The winner takes it all

Immer noch kamen Zuschauer die Ränge herunter gelaufen, obwohl das Stück gleich begann. Manchmal ärgerte ich mich schon über die Unpünktlichkeit mancher Leute. Aber ich wollte mir nicht den Abend verderben, sondern ihn mit meinem Schatz Lars genießen.

Er hatte uns für das Musical Mamma Mia in Stuttgart Karten besorgt, und nach einem kleinen Abendessen saßen wir nun im Zuschauerraum und warteten auf den Beginn des Stückes. Langsam schienen auch alle Zuschauer da zu sein, denn man konnte nur noch Ordner sehen.

Das Licht im Saal verdunkelte sich und die Bühne wurde in blaues Leuchten gehüllt. Plötzlich kam eine Ansage über die Lautsprecher.

„Sehr geehrte Damen und Herren, wir begrüßen sie herzlich im Palladium zur heutigen Vorstellung von Mamma Mia. Sollten sie ein Handy dabei haben, so bitten wir sie freundlichst, es abzuschalten. Gleichseitig möchten wir sie daran erinnern, dass das Fotografieren, sowie jegliche Ton und Bildmitschnitte nicht gestattet sind. Zuschauer mit schwachen Nerven oder Herzproblemen möchten wir darauf hinweisen, dass in diesem Stück vermehrt Schlaghosen und Plateauschuhe zum Einsatz kommen!“

Das Publikum fing an zu lachen und nach ein paar Sekunden startete die Musik. Mehrere Lieder von Abba wurden angespielt. Lars hatte meine Hand genommen und strich zärtlich mit seinem Daumen über meinen Handrücken. Ich versank in meiner Gedankenwelt, erinnerte mich zurück, was ich zu der Zeit machte, als all diese Lieder viel im Radio liefen.

  Rückblende

 Es gab weder Handys noch Computer in jedem Haushalt und im Fernseh gab es nur drei Programme, dass kann sich bestimmt keiner mehr vorstellen, wenn er das nicht selber erlebt hatte.

Beim Spielen war man eben noch draußen. Weil außer Lesen und Hausaufgaben machen, war drinnen nichts angesagt. So wie ich auch mit meinen neun Jahren, verbrachte, wenn es ging, die meiste Zeit draußen. Freunde? Hatte ich zu der Zeit keine. In der Schule war ich eher der ruhige Typ, der sich aus allem raus hielt. Und zu Hause, da wohnten entweder nur jünger oder ältere Kinder. Na ja ich hielt mich halt an die Jüngeren, da konnte ich nicht viel falsch machen und wurde von niemand ausgegrenzt.

 Ausgegrenzt? Ja. Wie das alte Beispiel geht das jeder kennt. In der Schule wurde oft Fußball gespielt und vorher gab es natürlich die große Mannschaftsauswahl, und wie es immer so ist, am Schluss saßen die absoluten Loser da, die niemand wollte und doch gewählt werden mussten. Tja, und da war ich mit aller Regelmäßigkeit dabei.

 Noch einwenig mehr aus meinem Umfeld? Also wo soll ich anfangen, da war also mein Papa, den ich eigentlich nur abends zu Gesicht bekam unter der Woche wenn er von der Arbeit kam und am Wochenende meinte er müsse was mit uns unternehmen, was immer in einem langweiligen Sonntagssparziergang endete.

 Ja da war noch meine Mama, die auch den halben Tag nicht zu Gesicht bekam, einerseits wegen der Schule, andererseits weil sie mittags putzen ging. Ja bei uns mussten zwei verdienen, weil es halt vorne und hinten nicht langte.

Und dann gab es, ja es gibt ihn immer noch, meinen älteren Bruder, mit dem es ohne Streit und ab und wann auch Prügelei kein Tag verging. Also kurz und gut eine richtige nette Familie.

 Ich mit meinen Neun war halt der Kleinste, das Nesthäkchen, wie man so schön sagt, aber der Begriff war bei mir eher unpassend. Wegen jeder Kleinigkeit, man muss wissen ich war zur der Zeit echt ein Schussel, jo bin ich heute vielleicht auch noch ein wenig, mir ging viel kaputt, eigentlich alles was ich in die Hände nahm, bekam ich gleich Schläge. Entweder sofort von meiner Mutter, oder abends wenn der Big Boss nach Hause kam.

 Wir wohnten damals zur Miete. Eine kleine schnuckelige Zweizimmerwohnung,  Küche, Bad, Wohnzimmer und ein Schlafzimmer. Ja ein Schlafzimmer! Wir schliefen da zu viert drin. Es war noch nicht so gang und gebe, dass man wie heute ein eigenes Zimmer hatte.

Es ging auch alles ein wenig beengt zu, aber ich war es nicht anders gewohnt, weil ich es ja auch nicht anders kannte. Zu der Zeit hatten wir auch noch eine Schwarzweiß Fernseh, Farbe war halt auch noch ein bisschen zu teuer für uns.

Außer Vicky, Biene Maja und Heidi gab es nur wenig für Kinder, so war das Thema Fernseh eh ab gehackt für mich. War eh derjenige der die wenigsten Stimmrechte hatte, was geschaut werden durfte.

 Ich ging in die dritte Klasse, der hiesigen Grundschule. Meine Leistungen in der Schule waren eher mittelmäßig, was mir bei der Benotung der Arbeiten, zu Hause weitere Schläge einbrachte, aber sonst mir keinerlei Hilfe dafür entgegen gebracht wurde.

Jedenfalls nicht viel. Wie schon anfangs erwähnt, gehörte ich zu den Loosern der Klasse, was mir auch die tägliche Zuwendung unserer Klassenraudies einbrachte, nach dem Motto ein Tag ohne Prügel ist ein verschenkter Tag.

 Mein Bruder ging schon auf die Hauptschule, so war er also nie da um mich eventuell zu schützen, wobei ich auch nicht weiß ob er das gemacht hätte. Er war jetzt mittlerweile in der siebten Klasse und hatte andere Interessen, als mit seinen kleinen, nervigen Bruder zu spielen. Ein Nachbarjunge war in seiner Klasse, also verbrachte er auch viel Zeit mit diesem. Der hatte einen Bruder, der zwei Jahre älter war wie ich und sich ab und zu herab ließ mit mir zu spielen.

 Gedankenverloren erschrak ich als Lars mit etwas ins Ohr flüsterte.

„Das ist noch besser, als ich mir es vorgestellt habe“, meinte er.

Ich nickte ihm zu und schaute wieder zur Bühne. Dort saß eine junge Frau, die in einem Buch blätterte. Es begann die Melodie von I have a dream, aber sie begann in Deutsch zu singen. Sie hatte bald Hochzeit und wollte gerne ihren Vater dazu einladen. Sie wusste nicht wer es war.

So blätterte sie im Tagebuch der Mutter und schaute nach, wer in dieser Zeit vor ihrer Geburt in Frage kommen würde. Sie fand drei Namen.

 Rückblende

 Zu der Zeit war Räuber und Polizei oder “Dokterles” angesagt. Das zweit Erwähnte spielte sich folgendermaßen ab. Man hatte einen Unfall und wurde dann von Mitspieler wieder zusammen geflickt.

Die Rolle des Arztes war heiß begehrt, weil man da immer so schwierige Operationen durchführen konnte. So auch bei Harald und mir, wobei ich meistens den Patienten spielen musste. Auch an dem Mittag, der mein ganzes Leben verändern sollte.

Harald war alleine zu hause als ich ihn besuchte. Nach dem wir ein bisschen Lego gespielt hatten, wollte er mich unbedingt wieder operieren. Nur mit dem Unterschied, das wir uns diesmal dazu auszogen. Ich dachte mir nix dabei und machte schließlich mit.

 Da lag ich nun, nur noch mit Unterhosen und Socken begleitet und wurde operiert. Es schien eine lange Operation zu werden, und nach einer Weile meinte er dann, > da unten muss ich dich aber auch untersuchen.<

Er zog mir meine Unterhose runter und nahm mein fast nicht vorhandenes Glied in die Hand und spielte ein wenig damit herum. Er fing an über die Größe an zu lachen und sage das wäre ja wohl absolut winzig, ob ich noch nie einen richtig Großen gesehen hätte.

Natürlich hatte ich schon, mein Papa lief zu Hause öfter nackt herum, aber bis dahin hatte ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Verständlich bei dem Alter oder?

 Harald zog seine Unterhose runter und streckte mir sein Glied entgegen. Er meinte ich solle es doch in die Hand nehmen. Ich tat es zögerlich. Es fühlte sich heiß an, und war in Gegensatz zu meinem Steinhart.

Ich fingerte daran herum bis er dann schließlich meinte, ich soll ihn doch mal als Lutscher probieren. Ich schaute ihn ein wenig schockiert an, aber seinem bösen Blick zufolge machte ich lieber was er sagte. So kniete ich vor ihn und nahm ihn in den Mund.

 In diesem Augenblick ging die Tür auf und sein älterer Bruder stand in der Tür. > Oh, was macht ihr da denn schönes, kann man mitmachen?< kam es von ihm und ohne auf eine Antwort zu warten, zog er seinen Sachen aus. Sein Glied war natürlich viel größer und auch einwenig behaart war er untenherum auch.

 Er stieß sein Bruder auf die Seite und drückte mir sein Glied in den Mund. Ich bekam es mit der Angst zu tun, aber wie konnte ich mich wehren, gegen zwei Brüder. Harald war nach unten gegangen und lutschte an meinem Schwanz der sich ebenso hart anfühlte und mit seinen Finger spielte er an meinem Loch herum, was mir sehr unangenehm war.

 Sein Bruder stoss mir mittlerweile sein Glied immer wieder in den Mund und begann an zu stöhnen. Ich musste fast würgen, weil er mit seinem Glied immer wieder tief nach hinten bohrte. Auf einmal schrie er laut auf und ich merkte wie er etwas in meinen Mund spritze.

Ich wollte meine Kopf wegziehen, aber er hatte sich fest mit seinen Hände darin festgekrallt, dass es fast schon wehtat. Immer wieder spritze er mir das schleimige Zeug in den Mund, ich begann zu husten zu würgen, weil ich es automatisch schluckte. Dann ließen die beiden von mir ab.

 Die beiden legten sich aufs Bett und begannen sich zu streicheln. Ich zog mich hastig an, und verließ fluchtartig die Wohnung. Es hinderte mich auch niemand daran. Total verstört lief ich nach Haus, erzählte aber niemanden davon was. Wem den auch?

 Etwa zwei Tage später begann es an meinem Glied furchtbar an zu brennen, wenn ich auf die Toilette ging. Als ich es vor Schmerzen nicht mehr aushielt, ging ich schweren Herzens zu meiner Mutter und erzählte es mir. Die folge war, dass mein Vater ärgerlich früher von seiner Arbeit kam, und mit mir zu unserem Kinderarzt fuhr.

 Dort angekommen musste ich mich dann bis aufs Unterhemd nackt aus ziehen und wurde lange vom Arzt untersucht. Jede Berührung mit seine Händen an meinem Glied war schmerzhaft und ich verzog mein Gesicht. Mein Vater schaute mich böse an und meinte ich soll mich nicht so anstellen.

 Danach durfte ich mich wieder anziehen und der Arzt sprach mit meinem Vater. Ich verstand so was wie ich hätte einen riss auf der Eichel und das hätte sich schlimm entzündet. Er befürchtete ich könnte später keine Kinder deswegen mehr bekommen, was auch immer das heißen sollte. Hey, zu der Zeit war Aufklärung noch ein Tabuthema.

 Er verschrieb eine Salbe und machte mit meinem Vater Termine aus, wo ich irgendwelche Aufbauspritzen bekam. So lief ich die nächsten fünf Wochen jeden Dienstag und Donnerstagmittag zum Arzt und bekam jeweils an jedem Tag eine Spritze in ein Bein.

Es tat schrecklich weh und ich hatte von Termin zu Termin mehr Angst davor.

 Das Brennen war so gut wie verschwunden, als die zehnte und letzte Spritze anstand. Voller Angst lief ich zum letzten Mal zum Arzt. Als er aber zu einem Notfall gerufen wurde, übernahm ein Frau diesen Job und jagte mir die Spritze ins linke Bein.

Es tat höllisch weh, noch mehr als die vergangenen Male. Irgendwie zog sie die Spritze dann auch noch komisch heraus und es fing dann an zu bluten. Sie drückte mir ein Pflaster drauf und sagte ich könne dann gehen.

 Am nächsten Tag hatte ich einen großen Bluterguss und die Stelle, wo das Pflaster drauf war. Die Narbe, vom Einstich, ist mir bis heute erhalten geblieben und die panische Angst vor Spritzen auch, wie sich jeder bestimmt vorstellen kann.

 Das Klatschen der Zuschauer riss mich wieder aus meinen Gedanken. Bisher kannte ich alle Titel die gesungen wurden. Automatisch hat ich mitgesummt und stellte auch fest, dass ich dabei nicht ruhig sitzen konnte, sondern die ganze Zeit mit der Musik mitgewippt hatte.

Ich schaute Lars an, der total im Abbafieber war und mich dabei anlächelte. Die drei angeblichen Väter, welche die Tochter zur Hochzeit eingeladen hatte, waren auf der Bühne und sangen mit der Tochter, >Thank you for the Music<.

 Rückblende

 Musik hörte ich schon immer gerne und viel, an mehr aus dieser Zeit konnte ich mich auch nicht so erinnern. Außer an die Schläge meines Vaters, der mittlerweile auch Gegenstände zur Hilfe nahm, wie seine Hausschuh oder einen Kehrbesen. Ohne Ehrenrunde bekam ich auch noch die vierte Klasse hinter mich und wurde in die Hauptschule versetzt.

Wir waren in das Nachbarhaus gezogen, weil dort eine größere Wohnung frei wurde. Mein Bruder und ich bekamen endlich ein gemeinsames Zimmer. Und in der Schule, er war Neuntklässler und ich Fünftklässer, also das hieß soviel wie verpiss dich und lass mich in Ruhe. Ich selber stellte fest, das sich mit mir was veränderte. Ich war jetzt elf Jahre alt und fing langsam an zu wachsen, wo ich bis jetzt doch immer der Kleinste in der Klasse war.

 Und nicht nur ich fing an zu wachsen, auch mein Glied wurde immer größer. Meine Erinnerungen an den damaligen Vorfall den ich bis jetzt verdrängte hatte kehrten auf einmal zurück.

Nur zum Unterschied, das es angenehme Gedanken waren, als ich an Haralds und seines Bruders Glied dachte. Ich erschrak jedesmal über meine Gedanken. Wusste nicht so recht was ich damit anfangen sollte.

 Besonders schämte ich mich beim Schwimmunterricht, weil wir uns danach nackt ausziehen mussten, um die Kleidung zu wechseln. Ich bekam regelmäßig ein steifes Glied und war froh, dass es niemand merkte. Ich wurde immer ruhiger und verschlossener.

Meine Lehrer hatte mich zu der Zeit schon als Träumer abgestempelt, und was sich auch na meinen Leistungen bemerkbar machte. Einzig alleine der Rektor und die Religionslehrerin befassten sich mehr mit mir.

 Meine Noten waren in Physik, Religion und auch Musik dem entsprechend gut. Mein Rektor hatte mich auch dazu bewogen im Schulchor mit zumachen, was ich dann auch mit viel Spass verfolgte und mir die ganzen fünf Jahre auf der Hauptschule erhalten blieb.

Meine Relileherin brachte mich dazu, an den ein Mal in der Woche stattfindenden Jugendschar teil zunehmen. Es gefiel mir sehr dort, weil es endlich mal was gab, wo ich nicht gleich als Looser abgestempelt wurde.

 Durch eine Anmeldungsfehler meiner Eltern, kam ich in die C-Klasse und meine bis dahin alle Klassenkameraden waren in der B. So kannte ich niemanden recht aus meiner Klasse. Bis im zweiten Halbjahr nach den Winterferien wir einen neuen Klassenkameraden bekamen. Er hieß Tobias und wurde neben mich gesetzt, weil dies der einzigste freie Platz in der Klasse war, weil ja niemand etwas mit nem Träumer zu tun haben wollte.

 Tobias und ich freundeten uns sehr schnell an und wir wurden wirklich unzertrennlich. Bis dahin war ich eigentlich immer daheim rumgesessen, aber seit Tobias, war ich fast keinen Mittag mehr daheim. Meine Leidenschaft mit dem Chor teilten wir uns auch. Ich war oft bei ihm er weniger bei mir.

 Das änderte sich als meine Eltern sich entschlossen zu bauen, nämlich auch in das Neubaugebiet in dem Tobias auch wohnte. Mir fiel es zwar schwer aus der gewohnten Gegend weg zuziehen, aber mit der Gewissheit auf ein eigenes Zimmer, war ich schnell vertröstet.

 Zu der Zeit fing es auch in der Schule an, dass wir uns gegenseitig unten rein griffen, war irgendwie so ein Klassensport von uns geworden war, auch ich blieb nicht davon verschont. Auf einen meiner Klassenkameraden hatten sie es besonders abgesehen.

 Jürgen war regelmäßig Opfer der Schwanzattacken, wie wir es immer scherzhaft nannten. Irgendwie ist das bei ihm hängen geblieben. Viel, viel später als ich so neunzehn war, erfuhr ich von einem befreundeten Schwulen, dass er einen neuen Freund hatte und es war eben dieser Jürgen.

 Aber zurück in die fünfte Klasse. Natürlich blieb es nicht aus wenn Tobias und ich zusammen waren und wir uns darüber unterhielten. Mir war das dann irgendwie peinlich, weil ich dabei immer einen Steifen bekam.

Mittlerweile zwölf Jahre alt, frage mich Tobias plötzlich eines Tages, ob ich mir schon einen runter geholt hätte. >Nein, was ist das überhaupt?< fragte ich ihn. Tobias zog sein Reisverschluss seiner Hose herunter, holte sein Glied heraus, was dann gleich mächtig hart wurde. Er meinte ich solle es ihm gleich tun.

Er rieb die Vorhaut fest über seine Eichel und ich tat ihm es gleich. Bald stieg in mir ein komisches Gefühl auf, es fing überall an zu kribbeln und mein Glied begann komisch an zu zucken. Bei Tobias passierte dasselbe.

Er stöhnte kurz auf und aus seinem Glied spritzen zwei, drei Spritzer weißes Zeug auf den Boden. Ich war enttäuscht, weil bei mir nichts kam. Er vertröstete mich aber, dass dies bei ihm am Anfang genauso gewesen sei.

 Fast täglich trafen wir uns zu unseren Wichsabenteuer und ich war richtig stolz, dass dann endlich der Tag kam, als endlich bei mir auch was kam. Nicht viel aber immerhin. Zu der Zeit hatten wir uns auch im nahen Wald eine Hütte gebaut, nicht einsehbar von außen, aber mit einer schöne Lichtung, auf der wir uns sonne konnten. Bei unseren Streifzügen durch den Wald fanden wir eine Plastiktüte, die voll mit Pornoheften war.

 Mutiger durch die Pornohefte, zogen wir uns ganz aus, legten uns neben einander und befriedigten uns gegenseitig. Auch legten wir uns oft aufeinander und rieben unsere nackten Körper aneinander. Irgendwann meinte Tobias, ob wir das im Heft nicht auch mal ausprobieren sollten.

 Er zeigte mit dem Finger auf eine Seite, wo irgendeine Tussi das Glied des Mannes im Mund hatte. Schlagartig kam mir die Szene von früher in den Sinn und es schüttelte mich. Nach langem zureden von Tobias, lies ich mich doch breitschlagen.

Nur zögerlich, fing ich mit der Zunge an Tobias’ Glied zu lecken. Er dagegen, war schon voll im Gange und das alt bekannte Gefühl kam in mir auf. Voll Geilheit nahm ich dann sein Glied in den Mund und begann kräftig dran zu saugen.

 Plötzlich war es soweit, Wir kamen fast gleichzeitig, anfänglich würgte ich noch als ich Tobias’ Sperma auf meiner Zunge spürte, doch der Geschmack gefiel mir und ich schluckte alles hinunter. Total ausgelaugt lagen wir neben einander und mussten erst zur Ruhe kommen.

 Natürlich ging alles seinen gewohnten Weg. Morgens Schule, danach die Hausaufgaben und mittags mit Tobias unterwegs. Nur die Wochenende gehörten der Familie, dass heißt halt eins auf Familie machen.

 In der Schule verlief alles ruhig. Durch die Abgänger die noch auf das Gymnasium und die Realschule wechselten, schrumpften unsere Klassen noch weiter zusammen und es wurden aus vier Klassen drei.

Wir hatten Sechsertische im Klassenzimmer stehen, und natürlich saß Tobias auch an meinem Tisch. Natürlich merkte niemand etwas von unserer engeren Freundschaft.

 Der erste Teil des Stücks war nun vorüber. Ich zog Lars hinter mir, die Stufen hinauf. Viel zu schnell füllte sich das Foyer und so musste ich ein wenig anstehen, um uns jedem ein Glas Sekt zu holen.

Lars hatte sich einwenig auf die Seite gestellt, wo man über das ganze Foyer einen guten Überblick hatte. Ich kam zu ihm und wollte ihm sein Glas reichen, doch er winkte ab, er müsse dringend auf die Toilette.

So stand ich nun da, nippte an meinem Sektglas und ließ meinen Blick durchs Foyer wandern. Vom Alter her, war wirklich alles vertreten. Die ganz Alten, die in ihren Kostümchen um die Wette strahlten.

Das Mittelfeld, das meistens aus Paaren bestand die nun eng aneinander geschmiegt noch von der Musik eben träumten, aber auch jede Menge Junge, die anscheinend im Klassenverband angerückt waren und in ihren Anzügen, teilweise wie Pinguine aussahen.

Lars kam zurück und nahm sein Sektglas entgegen.

„Und was meinst du?“, fragte er.

„Traumhaft!“, erwiderte ich.

„Ich habe mich echt zusammenreisen müssen, nicht bei ein paar Lieder aufzustehen, um mitzutanzen“, sagte Lars lächelnd und trank einen Schluck.

„Das geht mir genauso, ich konnte nicht still sitzen!“

Lars legte einen Arm um meine Hüfte und zog mich zu sich heran.

„Was ist mit dir?“, fragte Lars und schaute mir in die Augen.

„Nichts besonderes, die Musik bringt Erinnerungen hervor.“

„Das habe ich gemerkt, zwischen drin, wurde dein Blick ab und zu ganz schön traurig.“

„Geht schon, Schatz, ist nicht zu schlimm!“

„Wirklich?“, fragte Lars und strich mir dabei zärtlich über die Wange.

„Klar!“, erwiderte ich und gab ihm einen Kuss.

Wir bemerkten beide, die Blicke um uns, die wir durch unsere Aktion eben, auf uns zogen. Aber es war uns egal und wir lächelten uns gegenseitig an.

„Wenn etwas ist, sag es mir, Thomas! Ich bin für dich da!“, meinte Lars.

„Ich weiß, Schatz. Ich liebe dich!“, entgegnete ich ihm.

Als ich ihm den zweiten Kuss geben wollte erklang ein Gong, der uns aufrief, unsere Plätze wieder einzunehmen. Aber abhalten ließ ich mich nicht von meinem Vorhaben und küsste Lars. Er schob mich vor sich her, die Treppe hinunter, zu unseren Plätzen. Es dauerten auch nicht lange, bis ziemlich laut, die Musik wieder anfing zu spielen.

Lars fuhr neben mir zusammen.

„Was ist denn?“, fragte ich leise.

„Ich hab mich nur voll erschrocken, müssen die so abrupt aufdrehen?“, kam es von Lars.

„Sie wollten nur die Aufmerksamkeit der Zuschauer!“, meinte ich und grinste.

Lars hatte die Arme vor sich verschränkt und atmete immer noch schwer. Ich verbiss mir das Lachen und schaute wieder zur Bühne vor. Der zweite Akt begann mit einer Traumsequenz. Die Tochter lag im bett und träumte von ihrer bevorstehenden Hochzeit.

Die Bühne war mit Schwarzlicht ausgeleuchtet, so dass bei allen Akteuren die erschienen, die Kostüme grell leuchteten. Das Lied >Under Attack< lief und am Schluss erschien jemand im Brautkleid. Als sich der Brautschleier hob, konnte man das Gesicht vom Bräutigam sehen, das Publikum grölte.

 Rückblende

 Neben mir saß Marion, etwas jünger wie ich. Wir verstanden uns recht gut, und wie es so ist, waren wir auch während der Pausen immer zusammen. In der Klasse wurden wir schon lange als Paar gehandelt. So kam es, wie es kommen musste. Ich hatte plötzlich eine feste Freundin. Auf der einen Seite Marion und auf der anderen Seite Tobias. Irgendwie war ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Noch besser wurde es, als sie Tobias, in Marions jüngere Schwester verknallte. Ab diesen Zeitpunkt waren wir die unzertrennlichen Vier.

 Ich und Tobias, waren dadurch trotzdem jeden Tag zusammen, ob mit Freundinnen oder ohne. Ein schlechtes Gewissen hatte keiner von uns beiden. Es lief gut für uns, und keiner von uns beiden hatte etwas dagegen, das es so weiter ging.

 Das sechste Schuljahr verging ohne weitere Zwischenfälle, nur vielleicht, dass meine schulischen Leistungen immer noch zu wünschen übrig ließen. Der Ärger mit meinem Vater steigerte sich immer weiter, und meine Mutter stand machtlos daneben.

 Zu meinem Glück wohnte neben uns eine Lehrerin, die mit aller Wahrscheinlichkeit, die lauten Streitgespräche der Nachbarwohnung mitbekam. Sie bot sich an, mir in Englisch, Nachhilfeunterricht zu geben, was ich dann auch annahm. So verbesserte ich mich in Englisch enorm, und konnte so einige Attacken meines Vaters entgegenwirken.

  Nach meinem dreizehnten Geburtstag, stand dann auch wieder der Sommerurlaub an. Fünf Wochen satt in irgendeinem anderen Land. Diesmal war es Spanien. Dort angekommen, fand ich und mein Bruder gleich Anschluss. Ein paar Deutsche und Holländer. Mein Bruder, der älteste von unsere Truppe, war natürlich der Mädchenschwarm schlechthin.

 Ich freundete mich näher mit einem Stuttgarter an. Andreas. Blond und blauäugig, wie mein Tobias zu Hause auch. Mein Hirn arbeitete auf Hochtouren. Was war nur mit mir los. Ich hatte eine tolle Freundin und doch trafen sich Tobias und ich uns regelmäßig und hatten Sex miteinander.

 Irgendwie war ich wegen meiner Gefühlswelt total verwirrt. Und jetzt lernte ich Andreas kennen, den ich absolut süß fand und der mich natürlich sehr an Tobias erinnerte. Ich führte zwei Leben und wurde mir langsam bewusst, dass es so nicht weiter gehen konnte. Meine innere Ruhe ging langsam flöten, und wurde sehr schnell von wirren Gedanken ersetzt.

 Natürlich landete ich irgendwann mit Andreas in den Dünen und wir befriedigten uns gegenseitig. Mein innere Kampf mit mir, dehnte sich immer weiter aus. Nach außen hin der lustige Thomas und nach innen hin, sich immer weiter zurückziehend. Meine Veränderung merkte daher niemand und ich war auf mich selbst gestellt.

 Die Attacken meines Vaters wurden seltener, aber dafür immer heftiger. Lange danach schmerzten mir noch die Stellen, wo er drauf geschlagen hatte. Irgendwann hörte ich sogar mit weinen auf, es mag gefühllos klingen, aber ich war in diesen Situationen, keiner Gefühlsregungen mehr fähig.

 Zurück aus dem Urlaub begann dann das siebte Schuljahr. Von meinen Eltern wurde ich zum Konfirmandenunterricht angemeldet. Nun hatte ich eine volle Woche und so auch keine Freizeit mehr. In der Schule kam dann ein Vorfall, der wiederum einschneidend für mich war.

 In der Klasse hatten sich Gruppen gebildet. Die Machos, Streber, Coolen, Ausgeflippten und natürlich die Looser. Zu letztern Gruppierung wurde ich gezählt. Und zum Schulalltag gehörte natürlich, dass die Looser von den Machos der Klasse, regelmäßig verprügelt wurden. So auch einen Tages Tobias.

 In der großen Pause wurde wie immer ein Opfer ausgesucht. Tobias kam durch ein blöden Zufall genau in ihre Schusslinie. Sie schlugen ihn herum und boxten ihn. Wir anderen standen im sicheren Abstand irgendwo versteckt um nicht mit hinein gezogen werden. Rainer setzte sich hinter Tobias auf den Boden, der gerade mehrmals von Sascha geschupst wurde. Tobias flog über Rainer und verlor das Gleichgewicht.

 Tobias fing laut an zu schreien und die vier Prügler verschwanden auf der Stelle. Der Aufsichtslehrer kam gerannt und kniete sich zu Tobias auf den Boden. Plötzlich waren die beiden von einer großen Schülermenge umgeben. Von weiten bekam ich mit, das jemand einen Krankenwagen verständigen sollte.

 Im Nachhinein erfuhr ich dann, dass sich Tobias einen komplizierten, dreifachen Bruch seines rechten Armes zu gezogen hatte. Besuchen konnte ich ihn im Krankenhaus nicht, da waren meine Eltern dagegen. Und als Tobias, drei Wochen später wieder in die Schule kam, wollte er von mir nichts mehr wissen.

 Es traf mich tief, als er mir an den Kopf warf, für ihn nicht da gewesen zu sein. Und ihm das ewige Gelabere,> meine Eltern sind schuld < nicht mehr hören konnte. Nach der Schule fuhr ich schnell nach Hause warf mich auf mein Bett und begann zu heulen.

Mein trauriger Zustand fiel natürlich auch Marion auf. Ich redete in Schule kaum noch was, saß immer alleine in den Pausen. Marion kam eine Pause zu mir, und meinte, mit mir wäre es ja nicht auszuhalten, da könne sie sich doch gleich einen anderen Freund suchen.

 Ich sah sie nur an, und meinte > wäre wohl besser so, dann machen wir halt Schluss< ich stand auf und ließ sie am Fenstersims im Flur sitzen. Natürlich hatte sie es nicht so gemeint, sie wollte doch nur, dass ich mich mal wieder zusammen reisen sollte. Da mir aber alles egal war, und ich nur noch alleine sein wollte, machte ich eben Schluss. Innerhalb einer Woche hatte ich nun keine Freund und keine Freundin mehr.

 In der Klasse sprach es sich natürlich schnell herum. Ich wurde immer ruhiger und nahm nicht mal mehr am Unterricht teil. Jeder mied mich und so hatte ich dann auch meine Ruhe.

 Inzwischen war die Bühne zu einem Zimmer umgebaut worden. Es war das Zimmer der Mutter. Sie saß vor dem Spiegel und versuchte verzweifelt ihre Haare zu richten. Die Tochter kam herein und bat sie, ihr beim Anlegen des Hochzeitkleides zu helfen. Donna – die Mutter, verfiel in ihre Erinnerungen und begann leise zu singen.

 Und durch meine Finger rinnt die Zeit,
wenn ich die Tage und Momente nur halten könnte,
doch durch meine Finger rinnt die Zeit.
Morgen schon ist heut Vergangenheit,
ich weiß bald wird sie eine Frau sein
Und ich werd grau sein, denn durch meine Finger rinnt die Zeit.

© Slipping though my Fingers ABBA

 Wieder verfiel ich in meine Gedanken, weil mir es genauso gegangen war und die Zeit durch meine Finger gerinnt war.

 Rückblende
Im Konfirmandenunterricht lernte ich neue Leute kennen. Hier war jeder plötzlich gleich und es gab den Unterschied Gymnasium – Realschule – Hauptschule nicht mehr. Eine Mädchen aus der Parallelklasse, Anita, die ich eigentlich schon seit dem Kindergarten kannte, wurde für mich eine neue Bezugsperson.

 So langsam fand ich dann auch meinen alten Rhythmus wieder. Morgens in der Schule und jeden Mittag stand etwas anderes auf dem Programm. Montags war ich mittags zwei Stunden in der Schule und hatte Französisch AG dienstags und donnerstags war Konfirmandenunterricht angesagt. Mittwochs letzte Stunde morgens hatte ich Chorsingen und mittags war ich in der Video AG vertreten.

 Da mein Bruder mittlerweile auch als Mitarbeiter an der Kirche vertreten war, durfte ich abends oder am Wochenende auch öfter mal, mit meinem Bruder zusammen wegbleiben. Die Konfirmation rückte näher, und die Gemeindediakonin fragte mich ob ich nach der Prozedur nicht bei ihr im Kindergottesdienst mitarbeiten wollte. Und weil ich so gut mit Kindern konnte sagte ich zu.

 Meine sexuelle Verwirrungen in meinem Kopf wurden fast unerträglich. Aber ich lernte es gut zu Überspielen. Alles weitere fraß ich in mich hinein. Durch einen glücklichen Zufall bekam ich zu der Zeit auch eine eigene Gitarre. In jeder freien Minuten saß ich dran und versuchte mir das spielen selbst bei zu bringen.

 Nach der Konfirmation kam dann mein Geburtstag und ich war vierzehn. Mein Zeitplan gestaltete sich immer enger, den zu den Schulischen Sachen kamen nun noch eine Mitarbeiterbesprechung jeden Dienstagabend dazu, Freitagsabends die Christenlehre, die nach der Konfirmation folgte und Samstag Mittag eben dann Kindergottesdienst.

 Natürlich gab es auch Bibelarbeiten in der Christenlehre und ich begann mich langsam, auch natürlich durch den Kindergottesdienst, mit der Bibel auseinander zusetzten. Ganz zum Gegenteil in der Schule, wo ich mittlerweile der absolute Einzelgänger war, brachte ich mich in meinem neuen Freundeskreis und Schaffensgebiet immer mehr ein.

 Unter den Mitarbeitern, gab es einen, der meine Sinne total verwirrte. Er hieß Rainer, war so alt wie mein Bruder und der absolute Mädchenschwarm. Er war so ungefähr eins achtzig groß hatte schwarz Haare. Seine blaue Augen hatten es mir angetan. Ich saß alleine mit meinen Gefühlen, hatte niemanden dem ich mich anvertrauen konnte.

 Mir wurde langsam klar, dass mich Mädchen und Jungs gleicher weise angezogen fühlte, was meine Probleme damit nicht einfacher machte. Genau zu dem Zeitpunkt fing ich an meine Gedanken alle einem Buch an zu vertrauen. Abends bevor ich ins Bett ging schrieb ich Seiten voll oder nur kurze Zeilen, die sich mit meinen Tränen vermischten.

 Dann kam für mich der Tag wo ich in der Schule den vollen Absturz hatte. Natürlich war mein Verhalten auch den Lehrern an der Schule nicht unbemerkt geblieben. Ebenfalls unserem Klassenlehrer nicht. Wir sollten eigentlich Deutsch haben, als eben dieser unser Klassenzimmer betrat.

 Er legte seine Unterlagen auf den Tisch und setzte sich daneben. Er begann damit, dass er heute keinen normalen Unterricht machen wollte, sondern auf eine Aussprache in der Klasse hinarbeitete. Ich hörte nur mit einem Ohr zu weil mich dieser Mist, eh nicht interessierte. Bis mein Namen fiel.

 Er sprach über Schwierigkeiten der Lehrer, die sie mit mir hatten und auch der Klasse, die nicht mehr mit  mir zu Recht kam. Aufgefordert von meinem Lehrer begannen sich Jungs und Mädchen meiner Klasse zu melden und erzählten, was ihnen an mir nicht passte oder verstanden. Ich saß mit einem hoch roten Kopf da, und hörte ohne ein Kommentar zu geben allem zu.

 Wenn mein Körper nicht sich wie gelähmt angefüllt hätte, wäre ich augenblicklich aufgestanden und aus dem Raum gerannt. So aber war ich wie an meinen Stuhl gefesselt und musste alles über mich ergehen lassen. Und als mein Lehrer dann noch davon anfing, wie toll er doch die Freundschaft zwischen Marion und mir fand und ob ich es nicht noch einmal probieren wollte, war der Rand voll. Ich fing an zu weinen.

 Das saß ich nun mit meinem vierzehn Jahren mit 1,82 m mittlerweile der größte der Klasse und weinte hemmungslos. In der Klasse war es absolut ruhig, keiner sagte etwas nicht mal unser Lehrer. Tobias schob mir ein Tempopäckchen zu und lächelte betreten. Ich putze meine Nase, wischte mir die Tränen aus den Augen. Alle Augen waren auf mich gerichtet.

 Langsam und mit zitternder Stimme begann ich meiner Klasse zu erzählen. Dass ich massive Probleme zu Hause hatte, dass ich fast meine ganze Freizeit an der Kirche verbrachte. Ich weiß nicht was ich noch alles los lies, aber langsam kam mir das Gefühl, das einige sehr schuldbewusst weg schauten. Mein Hang zu Jungs verschwieg ich natürlich, dass war dann doch zu viel mich hier vor der ganzen Klasse zu outen.

 Während der ganzen Zeit liefen die Tränen, mein Körper erzitterte des Öfteren durch meine Aufregung. Irgendwann spürte ich sogar, dass Marion neben mir meine Hand genommen hatte und sie streichelte. Irgendwann verstummte ich und sah nur noch auf den Tisch. Mein Klassenlehrer sagte noch ein paar abschließende Worte wie, dass wohl jetzt alles geregelt sei und wir wieder ein normaler Klassenverband wären.

 Und es änderte sich wirklich etwas. Ab dieser Stunde saß ich nicht mehr alleine in den Pausen. Die Gruppierungen in der Klasse lösten sich irgendwie auf und es scharten sich immer mehr um mich herum. Nicht das jeder mit mir jetzt ein Gespräch anfing, nein ich war jetzt einer von ihnen gehörte einfach dazu. Ich wurde akzeptiert wie ich war. Sogar Tobias war nicht mehr so abweisend zu mir, aber so innig wie früher verstanden wir uns nicht mehr.

 Von dem allem bekamen meine Eltern natürlich nichts mit. Meine Streitereien mit meinem Vater wurden immer heftiger und es kam nun auch vor, dass er mir mit der Hand voll ins Gesicht schlug. Es kamen keine Tränen mehr, trotz der Schmerzen, der blanke Hass gegen mein Vater wuchs von Tag zu Tag. Doch seine Kraftausdrücke trafen mich umso mehr. >Ich wäre doch ein Stück Dreck, überhaupt nicht Lebenswert oder Als ich gezeugt wurde, hätte er lieber auf den Boden spritzten sollen.<

 Tief in mir ging immer mehr kaputt, meine Selbstsicherheit machte irgendwann ganz den Abflug. Ich begann mir einzureden, dass mein Vater Recht hatte. Einmal war dieser Streit wieder so groß, dass er wieder mal ausholte und mir direkt ins Gesicht schlug. Danach schnappte er sich seine Schlüssel und ging mit meiner Mutter einkaufen, als wäre nie etwas gewesen.

 Ich sank zu Boden, ein Weinkrampf überkam mich. Ich war noch nie so verzweifelt wie zu vor. Mit letzter Kraft zog ich die Küchenschublade auf, und griff nach einem Messer. Ich kniete auf dem Boden und setzte das Messer an meinen Handgelenk an. In diesem Augenblick kam mein Bruder herein. Er schlug mir das Messer aus der Hand und schrie mich an.

 Dies wäre ja wohl keine Lösung, Ich wäre ein Feigling und renne immer vor meinen Problemen weg. Ich sollte mich ihnen endlich stellen und nicht hier wie ein Schlappschwanz rumliegen. Er verschwand wieder und ich fühlte mich als Feigling, weil ich mir nicht mal das Leben nehmen konnte.

 Das Verhältnis zu meinen Eltern und auch mittlerweile zu meinem Bruder immer schlechter. Es kam ein Krach nach dem anderen. Und immer suchte ich die Schuld bei mir. Was machte ich falsch, dass meine Familie so heftig gegen mich reagierte. Ich hatte diese Streits und ja auch die Prügel so satt. Um dem aus dem Wege zu gehen, verbrachte ich fast meine ganze freie Zeit an der Kirche.

 Mein Spielen mit der Gitarre war mittlerweile so gut, das ich immer öfter beim Singen die Truppe mit meinen Klängen begleitete. Mit Anita hatte ich mich sehr angefreundet und ich konnte ihr auch alles erzählen. Nur das Eine eben nicht.

 Mittlerweile war Donna – die Mutter,  wieder alleine in ihrem Zimmer, Sam, einer der Vater Kandidaten erschien. Die Beide brachen einen Streit vom Zaun und plötzlich fing die Melodie von >The winner takes it all< an zu spielen und Donna begann wieder zu singen.

 Ich will nichts mehr hörn. Nicht mehr drüber reden.
Tut es mir auch weh. Aus der Traum, ich geh!
Jede Chance verspielt, jeder Trumpf vergeben.
Nirgends mehr ein Ass. Ich seh‘s ein und pass.

Der Sieger hat die Wahl, dem Loser bleibt die Qual.
Der eine nimmt und strahlt und der andre zahlt.

Nachts in deinem Arm war ich so geborgen.
Ich wollt dein Leben sein, schloss dich in mir ein.
Glaubte an uns zwei, dachte nur an morgen.
Ich war zu naiv, fühlte viel zu tief.

Das Schicksal würfelt blind, es fragt nicht wer wir sind.
Und wir verstehn dann nicht, dass ein Traum zerbricht.

Der Sieger hat die Wahl, die Wahrheit ist banal.
Wer schwächer ist, der fällt, so ist diese Welt.

Doch sag mir, küsst sie so wie ich dich geküsst hab?
Träumst du noch von mir, wenn du schläfst bei ihr?
Du hast wohl gespürt, wie ich dich vermisst hab.
Doch verlornes Glück findet nie zurück.

Die Punkte sind gezählt. Mir hat etwas gefehlt.
Was immer ich auch tu, ich schau nur noch zu.
Das Spiel beginnt von vorn, um Liebe oder Zorn.
Um Seele oder Zahl. Der Sieger hat die Wahl.

Ich will nichts mehr hörn. Nicht Vergangnes wecken.
Meinst du es auch gut, dein Trost gibt keinen Mut.
Du musst mir verzeihn, ich will mich verstecken
Hinter einem Zaun, ohne Selbstvertraun.
Denn ich weiß:

Der Sieger hat die Wahl.
Der Sieger hat die Wahl.
Das Spiel beginnt von vorn, um Liebe oder Zorn.
Um Seele oder Zahl. Der Sieger hat die Wahl.
Der Sieger hat die Wahl!

© The winner takes it all – ABBA

 Mir liefen die Tränen herunter, ich konnte sie nicht bremsen. Ich spürte die Hand von Lars auf meiner Hand, wie sie mich zärtlich streichelte. Die Liedtexte waren alle so treffend. Doch dieser war wie ein Stich ins Herz.

 Rückblende

Ich war jetzt 15, der Abschluss der neunten Klasse stand bevor, und die meiste Zeit verbrachte ich nach wie vor an der Kirche. Anita und ich waren mittlerweile seit einem halben Jahr fest zusammen. In der Schule verheimlichten wir das, und machen uns eine Spass daraus unsere Klassenkameraden auf die Schippe zu nehmen.

 Alle wussten, dass wir fest leiert waren, aber wir machten weiterhin ein großes Geheimnis daraus mit wem. Wir richten uns gegenseitig in der Schule Grüße von unseren angeblichen Freunden aus. Es war eben ein ziemlicher Spass.

 Zur Abschlussfeier, sagte wir, bringen wir unseren jeweiligen Partner dann mit, versprachen es, um dem großen Rätselraten einen Schuss zu setzten.  Umso erstaunter waren dann die Gesichter unsere Klassenkameraden als wir dort Arm in Arm erschienen und uns vor allen einen innigen Kuss gaben. Reihenweise fielen die Kinnladen herunter, weil niemand sich es denken konnte. Aber Anita und mir war das egal. Den ganzen Abend hingen wir wie zwei Kletten aneinander.

 Die Schule war vorbei, die Sommerferien lagen vor uns. Natürlich fuhr ich wieder mit meinen Eltern in den fünfwöchigen Urlaub. Anita ließ ich schweren Herzens daheim zurück. Italien war angesagt, und von Anfang an, war bei mir schlechte Laune angesagt. Bis ich Urs kennen lernte, einen Schweitzer.

 Schnell war es heraus, dass wir uns mehr zugetan waren, wie uns lieb war. Beide hatten wir unsere Freundinnen zu hause sitzen. Es endete damit, dass wir dann fast täglich Sex miteinander hatten. So gingen die fünf Wochen auch recht schnell um. Wir hatten vergessen unsere Adressen aus zutauschen und so sahen wir uns nie wieder.

 Mein Vater hatte mich auf der Berufsschule für Elektronik angemeldet, wo ich dann nach den Ferien auch hin ging. Zwar nicht ganz mein Ding, aber ich war wenigstens von der Straße weg. Doch ganz schnell merkte ich, dass ich hier fehl am Platze war. Ich brachte es nicht fertig eine Arbeit, besser als mit der Note vier hervor zubringen.

 Mein Verhältnis zu Anita verschlechterte sich zusehends. Sie war auf einer benachbarten Hauswirtschaftsschule. Wir blieben zwar zusammen, doch unsere Streitereien wurden häufiger. Sie verstand nicht, warum ich mich von meinen Eltern so unterbuttern lies. Etwas was ich ihr auch nicht erklären konnte, vielleicht auch nicht wollte.

 Dann kam ein Tag an dem sich alles änderte, ich lernte Phillip kennen. Er war drei Jahre jünger als ich, und ich spürte sofort, das bei uns irgendetwas Besonderes entstand. Das auch er natürlich blond und blauäugig war, brauche ich ja erst gar nicht zu erzählen. Mein Umfeld merkte, dass ich mich einwenig ändere. Aus dem ruhigen Thomas, wurde wieder ein lebenslustiger Thomas.

 Endlich sah ich eine Aufgabe. Mich einfach einwenig diesem Jungen anzunehmen. Er war so schüchtern, voll gestopft mit Problemen wie ich langsam merkte. Alles andere lief jetzt bei mir nur noch neben her. Ich vernachlässigte Anita und natürlich auch die Schule. Das Resultat war, dass ich zum Schulende vier Fünfer im Zeugnis hatte.

 Nach ein paar Prügeleinheiten meines Vaters, beschloss er mir eine Ausbildungsstelle als Koch zu suchen. Jo, ich kochte gerne, aber dies gleich als Beruf auszuüben? Na ja wenigstens, war dann ein bisschen Einkünfte in Aussicht

 Meine Gedanken verschwammen kurz, und ich merkte, dass mir Tränen in den Augen standen. So eine Vergangenheit prägt einen, auch mich. Ich zündete meine letzte Zigarette an und verfiel wieder zurück, in meine Vergangenheit

 Mein Vater, er kam immer als Erstes. Gefühle kann man eben nicht immer unterdrücken… na ja … das letzte Mal als er mich schlagen wollte, war ich 17 Jahre alt, er packte mich am Kragen und holte aus… und hielt inne. Er schaute mir in die Augen und schien wohl den Hass zu sehen, den ich gegen ihn verspürte. Damit war dieses Kapitel „Prügel“ auch abgeschlossen.

 Er fand aber bald heraus, mich mit Worten fertig machen zukönnen, die taten noch mehr weh, vor allem spürte ich sie länger, als die realen Schläge. Dreimal war ich deswegen bisher beim Psychiater. Ob es was geholfen hat, bestimmt nicht, ich leide immer noch darunter. Einzigste Erkenntnis der Sitzungen war, dass mir die Liebe meines Vaters fehlte und ich deswegen nach Geborgenheit, Nähe und Zärtlichkeit bei Männern suchte.

 Die Suche führte ich fort, und fand auch hier und da jemanden, der mir das zu geringen Teil, es entgegen brachte. Als ich endlich den Mann gefunden hatte, der alles das hatte, was mir soviel bedeutete, war ich total ausgepowert und konnte selbst keine Gefühle mehr zeigen. Die Beziehung zu Frank war beendet bevor sie richtig begonnen hatte.

 So teilnahmslos und angreifbar, verbrachte ich einige Zeit und wurde so oft ausgenutzt und noch mehr verletzt. Auf der Suche blieb ich natürlich und das ging so weit, dass ich mich abends nach der Arbeit in Parks herum trieb, wo jeder wusste, dass genügend Freier auf Frischfleisch  warteten.

 Meine Angst vor der eigenen Courage, bewahrte mich aber vor dem Schlimmsten und so blieb es bei den abendlichen Spaziergängen. Meine Abenteuer hatte ich trotzdem, doch zogen sich nur noch weiter runter.

Bis mich eine Bekannte aus diesem Schlamassel heraus zog und mir erst mal regelrecht den Kopf wusch .Ich brachte gerade so mit hängen und würgen meine Lehre vorbei.

 Und Phillip….. die Freundschaft hielt ganze achtzehn Jahre…. bis er weit weg zog. Aus dem Auge aus dem Sinn, könnte man sagen, was bei einer so innigen Freundschaft eigentlich nicht der Fall sein sollte und doch geschah.

 Die Liebe, die ich erst wieder lernen musste, weil ich es nicht besser wusste, mir es nicht anders bekannt war, und vor allem, sie mir nie einer zeigte.

 Nun saß ich neben Lars, meinem Lars, wir waren seit einem Jahr zusammen. Das Stück hatte sich dem Ende zugeneigt.

Das Publikum stand nun komplett und klatschte wie wild nun auch die dritte Zugabe mit. Mir taten mittlerweile die Hände weh.

Aber es störte mich nicht, ich war in diesem Augenblick einfach nur glücklich. Der Vorhang senkte sich und Lars und ich machten uns auf den Weg zu Ausgang. Draußen im Foyer, stellten wir uns an die Seite bis die Gäste zum größten Teil abgezogen waren.

„Was ist los Thomas, warum musstest du weinen?“, fragte Lars.

„Einige Erinnerungen sind einfach zu stark!“, gab ich zur Antwort.

„Thomas, du lebst jetzt, nicht in deiner Vergangenheit!“

„Der Sieger hat die Wahl, dem Loser bleibt die Qual“, zitierte ich die Sängerin.

„Du bist ein Sieger, Thomas!“

„Und für was einen Preis, was habe ich alles dadurch verloren?“, meinte ich und spürte, dass meine Augen wieder feucht wurden.

Lars nahm mich in den Arm und sah mir tief in die Augen.

„Klar, du hast Einiges verloren. Es war oft eine Qual für dich. Aber wärst du heute soweit, wie du jetzt bist? Wärst du das, was du jetzt bist? Du bist jetzt ein Sieger, Thomas und dies kann dir keiner mehr nehmen!“

Lars hatte Klartext gesprochen und ich wusste er hatte Recht. Ich drückte ihn fest an mich und schloss kurz die Augen.

„Thomas, ich liebe dich, so wie du bist, ohne Wenn und Aber. Du bist der Mensch, mit dem ich zusammen sein will, egal, was in deiner Vergangenheit passiert ist. Diese Vergangenheit hat aus dir das gemacht, was du heute bist. Eine liebevoller, reizender, wertvoller Mensch!“

„Danke Lars! Ich liebe dich auch!“

Hand in Hand verließen wir das Foyer und entschwanden in die Nacht.

**Ende**
 


 

 

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