Good bye Amerika – Teil 52

Ich saß auf meinem Bett, während Berry Gustav ordentlich durchwuschelte.

„Willst du jetzt die ganze Zeit so dasitzen?“, fragte Berry.

„Was?“, fragte ich aus meinen Gedanken gerissen.

„Hör auf zu denken >was-wäre-wenn?<, das bringt überhaupt nichts.“ „Was hast du wieder in meinem Kopf zu suchen?“

Automatisch musste ich lächeln.

„Willst du noch etwas anderes anziehen, oder bleibst du so?“, fragte Berry.

„Wieso? Gefall ich dir denn nicht?“

„Ach Quatsch! Draußen ist das Barbecue schon voll im Gange und wir beide sitzen noch hier.“

„Okay… was bleibt mir denn anderes übrig. Komm, gehen wir.“

„Willst du lieber drinnen bleiben?“

„Nein, das kann ich nicht machen und zudem möchte ich meine Geschwister kennen lernen.“

Berry erhob sich und streckte mir seine Hand entgegen. Ich griff nach ihr und stand auf. Er zog mich zu sich und küsste mich innig auf den Mund.

„Ich habe dir schon ein paar Mal gesagt, wir schaffen das alles gemeinsam, okay?“

Ich lächelte Berry an und nickte mit dem Kopf.

„Dann lass uns mal groß auftreten!“

Verwirrt schaute ich ihn an.

„Damit alle mitbekommen, dass wir rauskommen.“

Ich fing an zu lachen.

„Okay, wie du meinst“, sagte ich und wir verließen das Zimmer.

*-*-*

Berry hatte mich in den Arm genommen und beide liefen wir über meine Veranda hinaus in den Garten. Nicht dass wir jetzt der Mittelpunkt waren, aber alle hielten für ein paar Sekunden inne und schauten zu uns, bevor sie wieder ihre jeweiligen Beschäftigung nachgingen.

Meine Mum kam auf uns zu und hatte einen Mann im Schlepptau.

„Hallo Tom, darf ich dir meinen Mann Ronny vorstellen?“

„Hallo Tom“, sprach Ronny mit bassiger Stimme und streckte mir seine Hand entgegen.

„Und irgendwo müssen unsere Wirbelwinde sein“, setzte Mum nach.

„Emilie?“, rief Ronny und Sekunden später tauchte ein kleines Mädchen zwischen den anderen Gästen auf.

Dicht gefolgt von Eric nahm ich mal an. Und wirklich, Eric sah genauso aus, wie ich auf dem Bild, das ich drinnen hängen hatte.

„So nun kennst du meine ganze Familie“, meinte Mum.

Familie. In mir breitete sich ein angenehmes Gefühl aus. Mum war glücklich und ich gönnte ihr das. Wir hatten beide unser Glück gefunden. Aber ein bisschen Wehmut machte sich dennoch in mir breit.

Soweit hätte das alles nicht kommen müssen. Ich atmete noch einmal tief durch und meine Mundwinkel wanderten nach oben. Neben mir zupfte jemand am Hosenbein und ich schaute nach unten.

Da stand ein kleines Mädchen namens Emilie und lächelte mich wohl mit dem süßesten Lächeln an, das ich bisher gesehen hatte, außer bei Berry natürlich. Ich beugte mich hinunter und hob sie hoch.

„Hallo“, meinte ich.

„Hallo“, gab sie zurück und fing laut an zu kichern.

Plötzlich hörte sie auf und schaute mich ernst an.

„Mama hat gesagt, du bist mein Bruder.“

„Stimmt“, meinte ich lächelnd.

„Ich habe aber schon einen…“

„Und du willst keinen zweiten?“, fragte ich erstaunt.

„Doch… schon…“

„Aber?“

„Du bist so groß!“

„Ja und?“

„Wenn du frech bist, kann ich dich nicht hauen.“

„Du willst mich hauen?“

„Eric kriegt immer eine Kopfnuss von mir, wenn er frech ist.“

„Isch binsch nisch fresch“, hörte ich es nun wieder von unten.

Da stand Eric und schaute zu uns hoch.

„Er kann nicht mal richtig reden“, sagte Emilie und fing wieder an zu kichern.

„Dasch schtimmtsch garsch nisch!“

Nun fing auch Berry neben mir an zu kichern. Sie hatten ja beide Recht, die Sprache war schon etwas komisch, aber hatte etwas. Ich schaute wieder zu Emilie, die plötzlich verstummte.

„So du willst also keinen großen Bruder“, sagte ich mit gewichtiger Mine.

„Doooooooooooooch, will ich!“, rief sie und kuschelte sich bei mir ein.

Mum lächelte mich an und eine Träne verließ ihr Auge. Ronny lächelte mir aufmunternd zu.

„Isch willsch ausch dasch hosch!“, hörte ich Eric meckern.

Berry beugte sich vor und nahm Eric kurzerhand mit seinem gesunden Arm auf. Mum war genauso besorgt wie ich und sie war schneller.

„Berry, ist er nicht zu schwer für dich… deine Rippe?“

Er verzog das Gesicht etwas.

„Nein geht schon“, meinte er aber dann.

„Wasch hasch dusch ansch dersch Rischppe?“, fragte nun Eric.

„Das erzähle ich dir, wenn du mal richtig reden kannst, okay Eric?“

„Menno, ich kann richtig reden!“

„Gut, dann kann ich es dir ja erzählen…“

„Primasch!“, sagte er und klatschte in die Hände.

Berry zog die Brauen hoch und guckte Eric schief an.

„Entschuldigung“, kam es von Eric, der den Kopf nun ebenso schräg hielt.

Ich musste kichern, weil Berry begann Grimassen zu machen und Eric unbeherrscht loslachte.

„Was ist den passiert?“, fragte nun Emilie auf meinem Arm, „und wer bist du überhaupt?“

„Berry ist mein Freund“, antwortete ich.

„Und ich bin vom Fahrrad gefallen.“

„Dann musst du so kleine Räder dran machen, hat Papa bei mir auch gemacht, weil ich immer umgefallen bin“, sagte Emilie.

Nun konnte ich mir ein Lachen auch nicht mehr verbeißen, wofür ich einen schrägen Blick von Berry einfing.

„Tut das arg weh?“, fragte Eric und drückte sanft auf Berrys Arm, der sich noch in der Binde befand.

„Etwas, aber wenn ich aufpasse nicht so sehr.“

Eric schien irgendetwas auf dem Herzen zu haben, man merkte förmlich, dass es in seinem Kopf arbeitete.

„Essen ist fertig“, rief Bob sehr laut und wir drehten uns in die entsprechende Richtung.

Da standen Bob und Lesley in Schürzen hinterm Grill.

„Ich hab Hunger.“

„Emilie“, rief Mum mit mahnendem Ton.

Ich ließ Emilie herunter und sie rannte sofort zu Bob und Lesley hinüber.

„Trägst du mich rüber?“, fragte Eric.

„Nein, du kannst selber laufen“, meinte Ronny und hob Eric aus Berrys Arm.

„Osch menscho!“, meckerte er und schon düste er los.

Ich legte meinen Arm um Berry.

„Süß deine Geschwister“, sagte er.

„Muss ich dir Recht geben“, erwiderte ich und wir liefen gemeinsam ebenfalls zum Grill.

Bob war voll in Aktion. Er verteilte Spareribs und Steaks. Ich nahm Berrys Teller, weil er mit Getränk und Teller doch überfordert gewesen wäre und wenig später saßen wir am Tisch. Molly kicherte, als ich Berrys Steak klein schnitt.

Eric hatte anscheinend einen Narren an Berry gefressen, denn kaum hatte er seine Wurst auf dem Teller, saß er auch schon neben Berry.

„Tom, schneidest du mir meine Wurst auch klein?“, fragte er und setzte einen Dackelblick auf.

Ich griff zu ihm, nahm den Teller zu mir und begann zu schneiden.

„Tja Tom, aber jetzt hast du Bruderpflichten!“, kicherte Molly.

Ich streckte ihr die Zunge raus.

„Das darf man aber nicht“, rief Emilie und hob ihren kleinen Finger an und wedelte mit ihm hin und her.

Molly fing an zu lachen, ich konnte nicht anders und stimmte mit ein. Emilie strahlte und Eric machte sich über seine Wurst her. Wenig später saßen wir alle gesättigt und mit leeren Tellern da.

„Möchtet ihr zwei denn nicht etwas malen?“, fragte Mum ihre Kinder – ja meine Geschwister.

Der Gedanke war noch recht fremd, aber er gefiel mir zunehmend.

„Au ja“, jubelten die zwei im Chor und jagten Mum nach.

„Und?“, fragte Berry neben mir.

„Was?“

„Wie fühlst du dich jetzt?

„Etwas komisch, aber gut!“

„Freut mich, Kleiner“, sagte er und gab mir einen sanften Kuss auf die Wange.

Bob gesellte sich zu uns an den Tisch und es wurde richtig lustig. Eine Anekdote nach der anderen folgte aus der Tierklinik und wir kamen gar nicht mehr aus dem Lachen heraus. Plötzlich zupfte mich etwas am Rücken und ich drehte meinen Kopf.

Hinter mir stand Emilie mit einem Blatt.

„Das haben Eric und ich für dich gemalt. Papa hat uns bei den Buchstaben geholfen.“

Sie hielt mir das Blatt hin und ich nahm es entgegen. Es war eine Wiese mit Blumen darauf zu sehen. In der Mitte erkannte man ein Tier, das wohl ein Känguruh sein sollte. Und in dicken Buchstaben stand darüber:

Welcome to Australia

** Ende **

So hier endet die Geschichte. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich während der Geschichte über begleitet haben, sei es Korrektur oder Hilfeleistungen. Vor allem möchte ich mich aber bei den Lesern bedanken, die mir sehr viele Mails geschrieben haben. Wann es eine Fortsetzung mit Tom und Berry gibt, kann ich euch noch nicht sagen, aber einen Titel hat sie schon:

Welcome to Australia

Vielen Dank euer Pit

 

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