Aschenbrödels Bruder – Teil 19

„Hättest du etwas dagegen, wenn Constanze und Lucas, dieses Wochenende bei uns verbringen würden?“

„Da spricht nichts dagegen…, dann wärt ihr vielleicht auch nicht so alleine.“

„Würdest du mit Regine reden, Constanze weiß nämlich noch nichts von ihrem Glück.“

„Was heckst du da wieder aus?“

„Ich?“, fragte ich scheinheilig, „gar nichts!“

„Okay, dann werde ich gleich mal Regina anrufen“, kam es von Mum und sie verschwand wieder im Wohnzimmer, während ich wieder in mein Zimmer lief, wo mich zwei überrasche Leute ansahen.

„Was denn?“, fragte ich verwundert.

„Könntest du uns wenigstens vorher fragen, bevor du solche Dinge ausmachst.“

„Öhm, ich weiß nicht mal, ob ich über Nacht bei euch bleiben darf und ich müsste noch einmal heim Sachen holen, morgen ist ja auch noch mal Probe…“

„Und wo ist da das Problem?“, fragte ich grinsend.

*-*-*

Alfred hatte sich dazu bereit erklärt, Constanze von der Schule abzuholen und dabei Lucas gleich mitzunehmen. Mum war hoch gekommen und kurz Bericht über Regines Entscheidung uns mitzuteilen und bekam mit, das Lucas gerade mit seiner Mutter sprach.
Kurzerhand übernahm Mum auch dieses Gespräch und hatte so alles geregelt. So saß Lucas nun bei Alfred im Auto.

„Ich würde gerne Constanzes Gesicht sehen, wenn Alfred und Lucas sie abholen“, meinte ich zu Sabine.

„Ich werde jetzt erst mal in mein Zimmer gehen und für Constanze etwas Platz schaffen, oder sollen wir alle bei dir nächtigen?“

„… öhm nein…“, antwortete ich verlegen.

„Habe ich mir schon gedacht“, sagte Sabine und verließ grinsend mein Zimmer.

Ein ganzes Wochenende mit Lucas. Ich wusste, das ging jetzt alles etwas schnell, wir kannten uns erst seit zwei Wochen. Aber besondere Situationen brauchen auch besondere Maßnahmen. War das jetzt nur eine Entschuldigung meinerseits, weil ich mich nach der Nähe von Lucas sehnte?
Ich grinste und zog mein Bett etwas zu Recht. Dann beschloss ich hinunterzugehen und setzte das auch gleich in die Tat um. Unten in der Küche traf ich nur Marianne an.

„Hallo Marianne, wäre es möglich, nach dem Mittagessen Tee für vier zu bekommen und von ihrem köstlichen Weihnachtsgebäck?“

„Kein Problem Benjamin. Ihre Mutter hat mich auch schon angewiesen, den Tisch im Esszimmer für sechs Personen zu decken.“

Oh Mum dachte wirklich mit, aber warum für sechs Personen? Erwartete sie noch jemand?

„Oh, vielen Dank Marianne, das wusste ich nicht.“

Sie nickte freundlich und ich verließ sie wieder. Fast fröhlich tapste ich hinüber ins Wohnzimmer, was aber leer war. So ging ich ins Esszimmer, aber auch dort fand ich Mum nicht.

„Sabine?“, rief ich im Flur.

„Ja?“, hörte ich sie rufen.

„Weißt du wo Mum ist?“

Sie kam in mein Blickfeld und schüttelte den Kopf. Die Tür zum Büro ging auf und Mum erschien.

„Du suchst mich?“, fragte sie.

Sie war ganz weiß im Gesicht und die glasigen Augen verrieten mir, dass sie geweint haben musste.

„Ist mit dir alles in Ordnung?“, fragte ich besorgt und Sabine kam die Treppe herunter.

Mum ließ sich auf den Stuhl fallen und verbarg ihre Augen hinter ihrer Hand.

„Ach Kinder, ich erfahre immer mehr über euren Vater. Ich schäme mich so, dass ich überhaupt nichts gemerkt habe, was für ein Unmensch er ist. Er war doch früher nicht so…“

Sabine und ich sahen uns hilflos an. Sie ging vor Mum in die Hocke und griff nach ihrer Hand. Das wird niemand wissen, bis auf ihn, aber du musst immer dran denken, du bist nicht schuld daran. Mum entzog ihre Hand.

„Wie kann ich das wissen? Habe ich zu viel gefordert? Ich wusste immer, dass meine Mutter nicht viel von Werner hielt, obwohl er so eine gute Stellung inne hatte und sich eigentlich immer auch als ein Gentleman gab.“

„Was hast du gefordert?“, wollte ich nun wissen.

„Das kann ich dir so nichts sagen, fällt mir nichts Konkretes dazu ein.“

„Bitte mach dir jetzt keine Vorwürfe!“, sagte Sabine.

„Ach Kind, ich weiß überhaupt nicht mehr was ich denken soll.“

„Ich glaube ich geh mal zu Marianne, du brauchst jetzt einen starken Kaffee“, sagte ich und verschwand in der Küche.

*-*-*

Während wir bei Marianna in der Küche bei einer starken Tasse Kaffee saßen, wurde die Haustür aufgeschlossen.

„Wir sind hier“, rief Sabine so laut, dass ich neben ihr zusammenfuhr.

Böse schaute ich sie an, aber sie grinste nur hämisch. Wenige Augenblicke später erschien als erstes Alfred mit in der Küche, dicht gefolgt von Constanze und Lucas. Beide waren schwer bepackt mit großen Taschen.

„Frau Debruggen, wenn sie mich nicht mehr benötigen, werde ich mich auf mein Zimmer zurück ziehen.“

„Nein Alfred, wir benötigen sie nicht mehr, aber… ich würde sie gerne zu uns an den Tisch bitten und mit mir und den Kindern gemeinsam Mittag zu essen. Und – Das gehört sich nicht – lasse ich nicht gelten!“

Dafür also das sechste Gedeck. An Alfred hatte ich nicht gedacht, aber die Idee fand ich gut, besonders weil mir Alfred immer sympathischer wurde. Plötzlich spürte ich einen Stoß auf meinem Rücken. Ich drehte mich zu Sabine.

„Willst du nicht mal Constanze begrüßen?“, flüsterte sie.

Doch bevor ich zum Zuge kam redete Mum einfach weiter.

„Kinder wollt ihr eurem Besuch nicht helfen ihr Gepäck ins eure Zimmer zu bringen?“

„Ja, klar“, kam es von Sabine und gemeinsam standen wir auf, drängelten uns an Alfred vorbei.

Als ich nach Lucas Tasche greifen wollte, zog er sie weg.

„Du lässt schön die Finger weg, deine Rippe ist angeknackst, falls du das schon vergessen hast.“

Zum ersten Mal seit langen war ich sprachlos, worüber sich Constanze und Sabine sich köstlich amüsierten. Ich schaute den dreien nach, wie sie die Treppen hinauf stampften. Auch Alfred verließ die Küche. War das ein Grinsen auf seinen Lippen?

*-*-*

„Wie war das… mir geht das alles ein wenig zu schnell… und jetzt soll ich das Ganze Wochenende bei dir verbringen?“

Es trieb mir regelrecht die Röte ins Gesicht. Lucas musste meinen, dass ich irgendwie Notgeil war, oder so etwas. Er trat an mich heran und nahm mich in den Arm.

„He, wo ist der quirlige Kerl geblieben, in den ich mich verliebt habe?“, fragte er und lächelte mich breit an, „ist der da noch irgendwo drinnen?“

Jetzt musste ich auch grinsen.

„Der ist noch da…, es ist nur… ich wollte…“

„Was wolltest du?“, fragte Lucas und hauchte mir einen Kuss auf meine Nase.

„Mit… dir zusammen sein…, dich besser… kennen lernen.“

„Und weil du nicht vor die Tür sollst, dachtest du fein, dann lad ich mir den Lucas ein.“

Ich musste kichern, weil es sich reimte. Langsam entspannte ich mich wieder und genoss Lucas Streicheleinheiten auf meinem Rücken.

„He, Kleiner, ich verlange nichts von dir und ich habe auch keinerlei Vorstellungen, wie du zu sein hast, oder was du tun sollst. Naja klar träume ich auch, aber so wie du, möchte ich dich auch besser kennen lernen und mit Sabine und Constanze gemeinsam, könnte dies für mich vielleicht langweilige Wochenende zu Hause, hier ein interessantes werden.“

Es folgte ein weiter Kuss, dieses Mal auf die Stirn.

„Ähm… so dachte ich auch und ich… freu mich, dass du da bist.“

„Ich mich auch…“

Dieses Mal gab es einen Kuss auf den Mund und ich verstärkte die Umarmung, wegen Angst, er könnte so wie vorher auch wieder nur kurz küssen.

„Da kann man ja richtig neidisch werden!“

„Sehe ich genauso Constanze, wir brauchen unbedingt Männer!“

Lucas und ich fuhren erschrocken auseinander.

„Wie süß, jetzt werden sie auch noch rot.“

„Komm Sabine ich ertrage das Süßholzgeraspel nicht mehr, lass und runter essen gehen.“

„Weiber!“, rutschte es mir raus und Lucas grinste breit.

„Das habe ich gehört Bruderherz!“

*-*-*

Beim Essen wurde es richtig lustig, aber auch interessant. Alfred erzählte, nach einer Frage von Lucas seinen Werdegang. Es war erstaunlich, wo Alfred schon überall gewesen war. Für ein halbes Jahr war er sogar im schwedischen Königshaus, aber in die Nähe der Familie kam er in der Zeit nicht.
Es waren mehr Tafelsilber putzen und Tische eindecken gefragt. So kam er in kurzer Zeit viel in Europa herum. Aber für mich wäre das kein Job, hatte man denn da überhaupt Zeit für ein Privatleben?
Außer dem, was ich von ihm die letzten Tage von ihm erfahren hatte, wusste ich rein gar nichts über diesen Mann, der sich Alfred nannte. Je mehr ich über ihn erfuhr, umso sympathischer wurde er mir.
Was mich irgendwie betroffen machte, dass ich zu ihm mittlerweile mehr Vertrauen hatte, als zu meinem Erzeuger die letztem Jahr.

„Alles klar mit dir?“, flüsterte Lucas neben mir.

Aus den Gedanken herausgerissen, schaute ich ihn an und nickte, er belohnte mich dafür mit einem zauberhaften Lächeln.

*-*-*

„Ich wusste gar nicht, das du Sommersprossen auf der Nase hast, dies ist mir bisher noch nicht aufgefallen.“

„Ja, ja, so schaust du mich an!“

Wir lagen nebeneinander auf meinem Bett, während die zwei Mädels in Sabines Zimmer waren.

„Du forderst also mehr Aufmerksamkeit?“

„Ähm ja…“, meinte ich und fing an zu kichern.

Plötzlich packte er mich und hob mich über sich. Jetzt war ja wohl klar, wer von uns beiden mehr Kraft hatte. So schwebte ich regelrecht über seinen Körper.

„Das gibt dem Wort ihn hochleben lassen, fast eine andere Bedeutung“, hörte ich von der Tür.

Mist, ich hätte die Türe schließen sollen. Da standen schon wieder Sabine und Constanze.

„Wieso?“, hörte ich Lukas gepresste Stimme, „macht ihr da drüben, so etwas nicht?“

Ich sah ihn an und er mich, dann fingen wir beide laut an zu lachen und ich knallte direkt auf ihn drauf.

„Aua… boah, Benjamin…“

Ich ließ mich zur Seite rollen und kicherte immer noch, während die Mädels herein kamen.

„Wehe du lässt mich so fallen, Lucas, wenn wir tanzen.“

„Du bist doch ein Leichtgewicht gegen deinen Bruder.“

Boah, so schwer war ich jetzt auch nicht.

„Er schwächelt nur, weil er so überwältigt ist, über meine Ausführungen über die Schönheit des Lebens“, sagte ich.

„Der was?“, sagten Sabine und Lukas fast gleichzeitig, was nun Constanze herrlich amüsierte.

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2 Kommentare

    • Andy auf 19. Dezember 2015 bei 06:54
    • Antworten

    Hi Pit, macht echt Spaß zu lesen, schreib so weiter.

    LG Andy

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    1. Hi Andy,
      woher weist du, dass ich fast autag schreibe, heute ist der letzte Teil dran, für den 24, ich hoffe dir gefällt der Schluss!
      Liebe Grüße dein Pit

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