Zoogeschichten I – Teil 19

Gefühlsausbrüche

Jemand hustete in einer Kabine und Michael ließ mich wieder los. Er zog seine Badeshorts aus der Tasche und hatte sie schnell übergestreift. Dass dies eben nicht spurlos an ihm vorübergegangen war, konnte man nun noch an der mächtigen Beule in den Shorts sehen. Mir ging es aber nicht anders.

Ebenso war mir nicht entgangen, dass Michaels Brust und Bauch behaart waren, was mir aber auch sehr gut gefiel. Michael grinste mich verlegen an und so schoben wir ab in die Schwimmhalle.

„Hallo Dennis, auch mal wieder hier?“, fragte der Bademeister.

„Ja, Wasserratte bleibt Wasserratte!“

Michael schaute mich fragend an.

„Bevor du dumm stirbst, ich war zwei Jahre hier im Schwimmverein. Deswegen kennt man mich natürlich.“

„Ach so, deswegen diese Topfigur?“, fragte Michael und ich spürte seine Finger ganz sanft über meinen Rücken streichen, was mir am ganzen Körper eine Gänsehaut versetzte.

Das Blut, das meine Haut unter dem Gesicht füllte, pochte wie wild. Als würde Michael unter Strom stehen, versetzte er mir mit jeder seiner Berührungen jede Menge Stromschläge. Ich trat zurück an den Beckenrand und sprang ins Wasser.

Tief tauchte ich ein, zog mit kräftigen Zügen am Boden entlang. Wasser war und blieb mein Element, hier fühlte ich mich frei und wohl. Langsam stieg ich nach oben, bis ich die Oberfläche durchbrach.

Ich fuhr mir mit der Hand über das Gesicht, um das Wasser abzustreifen, das jetzt von meinen Haaren herunterfloss. Michael stand immer noch am Beckenrand, hatte mir nachgeschaut. Doch jetzt sprang er ebenso mit einem Hechtsprung ins Wasser, zwar nicht so elegant wie ich, aber das konnte man ihm ja noch beibringen. Ich musste grinsen.

Dicht vor mir tauchte er auf. Seine dunkelbraunen Augen funkelten noch mehr in Verbindung mit dem Wasser.

„Was ist?“, fragte er.

„Ich schaue mir nur deine Augen an.“

„Und was ist so Besonderes an meinen Augen?“

„Braune Augen wie ein Bär.“

„Bären haben es dir wohl angetan?“

„Ja, ganz besonders, gibt es schönere Tiere?“

„Du kannst das nicht so verallgemeinern, jede Tierart hat etwas Schönes an sich.“

„Stimmt hast Recht, aber Bären find ich nun mal am Interessantesten.“

„Alle Bären?“

„Nur die, die immer so ein machohaftes Verhalten an den Tag legen.“

Oh man, ich flirtete hier heftigst mit Michael, keine Skrupel mehr wegen Tim, der die ganze Zeit nicht meine Gedanken durchströmte und verwirbelte. Gestern Abend war es anders – ich war mit Tim zusammen und dachte die ganze Zeit an Michael.

„Du stehst auf Machos?“

„Bestimmt nicht, ich mag nur ihre Selbstsicherheit.“

„Bären mit braunen Augen und Selbstsicherheit, soso und noch etwas?“

Ich spürte Michaels Hand an meiner Hüfte, wie er mich sachte näher an sich heranzog. Ich schaute mich um und wunderte mich eh, dass heute die Halle so leer war.

„Ist so leer heute…“, meinte ich.

„Du vergisst wohl, wer heute Abend Fußball spielt.“

„Ach so, aber du – ehrlich – ich bin nicht so fußballbegeistert, das interessiert mich eher weniger. Ich bekomme es halt mit, wenn ganz Deutschland verrückt spielt, insbesondere mein Dad.“

„Ich wollte auch sicherlich nicht mit dir Fußball gucken heut Abend.“

„So, was hast du denn sonst mit mir vor?“, fragte ich. Unsere Gesichter waren nur noch Zentimeter auseinander.

Michael wurde rot und ich musste grinsen. Ich gab ihm einen Kuss auf die Nase und tauchte unter ihm hinweg, um wenige Meter wieder hinter ihm aufzutauchen. Er drehte den Kopf und lächelte mich an.

„Was hast du vor?“, fragte er mich.

„Was soll ich denn vorhaben“, tat ich scheinheilig.

Er schwamm wieder auf mich zu und nahm mich in den Arm. Beide hatten wir keinen Boden unter den Füssen, so war es etwas schwierig, über der Wasseroberfläche zu bleiben. Sein Mund kam dem meinen immer näher und bevor ich richtig reagieren konnte, presste er seine Lippen auf die Meinen und zog mich unter Wasser.

Dieses Gefühl, unter Wasser geküsst zu werden, war einfach irre. Wild atmend tauchte ich wieder auf und Michael direkt vor mir.

„Wer hat hier was vor?“, fragte ich grinsend.

„Es scheint dir aber zu gefallen“, meinte Michael.

„Habe nie etwas Anderes behauptet.“

Er drückte mir einen Kuss auf den Mund und ich wusste nicht warum, aber mein Blick fiel dabei über seine Schulter zu den Ausgängen der Duschen. Ich erstarrte.

„Was ist, ich dachte, dir gefällt das?“

„Scheiße“, entfleuchte es mir und schwamm zum Beckenrand, ich verließ das Becken, ohne auf das Rufen von Michael zu achten.

Ich rannte zur Dusche, ging hinein, aber es war niemand da. Hatte ich mir das eben eingebildet. Ich ging weiter zu den Umkleidekabinen, aber auch da war niemand, bis ich ein leises Wimmern hörte.

Langsam folgte ich dem Wimmern bis zu einer offenen Kabine. Ich hatte richtig gesehen… da saß Tim auf dem Boden und weinte, er hatte gesehen, wie Michael mich geküsst hatte.

„Tim?“

Erschrocken schaute er auf.

„Es tut mir Leid…“

Ich kniete mich neben ihm, legte meine Hand auf die Schulter.

„Du hast dich also entschieden…“, wimmerte Tim, „oder wusstest du das gestern schon… hast mich nur verarscht?“

Das klang jetzt schon eine Spur wütender.

„Ach Quatsch Tim… ich hab heute bloss gemerkt, dass ich … dass ich eben mehr für Michael empfinde… als für dich… ich mag dich sehr… aber mehr nicht…“

Den Rest hatte ich leise gesagt, es schnürte mir den Hals zu.

„Ich wusste doch gleich, ich bin dir egal“, kam es trotzig von Tim.

„Bist du nicht.“

Tim ging hoch fiel mir um den Hals.

„Aber ich liebe dich doch, reicht das nicht?“, heulte er mir jetzt schon fast hysterisch ins Ohr.

Er drückte mir eine Kuss auf den Mund, hielt mich fest, so dass ich mich kaum wehren konnte.

„Was soll das jetzt, was läuft hier für eine Scheiße?“

Tim ließ los und ich fuhr herum, hinter uns stand Michael.

„Na super, ich lauf echt von einer Scheiße in die Andere…“, setzte Michael nach.

Er fummelte seinen Schlüssel vom Handgelenk, öffnete seinen Spint und nahm alle Sachen heraus.

„Michael bitte, lass dir erklären.“

„Nicht nötig, ich habe genug gesehen!“

Mit den Sachen auf den Arm verschwand er durch die offenen Kabinen.

„Und, zufrieden?“, fuhr ich Tim an, der wieder kläglich zu einem Häufchen am Boden zusammengerutscht war.

Ich schlug mit der Faust gegen eine Spinttür, die laut knallend zu flog… Tim neben mir fuhr zusammen.

„Das hast du ja sauber hingekriegt“, schrie ich, „ und ich sag es dir noch einmal, ich liebe Michael und nicht dich!!!“

Ich nahm ebenso meinen Schlüssel, entledigte mich meiner nassen Shorts – es war mir scheiß egal, jetzt nackt vor Tim dazustehen. Nur halbherzig trocknete ich mich ab, um dann schnell in meine Klamotten zusteigen.

Ich nahm meine Tasche, stopfte Handtuch und Shorts rein und folgte dem Weg, den Michael gegangen war. Tim saß immer noch auf dem Boden, nein nun lag er und schluchzte hysterisch.

Ich blieb stehen, kämpfte mit mir selbst. Das war nicht ich, ich war bisher noch nie so kaltschnäuzig. Was hatte ich nur getan? Ich sank selber zu Boden, angelehnt an eine Kabinenwand und fing an zu weinen.

Hatte ich nun alles vermasselt und es mir mit beiden versaut? Ich riss mich zusammen, wischte mir die Augen trocken und lief zurück. Tim lag immer noch auf dem Boden und weinte.

Ich pfriemelte seinen Schlüssel vom Arm und öffnete seinen Spint, der wie damals direkt neben meinem lag. Er nahm mich nicht mal wahr. Ich zog sein Handtuch aus seiner Tasche, sein Geldbeutel fiel dabei auf den Boden, aufgeklappt blieb er liegen.

Ein Bild prangte mir entgegen… meins… Tim hatte ein Bild von mir in seinem Geldbeutel. Es zeigte mich auf dem Siegertreppchen, bei unserem letzten Wettkampf. Ich schüttelte den Kopf und steckte den Geldbeutel zurück in die Tasche.

Ich warf das Handtuch über meine Schulter und ging zurück zu Tim. Verzweifelt versuchte ich, ihn hochzuziehen, was nicht so einfach war. Er weinte immer noch, reagierte auf gar nichts.

Ich zog ihn hoch und setzte ihn auf die Bank der Umkleidekabine. Wild schluchzte er auf und weinte weiter. Na toll, was sollte ich jetzt machen? Ich warf das Handtuch um ihn herum und nahm ihn in den Arm.

Das war es, wovor ich Angst gehabt hatte. Der Vorschlag von meinem Dad, an mich zu denken, war zwar gut, aber nun hatte ich die Bescherung. Ich stand auf und ging wieder zu Tims Spint.

Ich entnahm alle Sachen und ging zurück zu Tim. Es hatte sich nichts an seinem Zustand verändert. Also beschloss ich den schwierigen Weg zu nehmen. Ich nahm seine Klamotten und zog ihn an. Seine Shorts war nicht nass, was mir schon etwas ersparte.

Willig ließ Tim alles mit sich machen, sich anziehen, wimmerte immer wieder und starrte starr in eine Richtung. Ich zog ihm seine Schuhe und Jacke an und schulterte dann seinen Rucksack auch noch.

Ich hoffte jetzt nur, es kam mir niemand entgegen. Ich zog ihn hoch, nahm Tim in den Arm und ging langsam mit ihm nach draußen. Ich hatte Glück, da heute eh nicht viele im Schwimmbad waren, begegnete uns auch niemand.

Schwieriger war es natürlich, mit Tim in die Straßenbahn zu steigen. Hier waren halt doch Leute unterwegs. Komisch wurden wir beäugt, aber es fiel zumindest kein Kommentar. Die ganze Zeit über saß Tim neben mir, wimmerte leise, zeigte aber sonst keine Reaktion.

Ich wusste von ihm, dass seine Eltern heute nicht zu Hause waren, so blieb mir wenigstens diese Erklärung erspart. Bei ihm zu Hause angekommen, durchsuchte ich seinen Rucksack und wurde auch fündig.

Ich entnahm den Schlüsselbund und versuchte verschiedene Schlüssel, bis ich die Haustür öffnen konnte. Da ich schon ein paar Mal bei Tim war, kannte ich mich aus. Ich führte ihn nach oben in sein Zimmer.

Ich zog ihm die Jacke und Schuhe aus und legte ihn auf sein Bett. Tim war völlig weggetreten, bemerkte überhaupt nicht, was mit ihm passierte. Ich deckte ihn zu und zog mein Handy heraus.

Ich wählte kurz die Nummern meiner Eltern. Es dauerte etwas und mein Vater nahm ab.

„Kahlberg.“

„Hallo Dad, hier ist Dennis!“

„Dennis…? Stimmt was nicht?“

„Das kann man wohl sagen, könntest du bitte zu Tim kommen und deinen Arztkoffer mitbringen?“

„Wieso, was ist denn?“

„Kann ich dir jetzt nicht so auf die Schnelle erklären, aber er liegt total apathisch da und weint.“

„Okay, ich bin gleich bei euch… Ritterstraße gell?“

„Ja, das gelbe Haus.“

„Okay bis gleich…“

Und schon war das Gespräch beendet. Ich schaute wieder zu Tim, der immer noch auf einen Fleck starrte und zitterte.

„Mensch Tim, sag doch endlich etwas!“, sagte ich und setzte mich zu ihm.

Er reagierte nicht. Ich wusste mir nicht mehr zu helfen, saß total hilflos da. Unten klingelte es an der Tür – war das schon Dad? Gut wir wohnten ja nicht weit von hier. Ich stürmte hinunter und es war wirklich Dad.

Ich erzählte in Kurzfassung, was passiert war.,Eer hob nur ein paar Mal die Augenbrauen, sagte aber weiter nichts dazu.

„Du rufst jetzt seine Eltern an, irgendwo da am Telefon wird ja eine Handynummer von ihnen liegen. Sag, sie sollen bitte sofort nach Hause kommen.“

Mir fiel etwas Besseres ein. Ich ging mit meinem Dad nach oben und nahm Tims Rucksack, schnell hatte ich sein Handy gefunden. Ich ging schnell die Nummern durch und wurde auch fündig.

Ich drückte auf Verbindung und wartete, dass jemand abnahm.

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