Into the Light – Teil 1

Die “alte Welt” so wie wir sie kannten, existierte nicht mehr, zerstört durch Arroganz, Macht, Gier, Neid, Eifersucht und Untoleranz.

Einige haben es dennoch fertig gebracht, dem Ganzen zu entfliehen. Sie waren aus Zufall nicht vor Ort, waren unterwegs als Kundschafter, oder wie man sie in der „alten Welt“ auch gerne nannte – Sternwanderer.

Ihre Spur verlor sich schnell in den Weiten des Raumes. Sie mischten sich unter andere Völker und gerieten fast in Vergessenheit. Nur hier und da tauchten Gesichter auf, denen die Nachkommenschaft der Menschen anzusehen war.

So auch auf Harkess. Harkess einen Mond übersät mit Wäldern. Mond des Planeten Xhonton. Xhonton war unbewohnbar, aber als Wasserreserve, der ganze Planet bestand mehr oder weniger aus diesem Nass, unentbehrbar.

Alle sieben bewohnten Monde hatten ihr Anrecht auf diese blaugrünliche schimmernde Flüssigkeit, die doch jedes Leben in sich barg. Doch einige Mondvölker meinten, sie mussten mehr bekommen und versuchten über den Weg des Krieges, sich mehr Rechte ein zuräumen.

So wie das Volk des Mondes Tramkosta. Sie führten fortwährend ihren heiligen Krieg des Wassers. Doch ihre eigene Überheblichkeit, brachte sie immer wieder zum Sturz. So auch bei dem letzten großen Krieg gegen Harkess.

Der „große Krieg“ hatte beide Völker sehr geschwächt. Viele Opfer hatte es gegeben, nicht nur bei den Gefallenen, sondern auch in den Familien. Dies passierte zu einer Zeit, als auf Harkess durch den hohen Rat, die alten Schulen der ehrwürdigen Meister wieder ins Leben gerufen wurden. Der „hohe Rat“ bestand aus zwölf Regenten, die wiederum ihre Völker auf dem Mond Harkess vertraten.

So auch Christtork, Regent über das Volk der Baselen, deren Hauptsitz sich in Groslac befand. Dort befand sich auch die größte der zwölf Schulen, wo der Oberste der ehrwürdigen Meister, Meister Vondix seine Dienst verrichtete. Dort beginnt auch unsere Handlung und der Weg, auf dem wir den jungen „Dirian“ begleiten.

Der Nebel lichtete sich schwach und man konnte schon die ersten Bäume des nahen Waldes sehen. Ich schloß meine Augen und versuchte durch die Nebelwand zu schauen. Seit ich wusste, dass ich diese Kraft besaß, versuchte ich sie zu trainieren.

Ich war jetzt dreiundzwanzig Jahre alt und seit meinem fünften Lebensjahr hier in dem Orden. Meine Mutter hatte mich schweren Herzens weggeben. Doch wir waren zu arm, um für mich zu sorgen. Mein Vater war aus dem großen Krieg gegen die Tramkosta nicht zurück gekehrt.

Ich konnte mich nicht richtig konzentrieren, irgendetwas störte meine Meditation. Ich öffnete die Augen und schaute zu meiner Tür.

„Gambrini komm ruhig herein, oder wie lange willst du vor meiner Tür umher schleichen?“ Die Tür öffnete sich und ein kleiner Mann schaute herein.

„Meister Dirian, ich wollte euch auf keinen Fall stören,“ kam es von ihm.

„Das hast du aber und dafür gehörtest du gerade wieder bestraft.“

„Dirian sei nicht so hart zu ihm!“

Dirian schaut zur Tür, wo der ehrwürdige Meister Vondix stand. Er verbeugte sich tief vor dem Älteren.

„Lass uns alleine Gambrini, ich möchte mit Meister Dirian alleine sprechen,“ kam es von Vondix.

Gambrini verbeugte sich und verließ das Zimmer. Vondix schloß mit einer Handbewegung die Tür hinter sich.

„Ich spüre du trainierst deine neue Kraft?“

„Ja Meister Vondix, ich versuchte es zu mindest, bis dieser..“

„Dirian nicht. Er ist der gute Geist unseres Haus und will hier niemanden etwas böses.“

„Es tut mir leid wenn ich euch enttäuscht oder gar erzürntet habe.“

„Dass hast du nicht, aber ich spüre immer noch diese Kälte, die deine Gefühle umgibt.“

Ich stand immer noch vor Vondix mit gesenktem Haupt. Vondix begab sich leisen Schrittes zum Fenster.

„Ein Schiff wird bald kommen, um dich von hier wegzubringen,“ sprach der Alte weiter im ruhigen Ton.

„Muss ich von hier weg? Meister habe ich etwas Falsches gemacht. Und meine Ausbildung…?“

„Dirian du hast nichts falsch gemacht. Deine Ausbildung ist schon lange fertig, du bist einer der ältesten unserer Trilianern, du bist schon zu lange hier.“

Trilianer waren die Schützlinge des Ordens, sie wurden zu Meistern ausgebildet, damit sie ihre Kräfte zur Hilfe für das Reich der Baselen einsetzten konnten.

Meister Vondix war der ältesten der erwürdigen Meister, und somit auch immer der Berater des hohen Rates gewesen. Er übernahm die Aufgabe des Lehrmeisters gerne. Viele waren seither zu ihm in die alte Burg von Grenovist gekommen, viele aber auch abgewiesen. Die Prüfungen waren hart. So bildete sich nur die Elite von jungen Menschen, die fähig waren Meister des Lichtes zu werden.

Dies war aber nicht nur auf männliche Teilnehmer bezogen, nein auch weibliche Trilianer gab es hier.

„Dirian ich sage dir eins noch, du wirst dich eines Tages daran erinnern. Du wirst vor dem Augenblick stehen, wo du dich entscheiden musst, eine Bindung ein zugehen, du musst deinem Herzen folgen, dass dir Verwirrung und Verzweiflung bringen wird. Aber mit deiner richtigen Entscheidung, wirst du deine Kräfte stärken können, in eine Dimension eintreten, worüber du dir jetzt noch nicht im Klaren bist.“

„Meister Vondix, ich weiß über eure Gabe in die Zukunft Bescheid, könnte ihr mir nicht genauer sagen, was auf mich zukommt?“ sagte ich, nachdem ich zu ihm ans Fenster getreten war.

„Nein, das darf ich nicht und will es auch nicht. Obere Regel unseres Ordens ist, wenn man über die Zukunft Bescheid weiß, darf man sie nicht zu seine Gunsten ändern, man darf nur einen Rat aussprechen.“

„Wie soll ich wissen, wenn dieser Augenblick naht?“

„Das wird dir dein Herz sagen.“

„Herz. Meister ihr wisst genau, ich verlasse mich nie auf mein Herz. Ihr wisst genau, das wenn man sich auf sein Herz verlässt, wird man nur fehl geleitet.“

„Hast du das bei uns gelernt, Dirian?“

„Nein, dass habe ich oft genug selber erfahren müssen.“

„Dann gibt es etwas, was du noch lernen musst, nämlich welche Entscheidung du wann mit was treffen musst. Entweder mit dem Verstand oder mit dem Herzen, erst das zeichnet dich zu einem großen Meister aus.“

Ich wusste wann ich zu schweigen hatte, wann der ehrwürdige Meister, das letzte Wort gesprochen hatte. Ich verneigte mich tief und Meister Vondix verließ das Zimmer.

Wie sollte ich das machen. Ich merkte, wie in mir die Wut aufzusteigen drohte. Meine Gefühle verwenden, womöglich noch zeigen. Nein, das werde ich nicht machen. Wer Gefühle zeigt, wird schwach. Wer Schwäche zeigt, wird angreifbar. Und angreifbar wollte ich nicht sein. Es muss auch ohne Herz gehen, sagte ich zu mir selbst.

Ich zog meine lange, schwarze Robe an und verlies mein Zimmer. Leise lief ich die Treppe herunter. Ich konnte mich nicht hinausdenken, hier in der Burg war das unmöglich, denn ich würde kläglich am Schutzschirm der Burg verenden. An anderen Orten jedoch war es ein leichtes für mich. Einfach auf einen Ort konzentrieren, und schon wechselte man dorthin.

Die alte Kraft der erwürdigen Meister, verlieh einem regelrecht Zauberkräfte, die aber nie zu eigenen Zwecken eingesetzt werden durften.

Ich verließ die Burg durch das große Tor und blieb hinter der Brücke stehen. Mit geschlossenen Augen, dachte ich an meinen Lieblingsplatz und entschwand sogleich, als würde ich mich in Rauch auflösen.

„Pentris komm gefälligst her, das ganze Gelände steht noch vor Dreck, wo treibst du dich nur herum und vernachlässigst deine Arbeit,“ meinte der Gutsbesitzer und schlug ihn, ohne auf eine Antwort zuwarten, mit der Peitsche. Pentris war ein Sohn des Feindes. Im Straflager geboren und später im arbeitsfähigen Alter verkauft.

„Wenn ich dir schon zu schaue, könnte muss ich schon an mir halten, wenn einer kommt und will dich, werde ich dich verkaufen,“ kam es von Gregtori, dessen Name Pentris noch nie ausgesprochen hatte.

Pentris nahm die Schaufel und fing an den Weg von Blättern zu befreien. Aus seinen tiefblauen Augen rannen Tränen. Musste er bis an sein Lebensende so weiterleben, was kann er für seine Herkunft? Tottraurig verrichtete er seine Arbeit so gut er konnte.

Ich lief am Ufer des Sees entlang und genoss die frische Morgenluft. Hier konnte ich so sein wie ich wollte, hier war meine Kraft am Größten. Ohne jegliche Anstrengung, vermochte ich nur mit meinen Gedanken, Dinge in Bewegung zu versetzen oder sie auch starr in der Luft stehen zu lassen.

Doch auch hier störte mich plötzlich etwas. Jemandes Anwesenheit störte mich beträchtlich. Besser gesagt, dessen negative Gefühlswelt, die sehr ausgeprägt war. Leid, Entbehrung und Sehnsucht.

Ich lies meine Blicke über die Umgebung wandern. Auf einem Stein entdeckte ich einen jungen Mann, der ungefähr in meinem Alter sein musste.

Ich schritt fast schleichend zu ihm hin, was bewirkte, dass dieser zu Tode geängstigt, erschrocken von Stein fiel.

„Es tut mir leid das ich dich so erschreckt habe,“ sagte ich zu ihm.

„Nicht schlimm, ich habe hier gar nichts verloren, dürfte eigentlich nicht hier sein. Entschuldigt wenn ich euch gestört habe,“ gab dieser zu verstehen. Er hatte das kleine Kreuz, dass an meinem Hals an einer Kette hing bemerkt, es war einer der Zeichen, das ich zum Orden gehörte und ein Meister war.

„Du hast mich nicht gestört,“ log ich, um das Vertrauen des Jungen zu erschleichen.

„Ich werde jetzt aber gehen, und euch alleine lassen,“ sagte Pentris, verbeugte sich und wollte den Rückzug antreten.

„Nein bleib noch,“ sprach ich in einem fast schon befehlenden Ton.

Pentris blieb augenblicklich stehen, und schaute mir in die Augen, und erschrak über die Kälte die von ihnen aus ging.

„Du bist nicht von hier, ich meine nicht von Harkess, oder?“ fragte ich.

„Nein ich stamme von Tramkosta, besser gesagt meine Eltern, ich bin hier geboren worden. Ich gehöre dem Guteigner dort hinter dem Hügel.“

„Ach Gregtori ist dein Herr?“

„Ja,“ antwortete Pentris und ein Schatten überzog sein Gesicht.

Ich bemerkte, wie die Gedanken um Pentris, sich wieder verfinsterten.

„Wie ist dein Name?“

„Pentris, euer Meister.“

„Und wie alt?“

„Neunzehn, glaube ich.“

„Du glaubst? Du weißt es gar nicht?“

„Nein Meister, ich hörte diese zahl rein zufällig bei einem Gespräch meines Herrn.“

„Und wie lange bist du schon in seinen Diensten?“

„Er hat mich mit fünf Jahren gekauft.“

Ich zog die Augenbraue hoch, ließ aber sonst keine weitere Gefühlsregung zu. Ich spürte etwas, was mir fremd war, irgendwie schön, aber was mir doch Angst bereitete.

„Ich muss jetzt gehen, es war nett dich kennen zu lernen.“

„Ganz auf meiner Seite, Meister …..,“ begann Pentris und stockte.

„Dirian. Meister Dirian.“

„Danke,“ sagte Pentris verbeugte sich noch vor mir, und war sofort verschwunden.

Der Gedanke des Gefühles kam zurück, und ich wusste nicht wie ich damit umgehen sollte. Es war etwas neues, aber nicht unangenehmes.

„Das wird dir dein Herz sagen.“

Das hatte Meister Vondix gesagt, meinte er das damit, was ich jetzt tief in mir fühlte, diese Verbundenheit zu diesem Jungen. Ich war verwirrt und schloss die Augen, um sie wieder zuöffnen, als ich an der alten Schule vor den Toren eintraf.

Ich trat ein und machte sich auf den Weg in mein Zimmer. …. eine Bindung eingehen…. Was meinte Meister Vondix, sollte ich mich diesem Jungen annehmen. Es war Tradition, dass wenn ein Schüler die alte Schule verlies, sich einen Art Diener suchte, den man dann ein wenig dahin geleiten konnte eine Ausbildung auf der Schule zu machen.

Nur das normalerweise diese Jungen oder Mädchen von Meister Vondix persönlich ausgesucht werden.

Ich legte seinen Umhang auf meinem Bett ab und trat ans offene Fenster. Der Wind spielte mit meinem langen blonden Haar. Ruckartig drehte ich mich um, und verließ das Zimmer. Meinen Gefühlen, meinem Verstand solle ich folgen.

Ich durchquerte das halbe Gebäude, bis ich mich vor den Gemächern von Meister Vondix befand. Ich klopfte an und die Tür, die sich wie von Zauberhand öffnete.

„Dirian. Ich habe damit gerechnet, dass du mich aufsuchst,“ kam es von Vondix, der in einem alten Sessel vor dem Kamin saß, „setz dich zu mir.“

Ich verschloss die Tür und setzte mich Vondix gegenüber.

„Meister Vondix, ich weiß zwar, dass ihr entscheidet, wen ich mitnehme, wenn ich diesen Ort verlasse, aber trotzdem meine Bitte, kann ich jemanden vorschlagen?“

Ich wollte sofort zur Sache kommen.

„Lieber Dirian, dass entspricht dir. Und ich werde mich hüten, mich deines Vorschlages zu widersetzten.“

Ich sah im mit einem verständnislosen Blick an.

„Das du dich für Pentris entschieden hast, lässt mich hoffen, dass dein Herz dir noch mehr Entscheidungen abnimmt.“

„Aber er ist doch ein Tramkoster.“

„Dirian, früher waren wir ein Volk. Im hohen Rat saßen sieben Regenten von sieben Monden, erst die Kriege haben uns zu das gemacht was wir heute sind. Ich werde einen Boten zu Gregtori schicken und Pentris auslösen lassen.“

„Danke Meister.“

Ich stand auf und verbeugte mich kurz, verließ das Zimmer und ging zurück in mein Eigenes. Ob es wirklich richtig war, so entschlossen aufzutreten. Ich bekam Zweifel.

Ich saß an meinem großen Tisch, als es an Tür klopfte.

„Kommt herein,“ sagte ich leise.

Die schwere Tür ging auf und Gambrini trat ein.

„Herr hier ist der junge Mann, den ich zu euch bringen soll.“

„Dann las ihn eintreten Gambrini.“

Gambrini verließ das Zimmer und kam mit Pentris wieder ins Zimmer. Er verbeugte sich und verschloss die Tür von außen.

„Meister Dirian, könnt ihr mir erklären, was hier geschieht?“

Pentris stand in denselben Kleidern da, wie er mich am See verlassen hatte. Ich stand auf und ging auf den Jungen zu.

„Es ist Tradition, das wenn ein Meister die Schule hier verlässt, sich einen Schüler aussucht, und meine Wahl fiel auf dich.“

„Also kein Sklave mehr?“, fragte er mit einer kaum vernehmbaren, unsicheren Stimme.

„Nein Pentris, deine Tage als Sklave sind vorbei.“

Pentris ging vor mir auf die Knie.

„Danke Herr, wie kann ich euch das jemals danken?“

„In dem du jetzt aufsteht und so was nie wieder machst.“

Ich war peinlich berührt, weil ich es nicht gewohnt war, solche Ehrerweisungen zu bekommen.

„Wo werde ich schlafen?“ fragte Pentris leise.

„Hier bei mir, solange wir noch hier sind,“ gab ich zur Antwort.

„Bei euch her Herr, ist das wirklich euer Ernst?“

„Ja wo willst du sonst schlafen, du wirst jetzt Tag und Nacht um mich herum sein. Vorbei sind die Arbeit auf dem Gut, ich werde dich schreiben und lesen lehren und noch einiges anderes.“

Pentris sah mich mit großen Augen an.

„Warum ich Herr?“, erklang erneut seine scheue Stimme.

„Das wirst du wahrscheinlich mit der Zeit selbst herausfinden.“

Pentris nickte und legte sein kleines Päckchen auf den Tisch. Ich wandte mich wieder meinem Buch zu.

„Gambrini wird gleich wieder kommen und du hast dann die Möglichkeit dich neu einzukleiden, dich waschen kannst du dann hier.“

Pentris nickte wiederum, was ich nicht sehen konnte, weil ich so tat als wäre ich in mein Buch vertieft.

„Mach dich mit dem Gedanken vertraut, das wir eine Weile zusammen sein werden, alles teilen und gemeinsam machen.“

Ich versuchte diesem Satz keine große Betonung zu geben, was mir deutlich misslang. Bei den Worten ,zusammen´ und ,gemeinsam´ zuckte ich innerlich zusammen, weil ich es bisher gewohnt war, alles alleine zumachen.

Die Worte von Meister Vondix hallten in seinem Kopf. Sollte dieser Junge mehr werden als nur ein Reisegefährte? Mir fiel meine Mutter ein, und dass ich sie noch besuchen wollte, bevor ich meine große Reise antrat.

Es klopfte an der Tür.

„Gambrini tritt ein,“ sagte ich.

Die Tür öffnete sich und es war wirklich Gambrini. Pentris schaute mich mit großen Augen an.

„Aber woher wusstet ihr, dass es,….“ Gambrini stoppte Pentris mit einem Fingerzeig.

„Junger Herr ihr müsst lernen, zu wissen, wann ihr bei den Meistern zu schweigen habt,“ sagte Gambrini fast im Flüsterton..

„Ganz recht Gambrini, aber lasst Nachsicht walten bei unserem jungen Pentris, er ist doch gerade angekommen.“

Hatte ich das eben wirklich gesagt. Ich war erstaunt über mich selbst, und beobachteten die beiden, wie sie das Zimmer verließen. Also stand ich auf und lief zum Fenster. Was hatte der Junge an sich, was mein Inneres plötzlich so veränderte?

Ohne Probleme konnte ich eben durch die Tür schauen, und sehen wie Gambrini Pentris mit einer Handbewegung die Richtung wies. Meinte Vondix dass, mit meinen Fähigkeiten kräftigen und stärken?

Sollte dieser Junge eine Art Medium für mich sein? Ich war seit langen das erste Mal verwirrt. Mein Herz meldete sich und das war mir überhaupt nicht recht. Wer Gefühle zeigt und zulässt, wird verletzbar und das hatte ich bis jetzt immer abgewiegelt.

Aber ich spürte auch eine seltsame Wärme, die von meinem Innern ausging. Eine unbekannte, aber für mich angenehme Wärme. Ich starrte auf meine Hände und instinktiv öffnete ich sie. Ein kleines helles Licht erschien auf den Innenflächen, entwickelte sich zu einer Kugel.

Es klopfte. Das Licht verschwand und die Tür öffnete sich, Pentris trat herein. Ich drehte mich zum Fenster, weil ich Angst hatte, Pentris könnte meine Unsicherheit bemerken.

„Herr was soll ich jetzt tun?“ fragte dieser.

Ich versuchte mich zu sammeln und drehte mich hin zu Pentris.

„Zieh die alten Kleider aus, Gambrini wird sie nachher holen,“ meinte ich zu ihm.

Ich schritt zu einer kleinen Tür und öffnete sie.

“Hier kannst du dich waschen,“ meinte ich und drehte mich zu Pentris um.

Dieser stand nackt vor mir. Verschämt hielt er die Hände vor. Doch ich konnte die Erregtheit des Jungen erkennen. Die vielen roten Flecken in dessen Gesicht verrieten ihn. Langsam schritt ich auf ihn zu.

Pentris schaute ein wenig ängstlich, weil er nicht wusste was ihn erwartete. Das erstemal sah ich ihn jetzt nackt. Mir gefiel was ich da sah. Bis auf ein paar Schrammen vom arbeiten hatte Pentris einen makellosen Körper.

Sein wirres schwarzes Haar gab ihm etwas Freches. Seine tiefblauen Augen hatten etwas Geheimnisvolles und ich merkte wie ich mich darin verlor. Es war als wanderte ich einen tiefen Gang hinunter.

Ich sah mich und Pentris beieinander stehen auf einer Wiese. Fest aneinander geklammert und uns küssend. Ich schrak aus dem Gedanken.

„Geh, dich nun waschen, ich möchte dich Meister Vondix vorstellen.“

Was passierte mit mir, was für ein Licht war das vorhin, und nun das eben, was hatte ich da gesehen?

„…..du musst deinem Herzen folgen, das dir Verwirrung und Verzweiflung bringen wird. Aber mit deiner richtigen Entscheidung, wirst du deine Kräfte stärken können, in eine Dimension eintreten…“

Dieser Gedanke machte mir Angst. Irgendetwas veränderte sich an mir. Pentris lief an mir vorbei und verschwand hinter der kleinen Tür, die er aber nicht verschloss.

„Dirian, du darfst dich dagegen nicht wehren!“

Ich hörte die Stimme in mir, es war Meister Vondix.

„Du erkennst deine Kräfte die in dir schlummern, lass sie frei…“

Ich wusste nicht was ich machen sollte.

„Aber Meister Vondix, was geschieht mit mir?“

Diese Frage hatte ich nicht laut ausgesprochen.

„Du kommst in eine andere Bewusstseinsebene, lieber Dirian, aber davor brauchst du dich weder zu fürchten noch zu wehren, lass es einfach geschehen.“

„Ich höre euch in meinen Gedanken und kann mit euch reden.“

„Das gehört alles dazu, entdecke deine Kräfte neu. Und Dirian, habe keine scheu vor dem jungen Pentris, er wird dir dabei helfen.“

„Pentris mir helfen? Wie soll er mir schon helfen können?“

„Mit seiner Liebe zu dir.“

Vondix hatte es ausgesprochen, was ich versuchte zu unterdrücken. Ich spürte die Liebe, die zwischen uns beiden entstand.

„Dirian wehre dich nicht dagegen, weil dies in dir die Verwirrungen und alle Fragen aufwirft. Lass es langsam angehen. Ich erwarte dich mit Pentris nachher in meinen Räumen.“

„Ich werde da sein.“

Ich trat zu Tür und beobachtete das Muskelspiel von Pentris. Eine seltsame Aura umgab ihn und ich musste es unterbinden noch weiter in den Raum einzutreten.

„Oh Herr ich hatte euch nicht bemerkt,“ kam es von Pentris, der über mein Erscheinen an der Tür überrascht war.

„Pentris, wenn wir alleine sind, lasse das „Herr“ oder „Meister“ weg, sage einfach Dirian bitte.

„Wenn ihr es so wünscht, Mei.. Dirian.“

Ich nickte.

Gelassen stieg Pentris aus dem Waschbehälter und trocknete sich ab. Er bemerkte meine Blicke, die über seinen Körper wanderten.

„Dirian, darf ich euch noch etwas sagen, bevor wir zum ehrwürdigen Meister gehen? Ich hoffe ihr seid danach nicht erbost, aber ich möchte offen und ehrlich zu euch sein.“

„Natürlich Pentris, Ehrlichkeit ist das wichtigste untereinander und Offenheit auch, ich werde drüben auf euch warten.“

Nach einer Weile kam Pentris frisch gekleidet aus dem kleinen Raum. Er trug fast dieselben Kleidungstücke wie ich, die ebenfalls mit dem Flies versehen waren, wie es auf meiner Kleidung hing. Das Flies zeigte eine Sonne und ein Schwert.

Ich schaute wieder zum Fenster hinaus, als Pentris zu sprechen begann.

„Dirian, wie gesagt möchte ich ehrlich zu euch sein. Schon als ich euch das erstemal sah, am See, spürte ich eine Kraft von euch ausgehen, die mich faszinierte. Ich weiß nicht warum, aber ich glaube ich habe ich mich in euch verliebt“, erklang seine sanfte Stimme ein wenig verschüchtert.

Ich nickte langsam.

„Ich weiß Pentris, ich spüre diese Liebe die von dir ausgeht.“

„Und ihr seid nicht böse deswegen?“, seine Stimme klang unsicher.

„Nein Pentris. Im Gegenteil. Du hast etwas in mir freigelegt, das lange verschüttet war“, sprach ich leise.

„Verschüttet?“, kam von ihm ganz erstaunt.

Ich wandte mich zu Pentris, meine Augen blickten ins seine klaren und scheuen Augen.

„Pentris, ich gelte hier als Einzelgänger. Als kalt und gefühllos, aller Gefühle erhaben. Doch deine Liebe, die du mir schenkst, und das erst seit kurzen, erweckt in mir etwas Neues. Lässt neue Dinge in mir erscheinen, die mir zwar völlig unbekannt sind, aber dennoch nützlich.“

„Kann ich…. kann ich von.., ach ich weiß nicht wie ich mich ausdrücken soll.“

Ich lief auf Pentris zu legte sanft seine Hand auf Pentris Wange, welche sie sanft und warm anfüllten.

„Lass mir bitte Zeit Pentris, dies ist alles sehr neu für mich.“

Pentris nickte und schmiegte seine Wange in meiner Hand.

Wenig später waren wir auf dem Weg zu Vondix Gemächern. Pentris lief ein paar Schritte hinter mir. Er beobachtete mich, meine Haltung, meine Gangart, einfach alles an mir schien irgendwie erhaben für ihn zu sein. Ich blieb vor einer Tür stehen und klopfte.

Die Tür ging wie von Zauberhand selber auf, aber Pentris hatte aufgehört sich zu wundern, seit er hier auf der alten Schule war. Pentris trat hinter mir ein und als Vondix vor uns trat, verneigte er sich ebenso wie ich.

Er lauschte den Worten die Vondix an mich richtete, zog jedes Wort auf, die mit seinem neugewonnen Freund zu tun hatten.

„Ich wusste, dass auch du diesen Gefühlen nicht entgehen kannst, lieber Dirian.“

„Meister Vondix, das Licht…,“ ich brach seinen Satz ab.

„Ich habe gespürt wie groß deine Kraft ist, und merke mittlerweile, dass sie meine um vieles überragt. Aber ich sage dir eins, wende sie bewusst an, trainiere sie, denn eines Tages wirst du sie brauchen um eure Liebe zu retten.“

„Ihr wisst?“

„Dirian, ich habe es schon vorher gewusst, sonst hätte ich dir Pentris als Begleiter nicht zugelassen, aber ich weiß welches Potential in dem Jungen steckt, er verfügt über Kräfte, über die er sich jetzt noch nicht im Klaren ist.“

„Und wie soll ich ihm die zeigen, ehrwürdiger Meister?“

„Deine Kraft wird von alleine jeden Tag stärker und du wirst mit deinem inneren Augen sehen, was zu tun ist.“

Vondix wandte sich zu Pentris und legte seine Hand auf dessen Schulter.

„Hütte deinen Freund, wie einen Schatz, er ist das höchste, was du je besitzen wirst. Kein Reichtum kannst du gegen ihn aufwiegen.“

Pentris nickte, doch er verstand die Worte nicht recht. Vondix lief langsam zu seinem Tisch hinüber und nahm dort ein kleines Kästchen in die Hand. Heraus zog er zwei Medallione. Er streifte jedem von uns eins über dem Kopf.

„Sie zeigen eure Verbundenheit, sie bewahren eure Herzen vor Trug, sie werden euch immer wieder zusammen führen, denn sie sind eins. Im Verbund werden sie euch nützlich sein, auf eurem Weg des Lichts.“

Ich verneigte mich tief, denn Vondix setzte sich wieder in seinen großen Sessel. Pentris machte es mir gleich und verließ mit mir zusammen, das Zimmer.

„Bevor wir unsere Sachen für die Reise richten, möchte ich dir noch jemanden vorstellen,“ sagte ich zu meinem neuen Freund und Begleiter.

Pentris folgte mir hinaus ins Freie, vor der alten Schule.

„Gib mir deine Hand und schließe die Augen, übergib mir dein Vertrauen vollkommen,“ sagte ich und streckte Pentris meine offene Hand hin.

Dieser griff ohne scheu zu und schloss die Augen. Als er im nächsten Augenblick sie öffnete, befand er sich in Harkess größter Stadt. Groslac.

So viele Lebensformen verschiedener Herkunft hatte er noch nie gesehen.

„Folge mir einfach und bleibe bitte nicht stehen, unsere Zeit ist knapp bemessen,“ sagte ich, und setzte mich sogleich in Bewegung.

„So machst du das also Dirian, ich habe mich schon gewundert, wie du immer so schnell am See erschienen bist.“

„Immer?“, fragte ich, und mir gelang es etwas meine Überraschung und Verwunderung zu verbergen.

„Entschuldige, ich habe dich schon oft am seh gesehen, auch wenn du gebadet hast“, gab er etwas kleinlaut zu.

„Und ich habe deine Anwesenheit nicht gespürt“, leise mehr zu mir selbst

Ich blieb stehen und wandte mich zu Pentris.

„Du hast mich also beim Baden beobachtet?“

„Ja habe ich, ich träumte immer davon einmal in diesen starken Armen zu liegen, diesen Körper an meinem zu spüren“, gestand er mir unsicher zu Boden blickend.

„Ich schätze deine Ehrlichkeit junger Freund,“ meinte ich und setzte meinen Weg fort.

„Du hast einen schönen Körper,“ flüsterte Pentris.

Ich war Komplimente nicht gewohnt, so hielt ich für angebracht, mit einem kurzen Danke zu antworten. Ich blieb vor einem alten Verschlag stehen und klopfte an der Tür. Die Tür wurde von einer jungen Frau geöffnet.

Für Pentris auf den ersten Blick eine junge Frau, bei näherem Hinsehen, sah er, dass die Frau doch schon älter war. Und er wusste wo er mit Dirian hingegangen war. Die Ähnlichkeit zwischen ihr und Dirian war unverkennbar, es musste sich um seine Mutter handeln.

Das gleiche blonde Haar und die gleichen tiefblauen Augen wie Dirian.

„Junge , warum hast du nicht gesagt, dass du zu Besuch kommst und jemand mitbringst.“

Ich umarmte meine Mutter, die ein wenig verstört, darauf Pentris anschaute.

„Das ist Pentris, mein Weggefährte, er wird mich auf meiner großen Reise begleiten,“ sagte ich.

Meine Mutter machte eine kleine Verbeugung und reichte Pentris die Hand. Ihm war das unangenehm, dass sich eine ältere Frau vor ihm verbeugte. Ich bemerkte wie nahe ihm das ging.

„Das braucht dir nicht unangenehm zu sein Pentris, du hast die Kleidung der alten Schule an, und vor der verbeugt sich jeder.“

Annalena zog Pentris in den Verschlag und ich folgte den beiden. Drinnen schien es, man wäre in einer anderen Welt. Alles feinsäuberlich aufgeräumt. Ich wies Pentris einen Stuhl und er setzte sich.

„Und wo schickt euch der ehrwürdiger Meister hin?“ fragte Annalena.

„Auf Zykronis, als Botschafter des Friedens,“ antwortete ich ruhig.

„Dann werden wir uns eine Zeit lang nicht sehen.“

Ich schüttelte den Kopf. Pentris war von meiner Mutter fasziniert. Für ihn schien es ihr nichts auszumachen, dass sie mich ihren Sohn eine Weile nicht sah, aber Pentris kannte ja auch die familiären Hintergründe nicht.

Annalena ging zu einer Lade und öffnete sie.

„Das habe ich die ganzen Jahre aufgehoben, es ist von deinem Vater Dirian.“

Ich schaute auf, zum erstenmal sah Pentris eine Gefühlsregung in meinem Gesicht. Meine Augen waren feucht. Annalena trat zurück an den Tisch und legte einen Ring vor meinen Platz.

„Das ist der Ring deines Vaters. Ich weiß nicht, zu was er alles fähig ist, aber er wird dich geleiten und beschützen.“

Pentris entdeckte die feine Gravur auf dem Ring, die Sonne und das Schwert, genauso wie es auf seinem Flies abgebildet war. Ich steckte den Ring an meinen Finger. Ein seltsames Leuchten ging von ihm aus.

„Und da dich Dirian, in unsere Familie aufgenommen hat, lieber Pentris, du trägst das Flies unserer Familie, habe ich für dich auch etwas.“

Erneut ging Annalena an die lade und holte ein kleines Amulett heraus.

„Es wird dir steht’s den Weg weisen, und dir bei Entscheidungen helfen.“

Wir drei unterhielten uns noch eine Weile, bevor Pentris und ich wieder aufbrachen. An der Tür nahm Annalena Pentris Hände.

„Pass auf ihn auf, und lass ihm Zeit, ich weiß das er dich liebt!“

Pentris war erstaunt, nichts hatten sie erwähnt, sich nichts anmerken lassen und doch wusste sie von der zarten Bande, die uns beide verband. Wir liefen den gleichen Weg zurück, wie wir gekommen waren. Es fiel kein Wort, zwischen uns beiden.

„Hast du alles eingepackt, was du brauchst?“ fragte ich.

„Ja habe ich, es ist nur wenig, aber ich habe es beisammen,“ antwortete Pentris.

Ich nahm Pentris Umhang und löste den Knoten der Kordel. Den Umhang zog ich ihm von den Schultern. Meine Hände glitten, dabei über Pentris zart geschnittenes Gesicht. Ich legte die Hand um den Nacken von Pentris und zog ihn zu mir.

Unsere Gesichter näherten sich und endeten in einen Kuss, der uns beide alles zu vergessen scheinen lies. Pentris schwebte im freien Raum und sah nur noch Sterne um sich. Die weichen Lippen von ihm öffneten sich und für kurze Zeit trafen sich unsere Zungen, bevor ich mich ganz von ihm trennte.

Pentris Hand fuhr langsam über mein Gewand. Er fuhr über meinen Oberkörper, als wolle er meine Muskeln erforschen, die mein Umhang verbarg. Er löste ebenso die Kordel von meinem Umhang, wie ich es vorher bei ihm tat. Er nahm ihn und legte ihn vorsichtig über den Stuhl.

Er löste die Schnallen und knöpfte die Bänder los. Mir rutschte das Gewand über meine Schultern, und Pentris hatte freie Sicht auf meinen nackten Oberkörper. Mit zitternden Händen zog er den Gürtel aus und das Gewand rutsche zu Boden. Nun stand ich völlig nackt vor ihm.

Ich konnte Pentris Gedanken genau lesen, für ihn glich ich einem überirdischen Wesen, eines Engels gleich. Pentris hatte in seiner Kindheit viel von ihnen in alten Geschichten gehört, so wie ich auch. Beide schwiegen wir immer noch, nur unser Atem war zu hören. Pentris bestaunte meine helle Haut, die ihm fast weiß schien.

Mit den blonden langen Haaren, und dem letzten Lichtstrahlen der drei hellen Sonnen, fing mein Körper an zu leuchten. Pentris trat an mich heran und ihre Lippen vereinigten sich wieder. Pentris merkte nicht, wie ich ihn ebenfalls langsam von seinem Gewand befreite.

Ich hob Pentris hoch, trug ihn zum Schlaflager und legte ihn sanft nieder auf die Decke und gesellte mich zu ihm. Nur mit meinen Fingerspitzen fuhr ich, meinem Begleiter über die Brust.

Pentris schloss die Augen, und genoss die Wärme die sich in seinem Körper ausbreitete. Meine Hand wanderte weiter nach unten, und Pentris entglitt in eine andere Welt.

Pentris wurde recht früh wach. Irgendetwas war anders als am Abend zuvor. Die Sonnen waren soeben erst aufgegangen und im Haus ruhte noch alles. Er hatte von Engeln geträumt, die mit ihren weit ausgebreiteten Flügeln vor ihm standen.

Ich ruhte mit meinem Kopf auf seiner Brust. Pentris streichelte sanft durch das Haar, das im Sonnenstrahl, eine goldene Farbe annahm. Ich wachte langsam auf und begann mich zu regen, fuhr mit meiner Hand über Pentris Bauch.

„Ich habe anscheinend doch nicht geträumt, du bist wirklich bei mir,“ hörte Pentris mich leise sagen.

„Ihr sagtest gestern, meine Tage als Sklave wären vorbei und trotzdem gehöre ich euch, mit jeder Faser meines Körpers,“ sagte Pentris, „weil ich euch liebe.“

„Ich liebe dich auch junger Pentris und doch ist es immer noch neu, obwohl ich genau wusste, was ich heute Nacht mit dir machte.“

„Ihr habt euch von eurem Herzen führen lassen.“

„Das du für mich geöffnet hast. Aber nicht nur das, du hast noch mehr zu Stande gebracht.“

„Und was?“

Ich richtete mich auf und ich spürte die Verwandlung die in meinem Körper vorging. Mein Körper nahm einen hellen Schein an, so hell das sich Pentris die Hand vor Augen halten musste.

„Du hast in mir das Licht erweckt und somit meine Gestalt gewählt;“ sagte ich.

„Welche Gestalt?“ fragte Pentris, der immer noch versuchte etwas zu erkennen.

„Öffne deine Augen, und du wirst es sehen.“

Pentris richtete sich auf. Die Helligkeit des Lichts veränderte sich nicht, trotzdem konnte Pentris genau sehen was ihm gegenüber stand. Seine Augen waren auf mich gerichtet und er glaubte nicht was er da sah.

Vor ihm stand ein Engel, mit großen weißen Flügeln.

Pentris saß immer noch regungslos auf dem Bett. Langsam wurde das Licht schwächer und die Flügel verschwanden.

„Was war das?“

„Das was ich durch dich geworden bin,“ sagte ich.

Ich zog mir ein Gewand über.

„Pentris, ziehe dir bitte etwas über, wir bekommen Besuch.“

Es klopft an der Tür. Ich hob meine Hand und die Tür öffnete sich wie von Geisterhand.

„Irgendwann wirst du die Hand nicht mehr brauchen, mein lieber Dirian, dann reicht die Macht deiner Gedanken alleine aus,“

„Meister Vondix,“ sagte ich und verneigte mich.

Pentris sprang auf und verneigte sich ebenso, nur mit einem schmalen Überhang verbarg er seine Blöse.

„Ich habe deine Kraft gespürt, sie ist mächtiger als ich gedacht habe. Du kannst jetzt über Leben und Tod entscheiden, wie du möchtest, aber wende es vernünftig an,“ sagte Vondix, „sonst kann es dir passieren, das sich die Macht gegen dich wendet.“

„Ihr wusstet von Anfang an über meine Bestimmung Bescheid?“ fragte ich.

„Ja natürlich, schon als deine Mutter dich damals zu mir brachte, habe ich es gleich gesehen, welche Kräfte in dir ruhen. Aber ich habe dich deswegen nicht bevorzugt, du hast deine Ausbildung genauso absolvieren müssen.“

Ich schaute sehr intensiv in Vondix` Augen. Mir war die blaue Farbe an ihm früher nicht so intensiv aufgefallen. Mein Blick blieb in Vondix` Augen haften, und ich sah mich als Engel in Ihnen.

„Warum die Engelsgestalt?“ fragte Pentris.

„Die Engelsgestalt ist das reinste Wesen, dass es im Universum gibt,“ antwortete Vondix, „sein Ruf ist von der Erde, als sie noch existierte, vorausgeeilt. Dieser Glaube an sie, hat alle Grenzen gesprengt, die es überall gibt. Noch niemand hat sie jemand gesehen, doch jeder redet mit Ehrfurcht von ihnen.“

Pentris nickte, aber war sich nicht sicher, ob er das jetzt verstanden hatte. Vondix ging auf mich zu, besser gesagt für Pentris schwebte er, und legte seine Hand auf meine Brust. Er schloss die Augen.

Wieder begann dieses seltsam Licht in den Vordergrund zu treten, und wieder verwandelte ich mich in einen Engel. Pentris traute seinen Augen nicht jetzt schien alles noch viel größer und mächtiger zu sein, als zuvor. Ich hatte jedoch meine unschuldigen Blicke verloren.

Tränen bahnten sich ihren Weg über meine Wangen.

„Passiert das alles wirklich?“ fragte ich, mit einer klaren Stimme, wie ich sie, bei mir noch nie wahrgenommen hatte.

„Vielleicht, du kannst es aber ändern, im Guten,“ antwortete Vondix.

„Ich weiß nicht, ob ich es ertragen kann, so viele Menschen sterben zu sehen, mit Schuld zu sein, an ihrem Tod.“

„Das bringt die Erfahrung mit sich. Du kannst Leben nehmen und du kannst Leben geben.“

Vondix nahm eine kleine Knospe aus seinem Umhang und reichte sie mir und lies sie in meine Handfläche fallen.

Die Knospe öffnete sich und eine wunderschöne Blume entstand aus ihr.

„Das habe ich gemeint, du kannst Leben bringen.“

„Auch Lebewesen?“

„Ja auch die, doch dabei musst du dich um deine Kräfte kümmern, Es ist leicht Leben zu schenken, aber noch viel leichter Leben zu nehmen. Du bist ein Engel der fühlt, versehen mit einer Liebe die reiner nicht sein kann, die Liebe unseres Pentris zu dir.“

„Meine Liebe zu Dirian bewirkt das?“ fragte Pentris.

„Ja deine Liebe macht Dirian stark, er schöpft seine Kraft aus dir.“

Pentris schaute mich fassungslos an.

„Ich sagte dir, mein Weggefährte, du hast diese Gestalt in deinem Traum gewählt, und so entstand ich. Und noch etwas wir sind eins in dieser Figur, du kannst sehen was ich sehe und wirst spüren was ich spüre. Du wirst genauso leiden wie ich das tue und meine Freude wird sich auch auf dich übertragen.“

Pentris lies den Kopf sinken.

„Ich weiß es, ich habe es immer irgendwie gewusst.“

Er hob seine Hand und berührte meinen Körper. Das Licht ging auf ihn über und es folgte ebenfalls eine Verwandlung wie an mir. Was mit Pentris geschah, konnte ich nicht genau ausmachen. Vondix trat ein paar Schritte zurück.

Das Licht, dass von Pentris ausging war nicht so hell gleißend wie mein Eigenes, seines wurde tief rot. Vondix hob die Hand und sagte irgendetwas Unverständliches. Pentris und ich wandelten uns in unsere Normalgestalt.

„Was ist Meister Vondix?“ fragte ich besorgt, denn so hatte ich ihn noch nicht gesehen.

„Folgt mir,“ kam es nur von ihm.

Pentris, warf sich sein Umhang über und wir beiden folgten Vondix. In diesen Teil der Schule war ich noch nie gekommen, weil er nur den Lehrern vorbehalten war. Durch eine schwere Holztür verschwand Vondix.

Er rief wir sollten ihm weiter folgen. Wir traten in eine Art Bibliothek. Voll bis unter die Decke mit Büchern. Vondix selber war vertieft ein Buch zu suchen und würde auch sehr schnell fündig. Er kam zu uns und öffnete es vor uns.

„Hört mir jetzt genau zu, denn ich werde es auch nur einmal aussprechen, danach müsst ihr es in euren Herzen verschließen, so wie ich es auch wieder verschließe!“

Wir nickten und traten zu ihm.

„In diesem Buch wird erzählt, dass es vor langer Zeit eine Urart gab, aus der alle Lebewesen dieses Universums abstammen. Beschrieben werden diese Wesen als Engel.“

Pentris und ich horchten auf und sahen uns an.

„Hier steht: sie waren in reiner Form, und die Form glich eines Engels mit Flügeln. Die zweite Art jedoch war Purpurrot ohne Flügel und waren aber ebenso mit den gleichen Kräften ausgestattet, wie die anderen ihrer Art.

Sie wandten sich den Welten zu und gründeten neue Existenten, jedes eine Andere um die Verschiedenheit hervorzuheben. Danach verschwanden sie und wurden nur noch selten gesehen. Aber irgendwann, wenn der Zeitpunkt gewählt, werden zwei Wesen in Menschengestalt geboren werden.

Sie vereint, bringt die reine Macht der Antrast zurück, sie werden alles verändern können durch ihre Liebe mit ihrem bloßen Gedanken.“

Vondix hörte auf zu lesen und mir wurde der Tragweite des Gelesenen bewusst.

„Ihr meint also Pentris und ich sind diese Genannten?“ fragte ich.

„Ich weiß es nicht, aber es spricht alles dafür, lieber Dirian. Mir aber Gewissheit zu schaffen, möchte ich schon. Weil, wenn es zu trifft, was dieser Text uns sagt, dann habt ihr andere Aufgaben.“

Pentris schaute zwischen uns her, ich merkte wie es in ihm arbeitete.

„Pentris, ich weiß, es ist alles schwer zu verstehen, aber du siehst was in uns vorgeht.“

„Dirian, es macht mir nichts aus, ich werde dir folgen, wo immer du auch hin gehst, ohne zu fragen. Mein Vertrauen ist jetzt schon unermesslich.“

Über Vondix Gesicht erschien ein leichtes Lächeln.

„Du hast deine Worte klug gewählt, junger Pentris, denn ohne dich wäre Dirian, nicht zu solcher Kraft fähig.“

Ich wunderte mich über mich selbst, denn mir war nicht bewusst, dass ich zu solcher Liebe fähig war.

„Wir werden jetzt einen letzten Test machen, und dann wird die Wahrheit ans Licht treten oder weiterhin, im Dunkeln verborgen bleiben,“ sagte Vondix und schloss das Buch.

Als ich meine Augen öffnete kam ich mir fremd vor, ich kannte diesen Ort nicht. Vondix hatte ihn ausgesucht um die letzte Prüfung vor zu nehmen. Vondix trat auf uns zu und legte uns beiden die Hand auf.

Ich spürte, wie wieder dieses warme Gefühl in mir aufstieg, und das Licht kam. Pentris selbst glühte tief rot und stand neben mir, während ich über den Boden schwebte. Vondix trat von uns zurück.

„Vereint eure Kräfte und schaut auf diesen Samen,“ sagte er.

Er legte diesen Samen auf den Boden und trat noch weiter zurück. Ich nahm Pentris in meine Arme und ich spürte wie Pentris Kraft in meine überging. Im Rausch der Gefühle, schauten wir gemeinsam auf dieses Samenkorn.

Ich sah und staunte, denn aus dem Samenkorn, wuchs in aller Schnelle ein Baum. Ich hob die Hand um ihn zu formen. Ich tat es einfach ohne zu wissen warum, es war einfach da.

„Ihr seht zu was ihr gemeinsam fähig seid,“ rief Vondix, „und nun das andere. Pentris schau auf den Baum und sammle deine Gedanken, schließe Dirian aber nicht aus.“

Pentris schaute mich kurz an und wandte seinen Kopf wieder zum Baum zurück. Wenig später, spürte ich ein Beben, das von Pentris Körper ausging. Ein roter Lichtstrahl trat aus ihm heraus und umhüllte den Baum.

Wenig später, war von diesem Baum nichts mehr zu sehen. Pentris glitt mir aus den Armen und sank leise auf den Boden zurück. Er hatte die Augen immer noch geschlossen.

Vondix trat wieder zu uns und beugte sich zu Pentris hinunter.

„Seine Kraft ist von unbeschreiblicher Größe, aber er muss damit umgehen lernen, denn er schwächt sich damit nur selbst, wenn er sie jetzt anwendet.“

Ich ließ mich herabsinken und nahm Pentris in meine Arme. Mit geschlossenen Augen spürte ich die Kraft, die von mir ausging, sie durchflutete Pentris und für kurze Zeit verschwand der rote Schein und wir wurden eins. Ein heller Lichtball umschloss uns und für einen Augenblick verschwand selbst Vondix.

Ich sah in die Ferne und es schien, dass ich weitere Lichtbälle sah. Mit einem male war alles vorbei und ich saß auf unserem Bett und hatte Pentris immer noch im Arm.

„Was habe ich gesehen?“ fragte ich Vondix, der dicht neben uns stand.

„Du hast in die Zukunft geschaut.“

„Es gibt andere, wie uns.“

„Das wird allein die Zukunft bringen, wir werden es in unserem Empfinden schon spüren.“

Wir hatten unser Quartier auf dem Schiff bezogen, es war sehr klein aber es genügte uns. Pentris hatte sich weitgehend erholt, doch mir war bewusst, dass er diese Kraft nicht all zu oft anwenden durfte.

„Dirian, wo kann ich die Sachen hinlegen, in diesem Fach ist kein Platz mehr.“

„Lege es da oben hin, ich bin sicher, dort wird es uns nicht stören.“

Pentris verstaute die restlichen Sachen unserer Habe und gesellte sich zu mir. Er legte den Arm um mich und schaute mir in die Augen.

„Dirian, ich wollte dir noch einmal danken, dass du mir diese Möglichkeit gegeben hast.“

„Pentris, ich denke es war vorbestimmt für uns beide, und es wird wohl so sein, wie es sein wird.“

Sanft hauchte Pentris mir einen Kuss auf die Wange. Liebevoll schaute ich ihn an. Am Knacken der Wände spürte ich das sich das Raumschiff in Bewegung setzte. Ich stand auf und zog Pentris ins Bett.

Ich löste seinen Umhang von ihm und befreite ihn auch von den restlichen Kleidern. Sanft drückte ich ihn auf Bett und begann ihn zu küssen. Ich ließ nichts aus, am Gesicht begonnen, wanderte ich langsam abwärts über seine Brust und Bauch.

Pentris stöhnte lustvoll auf und ich spürte wie er sich an meiner Kleidung zuschaffen machte.

„…. die letzte Vereinigung, werden eure letzten Kräfte freilegen, die ungeahnt in euch schlummern..“

Durch den engen Kontakt mit Pentris, hatte er wohl diese innere Stimme vernommen, denn seine Augen fingen an rot zu funkeln. Ich sah ihn fragend an und er nickte.

„Ich habe so etwas aber noch nie getan,“ meinte ich leise zu ihm.

„Du wirst es schon richtig machen, wenn du dich von deinem Herz leiten lässt.“

„Und die Schmerzen, die ich dir zufügen könnte.“

„Werde ich ertragen, weil sie mir das höchste Lustgefühl geben, das du mir schenken kannst.“

Langsam drang ich in ihn ein und spürte von seiner Seite keine Gegenwehr. Er ergab sich mir völlig. Sein schmerzverzehrtes Gesicht verschwand und ich hörte seine leisen Stöhnlaute an mein Ohr dringen.

In mir sammelte sich die ganze Kraft in der Lendengegend und plötzlich schien es mir, Pentris und ich schwebten im freien Raum. Um uns herum nur der weite Raum. Je mehr ich zu meinem Ende hinsteuerte, umso heller wurde die Lichtfülle die von uns ausging.

Mit einem lauten Schrei entlud ich mich in Pentris und spürte, dass es ihm ebenso gekommen war. Schwer atmend lag ich auf Pentris und sah wie ihm Tränen die Wangen herunter liefen.

„Warum weinst du, mein Freund?“ fragte ich.

„Weil ich glücklich bin, du hast mir etwas geschenkt, das ich nie für möglich gehalten hatte.“

Pentris hatte sich verändert. Seine Kindlichkeit hatte er verloren, dass man ebenso an seinem Äußerem sehen konnte. Angezogen von seiner Männlichkeit blieb ich noch auf ihm liegen, spürte seinen Herzschlag, der mir, wie es schien, eins mit meinem zu sein.

Eng aneinanderliegend schliefen wir beide ein. Erst spät wurde ich von den Geräuschen auf dem Schiff geweckt. Ein Lichtsturm hatte das Schiff ergriffen und es wurde ordentlich durchgeschüttelt. Pentris schlief tief und fest.

Ich zog mich leise an und verließ unser Quartier. Auf dem Gleiter herrschte Hektik, denn deutlich nahm ich die Angst der Crew wahr und hörte auch einige Gesprächstücke, die irgendwo im Schiff stattfanden.

Das Steigern meiner Kraft verursachte ein Unbehagen, dass sie wie ein schwarzer Schleier um mein Denken hüllte. Verwundert über die neu gewonnene Erkenntnis, machte ich mich zur Brücke auf. Auf dem großen Monitor, sah ich den Grund, der Verwirrung, denn es schien sich nicht um einen normalen Lichtsturm zu handeln.

„Ich weiß nicht was diesen Planeten zerstört hat, aber es geht nach wie vor, eine starke Druckwelle von ihm aus,“ hörte ich einen jungen Mann auf einer Konsole sagen,“ ich weiß nicht wie lange unsere Schilde halten werden.“

Ich sah die Gesteintrümmer, die auf das Schiff zuflogen und kärglich versucht wurden, mit den Schiffseigenen Geschützen, zerstört zu werden. Ich stellte mich in die Mitte des Führerstandes und erhob meine Hand.

Ein feiner Lichtstrahl, der von mir ausging, ließ den Mann an der Verteidigung ruckartig zurück schrecken. Wie ein Schutzfeld wurde das Schiff von meiner Kraft umschlossen, an der jeder noch so große Gegenstand abprahlte.

Ehrfürchtig schaute mich die Besatzung der Brücke an. Die Geschwindigkeit des Schiffes erhöhte sich fast unmerklich. Ohne Schwierigkeiten durchflogen wir das Trümmerfeld und wurden auch von keiner fremden Energiewelle erfasst.

In mir drin spürte ich aber doch etwas Neues. Ich sog förmlich die Energie in mich auf, die vom zerstörten Planeten ausging. Und plötzlich waren sie da, die Bilder. Ich sah Lebewesen, die verzweifelt um ihr Leben kämpften.

Die ganze Tragödie der Vernichtung spielte sich vor meinem inneren Auge ab. Ich ließ mich erschöpft auf einen Sitz fallen und die Schutzhülle um das Schiff löste sich auf. Vor mich stellte sich ein Mann etwas älter als ich selber war.

Er starrte mich wortlos an.

„Ihr müsst verzeihen, wenn ich mich eingemischt habe, aber ich dachte ihr könntet ein wenig Hilfe gebrauchen,“ sagte ich immer noch erschöpft.

„Dafür bedanke ich mich auch,“ sagte der Kapitän, „ich habe ja schon viel erlebt, und auch schon von den Kräften der ehrwürdigen Meister gehört, aber das hier war mir neu.“

Ich erhob mich und richtete meinen Umhang, als Pentris die Brücke betrat. Ich sah an seinen Augen, dass er geweint haben musste. Ich schaute ihn fragend an.

„Ich habe gesehen, was du gesehen hast, ich sah wie sie grauenvoll starben, ich spürte, wie ihnen jede Lebensenergie entzogen wurde,“ sagte Pentris.

Der Kapitän schaute uns fragend an.

„Der Planet wurde von einer unbekannten Macht zerstört, für mich unbekannt, aber mit solch einer Kraft, dass ich ihre Anwesendheit jetzt noch spüre,“ versuchte ich es dem Kapitän bei zu bringen, „es ist das reine Hassgefühl, das ich noch spüre, darauf aus alles zu töten, was sich ihnen in den Weg stellt.“

Irgendwie war es da, plötzlich und unerwartet. Das Gefühl der Gefahr breitet sich in mir aus. Ich erhob erneut die Hand und diesmal legte sich sofort, ein Schutzschirm um unser Schiff. Helle Blitze sah man an ihrer Außenhülle.

„Sie sind noch hier und greifen an,“ sagte ich kurz, was die Mannschaft dazu veranlasste an ihre Plätze zurück zugehen.

Ich spürte, dass dies hier noch mehr Kraft von mir forderte und spürte dass ich mich begann zu verwandeln. Geblendet von meiner Lichtfülle entfalteten sich meine Flügel. Bleich schaute mich der Kapitän an, aber begriff die Lage, in der wir uns befanden.

Ein kleiner Blick zu Pentris und ich merkte er hatte sich ebenfalls gewandelt, sein Rot schien noch intensiver zu sein, als das letzte Mal. Er stellte sich neben den Kapitän und schloss seine Augen. Von der Schiffspitze ging ein roter Strahl aus und durchdrang meine Lichthülle, die das Schiff umgab.

Er suchte seinen Weg und traf. Eine riesige Explosion folgte und dann war da die große Stille. Niemand im Raum sagte etwas. Pentris sank in die Knie und der rote Schein verschwand. Ich blieb in meiner Engelgestalt.

Noch immer sagte keiner ein Wort, bis ein Licht an einer Konsole zu blinken begann.

„Wir werden gerufen,“ sagte die junge Frau, die davor saß.

„Bauen sie die Verbindung auf,“ sagte der Kapitän und ließ sich in seinen Sitz gleiten.

Auf dem Schirm erschien Vondix, was mich nicht sehr wunderte.

„Wie ich sehe, lieber Dirian, bist du noch immer voll in Aktion,“ sagte er.

Ich schwebte immer noch ein wenig über dem Boden, doch ich spürte wie meine alte Gestalt zurückkehrte.

„Ja Meister Vondix.“

„Wir haben hier eine starke Erschütterung unserer Macht gespürt, was ist geschehen?“

Mich wunderte, dass Vondix von dem eben passierten nichts sehen konnte, oder vorher gewusst hat. Ich sandte ihm die Bilder, die sich in meinem Gedächnis eingebrannt hatten. An seinem Gesicht nahm ich wahr, wie sehr ihn das aus der Fassung brachte.

Er ließ sich in seinen Sessel fallen, sein Gesicht wurde grau.

„Ehrwürdiger Meister, ich verstehe nicht, warum ihr das nicht sehen konntet,“ sagte ich.

„Diese dunkle Macht versteht es unsere Gedanken zu verschleiern.“

„Und warum spüre ich dann ihre Gegenwart?“

Vondix schaute mich an.

„Ein weiterer Beweiß, das du ein Nachfahre der Antrasts bist,“ war das einzigste was Vondix von sich gab.

Der Kapitän schaute mich an.

„Der Antrasts?“ fragte er, „ich dachte, dass wäre nur eine Legende.“

Er schien sich wohl auch in den Mythen auszukennen.

„Nein, ist es nicht, Klaren von Nontscha,“ sagte Vondix.

„Ihr kennt mich?“ fragte Klaren und wandte sich erstaunt zu Vondix.

„Euer Ruf eilt euch voraus, niemand der so ehrvoll sein Schiff und seine Crew führen kann wie ihr.“

Klaren wurde ein wenig verlegen.

„Meister?“ sagte ich um das Thema zu wechseln, „was können wir tun?“

„Tun könnt nur ihr zwei etwas, Dirian. Du und Pentris, seid die einzigsten, die uns vor dieser Gefahr retten könnt. Wir können nur zur Seite stehen, aber eine wirkliche Hilfe sind wir nicht. Ihr müsst dem Übel selbst auf den Grund gehen.“

„Dann werden wir uns auf den Weg machen,“ sagte Pentris leise, der immer noch kniend am Boden war.

Der Kapitän stand auf und kniete sich vor mich hin.

„Ich spreche sicher für meine Mannschaft, wenn ich jetzt unsere Dienste anbiete, Meister Dirian.“

„Steht auf Klaren von Nontscha, ihr müsst nicht vor mir knien.“

Vondix verabschiedete sich und der Schirm zeigte die Sterne wieder.

„Dirian..“ Pentris lag immer noch erschöpft in seinem Lager.

Ich setzte mich zu ihm.

„Was ist mein Pentris?“

„Wie du das >mein< betonst.. ich bin einfach nur glücklich bei dir sein zu dürfen.“

„Und ich bin glücklich, dich an meiner Seite zu haben.“

„Warst du früher wirklich so eiskalt?“

„Ja war ich.“

„Warum? Ich kann mir nicht vorstellen, das du mal anderst warst.“

„Ich war aber so, Hauptsache nie Gefühle zeigen und keine zulassen.“

„Was ist so schlimm daran Gefühle zu zulassen?“

Ich setzte mich zu Pentris ins Bett und nahm ihn in dem Arm. Seine Finger spielten mit den meinen.

„Wenn du nichts von dir Preis gibst, bist du unangreifbar, keiner kann dir was anhaben.“

„Du verletzt dich doch aber damit selber.“

„Solche Gefühle habe ich auch nie zugelassen, ich war nur auf meine Schule ausgerichtet.“

„Du hattest nie Freunde?“

„Nein.“

„Ich hätte gerne welche gehabt, aber wer wollte schon etwas mit einem Sklaven zu tun haben.“

„Das ist ja jetzt vorbei, ein Lebensabschnitt, den du beruhigt vergessen kannst.“

„Nein vergessen möchte ich es nicht, denn es hat aus mir das gemacht, was ich heute bin.“

„Und du hast aus mir das gemacht was ich jetzt bin.“

„Ich bin froh darüber, den ich denke irgendwann wärst du daran zerbrochen, ohne Gefühle zu leben.“

„Du magst wohl recht haben, aber ich kann es dir nicht sagen, denn ich war es nicht anderst gewohnt, ich habe es nicht anders gekannt.“

„Meinst du den Weg, den wir jetzt eingeschlagen haben, ist richtig?“ fragte Pentris und wandte seinen Kopf zu mir.

Ich schaute in seine Augen und verlor mich darin. Mir wurde ein wenig schwindlig, doch bald klarte das Bild vor mir auf. Ich kniete auf dem Boden auf einer Wiese. Ich hatte Pentris im Arm. Ich erschrak, denn er blutete aus dem Mund und war Tod.

„Dirian, was ist los, deine Augen haben eine andere Farbe angenommen.“

Ich schrak aus dem eben gesehenen heraus, und schaute Pentris an.

„Was hast du gesehen?“

Pentris war klug, er wusste sofort, dass ich eine Vision hatte. Mir stiegen Tränen in die Augen.

„Sterbe ich?“

Ich drückte ihn an mich und fing an zu weinen.

„Dirian, bleibe ruhig, du hast zwar die Zukunft gesehen, aber nur einer der vielen Möglichkeiten, die auf uns zu kommen, es gibt zu viele Dinge, die noch eine Rolle spielen werden, zwischen uns.“

Ich schaute ihn im Nebel meiner Tränen an.

„Es mag sein, das deine Visionen genau sind, aber schon morgen kann sie sich geändert haben.“

Er drückte mich fest an sich und strich mir über den Kopf.

„Wie soll es jetzt weitergehen, ich meine, wissen wir, wohin wir müssen?“

Wir saßen zusammen mit dem Kapitän und nahmen gemeinsam unser Mahl ein.

„Ich werde wohl meiner Kraft vertrauen müssen, denn ich weiß selber nicht, wo und wonach wir suchen müssen,“ sagte ich.

„Du hast doch die Macht der anderen Seite zu spüren bekommen, so wie ich auch,“ fing Pentris an zu sprechen, „wenn wir uns zusammen tun, könnten wir vielleicht sie leichter finden. Weil wenn sie hier einen Planeten vernichtet haben, werden sie sicherlich spuren hinterlassen haben.“

Ich nickte ihm zu.

Klaren und sein Team forschten über weitere Vernichtungen von Planeten nach und wurden auch fündig. Der Navigator, Matore, verglich die Daten und fand eine deutliche Route, die unser Feind zurückgelegt hatte.

Klaren ordnete an diesem Kurs an zu folgen, weil wir bestimmt irgendwo an einen Ausgangspunkt kommen würden. Pentris gesellte sich zu Matore und schaute ihm bei der Arbeit zu, während ich mich zu Klaren begab.

Ich sah ihm seine Aufregung an. Die blauen Punkte die sich auf seiner Stirn befanden, leuchteten regelrecht und das was man ansatzweise als Hals bezeichnen würde war aufgebläht.

„Klaren, ich möchte mich bei euch bedanken, dass ihr mir helfen wollt,“ sagte ich.

„Aber?“

„Es gibt kein Aber, es ist eure freie Entscheidung.“

„Gibt es eigentlich noch mehr von den Antrasts?“

„Ich weiß es nicht genau…“

„Ihr wisst es nicht genau?“

„Nein, wie soll ich es auch wissen… ich weiß erst seit kurzen, das ich dazu berufen bin…“

„Und wie habt ihr, ich meine wie kamt ihr zu der Erkenntnis?“

„Durch Pentris.“

„Dem Jungen?“

„Er ist schon lange kein Junge mehr…. er ist viel mehr als es unsere Vorstellungskraft erlaubt. Sein Dasein ist vorbestimmt, schon seit langer Zeit. Er hat das in mir erweckt, zu dem ich mich wandle.“

„Ich verstehe…ihr müsst den Jungen lieben…“

„Ja das Gefühl kommt aus der Tiefe meines Herzens, ohne ihn, würde ich immer noch kaltherzig und ohne Ziel herumirren.“

„So ward ihr früher?“

„Ja, keine Gefühle… keine Gedanken.“

„Ich könnte so nicht leben, ich brauche meine Gefühle meine Gedanken. Ich muss ein Schiff führen, ich bin für meine Besatzung verantwortlich, und dazu brauche ich beides.“

„Zu dieser Erkenntnis bin ich eben sehr spät erlangt.“

„Hauptsache, ihr habt sie erlangt,“ sagte Klaren und lächelte mich an.

„Guter Freund ich werde mich jetzt zurückziehen,“ verabschiedete ich mich.

Er nickte mir noch einmal zu und ich lief zu meinem Quartier. Dort legte ich mich in mein Lager und schloss die Augen. Ich konnte mich nicht wehren es passierte einfach. Tief fiel ich hinab, auf den Grund meiner Seele.

Als wäre ich in einer anderen Welt, versuchte ich dennoch etwas zu sehen, doch dichter Nebel umkreisten meine Gefühle. Er löste sich nur schwer von meinem Bewusstsein. Und da waren wieder die Bilder der Zerstörung.

Aber ich sah sie mit anderen Augen, nicht so wie auf der Brücke des Schiffes. Ich stand daneben und nahm alles war. Jede Einzelheit wurde mir bewusst und versank wieder. Und dann stand ich plötzlich an einen anderen Ort.

Vor mir öffnete sich ein weites Tal und ich genoss den Anblick des satten Grün der Pflanzen. Fast keine Bäume waren zu sehen, nur endlose große Wiesen mit vereinzelten Büschen und Steinen.

Ich schritt einfach los ohne mir zu überlegen, wohin ich ging.

… „ich wusste nicht, dass es noch jemand von uns gibt“…

Ich fuhr herum, konnte aber niemanden entdecken. Ich schloss die Augen und öffnete sie wieder. Ein gleißendes Lichtschein vor mir, heller als ich es von mir her kannte entstand.

„Wer seid ihr,“ fragte ich, doch keine Antwort kam.

Noch mal fragte ich, aber diesmal ohne die Lippen zu bewegen, nur mit der Kraft meines Geistes.

..ich war sicher du kennst mich…

„Woher soll ich euch kennen?“

… ich bin genauso wie du….

„Und was für eine Gestalt habt ihr?“

… es wurde noch keine Wahl getroffen, ich bin das reine Licht….

„Und was tut ihr hier?“

… das könnt ich dich fragen, du bist in meinem Traum….

„In eurem Traum?“

…ja in meinem Traum…

„Und warum habe ich euch nie vorher gesehen?“

…weil ich gefangen bin, SIE haben mich gefangen…

„Das Dunkle hat euch gefangen….“

…das spricht für dich, dass du weißt wer mich gefangen hat…

„Warum befreist du dich nicht, unsere Macht ist grenzenlos.“

…weil ich niemanden habe, der mich liebt. Ich bin nur vom reinen Bösen umgeben, so kann ich meine Macht nicht voll entfalten….

„Und warum lassen sie euch dann am Leben?“

..weil sie ohne mich nicht existieren können, ich bin ihr Gegenpol…

„Dann bist du in Gefahr.. wenn es jetzt zwei von uns gibt.“

… ich merke wie meine Kräfte, die ich schon besitze schwächer werden…

„Ich werde euch befreien!“

…,du hältst das für einen guten Gedanken…..

„Zu zweit werden wir stärker werden.“

… dann versuch dein Glück…

„Wie soll ich euch finden?“

… du wirst mich finden, folge deinem Herzen…

„Darf ich euren Namen wissen?“

… mein Name ist…. AGGATEL…..

Das Bild vor meinen Augen löste sich auf, die Stimmte hallte nach. Ich war wieder in meinem Quartier, Pentris saß am Tisch.

„Und gut geschlafen?“, fragte Pentris, als ich mich aufrichtete.

Ich schüttelte den Kopf.

„Was ist?“

„Es gibt noch jemanden wie mich, er ist Gefangener der Bösen, der dunklen Seite.“

„Woher weißt du?

„Ich habe mit im gesprochen, ich war in seinem Traum.“

Pentris setzte sich neben mich.

„Ich weiß noch nicht viel über deine Kräfte oder Begabungen, aber egal wo du auch hingehst Dirian, ich werde dir folgen.“

Ich schaute Pentris mit einem Lächeln an und gab ihm einen Kuss.

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