Liebe auf den ersten Klick – Teil 18

„Welche?“

Ich stand auf und lief zu Rileys Pinnwand.

„Bild siebzehn und dreizehn schreibt sie.“

„Und wo stammen die Bilder her?“, fragte nun Riley, der das Gespräch weiter verfolgt hatte.

„Ihr werdet lachen. Das eine ist ein Laden hier im Covent Garden, sagt euch etwas Rose and Crown Hairdresser etwas?“

„Ja klar, der liegt auf der anderen Seite der Halle, so ziemlich am Ende“, erklärte Riley.

„Damit wäre geklärt, wo Mr. Smith seine Haare machen lässt.“

„Das ist aber ein ganz normaler Laden“, kam es von Riley.

„Na und?“, sprach Isaak weiter, „auch in normalen Läden kann man gute Frisuren bekommen. Was zeigt das zweite Bild?“

„Das Gordon Hospital in der Vauxhall Bridge Road. Warum fotografiert man ein Krankenhaus?“

„Er war eine Frau und hat sich zu einem hübschen Mann operieren lassen“, warf Isaak ein.

Riley lachte laut los.

„Quatschkopf!“

„Was weiß ich, vielleicht liegt dort ein Verwandter von ihm!“

„Bringt uns auch nicht weiter“, meinte ich und nahm die Notizzettel entgegen, die Riley geschrieben hatte und heftete sie an die Bilder.“

„Nicht wirklich. Wie viele Bilder stehen noch aus?“

„Fünf!“

„Das wird dünn Jack. Wenn wir nicht irgendeinen entsprechenden Hinweis bekommen, wirst du nie herausfinden wer er ist.“

„Da muss ich Riley Recht geben“, meinte Isaak.

Ich zuckte mit den Schultern, denn ich wusste auch keinen Rat.

„Sag mal, hat dein Neffe schon einen Freund? Oder hast du zu ihm auch keinen Kontakt und bist nicht auf dem Laufenden“, fragte ich um das Thema wieder zu wechseln.

„Als erklärter Lieblingsonkel…“

„… verständlich…“

„… bin ich immer auf den laufenden und nein hat er nicht, er ist noch auf der Suche.“

„Ich wüsste da jemanden.“

„Wer?“, fragten Riley und Isaak gleichzeitig.

„Nicht, dass ich dafür wäre, meinen Neffen zu verkuppeln, aber wen kennst du, der zu ihm passen könnte, du kennst ja Jakob nicht mal.“

„Da du bisher nicht ein negatives Wort über deinen Neffen hast fallen lassen, gehe ich davon aus, dass er ein sehr netter Junge ist und wenn er etwas vom Familienaussehen geerbt hat, auch noch gut aussieht.“

„Danke Jack…“, meinte Isaak lächelnd, „aber wen um alles in der Welt meinst du?“

„Connor…“

„Connor?“

Wieder fragten Isaak und Riley gleichzeitig, wobei mir einfiel, dass Riley nicht wissen konnte wer Connor war. Doch bevor ich etwas sagen konnte, fing bereits Isaak an zu erklären.

„Einer seiner früheren Schüler. War diese Woche hier im Laden und hat Jack seine Liebe gestanden.“

„Bitte?“, kam es entsetzt von Riley, „hier? Warum habe ich davon nichts mitbekommen?“

„Weil du nicht hier warst“, beantwortete ich seine Frage.

„Er ist in dich verliebt?“, fragte Riley zweifelnd und so laut, dass sich die wenige Gäste im Bistro zu uns drehten.

„Also ich glaube eher, dass ist so eine jugendliche Schwärmerei, der wir schon alle mal verfallen waren“, erklärte Isaak.

„Ich habe von niemandem geschwärmt“, kam es von Riley und ich musste grinsen.

Ich setzte mich wieder zu Isaak zurück.

„Und für wen hast du geschwärmt?“, fragte ich.

„Robert Orzabel.“

„Wer ist das denn?“

„Sagt dir die Gruppe Tears of Fears etwas?“

„Ja, die hatten ihre Erfolge in den Achtzigern“

„Kannst du dich noch an den Sänger erinnern?“

„Stimmt, jetzt wo du es sagst, das Lied „Shout“ war so genial. Wobei ich zugeben muss, sein Partner gefiel mir besser.“

„Curt Smith!“, lächelte Issak.

„Womit wir wieder beim Thema wären“, lachte Riley.

*-*-*

Ich hatte gerade, alle Programme auf meinem PC geschlossen, nachdem ich  meine Artikel per Mail abschickte, als sich eine Email ankündigte. Ich öffnete sie. Von meinem Chef – er gratulierte mir zu den gelungen Artikel der letzten Tage und dass er so kurz vor den Feiertagen mir mitteilen wollte, dass er mir wegen der guten Arbeiten einen Extrabonus zu kommen lassen wollte.

Die Zahl die dort stand, ließ ein breites Grinsen auf meinem Gesicht entstehen. Die Feiertage waren gerettet und mein konnte zu mehr als genüge gefüllt. Ich überlegte sogar kurz, ob ich zu meinem neu erworbenen Alexander Mc Queen Jackett, das passende Hemd dazu kaufen sollte.

Aber den Gedanken verwarf ich gleich wieder. Mir fiel auf, dass ich seit dieser Bilderjagd ich mich anfing zu ändern. Durch diese Hinweise stolperte ich in Kreise, in denen ich, trotz James früher nie angehört hatte.

Aber mir gefiel diese Welt, sie war angenehm, auch wenn sie etwas mehr kostete. James! An ihn hatte ich nicht mehr gedacht. Ich schloss die Datei und griff nach meinem Handy. Schnell war seine Nummer gewählt.

„James Randal“, meldete es sich auf der anderen Seite.

„Hallo James, hier ist Jack, ich wollte nur fragen wie es dir geht.“

Es kam keine Antwort.

„James?“

„Hm?“

„Was ist los?“

Plötzlich hörte ich James weinen. Oh Gott, dass war auch etwas, was ich an James nie kennen gelernt hatte.

„Wo bist du… zu Hause?“

„Ja…“, kam es leise.

„Bleib wo du bist, ich bin gleich bei dir“, versprach ich und drückte das Gespräch weg.

Ich drückte auf Isaaks Nummer und wartete.

„Issak hier.“

„Hallo Isaak, ich bin es Jack.“

„Hallo Jack, was liegt an…, es sind doch gerade mal…“, eine Pause entstand, in der er sicherlich auf die Uhr schaute, „… drei einhalb Stunden her, dass wir uns gesehen haben.“

„Hast du Zeit, sofort…?“

„Was ist passiert?“

„James ist passiert, ich hatte ihn gerade heulend am Handy.“

„Scheiße! Ich bin gleich mit dem Wagen bei dir?“

„Danke, dass war auch mein Plan, ich warte unten auf der Straße auf dich.“

„Okay, bis gleich.“

*-*-*

Ich traute meinen Augen nicht. Auch Isaak stand fassungslos neben mir. Die Tür zu James Wohnung war nur angelehnt, so betraten wir sie sofort. Was wir hier aber zu sehen bekamen, verschlug uns erst die Sprache.

Hilfesuchend und an der Lippe blutend saß James auf dem Boden in einem verwüstetem Zimmer.

„War das Oliver?“, fragte ich und lief zu James.

„…ja…“, kam es weinerlich von James.

„Ich ruf die Polizei“, sagte Isaak.

„Nein… bitte nicht“, rief James energisch, was er sofort bereute und sein Kopf festhielt.

„Du hast Schmerzen?“

Er nickte leicht. Isaak hob einen Stuhl auf und setzte sich, während ich mich neben James kniete und versuchte mit einem Papiertaschentuch das Blut an seiner Lippe etwas abzutupfen. Er wich etwas zurück.

„James so kann das nicht weiter gehen, du musst ihn anzeigen!“, meinte ich.

„Ich kann das nicht, ich liebe ihn doch…“

„Du liebst einen Mann der dich schlägt und deine Wohnung verwüstet?“

„Er…, er war betrunken.“

„Das ist doch keine Entschuldigung! Wo ist er jetzt?“

„Ich weiß es nicht, er ist plötzlich aus meiner Wohnung gerannt.“

„Und wie…“, ich machte einen Handzeig auf die Wohnung, „… kam es zu dem Ganzen?“

„Das… Outing zu Hause bei seinen Eltern ist wohl nicht so gut gelaufen… und er gab mir die Schuld dafür.“

„Bitte? Wieso dir?“

Isaak blieb ruhig im Hintergrund und hörte zu.

„Ich hätte ihn dazu verleitet, mit mir eine Freundschaft einzugehen.“

„Ist der jetzt ganz Jeck, schwul, war ja schon vorher, bevor er mit dir zusammen war.“

„… mit dem Schwulsein würden seine Eltern anscheinend noch zu Recht kommen, aber dass er mit einem Mann…öffentlich, … also mir zusammen leben will, davon schienen sie nicht begeistert zu sein.“

„James, ist das gegen dich gerichtet, oder so ganz allgemein?“, fragte ich verwirrt und ärgerlich.

Er schluchzte.

„… gegen mich. Du weißt doch…, er gehört dem, britischen Adel an, da verkehrt man nicht mit so einem Emporkömmling, wie mich anscheinend seine Mutter nannte.“

Ich konnte über diese Aussage nur meinen Kopf schütteln und schaute zu Isaak, der ebenso ratlos schaute.

„Komm, gehen wir ins Bad und schauen nach deiner Lippe“, meinte ich und zog ihn hoch.

„Aua…!“, schrie James und ließ augenblicklich los.

„Was ist los?“

„Ich… ich glaube, meine Hand ist gebrochen“, sagte er wimmernd und fing wieder zu weinen.

Ich wunderte mich, dass er da so ruhig saß, während anscheinend seine Hand gebrochen war.

„Ein Schock?“, warf Isaak ein, der anscheinend den gleichen Gedanken hatte wie ich.

„James, das hat alles keinen Sinn, wir müssen mit dir ins Krankenhaus!“

„…aber bitte keine Polizei“, wimmerte er, als ich ihm vorsichtig half aufzustehen.

„James, sei vernünftig! Das kannst du nicht durchgehen lassen“, kam es von Isaak, der nun neben mir stand, „soll ich dich vertreten?“

James nickte.

 

 

 

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