Zoogeschichten III – Teil 116 – Hässliche Kleinkriege

tuer-04116.Hässliche Kleinkriege
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Dennis

„Du dreckige schwule Ratte, wie konntest du dass Mutter nur antun?“

„Gregor, es reicht!“, schrie Jürgen und stellte sich zwischen ihn und Volker, der immer noch am Boden lag und sein Kinn rieb.

„War ja klar, dass du auf seiner Seite stehst, ihr seid doch alle dasselbe Pack!“, schrie der Kerl weiter.

Nun schien es Jürgen zu bunt zu werden, er holte aus und knallte diesem Gregor eine.

„Es reicht!“, schrie er nochmal, „dass Pack hat dir dein Studium bezahlt, deine Wohnung, einfach alles!“

„Lass ihn Jürgen, er hat ja Recht…“

„Egal mit was er Recht hat, das ist kein Freibrief seinen eigenen Vater niederzuschlagen.“

Entsetzt schaute ich zu Micha, das war sein Sohn? Ich wollte zu Volker, ihm aufhelfen, aber Michael hielt mich zurück.

„Ja, nimm ihn nur noch unter Schutz, aber dass du es gleich weißt, ich steh zu Mum und du wirst bei der Scheidung bluten, dass schwöre ich dir!“

Ohne ein weiteres Wort, ließ dieser Gregor uns stehen und verschwand.

„Scheidung?“, stellte Jürgen Volker die Frage, der sich noch immer etwas benommen an den Wagen lehnte.

„Ja, ich habe Marion um die Scheidung gebeten.“

*-*-*

Rolf

Ich musste unbedingt mit Volker reden, ich konnte das nicht so stehen lassen. Ich wusste ja, er meinte es nur gut, aber dies wollte ich ohne seine Hilfe regeln. Lucca war mein Sohn und ich wollte um ihn kämpfen.
Das meine Frau dies auf eine schlammschlacht hinaus laufen lassen wollte, war ich mir sicher und sie würde alles gegen mich verwenden, was sie konnte. Beruhigend war es schon, dass was mein Anwalt so von sich gab.
Zu allererst ginge es um das Wohle des Kindes. In dem Falle Lucca. Er würde ebenso zu dieser Sache gehört werden und seine Aussage hätte großes Gewicht, da er mit seinen sechszehn ja bald volljährig war und nicht mehr ein kleines Kind war.
Ich war auf gut Glück in den Zoo gefahren, weil ich da Volker eigentlich immer antraf. Zu tief in meinen Gedanken versunken, sah ich den jungen Mann nicht, der nun voll in mich hinein lief.
Nun saß ich auf dem Boden und spürte einen leichten Schmerz an der Schulter.

„Oh, Entschuldigung! Ich habe sie nicht kommen sehen“, meinte ich und versuchte mich zu erheben.

„Pass doch auf! Keine Augen im Kopf!“, warf mir mein Gegenüber an den Kopf.

Bevor ich etwas erwidern konnte, war er schon wieder aufgesprungen und weiter gerannt.

„Alles klar?“, hörte ich eine mir bekannte Stimme.

Ich drehte den Kopf und sah Fritz auf mich zu kommen. Ich musste lächeln.

„Nur ein angekratztes Ego… ich merke das ich älter werde…“

Fritz streckte mir seine Hand entgegen, die ich gerne in Anspruch nahm.

„Was wollte Gregor von dir?“

„Gregor?“

„Ja, der junge Mann, der eben weggerannt ist, dass war Volkers Sohn.“

„Erstens haben wir uns gegenseitig über den Haufen gerannt und zweitens wusste ich nicht, dass das Volkers Sohn war. Etwas unfreundlich…, war das einzige was ich mitbekommen habe.“

„Komisch, so kenne ich Gregor gar nicht.“

Ich klopfte gerade meine Hosen etwas ab, als uns Volker mit den Asiareisenden entgegen kam.

„Ihr seid schon da? Hallo!“, kam es von Fritz und schüttelte jedem die Hand.

Ich tat das gleiche, während ich aber Volkers Hand etwas länger hielt. Sein Kinn war heftig rot, was anscheinend auch Fritz auffiel.

„Was hast du denn gemacht?“, fragte Fritz an Volker gewandt.

„Dass…“, begann er und wurde von Jürgen unterbrochen, „war sein Sohn!“

„Gregor? Der hat grad eben Rolf über den Haufen gerannt…, was ist passiert?“

„Du hast Gregor getroffen…?“, sagte Volker kleinlaut.

„Leute, können wir rüber ins Haus gehen“, unterbrach Jürgen das Gespräch.

*-*-*

Dennis

„Micha, würdest du mich heim fahren? Ich denke, dass ist Familiensache.“

„Ich gebe dir recht, auch wenn es jetzt interessant zu werden scheint, es geht uns nichts an.“

„Wieso interessant?“

„Siehst du die Frau, die auf das Haus zugelaufen kommt?“

Ich nickte.

„Das ist Marion, Volkers Frau.“

„Oha…“

„Ja… oha!“

„Du, wenn ich es mir recht überlege, möchte ich noch kurz bei Sabine vorbei, bevor wir fahren.“

„Kein Problem, wie du wünschst“, antwortete Micha und hauchte mir einen Kuss auf die Wange.

*-*-*

Sebastian

Neidisch sah ich zu beiden ins Becken. Wie gerne hätte ich jetzt Brit in meinen Armen. So ließ ich Robert und Adrian ungestört und lief ein Becken weiter, wo Theo, Hedi und Paula ihre Bahnen zogen.
Heike war ebenfalls anwesend und putzte irgendwas.

„Hallo Heike, bin mit der Küche fertig, was kann ich als nächstes tun?“

„Gut, dann kümmere dich mal etwas um unsere drei Racker, die scheinen mir heute noch nicht genug Bewegung gehabt zu haben.“

„Übungen oder Spielen?“

„Einfach nur spielen…“

„Okay, mach ich.“

Ich schnappte mir einen Ball und ließ mich ins Wasser gleiten. Theo kam als erstes auf mich zu. Mittlerweile hatte ich die Angst fast vor ihm verloren, nein so konnte ich es nicht richtig nennen. Angst war es keine, ich hatte einfach viel Respekt vor diesem großen Tier.

„Hallo Theo“, rief ich und streichelte ihm über den Rücken, als er an mir vorbei schwamm.

Auch Hedi und Paula holten ihre Streicheleinheiten ab. So nahm ich den Ball und warf ihn einfach in die Mitte des Beckens.
Theo nahm den Ball sofort auf und feuerte ihn sofort wieder in meine Richtung zurück. So wiederholte ich dies ein paar Mal, merkte jedoch nicht, dass mein liebster Fanclub auf der Tribüne Platz genommen hatte.
Als ich die zwei Damen bemerkte, winkte ich ihnen freundlich zu. So spielte ich noch eine Weile mit den dreien, bevor mich Heike aus dem Wasser rief.

*-*-*

Rolf

Irgendwie schien alles aus den Rudern zu laufen. Erst die Sache mit meiner Frau und jetzt Volkers Sohn. Mit einem Whiskey in der Hand saß ich im Ohrensessel in Jürgens Bibliothek. Volker saß mir gegenüber und hielt ein Kühlpad an seine Wange.

„Es tut mir alles so Leid…“, begann ich.

„Dafür kannst du nichts, Rolf.“

„Hätte ich dir nicht an den Kopf geworfen, dass du noch verheiratet bist, wäre es doch nie dazu gekommen.“

Volker legte den Kühlpad ab.

„Rolf, hör mal zu. Du hast mit vielem, was du gesagt hast Recht und ich will einfach klare Lienen schaffen, nicht mehr oder weniger. Marion und ich leben schon eine Weile getrennt, haben selten etwas miteinander zu tun.Warum soll ich mich nicht scheiden lassen, damit ich wieder frei sei kann…für dich und Lucca, ihr zwei bedeutet mir wirklich viel und sind wichtig für mich.“

„Deswegen dass mit dem Anwalt?“

„Entschuldige, dass ich oft den direkten Weg gehe und nicht über die Konsequenzen nachdenke.“

„Du musst dich nicht entschuldigen Volker, ich weiß du hast es nur gut gemeint. Ich möchte nicht, dass meine Exfrau ein Grund wird, der einen Keil zwischen uns treibt.“

„Wird sie sicher nicht.“

„Und was ist jetzt mit deinem Sohn?“

„Ich weiß es nicht.“

Die Tür ging auf und Jürgen kam herein, gefolgt von einer Frau, die ich nicht kannte.

„Marion, was tust du hier?“, fragte Volker überrascht und stand auf.

Seine Frau? Oje und ich auch hier, am liebsten hätte ich mich jetzt verdünnisiert.

„Jürgen hat mich angerufen, entschuldige, ich weiß nicht was in Gregor gefahren ist, tut mir wirklich leid.“

„Kein Problem, er war schon immer gegenüber mir aufbrausend.“

„Das ist aber kein Grund, dich zu schlagen.“

„Egal, das ist jetzt eh zu spät. Darf ich dir Rolf meinen Freund vorstellen?“

Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht, dass Volker mich gleich seiner Frau als Freund vorstellt.

So stellte ich das Glas ab und erhob mich um ihr die Hand zu schütteln. Sie lächelte mich unsicher an und wandte sich wieder an Volker.

„Geschmack hast du ja, das muss ich dir lassen, aber kannst du mir sagen, wie wir das ganze schnell aus der Welt schaffen? Ach so, Gregors Meinung ist nicht meine und warum er so heftig reagiert, weiß ich nicht, ich dachte, wir hätten ihn toleranter erzogen.“

„Weiß es Martina schon?“

„Da bin ich mir sicher, zwar nicht von mir, aber Gregor wird sie schon informiert haben. Ich habe gehört, der Zoo wird vergrößert?“

Sie wechselte das Thema, war das jetzt gut oder schlecht?

„Setzen wir uns doch“, meinte Jürgen.

Unwohl setzte ich mich in meinen Sessel zurück. Jürgen schenkte sich und Volkers Frau ebenso einen Whiskey ein, reichte ihn ihr und setzte sich.

„Ja wir haben mit den Bauarbeiten bereits begonnen und durch einen zufälligen Fund von
Volker, ist das Ganze fast schon bezahlt.“

„Fund von Volker?“

So erzählte Jürgen die ganze Geschichte und so erfuhr ich auch Dinge, die mir Volker so nicht erzählt hatte.

„Das war ganz schön leichtsinnig von dir“, rutschte es mir heraus.

„Daran müssen sie sich gewöhnen“, grinste Volkers Frau, „er war schon immer so.“

Anscheinend musste ich mich bei dieser Familie noch an vieles gewöhnen. Genauso, dass hier jeder es als normal empfand, das Volker und ich ein paar waren. Bis auf diesen Sohn, Gregor, dass schien mir ja ein Bürschchen zu sein, so ganz aus der Art geschlagen.
Dass er so negativ auf die Homosexualität seines Vaters reagierte war schon komisch, da sein Onkel David, Volker jüngerer Bruder ja ebenso schwul war und das schon ziemlich lange offen.
Ich spürte Marion rüfenden Blick auf mir. Gerne hätte ich gewusst, was sie dachte.Jahrelang mit einem Mann zusammen leben und dann zu erfahren, dass dieser schwul ist. Meine eigene Frau hatte zu diesem Thema nie etwas geäußert, wusste ich ja auch nicht, ob sie es überhaupt gewusst hatte, vor dem Vorfall mit Lucca.

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