Engelchen und Teufelchen – Tür 15

tuer-15Es war schon dunkel, als ich nach Hause gebracht wurde. Peters Mutter hatte darauf bestanden, dass ich nach Hause gefahren wurde. Ich sah dem Wagen lange nach, in dem auch Peter saß.

Immer noch plagten mich die Zweifel, ob es richtig war, was ich da begann. Es waren zwei Welten, die da aufeinander trafen, daran gab es nichts zu rütteln. Jetzt mit rosa Brille schien alles so schön zu sein.

Doch meine rosa Brille hatte Risse. Zu stark waren die Prägungen durch andere. Torsten war der einzige bis jetzt, der etwas auf Peters Seite stand. Aber was würden die anderen sagen, wenn sie davon erfuhren, dass ich mit so jemandem zusammen war.

Was dachte ich da nur für einen Unsinn. Mir wurde kalt und ich betrat das Haus. Es wusste niemand etwas über mich, wie sollte sie das mit Peter heraus kriegen? Im Gedanken versunken schloss ich die Wohnungstür auf und lief in die Wohnung.

„Rafael?“

„Ja, Mum?“

„Du bist spät…“

Mum kam aus der Küche in den Flur, wo ich mich gerade meiner Klamotten entledigte.

„Ja, so ein Schwiegermütterliches Verhör kann lange dauern.

Entsetzt schaute mich Mum an, bis ich anfing zu grinsen.

„Das war Spaß! Peters Mutter hat mich zwar im gewissen Sinne ausgefragt, aber nicht über Peters und meine Beziehung zu einander.“

„Ihr seid also zusammen?“

Ich druckste etwas herum.

„Noch nicht so richtig…“

„Pass auf dich auf!“, sagte sie und verschwand in ihre Küche. Ich folgte ihr. Auf dem Tisch lag eine kleine Tüte mit Baumrinde. Ich nahm sie und saß sie mir genauer an.

„Ist für die Grippe, du weißt doch, es ist ein Stück vom Dach abgebrochen“, erklärte Mum, ohne dass ich gefragt hatte.

*-*-*

Peter

Als ich zurück kam, vernahm ich einen angenehmen Duft. Ich folgte ihm und fand mich auf der Terrasse wieder. Dort stand doch tatsächlich Nadine am Grill und hatte Schnitzel und Würstchen aufgelegt.

„… ähm grillen? Im Winter?“, fragte ich verwundert.

„Auf Wunsch ihres Vaters. Er meinte, im Sommer kann jeder grillen…“

Sie lächelte mich an.

„Mein Vater…?“

„Ja ich“, vernahm ich es hinter mir und drehte mich um, „ich hatte irgendwie Lust auf Gegrilltes.“

„Du weißt schon, dass du jederzeit auf einen der Weihnachtsmärkte hättest gehen können, da gibt’s es Grillgut in Massen.“

„Das ist aber nicht das Gleiche“, erwiderte er, klopfte mir auf die Schulter und stellte sich zu Nadine.

*-*-*

Ich war pappsatt. Mein Bauch spannte. Soviel hatte ich schon lange nicht mehr gegessen und Nadines Glühwein zeigte auch seine Wirkung. Meine Wangen glühten und mir war leicht schwindlig.

„Ich denke, ich werde unseren Junior ins Bett bringen müssen“, meinte Vater zu meiner Mutter.

„Quatsch, ich kann noch selbst laufen“, meinte ich und erhob mich.

Na ja, war wohl doch kein Quatsch. Meine Umgebung zog leicht nach und ich hatte doch Schwierigkeiten mich gerade auf den Füßen zu halten. Mein Vater begann zu lachen.

„Du hast doch nur einen Glühwein getrunken“, meinte Mum.

„Jetzt am Tisch, aber bevor du kamst, haben wir schon einen am Grill getrunken“, kam es von Dad, „ich bring ihn schnell hoch.“

Sie nickte. Dad legte seinen Arm um meine Hüften und ich fing an zu kichern, weil dies kitzelte. Langsam zog er mich die Treppe hinauf, was auch weiterhin von meinem Kichern begleitet wurde.

Oben angekommen, ließ er mich auf mein Bett plumpsen.

„Soll, ich dir noch beim Ausziehen helfen?“

„Nein, nein, das kann ich schon selber“, meinte ich kichernd.

Er grinste und verließ mein Zimmer.

*-*-*

Der Drang auf die Toilette, sprich eine volle Blase, weckte mich. Draußen war es noch dunkel und ich lag in voller Montur im Bett. Ich erinnerte mich an den Abend und musste grinsen. So hatte ich es wohl doch nicht geschafft, mich alleine aus zuziehen.

Langsam erhob ich mich und schlich leise zu meiner Zimmertür. Warum schlich ich eigentlich, ich war doch alleine. Nachdem ich mich um ein paar gefühlte Liter erleichtert hatte, entschloss ich mich meiner Kleidung zu entledigen und zu duschen.

Ein Blick auf die Uhr sagte mir jedoch, dass ich um fünf Uhr morgens wohl jemand damit wecken könnte. So warf ich einfach die Klamotten in die Wäschetonne und lief in meiner Shorts zurück.

Im Haus war es still und von irgendwoher zog es. Eine leichte Gänsehaut überzog meinen Körper. Ich schloss leise die Tür zu meinem Zimmer und sah den Übeltäter meiner Gänsehaut.

Mein eigenes Fenster war gekippt. Eilig lief ich zum Fenster und schloss es. Dabei konnte ich einen Blick in die Dunkelheit erhaschen, dass nur durch das Licht der Straßenlaternen durchbrochen wurde.

Es schneite wieder, wie sollte es anders sein. Aber reichlich, wie mir die Spurlose Straße zeigte. Weder Auto, noch ein Räumfahrzeug war um diese Zeit durch gefahren. Leicht zitternd zog es mich wieder ins Bett, wo ich mich in meine dicke Decke einkuschelte.

*-*-*

Rafael

Ich hatte eine unruhige Nacht hinter mir. Zu viele Träume hatten meinen geruhsamen Schlaf gestört. Ich lag schon eine Weile wach und durch das gekippte Fenster hörte ich draußen, wie sich langsam die Autos vorbeischoben.

Ab und zu hörte ich auch Schritte im knirschenden Schnee. Mein Wecker zeigte sechs Uhr an. Eigentlich war es Zeit zum Aufstehen, aber heute hatte ich ja keine Schule. Und dann wachte ich so früh auf und konnte nicht mehr schlafen.

Eine SMS ließ mich zusammen fahren. Wer schrieb mir um diese Zeit? So griff ich nach dem Handy und tippte mich im Dunkeln durch die Ordner. Doch schon das Licht des Displays ließ mich meine Augen schließen.

Mit halb geöffneten Augen kam ich an den Ordner. Peter? War der von allen guten Geistern verlassen, mir jetzt eine SMS zu schicken?

„Schon wach?“

Mehr stand da nicht. Ich schüttelte den Kopf. War etwas vorgefallen, oder vermisste er mich so sehr? Ich tippte meinen Text ein.

„Nein, ich schlafe noch!“

Senden! Was machte ich hier? Ich ließ polternd mein Handy auf den Nachtisch gleiten und drehte mich um. Wieder fiepte mein Handy. Leicht stöhnend drehte ich mich zurück und kämpfte mit der Decke.

„Ich vermisse dich!“, stand da.

Mein Blick fiel auf meinen Wecker, dessen Zahlen rot in die Dunkelheit prangten. Eine viertel Stunde nach sechs Uhr.

„Bist du aus dem Bett gefallen…“, schrieb ich zurück.

Nicht mal eine Minute später gab mein Handy erneut laut.

„Nein, meine volle Blase hat mich geweckt.“

Genervt schloss ich die Augen und atmete tief durch. Dann drückte ich die Anruftaste und hielt das Handy an mein Ohr. Es kam nur ein Klingelton und das Gespräch wurde angenommen.

„Morgen mein Engel“, flüsterte es mir entgegen.

„Morgen ist gut…, es ist noch mitten in der Nacht!“, brummte ich ins Handy.

„Oh wie süß, ein Morgenmuffel.“

„Heeee… sag mal… wieder haben Wochenende, da kann man doch mal ausschlafen.“

„Ja haben wir und was machst du heute?“

Es ließ sich nicht vermeiden und ich gähnte laut.

„… das weiß ich jetzt noch nicht. Mein Denkapparat liegt auf dem Kissen und arbeitet noch nicht richtig.“

„Schade…, ich dachte wir könnten uns heute treffen.“

„Können wir das nicht später ausmachen…, wenn ich richtig wach bin.“

„Deine Stimme tut gut…“

Ich seufzte.

„Aus dem Alter bist du heraus, dass ich dir eine Gute Nacht Geschichte vorlese und zudem ist schon Morgen.“

„Dann will ich einen guten Morgen Kuss.“

„Peter?“

„Ja?“

„Hast du irgendetwas eingeworfen?“

„Hä?“

„Vergiss es!“

„… ähm ich hab gestern nur bisschen Glühwein mit meinen Eltern getrunken, beim Grillen.“

„Grillen? Du weißt schon, dass wir kurz vor Weihnachten haben, oder?“

„War lustig?“

„O Gott, was hab ich mir da eingefangen?“

„Ein gut gelauntes Teufelchen.“

„Auch Engelchen brauchen ihren Schönheitsschlaf!“

„Quatsch, du bist hübsch genug, noch schöner, das würd ich nicht ertragen!“

Was ließ der da grad vom Stapel? Mein Handy fing gleich an zu triefen. Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte so schwieg ich.

„Wieder eingeschlafen?“

„Nein“, brummte ich.

Ich hatte mittlerweile das Handy aufs Kissen gelegt und es mit dem Ohr eingeklemmt.

„Süüüß“, kam in hoher Stimme durchs Handy.

Ich verzog mein Gesicht.

„Du weißt schon, dass Teufel dunkle Stimmen haben?“

„Stehst du auf dunkle Stimmen?“

Erneut seufzte ich.

„Willst du mich jetzt fragen, auf was ich alles stehe? Womöglich auch wie groß mein Schwanz ist.“

Auf der anderen Seite kicherte es.

„Gute Idee, dann weiß ich, welche Größe Kondome ich kaufen muss.“

Ich spürte, wie tief rot ich anlief. Was hatte ich da jetzt angezettelt. Nun war ich richtig wach.

„Peter…, ähm hör mal, das geht jetzt alles etwas schnell…, ich… ich hab noch nie…“

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1 Kommentar

    • andy auf 15. Dezember 2013 bei 22:12
    • Antworten

    Hm, tolle Story bis jetzt, bin auf die weiteren Folgen gespannt.

    LG Andy

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