Stiche ins Herz

Es war eine elegante Sportart, die ich mir da ausgesucht hatte. Angefangen hatte alles, als ich vor ungefähr sieben Jahren einmal eine Sportschau mit meinem Dad zusammen schaute und sie über ein größeres Turnier berichteten.

Ich hing förmlich am Fernseher und es dauerte nicht lange bis mich meine Eltern in einem Verein anmeldeten. Als ich das erste Mal, mein Sportdress anhatte, fühlte ich mich wie ein King. Nun waren wir aber in eine Großstadt gezogen und es stand ein Vereinswechsel an.

Ich war mir sicher, dass ich hier viel größere Chancen hatte, weiter zukommen in den Turnieren. Meine Eltern hatten mir auch extra einen neuen Dress geschenkt. Ach so, ihr fragt euch sicherlich, was für einen Sport ich betreibe.

Fechten! Ich bin in einem Fechtverein und das mit einem Florett. Das ist die kleinste Stosswaffe die es gibt, sehr leicht, liegt gut in der Hand. Ach so, ich bin der Kai, bin achtzehn Jahre alt und wie schon erzählt, seit sieben Jahren diesem Sport verfallen.

Nun stand ich hier in der Halle und wartete auf den Trainer, der gleich kommen sollte. Er wollte testen, in welcher Form ich war. Um mich herum standen mehrere Fechter auf der Planche und trainierten eifrig. Ich sehe schon wieder ein Fragezeichen in eueren Gesichtern.

Planche sind die Matten auf den wir fechten, meist so vierzehn Meter lang und so zwei Meter breit. Ich will euch ja schließlich nicht dumm sterben lassen. Ich hörte hinter mir Stimmen und drehte mich wieder zur Eingangstür.

Da kam ein Pulk von Erwachsenen herein, die, die Trainer zu sein schienen. Sie verteilten sich über die ganze Halle und einer davon kam auf mich zu.

„Hallo ich bin Logan und du musst Kai sein“, begrüßte er mich.

Hattet ihr schon mal das Gefühl, jemand in die Augen zu schauen und von einem Holzpfahl erschlagen zu werden? Vor mir stand ein Prachtexemplar von Mann. Ich musste aufpassen, dass ich nicht anfing zu stottern.

„Ja, bin ich. Können wir gleich anfangen?“, fragte ich unruhig.

„Klar“, sagte er und lief auf eine die freie Planche zu.

Ich taperte ihm hinter her und stellte mich ihm gegenüber. Ich ging in meine Engarde – Stellung. Jetzt guckt nicht so, ihr habt sicher auch genug Piratenfilme geguckt und selber früher sicherlich mit Stöcken gekämpft, oder?

Das ist die typische Grundstellung, die jeder, auch Unerfahrene, macht. Dieser Logan nickte kurz mit dem Kopf und schon fing er an. Es kam eine Finte (Scheinangriff) nach der anderen, die ich aber alle irgendwie in den Griff bekam.

In meinem Hochgefühl wurde ich nachlässig und schon hatte er den ersten Treffer gemacht. Beim Florettfechten, war die Trefferfläche recht klein. Man machte nur Punkte, wenn man seinen Gegner nur am Korpus, also keine Beine, Arme und auch nicht den Kopf traf. Logan, hatte mir gerade das Herz durchbohrt.

„Nicht schlecht für den Anfang“, meinte Logan, „weiter?“

Ich nickte und ging wieder in Grundstellung. Gleich fing er wieder mit hohem Tempo an, so dass ich mich fast nur wehren konnte, anstatt selber zu versuchen einen Treffer zu landen. Schnell waren die drei Minuten Kampfzeit vorbei und ich hatte sogar ein paar Treffer landen können.

Er zog seine Maske vom Kopf, ich ebenfalls. Kleine Schweißperlen bildeten sich an seiner Stirn.

„Du fängst gleich im hohem Tempo an, finde ich gut“, meinte Logan, aber deine Schritttechnik könnte man noch verbessern.“

Ich nickte, sagte aber keinen Ton. Ein weiterer Trainer kam hinzu und die beiden besprachen sich, bis Logan sich wieder an mich wandte.

„So Kai, ich habe gerade mit Helmut gesprochen und er meinte auch, das du von uns Einzelunterricht bekommst und für die weiteren Turniere fit gemacht wirst“, sagte er.

Innerlich jubelte ich laut auf, aber äußerlich setzte ich nur ein kleines Lächeln auf. Ich hatte gemerkt, dass ich mit meiner Bescheidenheit weiter kam, als nur zu fordern.

„Da erst letzte Woche, einer der besten Fechter aus dem Verein, ausgeschieden ist, werde ich dein Training übernehmen.“

Meine Blicke hafteten an seinen Augen, die mich derart faszinierten, dass ich vergaß überhaupt etwas zu sagen.

„Kai?“

Er riss mich aus meinem Tagtraum.

„Eh ja?“, stammelte ich.

„Und was meinst du dazu?“, fragte er.

„Das finde ich spitze“, war das einzigste, was ich rausbrachte und bemerkte wie das Rot mir ins Gesicht stieg.

„Willst du noch eine Runde?“, fragte Logan.

„Gerne!“

Also stellten wir uns wieder auf, verneigten uns kurz und schon legte Logan los. Er wandte ein paar Kniffe an, die ich wirklich nicht kannte und auch noch nirgends gesehen hatte. Schnell spürte ich seine Spitze an meinem Bauch.

Er zog die Maske wieder ab.

„Du siehst, du kannst noch einiges lernen“, meinte er.

Ich nickte nur wiederum. Nach dem er die Maske wieder aufhatte, ging er wieder in Grundstellung. Aber diesmal dachte ich, werde ich ihn auch überraschen. Ich wandte zwei drei Finten an, und Stoß dann direkt zu, womit er nicht gerechnet hatte.

Punkt für mich. Bevor ich wieder in meine Grundstellung zurückging, bemerkte ich, dass auf den anderen Planchen aufgehört wurde zu fechten und alle rüberkamen zu zuschauen. Logan versuchte diesmal gleich die Oberhand zu bekommen

Er drängte mich regelrecht ab, bis ich schließlich merkte, dass ich neben die Planche getreten war und diese Runde aus war. Noch ein Trick, den ich nicht berücksichtigte. Logan ging einfach wieder in die Grundstellung.

Ich rückte meine Maske zurecht und stellte mich wieder gegenüber. Wieder fing er im hohen Tempo an, aber ich konzentrierte mich auf seine Bewegungen. Außer dem klingenden Laut, der beim Aufeinandertreffen der Florette erzeugt wurde, war in der Halle nichts zu hören.

Kein Laut kam von den Zuschauern. Jedesmal, wenn Logan einen Direktangriff startete, stöhnte er leicht auf. Er zog noch mal mit dem Tempo an und dann passierte es. Ich trat blöde auf und fiel hin. Als ich meinen Kopf hob, lehnte die Spitze von Logans Florett an meinem Herz.

Die anderen fingen an zu lachen.

„Was lacht ihr so blöd?“, kam es von Logan, „bis ihr so gut fechten könnt, wie Kai hier, dauert es noch eine Weile, also los zurück und weitertrainieren.“

Hoppla, alles wich zurück und trainierte weiter. Logan streckte mir seine Hand entgegen und half mir auf. Etwas länger als mir schien, hielt er meine Hand fest, als ich bereits stand.

„Reicht erst mal für heute, ich habe genug gesehen. Geh schon mal duschen und komm danach zu mir ins Büro, und bring deine Unterlagen mit“, meinte er.

* * *

Heiß lief das Wasser an meinen Körper herunter. Jetzt erst spürte ich jeden einzelnen Knochen in meinen Körper. Na gut, ich hatte zwar nur einen Monat, wegen dem Umzug ausgesetzt, aber dies genügte schon für einen Muskelkater.

Ich hörte draußen im Umkleideraum die Türe gehen, aber keiner kam in die Dusche. Ich stellte das Wasser noch ein paar Grade heißer, bevor ich mich dann endlich entschloss, mich abzutrocknen. Ich band mein Handtuch um und lief zurück zu meinen Klamotten.

Niemand war zu sehen, so zog ich mich in Ruhe an und verstaute den Rest in meiner Tasche.

„Du hast es ganz schön abgedrückt“, kam es von der anderen Seite der Schränke.

Ich fuhr zusammen, weil ich dachte, ich wäre alleine. Neben mir tauchte ein Junge auf.

„Das war eine schöne Vorstellung“, kam es von ihm.

„Danke“, meinte ich.

Ich suchte meine Fechterpass und mein Gesundheitsattest in der Tasche und wurde fündig.

„Auch Florett?“, fragte ich.

„Nein Degen, Florett gefiel mir nicht“, gab er zur Antwort.

„Ich bin Kai“, meinte ich und streckte meine Hand entgegen.

„Derek“, meinte er und schüttelte mir die Hand.

Sie fühlte sich weich und warm an, und ich hatte das Gefühl, wir schüttelten uns die Hände länger als normal. Ich ließ wieder los.

„Bist du hier aus der Nähe?“, fragte Derek.

„Nein vom Stadtrand, Waldsiedlung. Wieso?“

„Das trifft sich gut, dann können wir zusammen nach Hause gehen.“

„Bist du mit dem Bus hier?“, fragte ich.

„Ja, meine Eltern haben nicht so viel Zeit mich herzufahren und ein eigenes Auto habe ich noch nicht“, antwortete Derek.

„Wenn es dir nichts ausmacht, fahr ich dich nach Hause.“

„Du hast ein Auto?“

„Ja habe ich, und sogar selber finanziert, durch Ferienjobs.“

„Wow!“, kam es von Derek.

„Ich muss nur noch schnell meine Papiere abgeben, dann komm ich auf den Parkplatz“, sagte ich.

„Bei Logan?“

„Ja!“

Sein Gesichtsausdruck schien mir plötzlich nicht mehr so fröhlich, er drehte sich weg.

„Okay, ich warte dann draußen auf dich“, meinte er von der anderen Seite des Schranks.

Ohne weiter darüber nachzudenken, ging ich wieder in Richtung Halle, blieb vor der Trainerkabine stehen und klopfte.

„Herein“, hörte ich und trat ein.

„Hier sind alle meine Papiere“, sagte ich, als ich Logan sah.

„Oh danke“, meinte er und griff nach meinen Papieren.

Für einen kurzen Moment berührten sich unsere Hände und ich glaube Stromstösse durchflossen meinen Körper. Auffallend lang schauten wir uns in die Augen.

„Dann sehen wir uns wieder in zwei Tagen!“, meinte er und ich nickte.

Draußen am Wagen stand Derek schon und wartete.

„Dann kann es ja losgehen“, sagte ich und schloss auf.

Unterwegs unterhielten wie uns noch ein wenig über den Verein und Derek meinte dann, ob ich noch etwas Zeit hätte, dann könne ich noch auf eine Sprung mit ihm rein kommen. Ich nahm das Angebot an, und als wir zu ihm kamen suchte ich erst mal einen Parkplatz.

„Daran muss ich mich erst mal gewöhnen, zu Hause hatte ich gleich immer einen Parkplatz“, sagte ich und lenkte in die Parklücke.

„Wo hast du vorher gewohnt?“, fragte Derek.

„Auf dem Land, kleines Dorf mit 2000 Einwohnern.“

„Dann muss dir das ja hier wie einer Großstadt vorkommen.“

„Tut es auch, besonders fehlt mir aber das Grün, hier kann man nicht so gut spazieren gehen.“

„Wenn du willst kann ich dir ein paar schöne Plätze zeigen hier in der Umgebung.“

Wir stiegen aus und ich verschloss den Wagen. Es war eine Doppelhaushälfte in die mich Derek führte.

„Mum, ich bin wieder da!“, rief Derek in Haus hinein, als wir es betraten.

„Schon, bist du geflogen oder was?“, kam es aus der Wohnung.

Eine Frau erschien und nach der Ähnlichkeit zugehen, Dereks Mutter.

„Ja, unser Neuer hat mich heimgebracht, er wohnt in der Nähe. Das hier ist Kai!“

„Hallo Kai“, meinte sie und streckte mir ihre Hand entgegen.

„Hallo Frau Manzig“, meinte ich und war froh, auf das Türschild geschaut zuhaben.

„Wollt ihr ein Kaffee mittrinken?“, fragte sie.

Dirk schaute mich an und ich nickte.

„Ich zeige Kai nur kurz mein Zimmer, dann kommen wir wieder herunter“, sagte Derek.

„Ich kann ihn auch nach oben bringen“; meinte Dereks Mutter und grinste komisch dabei.

„Auch gut! Komm Kai, hier hinauf“, meinte Derek und zog mich hinter sich her.

Oben angekommen, öffnete er gleich die erste Tür. Wo ich jetzt das totale Chaoszimmer erwartete, war ein bequem eingerichtetes und sauberes Zimmer. Derek grinste.

„Was ist?“, fragte ich.

„Gefällt es dir?“

„Klar, ähnlich wie meins, aber lange nicht so sauber“, antwortete ich.

„Na ja, war mal wieder Grundreinigung angesagt, normalerweise seiht es hier auch wilder aus.“

Ich schaute mich um. An den Wänden hingen Bilder, mit fast ausschließlich Männern drauf. Alles Bleistiftzeichnungen und alle, ich mussten wieder grinsen, fast nackt.

„Wo hast du die Bilder her?“, fragte ich.

„Noch ein Hobby von mir, selber gemalt.“

„Und wer hat dir da alles Model gesessen?“, fragte ich keck.

„Bisher noch niemand, aber wenn du möchtest, gerne“, kam als Antwort zurück.

Auf den Mund war Derek sicher nicht gefallen. Und eins stand auch fest, er war genauso schwul wie ich. Zufälle gibt es!

„Was grinst du so?“, fragte Derek und ließ sich auf einen der Sessel fallen.

„Gehe ich recht in der Annahme, nach dem ich jetzt die Bilder gesehen habe und auch sehe, was für CD`s du hörst, dass du auf Männer stehst?“

„Yepp, da mach ich auch kein Geheimnis daraus.“

„Ich eigentlich auch nicht!“

Derek schaute mich mit großen Augen an, so taff war er wohl doch nicht, wie er sich gerade gegeben hatte.

„Sorry, dass hätte ich jetzt nicht gedacht, wohl eher ein Wunschgedanke von mir“, meinte er leicht rotgeworden.

Es klopfte an der Tür und Dereks Mutter kam mit zwei dampfenden Tassen herein.

„Kai, möchtest du Zucker oder Milch?“, fragte sie.

„Nein danke, ich trinke ihn schwarz.“

„Gut, so wie Derek, dann brauch ich nicht noch mal heraufzukommen.“

Und schon war sie wieder weg.

„Schon einen Freund?“, fragte Derek.

„Nein, der Traummann ist mir noch nicht begegnet und du?“

„Auch nicht, ist ja auch schwierig jemand so süßen zu finden.“, antwortete er mit einem frechen Grinsen.

Ich setzte mich nun auch hin und stellte meinen Kaffee auf dem kleinen Tischchen ab.

„Wie lange fechtest du schon?“, fragte Derek.

„Habe mit elf begonnen.“

„Kein Wunder bist du so gut, ich bin erst drei Jahre dabei.“

„Und schon immer Degen?“

„Ja, Florett liegt mir nicht so!“, antwortete er.

„Na ja ich werde sehen, wie es anläuft. Logan scheint auch ein netter Trainer zu sein.“

Wieder verfinsterte sich Dereks Gesicht.

„Habe ich was Falsches gesagt?“

„Nein, das nicht, aber ich mag Logan nicht so.“

„Einen bestimmten Grund… na ja sorry, geht mich auch nichts an“, meinte ich.

„Ich mag ihn einfach nicht.“

„Chattest du?“, fragte ich, zeigte auf den Pc um das Thema zu wechseln.

„Ja, abends, wenn ich meine Hausaufgaben fertig habe.“

„Noch Schule?“

Ja, Berufsschule, will aufs Kaufmännische hinaus.

„Cool, bin auch auf der Berufschule, Richtung Verwaltung.“

„Oh, eine neue Sekretärin“, meinte Derek und fing zu lachen an.

„Besser als eine Tippse in einem Kaufladen“, konterte ich, musste aber dann genauso lachen.

* * *

Es waren ein paar Wochen vergangen und es lief eigentlich besser, als ich dachte. In der neuen Schule kam ich gut mit und auch der neue Verein brachte mir das, was ich erwartet hatte. Beim Turnier letzten Sonntag hatte ich sogar einen Pokal gewonnen.

Logan war ein Thema für sich. Wir verstanden uns recht gut und seine häufigen Flirtereien genoss ich. Hier hatte wohl niemand Schwierigkeiten mit meinem Schwulsein. Ich machte mich Ausgehfein, denn ich hatte ein Date. Mein Erstes mit Logan.

Ich fuhr also zu seiner Wohnung. Den Weg hatte er mir genau beschrieben, so fand ich es auch schnell. Ich hatte eine Flasche Wein dabei, denn auf die Schnelle war mir kein anderes Mitbringsel eingefallen.

Ich suchte nach einem Parkplatz und wurde auch recht schnell fündig. Etwas aufgeregt, verließ ich den Wagen und lief zu dem Wohnhaus. Meinem Klingeln folgte kurz darauf das Summen des Türöffners.

Ich lief die Treppe hinauf, zweiten Stock hatte er gesagt. Logan wartete schon mit einem hinreisenden Lächeln auf mich an der Tür. Er hatte nur eine Shorts an und sonst nichts. Ich musste schlucken, denn Logan war atemberaubend gebaut.

„Komm rein!“, sagte er.

Ich folgte ihm in de Wohnung und schloss die Wohnungstür.

„Hier für dich“, meinte ich und gab ihm die Weinflasche.

„Danke“, erwiderte er und stellte die Flasche auf ein Board.

Langsam kam er näher auf mich zu, und legte seine Arme um mich.

„Danke, dass du gekommen bist, darauf warte ich schon lange“, hauchte er leise.

Und bevor ich irgendetwas antworten konnte, spürte ich schon seine Lippen auf meinen. Seine Hände wanderten über meinen Rücken und ich spürte wie meine Knie weich wurden. Ich wusste gar nicht wie mir geschieht.

Wie in Trance folgte ich ihm in ein Zimmer, bekam nicht groß mit, dass es das Schlafzimmer war. Logan half mir, mich auszuziehen, damit es schneller ging. Dann ließen wir uns auf sein Bett fallen und verloren uns in einen langen Kuss.

Irgendwann wurde ich wach, draußen war es schon dunkel.

„Na, endlich aufgewacht?“, hörte ich Logans Stimme an meiner Seite.

Ich drehte mein Kopf zu ihm und schaute ihm in die Augen.

„Ja, sorry.“

„He, nicht schlimm, Kleiner. Nach dem Ritt wäre ich auch eingeschlafen!“

„War auch geil! Ich habe noch nie so einen Orgasmus gehabt.“

„Das habe ich gemerkt, so wie du gekommen bist!“

Ich vergrub meinen Kopf auf seiner Brust und malte mit dem Finger auf seinem Bauch.

„Du Logan…, ich glaub ich habe mich in dich verleibt!“

Logan richtete sich plötzlich auf und ich rutschte mit dem Kopf herunter.

„Bitte?“, fragte er entsetzt, „wir kennen uns doch erst ein paar Wochen.

Leicht geschockt, über diese Aussage, schob ich mich ein wenig weg von ihm. Empfindest du denn gar nichts für mich“, fragte ich traurig.

„Doch, du Dussel, ich war nur nicht darauf vorbereitet, dass es so schnell geht.“

„Wir sind doch auch recht schnell im Bett gelandet!“

„Sorry, ich konnte dir aber nicht entgegensetzten, „als ich die Tür aufmacht hab und ich dich da stehen sah, wollte ich nur noch dich!“

Ich musste lächeln.

* * *

Nun trafen Logan und ich uns regelmäßig, und es endete immer damit, dass wir im Bett landeten. Meine Eltern machten sich nicht weiter Gedanken, wenn ich am Wochenende nicht nach Hause kam und bei Logan schlief.

Unter der Woche nach der Schule hing ich dann oft mit Derek zusammen wir verstanden uns prächtig. Was mir Sorgen machte, ich war irgendwie zwischen Derek und Logan hin und her gerissen, wo bei ich aber nur mit Logan Sex hatte.

Aber ich spürte immer mehr, wie Derek sich in mich verliebte, obwohl er wusste, dass ich mit Logan zusammen war. Und trotzdem genoss ich es, Mittelpunkt bei den Beiden zu sein. Es ging sogar soweit, dass ich eine Herausforderung von Derek annahm, mit ihm ein Degengefecht auszutragen, obwohl ich die Dinger nicht mochte.

Es ging klimpflig aus und ich verlor natürlich. Dazu verletze ich mich noch an der Schulter, weil ich ungünstig fiel. Das hieß zwei Woche mit dem Training aussetzen, was aber wiederum Logan nicht weiter störte, denn ich war ja eh jedes Wochenende nun bei ihm.

* * *

„Kann ich ein Bild von dir machen?“, fragte Derek.

Wir hatten uns am See getroffen, um ein wenig spazieren zugehen. Er zog ein Foto heraus und ging ein paar Schritte vor.

„Was hast du vor?“, fragte ich.

Er setzte die Kamera vom Gesicht ab.

„Ich will ein Bild von dir, dass lass ich es mir dann vergrößere und hänge es dann auf!“

„Du bist verrückt!“

„Ja, verrückt nach dir.“

Er hob wieder die Kamera an und knipste gerade in dem Augenblick, wo ich wegen seiner Antwort verschämt grinste. Er trat wieder auf mich zu.

„Es tut mir leid Kai, ich kann nichts für meine Gefühle!“

„Das braucht dir doch nicht Leid zu tun, ich fühle mich geehrt!“

„Ich werde dann langsam wieder nach Hause gehen, ich muss noch etwas arbeiten.“

„Schon?“

„Ja, tut mir leid, muss noch an einem Bericht schreiben.“

„Na gut!“

„Holst du mich morgen zu Training wieder ab?“, fragte er und legte ein Dackelblick auf.

„Natürlich, ab morgen darf ich ja wieder trainieren.“

„Gut, dann bis morgen“, sagte Derek und gab mir einen kleinen Kuss auf die Wange, bevor er verschwand.

* * *

Ich lief die Treppe hinauf und klopfte bei Derek an.

„Wer stört?“, hörte ich von drinnen rufen.

Ich öffnete die Tür und trat ein.

„Ich, wer sonst“, grinste ich ihm entgegen.

„Oje, ist es schon zu spät? Ich sitze noch über meinen Hausaufgaben“, sagte er leicht panisch.

An der Wand hing mein Bild, stellte ich fest. Er schien die anderen, anderst hingehängt zuhaben

„Nein, mach mal halblang, ich bin eher zu früh dran.“

„Egal, jetzt habe ich eh keine Lust mehr, weiter zumachen. Und wie geht es deiner Schulter?“

„Wieder besser, aber ich bin ja selber schuld, mich mit Degen auf einen Kampf einzulassen.“

Derek kam auf mich zu und legte seine Hand auf meine Schulter.

„Habe ich an deiner Eitelkeit gekratzt?“, fragte er grinsend.

„Nein, Blödsinn!“

Seine braunen Augen funkelten mich an. Langsam näherten sich unsere Gesichter und unsere Lippen trafen sich zu einem Kuss. Kurz vergaß ich alles um mich herum und ergab mich dem Kuss. Doch dann ließ ich ab von Derek. Ich ging zum Fenster und schaute hinaus.

„Geht das überhaupt, kann man zwei Menschen gleichermaßen lieben?“, fragte ich leise.

Ich spürte wie Derek dicht an mich heran trat.

„Glaube schon, jedenfalls spüre ich, dass ich dir nicht gleichgültig bin!“, erwiderte er ebenso leise.

„Nein, dass bist du sicher nicht, eher das Gegenteil!“

„Und was hindert dich daran? Du kennst meine Gefühle für dich, Kai!“

Ich drehte mich um und sah wieder in seine großen, braunen Augen.

„Derek, ich bin mit Logan zusammen und ich liebe ihn.“

„Dann lass ihn gehen, bevor du erkennst, wer er wirklich ist!“

„Jeden Anderen hätte ich jetzt wahrscheinlich verprügelt, aber bei dir weiß ich, du würdest mich nie anlügen. Aber trotzdem glaube ich nicht, was alle über Logan erzählen.“

„Kai, ich weiß nur, dass ich dich liebe und ich will nicht, dass dich jemand verletzt!“

„Dass ehrt mich total, aber ich muss es wohl erst selbst sehen…“

Derek atmete tief durch senkte seinen Blick.

„Komm lass uns ins Training fahren, sonst kommen wir zu spät“, meinte er und nahm seine Tasche vom Bett.

Ich folgte ihm die Treppe hinunter und verabschiedeten uns von seinen Eltern. Heute war wenig Verkehr und so dauerte es auch nicht lange, bis wir an der Halle eintrafen. Logans Auto stand schon da, aber er war weit und breit nicht zusehen.

„Komisch, sonst wartet er doch immer hier draußen auf mich!“, sagte ich und nahm meine Tasche aus dem Kofferraum.

Derek zuckte kurz mit den Schultern und lief dann Richtung Eingang. Ich folgte ihm und betrat die Halle. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte man meinen können, wir wären zu spät. Alle waren schon umgezogen und in der Halle und schauten einem Kampf zu.

Ich blieb kurz stehen und schaute, wer da kämpfte. Am Kampfstil erkannte ich sofort, dass der eine Logan war. Der andere schien der Neue zu sein, von dem Logan mir erzählt hatte. Dass er diesen Kampf austragen würde, hatte er nicht gesagt.

Ich ging also in die Umkleidekabine und zog meinen Dress an. Derek war schon fertig und knuffte mir lächelnd in Seite, bevor er die Umkleide verließ. Ich räumte meine Tasche in den Schrank und folgte ihm.

Ich schien gerade recht zu kommen, denn der Neue schien Logan gerade abzuziehen. Derek zwinkerte mir zu und ich musste grinsen, weil Logan ein Punkt nach dem anderen verlor. Das Ende nahte und der Neue ging als Sieger hervor.

Die anderen Trainer gratulierten und Logan stand recht zornig alleine auf seiner Seite der Planche. Ich ging hin und wollte ihn aufmuntern, aber wurde bald des besseren beleert.

„Du willst dich also lustig machen über mich“, zischte er, was die anderen aber kaum wahrnahmen.

„Nein Logan, man kann doch nicht alle Kämpfe gewinnen“, erwiderte ich.

„Los auf die Matte mit dir, ich werde dir schon zeigen, wer hier immer siegt!“

Ich verstand ihn nicht, aber ging auf meinen Platz. Die Anderen hatten bemerkt, dass Logan weiterkämpfen wollte und so machten sie Platz. Kurz sah ich den Neuen, denn er hatte nun seine Maske abgezogen. Er war etwas jünger als ich, aber genauso gut in Form, wie ich.

Logan stellte dich in Grundstellung, ich folgte ihm. Er begann gleich in einem sehr hohen Tempo und ich merkte zu spät, dass ich nicht richtig warm war. Das nutze Logan aus und punktete mehrere Male.

Ich spürte auch ab und zu sein Florett. Er wandte Kniffe an, die mir wehtaten. Langsam würde ich wütend, verließ die Defensive. Ich konnte meine Punkte verbessern, bis ich gleich auf mit ihm war. Logan wirkte unkonzentriert und so schaffte ich es, ihn zu schlagen.

Er stolperte nach hinten und fiel hin. Alle klatschen mir zu und ich ging zu ihm hin und wollte ihm aufhelfen. Aber Logan stand einfach auf und ging.

* * *

Noch nie hatte ich mich bei einem Kampf so verarscht gefühlt. Ich fühlte mich wie eine Katze, die ihre Wunden leckte. Das heiße Duschwasser auf meine Haut ließ mich vergessen, was Logan eben mit mir abgezogen hatte.

Warum wollte er mich bloßstellen? Er hatte nicht damit gerechnet, dass ich mich so wehre. Ohne ein Wort hatte er die Halle verlassen, nicht einmal ein Blick hatte er mir zugeworfen. Ich drehte das Wasser ab und trocknete mich ab.

Noch im Gedanken zog ich mich an und hörte draußen im Gang, sich jemand unterhalten.

„Ich sage dir doch, er weiß nichts davon!“

„Also, ein weiterer Kamerad, auf seiner Abschussliste!“

„Er kann einem wirklich Leid tun, aber sagen tut es ihm niemand.“

„Ja und wir sind wieder einen unserer Spitzenkämpfer los!“

Ganz schnell versuchte ich zu vergessen, was ich da gerade gehört hatte. Ich packte alles in meine Tasche und lief zum Ausgang. Ein paar Leute standen da und verstummten, als sie mich bemerkten, aber ich nahm keine weitere Notiz von ihnen.

Ich kam zum Auto, wollte mit Derek losfahren, als ich seiner Blickrichtung folgte. Ich sah Logan und Sascha am Ende des Parkplatzes stehen, wie sie sich umarmten und küssten. Ich ließ von meinen Wagen ab, schmiss meine Tasche vor mein Auto und lief auf die Beiden zu. Sascha schien sich zu verabschieden und lief davon.

Jetzt erst bemerkte mich Logan.

„Ist es also doch war, was alle sich erzählen, du hast einen Neuen und ich erfahre es als letztes!“, sagte ich.

„Kai, jetzt versteh doch!“, fing Logan an.

„Was soll ich verstehen? Ich liebe dich, du hast gesagt du liebst mich und willst immer bei mir sein und nun das?“

Ich war laut geworden.

„Kai, alles ändert sich, auch Beziehungen!“

„Und warum sagst du mir nichts, lässt mich in dem Glauben, alles ist Friede, Freude, Eierkuchen?“

„Kai, ich…“, er stockte und es fing an zu regnen.

„Sag mir einfach nur warum?“

„Kai, ich kann nichts daran ändern. Ich liebe Sascha nun mal!“

„Was habe ich dir getan, dass du mich jetzt nicht mehr willst, mich nicht mehr liebst?“

„Kai, jetzt nimm das doch nicht so schwer. Es tut mir leid, es geht einfach nicht mehr!“, sagte Logan leise.

„Weißt du was? Du bist das letzte Stück Dreck! Mir was von Liebe vorgaukeln und wenn das nächste Stück Frischfleisch kommt, lässt du mich einfach fallen. Ich hoffe du wirst glücklich damit und dir passiert nicht das Gleiche, und wirst irgendwann mal ausgetauscht! Und noch eins, ich werde nicht aufhören zu fechten, werde den Verein nicht verlassen, wie es wohl meine Vorgänger gemacht haben. Ich wollte das alles nicht glauben, aber jetzt bin ich klüger! Du bist so billig so…, ach scheiße!“

Ich konnte nicht mehr, hatte genug geschrieen und Logan schwieg. Wir standen beide nur da und schauten uns an. Der Regen war mittlerweile so stark, dass ich, ihn auf meiner Haut die Nässe spürte.

Sag mir was ist bloß um uns geschehn
Du scheinst mir auf einmal völlig fremd zu sein
Warum geht´s mir nich mehr gut
Wenn ich in deinen Armen liege
Ist es egal geworden was mit uns passiert

Wo willst du hin ich kann dich kaum noch sehn
Unsre Eitelkeit stellt sich uns in den Weg
Wollten wir nicht alles wagen, ham wir uns vielleicht verraten
Ich hab geglaubt wir könnten echt alles ertragen

Symphonie
Und jetzt wird es still um uns
Denn wir steh´n hier im Regen haben uns nicht´s mehr zu geben
Und es ist besser wenn du gehst

Denn es ist Zeit
Sich ein zu gestehn dass es nicht geht
Es gibt nichts mehr zu reden denn wenn`s nur regnet
Ist es besser aufzugeben

Und es verdichtet sich die Stille über uns
Ich versteh nich ein Wort mehr aus deinem Mund
Haben wir zu viel versucht, warum konnten wir´s nicht ahnen
Es wird nicht leicht sein das alles einzusehn

Symphonie
Und jetzt wird es still um uns
Denn wir steh´n hier im Regen haben uns nicht´s mehr zu geben
Und es ist besser wenn du gehst

Denn es ist Zeit
Sich ein zu gestehn dass es nicht geht
Es gibt nichts mehr zu reden denn wenn´s nur regnet
Ist es besser aufzugeben

Irgendwo sind wir gescheitert
Und so wie´s ist so geht´s nich weiter
Das Ende ist schon lang geschrieben
Und das war unsre….

© Silbermond – Symphonie

Ich drehte mich einfach um und lief los. Die Tränen in meinem Gesicht und die Regentropfen konnte man nicht mehr unterscheiden, es vermischte sich alles. Es dauerte eine Weile, bis ich an mein Auto ankam. Derek stand im Regen und wartete immer noch auf mich.

Ich ging zu ihm hin und er nahm mich in den Arm. Ich fing an zu schluchzen und es zog mir fast die Beine weg. Derek streichelte mir nur über den Kopf und sagte gar nichts. Es verging einige Zeit, bis ich mich wieder gefangen hatte.

„Er hat mich genauso fallen lassen wie dich, Kai. Deswegen wollte ich nie mehr darüber erzählen“, kam es leise von Derek.

Ich schaute ihn traurig an, wusste aber nicht was ich dazu sagen sollte.

„Komm, lass uns fahren“, sagte Derek und streichelte mir über die Wange.

Ich versuchte ein wenig zu lächeln und gab ihm einen Kuss auf die Nase. Ich zog den Schlüssel aus meiner Hosentasche und gab sie ihm.

„Du willst mich fahren lassen?“, fragte Derek.

„Ja, sollst dich ja irgendwann an mein Auto gewöhnen!“

Derek fing zu strahlen an.

„Derek, gib mir einfach ein bisschen Zeit, der Rest kommt von alleine!“

„Danke!“, sagte Derek und gab mir einen Kuss.

* * Ende * *

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