Good bye Amerika – Teil 30

Es gab noch einige Überraschungen an diesem Abend. Da ich vorher nur mit Corinne abgehangen war, bekam ich früher nie viel mit, was in unserer Klasse am Laufen war. Molly und auch Lesley waren bald in der Menge verschwunden und auch Berry war von Billy vereinnahmt.

Auf mich hatten es Mr. Pikelton und Mrs. Geoffrey abgesehen, interviewten mich über Australien. Ich erzählte natürlich alles, was ich in dieser einen Woche schon erlebt hatte, inklusive Schlangenbiss.

Mittlerweile hatte sich eine kleine Menschentraube um uns herum gebildet und alle hörten gespannt meinen Erzählungen zu. Keiner unterbrach mich, alle hingen an meinen Lippen. Zwei Stunden später tanzte ich eng umschlungen mit Berry und war einfach glücklich.

*-*-*

Am nächsten Morgen weckte uns das Telefon nicht. Bob hatte wohl Erbarmen mit uns. Es war sehr spät geworden und nur schweren Herzens hatte ich mich von meiner Klasse trennen können. Mit dabei einen Karton voller kleiner Geschenke.

Leicht angesäuselt und todmüde waren Berry und ich ins Bett gefallen. Als ich nun aufwachte, war die Sonne zu sehen. Mal was anderes als das triste Grau. Berry lag an mich gekuschelt und atmete noch langsam und tief.

Ich strich ihm die Haare aus der Stirn und küsste ihn darauf. Keine Regung. Ich beugte mich nach vorne und wollte ihn auf den Mund küssen. Aber ehe ich mich versah, hatte Berry seine Arme um mich geschlungen und mich auf sich gezogen.

„Morgen, mein Sonnenschein“, brummelte er und blinzelte dabei mit einem Auge.

„Morgen Schatz“, säuselte ich zurück und gab ihm nun den Kuss.

„Mmmmhh herrlich!“

Noch immer hatte er seine Augen fast geschlossen.

„Noch müde?“, fragte ich.

„Ja. Aber mit dir aufzuwachen ist einfach herrlich.“

„Was steht heute an?“

„Nur noch Koffer packen.“

Ich starrte an die Decke.

„Traurig?“, fragte Berry.

„Nein.“

„Also ich meine … es ist ja jetzt wieder ein Abschied und das zum zweiten Mal.“

„Ja schon. Aber diesmal ist es nicht so schlimm wie beim ersten Mal. Nun weiß ich ja, was mich erwartet.“

„Und was erwartet dich?“

„Der wahrscheinlich süßeste Junge auf Erden“, lächelte ich.

„Kann nicht sein…“, grinste Berry.

„Ähm wieso?“

„Den habe ich mir geangelt“, meinte Berry und gab mir einen Kuss.

Seine Hände wanderten fordernd über meinen Rücken nach unten. Ich konnte nicht anders und brummte.

„Süß!“

Ich hob den Kopf und knabberte leicht an seiner Nasenspitze.

„Du aber auch.“

Ich genoss es in vollen Zügen, auf Berry zu liegen. Seine warme Haut auf meiner zu spüren.

„So du Träumer, wir müssen aufstehen“, meinte Berry.

„Dann versuch es doch, ich bleib liegen“, grinste ich fies.

Als wäre ich ein Federgewicht, stemmte Berry mich hoch und warf mich zur Seite. Damit war eindeutig klar, wer von uns beiden der Stärkere war.

„Och Menno, war doch gerade so schön.“

„Also, ich geh jetzt erst mal duschen!“, meinte Berry und stand auf.

Auffordernd schaute er mich an, dann zog er seine Shorts aus. Er streckte die Hand aus.

„Kommst du?“, fragte er.

Was für ein Blick – Hilfe, ich schmelze! Mich aus der Decke kämpfend, griff ich nach seiner Hand. Lächelnd zog er mich ins Bad.

*-*-*

„Du hier ist noch ein Pullover“, meinte ich zu Berry.

„Mist, den krieg ich nicht mehr rein.“

„Okay, dann nehm ich ihn.“

Wir halfen uns gegenseitig, die Koffer zu schließen. Bekanntlich hat man bei der Abreise immer mehr Gepäck als bei der Ankunft. Also gestaltete sich die Situation etwas schwieriger.

„Drück fester, Berry!“

„Ich kann nicht…, irgendwo hängt es.“

„Probier es von der anderen Seite.“

„Von hinten?“

„Ja, wie denn sonst. Oder hast du einen besseren Vorschlag.“

„Wir könnten einen Stellungswechsel probieren.“

„Ich oben und du unten?“

„Ja.“

„Du bist aber stärker…, kannst besser pressen.“

Es klopfte an der Tür.

„Ja?“, rief ich genervt.

„Kann ich reinkommen?“, hörten wir Lesley vor der Tür.

„Ja klar, Brüderchen.“

Die Tür ging einen Spalt auf, aber von Lesley war nichts zu sehen.

„Störe ich auch nicht?“

„Wieso stören, du kannst reinkommen und helfen!“, meinte Berry.

„Helfen?“, kam es von einem erstaunten Lesley, dessen Kopf plötzlich erschien.

„Was dachtest du denn?“

Lesley lief tief rot an.

„Ich glaube, dein Bruder hatte grad was anderes im Sinn.“

Bei diesem Satz grinste ich Lesley fies an. Berry stieg vom Koffer herunter.

„Wieso, was dachte er denn?“

„Was würdest du denn denken, wenn du im Nachbarzimmer das Bett quietschen hörst und dann noch Stimmen… >drück fester – Stellungswechsel – von hinten…“, meinte Lesley verlegen.

„Waren wir so laut?“, grinste Berry.

„Anscheinend“, antwortete ich.

„Lieber Bruder, nichts gegen deine schmutzigen Gedanken, wir haben lediglich unsere Koffer gepackt.“

„Aha. Und wobei soll ich nun helfen?“

„Wir kriegen meinen Koffer nicht zu.“

Nun hingen wir zu dritt an Berrys Koffer und bekamen ihn nach anfänglichen Schwierigkeiten doch endlich zu.

„Ähm.. Lesley, warum bist du eigentlich gekommen? … wenn du dachtest,… wir…“

Berry brach seinen Satz verlegen ab.

„Bob schickte mich. Er meinte, ich solle euch sagen, dass in einer viertel Stunde die Koffer geholt werden.“

*-*-*

Ich hätte nicht gedacht, dass die ganze Meute am Flughafen war. Mit Spruchbändern stand die ganze Klasse oben auf der Empore und grölte wie wild. Bevor wir die Schleuse betraten, drehten wir uns noch einmal alle um und winkten ihnen zu, was das Jubeln noch eine Stufe lauter werden ließ.

„Verrückte Bande, deine ehemaligen Klassenkameraden“, meinte Abby.

„Ja, verrückt waren sie schon immer ein wenig“, erwiderte ich.

Ich hing in meinen Gedanken noch bei Grandma, der gerade beim Abschied die Tränen flossen. Es war ja nicht nur der Abschied von mir, sondern auch von Bob, Abby und Molly. Sie würde Grandma ja auch eine Weile nicht mehr sehen.

Aber es half nichts, wir hatten die Entscheidung gemeinsam getroffen, jetzt musste jeder sie auf seine Weise tragen. Ich bekam gar nicht richtig mit, wie wir das Flugzeug betraten und unsere Plätze suchten.

Berry schob mich einfach vor sich her, nahm mir die Tasche ab und verstaute sie. Ich setzte mich derweil geistesabwesend auf den Platz am Fenster.

„Tom…Schatz?“, hörte ich eine leise Stimme neben mir.

Ich drehte meinen Kopf und schaute in Berrys besorgte Augen.

„Du weißt,… ich bin immer für dich da!“

„Danke“, brachte ich gerade mal noch so über die Lippen und begann zu weinen.

*-*-*

Schwer beladen betraten wir das Parkdeck. Längst hatten wir uns der lästigen Kleidungsstücke entledigt. Australien hatte eben ein anderes Klima und das war jetzt ziemlich heiß.

Obwohl wir auf einem Parkdeck waren, in das keine direkte Sonne fiel, stand auch hier die Luft.

„Sag mal Bob, stand hier nicht unser Auto?“, fragte Abby.

„Sind wir auf dem richtigen Parkdeck?“, fragte Bob.

Wir schauten uns auf dem Parkdeck um, um die Bezeichnung zu finden.

„Deck 6, Platz 244 steht auf der Karte“, las Molly vor.

„244 stimmt“, kam es von Berry.

„Deck 6 stimmt auch“, meinte Lesley, der ein paar Schritte gelaufen war.

„Und wo ist dann unser Wagen?“, kam wieder die Frage von Abby.

„Geklaut?“, fragte ich.

„Wie denn? Ohne diesen Passierschein kommt man nicht aus dem Parkhaus“, meinte Bob.

„Also ich geh jetzt zur Information“, meinte Abby und ließ ihr Gepäck einfach stehen.

„Ich komm mit, warte!“, sagte Bob und folgte ihr.

Nun standen wir vier da, mit all dem Gepäck.

„Und jetzt?“, fragte Lesley.

„Warten“, meinte Molly.

Berry war hinter mich getreten und hatte sich an mich gekuschelt. Mit seinen Lippen knabberte er an meinem Nacken. Was wiederum mir eine Gänsehaut bescherte.

„Könnt ihr nicht mal fünf Minuten voneinander lassen?“, fragte Lesley, „schon im Flugzeug habt ihr aneinander geklebt wie siamesische Zwillinge.“

„Hör nicht auf ihn, aus meinem Bruder strahlt der blanke Neid“, säuselte mir Berry ins Ohr.

„Neid? Auf was?“, fragte Lesley.

„Dass du nicht so etwas Süßes im Arm hast.“

„Träum weiter im Legoland, Bruderherz, das kann ich ändern!“

Lesley nahm seinerseits Molly in den Arm.

„Gibt das jetzt einen Wettkampf zwischen Brüdern?“, fragte Molly.

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