Zoogeschichten III – Teil 128 – Ängste

tuer-16128. Ängste
© by Pit 2014

Dennis

„Hallo Schatz, was machen deine Rippen?“

„Gut, ich spür sie kaum und die frische Luft hier draußen tut mir gut“, antwortete Micha.

„Zeit für Mittagessen?“

„Für Essen immer!“

Ich musste grinsen und gab ihm einen Kuss.

„Kannst du hier so einfach weg?“

„Ich sag es einfach dem Vorarbeiter, soll mich ja übrigens auch schonen!“

„Okay ich warte.“

So beobachtete ich, wie Micha sich unsicher durch die Baustelle bewegte und mit einem Mann sprach.

„Dennis!“, hörte ich es hinter mir rufen.

Ich drehte mich um und sah Fritz mit seinem Praktikanten auf mich zu kommen.

„Du gehst doch essen, könntest du Marvin mitnehmen, ich hab grad Volker an der Strippe, ist wichtig, könnte länger gehen.“

„Klar, kann Marvin mit. Ist alles in Ordnung mit Volker?“

„Reden wir später drüber, nicht hier und jetzt.“

„Okay…, Marvin ich warte gerade noch auch Michael, dann können wir in die Kantine. Sabine kommt sicher auch gleich.“

„Ich bin dann wieder weg“, meinte Fritz, hielt sich sein Handy ans Ohr und verschwand.

Hoffentlich war alles in Ordnung.

„So, bin fertig wir können“, hörte ich hinter mir Michael.

„Wir nehmen Marvin mit. Sabine kommt nach und Fritz hat ein wichtiges Telefongespräch.“

„Okay“, sagte Micha, „dann mal los, ich hab einen Bärenhunger.“

*-*-*

Phillip

„Bist du mit den Impfungen der Kleinbären durch Phillip?“, fragte Reinhard.

„Ja, alle drei.“

„Schau dir mal die zwei Anfragen an, es spricht sich langsam wirklich herum, dass wir hier eine kleine Aufzuchtsstation gegründet haben. Eine aus Österreich, die andere München.“

„Was für Bären?“

„Beides Malaienbärchen.“

„Da wird sich Dennis freuen.“

„Klar, mehr Arbeit für ihn. Was anderes, nächste Woche steht eine schwierige Operation bei unserem Zebrahengst an, meinst du kannst mir assistieren?“

„Gerne, soweit ich kann.“

„Ich überlege, die ganze Zeit, ob ich noch einen Arzt hinzuziehen soll, falls es zu Komplikationen kommt.“

„So arg?“

„Ja, unser Hengst ist nicht mehr der Jüngste, und seit er in den Graben stürzte, isst er nicht mehr richtig. Ich weiß nicht, wie fit er ist und ob wir die OP an seinem Hinterlauf durchführen können.“

„Was hältst du von Dennis Vater, dieser Doktor Meisenberger“, fragte ich.

„Gute Idee, aber ich muss mich vorher erst noch mit dem Chef kurzschließen, wegen der rechtlichen Seite. Aber wenn du willst, kannst du ja schon mal anfragen.“

„Kein Problem, aber erst geh ich mal essen.“

„Ist es denn wieder so spät?“

„Ja, bis später dann.“

*-*-*

Volker

Ich hatte Fritz mitgeteilt, was geschehen war und ihn gebeten, dass er auch Jürgen informiert. Ich lief knapp hinter Gregor her, der unsicher das Polizeirevier betrat. An der Theke angekommen, sah mich Gregor flehend an.

„Hallo, was kann ich für sie tun.“

„Kolping mein Name, wäre es möglich Kommissar Müller zu sprechen?“

„In welcher Angelegenheit.“

„Es geht um Lucca Gerstner.“

„Einen Moment bitte.“

Der Beamte ließ uns kurz alleine. Mein Blick fiel auf Gregor. Er war blass und zitterte am ganzen Körper. Ich legte meine Hand auf seine Schulter und drückte sie leicht.

„Das wird schon werden, ich bin bei dir.“

„… und wenn die mich… gleich dabehalten?“

„Das glaube ich nicht!“

Der Beamte kam wieder.

„Würden sie mir bitte folgen?“

Ich nickte und schob Gregor leicht vor mir her. Wir folgten den Beamten in den Flur, wo er gleich bei der zweiten Tür stoppte. Er öffnete sie

„Herr Kolping“, sagte der Beamte nur, nickte mir zu uns ließ uns eintreten.

„Hallo Herr Kolping, wie geht es Lucca?“

Ich reichte ihm die Hand.

„Schon besser, er ist zu Hause, hat aber noch den Gips am Arm und Bein.“

„Das freut mich zu hören. Womit kann ich ihnen helfen, setzten sie sich doch!“

Ich schaute auf Gregor, der wieder diesen flehenden Blick drauf hatte, aber dieses Mal musste er alleine dadurch.

„Ich…“, begann er zu stottern, „… ich hab die drei Jungs angestiftet… Lucca zusammen zuschlagen.“

Ich konnte nicht recht deuten, was dieser Kommissar nun dachte, sein Gesicht zeigte keinerlei Miene. Nur seine Augen wurden etwas kleiner.

„Und sie sind?“

„Gregor… Gregor Kolping.“

Nun konnte ich erstaunen in seinen Augen sehen.

„Und sie sind mit Herr Kolping wie verwandt?“

„Mein Vater…“

Ich nickte. Kommissar Müller atmete tief durch.

„Herr Kolping, oder darf ich Gregor sagen?“, Gregor nickte, „okay, es läuft nun so ab. Gleich wird eine Kollegin vorbei kommen und sie zu einer Aussage mitnehmen.“

„Aber…“, hilfesuchend schaute er mich an.

„Ich bin hier!“, meinte ich nur.

„Ihr Vater wird bei mir warten“, bestätigte Kommissar Müller meine Aussage und griff nach dem Hörer.

Ein paar Minuten später öffnete sich die Tür hinter uns.

*-*-*

Dennis

Ich wollte gerade aufstehen und Micha und mein Tablett wegräumen, als Fritz zu uns stieß und sich neben Sabine fallen ließ.

„Alles in Ordnung?“, fragte diese.

Fritz schüttelte den Kopf.

„War grad beim Chef, Volker hat mich angerufen und mir was… nein ich glaub das nicht!“

„Was“, fragten wir fast alle im Chor, bis auf Marvin, der schon die ganze Zeit kein Wort über die Lippen brachte.

„Volker ist bei der Polizei. Gregor will sich stellen“, erklärte Fritz.

„Wieso stellen, das war doch nur eine Ohrfeige und Phillip und mir ist nicht wirklich was passiert“, kam es von Micha.

„Quatsch, doch nicht wegen euch. Gregor hat die drei Jugendlichen angestiftet, Lucca zu verprügeln!“, kam es ärgerlich von Fritz.

Nun herrschte Sendepause, keiner sagte etwas.

„Wer ist Lucca?“, fragte Marvin.

Sauer schaute ich ihn an.

„DEIN Vorgänger!“

*-*-*

Michael

Ich war auf dem Rückweg zur Baustelle. Noch immer nicht konnte ich fassen, was Gregor getan hatte.

„Und nur weil er sich vernachlässigt fühlte…“ dachte ich laut.

„Ja“, meinte Dennis neben mir.

„Ich fass das echt nicht.“

„Ich glaub so etwas kann man nicht verstehen, oder?“

„Ich weiß nicht, ich war noch nie in so einer Lage, du hast mich noch nie vernachlässigt!“

Dennis lächelte mich an.

„Was passiert nun mit Volkers Sohn, oh man, die Familie tut mir leid und erst Volker, wie muss er sich gegenüber Rolf und Lucca fühlen.“

„Daran habe ich noch gar nicht gedacht…“

Ich schaute nach vorne wo Sabine, Fritz und Marvin liefen. Marvin war auffällig nervös und schaute sich laufend um.

„Marvin, was ist denn los?“

„Ich wusste ja, dass es hier gefährlich ist…, aber so gefährlich ist!“

Ich blieb ruckartig stehen und sah Marvin entgeistert an.

„Marvin, dass passierte in Luccas Schule nicht hier!“, sagte Fritz und zog ihn kopfschüttelnd zum Bärenhaus.

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