A little more time – Teil 1

Ich saß wie immer am PC. Gerade hatte ich mich von meinem Stefan im Chat verabschiedet. Wir hatten uns im großen Chat vor knapp zwei Wochen durch Zufall näher kennen gelernt, irgendein Thema war angeschnitten worden.

* * *

Die Antworten, die „Heartbreaker“, so sein Nick, los ließ, fielen mir gleich auf, ich fing an ihn interessant zu finden. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und flüsterte ihn an, dass ich seine Meinung toll fand.

Er antwortete mir auch prompt, bedankte sich und fragte mich, ob wir ins Sep (Separee) gehen würden, um dort weiter darüber zu reden. Ich zögerte ein wenig, weil ich bis dahin eigentlich nicht oft im Sep war. Flüsternd sagte ich ihm zu.

Ein paar Sekunden später flimmerte auch schon die Einladung ins Sep auf.

Heartbreaker lädt dich ins Sep „Plauderecke“ ein, drücke /xp und tritt ein

Mir wurde ganz anders, meine Hände waren feucht. Langsam tippte ich den Befehl ein und schon war ich bei ihm im Sep.

Heartbreaker Hallo
Eisbaer Hi
Heartbreaker Bist also auch der Meinung, man kann sich auch über das Chat kennen lernen, ohne sich gleich real zusehen.
Eisbaer Ja, natürlich, wenn man keine anderen großen Möglichkeiten hat um jemanden zu treffen.
Heartbreaker Wieso? Gehst du nicht weg?
Eisbaer Weniger..
Heartbreaker Wieso das denn?
Eisbaer Finde das nicht so berauschend in Kneipen rum zu sitzen, wo ich niemand kenne.
Heartbreaker Hast du keine Freunde?
Eisbaer Keine richtigen
Heartbreaker Jetzt hast du einen *g
Eisbaer Oha, so schnell?
Heartbreaker Im Chat ist alles möglich, man muss nur genug Fantasie haben (c:
Eisbaer Fantasie habe ich *fg
Heartbreaker Ferkel *gg
Eisbaer Was du von mir denkst *tzis
Heartbreaker Bis jetzt noch nicht viel
Eisbaer Aha
Heartbreaker Aha?
Eisbaer Schreib ich immer, wenn ich nicht weiß was ich antworten soll.
Eine kleine Pause entstand, er schrieb nichts mehr. Ob er das Sep verlassen hatte?
Heartbreaker Mom Tel
Eisbaer Okay

Also wartete ich artig, bis er wieder zu schreiben anfing. Ich wollte ihn so gern Vieles fragen, aber

irgendwie traute ich mich nicht recht. Es dauerte fast fünf Minuten bis er wieder schrieb.

Heartbreaker Sorry, ging ein wenig länger bist du noch da?
Eisbaer Ji
Eisbaer Mist, ja meine ich.
Heartbreaker Schon klar, wusste was du meinst.
Eisbaer Passiert mir öfter
Heartbreaker Nicht schlimm! (c:

Sollte ich ihm auch ein paar Fragen stellen? Ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen.

Heartbreaker Woher kommst du eigentlich?

Er hatte den Anfang gemacht.

Eisbaer Renchingen
Heartbreaker He, das ist ja ganz in meiner Nähe, komme aus Lahnfelden
Eisbaer Stimmt, mit dem Auto nur 10 Minuten von hier
Heartbreaker Hast du eins?
Eisbaer Ein Auto? Ja. Einen Seat, schon ein bisschen älter
Heartbreaker Ist doch egal, Hauptsache er fährt *g
Eisbaer Stimmt
Heartbreaker Oha, ist es schon so spät? Ich muss morgen wieder früh raus
Eisbaer Schule? Job?
Heartbreaker Bin Schreiner, habe einen kleinen eigenen Betrieb.
Eisbaer Darf ich fragen wie alt du bist?
Heartbreaker Klar, bin 27 und du?
Eisbaer 25
Heartbreaker Und wie heißt du?
Eisbaer Julian
Heartbreaker Bin der Stefan. Also ich muss dann in meine Kiste… sehn wir uns morgen hier wieder?
Eisbaer Gerne
Heartbreaker Okay, dann morgen um die gleiche Zeit. Wünsch dir eine gute Nacht.
Eisbaer Ich dir auch, bis morgen
Heartbreaker Und weg ist.

Ich saß noch eine Weile alleine im Sep. Ohne mich von den anderen zu verabschieden, schloss ich die Webseite. Für mich wurde es auch langsam Zeit, mich auf Ohr zu legen. Stefan spukte mir noch eine Weile im Kopf herum.

War es Zufall, oder warum hatte er den gleichen Beruf wie ich erlernt? Ich freute mich auf den nächsten Tag und nahm mir vor, ihm das zu erzählen und ihn weiter kennen zu lernen. Irgendwann war ich dann doch eingeschlafen.

* * *

Hart riss mich mein Wecker aus dem Schlaf. Wie immer brauchte ich eine Weile, bis ich dieses Gedudel im Radio aushatte. Ich richtete mich langsam auf und schob meine Decke zur Seite. Jeden Morgen so früh aufstehen, wie ich das hasste.

Aber es war ja schon Donnerstag, noch einen weiteren Tag und ich hatte Wochenende. Total müde lief ich in mein Bad und stellte mich erst mal unter die Dusche. Langsam bekam ich wieder Betriebstemperatur und wurde wach.

Frisch gestriegelt setzte im mich an den Tisch und trank hastig meinen Kaffee, weil die Zeit schon wieder drängte. Ich stellte die Tasse in die Spüle, nahm meine Vesperbox und war auch schon zur Tür draußen.

Leise lief ich im Treppenhaus hinunter, denn ich wollte mir auf keinen Fall wieder einen Anschiss von meiner Vermieterin einfangen, dass ich früh morgens nicht so viel Krach machten sollte. Ich wohnte nun schon drei Jahre hier. Mein Vater hatte die Wohnungsanzeige im Ortsblatt gefunden.

Mir schien damals, meine Eltern waren froh, dass ich auszog. Seit meinem Outing war unser Verhältnis zueinander doch sehr abgekühlt. Ich besuchte sie einmal in der Woche, wo ich dann gemeinsam mit ihnen zu Abend aß.

Es wurde über den neusten Dorfklatsch gesprochen, aber peinlich genau aufgepasst, dass kein privates Wort fiel. Ich hatte mich daran gewöhnt. Es war doch noch recht frisch, ich hätte eine Jacke mitnehmen sollen, doch nun stand ich schon vor meinem Wagen.

Schnell war ich im neuen Industriegebiet, wo auch mein Betrieb stand. Ich fuhr auf das Firmengelände und parkte meinen Wagen auf meinen Stammplatz. Gerade noch rechtzeitig schob ich die Karte in die Stechuhr.

Ich zog mich um und war wenige Minuten später an meinem Arbeitsplatz. Als ich die halbfertige Schrankwand sah, war für mich irgendwie schon wieder alles gelaufen. Mit Florian zusammen, einem Arbeitskollegen, sollte ich dieses maßangefertigte Regal bauen.

Der Kunde ließ es sich Einiges kosten, so wurde nur Massivholz verwendet und gerade Birnbaumholz, dass einem jeden Schnitzer deutlich zeigte. Florian lächelte mir zu als er mich kommen sah.

„Und, auch aus dem Bett gefallen?“, fragte er mich.

„Ja, sozusagen“, antwortete ich.

„Machst du dich heute an das Barfach?“

„Kann ich machen, gibst du mir mal den Plan rüber?“, fragte ich und Florian reichte mir die Zeichnungen rüber.

Florian war schon von der älteren Garde in diesem Geschäft. Er hatte mir auch schon einiges im Bezug auf Holz beigebracht. Ich studierte die Maße.

„Florian, weißt du, ob der Spiegel und der Glasboden schon geliefert wurden?“, fragte ich.

„Da musst du Klara fragen“, gab er zur Antwort.

Ich lief die Treppe hoch ins Büro.

„Morgen Klara“, sagte ich als ich eintrat.

„Morgen Julian, was kann ich für dich tun?“

„Ich wollte fragen, ob die Glasbestellung für den Kriechbauer Schrank schon da ist.“

Klara stand auf und zog einen Ordner aus dem Regal.

„Kriechbauer……“, stammelte sie laut und überflog die Aufträge, „hier, ja müsste da sein.“

Sie zog ein Notizzettel hervor und schrieb eine Nummer darauf.

„Im Lager unter der Nummer, müsstest du es finden.“

„Danke Klara“, meinte ich und schon war ich in Richtung Lager unterwegs.

Ich mochte diesen Keller nicht, er hatte keine Fenster und so war hier unten immer muffige Luft. Es dauerte eine Weile bis ich beim Durchsuchen des nun dritten Regals endlich die Lieferung für Kriechbauer fand.

„Wo treibst du dich nur so lange herum?“, fragte mich Florian, als ich zurückkam.

„Weißt doch, mit dem Lager habe ich es nicht so.“

„Lass das ja nicht den Chef hören, der steckt dich sonst in das Loch da runter.“

„Dafür haben wir wohl unsere Lehrlinge oder?“

„Trotzdem, pass auf was du sagst.“

„Ich weiß selbst, dass ich auf seiner Abschussliste stehe.“

„Versteh ich nicht, bist doch einer der Besten hier, der die Maschinen bedienen kann.“

„Florian, keine Chance. Seit er denkt, ich will etwas von seiner Tochter, bin ich bei ihm unten durch, dabei waren wir nur einmal gemeinsam im Kino.“

„Und, läuft da nichts?“

„Florian, ich bitte dich, was soll ich mit so einem Kind anfangen, sie ist erst siebzehn“, meinte ich.

„Hast ja Recht.“

So machte ich mich ans Auspacken des Spiegels, der in die Rückseite des Faches eingepasst werden sollte. Das Holz dafür hatte ich mir schon gestern zugesägt. Ich überprüfte noch mal die Außenmaße des Spiegels. Ich nahm das Holz und ging zur Fräse. Ich spannte den Boden ein.

„Florian, soll ich den Spiegel von unten oder oben einpassen?“, rief ich.

„Nimm die Oberkante, sonst bekommst du später Probleme mit dem Scharnier der Tür“, antwortete er.

Ich zog den Hörschutz auf und startete die Fräse. Nach dem ich das Brett eingespannt hatte, fräste ich langsam die Nut ins Holz. Plötzlich blieb die Maschine stehen, ein kleines Stück Holz splittere ab.

„Scheiße, was ist den nun wieder?“, rief ich und zog den Kopfhörer ab.

„Stromausfall“, meinte Florian.

„Kannst du mal bitte kommen?“

„Was ist denn?“

„Mir ist da ein kleines Stück Holz gesplittert.“

Florian sah sich das Brett genauer an.

„Ist bei euch auch der Strom weg?“, rief Klara oben aus dem Büro.

„Ja“, rief ich ärgerlich zurück.

„Du hast das Astloch erwischt, aber kein Problem. Die Halterung für den Boden wird es verdecken, also vorsichtig einleimen.“

„Okay mach ich.“

Ich nahm mir den Leim, goss einwenig auf ein Stück Holz.. Von den feinen Frässpänen ließ ich etwas darüber rieseln, und verrührte es. Vorsichtig setzte ich das kleine Stück wieder ein.

„Jungs, ihr könnt Feierabend machen“, kam es von Klara.

„Wieso das denn?“ rief Florian.

„Die Stadt hat bei Aushubarbeiten eines der Hauptkabel durchtrennt.“

„Na sauber.“

„Der Chef hat grünes Licht gegeben. Ich schließ dann ab, wenn er ihr fertig seid und um die Stechkarten kümmere ich mich auch.“

„Wenigstens ist bis morgen der Leim trocken“, meinte ich und begann, meinen Arbeitsplatz sauber zu machen.

Eine halbe Stunde später saß ich wieder im Auto und fuhr an der Stelle vorbei, wo das Kabel durchtrennt worden war. Ein größeres Aufgebot an Leuten vom E-Werk und der Stadt war auszumachen. Ich beschloss, gleich noch in den Supermarkt zu fahren, dann konnte ich getrost das Auto am Mittag stehen lassen.

* * *

Mit meinen Einkäufen bepackt, schloss ich zu Hause die Haustür auf. Frau Kiltis, meine Vermieterin, kam mir entgegen.

„Nanu Herr Sprengler, schon zu Hause?“

„Ja, die Stadt hat bei ihren glorreichen Bauarbeiten die Stromversorgung im Industriegebiet lahm gelegt“, antwortete ich.

„Oje, dann wird mein Mann wohl nicht zum Mittagessen erscheinen. Dass die nicht endlich eine andere Baufirma beschäftigen, das ist schon der dritte Vorfall diesen Monat“, meinte sie ärgerlich.

„Da hat das Bauamt wirklich alle Hände voll zu tun“, meinte ich und machte mich auf zu meiner Wohnung nach oben.

Ich stellte meine Sachen auf meiner Küchentheke ab, als mir der PC ins Auge fiel. Ob Stefan seinen PC vielleicht anhatte? Einen Versuch wäre es ja wert. Ich verräumte schnell alles in der Küche, zog mir meine Wohlfühlsachen an und machte es mir vor dem PC bequem.

Emails hatte ich keine, von wem denn auch? Schnell noch das Passwort eingeben und schon war ich drinnen. Das Postfeld blinkte auf, ich öffnete es.

Mitteilung von Heartbreaker, ich drückte auf Öffnen.

„Hallo Kleiner, tut mir leid, wenn ich heute Abend nicht kommen kann oder es sehr viel später wird, aber ich habe außerhalb noch einen Kunden und weiß nicht, wann ich zu Hause bin. Dein Stefan.“

Ein wenig traurig über diese Nachricht war ich schon, aber das „Hallo Kleiner“ gefiel mir irgendwie. Ich hinterließ ihm ebenso eine Nachricht mit meiner Mailaddy, dann verließ ich das Programm wieder.

Ich öffnete die Seite mit den tollen Geschichten drin, in Erwartung, etwas Neues lesen zu können. Die Seite baute sich langsam auf und siehe da, Chris_1985 hatte ein neuer Teil seiner Geschichte „Schutzengel“ raus gebracht.

Ich war so darin vertieft, die Geschichte weiter zu lesen, entschwand in irgendwelche Welten von Fußballern und Mythengestalten, dass ich erschrak, als mein PC verlauten ließ „Sie haben Post.“

Nanu, von wem denn? Schlagartig kam mir Stefan in den Sinn und tatsächlich – es war eine Mail von Heartbreaker in meinem Postfach. Manchmal ärgerte ich mich, dass mein PC so langsam war, und ich keine Geduld hatte, weil ich die Mail lesen wollte.

„Hallo Eisbaer, ich bin doch früher zu Hause und falls du noch on bist, ich warte auf dich. Gruß Heartbreaker.“

* * *

Als ich den Chat betrat, bekam ich sofort die Meldung

Heartbreaker lädt dich ins Sep „Plauderecke“ ein, drücke /xp und tritt ein
Eisbaer Hi, bin daha
Heartbreaker Hi Eisbaer *knuddel
Eisbaer *reknuddel
Heartbreaker Bist aber früh zu Hause, oder ist das normal?
Eisbaer Nein, wir hatten einen Komplettstromausfall in der Firma, so durfte ich früher gehen
Heartbreaker Wo arbeitest du denn?
Eisbaer In einer Schreinerei *fg
Heartbreaker Bitte? Du bist auch Schreiner?
Eisbaer Ja *lachtz
Heartbreaker Hättest du gestern ja sagen können, menno
Eisbaer Nein, die Überraschung wollte ich mir für heute aufheben
Heartbreaker Boah gemein *dich durchkitzelt
Eisbaer *Kreisch und wegrennt
Heartbreaker Nun bleib doch da, bist doch erst grad gekommen *gg
Eisbaer Solange du mich nicht weiterkitzelst
Heartbreaker Nein, dein Tuntengeschreie ertrag ich nicht
Eisbaer Boah *zick
Heartbreaker Ich sag es doch… Tunte @ zick
Eisbaer *lacht

Ich saß wirklich vor meinem PC und musste laut loslachen. Ich fühlte mich irgendwie wohl in Gesellschaft von Heartbreaker.

Heartbreaker Lass mich raten, du bist bei Kimmling, oder?
Eisbaer wie hast du das nur so schnell herausgefunden? *gg
Heartbreaker die einzige billige Konkurrenz im Nachbarort das ist *gg
Eisbaer wir sind nicht billig, ich schon gar nicht
Heartbreaker oh, interessant zu wissen
Eisbaer boah, so war das jetzt nicht gemeint
Heartbreaker nicht wieder zicken Kleiner
Eisbaer *zickt nicht
Heartbreaker *fg
Eisbaer überhaupt, wie groß bist du denn @ Kleiner
Heartbreaker 1,82 m wieso?
Eisbaer *auf Heartbreaker herunter schaut *fg
Heartbreaker Was soll dass jetzt wieder heißen?
Eisbaer ganz einfach ich bin 192 groß *lach
Heartbreaker ui, ein Aussichtsturm
Eisbaer Du bist heut wohl auf Ärger aus?
Heartbreaker Ich? Nie never njet no non niemals *fg
Eisbaer *lach… sich was zu trinken holt
Heartbreaker okay

Ich stand auf und holte mir aus dem Kühlschrank eine Limo, bevor ich wieder zum PC trottete.

Eisbaer Wieder da
Heartbreaker Stört es dich wenn ich eine rauche? *fg
Eisbaer Tu dir keinen Zwang an, ist das von meinem Dad gewohnt
Heartbreaker Du wohnst noch zu Hause?
Eisbaer Nein, habe eine eigene Wohnung
Heartbreaker Wo?
Eisbaer *lacht laut
Eisbaer Nein, nein so schnell nicht
Heartbreaker Was denn? *g
Eisbaer ich kenn dich doch erst einen Tag *mal Ernst guckt
Heartbreaker lachend gefällst du mir besser
Eisbaer weißt ja gar nicht wie ich aussehe
Heartbreaker dann schick mir endlich ein Bild, damit ich es weiß *fg
Eisbaer *grübel
Heartbreaker was denn?
Eisbaer Welches ich nehme?
Heartbreaker *lach
Eisbaer ja lach du nur, du Herzensbrecher
Heartbreaker 😛
Eisbaer Du hast Post
Heartbreaker Oh, da muss ich gleich mal gucken

Also wartete ich hibbelig, was er zu meinem Aussehen sagen würde. Es dauerte ziemlich lange bis er sich wieder meldete

Heartbreaker Öhm….
Eisbaer was?
Heartbreaker *seine Sonnenbrille sucht…
Eisbaer für was brauchst du eine Sonnenbrille, es ist doch bedeckt..
Heartbreaker weil du so blendend aussiehst *fg
Eisbaer Arsch
Heartbreaker *lacht
Heartbreaker aber im Ernst, du siehst verdammt gut aus
Eisbaer ist mir neu, jedenfalls hat das noch niemand bemerkt
Heartbreaker ich jetzt schon *lieb guckt
Eisbaer danke

Wir verabredeten uns dann doch noch mal für den Abend zum Chatten, weil er per Telefon doch noch zu einem Kunden gerufen wurde. Ich stand im Bad und schaute mich im Spiegel an, konnte aber nichts finden, was Stefan an mir toll finden konnte.

* * *

So ging das die ganze Woche weiter. Wir trafen uns fast jeden Abend im Chat und redeten über Gott und die Welt. Bis zu dem bewussten Abend, als sich alles änderte.

Heartbreaker Jul, ich versteh nicht, weshalb du noch keinen Freund hast
Eisbaer ich will keinen
Heartbreaker das glaub ich dir nicht
Heartbreaker jeder sucht jemanden mit dem er sein leben teilen kann
Eisbaer da gebe ich dir mal Recht
Heartbreaker aus dir soll einer schlau werden
Eisbaer ich kann es dir nicht erklären Stefan
Heartbreaker komm, versuch es wenigstens… ich… ach mist
Eisbaer was ist?

Eine Pause folgte, wo er nichts schrieb. Mir hatte es schon lange die Tränen in die Augen getrieben, denn ich wusste wirklich nicht wie ich im das beibringen sollte.

Eisbaer ich will deswegen keinen Freund… weil …weil ich einen Menschen auf dem Gewissen habe….
Heartbreaker Wie bitte?
Eisbaer also gut…ich erzähle dir was… habs noch nie jemanden erzählt
Heartbreaker *ist ganz Ohr
Eisbaer ich hatte einen sehr guten Freund, sozusagen einen aus dem Sandkasten noch und wir waren immer zusammen
Eisbaer ich war gerade 19 geworden und er hatte sich zu seinem 18ten ein Motorrad geleistet, ich fühlte mich wohl in seiner Gesellschaft
Eisbaer irgendwann gestand er mir er sei schwul und liebe mich…..
Eisbaer und ich… ich konnte mit diesen Gefühlen nicht umgehen, weil das alles zu Neu für mich war… ich aber insgeheim dasselbe für ihn empfand
Heartbreaker und weiter?
Eisbaer er hatte meine Auffassung als Ablehnung missverstanden…
Heartbreaker wieso was machte er
Eisbaer …. am nächsten Tag….. war er tot.
Heartbreaker scheiße, was ist den passiert
Eisbaer er ist in ein Auto gerast.. war sofort tot
Heartbreaker daran bist du doch nicht schuld
Heartbreaker Julian?
Heartbreaker bist du noch da?
Eisbaer ja…
Heartbreaker weinst du?
Eisbaer ….
Heartbreaker Julian hör mir mal zu, das ist doch nicht deine Schuld, wenn er halsbrecherisch fährt
Eisbaer doch.. es war keine Bremsspur zu sehn….. er ist ungebremst ins Auto rein *weint
Heartbreaker darf ich dich anrufen
Eisbaer nein
Heartbreaker warum denn nicht?
Eisbaer ich bring jetzt sowieso kein Wort raus… oh Mann ist doch eh alles scheiß egal
Heartbreaker das ist es nicht… was machst du, wenn sich wieder einer in dich verliebt?
Eisbaer wer soll sich schon in mich verlieben
Heartbreaker ICH

Erstarrt schaute ich auf diese drei Buchstaben, konnte sie nicht richtig begreifen.

Eisbaer verarschen kann ich mich selber
Heartbreaker das war jetzt nicht nett )c:
Eisbaer tut mir Leid
Eisbaer wie kannst du dich in mich verlieben, wir kennen uns doch grad mal eine Woche und das nicht mal real
Heartbreaker es ist aber so… *leise sagt
Eisbaer ach Quatsch, du kennst mich doch gar nicht
Heartbreaker gibst du mir gar keine Chance?
Eisbaer …..heult wieder
Heartbreaker darf ich zu dir kommen?
Eisbaer wie bitte?
Heartbreaker ich setze mich ins Auto und wäre gleich bei dir
Heartbreaker ich weiß wo du wohnst

Ich schaltete den PC aus, ohne darüber nachzudenken, ob ich damit irgendeinem Programm geschadet hätte. Das Telefon ging.

„Sprengler.“

Ich versuchte meine Stimme nicht all zu weinerlich anhören zulassen

„Hier ist Stefan, bitte leg nicht auf!“

Ich schwieg.

„Julian, tut mir leid, wenn ich deinen Wunsch missachte, aber ich kann dich nicht so gehen lassen.“

„Ist schon gut.“

Ich versuchte nicht gleich wieder loszuheulen.

„Julian, das mit deinem Freund tut mir wirklich leid, aber du darfst dir deswegen keine Schuld geben.“

„Er hat sich wegen mir umgebracht..“, sagte ich leise.

„Kann es nicht sein, dass er einfach zu arg in Gedanken war und dieses Auto nicht gesehen hat?“

„Ich weiß es nicht…“

„Also kannst du auch nicht sagen, du bist schuld an seinem Tod“

„Ich weiß gar nichts mehr.. bei mir dreht sich alles.“

Mir wurde auf einmal schlecht. Ich ließ das Telefon fallen und rannte aufs Klo, wo ich mich übergab. Ich wusste nicht, wie lange ich da über der Schüssel hing, aber ich konnte nicht aufhören, zu würgen, auch schon, als nichts mehr kam.

Wie benommen kniete ich auf dem Boden, bis es an der Tür klingelte. Ich drückte auf die Spülung, wusch meinen Mund ab und wankte zur Wohnungstür.

„Ja?“, sagte ich total neben mir in die Sprechanlage.

„Stefan hier, bitte lass mich rein.“

Ich drückte den Öffner.. öffnete meine Wohnungstür, dann war es vorbei. Meine Kraft verließ mich, ich sank einfach zu Boden.

Schemenhaft sah ich wie jemand die Tür herein kam.

„Oh Gott Julian“, hörte ich Stefan sagen.

Ich spürte, wie er mich in den Arm nahm, sich zu mir auf den Boden setzte. Ich konnte nicht anders und fing wieder an zu weinen.

„Ja, lass es raus..“, meinte er sanft.

Ich hatte mein Gesicht in seinem Hals vergraben, spürte seine Wärme, roch seinen Duft, was mich schnell beruhigte.

Er hob meinen Kopf an.

„Und, besser?“

Ich schaute ihm direkt in die Augen und nickte. Er half mir auf und führte mich direkt zurück ins Wohnzimmer zur Couch. Der Telefonhörer lag noch da, wo ich ihn fallen gelassen hatte. Stefan bückte sich und lege ihn auf.

Dann setzte er sich wieder zu mir.

„Hast du das die ganze Zeit mit dir herum geschleppt?“, fragte er leise.

Ich nickte.

„Wem hätte ich das auch erzählen können…?“, gab ich von mir.

„Ist jetzt auch egal, ich bin jetzt da und alles wird gut!“

Nun, wo er vor mir saß, hatte ich endlich Zeit, ihn genauer anzuschauen. Sein wildes schwarzes Haar, schien wohl eine Zeitlang keinen Kamm mehr gesehen zu haben, passte aber zu den dunkelbraunen Augen, die mir lebendig entgegen funkelten.

Trotz seines kantigen Gedichtes, waren seine Lippen weich und voll. Er begann zu lächeln.

„Was ist?“, fragte er.

„Ich schau mir den Mann an, der sich in mich verliebt hat!“, antwortete ich mit ruhiger Stimme.

Er näherte sich mir und gab mir einen sanften Kuss. Mir schien, als schwebte ich in einer Traumwelt. Die Energie, die von Stefan ausging, durchflutete meinen Körper.

„Und, zufrieden?“, kam es von ihm.

„Was .. wie?“

Er begann zu lachen.

„Du bist ja noch süßer, als ich mir das vorgestellt habe.“

„Willst du was trinken“, fragte ich, denn meine Gastgeberpflichten kamen mir ins Bewusstsein zurück.

„Ein Tee wäre nicht schlecht, der dir übrigens auch gut tun würde.“

Noch ein bisschen wackelig auf den Beinen, lief ich in meine Küchennische.

„Schön hast du es hier“, meinte Stefan.

„Klein aber mein“, antwortete ich ihm.

Ich füllte den Wasserkocher mit Wasser auf und schaltete ihn an.

„Was Fruchtiges oder lieber einen Pfefferminz- oder grüner Tee?“, fragte ich Stefan.

„Grüner Tee wäre nicht schlecht.“

Ich holte zwei große Tassen aus dem Schrank, legte bei jeder einen Teebeutel hinein.

„Zucker?“

„Ein bisschen.“

Er stellte sich hinter mich legte einen Arm um mich und ließ seine Hand auf meinem Bauch ruhen. Ich spürte die kleinen Küsse, die er zärtlich meinem Hals verabreichte. Den Kopf auf seiner Schulter ruhend, schloss ich die Augen.

Genoss die Zärtlichkeit, die mir Stefan entgegenbrachte.

„He, du kleiner Genießer, sack mir jetzt bloß nicht weg“, sagte Stefan, der anscheinend spürte, dass ich weiche Knie bekam.

Ich drehte mich um und schaute ihm in seine Augen.

„Du hast es ernst gemeint, dass du dich in mich verguckt hast?“, fragte ich leise.

„Ja.“

„Aber, wir kennen uns gerade mal zwei Wochen ein wenig näher, und auch nur vom Chat.

„Wie soll ich dir das erklären?“, meinte Stefan und zog mich wieder zur Couch.

„Mich fasziniert deine Art, wie du Dinge siehst, mit umgehst. Deine Art dich zu geben, für mich bist du was Besonderes geworden.“

„Nur durch meine Worte, die du gelesen hast?“

„Ja.“

„Ich gebe ja zu, das ich mich zu dir hingezogen fühle, deine Nähe misse, wenn du nicht on bist, aber gibst du mir ein wenig mehr Zeit, dich besser kennen zu lernen?“

„Du bekommst alle Zeit der Welt von mir, ich will ebenso nichts überstürzen. Ich wollte dir lediglich zeigen, dass da jemand ist, der mehr für dich empfindet.“

„Dafür bin ich dir sehr dankbar, Stefan. Das vorhin hat mir gezeigt, wie es in mir aussieht, und wie dringend ich doch jemand an meiner Seite brauche.“

„Julian, du hast das jetzt fünf Jahre mit dir herum getragen, wahrscheinlich noch nie einem erzählt, oder?“

Ich schüttelte betroffen den Kopf.

„Und ich sage dir noch einmal, du bist nicht schuld an seinem Tod.“

Ich stand auf, lief zum Schrank und zog ein Bild heraus.

„Das hier war Robert“, meinte ich und reichte ihm die Fotografie.

Das Bild zeigte ihn, wie er sich lässig an seine Maschine lehnte. Stefan schaute es sich eine Weile an.

„Den kenne ich irgendwo her und du sagst, der sei seit fünf Jahren tot?“, fragte er.

„Ja“, meinte ich ein wenig betrübt.

„Ich will dich jetzt ja nicht in irgendwelche Depressionen stürzen, aber dein Robert lebt.“

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