Die Brüder – Teil 6

„Na schon aufgeregt?“, fragte Opa.

Mein Opa fuhr uns drei zum Tourmanagement Skylife. Dort waren wir mit Max verabredet.

„Natürlich bin ich aufgeregt, Opa. Wärst du auch wenn jemand von dir was veröffentlichen will.“

„Von mir will ja niemand was veröffentlichen, wäre ja noch schöner.“

Phillip und Kai fingen an zu Grinsen. Kai nahm meine Hand und streichelte sie. Opa fuhr auf den großen Parkplatz vor dem Gebäude.

„Ihr ruft mich an wenn ich euch wieder holen soll.“

„Geht klar Opa“, rief Phillip und taperte hinter uns her.

An der Pforte fragte ich, wo ich hin müsse. Der Pförtner telefonierte kurz und meinte wir sollen warten, es kommt gleich jemand der uns ab holt. Wir schauten uns ein wenig um, und betrachteten die Fotos der Promis, die an der Wand verteilt waren.

„Hallo, ich bin Annabelle, ihr wollt sicher zu Max?“, sprach uns eine Frau an.

„Hallo ich bin Sebastian. Ja wir haben einen Termin bei ihm“, antwortete  ich und gab ihr die Hand.

„Max ist im Augenblick noch in einer Konferenz, aber kommt bitte mit ich führe euch in sein Büro.“

Zu dritt folgten wir ihr die Treppe rauf, bis wir an einer Tür Max Kehrer – Rechnungswesen lesen konnten.

„Kommt rein und macht es euch bequem, Max wird sicherlich gleich da sein.“

„Danke“, meinte ich und folgten ihr in den Raum.

Vor dem großen Fenster stand ein großer Schreibtisch, überhäuft mit Unterlagen, der PC war nur noch halbwegs zu sehen. Regale, überfüllt mit Ordnern, ebenfalls auf dem Boden. Kai und mein Bruder setzten sich in die Sessel, die noch nicht von diesem Chaos eingenommen waren.

Auch hier an den Wänden hingen Bilder.

„Kai schau mal, Westlife.“

Kai stand auf und kam zu mir.

„Die ganze Truppe versammelt. Das muss Max sein, da neben Kian, die drei kenne ich nicht und das ist der Rest von der Band“, meinte Kai.

„Das sind Richard, Nathalie und Jule, meine Freunde.“

„Ich fuhr herum. Ein junger Mann stand in der Tür. Ähnliche schwarze Haare, wie mein Kai hatte er nur statt der blauen Augen, hatte Kai grüne.

„Hallo ich bin Max, und du bist sicherlich Sebastian“, sagte er.

„Ja“, meinte ich und streckte meine Hand zur Begrüßung aus, „und dass mein Bruder Phillip und mein Freund Kai.“

„Hallo Kai … Phillip. Ihr bewundert gerade meine Bilder?”

„Ja, Kai ist hin und weg. Die Bilder kennt er noch nicht“, meinte ich.

„Kann er auch nicht. Das sind meine privaten Bilder. Die haben nur die Beteiligten bekommen.“

„Wow, was würde ich geben mal Westlife live zu erleben“, sagte Kai.

„Du warst noch nie auf einem Konzert von Westlife?“ fragte Max erstaunt.

„Nein bisher, hatte ich noch nicht die Gelegenheit dazu.“

„Tja, das nächste Konzert ist in New York, ein wenig weit weg, denke ich.“

„Na ja, irgendwann kommen sie sicher wieder nach Deutschland.“

„Mein Kian bestimmt, aber davon hast du wohl nichts“, sagte Max und grinste, „nun setzt euch, dann kann ich erklären, was ich vor habe. Da Martin mir das Band geschickt hat mit Noten und Text, habe ich schon ein bisschen Vorarbeit geleistet.“

Interessiert hing ich an seinen Lippen.

„Wir bräuchten lediglich, noch die Klavieraufnahme und die der zwei Stimmen, und das werden wir jetzt machen.“

„Gleich?“ fragte ich erstaunt.“

„Keine Angst Sebastian, du wirst hier nicht gefoltert… Annabelle könntest du mal unten Nachfrage, ob Bryan schon da ist?“

„Moment Max… ja Max, Bryan wartet auf euch.“

„Danke Annabelle, ich bin dann unten wenn mich jemand sucht.“

„Okay, Moment da kommt grad ein Anruf herein. Es ist Jule.“

„Ich nehme hier ab…. Hallo Jule….. heut Abend? …… aber natürlich.. du Frage könnt ich noch jemanden mitbringen?… jemand Neues für unseren erlesenen Kreis…wirst du sehen wenn wir da sind, meine wenn sie überhaupt mitgehen, Moment ich frage…“

Max sah zu uns auf.

„Habt ihr Lust, heute Abend mit uns Essen zu gehen, da könnt ihr meine Gang komplett kennen lernen.“

Wir schauten uns an, waren uns einig.

„Gerne, natürlich“, sagte ich.

„Jule… geht in Ordnung, ich bringe den Besuch mit. Rufst du Markus an?“… Ja… wir hier sind vier Personen, du und Richard, Nathalie, ja und noch Christian.. acht Leute.. okay.. wir sehen uns heut Abend… Bye.“

Max legte auf.

„Du Annabelle, ich leih mir heute den Range Rover aus, geht das?“

„Schlüssel und Papiere musst du dir bei Hanniball holen.“

„Geht in Ordnung, mache ich gleich beim hinunter gehen, ich bin dann erst mal weg, bis später.“

„Alles klar, ich über nehm dein Telefon.“

„Danke.“

Wir verließen gemeinsam mit Max sein Büro. Er führte uns in den Keller des Hauses, wo ein komplettes Studio eingerichtet war. Fasziniert schaute ich mich um, bewunderte das riesige Mischpult.

Max lies uns auch gleich anfangen. Als erstes wollte er mein Spiel am Klavier einspielen. Schon nach dem dritten Versuch meinte er, die Aufnahme wäre perfekt. Danach nahmen sie Phillips und Kais Stimme einzeln auf.

Das Lied wurde eingespielt und ich konnte aus dem Aufnahmeraum die beiden in ihrem Glaskasten beobachten. Am Schluss wurden sie beide noch mal gemeinsam aufgenommen.

„Und das war schon alles?“ fragte ich erstaunt.

„Ja, moment, du kannst dir das komplette Lied gleich anhören“, meinte Bryan, der das Mischpult die ganze Zeit bedient hatte.

Mein Bruder und Kai gesellten sich zu uns, und Bryan lies das Lied abspielen.

*-*-*

„Ich hole euch so gegen halb acht heut Abend dann ab“, meinte Max, als wir uns von ihm verabschiedeten.

Phillip schrieb ihm schnell noch die Adresse auf und schon waren wir draußen. Immer noch beeindruckt, warteten wir auf meinen Opa, der uns abholen kam. Am Abend war ich doch sehr aufgeregt, Leute aus Max`s Umfeld kennen zulernen. ´

So wie uns Max einiges noch erzählt hatte, war hier eine Freundschaft entstanden, die nach meiner Auffassung ewig halten konnte. Phillip besetzte wieder ewig das Bad und so musste ich mich beeilen fertig zu werden, damit Max nicht zu lange warten musste.

Pünktlich stand er vor der Tür, und wir fuhren los. Ein Stück Autobahn aus München weg, und dann wurde es bergig. Auf einer schmalen Strasse fuhren wir einen Berg hinauf. Nach ein paar engen Kurven kam dann ein großes Hotel zum Vorschein, auf dem Parkplatz stand eine kleine Gruppe junger Leute, auf die Max dann zu hielt.

Wir stiegen aus, und ich erkannte ein oder zwei Leute von den Bildern in Max`s Büro.

„Hallo seid ihr auch schon da?“ fragte eine junge Dame.

„Wieso, seid wann seid ihr den da, Nathalie“, fragte Max.

„Nicht lange, Jule meinte, sie müsse den Motor ihres Wagens schonen“, sagte ein gutaussehender Boy mit einem frechen Grinsen im Gesicht, was ihm ein Schlag in die Seite einbrachte. Diese junge Dame schien mir Jule zu sein.

„So Leute, darf ich euch vorstellen, Phillip und sein Bruder Sebastian und sein Freund Kai“, sagte Max.

„Und wer ist jetzt Sebastian und wer ist Phillip?“ fragte ein anderer Junge, der bei der Gruppe stand.

„Ich bin Sebastian“, meinte ich und streckte meine Hand entgegen.

„Richard“, meinte er und gab mir die Hand, „meine Freundin Nathalie.“

„Dieser frech aussehende Mann ist Lukas, der Schwiegersohn des Hauses“, lachte Max.

Lukas schaute ihn mit einem schiefen Grinsen an.

„Unser Max ist heute aber wieder besonders gut gelaunt, hallo ich bin die Jule.“

„Kai“, gab mein Bester von sich.

„Und wo ist mein Bruder Christian?“ fragte Max und schaute sich um.

„Der ist schon drinnen bei Markus“, meinte Richard.

„Dann lasst uns mal reingehen, bevor wir hier draußen Wurzeln schlagen.“

„Wir warten nur auf dich“, sagte Jule und alle lachten.

Max ging voraus und öffnete die schwere Holztür am Eingang. Wir hängten unsere Jacken an die Gardarobe und ein junger Mann im Anzug wies uns zu einem Tisch. Lautes Gelächter, lies mich in Richtung Tresen schauen, wo sich auch eine kleine Gruppe Leute befand.

Ein Junge, der als Zwillingsbruder von Max durchgehen konnte, lief direkt auf uns zu.

„Hallo Max“, meinte er und nahm ihn in den Arm.

„Hallo Christian, lange nicht gesehen.“

„Ja soll dir einen Gruß von Paps ausrichten, du könntest dich mal wieder blicken lassen.“

„So bald ich Zeit hab. So das hier sind Sebastian und Phillip und hier das ist Kai.“

„Und wer ist mit wem verbandelt?“ fragte Christian unverblümt.

Ich nahm Kai in Arm, und Christian wusste Bescheid. Wir setzten uns alle an den Tisch, und waren eifrig am reden, als ein elegant aussehender junger Mann an unseren Tisch trat.

„Musst du noch lange arbeiten?“ fragte Jule.

„Nein“, sagte der junge Mann, „Rosi löst mich gleich ab. Kim und Martina wollen auch gleich kommen. Jemand Neues?“

„Ja das sind Kai und Sebastian“, wir nickten ihm zu, „und sein Bruder Phillip. Und das hier ist Markus, der Juniorchef des Hauses.“

„Zu dem gehört der Schwiegersohn?“ fragte Phillip keck.

„Genau Phillip, du hast gut geraten“, sagte Jule.

„Nein, nicht geraten. Ich seh nur wie die zwei sich anhimmeln, kenne das schon von meinem Bruder und seinem Kleinen.“

Jetzt wurden gleich vier Köpfe rot, was ein weiterer Heiterkeitsausbruch am Tisch auslöste.

Es wurde spät an dem Abend. Mir hatte es gut gefallen. Der Bruder von Markus erwies sich als guter Erzähler und so erfuhren wir in nachhinein, die wahre Geschichte über das Kennen lernen von Westlife mit der Truppe hier.

Wir verabschiedeten uns von Max, als wir sein Auto vor dem Haus meiner Großeltern verließen. Ich wollte gerade die Stufen der Treppe hinauf laufen, als Kai gegen mich stieß.

„Was ist den los, du hast doch gar nichts getrunken“, sagte ich zu Kai.

„Sorry Sebi, mir ist plötzlich ein bisschen schwindelig geworden, aber es geht schon wieder. Ich denke war heut war es zu viel, hab mir einfach zuviel zugemutet.“

„Gut dann legen wir uns aber gleich ins Bett, damit du morgen wieder fit bist, wenn wir nach Hause fahren.“

„Okay.“

*-*-*

Kai schlief an diesem Morgen wirklich sehr lange, er merkte nicht mal als ich auf stand. Aber ich wollte ihn schlafen lassen und gab ihm nur ein Kuss auf die Stirn, was er mit einem Lächeln quittierte, sich umdrehte und weiter schlief.

Ich lief hinunter, wo Phillip schon beim Frühstück mit meinen Großeltern saß. Wir saßen beieinander und unterhielten uns über das kommende Wochenende. Die Hochzeit von Clarissa stand an, zwar nur Standesamt, aber immerhin.

Phillip und ich hatten immer noch nicht dass passende Geschenk für sie und es fiel uns auch nichts ein. Die Tür ging auf und Kai stand da.

„Warum hat mich den niemand geweckt?“, fragte er.

„Weil ich dachte es könnte dir gut tun, nachdem dir gestern nicht gut war“, antwortete ich.

„Dir war nicht gut?“ fragte meine Oma.

„Nicht so schlimm, ich bin es einfach noch nicht gewohnt mit ihrem Enkel Schritt zu halten, muss wohl noch ein wenig mehr Kondition bekommen“, antwortete Kai.

„Ich hab dir gesagt, fang mit Andreas das tanzen an, ist nicht so anstrengend und macht dazu noch Spaß“, sagte ich.

„Schon gut, ich werde es ja anfangen, versprochen“, sagte Kai und gab mir einen Kuss.

Die Woche verging schnell und so sahen wir uns am Donnerstagabend alle wieder bei uns zu Hause. Kai war auch gekommen. Er hatte die ganze zeit etwas mit Andreas zu tuscheln, worüber ich und Phillip anscheinend nichts wissen sollten, denn jedes Mal wenn wir in ihre Nähe kamen, hörten sie auf zu reden.

Die Hochzeit war eigentlich nicht erzählenswert, wie es halt auf einem Standesamt so zuging, eben bürokratisch und langweilig. Ich musste nur laut los lachen als Mum ihren Hochzeitsstrauß hochwarf und Oma ihn zu fangen bekam.

Mittags beim Essen saßen dann noch Elisabeth und Kai dabei. Es war ein angenehmer Mittag, und es war jetzt auch offiziell, dass Andreas unser Bruder war. Die folgende Woche bekam ich meinen Kai fast nicht zu Gesicht, dauernd hatte er irgendetwas Dringendes zu erledigen, wobei ich sagen musste, dass ich mit der Schule und den restlichen Prüfungen ebenso eingespannt war.

Bis zu dem Samstagmorgen wo ich und Phillip endlich achtzehn wurden.

„Guten Morgen mein Schatz“, wurde ich geweckt.

Kai stand vor mir.

„Was willst du denn so früh bei mir.“

„Der Erste sein, der dir zum Geburtstag gratuliert.“

Gesagt getan, er nahm mich in den Arm und küsste mich.“

„Alles Gute zu deinem achtzehnten Geburtstag.“

„Danke Kai, aber jetzt sei ehrlich, warum bist du schon hier?“

„Ich musste noch was von deiner Mutter abholen, was wird nicht verraten.“

„Das wäre aber auch später gegangen, oder?

„Dann hätte ich dir ja nicht zu deinem Geburtstag gratulieren können.“

„Wieso, ich wäre doch da gewesen.“

„Nein wärst du nicht, weil unser Plan ist, dass du und dein Bruder über Mittag in die Stadt verschwindet, dass wir hier freie Laufbahn haben.“

„Ohne uns zu fragen?“

Ohne euch zu fragen…“

Kai grinste.

„Wenn ich dich nicht so lieben würde, wäre ich jetzt eingeschnappt“, meinte ich.

„Ich dich auch …“

Er küsste mich noch einmal.

„Wenn du so weiter machst, kann ich für nichts mehr garantieren.“

„So scharf?“ fragte Kai grinsend.

„Und wie…“, gab ich zur Antwort.

„Da wirst du dich noch ein wenig gedulden müssen, wir sehen uns dann heute Abend.“

*-*-*

Später nach ich meine morgendlichen Badrituale vollzogen hatte, nahm ich auch die Glückwünsche vom Rest der Familie entgegen. Bis auf Phillip, er lag immer noch im Bett.

„Morgen mein Großer, alles Gute zu deinem Geburtstag“, sagte ich und zog den Rollladen in die Höhe.

„Danke Kleiner ebenso, komm mal her..“

Ich setzte mich zu ihm ans Bett, als mich Phillip zu sich zog und mir einem Kuss auf dem Mund gab. Ich war ein bisschen perplex. Er konnte das nämlich ziemlich gut.

„Was war das jetzt.“

„Ein Kuss.“

„Warum…?“

„Erst mal wollte ich dir richtig zum Geburtstag gratulieren und zweitens wollte ich mal wissen, wie es ist, wenn ihr Jungs euch küsst.“

„Und?“

„Traumhaft, aber keine Sorge, ich wechsle das Lager nicht ich bleibe meinen Damen treu.“

„Schade“, sagte ich frechgrinsend, „zieh dich jetzt aber mal an, man will uns aus dem Haus haben.

*-*-*

Mein Handy piepte. Ich holte es aus meiner Hosentasche. Von Andreas. Wir sollten doch zu großen Einkaufszentrum kommen, alles Weitere werden wir dann sehen. Phillip schaute mich an.

„Übertreiben die jetzt nicht ein wenig, mit ihrer Geheimniskrämerei?“ fragte er mich.

„Ich weiß nicht, machen wir einfach das, was sie von uns wollen, auch wenn wir heute Geburtstag haben“, gab ich zur Antwort.

Den ganzen Mittag waren wir jetzt in der Stadt unterwegs, hatten ein paar Kleinigkeiten für uns gekauft. Wie gesagt warteten wir vor dem großen Einkaufscenter. Phillip stupste mich an und zeigte auf eine große schwarze Limousine.

Sie hielt direkt vor unseren Füssen. Mein Bruder und ich schauten uns verwundert an. Die Fahrertür ging auf und Christian stieg aus. Er kam zu uns rüber und öffnete wortlos die Tür zu Einsteigen.

„Christian, geben sie uns doch wenigstens einen Tipp“, meinte ich.

Erschüttelte den Kopf, konnte sich aber ein Grinsen nicht verbeißen. Also stiegen ich und Phillip ein. Christian lief um den Wagen herum und mir viel auf, dass wir Aufmerksamkeit bei den anderen Passanten erweckt hatten.

Nicht jeden Tag hielt hier eine Luxuslimousine vor dem Center und schon gar nicht stiegen Zwillinge ein. Christian setzte das Gefährt in Bewegung, er fuhr Richtung Villenviertel.

„Also bei Kai steigt die Fete. Nun bin ich nur gespannt was sie sich ausgedacht haben“, meinte Phillip.

Wie wir uns dachten, fuhren wir zu Kai. Eine Menge Wagen standen auf der Strasse. Christian lenkte den schweren Wagen die Auffahrt hinauf, bis zum Eingang. Er stieg aus und öffnete und die Tür.

Die Haustür stand offen, so lief ich hinter Phillip her, die Treppe hinauf. Wir schauten in die Eingangshalle. Ein Jubel brach aus. Da standen alle versammelt. Kai kam auf mich zu und umarmte mich und auch Phillip.

„So ihr zwei Geburtstagskinder, jetzt werdet ihr erst mal die zwei Augenbinden anlegen, dann kommt die eigentliche Überraschung.“, sagte Kai und bekam von Andreas zwei Tücher gebracht, mit denen sie uns die Augen verbanden.

Ich kannte mich mittlerweile zwar gut aus im Haus, aber trotzdem wusste ich nicht, wohin sie uns führten. Bis auf das Getuschel meiner Familie und Elisabeth konnte ich überhaupt nichts wahrnehmen. Plötzlich machte Kai halt.

„Happy Birthday…“

Kai riss die Augenbinde herunter. Noch geblendet vom Sonnenlicht, konnte ich erst überhaupt nichts richtig sehen. Phillip ging es da nicht anders. Musik fing an zuspielen, und ich erkannte im Hintergrund eine Bühne.

„Sebastian, siehst du was ich sehe?“ fragte mich mein Bruder.

„Ja, aber ich kann es nicht glauben.“

Mein Klasse und Phillips alte Klasse waren versammelt und auf der Bühne stand Westlife und begann ihren Song Unbreakable zu singen. Mir stiegen die Tränen in die Augen.

„Das ist mein Geburtstagsgeschenk für dich und Phillip“, hauchte mir Kai von hinten ins Ohr.

Ich drehte mich um, und nahm Kai in den Arm.

„Danke mein Schatz, du bist zwar verrückt, aber danke“, sagte ich und gab ihm einen Kuss.

Die Menge fing an zu Johlen und nun kamen alle hergestürmt um uns zu gratulieren. Das Lied ging fast unter in dem Lärm. Als es endete, steig die Band von der Bühne. Da sah ich Max, Jule, Richard und Nathalie.

Alle waren gekommen. Sogar Markus mit seinem Freund Lukas, und dort standen Kim und seine Martina. Mir konnte es nicht zurück halten, mir liefen die Tränen vor Freude herunter. Jeder einzelne gratulierte uns.

Als ich Kian vor mir stand, wunderte mich nichts mehr, warum Max ihn so sehr liebte. Die Ausstrahlung, die von ihm ausging war enorm. Sein Lächeln lies mich fast dahin schmelzen. Opa brachte mir und Phillip ein Glas Sekt und alle hielten ihr Glas in die Höhe und prosteten auf uns.

Westlife fing wieder an zu singen und die Menge kam in Bewegung. Überall sah ich tanzende Leute. Phillip stieß  mich an.

„Hättest du daran gedacht?“

„Nie im Leben“, meinte ich.

Wir mischten uns unter das Volk. Den ganzen Abend tanzten wir, und besonders die langsamen Lieder genoss ich, weil ich da engumschlossen mit Kai tanzen konnte. Bei einer Pause der Gruppe, kam dann Max zu uns, gefolgt von einer ganzen Herde, die mir wohl bekannt war.

Er überreichte mir und Phillip jeweils ein Päckchen. Wir rissen es beide auf und zum Vorschein kam eine CD. Auf dem Cover waren ich und Phillip mit Kai abgelichtet und in großen Lettern stand Der Stern darüber.

„Wow, ich bin platt“, sagte ich.

Im Hintergrund fing eine Musik an zuspielen, meine Musik. Max deutete auf die Bühne, wo ein Flügel stand.

„Du meinst doch nicht ich soll..“, fragte ich Max.

„Doch das sollst du“, gab er zur Antwort.

Ich schaute Phillip und Kai an und sie nickten mir beide zu. Die Musik erlosch, als wir die Bühne betraten. Westlife blieb und setzte sich im Hintergrund auf Barhocker. Max griff sich ein Mikro und verschaffte sich Gehör.

„Also liebe Leute zuhören. Jetzt hört ihr was, was ihr danach so nie wieder hören werdet, weil es eine einmalige Zusammenstellung ist. Westlife singen mit Phillip Kammerer und Kai von Söder, das Lied Der Stern. Das Lied wurde von Sebastian geschrieben und komponiert.“

Ein Johlen ging durch den Garten und alles scharrte sich um die Bühne. Ich fing nervös an zuspielen, die Begleitband setze mit ein und Kai fing an zu singen. Es wurde ruhig in der Menge. Kai lächelte mir zu als Phillip seinen Part sang.

Beim Wiederholen des Refrains setzten dann noch Westlife ein. Ich war hin und weg. Was man alles aus diesem Lied machen konnte. Dem Gesang lauschend beendete ich langsam mein Klavierspiel. Die Menge fing wieder an zu jubeln und alle verbeugten sich artig auf der Bühne.

„Na, wie hat dir das gefallen?“ meinte Max, der neben mich trat.

„Wow, Max, danke, das ist das beste Geburtstagsgeschenk das ich je bekommen habe.“

„Das ist noch nicht alles, wenn Westlife ihr nächstes Konzert in London im Kolloseum haben dann seid ihr dabei.“

Jetzt hatte es mir doch die Sprache verschlagen. Wir liefen gemeinsam wieder von der Bühne, ich wollte mir etwas zu trinken holen. Kai tippte mir auf die Schulter.

„Sebi, mir ist plötzlich so komisch, ich muss mich setzten“, meinte er.

Kai griff nach mir, ich erschrak, er war bleich geworden im Gesicht. Er brach in meinen Armen zusammen. Nathalie ließ einen lauten Schrei von sich. Abrupt wurde es um uns still. Ich ging nach unten auf den Boden und hatte Kai im Arm.

„Holt doch jemand einen Krankenwagen“, schrie ich.

Andreas rannte ins Haus. Die anderen standen wie angewurzelt um uns herum.

„Kai was ist mit dir..?“

Kai griff sich ans Herz, lag auf meinem Schoss, auf dem kalten Boden. Ich begriff schnell, nahm seine freie Hand in die meine.

„Kai bitte nicht… las mich nicht allein… bitte.“

Kai sah mir in die Augen, er hatte ein weiches Lächeln auf dem Mund.

„Ich liebe dich, Sebi…“

Der Druck seiner Hand wurde schwächer.

„Kai nicht.. bleib bei mir.. wann kommt dieser scheiß Krankenwagen endlich?“, schrie ich.

Alle standen nur da, keiner eines Wortes mächtig, zuviel war es für sie, was sich da vor ihnen abspielte, so wie es mir zu viel wurde. Meine Mum hatte Elisabeth in den Armen, die völlig weggetreten neben uns stand. Ich spürte Phillips Hand auf meiner Schulter.

Kai schloss langsam die Augen….

„Kaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii…“

 

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