Liebe auf den ersten Klick – Teil 5

Ich lief zur Dame an der Kasse.

„Entschuldigen sie bitte. Besteht die Chance, dass sie jemanden von den Fotografien dort drüben an der Wand kennen?“

Die Dame schaute auf.

„Diese Bilder wurden von einem befreundeten Atelier gemacht. Das waren einer unsere ersten Gäste, die so nett waren uns für diese Fotos zur Seite zu stehen. Wer das ist, kann ich ihnen aber leider auch nicht sagen.“

Ich nickte und lief zurück an meinen Platz. Mein Bild fiel wieder auf seine Fotografie. Ich konnte nicht anders und musste lächeln. Das Lächeln dieses Mannes war ansteckend, genauso wie seine strahlenden Augen.

Ich wusste nicht, was mich an diesem Mann gefangen nahm. Ich erwischte mich dabei, wie ich anfing von ihm zu schwärmen. Ich schüttelte den Kopf. Denkst du, ich soll weiter forschen?

Ja dich meine ich, du liest das hier ja schließlich und hast sicher auch eine Meinung. Komm jetzt tu nicht so erstaunt. Jeder hat doch eine Meinung. Oder findest du das kindisch oder gar peinlich, was ich hier mache?

Ich aß den Rest meines Sandwiches und leerte den Tee. Diesen Ort musste man sich merken. Da fiel mir ein, wenn ich diese Cake Shop für meine nächste Artikel nahm und gleich nachher schrieb, so hatte ich nächste Woche frei.

Ich brachte mein Geschirr zurück und bedankte mich freundlich mit einem nickenden Lächeln. Wieder auf der Straße, zog ich erneut die Bilder heraus. Ich schaute jedes Bild noch einmal genauer an.

Vielleicht gab es ja irgendein Anhaltspunkt, mit dem ich heraus fand, wo noch überall diese Bilder gemacht wurden. Ich zog einen Stift heraus und nummerierte die zwei Bilder, der Ort ich schon heraus gefunden hatte.

*-*-*

„Du hast was?“

Riley schaute verlegen auf den Boden. Ich schüttelte den Kopf.

„Ich wollte dir doch nur helfen“, sagte Riley leise.

„Du kannst doch nicht einfach hingehen und fragen wer dort alles vor zwei Tagen Karten vorbestellt hat. Zum ersten weißt du ja nicht mal ob dieser Typ die Karten bestellt hat und bei 2000 Plätzen…“

Manchmal nervte Rileys kindliche und naive Art auch. Wieder schüttelte ich den Kopf.

„Fehlt nur noch, dass du zum Carluccio Interieur gehst und dort frägst wer dort einkaufen war.“

Rileys Blick wurde unsicher.

„Nein…, dass hast du doch nicht wirklich.“

„Doch…“

Da hört doch alles auf. Das ist doch Mega peinlich oder? Was du schüttelst den Kopf? Du ergreifst Partei für Riley? Du meinst also, er meint es nur gut mit mir und soll hier nicht zur Zicke mutieren?

Ich atmete tief durch.

„Riley…“, ich schloss die Augen und schüttelte noch mal den Kopf, „bitte…, bitte misch dich da bitte nicht mehr ein. Ich weiß…, du hast das lieb gemeint, aber bitte hör auf damit.“

„Die Dame im Carluccio Interieur meinte…, das Mr. Smith einer ihrer besten Stammkunden wäre.“

Ich schaute auf.

„Smith? Weißt du wie viele Smiths es in London gibt? Und überhaupt, woher weiß sie, dass es sich um diesen Herr Smith handelt?“

„Ich erzählte ihr von deinem Zusammenstoß mit ihm und sie erinnerte sich, weil sie es von innen gesehen hatte und schon den Laden verlassen wollte um ihm zu helfen.“

Diese Frau kannte also meinen hinreisenden blauen Schwarm.

„Hast du noch mehr heraus bekommen?“

Was hat mich geritten, das zu fragen? Schau mich nicht so grinsend an. Ja, ich weiß selbst, dass ich neugierig bin. Aber gewiss nicht neugieriger als du selbst.

„Nein… leider nicht, aber sie hat mir versprochen ihm mitzuteilen, wenn er wieder kommt ihm mitzuteilen, dass du etwas gefunden hast, was ihm gehört.“

Entsetzt schaute ich ihn an.

„Hast du ihr etwa meine Adresse hinterlassen?“

„Nein Jack, dass musst du mir glauben, ich…

„Zweimal Nudeln Tomato“, unterbrach Georg unser Gespräch.

„Kommt sofort“, meinte Riley und verschwand in der Küche.

Total entnervt und irritiert zog ich erneut die Bilder heraus. Ich schaute sie erneut durch.

„Das kenne ich, da war ich auch schon mal.“

Total erschrocken fuhr ich zusammen und drehte mich um. Da stand ein grinsender Georg, der unbeobachtet meine Bilder mit angeschaut hatte. Ich zog die Bilder zu mir, als wären sie ein Geheimnis.

„… wer hat dich gefragt?“, meinte ich leicht säuerlich.

„Ich meinte ja nur…“, schmollte Georg vor sich leise hin.

Riley kam mit zwei Tellern voll Nudeln zurück und stellte sie auf die Theke.

*-*-*

Natürlich habe ich mir von Georg genau beschreiben lassen wo dieses Bild gemacht wurde. Und weil ich ja nichts Besseres zu tun hatte saß ich nun in der U-Bahn Richtung St. Pauls Kathedrale.

Dort soll dieses Bild entstanden sein. Eine halbe Stunde später stieg ich bei der St. Pauls Station aus und machte mich auf den Weg an die Erdoberfläche. Kalter Wind blies mir entgegen und so zog ich meinen Kragen höher.

Oben angekommen, schaute ich mich um. Ich konnte aber leider nichts entdecken. So zog ich wieder die Bilder hervor und schaute anhand des Bildes nach meinem Ziel. Fiel Glas war darauf zu sehen, in der sich der Rest der Umgebung spiegelte.

Die Kuppel der St. Pauls spiegelte sich darin, also musste es hier in der Nähe sein. So lief ich weiter in die Richtung in der ich dieses aufgenommene Bild vermutete. Ich blieb wieder stehen und drehte mich im Kreis.

Fast hätte ich dabei einen Fahrradfahrer vom Fahrrad geholt, wenn ich nicht plötzlich eine große Spiegelfläche gesehen hätte. Es war das One New Chance Shopping Center. So trabte ich weiter Richtung Eingang und lass mir die Auflistung der in dem Haus befindlichen Läden durch.

Über acht Stockwerke verteilt, waren recht viele namhafte Läden zu finden. Boss und Swarovski, aber auch erlesene Restaurants. Sogar Jamie Oliver konnte ich lesen, den Typen den ich gar nicht mochte, obwohl er ab und zu recht gute Vorschläge zum Kochen im TV zeigte.

So entschied ich mich, weil auch langsam Hunger aufkam für das Zizzi`s. Italienisch hatte ich schon lange nicht mehr gegessen. So betrat ich das Haus und Wärme schlug mir entgegen. Sofort öffnete ich meinen Mantel.

Das wäre dann schon der zweite Laden diese Woche, den ich besuchte, über den ich einen Bericht verfassen konnte. Würde ich dieses Tempo beibehalten, hatte ich die Möglichkeit bis nach Weihnachten frei zu machen.

Ich stieg in den Lift und ließ mich in den sechsten Stock bringen. Dort angekommen stieg mir schon der feine Duft der italienischen Küche in die Nase. Wenige Minuten später hatte ich einen Platz ergattert und studierte die Menukarte.

Schnell war eine Pizza gefunden, die nach meinem Geschmack alles enthielt, was mein Herz begehrte. Na ja, vielleicht nicht den Mann, dem ich mit Hilfe von Bildern hinterher rannte, in der Hoffnung ihn vielleicht aufzuspüren.

Aber ich musste sagen, dafür, dass ich schon mein ganzes Leben hier in London wohnte, hatte dieser Mr. Smith eindeutig super Kenntnisse, wo sich tolle Läden befanden, egal ob es sich um Essen handelte, oder Kleidung und Dekosachen.

Meine Pizza wurde gebracht und der Rotwein wurde eingegossen. Beides schmeckte vorzüglich und viel zu schnell war dieses Essvergnügen zu Ende. An einer Portion Tiramisu kam ich ebenfalls nicht vorbei.

So verließ ich eine gute Stunde später diesen Laden wieder, mit genug Notizen in meiner Brusttasche um einen tollen Beitrag zu schreiben. Ich entschied mich dieses Mal den Weg nach unten mit der Treppe zu bestreiten, da das Völlegefühl mir ein schlechtes Gewissen vermittelte.

So durchlief ich jedes Stockwerk und meine Augen wanderten über die Schaufenster der verschiedenen Verkaufsräume. Bei Boss blieb ich hängen, da mir ein Anzug ins Auge stach, der mir auf Anhieb gefiel.

Daneben waren zwei Männer abgebildet, die diesen Anzug trugen. Scheiße. Entschuldige meine Ausdrucksweiße, aber ich war erstaunt und verwirrt zu gleich. Dieser Mr. Smith prangte mir da nämlich als Modell für Herrenanzüge entgegen.

Was es wieder ein Zufall, der mich zu diesem Bild…, man sah der verdammt gut aus. Tja Mr. Smith, sollte ich die Rechnung an sie schicken, denn diesen Anzug wollte ich auch haben. Eine halbe Stunde später, viele nervende Anproben später, verließ ich den Laden wieder mit einer Hugo Boss Tüte.

Angetan von seiner Erscheinung blieb ich noch etwas vor der Plakat im Schaufenster stehen.

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