Zoogeschichten II – Teil 64

Belagerung

Dennis

Ich glaubte nicht, was ich da sah! Das war ein Aufgebot an Polizei, wie ich es nur aus Filmen kannte.

„Michael, ich glaube, du stellst lieber dein Auto schon hier ab, da ist kein Durchkommen.“

Michael fand eine winzige Parklücke und fuhr hinein. Wir schnallten uns ab, während immer mehr Leute an uns vorbei strömten.

„Ob wir da überhaupt durchkommen, da ist doch sicher abgesperrt“, meinte Michael.

Ich zuckte mit den Schultern. Beide stiegen wir aus und Michael verschloss sein Auto. Ein riesiger Pulk von Menschen tat sich vor uns auf.

„Da drüben steht ein Polizist, fragen wir den doch einfach“, meinte ich und zog Michael hinter mir her.

„Entschuldigen sie“, begann ich, doch der Polizist nahm mich nicht war.

Vorsichtig tippte ich dem Beamten auf die Schulter. Nun schien ich seine Aufmerksamkeit zu erhalten, er drehte zumindest den Kopf.

„Bleiben sie bitte wie die anderen hinter der Absperrung“, meinte er nur und drehte sich wieder weg.

Etwas genervt, tippte ich ihn nun stärker auf seine Schulter und bevor er etwas sagen konnte, fiel ich ihm ins Wort.

„Vor dem Haus meiner Eltern hat es eine Schießerei gegeben, mein Freund ist fast erschossen worden, vielleicht hätten sie die Güte, uns dort hinzubringen!“, sagte ich leicht säuerlich.

„Da könnte ja jeder Rotzlöffel kommen und das behaupten.“

Boah, was bildet der sich eigentlich ein? Ich wollte gerade ansetzen, als ich Michaels Hand auf meiner Schulter spürte, die mich zurückzog.

„Dieser junge Mann“, begann Michael, „ist Dennis Kahlberg, dessen Eltern das Haus dort drüben bewohnen und wenn sie es nicht glauben, kann er ihnen gerne seinen Ausweis zeigen.“

Mist, der lag zu Hause bei Michael in meinen Rucksack.

„Und wenn sie dann immer noch nicht davon überzeugt sind, dann möchte ich ihren Vorgesetzten sprechen, weil sie verhindern, den Jungen zu seinen Eltern zu lassen. Ich werde jetzt aber erst mal Herrn Kahlberg anrufen, dass wir nicht durchgelassen werden!“

Michael setzte sein Pokerface auf und zückte das Handy.

Der Polizist schaute seinen Kollegen an und wandte sich wieder an uns.

„Würden sie bitte hier warten?“

Wir nickten.

„Du… mein Ausweis liegt im Rucksack, neben deinem Bett“, flüsterte ich Michael zu.

„Meinst du vielleicht, ich habe die Handynummer deines Vaters abgespeichert?“

Mit großen Augen sah ich ihn an und er… er grinste nur frech. Der Polizist kam zurück, mit einem Mann in Zivil.

„Dennis und Michael, nehme ich mal an“, fragte der Mann.

Verwundert nickten wir ihm zu.

„Kommen sie bitte mit!“

Wir folgten dem Mann im Anzug. Aber wir liefen nicht in die Richtung des Hauses, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Ich wollte gerade etwas sagen, als der Mann weiter sprach.

„Dort vorne wimmelt es von Fotografen. Es ist besser, wir benutzen den Hintereingang.“

„Seit wann haben wir einen Hintereingang?“, fragte ich verwirrt.

Der Mann bog in eine Hofeinfahrt, die in einem Garagenhof endete. Dort lief er bis zur letzten Garage und betrat sie. Immer noch verwirrt folgten wir ihm und landeten schließlich im Nachbarsgarten.

Dort war einer unserer Holzsichtschutzteile entfernt worden und gab einen Zugang zu unserem Garten frei. Ein Beamter in Uniform war abgestellt worden und nickte uns zu. Durch die offenen Läden konnte ich meine Eltern und Sebastian sehen.

Volker

Irgendwo in der Stadt musste etwas passiert sein, ich hörte jede Menge Martinshörner. Ich lag etwas unbequem und mein Arm schmerzte. Seit ich zu Bett gegangen war, lag David nun halb auf mir, ohne sich auch nur ein Stück zu regen.

Einzig seine Finger, die auf meiner Brust lagen, brachten mich fast zum Wahnsinn. Immer wenn ich fast am Abnicken war, begannen diese Finger, meine Brust zu kraulen. Was mich noch mehr ärgerte, mein Lustzentrum schien dies auch noch zu animieren.

Ein Blick nach unten, und die Zeltstange mitten im Bett bestätigte mir das. Mir wurde das jetzt zuviel. Langsam entzog ich mich David, was dieser mit einem Gebrummel kommentierte.

Ich stand vor dem Bett, betrachtete meinen Bruder und hatte eine Mordslatte in der Shorts. Ich lief in die Küche und suchte die Zigaretten, die ich heute Morgen gekauft hatte. Im Flur bei meiner Jacke wurde ich fündig.

Ich fetzte das Plastik ab und zog mir eine Zigarette aus der Schachtel. Hier mussten doch irgendwo noch Streichhölzer liegen? Mir fiel der Anzünder am Gasherd ein. Also lief ich wieder in die Küche und zündete mir endlich eine an.

Genüsslich zog ich an ihr, was ich aber gleich bereute. Irgendwie bekam ich den Rauch in den falschen Hals und begann, ordentlich zu husten. Wie ist es, das erste Mal zu rauchen? …ich schüttelte den Kopf.

Zweiter Versuch. Diesmal zog ich nicht wie ein Blöder daran. Etwas Positives hatte die Aktion auch noch an sich. Die Beule in meiner Shorts war weg. Ich ging wieder ins Schlafzimmer, vorbei am Bett, in dem sich David gerade recht verführerisch räkelte.

Der Junge trieb mich wirklich noch zum Wahnsinn. Ich ging zur Terrassentür und trat hinaus. Immer noch hörte man Polizeiwagen in der Ferne fahren. Aber das störte mich nicht weiter. Solange sie nicht aus der Richtung des Zoos kamen und bei mir nicht das Telefon klingelte, ließ es mich kalt.

Eine warme, sanfte Hand streichelte über meinen Rücken und ich fuhr zusammen.

„Kommst du …(gähn)… wieder ins Bett…mein Kopfkissen fehlt.“

David stand hinter mir, im Adamskostüm natürlich. Er legte seine Arme von hinten um meinen Bauch und seinen Kopf auf meine Schulter. Ich seufzte. Klein Volker meldete sich auch schon wieder.

Wollte David mich in die Klapse bringen?

„Darf ich die wenigstens noch fertig rauchen?“, fragte ich entnervt.

„Hier draußen ist es kalt…“

„Dann geh wieder rein, oder zieh dir was an.“

„Du bist aber so schön … warm…“, brabbelte David und rieb sich an meinem Körper, was mir eine Gänsehaut bescherte.

„Sag mal, machst du das immer so?“, fragte ich und entzog mich seinen Armen.

„Was denn?“, fragte er müde, öffnete endlich die Augen und schickte einen Gähner hinterher.

„Männer so anbaggern!“

Mit einem Male waren seine Augen offen und er hell wach. Verwirrt schaute er sich um und bemerkte auch seine Nacktheit.

„Ups…sorry Bruderherz… hab ich etwas Anstößiges gemacht?“, fragte er und hob seine Hände vor sein Teil.

„Bis jetzt NOCH nicht, und verdecken brauchst du den da auch nimmer, den kenn ich schon“, sagte ich und betrat das Schlafzimmer.

Ich entsorgte die Zigarette und ging wieder in mein Bett, während David immer noch am Rahmen der Balkontür lehnte und mich ansah. Entnervt rollte ich mit den Augen und klopfte auf die freie Seite neben mir.

Ein Grinsen spielte auf Davids Lippen. Er hechtete ins Bett und krabbelte wieder unter die Decke.

„Was soll ich mit dir nur machen?“, meinte ich und schüttelte den Kopf.

„Das sage ich jetzt lieber nicht“, kam es kleinlaut von David, der schnell seinen Kopf einzog.

Dennis

Sebastian saß eingehüllt in eine Decke auf dem Sofa. Sein Blick war starr nach vorne gerichtet. In der Hand hielt er eine leere Tasse. Fragend sah ich meine Eltern an.

„Er steht unter Schock“, sagte mein Vater.

„Er sitzt schon die ganze Zeit so da?“, fragte Michael.

Meine Mum nickte.

„Sebastian?“, sagte ich leise.

Ich setzte mich langsam neben ihn und nahm ihn in den Arm. Ein leichtes Zucken ging durch Sebastians Körper. Er drehte seinen Kopf zu mir.

„Nur wegen irgendwelche Jobquerelen meines Vaters musste Lutz sterben“, sagte er leise, „hat mir Jipsi erzählt.“

Fassungslos schaute ich Sebastian an.

„Mein Vater hat seinem Onkel den Job vor der Nase weggeschnappt. Dafür musste Lutz büßen, weil der Onkel nicht damit fertig wurde und sich das Leben genommen hat.“

Sebastians Tränen liefen ungehindert seine Wangen hinunter. Ich zog ein Tempo aus der Box, die auf dem Tisch stand und reichte es ihm.

„Ich kann das meinem Vater niemals sagen… das würde ihn umbringen…“

„Sebastian, dein Vater hat doch keine Schuld daran, dass der Jipsis Onkel sich umgebracht hat. Und noch weniger, wenn dieses kranke Hirn deswegen deinen Bruder getötet hat“, meinte Michael und setzte sich auf die andere Seite von Sebastian.

„Bringt ihr Sebastian in sein Zimmer? … ich komme später und schaue noch mal nach ihm“, meinte Dad.

„Du glaubst doch nicht, dass wir ihn jetzt alleine lassen? … mein Bett ist groß genug… oder Schatz?“, meinte ich.

„Ja…, diese Zusammenstellung… habe ich da schon Mal gesehen“, meinte Dad und Mum sah ihn fragend an.

Volker

Während der Kleine schon lang in das Reich des Morpheus eingezogen war, lag ich immer noch wach im Bett. Ich war hell wach. Ich stand also auf Männer und mein eigener Bruder erregte mich… machte mich geil.

Hörte sich irgendwie krank an. Ja ich hörte gerade was Anderes. Jürgen, der jetzt den Einwand brachte… schwul sein ist keine Krankheit. Da fiel mir ein Satz ein, den Micha mal vom Stapel gelassen hatte.

>Schwulsein wäre ein Lebensgefühl!< Lebensgefühl… das Leben fühlen. Das Einzige, was ich grad fühlte, war, dass mein Bruder halb auf mir hing und jetzt auch noch anfing, zu schnarchen. Ich tippte ihn in die Seite, er zuckte kurz und schon war wieder Ruhe. David war süß wie ein Baby… wenn er schlief. Ein langer Seufzer entrann mir. Entweder, er suchte sich bald möglichst eine kleine Wohnung, oder ich musste ihn in eins der leeren Zimmer ausquartieren. Eine Dauerlösung war diese Bettgeschichte nämlich nicht. Ich drehte mich einfach auf die andere Seite und schloss wieder die Augen. David brummelte wieder irgendwas, rückte aber dann nach. Sein Body lag nun an meinem Rücken sein Arm über mir. Irgendwann ertrank ich im Strudel meiner Gedanken und schlief ein. Michael „Sollen wir Sebastian nicht einfach mitnehmen… zu mir, weg von hier?“ Dennis schaute mich fragend an. „Der Lärm da draußen wird noch eine Weile weiter gehen.“ „Meinst du… wir können das einfach?“ „Ich frage einfach deinen Vater, okay?“, meinte Michael und verschwand. Ich saß auf dem Bett, wo Sebastian zusammengekauert lag. Ich streichelte ihm sanft übers Haar. Er reagierte nicht und wimmerte nur. Wie konnte ich ihm nur helfen? Dad erschien in meinem Zimmer. „Ich habe mit dem leitenden Beamten gesprochen... Er fände die Idee auch gut. Michael soll mit seinem Auto in den Innenhof fahren, so könnt ihr unbehelligt verschwinden… wir werden hier schon mit der Situation klar kommen“, meinte er. „Gut, dann pack ich ein paar Sachen für ihn zusammen“, sagte ich und ging in Sebastians Zimmer. „Ruft mich bitte an, wenn sein Zustand sich verschlechtern sollte“, hörte ich Dad sagen. Michael kam ins Zimmer. „Du Schatz, ich hole schon mal das Auto, komm du dann bitte mit Sebastian nach unten.“ „Du solltest vielleicht deine Eltern informieren…, nicht, dass sie einen Schrecken bekommen, wenn wir auftauchen.“ „Habe ich eben schon getan.“ Ich gab Michael einen flüchtigen Kuss. „Du denkst eben an alles“, meinte ich. „Du doch auch.“

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