicht viele Nachrichten geschaut, die letzten Tage.“

„Nein, wieso?“

„Dann wüsstest du, dass eine Hochwasserwelle auf uns zu kommt. Canberra steht schon unter Wasser nach dem es schon ganz Queensland erwischt hat.“

„Scheiße, dass wusste ich echt nicht. Die letzten Tage war ich nicht wirklich an Nachrichten interessiert.“

„Verständlich, ich weiß auch nur das, was Bob mir erzählt hat.“

„Dann sollten wir uns mal anziehen und zu Bob gehen.“

„Du willst mit?“

„Klar“, lächelte er und erhob sich.

*-*-*

Die Wunde sah nicht toll aus. Es hatte zwar schon der Heilungsprozess eingesetzt, trotzdem war es nicht schön anzusehen, mit einem Loch am Arm herum zu laufen.

„Das sieht doch schon ganz gut aus. Ich werde dir einen neuen Verband drauf machen und morgen schauen wir wieder danach“, meinte Bob.

Eine Viertelstunde später steckte ich meinen Arm wieder in die Schleife und wollte mit Berry die Praxis wieder verlassen.

„Du, was mir gerade einfällt, wenn dieser Christoph kommen will und wir hier Hochwasser haben, meinst du die Idee ist gut?“

„Christoph?“, fragte Bob, der uns zum Empfang gefolgt war.

Abby stand hinter der Theke und versuchte Herr über das Chaos zu werden.

„Schatz, ich habe dir doch von dem Jungen aus Deutschland erzählt, ferne Verwandtschaft“, mischte sich Abby ein.

„Stimmt…, ich erinnere mich“, gab Bob zum Besten und legte irgendwelche Papiere auf die Theke.

Abby verdrehte die Augen und schaute mich flehend an. Mein Blick fiel zu Berry.

„Etwas dagegen, wenn ich hier kurz Ordnung schaffe?“

Grinsend schüttelte Berry den Kopf.

„Und Junge ist gut“, sprach ich weiter, „Christoph hat mir geschrieben, er ist fünfundzwanzig und sogar verheiratet.“

„Das ist schön“, meinte Abby und ließ mich an ihr vorbei.

„Mit einem Mann!“, fügte Berry grinsend hinzu.

Abby und Bob schauten mich an. Ich konnte nur nicken und grinsen.

„Und was meinte Berry mit her kommen?“

„Ähm… ich habe ihn eingeladen, nebst Freundin.“

„Freundin?“, fragte Bob.

„Ja ich wusste ja nicht, dass er mit einem Mann zusammen und sogar verheiratet ist.“

„Und wann wolltest du uns von dieser Einladung erzählen?“, meinte Abby.

Ich lief rot an und Abby begann zu lachen an.

„Wann kommt er?“, hakte sie nach.

„Das haben wir noch nicht ausgemacht.“

*-*-*

Der andauernde Regen machte stumpfsinnig. Berry war nach Hause geeilt, nachdem Linda angerufen hatte und von einer undichten Stelle im Dach erzählt hatte. Ich saß in der Küche und schlürfte an einem heißen Kaffee.

Darleen war ebenso nach Hause gegangen, nachdem ihr Mann sich gemeldet hatte. Deren Haus stand in der gefährdeten Zone und das Wasser schien nicht abzulaufen. Abby kam in die Küche.

„Danke für die Beseitigung des Chaos“, meinte sie und machte sich am Kaffee zu schaffen.

„Sorry, ich glaube ich habe die letzte Tasse.“

„Hm, dann werden wir wohl Neuen kochen müssen.“

Ich schaute ihr zu, wie sie mit wenigen Handgriffen, die Maschine neu befüllte, als würde sie nichts anderes machen.

„Kochen müsste ich auch noch…, wenn Darleen nicht da ist.“

„Das kann ich doch übernehmen…“, warf ich ein.

„Du sollst deinen Arm schonen.“

„Molly kann mir helfen.“

„Für die ist die Küche ein rotes Tuch.“

„Zeit, dass zu ändern.“

Abby grinste genauso wie ich.

„Glaubst du etwas Vernünftiges gekocht zu kriegen?“

„Och ich werde sicher einiges in Doreens Vorrat finden.“

„Gut, dann geh ich mal zu Molly und werde ihr, ihr neues Aufgabengebiet schmackhaft machen.“

„Viel Spaß dabei!“

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