Good bye Amerika – Teil 49

„Tom ist passiert…“, antworte Berry und lehnte sich an mich.

Ich lächelte ihn an und nahm ihn in den Arm.

„Dann hatte ich ja vorhin Recht. Seit es Tom gibt, bist du wieder zu ertragen“, sagte Lesley.

„… zu ertragen. Siehst du, dir hat meine Situation auch nicht gefallen.“

„Situation… Berry, du warst zum Stubenhocker geworden. Du warst außer bei deinem Sport kaum noch draußen. Erst als Tom hier auf der Bildfläche erschien, änderte sich das.“

„Tom ist auch etwas Besonderes. Er ist von Anfang an unvoreingenommen auf mich zugegangen.“

Ich spürte, wie sich langsam das Blut in meinem Gesicht sammelte und zu glühen begann. Lesley schaute etwas zerknirscht zu uns.

„Sagst du mir in Zukunft, wenn jemand sowas macht?“, fragte Lesley leise.

„Was?“

„Dich bedrängt… ärgert, oder so etwas…“

„Warum? Damit du deinen kleinen Bruder verteidigen kannst?“

Es tat mir irgendwie Leid, aber ich musste kichern. Beide sahen mich verwirrt an.

„Was?“, fragte ich.

„Warum kicherst du plötzlich?“, fragte Lesley und kam seinem Bruder zuvor.

„Ihr zwei solltet euch mal hören. Also wirklich, schaut euch beide Mal an. Ihr seid beide durchtrainiert, seht topp aus und habt sicher auch beide eine gute Kondition. Kleiner Bruder… also wirklich. Keiner von euch beiden steht dem anderen in irgend einer Weise nach.“

„Das ändert aber nichts daran, wie die anderen mit ihm umgehen“, meinte Lesley und zeigte auf Berry.

„Ich denke schon, dass dies sich ändern wird, da ja Berry nicht mehr solo ist und jetzt mich zur Seite hat.“

Nun lächelte Berry und schmiegte sich noch mehr an mich.

„Mag sein, dass ich mich jetzt eingebildet anhöre. Die Sache mit meinem Dad hat mich zwar runter gezogen, aber sie hat mich auch in gewisser Hinsicht hart gemacht.“

„Hart?“, fragte Lesley.

„Ja, hart. Mag sein, dass ich nur noch ein Häufchen Elend war, wenn mein Dad mich runter geputzt hat, aber dennoch hab ich durch ihn gelernt, mich zu verteidigen.“

„Das verstehe ich jetzt nicht. Er hat dich fertig gemacht und trotzdem hat er dich stark gemacht?“

„Ja… wie soll ich das erklären?“

„Tu es einfach“, meinte Berry neben mir.

„Mein Vater hat mich ständig untergebuttert, weil er mit sich nicht zufrieden war, nicht mit mir. Ich hatte gute Noten, hatte sonst auch nie Ärger mit irgendjemanden. Es gab von außen keinerlei Beschwerden. Gerne hätte ich ihm bei seinen Problemen geholfen, doch wie sollte ich das tun? Ihm einen Job suchen? Seine Frau wieder bringen? Nein dafür war ich nicht geschaffen – auch nicht zuständig.“

Berry wechselte die Stellung und nahm mich nun in den Arm.

„Ich versuchte, so gut wie möglich zu helfen wie ich konnte, indem ich ihn so unterstütze, wie es mir möglich war. Eben kochen, putzen und anderes.“

„Aber wo bliebst du dann… du bist auf der Strecke geblieben, wurdest vernachlässigt, wie kann man daraus Stärke ziehen?“, fragte Lesley.

„Ja, klar ich wurde vernachlässigt, habe mich nach der Liebe meines Vaters gesehnt. Aber ich habe auch gelernt, selbstständig zu werden, Dinge zu machen, die ich mir vorher alleine nicht zugetraut hätte.“

„Und um welchen Preis?“

„Das ist ein anderes Thema, Lesley. Es ging nur darum, dass ich an Stärke gewonnen habe… auch wenn ich auf einem anderen Gebiet vieles verloren habe.“

„Und mit dieser Stärke willst du jetzt meinen Bruder beschützen?“

„Das habe ich nicht gesagt. Berry kann ganz gut auf sich selbst auspassen. Denn er profitiert nun von meiner Stärke…“

„Das ist mir jetzt irgendwie zu hoch…“, stöhnte Lesley.

Ich seufzte und wollte gerade ansetzen etwas zu sagen, als mir Berry zuvor kam.

„Lesley… Tom steht hundert Prozent hinter mir und zu mir, ich kann mich auf ihn verlassen und ich habe seine Liebe.“

„War ich das für dich nie?“, fragte Lesley traurig.

„So habe ich das nicht gemeint. Lesley, du bist mein Bruder. Du liebst mich auf eine ganze andere Art und Weise. Toms Liebe hingegen ist, wie soll ich das sagen… hm… pures Lebenselixier.“

Ich lächelte und schreckte zusammen, weil plötzlich ein Geräusch von der Balkontür kam.

„Auch wenn dir dein Schatz soviel Kraft schenkt, mein Sohn, wanderst du jetzt schön in dein Bett.“

„Öhm… hi Mum, bist du schon lange hier?“

„So lange, um sagen zu können, wie stolz ich auf meine beiden Söhne bin. Molly hat übrigens angerufen, ob du dich noch mal bei ihr melden könntest, Lesley.“

Ich sah auf die lächelnden Zwillinge.

„Okay, werde ich gleich machen“, sagte Lesley und stürmte ins Haus.

„Bob sagte, du bleibst heute hier“, redete Linda weiter.

„Wenn ich darf, gerne!“, erwiderte ich.

„Klar darfst du“, raunte Berry neben mir.

„Dann schaff mal deinen Freund ins Bett, wo er hingehört, bevor die obere Instanz noch ein Machtwort spricht“, meinte Linda und verschwand lächelnd wieder ins Haus.

Ich grinste Berry an und er erwiderte mein Grinsen.

„Du hast die obere Instanz gehört… man möge mich ins Bett bringen“, kam es von Berry.

„Ich soll dem alten Mann wohl aufhelfen und seinen Stock bringen?“, kicherte ich.

Berry knuffte mich in die Rippen.

„He, so nicht! Von Züchtigungen war hier nicht die Rede“, meinte ich gespielt empört.

„Aber von Fesselspielen war heut schon mal die Rede“, kicherte Berry neben mir.

*-*-*

Irgendwie wusste ich nicht, wo ich war, als ich meine Augen öffnete. Ich sah überall nur Kissen. Und dann zwei wundervolle Augen, die mich anstrahlten.

„Guten Morgen, endlich aufgewacht?“, brummte Berry neben mir.

„Öhm… ja… noch nicht so richtig.“

Ich kämpfte mit ein paar Kissen, die mir den Zugang zu Berry verwehrten.

„Schläfst du immer so?“, fragte ich, nachdem dass letzte Kissen nun auch vom Bett gepurzelt war.

„Ich finde es himmlisch“, gab Berry von sich und setzte sich langsam auf.

„Was macht deine Rippe?“, fragte ich.

„Tut weh, ist aber zu ertragen…“

„Wirklich?“, fragte ich besorgt.

„He, du weißt doch, Unkraut vergeht nicht.“

Ich sah Berry an. Sein Gesicht war aufgeschürft und es leuchtete in vielen Farben.

„Was ist?“, fragte Berry und riss mich aus dem Gedanken.

„Nichts.“

„Nichts? Und warum starrst du mich so an?“

„Ich weiß nicht… ich tu es einfach. Ich schau gern in deine Augen.“

„Ach so“, meinte Berry und lächelte.

„Meine Augen scheinen sehr interessant zu sein, willst du sie den ganzen Morgen so ansehen oder stehen wir auch noch auf?“, grinste Berry mich an.

„Öhm… ja klar. Hat der Herr einen Wunsch? Soll ich dir was bringen?“

„Nein… ich muss erst mal dringend auf die Toilette.“

Ich kicherte los.

„Soll ich dir behilflich sein?“, fragte ich.

„Nein, meine Hose kann ich noch selber runterziehen“, sagte Berry mit einem verschmitzten Lächeln.

Ich erwiderte nix, streckte ihm nur die Zunge raus.

„Aber du könntest mir aus dem Bett helfen, damit hab ich noch etwas Schwierigkeiten.“

„Kein Problem“, meinte ich und wuchtete mich aus dem Kissenmeer.

Berry streckte mir seine Hand entgegen. Ich nahm sie und zog leicht an ihr. Langsam und mit schmerzverzerrtem Gesicht stand Berry auf.

„Hab ich dir wehgetan?“, fragte ich besorgt.

„Meine Rippe tut weh, sonst nichts. Die wird belastet, dagegen kann man wohl nichts tun.“

„Es gibt Schmerzmittel“, sagte ich, als er endlich neben mir stand.

„Nein, muss nicht sein. Ich habe nur Schmerzen, wenn ich mich mehr bewege.“

„Dann musst du wieder ins Bett…“

„Nein, lieber raus in den Garten. Hier unten werde ich womöglich noch depressiv.“

„He, ich bin doch da, wie kannst du da depressiv werden?“

„Eben darum… weil ich nicht über dich herfallen kann“, meinte Berry leise und ging kichernd auf die Toilette.

Ich dagegen versuchte, etwas Ordnung in Berrys Bett zu bringen. Langsam sammelte ich alle Kissen wieder auf, als es an Berrys Tür klopfte. Erschreckt fuhr ich herum.

„Morgen Tom, wo ist denn Berry?“

Da stand Linda.

„Der ist auf der Toilette… kommt sicher gleich wieder…“

„Hat ja Zeit…, weißt du, ob er Schmerzen hat?“

„Er meinte, die Rippe tut ihm weh, wenn er sich bewegt.“

„Das wird auch noch eine Weile anhalten, hat der Arzt gesagt. Muss er halt aufpassen.“

„Dafür werde ich schon sorgen“, meinte ich.

„Danke… danke, dass du so für Berry da bist…“, erwiderte sie und verschwand wieder.

Irgendwie fühlte ich mich etwas unbehaglich. Jeder war dankbar, dass ich für Berry da war. So viel machte ich nun auch wieder nicht. Ich suchte meine Klamotten vom Vorabend zusammen.

Ein kurzer Dufttest und ich schüttelte mich bei dem Gedanken, die Sachen noch einmal anziehen zu müssen.

„Was ist?“, hörte ich Berrys Stimme hinter mir.

Ich drehte mich zu Berry und zeigte auf meine Klamotten.

„Die riechen nach Grill…“

„He, ist doch kein Problem, dann ziehst du etwas von mir an.“

„Öhm du bist etwas größer…“

„Na und? Wir werden schon etwas finden“, meinte Berry und grinste mich an.

So lief Berry humpelnd an seinen Schrank und öffnete ihn. Schnell hatte er ein paar Sachen gefunden, die mir auch einigermaßen passten. Wenige Minuten später war ich angezogen und Berry mit Hilfe von mir auch.

Gemeinsam liefen wir hinauf, wo Linda uns mit einem tollen Frühstück erwartete.

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