Die Brüder – Teil 7

Es waren vier Monate vergangen, seit dass mit Kai passierte. Phillip war mittlerweile zu uns gezogen und nun standen die großen Ferien an. Aber ohne meinen Kai, konnte ich mich nicht recht freuen.

Ich lag auf meinem Bett, hatte sein Bild in der Hand und Tränen in den Augen. Die Tür ging auf und Phillip kam herein.

„Mensch Sebastian, lass dich doch nicht so hängen. Jetzt liegst du schon wieder da und weinst. Damit hilfst du Kai aber nicht.“

„Sorry Bruderherz. Es ist mal wieder über mich gekommen.“

Er setzte sich neben mich.

„Mum hat gerade mit Elisabeth telefoniert. Der Reise nach Amerika steht nichts mehr im Weg, sogar Michael hat sich frei nehmen können. Du wirst endlich deinen Kleinen wieder sehen können, also blas hier keinen Trübsal.“

Kai wurde, nachdem es einige Tage kritisch um ihn stand und wieder stabil war, auf Wunsch seiner Mutter, in die Staaten zu einem Herzspezialisten geflogen. Dort war er seither jetzt. Unser Kontakt war sehr spärlich, weil man ihm absolute Ruhe verordnet hatte.

Alles was ich wusste, hatte uns Elisabeth am Telefon erzählt. Kai hatte einen Herzschrittmacher bekommen, und war endlich auf dem Weg der Besserung. Und auf Wunsch von Kai, hatte uns Elisabeth nach New York eingeladen.

Die anfänglichen Sorgen, der Kosten, waren schnell vergessen, denn Elisabeth wollte alles übernehmen. Meine Mum wehrte sich zwar dagegen, aber nach einem längeren Gespräch mit Michael, lenkte sie ein.

„Wir fliegen alle?“

„Ja alle, die ganze Familie.“

Ein kleiner Sonnenschein ging in meinem Herz auf.

„Und wann?“, fragte ich.

„Am Samstag, also mach dir Gedanken was du mitnehmen willst, Clarissa sagte jedem nur ein Koffer.“

„Koffer? Wie lange bleiben wir denn drüben?“

„Fünf Wochen hat Elisabeth gesagt. Sie hat für uns wohl in ein Nobelhotel eingebucht.“

„Ist sie jetzt verrückt geworden?“

„Nein, Sebastian. Sie liebt ihren Sohn über alles, und sie weiß das er sich nach dir sehnt, genauso wie du nach ihm.“

„Die Frau ist Gold wert“, sagte ich, „ich werde endlich meinen Kai wieder in die Arme schließen können.“

„Das Beste habe ich dir noch gar nicht erzählt“, meinte mein Bruder.

„Was gäbe es Besseres, als das ich endlich meinem Kai wieder in die Arme schließen darf?“

„Hast ja Recht. Ich wollte nur erzählen, dass wir Max und seine Freunde drüben in den Staaten auch treffen werden.

„Wie.. was?“

„Hast du schon vergessen, das Konzert?“

„Was für ein Konzert?“

„Das Konzert von Westlife, in New York, wo wir einen kleinen Auftritt haben.“

„Oh man, und ich hab noch nicht den deutschen Text übersetzt.“

„Dann weißt du ja was du bis Samstag noch machen musst.“

Der Samstag kam schnell. Wir schafften gerade so unsere Reisevorbereitungen. Und nun standen wir in Frankfurt am Flughafen, an der Gepäckabfertigung und gaben die Koffer aus. Ich sah nervös auf meine Uhr.

„Sebastian, hör auf du machst mich nervös“, meinte meine Mum, „von deiner Uhrguckerei, fliegt das Flugzeug auch nicht früher ab.

Ich sah sie vorwurfsvoll an. Sie kam zu mir her.

„Sebastian, ich weiß was du die letzten drei Monate hast durchmachen müssen. Du dachtest du verlierst deinen Kai. Aber jetzt siehst du ihn endlich wieder.“

Sie nahm mich in den Arm und drückte mich fest an sich.

„Hast du eigentlich die Grußkarte von diesem Christopher eingepackt?“, fragte sie.

„Ja Mum hab ich, soll euch noch mal lieb von ihm Grüßen. Er hat übrigens drüben in New York einen Cousin, der uns auch kennen lernen will.“

„Die Welt wird immer kleiner“, sagte meine Mum und ich nickte.

Wir checkten ein.

*-*-*

Im Flugzeug war ich dann doch eingeschlafen, mit süßen Träumen von meinem Kai. Ich war fest eingeschlafen, spürte die Turbulenzen nicht, die wir durchflogen. Bekam nicht mit, dass Michael davon speiübel wurde, und sich deswegen, in der Bordtoilette breit machte.

Irgendwann kitzele mich etwas an der Nase. Ich öffnete leichte die Augen und sah Andreas mich nit einem Stift ärgern.

“Wenn dir dein Leben lieb ist und du keine Bisswunde an der Hand haben möchtest, hör augenblicklich damit auf“, sagte ich und sah Andreas an.

„Oh der Herr ist endlich aufgewacht, dachte schon du hast eine Überdosis Schlaftabletten genommen“, meinte Andreas und lehnte sich zurück, „und außerdem möchte ich keine neue Spritze gegen Tollwut.“

Ich lächelte ihn an und drehte mein Kopf zu Phillip hinüber, der in ein dickes Buch vertieft war und von dem alles nichts mitbekommen hatte. Ich versuchte einen Blick durch das kleine Fenster nach draußen zu erhaschen.

Das Grau in Grau in Deutschland hatten wir wohl hinter uns gelassen, ich sah so weit mein Blick reichte, blauen Himmel. Gut mit ein paar kleinen Schleierwolken, aber das interessierte nicht. Ich sah wieder auf Phillip zurück, der immer noch lass.

„Darf ich dich mal was fragen?“

Er ließ sein Buch sinken und schaute auf. Ich beobachtete seinen Augen, ließ meinen Blick über sein Gesicht wandern.

„Was ist, warum schaust du so…?

Sorry, ich hab mich grad ein wenig über unsere Eltern geärgert, dass sie dich mir siebzehn Jahre vorenthalten haben. Siebzehn Jahre, in denen ich bestimmt viel verpasst habe.“

„Mag schon sein, das du was verpasst hast, aber das ist Vergangenheit, Brüderchen“, meinte Phillip, „was wolltest du mich eigentlich fragen?“

„Wie es dir geht. Ich hab in der letzten Zeit mich wirklich ziemlich gehen lassen, sorry tut mir Leid, ich hätte mich auch mehr um dich kümmern müssen.“

„Sebastian, rede doch nicht so ein Blödsinn. Ich verstehe es doch, du dachtest damals, dir stirbt Kai unter den Händen weg. Dann hast du Kai jetzt fast vier Monaten nicht gesehen oder gesprochen. Warum solltest du dir dann noch meine Probleme aufladen.“

„Und außerdem bin ich ja auch noch da Sebastian“, warf Andreas ein, der unsere Unterhaltung folgte.

„Ich dachte nur weil Phillip mein Bruder ist und du jetzt auch Andreas. Ich wollte doch eigentlich für euch da sein… einfach so, wie es sich für Brüder gehört“, meinte ich traurig.

Phillip wollte gerade ansetzten als sich Andreas zu mir rüber beugte.

„Hör mal zu Sebastian. Ich weiß, wir drei sind ein zusammengewürfelter Haufen. Vor einem Jahr wusste keiner von dem anderen Bescheid. Bei euch ist es noch ein wenig schlimmer, da ihr ja leiblicher Brüder seid. Für meinen Teil ist der größte Wunsch in Erfüllung gegangen, ich habe Geschwister und das ich gleich zwei so fabelhafte Brüder bekomme, war ein Glückstreffer.“

Andreas machte eine kurze Pause und trank von seiner Cola.

„Und das es eben Dinge gibt, die für jeden von uns schmerzlich sind, sei es der Tod des Vaters oder Freundes oder das gewaltsame Entreisen deines Liebsten, oder wie bei meiner Wenigkeit bloß die Trennung mit der Freundin, es war immer einer von euch da, dem anderen zu helfen. Das nennt man Familie und ich bin stolz dazu zu gehören.“

„Besser hätte ich das jetzt auch nicht sagen können Andreas, ich hoffe unser Kleinster versteht das auch so.“

„Ja ich gebe mich geschlagen ihr habt ja Recht. Eins stinkt mir aber gewaltig“, meinte ich und schaute beide an.

„Was?“, sagten beide gleichzeitig.

„Das ich der Jüngste bin…“ meinte ich und beide fingen laut an zu lachen, dass sich sogar Clarissa herumdrehte und uns einen bösen Blick zu warf.

Als wir in New York auf dem John F. Kennedy Airport landeten, traute ich meinen Augen kaum. Erst die atemberaubende Skyline von Manhattan, unweigerlich musste ich an den elften September denken, dann dieser riesige Flughafen.

Gleich neun Terminals, die im Kreisform gebaut worden waren. Zur einen Seite rollten die Flugzeuge in diesen Kreis hinein rollten auf vorbestimmten Wegen innerhalb zur ihren Terminals wo die Passagiere dann auschecken konnten.

Wir rollten auf Terminal vier zu. Als wir ins Hauptgebäude durch die Überprüfung waren, endlich unser Gepäck gefunden hatten, schaute ich mich ein wenig um. Ich kam mir plötzlich so klein vor, lächerliche bei meinen eins achtundachtzig, ich weiß.

Aber hier hatte alles Dimensionen, die weit größer waren, als ich es mir vorher vorstellen konnte. Auch später als wir mit dem Wagen von Christian abgeholt waren, er fuhr übrigens hier durch die Avenuen, als wäre er hier zu Hause, kam mir alles so riesig vor.

Die schier nicht enden wollten Hochhäuser, im Fernseh oder Zeitschriften wirkte das nie so groß, ich stellte aber fest, dass es meine Brüdern nicht anders ging.

Christian machte mit uns eine kleine Besichtigungstour. Vom JFK – Inter Airport fuhren wir zwischen Brooklyn und Queens, Richtung Manhattan, überquerten die Brooklyn Bridge, durchfuhren Manhattan, vorbei an den wichtigen Gebäude, auch dort wo einmal die Zwillingstürme standen und jetzt ein riesiges Loch in dem Häusermeer klaffte.

Das Empire State Building konnte ich auch von weiten sehen. Durch den Hollandtunnel nach Jersey City um dann schließlich über die Bayonne Bridge nach State Island zu gelangen. Am Midland Beach hielt Christian vor einem großzügigem Strandhaus.

Er stieg aus und öffnete die Türen. Jetzt erst merkte ich wie heiß es hier war. Wir strecken unsere Glieder und schauten uns um. Die Tür des Hauses ging auf, was ich aus meinem Blickwinkel nicht sah. Ich merkte nur, dass meine Mutter zu winken anfing.

Ich drehte mich um … da stand Kai… ich ließ alles fallen und rannte los. Er genauso. Wir prallten aufeinander, drückten uns fest aneinander und verloren uns in einen endlosen Kuss.

„Hat dich deiner auch so genervt?“ hörte ich meine Mutter fragen.

„Genervt? Gar kein Ausdruck“, kam von Elisabeth.

„Ich finde es hat den beiden aber nicht geschadet“, erwiderte meine Mum.

Langsam löste ich mich von Kais Lippen. Ich drückte ihn ein wenig weg von mir um ihn besser anschauen zu können. Er war braungebrannt… schien mir muskulöser geworden zu sein.

„Wer ist dieses Muskelpaket hier vor mir“, fragte ich frech.

„Gefällts dir?“

„Und wie“, antwortete ich, und nahm Kai wieder in die Arme.

„Komm lass uns reingehen, die zwei werden sich schon irgendwann voneinander lösen“, sagte Elisabeth, „Christian, Bob kommt gleich und hilft dir beim Gepäck.“

*-*-*

„Ich bin so froh und glücklich dich wieder zu haben“, meinte Kai.

„Und ich erst.“

Plötzlich schaute Kai etwas betreten.

„Was ist denn“, fragte ich.

„Nicht hier, lass uns kurz hinein gehen, das du dich umziehen kannst, ich will ein bisschen am Strand mit dir spazieren gehen.“

Er nahm mich an der Hand und zog mich ins Haus. Wir standen in Mitten eines riesigen Wohnzimmers. Wo bei uns vielleicht ein Dreisitzer Stand, standen hier gleich drei beisammen, sie umringen einen großen offenen Kamin der in der Mitte des Raumes stand überdeckt von einer großen Esse.

„Nun komm schon“, sagte Kai ungeduldig.

„Jetzt lass mich doch mal gucken“, meinte ich.

„Gucken kannst du später, ich will dich jetzt!“

„Das sind ja ganz neue Töne, aber ich füge mich“, sagte ich lachend und nahm die angebotene Hand in die meine.

Er zog mich die Treppe hinauf, wo sich auch die anderen befanden. Ein wildes Durcheinander herrschte auf dem Flur.

„Und wo schlafe ich?“ fragte ich.

„Bei mir, komm mit“, antwortete Kai und öffnete gleich die erste Tür.

„Wow, das ist ein Zimmer und der Ausblick..“

Ich lief zur Balkontür und trat nach draußen. Der Ausblick war überwältigend, besonders die Skyline von Manhattan. Kai trat von hinten an mich heran und umarmte mich von hinten. Ich ließ den Kopf nach hinten sinken und genoss einfach seine Nähe.

„Ich muss mich bei dir entschuldigen Sebi…“

„Für was denn?“ fragte ich und drehte mich zu ihm um.

„Das ich dir so einen riesen Schrecken eingejagt habe und dir soviel Sorgen bereitet habe.“

„Mensch Kai, hör auf… hat dir das die ganze Zeit auf der Seele gelegen?“

„Ja.“

Ich nahm mit meinen Händen sein Gesicht auf.

„Hör zu Kai! Ich liebe dich von ganzen Herzen, ich kann ohne dich nicht mehr sein ich brauche dich, nur versprich mir eins, passe in Zukunft besser auf dich auf, noch so eine Show vertrage ich nicht ok?“

„Versprochen, und du bist mir deswegen nicht böse?“

„Wie kommst du darauf. Kai, ich weiß nicht ob du nach fühlen kannst wen jemand in deinem Arm im Sterben liegt, es war schrecklich. Aber du wurdest gerettet und ich habe eine zweite Chance mit dir bekommen, und nur das zählt für mich.“

„Danke Sebi.“

„Und nun komm ich will mich umziehen, ich will an den Strand da unten.“

Ich ging zurück ins Zimmer an meine Tasche und zog eine Shorts und ein neues Tshirt heraus. Schnell hatte ich die klebrigen Klamotten abgestreift.

„Wie habe ich diesen Anblick vermisst“, sagte Kai als ich nur noch in Boxer da stand.

Er kam auf mich zu und überdeckte mich an allen Stellen mit Küssen.

„Wenn du willst das ich kein Halbmast krieg höre damit auf, sonst kann ich für nichts garantieren“, meinte ich und lächelte ihn an.

„Schon gut, ich hör ja schon auf, aber Duschen könntest du, du müffelst wie ein junger Puma“, sagte Kai und fing an zu lachen.

Wie ich dieses herzhafte Lachen vermisst hatte. Er öffnete eine Tür, dahinter war ein Bad. Ich streifte meine Boxer herunter und lief nackt und keck an ihm vorbei ins Bad. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er sich die Klamotten vom Leib riss und mir folgte.

„Schön hast du es hier“, meinte Clarissa zu Elisabeth.

„Tja, noch eine Errungenschaft meines Exmannes, von der ich nichts wusste, er hat sie wie vieles gekauft, ohne mein Wissen. Ich habe mir hier in NewYork einen Anwalt genommen, von der Kanzlei Lukas & Armstrong, die haben es herausgefunden.“

„Lukas & Armstrong? Warum kommt mir das bekannt vor?“, fragte Clarissa.

„Ist das nicht die gleiche Kanzlei, die auch den Jungen vertritt, der in Frankfurt, diese zwei Jugendhäuser führt?“, kam es von Michael.

Elisabeth schaute Michael fragend an.

„Sebastian hat da jemanden kennen gelernt. Er ist Vollwaise. Nach dem er achtzehn war, musste er das Internat verlassen, bekam aber vom Jugendamt einen Job angeboten, in einem neuen Versuchprogramm des Amtes. Eben Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Neustart zu ermöglichen, solche, die keine Elternhaus mehr hatten oder misshandelt wurden, all das was da eben darunter fällt“, erklärte Michael.

„Das hört sich interessant an“, meinte Elisabeth.

„Hier riecht es so gut nach Kaffee“, sagte ich und Kai von oben herunter kamen.

„Setzt ihr uns ein wenig zu uns?“ fragte Elisabeth.

Kai schaute mich an und nickte mir zu.

„Über was unterhaltet ihr euch gerade?“, fragte ich.

„Von dem Jungen, den du in Deutschland kennen gelernt hast, der mit dem Jugendhäuser“, antwortet Clarissa.

„Ihr meint Christopher?“, fragte ich, während ich mich setzte.

„Genau der, mir war nur der Name entfallen“, sagte Michael.

„Und wie kommt ihr jetzt auf den?“ meinte ich.

„Elisabeth hat zu fällig, die gleiche Kanzlei wie Christopher“, antwortete meine Mum.

„Was hat eine Junge aus Deutschland eigentlich mit einer Kanzlei aus Amerika zu tun?“ fragte jetzt Kai neugierig.

„Da muss ich ausholen“, sagte ich, „Christopher ist Vollwaise.“

„Wissen wir schon“, meinte Kais Mutter.

„Sein Vater stammte aber aus Amerika, und da gab es ohne Wissen doch noch Verwandte.

Irgendeine Holdinggruppe hier aus New York, wie hieß sie doch gleich, ich glaube Miller oder so.“

„Miller – Holding – Group vielleicht?”

„Genau, die meinte ich.“

„Das ist nicht irgendeine Holding, dass ist die Holdinggesellschaft überhaupt hier in New York“, meinte Elisabeth.

„Und da gibt es eben noch einen Erben mit Christopher zusammen, sein Cousin Patrick“, sagte ich.

„Das wird jetzt aber verzwickt“, meinte Kai.

„Übrigens Patrick möchte uns kennen lernen, hat mir Christopher gesagt.“

„Das finde ich aber interessant jetzt, meine Firma versucht schon Jahre mit dieser Firma ins Geschäft zu kommen“, meinte Elisabeth.

„Da mische ich mich jetzt aber nicht ein“, sagte ich, „ich weiß nicht in wie weit Patrick mit der

Firma zu tun hat.“

„Kein Problem, das finde ich heraus.“

*-*-*

Kai und ich liefen am Strand entlang. Ich genoss die Aussicht auf die Lower Bay. Ich hatte den Atlantischen Ozean vor mir, soweit ich schauen konnte nur Wasser. Kai lief ohne ein Wort zu sagen neben mir her.

„Was ist?“, fragte ich ihn.

„Ich habe in den vier Monaten viel Zeit gehabt, mir ist vieles durch den Kopf gegangen“, antwortete er.

„Kommt jetzt aber keine Hiobsbotschaft von dir, oder?“

„Nein eher das Gegenteil.“

Kai blieb stehen und hob mich am Arm.

„Könntest du dir vorstellen, mit mir zusammen zu leben?“

„Um ehrlich zu sein habe ich da noch nicht darüber nachgedacht, aber ich fände es geil mit dir zusammen zu leben“, gab ich zur Antwort.

„Und dich stört es auch nicht, dass ich soviel Geld besitze?“

„Wieso soll mich dein Geld stören, du bist doch deswegen nicht abgehoben oder durchgeknallt. Du bist so, wie du bist so wie ich dich liebe.“

„Danke, und du würdest wirklich mit mir zusammen ziehen?“

„Hier?“ fragte ich und fing an zu lachen.

„Scherzbold, wobei das ein verlockender Gedanke wäre, mit den ganzen Beachboys hier zusammen.“

„Kaum lässt man dich mal vier Monate alleine guckst du dich schon nach anderen um.“

„Natürlich, man muss doch auf dem Laufenden bleiben, was so auf dem Markt herumläuft.“

Ich erkannt Kai fast nicht wieder, so schlagfertig, selbstsicher war er geworden. Ich blieb stehen und nahm ihn in den Arm.

„Kai ich liebe dich und ich würde gerne mit dir zusammen leben, wo auch immer du vorschlägst. Ich will morgens neben dir aufwachen und abends mit zu Bett gehen.“

Als Antwort bekam ich einen Kuss, dass mir Hören und Sehen verging.

„Tut das nicht weh?“ fragte ich und fuhr mit der Hand sacht über seine Operationsnarbe.

„Manchmal noch, aber es wird immer besser.“

Mir stiegen die Tränen in die Augen.

„Sebi, was ist los“, fragte Kai.

„Ach schon gut, mir kam nur kurz der Gedanke, das ich dich fast verloren hätte, und wie glücklich ich jetzt bin dich endlich wieder zu haben.“

Er nahm mich in den Arm und drückte mich fest an sich.

„Schon gut, Sebastian, jetzt ist alles vorbei…“

Ich ließ meinen Tränen freien Lauf, und alles was sich die letzten Monate angestaut hatte, fiel ab von mir.

Kai öffnete die Verandatür.

„Da seid ihr ja Kinder. Hättet ihr Lust, an einem ganz tollen Fleckchen in New York essen zu gehen?“, fragte Elisabeth.

„Natürlich“, kam es uns wie aus einem Munde.

„Und wo geht es hin“, fragte ich neugierig.

„Dahin, wo ihr in diesem Aufzug nicht hinkönnt“, sagte Kais Mutter.

In diesem Augenblick kam meine Mutter in einem atemberaubenden, schwarzen Kleid, die Treppe herunter.

„Wow Mum, das habe ich ja noch nie an dir gesehen“, meinte Phillip, der sich vom Sofa erhob.

„Das habe ich mir auch extra für Amerika gekauft“, antwortete sie.

„Also ist Galakleidung angesagt, oder?“, fragte Kai.

„Du hast es erfasst mein Junge“, meinte Elisabeth.

*-*-*

Wieder in Kais Zimmer, entledigten wir uns der Strandkleidung.

„Du Sebi, ich hab da was für dich…“ kam es leise von Kai.

„Du hast was für mich?“

Kai ging zu seinem Schrank.

„Da wir dieselbe Größe haben, war ich shoppen und habe dir was gekauft.“

Er zog ein Paket aus seinem Schrank und gab es mir. Ich stellte es auf das Bett und öffnete es.

„Wow einen Anzug von Boss.“

„Dachte der steht dir sicherlich gut.“

„Oh danke Kai, das hätte nicht sein müssen.“

Ich nahm die Jacke aus dem Karton. Schwarz und schlicht geschnitten und vor allem ohne Kragen. Neben der Hose kam auch noch ein weißes Hemd zum Vorschein.

„Zieh es bitte an“, meinte Kai.

Fünf Minuten später begutachtete ich mich selber im Spiegel.

„Bin mal gespannt wie viele sich heute nach dir umdrehen“, sagte Kai frech.

„Ich bin hin und weg, und es passt auch noch so gut.“

„Hier wären auch noch Schuhe, mit Strümpfen willst du sicher nicht aus dem Haus gehen.“

Kai stellte mir ein paar Lackschuhe hin.

„Du bist verrückt Kai, weißt du das?“

„Ja verrückt nach dir, und wenn ich dich da so stehen sehe, in diesen geilen Klamotten könnt ich dir sie gerade wieder herunterreißen“, sagte Kai.

„Das verschieben wir auf später“, meinte ich mit einem frechen Grinsen, „was ziehst du eigentlich an?“

„Etwas Ähnliches wie du.“

*-*-*

Im Wohnzimmer bemerkte uns noch niemand als wir die Treppe herunter gingen, erst als wir direkt neben ihnen am Kamin standen.

„Wenn ihr wollt können wir“, meinte Kai.

„Wow Bruderherz, woher hast du dieses noble Stöfflein“, fragte Phillip.

„Das ist ein Geschenk“, antwortete ich und lächelte dabei Kai an.

Das war ein Bild. Fünf elegant gekleidete Herren und zwei verführerische Damen.

„Und wie kommen wir jetzt zum Restaurant?“, fragte Michael, „wir sind sieben Personen.“

„Das ist alles schon geregelt“, meinte Kais Mutter nahm ihre Handtasche und bewegte sich Richtung Haustür.

Draußen angekommen sahen wir, was sie meinte. An der Strasse stand ein Longvehicle, eine weiße Limousine mit Überlänge. Christian stand schon bereit und öffnete die Türen. Bequem hatten wir alle im Wageninnern Platz.

„Mum, jetzt verrate schon wo wir essen gehen“, meinte Kai.

„Geduld, jetzt genießt erst mal die Fahrt“, antwortete Elisabeth.

Christian fuhr an der Lower Bay entlang bis wir dann auf der Narrowsbridge die Seite wechselten. Von weiten konnten wir nun die Freiheitsstatue sehen. Entlang zwischen Eastriver und Brooklyn fuhren wir wieder Richtung Manhattan

Die ganze Zeit schaute ich zur Freiheitsstatue. Langsam lenkte Christian den Wagen über die Brooklyn Bridge. Vorbei an Chinatown bog er in den Broadway. Wir sahen die zahlreichen Theater mit ihren bunten Reklamenschildern.

Vor dem Rockefeller Center, machte Christian langsamer und blieb vor dem Hauptgebäude dem General Elektric Building stehen. Er stieg aus und öffnete uns die Türen. Total verblüfft schaute ich an dem Gebäude hinauf.

„So Leute, da fahren wir jetzt rauf“, sagte Elisabeth.

„Du willst in den Rainbow Room, oder?“ fragte Kai.

„Ja und ihr habt dann Zugang zur Aussichtsplattform im siebzigsten Stock“, meinte Kais Mutter.

„Siebzig? Und wie hoch ist das?“ fragte Andreas, der bis jetzt sehr Wortkarg war.

„Zweihundertfünfzig Meter“, gab Kai zum Besten.

Wir betraten das Gebäude und fuhren mit dem Expresslift nach oben.

„Hast du gesehen, hier hat NBC ihre Nachrichten Studios im Haus“, sagte Phillip zu mir.

„Ja habe ich, es ist verrückt, was es hier alles gibt, der Rockefeller Center, soll mit seinen einundzwanzig Wolkenkratzer, der Welt größte zusammenhängende Wolkenkratzer Stadt sein.“

„Woher kennst du dich so gut aus hier?“ fragte mich meine Mutter.

Ich wurde rot.

„Ich habe alles über New York gelesen, was ich im Internet zu lesen gab. Wollte nur wissen in was für einer Stadt Kai sich befindet“, antwortete ich leise.

Alle fingen an zu lachen.

*-*-*

Das Abendessen war wirklich eine gelungene Überraschung gewesen und mit Kai an meiner Seite war ich wohl der glücklichste Mensch auf Erden. Nach dem Essen fuhren wir dann zur Plattform auf dem Haus, die Aussicht war atemberaubend.

Sogar das Empire State Building konnte ich sehen. Seit der World Trade Center nicht mehr stand, war er wieder das höchste Gebäude der Stadt. Faszinierend fand ich den Central Park, der mitten in Manhattan, wie eine Insel lag.

Ich stand etwas abseits und spürte plötzlich eine Hand an meiner Seite. Kai hatte sich zu mir gesellt und lehnte sich an mich.

„Als ich nach der Operation in meinem Zimmer lag, dachte ich daran, wie es wäre mit dir hier oben zu stehen, mir kam dabei der Film Schlaflos in Seattle in den Sinn.“

„Aber da war doch Tom Hanks da drüben“, sagte ich und zeigte zum Empire State Building.

„Ja aber wie sie da so aus dem Fahrstuhl kam, sie ihn sah und ihre Blicke sich trafen. Sie da standen und sich einfach anschauten. Da wünschte ich mir, diese Szene mit dir zu spielen“, meinte Kai und er strich mir zärtlich durchs Haar.

„Und zu was einer Überlegung bist du dann am Schluss gekommen?“

„Das ich noch etwas für dich habe.“

„Noch ein Geschenk?“

„Ja“, sagte Kai und griff sich in die Jackentasche. Er zog ein kleines Kästchen heraus und öffnete es.

Ich traute meinen Augen kaum, zu Vorschein kam ein Goldring. Er nahm ihn heraus und steckte ihn mir an den Finger. Mit leicht feuchtem Blick, schaute er mich liebevoll dabei an. Alles stimmte, der Ort, die Atmosphäre sogar die Menschen.

„Kai ich weiß nicht was ich sagen soll“, meinte ich nachdem ich sah, dass er denselben Ring an seiner Hand trug, „ich weiß nur wie sehr ich dich liebe.“

Es tippte mich jemand auf die Schulter, ich drehte meinen Kopf.

„Darf ich euch beiden was fragen?“

Es war Phillip.

„Immer heraus damit“, sagte Kai.

„Ihr beide werdet aber nicht in Amerika bleiben…?“ fragte Phillip ein wenig kleinlaut.

„Bruderherz, die Verlockung ist zwar groß, aber nein, Kai und ich werden wieder nach Deutschland fahren, ich zumindest wenn unser Aufenthalt hier vorüber ist. Warum fragst du überhaupt?“

„Ich hatte die Befürchtung, meinen soeben gewonnen Bruder wieder zu verlieren…“ meinte Phillip und schaute zu Boden.

„Keine Sorge großer Bruder, mich wirst du nicht mehr so schnell los.“

„Was zieht ihr so Trauerminen, es gibt doch gar keinen Grund dafür.“

Andreas war dazu gestoßen.

„Eigentlich keinen. Ich bin jedenfalls der glücklichste Mensch der gerade rum läuft. Ich habe den süßesten Freund den man sich wünschen kann, und dazu die zwei besten Brüder, die jemand haben kann“, sagte ich und umarmte jeden einzelnen.

Ich wurde von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Kai schlief noch fest eng an mich gekuschelt. Ich beschloss aufzustehen und versuchte dies, ohne Kai aufzuwecken. Nach dem ich auf der Toilette war, trat ich auf den Balkon hinaus.

Es war ein herrliches Bild, wie die Sonne über dem Meer stand. Ich lief die kleine Wendeltreppe hinunter auf die Terrasse und benutze die kleine Treppe zum Strand hinunter. Um diese Zeit waren nur ein paar Jogger hier unterwegs.

Ich spürte den kühlen Sand unter meinen Füssen und beschloss ein wenig zum Wasser hinunter zu laufen. Die Meeresluft tat mir gut, so frei im Gedanken war ich noch nie, so glücklich wie im Augenblick war ich noch nie.

Ich malte mit dem großen Zehn Herzen in den Sand, um sie dann wieder von dem heranfließenden Wasser wegspülen lassen.

„Du hättest mich wenigstens wecken können.“

Ich fuhr herum. Kai stand in seiner Boxershorts und seinem Schlafshirt da. Die Haare total durcheinander und noch mit ziemlich Schlaftrunken.

„Du sahst so süß aus, da habe ich das nicht übers Herz gebracht, dich zu wecken.“

„Unbestraft kommst du mir nicht davon, mich einfach da so alleine liegen zu lassen.“

Er zog sich sein Shirt über den Kopf, schmiss es in den Sand. Er kam auf mich zu, packte mich plötzlich und ehe ich mich versah, landete ich gemeinsam mit ihm, in den Wellen des Atlantiks.

„AAAAAAAAAAAAAAA, bist du wahnsinnig, ist das kalt“, schrie ich.

„Mir egal, aber jetzt bin ich wach“, erwiderte Kai und fing laut an zu lachen.

Er kam zu mir her und nahm mich in den Arm. Unsere Münder trafen sich zu einem Kuss. Seine Hände wanderten über meinen Körper und ich vergaß augenblicklich, dass wir hier im Wasser standen.

Hart spürte ich seine Erregtheit an meinem Körper, so wie er meine spüren musste.

„Komm lass uns wieder rauf gehen, bevor wir hier noch wegen Sex in der Öffentlichkeit, Ärger bekommen“, hauchte er mir ins Ohr.

Tropfnass liefen wir zum Haus zurück, wo Christian schon mit zwei Handtüchern wartete. Manchmal wurde mir der Mann unheimlich. Er redete nie viel, aber war immer zur Stelle, wenn man ihn brauchte.

„Wollen die Herren hier auf der Terrasse frühstücken?“, fragte Christian.

„Das wäre eine Superidee Christian, danke schön“, antwortete Kai, „und wir zwei ziehen etwas Trockenes an, komm Sebi.“

Wir liefen wieder die Wendeltreppe hoch zu seinem Balkon und huschten ins Zimmer. Drinnen begannen wir uns gegenseitig auszuziehen. Ich liebte den Geruch seiner Haut, sie war in mir abgespeichert wie in einem Computer.

Zarte Küsse verteilte ich auf seiner Schulter, wanderte mit meiner Hand, sanft über seinen Rücken. Kai schloss die Augen, ich hörte ihn lange ausatmen, sein Körper begann zu beben. Als wir beide nackt waren, hob ich ihn hoch um ihn langsam auf sein Bett zulegen.

Ich legte mich zu ihm und wir begannen uns zu wild zu küssen. Seine Hände waren überall an meinem Körper. Mit meiner Zunge strich ich über seine Brust, was bei Kai ein erneutes Beben auslöste.

Er drückte sein Kreuz durch und leise war ein stöhnen zu hören. Mit der Hand fuhr ich langsam über seine Schenkel zu seinem Heiligtum, das kerzengerade in die Luft stand. Ich wanderte mit meinem Kopf tiefer.

*-*-*

„Gehst du mit baden?“, fragte Andreas.

„Wenn das Wasser warm genug ist, gerne“, antwortete Phillip.

„Unserem Bruder und Kai war es vorhin nicht zu kalt. Wobei ich zugeben muss, das was sie im Wasser gemacht haben, hat das Wasser sogar angeheizt.“

„Aha“, meinte Phillip und fing an zu grinsen.

*-*-*

Erschöpft und eng umschlungen lagen Kai und ich beieinander.

„Sebischatz, ich liebe dich…“, meinte er.

„Ich dich auch“, gab ich noch total außer Atem von mir.

„Wird das jetzt jedes Mal so sein?“

„Nein, es wird immer schöner werden.“

„Ob ich das überlebe…?“

„Wirst du, keine Bange, ich pass schon auf dich auf“, antwortete ich und gab ihm einen Kuss, den er mit seiner Zunge sofort erwiderte.

„Keine zweite Runde mehr, ich bin fertig, du hast mich völlig geschafft.“

„Wieso ich habe doch gar nichts gemacht.“

„Nein, überhaupt nicht“, sagte ich und fing an zu lachen, als ich diesen treudoofen Dackelblick auf Kais Augen sah, „komm lass uns frühstücken gehen.“

Wir zogen unsere Strandklamotten an und wanderten über die Wendeltreppe wieder hinunter auf die Terrasse. Phillip und Andreas kamen nur mit Badeshorts begleitet aus dem Haus. Andreas kam auf mich zu und gab mir einen Kuss.

„Das nächste Mal macht ihr eure Tür zu, sonst komm ich rein und mache mit“, hauchte er.

Kai und ich wurden verlegen, die Röte stieg uns ins Gesicht.

„Um ehrlich zu sein, dass hat sogar mir gefallen“, kam es von Phillip als er die kleine Treppe zum Strand hinunterlief.

Jetzt schaute auch Andreas total erstaunt.

„Phillip könntest du vielleicht mal auf mich warten“, kam es von Andreas, als er sich wieder gefangen hatte und rannte ihm hinter her.

„Willst du Kaffee?“, fragte Kai, als wäre nichts gewesen.

„Gerne“, und ich setzt mich auf den Stuhl, während Kai mir den Kaffee eingoss.

„Was steht heute eigentlich an?“ fragte ich.

„Empire State Building?”

„Nicht schlecht!”

„Oder wir gehen den Patrick besuchen, von dem du mir erzählt hast.”

„Dann muss ich aber erst anrufen“, meinte ich.

„Dann tu das!“

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