Welcome to Australia – Teil 35

Ich saß auf meinem Bett und hatte eine Kerze angezündet. Wie Abby voraus gesagt hatte, war der Strom vorsorglich abgestellt worden. Bob hatte seine Beziehungen spielen lassen und ein Notstromaggregat besorgt, aber das konnte dauern, bis das angeschlossen war.

Natürlich konnte ich Christoph auch nicht antworten, aber ich dachte das hatte sicher noch Zeit. Nur das prasselnde Geräusch des Regens war zu hören, sonst war es still im Haus. Das Klopfen an der Tür ließ mich zusammen schrecken.

„Ja?“

Die Tür ging auf und Fred streckte seinen Kopf herein.

„Fred hallo“, meinte ich und richtete mich auf.

„Hallo Tom.“

Sein Haar war nass und seine Kleidung sah nicht besser aus.

„Was machst du hier, ich dachte bei dem Wetter geht niemand vor die Tür.“

„Idee von Georg, er hielt es in der dunklen Wohnung nicht aus und wollte zu seiner großen Schwester.“

„Komm doch herein“, meinte ich und stand auf.

Er schob die Tür auf und betrat mein Zimmer. Ich warf ihm ein Handtuch zu, das über meinem Stuhl hing.

„Danke…“

Er rubbelte sich etwas die Haare und legte es dann um seinen Nacken.

„Wo ist Georg?“

„In der Küche…, bei Abby und Bob.“

„Können wir auch hin.“

„Ja…, aber ich wollte dich noch fragen, wie es dir geht… und nicht vor den anderen.“

Ich musste lächeln.“

„Alles wieder okay…“, meinte ich und strahlte.

„Dann ist ja gut, ich hab mir schon bisschen Sorgen um dich gemacht.“

„Danke, ist aber nicht mehr nötig“

„Gut, dann lass uns in die Küche gehen…, Abby hat etwas von einem tollen Essen gesagt.“

„Dass ist nur Nudeln mit Gemüse und Soße“, meinte ich.

„Wieso nur?“

„Habe ich mit Molly gekocht, weil Darleen doch nach Hause musste.“

„Dann muss das Essen gut sein“, grinste Fred mich an.

*-*-*

Das Licht an der Decke flackerte und sprang wieder an.

„Es werde Licht“, meinte Georg und stieß mit Fred an.

Der Schüsseln und Teller waren alle leer. Es schien als hätten alle Heißhunger gehabt.

„Du weißt Tom, dass du jetzt Ärger mit Darleen bekommen wirst?“, meinte Bob und trank einen Schluck Wein.

„Ich wieso?“, fragte ich verblüfft, „die Küche ist doch wieder sauber.“

Allen fingen an zu lachen.

„Was denn?“

„Du kochst sehr gut“, meinte Abby.

„Muss ich Abby Recht geben“, meinte Georg.

„Ja und da könnte Darleen ihre Stellung in Gefahr sehen.“

Ach so, ich atmete tief durch, denn mit Darleen wollte ich es mir wirklich nicht verscherzen.

„Vielleicht kann sie ja noch etwas von mir lernen“, meinte ich trocken und nippte an meiner Cola.

Alles fing wieder an zu Lachen und wir überhörten fast das Klopfen an der Haustür. Fragend sahen wir uns an.

„Ich weiß nicht, wer um die Zeit noch vorbei kommt“, meinte Abby.

Bob schaute zu mir, doch ich winkte ab.

„Ist sicher nicht Berry“, meinte ich.

Bob erhob sich und ging zur Haustür. Zu meiner Überraschung trat ein tropfnasser Berry herein, dicht gefolgt von Lesley und Linda.

„Was ist denn mit euch los?“

Linda machte ihre Regenjacke auf, während nun Abby sich wie wir auch erhob.

„Bei uns steht alles unter Wasser. Die Zimmer der Jungs im Keller sind schon voll gelaufen.“

„Oje“, meinte Abby, „konnte ihr etwas retten?“

„Das Wichtigste haben wir auf den Speicher geräumt, aber die Möbel…“

„Ich glaube, wir sollten langsam nach Hause“, meinte Georg besorgt.

„Das könnt ihr vergessen“, meinte Lesley, der sich gerade das nasse Shirt abstreifte, „die Canberra Avenue steht komplett unter Wasser.“

„Aber wie kommen wir jetzt wieder nach Hause?“, fragte Fred.

„Ihr bleibt hier“, meinte Abby.

„Frau, du vergisst, wir haben noch nicht angebaut.“

Bob grinste sie an.

„Quatsch. Die Kids können alle bei Tom im Zimmer schlafen. Georg und Fred schlafen in Mollys Zimmer und Linda kann Darleens Notquartier haben.“

„Danke“, meinte Linda.

„Dann werde ich schon mal mein Zeug herunter räumen“, meinte Molly.

„Und ich mache Platz in meinem Zimmer“, sagte ich.

„Ich helfe dir“, kam es von Berry.

*-*-*

So hatte jeder eine Aufgabe. Die Matratze von der letzten Nächtigung bei mir stand immer noch an die Wand gelehnt, so war es für Berry ein leichtes, für Molly und Lesley ein Nachtlager herzurichten.

„Hast du beim Umbau ein Gästezimmer eingeplant?“, fragte Berry und warf zwei Kissen an das Kopfende der Matratze.

„Wieso denn?“

„Wenn die zwei nun gefallen daran finden und öfter bei uns schlafen wollen.“

„Uns? Das ist immer noch mein Zimmer“, grinste ich frech.

Berry wusste wie ich es meinte und warf mir dennoch ein Kissen an den Kopf. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und warf es zurück. Unglücklicherweise duckte sich Berry und das Kissen flog Richtung Tür, welche gerade Lesley betrat.

„… umpf… he, was soll das?“

Berry und ich kicherten. Lesley stand etwas betölpelt da und ließ sich von Molly ins Zimmer schieben.

„Du solltest anbauen“, meinte Lesley und stellt Mollys Sachen auf dem Boden ab.

„Das habe ich auch gerade gesagt“, meinte Berry und ließ sich in mein Bett fallen.

„Sicher nicht, sonst werdet ihr noch zu Dauergästen…“

Berry sah mich an.

„Du Schatz hast immer einen Platz in meinem Bett“, säuselte ich.

„Oh hör auf mit diesem Liebesgesäusel, davon kann es ja einem schlecht werden“, kam es von Lesley.

„Davon könntest du dir ein Stück abschneiden“, meinte Molly und kicherte.

„Ja, schlag du dich nur auf ihre Seite“, regte sich Lesley gekünstelt auf.

Bob erschien an der Tür, die Lesley offen gelassen hatte.

„Braucht ihr noch etwas?“

Wir schüttelten den Kopf.

„Dann sag ich mal gute Nacht, wenn etwas ist, wir sitzen noch eine Weile in der Küche.“

Dies war wohl die Aufforderung, dass die Erwachsenen alleine in der Küche sein wollten.

„Ins Bett wollte ich aber auch noch nicht“, meckerte Lesley.

„Musst du noch nicht“, meinte Molly und ließ sich auf ihre Matratze nieder.

„Lass die Erwachsenen doch alleine Quatschen. Ich stell mein Radio an, was die da bringen“, meinte ich.

…das Hochwasser hat den Süden des Landes erfasst. Am Wochenende traten vier große Flüsse des Bundesstaates Victoria über ihre Ufer. Die Wassermassen überschwemmten 43 Städte. 3500 Anwohner waren betroffen, Hunderte mussten ihre Häuser verlassen….

„Oje“, kam es von Molly.

… in einigen Städten wurden die verheerendsten Überschwemmungen seit 100 Jahren erwartet. Der Leiter des staatlichen Notfalldiensts sagte, bei einigen der örtlichen Flüsse sei ein beispielloser Anstieg der Pegelstände zu beobachten…

„Das kann ja noch heiter werden“, sagte ich.

…das Hochwasser bringt neben seiner zerstörerischen Kraft noch eine weitere Gefahr mit sich: Es schwemmt Wildtiere wie Krokodile und Giftschlangen in die Städte. In der Stadt Goodna sollen sogar zwei Haie in den überfluteten Straßen gesehen worden sein…

„Schlangen hatten wir schon“, meinte Berry.

„Erinner mich daran nicht“, kommentierte ich seine Aussage.

„Haie sind etwas Neues…, stellt euch vor du kommst zur Haustür raus und vor dir schwimmt so eine Dreiecksflosse im Wasser“, mischte sich Lesley grinsend ins Gespräch.

„Das will ich gar nicht“, meinte Molly und kuschelte sich dichter an ihren Freund.

…Finanzminister Wayne Swan bestätigt, dass die Flut die wohl größte Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes werden würde. “Der Wiederaufbau wird Jahre dauern.” Der Schaden wird von Experten auf rund 15 Milliarden Dollar geschätzt, wobei die Umsatzeinbußen der Bauern oder der Tourismusindustrie durch das Hochwasser noch nicht enthalten sind…

„Ach du Scheiße…, soviel Geld“, entfleuchte es Lesley.

… kommen wir zu den Wetteraussichten…

Im Raum war kein Laut mehr zu hören, alle starrten auf mein Radio.

…in Griffith ist es morgen am Tag sonnig bei Temperaturen von 16 bis 28°C.
Nachts ist es klar und das Thermometer fällt auf 16°C.
Der Wind weht schwach aus südwestlicher Richtung mit Geschwindigkeiten bis zu 12 km/h….

„Cool, dann hört es endlich auf zu regnen und das Wasser geht zurück“, sagte Lesley.

„Was ist mit euern Zimmern?“, fragte ich.

„Ein Glück, dass ich schon einiges nach oben geschafft habe“, meinte Berry.

„Ich nicht!“

Lesleys Laune sank ab.

„Komm, wir sind bestimmt versichert und wenn nicht, denke ich wir kommen schon irgendwie geholfen.“

Ob er da auf die Hilfe von Riley spekulierte? Am Radio spielte nun leise Musik, ich ließ ihn einfach weiter laufen. Die Tür wurde geöffnet und Linda streckte den Kopf herein.

„Wollt euch nur noch gute Nacht wünschen“, sagte sie.

„Gute Nacht, Mum“, schalte es von Berry und Lesley.

„Gute Nacht Linda“, sagten dagegen Molly und ich.

„Es hat übrigens aufgehört zu regnen Jungs. Morgen werf ich euch früh raus, wir müssen schauen, wie es bei uns zu Hause aussieht.“

„Meinst du, das Wasser geht so schnell zurück?“

„Nein, das werden wir wohl auspumpen lassen müssen.“

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