Zoogeschichten I – Teil 32

Kneipenabend

Da die Duschwand ja aus Plastik war, war Gott sei Dank nichts passiert. Nur eben, dass Michael mit dem Rücken draufknallte, nun wie ein Käfer da lag und alle Gliedmaßen von ihm abstanden – wohl bemerkt alle – und das vor den Füssen meines Dad’s.

Die Situation war so peinlich, dass sie wiederum lustig war und wir alle drei wie auf Kommando anfingen, laut los zu lachen. Ich war in der Zwischenzeit aus der Dusche gehüpft und hatte mir ein Handtuch umgebunden und Michael – mein Vater half ihm auf – stand nun mit hochrotem Kopf vor ihm.

Ich griff nach einem Handtuch und gab es Michael, der es sich schnell umwickelte. Ich holte mir ein zweites Tuch.

„Jungs… tut mir leid, ich bin nur heim gekommen, weil ich mir frische Sachen holen wollte… bin auch gleich wieder weg… wollt euch nicht erschrecken.“

„Das mit der Duschwand… bezahle ich…“, sagte Michael leise.

„Ach Quatsch, wir wollten uns eh eine neue Dusche kaufen, jetzt haben wir wenigstens einen Grund dazu.“

„Danke“, sagte Michael verschämt.

Mein Vater verschwand aus dem Bad, doch bevor ich etwas sagen konnte, streckte er noch mal den Kopf herein.

„Ach Michael… wenn ich ehrlich bin. Bei deinem Body werde ich sogar ein wenig neidisch!“

Und schon war er wieder weg. Ich fing an zu lachen und Michaels Gesicht wechselte in ein tiefes Rot.

Diesmal klopfte mein Dad an der Tür, bevor er eintrat, hätte er aber nicht zu tun brauchen, denn wir standen immer noch so da, wie er uns verlassen hatte.

„Ich fahr jetzt wieder zurück zur Klinik. Ich möchte bei deiner Mutter sein, falls sie aufwacht.“

So schnell wie meine gute Laune gekommen war, verflog sie nun wieder.

„Gibst du Mum noch einen Kuss von mir?“, fragte ich leise.

„Klar Dennis! Also tschüss Jungs und lasst die restlichen Wände noch stehen!“

Grinsend verschwand er aus unserem Blickfeld und wir waren wieder alleine. Unten hörte man die Haustür ins Schloss fallen und neben mir atmete Michael erst einmal tief durch, als hätte er die ganze Zeit den Atem angehalten.

Ich schaute ihn an, wir standen uns beide gegenüber, nur bekleidet mit einem Handtuch, die Arme vor der Brust verschränkt.

„Tut mir leid…Schatz, ich wollte dich nicht in diese peinliche Lage bringen.“

„Ach was… meinst du mein Vater denkt, wir sitzen die ganze Zeit Händchen haltend brav unten auf dem Sofa?“

„Könnte ja sein, aber ich habe schon gemerkt, wie cool dein Dad ist.“

„Tja, entweder man hebt als Arzt ab und wird arrogant und über alles erhaben, oder so wie mein Dad, der einfach viel erlebt hat und irgendwie voll abgebrüht ist.“

„Und das aus dem Mund eines Siebzehnjährigen.“

„Der bald achtzehn wird…, nein das hat mal meine Mutter so gesagt.“

„He Kleiner, nicht wieder die Löffel hängen lassen“, sagte Michael und nah mich in den Arm.

Kannte er schon so gut meine Stimmungsschwankungen?

„Nein, geht schon, ich krieg dieses Bild aus der Intensivstadion nicht aus dem Kopf… ich habe Angst, Michael.“

„Dein Vater hat doch gesagt, in ein paar Wochen ist deine Mutter wieder die Alte, er muss es doch schließlich wissen als Arzt.“

Stumm lehnte ich mich an seinen Körper.

„Wollen wir hier Wurzeln schlagen oder gehen wir wieder rüber. Nachdem wir hier etwas Ordnung geschafft haben?“, fragte Micha.

„Okay, aufräumen und rüber gehen, ich muss Krümel auch noch eine Flasche machen.“

Michael hob die herausgefallene Duschwand auf und wir stellten fest, dass wir die gerade wieder einrasten lassen konnten. Noch immer mit dem Handtuch bekleidet, ging ich nach unten und rührte die Milch für Krümel an.

Ich erschrak etwas, als ich plötzlich Michaels zärtlichen Kuss auf meiner Schulter spürte.

„Hast du noch etwas vor?“, fragte ich.

„Eigentlich ja…, aber mir ist da etwas eingefallen… wir wollten uns noch mit Corinna und Kevin treffen. Aber ich denke, ich ruf Kevin an und sage ab. Er wird es verstehen, nach dem was heute passiert ist.“

„Nein du… vielleicht ist es gerade das, was ich brauche – etwas Abwechslung. Lass uns gehen. Krümel schläft nachher eh und wir können ihn alleine lassen.“

„Bin ich dir nicht Abwechslung genug?“, fragte Michael. Ob das jetzt gespielt zickig war oder echt, konnte ich nicht unterscheiden.

„Hallo? Du weißt ganz genau, wie ich das meine!“

Ich packte ihn, zog ihn an mich heran und küsste ihn innig. Meine Hände wanderten dabei über seine Rücken und ich konnte ein leises Brummen bei Michael hören. Etwas atemlos setzte Michael ab.

„Ich frage mich, wer hier mit wem noch etwas vor hat“, sagte Michael und küsste mich weiter.

*-*-*

Nach dem ich noch mit Brit telefoniert hatte, damit sie Bescheid über meine Mutter wusste, saßen wir im Auto und fuhren wieder Richtung Innenstadt.

„Und du meinst, da komme ich einfach so rein?“, fragte ich Michael.

„Klar, so wie du aussiehst, hält dich doch nie einer für siebzehn.“

Michael lenkte den Wagen in eine Seitenstraße und wurde auch bald fündig, ein einzelner Parkplatz lachte uns entgegen. Schnell hatte Michael sein Auto eingeparkt und wir stiegen aus.

„Da vorne um die Ecke, da müssen wir hin“, meinte Michael und zeigte die Straße hinunter.

So liefen wir in der kühlen Abendluft nebeneinander her. Ich weiß nicht, was es auslöste, aber plötzlich suchte ich Michaels Hand. Er schaute kurz zu mir und lächelte. Dann nahm er meine Hand und wir liefen Händchen haltend weiter.

Als wir um die Ecke bogen, sahen wir auch schon Kevin und Corinna. Die beiden gaben ein hübsches Pärchen ab, jetzt wo die Zookluft weg war und ich sie mal in privaten Klamotten sehen konnte.

Kevin machte den Abschuss, unter seiner Jacke lugte ein weites, weißes Hemd hervor, das nur bis zur Hälfte zugeknöpft war und einen Teil seines Oberkörpers preisgab.

„Geil anzusehen, gell?“, flüsterte Michael neben mir.

Konnte der Mensch Gedanken lesen?

„Ja“, flüsterte ich zurück und winkte den beiden zu.

„Da seid ihr ja, freut mich dass es doch noch geklappt hat“, begrüßte uns Kevin.

„Hallo Dennis“, fing Corinna an zu reden, „wir haben gehört, was mit deiner Mutter passiert ist, tut uns leid.“

„Danke Corinna… es geht ihr den Umständen entsprechend gut“, sagte ich und mehr wollte ich zu dem Thema nicht sagen.

„Dann gehen wir mal da hinein, meinte Kevin, legte seinen Arm um mich und schob mich nach vorne.

„Boah, das ist ja ein Luxusladen“, meinte ich.

„Deswegen solltest du dich ja auch besser anziehen“, erklärte Michael.

Etwas unsicher berat ich mit den Anderen den Laden, ein Mann kam auf uns zu.

„Wir haben reserviert, auf Gutweil“, sagte Kevin.

„Würden sie mir bitte zu ihrem Tisch folgen!“, sagte der Mann und lief voraus.

Es war etwas dunkel hier, doch konnte ich die vielen Paare an den Tischen wage erkennen. An unserem Tisch angekommen zog der Mann einen Stuhl zurück, damit sich Corinna setzten konnte.

Mir war unbehaglich zumute, besonders, weil hier alle älter als ich waren. So setzte ich mich dicht neben Michael, der seine Hand auf meinem Schenkel ruhen ließ.

„Was darf ich den Herrschaften bringen?“

Ich schaute Michael ratlos an, aber er zwinkerte nur mit den Augen.

„Für mich und meinen Freund hätte ich gerne eine Tropical“, sagte Michael.

„Wir schließen uns an“, sagte Kevin und zog eine Schachtel Zigaretten aus seiner Jackentasche.

„Auch eine?“, fragte er mich, was ich aber mit einem Kopfschütteln verneinte.

„Habt ihr gehört, was Corinnas Vater vor hat?“, fragte Micha.

„Meinst du das mit den Eisbären?“, fragte Corinna.

„Nein, er will jetzt eine Jungbärenstation einrichten und unser Dennis soll sich darum kümmern.“

„Cool, alle Achtung“, meinte Kevin.

„Warten wir erst mal ab. Ich weiß noch gar nicht, was da alles auf mich zukommt. Ich weiß nur, dass bereits drei Bären auf einen Platz bei uns warten“, erklärte ich.

„So nun erzählt mal, wie habt ihr eigentlich zueinander gefunden? Hat es gleich beim ersten Mal sehen gefunkt?“, änderte Corinna das Thema.

„Beim ersten Mal? Da hielt ich Michael für einen arroganten Schnösel.“

Kevin prustete los, was die Aufmerksamkeit der anderen Tische auf uns zog. Die Cocktails wurden gebracht und ich bekam riesige Augen, was da vor mir aufgetischt wurde. Ein großes bauchiges Glas, gefüllt mit verschiedenen Früchten, befüllt mit Multisaft… so sah es jedenfalls aus.

„Da ist nur etwas Zitronenlikör drin und ein bisschen Sekt, mehr nicht“, sagte Michael, der schon wieder meine Gedanken zu erraten schien.

„Und wann habt ihr gemerkt, dass da mehr zwischen euch ist?“, bohrte Corinna weiter.

„Gemerkt kann man so nicht sagen“, fing Michael an zu erzählen, „er ist mir halt eben aufgefallen. Er wirkte so… so… einfach lieb auf mich, aber ich hab es mir schnell abgeschminkt, weil ich dachte, er ist ein Hetero.“

Ich wunderte mich über die Offenheit, den beiden gegenüber.

„Und dann bist du wieder in dein altes Verhalten verfallen, stimmt’s?“, fragte Kevin.

„Was meinst du?“, fragte Corinna.

Das würde ich jetzt auch gerne wissen.

„Immer wenn Micha gemerkt hat, dass etwas für ihn unerreichbar war, hat er einfach auf Trotz gestellt und sich unmöglich benommen.“

„Stimmt“, rutschte mir heraus.

Oh Mann, kann ich nicht mein Lästermaul halten.

„Ja Dennis hat recht, ich habe es etwas übertrieben mit ihm…“, sagte Michael.

„Deswegen hast du ihn für arrogant gehalten? Jetzt verstehe ich, weil der Michael, den ich kenne, nichts Arrogantes an sich hat“, sagte Corinna.

Ich nickte und schlürfte einfach an meinem Cocktail, damit ich nicht groß reden brauchte. Mmmh, das Zeug schmeckte wirklich lecker. Es schmeckte schön frisch nach Früchten und man konnte den feinen Likör herausschmecken.

Eifrig löffelte ich die Früchte heraus und hörte gar nicht mehr auf die Anderen. Ich hatte nun einen Freund und im Zoo lief es auch richtig gut, was wollte ich noch mehr. Auch wenn die vergangenen Tage etwas heftig waren, mein Einstieg in die Tierwelt recht turbulent, so freute ich mich schon auf morgen, was mir der Tag bringen würde.

*-*-*

So. Hier verlassen wir nun kurz die Geschichte von Michael und Dennis, sie werden in weiteren Folgen aber immer wieder auftauchen. Zoogeschichten wird es weiter gehen, mit neuen Gesichtern, aber auch mit vertrauten und bekannten Leuten. Um es zu vereinfachen und zu zeigen, wer da gerade erzählt, wird am Anfang der Name der Person stehen.

Wer mehr über unsere deutschen Zoos wissen möchte, im Augenblick läuft auch im Fernsehen ARD jeden Mittag 16.10 Uhr die Dokusoap Eisbär, Affe und Co. Ob die vielen Azubis, die dort auftauchen, schwul sind, überlasse ich eurer Entscheidung. *g* Viel Spass beim Weiterlesen!

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