Fotostudio Plange – Teil 3 – Bettgespräche

Bettgespräche

Ihr wolltet es ja nicht anders! Aber seid mir bitte nicht böse, wenn ich das Tempo bis zum Telefonat etwas anziehe. In den anderthalb Jahren ist unheimlich viel passiert, ich könnte ganze Romane darüber schreiben, die mindestens 15 cm wieder Regal füllen würden, nicht nur was Marvin mit seinem Coming Out anbelangt, auch ich musste mich in meiner Rolle als schwuler Onkel erst zurechtfinden. *fg

Also, wo war ich stehen geblieben? Ach ja, bei unserem Lieblingsgriechen! Wir, Claudia, Klaus und meine Wenigkeit trafen uns in der Folgezeit öfters, besonders als sich abzeichnete, dass Marvin die Option des Bleibens ziehen würde. Seine schulischen Leistungen verbesserten sich erheblich, sogar in Englisch mauserte er sich auf eine Drei. Gut, in Chemie, Latein und Geschichte habe ich ihm etwas auf die Sprünge geholfen, unserem kleinen Marvin, aber das Abfragen von Formeln, Vokabeln und Zahlen, Daten, Fakten betrachte ich nicht aktiven Förderunterricht im eigentlichen Sinne, sondern eher als einfache Lernhilfe.

Es galt zunächst, die künftige Wohnsituation zu klären. Nach einigem Hin und Her einigten wir uns auf eine pragmatische Lösung. Ihr Haus am Sperlingsweg sollte erst einmal vermietet werden. Die Einnahmen hieraus sollten für den Unterhalt von Marvin genutzt bzw. gewinnbringend angelegt werden. Ein Teil würde für eine Zugehfrau aufgewendet werden müssen. Im Haushalt kann ich zwar alles, wenn ich es muss! Aber es gibt Dinge, die ich am liebsten vor mir herschiebe: Ich wasche Wäsche, aber ich hasse es, Hemden zu bügeln; Ich sauge gern Staub, aber den auch von Regalen wischen? Für all diese ungeliebten Tätigkeiten hatte ich meine Perle, Swetlana Dobre-Irgendwas, ein Flüchtling aus Ex-Jugoslawien, ihren genauen Namen kannte ich zwar nicht, aber sie war Gold wert! Vier Stunden in der Woche brachte sie meinen Haushalt so auf Vordermann, bei zwei Personen würde sie vermutlich die doppelte Zeit mit der gleichen Tätigkeit in der Ludwigstraße verbringen müssen. Das war einer der Preise, die wir zahlen mussten.

Die Wohnung über dem Geschäft hatte ja neben Schlaf- auch zwei Kinderzimmer. Aus einem wollten Manuel und ich eigentlich ein Gästezimmer machen, das andere sollte uns als Spielzimmer dienen. Da mein Lover aber mittlerweile Geschichte und ein Nachfolger nicht in Sicht war, wurde eine extra Spielwiese nicht mehr benötigt. Aus der Gästebeherbergungsstätte sollte Marvins privater Rückzugsbereich werden; er nannte es Chill-Out-Zone, immer diese neumodischen Bezeichnungen!

In der letzten Woche vor den Sommerferien sollte dann eine Art „Probewohnen“ stattfinden, ob Marvin und ich überhaupt miteinander klar kommen würden. Danach wollten Claudia und Klaus mit ihren Söhnen noch einmal gemeinsam in den Urlaub fahren, ehe es für sie in die heiße Phase der Übersiedlung gehen würde. Während sie also unter südlicher Sonne brutzeln würden, würde ich den Umbau des Hauses in der Ludwigstraße beaufsichtigen, denn irgendwoher musste Platz für die Sachen, die hier bleiben sollten, wie Klaus alte Modelleisenbahnanlage oder Claudias Überseekoffersammlung (wie kann man so etwas sammeln?), ja kommen.

Ende Mai kam dann Marvin mit der Idee eines Abschiedsgeschenks für seine Liebsten an. Er wollte ihnen einen ganz privaten Kalender schenken, ich sollte die Aufnahme dafür machen. An sich ein hervorragender Einfall, aber die Umsetzung der verschiedenen Motive zog sich fast über vier Wochen hin. Ein Grund hierfür war, ich hatte keine, meinen Ansprüchen genügende, Unterwasserkamera, ich musste sie erst bestellen. Einige Aufnahmen sollten ihn in seinem Element, dem Wasser, zeigen. Schwimmer von Oben oder der Seite kann jeder Hans und Franz fotografieren, ich wollte ihn aber von Unten haben, ausschließlich des Effektes wegen, versteht sich.

Er nahm mich mit eines Mittwochnachmittags mit zum Training. Während die Schwimmer ihre ersten Bahnen zogen, machte ich ein paar Aufnahmen des Aufwärmprogramms. Marvin hatte die ganze Aktion zwar mit seinem Trainer abgesprochen und der war einverstanden, aber die Anwesenheit einer vereinsfremden Person samt umfangreichem Fotoequipment war dem Vertreter des Vereinsvorstandes wohl etwas suspekt. Barfuß kam der Herr im Anzug auf mich zu, ich schätzte ihn auf Mitte 40, leichter Bauch und schwarzer Kaiser-Wilhelm-Bart.

„Darf ich fragen, was ihr machen?“

„Sieht man das nicht?“ Ich deutete auf meine Ausrüstung.

Er zwiebelte sich die Schnurrbartspitze. „Entschuldigung, die Frage war dumm. Ich wusste nichts von irgendwelchen Werbeaufnahmen. Kommen Sie vom Hauptvorstand? Hat die Greisenriege endlich eingesehen, dass wir vernünftige Aufnahme brauchen? Die Bilder auf unserer Homepage sind ja schrecklich!“

„Nein! Nein! Ja!“

„Äh, …“

Ich grinste. „Entschuldigen sie, Herr …“

„Münster, wie die Stadt. Ich bin der Jugendobmann Wasserball. Mein Sohn ist der Torhüter.“

„Angenehm! Plange.“ Ich streckte ihm meine Rechte entgegen und wir begrüßten uns mit Handschlag.

„Plange? Der Vater von Marvin?“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein! Nur der Onkel, der die Aufnahmen machen muss!“

„Stimmt ja! Fotostudio Plange! Ludwigstraße! Jetzt fällt es mir wieder ein. Meine Frau und ich haben damals unsere Hochzeitsbilder dort machen lassen, waren zwar teuer, aber den Preis wert! Ich dachte, der Laden wäre verkauft worden und es würde nur noch den Namen geben. Das Geschäft war doch eine Zeitlang zu, oder?“

„Ja, nach dem Tod unseres Vaters musste mein Bruder mich erst überreden. Die Entscheidung war auch nicht so ganz einfach! Entweder hier sesshaft werden und den Laden weiterführen oder weiterhin als freier Bildjournalist in der Weltgeschichte ohne Rentenversicherungsansprüche herumreisen. Man wird ja auch nicht jünger!“

„Stimmt! Und sie wollen jetzt die Mannschaft fotografieren?“

Ich deutete auf meinen Neffen. „Nein, nur die Nummer 12, nicht die gesamte Mannschaft, auch wenn die es dringend nötig hätte. Ich hoffe sie sind mir nicht böse, wenn ich das jetzt sage, aber sämtliche Bilder auf Ihrer Seite sind … Schrott hoch drei!“

„Hoch drei? Ich würde eher vier oder fünf sagen. Aber seitdem die erste Mannschaft aus der Bundesliga abgestiegen ist, müssen wir sparen, sparen und nochmals sparen. Vernünftige Bilderkosten nun einmal und das Geld hat der Verein nicht! Wir sind mehr als glücklich, wenn wir überhaupt den Spielbetrieb aufrechterhalten können.“

„So schlimm?“

„Schlimmer!“

Ich überlegte und mir kam ein Gedanke. „Ich hätte da eine Idee! Würde sich jetzt zwar nicht mehr lohnen, aber für die kommende Saison wäre es sicherlich eine Überlegung wert.“

„Ich höre!“

„Ich mache in der nächsten Saison die offiziellen Bilder sämtlicher Wasserballer: Erste, Zweite, Jugend; Portrait, Gruppen, Autogramm. Einfach alles! Dafür komme ich als Sponsor sowohl auf die Homepage als auch auf das Ankündigungsplakat. Das Ganze ist ein Nullsummenspiel, es werden nur die Rechnungen ausgetauscht. Den Rest macht das Finanzamt.“

Ich konnte sehen, wie es in seinem Gehirn arbeitete. „Und warum, wenn ich fragen darf?“

„Den Grund haben sie gerade selbst genannt: der Verein braucht vernünftige Bilder und ich brauche vernünftige Werbung, so einfach ist das Ganze! DO UT DES, wenn sie verstehen. Wenn wir uns zusammentun, ist allen Seiten gedient.“

„Stimmt, wo sie Recht haben, haben Sie Recht.“ Wir tauschten unsere Karten aus und verabredeten einen Termin, um die näheren Einzelheiten genauer abzusprechen. Der gute Herr Münster, Clemens mit Vornamen, wollte dann noch wissen, wofür denn die Bilder von Marvin sein sollten. Ich klärte ihn auf, auch ihm schien die Idee zu gefallen. „Na, dann gehen sie sich mal jetzt umziehen, das Training ist gleich zu Ende. Sie wollen ihre sicherlich nicht mit ihren Jeans ins Wasser, oder? Ich pass derweil auf ihre Ausrüstung auf.“

Ich nickte, schnappte mir meine Badetaschen und machte mich auf in Richtung Umkleide zwecks Wechsels der Beinbekleidung. Mit Schrecken stellte ich fest, dass ich an alles gedacht hatte, sogar einen Föhn hatte ich eingesteckt, aber ein Handtuch hatte ich vergessen. Ich hoffte nur, Marvin würde zwei dabei haben. Zurück am Becken unterhielt ich mir noch eine Weile mit dem Jugendobmann. Vollkommen unerwartet pfiff der Trainer irgendwann ab und er und die Jungs machten sich auf in Richtung Dusche. Clemens, wir waren mittlerweile beim Du angelangt, wünschte uns, d.h. Marvin und mir, noch ein frohes Gelingen und machte sich auch auf von dannen.

Ich brauchte einige Zeit, um mich an das Tauchen wieder zu gewöhnen. Das letzte Mal war mit Manuell am oder besser im Roten Meer, Schnorcheln während eines Wüsten-Shootings. Einfach ist es nicht gerade, ohne Atemgerät, fast am Beckenboden liegend, auf den über einen Schwimmenden zu achten und im richtigen Moment den Auslöser zu betätigen. Die ersten vier Versuche gingen total in die Hose, es war nur das Blau des Beckens zu erkennen. Die Experimente fünf bis neun waren schon besser, ich erwischte ein paar Körperteile meines Neffen, aber nicht das, was ich wollte, nämlich sein Gesicht. Beim zehnten Versuch war ich zu früh auf dem Auslöser, ich erwischte nur seine Arme und etwas Stirn. Beim elften Durchgang war ich zu langsam, das Bild seiner eng anliegenden Badehose hatte zwar was erotisches, aber das konnte man schlecht in einen Kalender für seine Eltern kleben. Das zwölfte Bild war ebenfalls Mist, nach der nächsten Aufnahme meinte ich nur nach dem Auftauchen: „BINGO!“

Eine Wiederholung war leider nicht möglich, denn in diesem Moment schaltete das Deckenlicht auf Notbeleuchtung um. Nötigenfalls müsste ich am Computer einige Retuschen machen, aber ich hoffte inständig, dass das nicht der Fall sein würde.

Notgedrungen machten wir uns, beladen mit der Ausrüstung, auf in Richtung Umkleidekabine. Bis auf die Wasserspuren der Mannschaft war sie leer. Gegenüber den Spinden waren eine Bank und die obligatorische Hakenreihe, wie in jeder Sporthalle. An einem Haken hatte ich vorhin meine Jacke aufgehangen. Dort deponierten wir die Ausrüstung und während Marvin sich an seinem Schrank zu schaffen machte, suchte ich das Duschzeug in meinem Beutel. An nichts Böses denkend warf ich meine Badeshorts auf die Bank und ging in die Dusche. Der Wasserstrahl war angenehm warm. Marvin folgte mir kurze Zeit später, das Tapsen der Badelatschen in den Wasserpfützen vernahm ich zwar, aber ich hatte die Augen geschlossen. Ich blickte kurz auf, er hatte die Brause mir gegenüber gewählt. Ich sah ihn zum ersten Mal seit seinem Kleinkindalter nackt. Nettes Kerlchen, schoss es mir durch den Kopf, wohldefinierter Körper, der Schwanz, vom Wasser noch eingeschrumpelt, lag, bis auf einen kleinen Haarkranz, frei. Er rasiert sich! Der Kleine sieht zum Anbeißen aus! Nein! Er ist dein Neffe! Nein! Nein! Aus Angst vor einer natürlichen Reaktion meinerseits drehte ich mich um und nahm das Duschzeug. Ich drückte erneut auf den Knopf, der verebbte Wasserstrahl nahm an Intensität wieder zu und ich rieb mich ein, spülte mir das Chlor vom Körper. Ich griff nach dem Shampoo, um selbiges in den Haaren zu verteilen. Mit dem Rücken zu ihm meinte ich: „Du Marvin, mir ist was Dummes passiert. Ich hab mein Handtuch vergessen. Kannst du mir eins leihen?“

„Klar, Onkel Stefan! Meine Tasche steht draußen. Bedien dich einfach!“

„Äh, danke! Aber bitte tu mir ein Gefallen, ja?“

„Welchen?“

„Wenn wir bald zusammen wohnen, vergiss bitte den Onkel! Da komm ich mir so alt vor! Stefan reicht vollkommen!“

„Wieso meint ihr Schwulen eigentlich, mit knapp 40 ist man alt? Das werde ich nie verstehen! Du bist nicht … Egal! Wenn wir unter uns sind, sind wir Steff und Marv, in der Öffentlichkeit Stefan und Marvin und wenn es förmlich sein muss, dann bist du weiterhin mein Onkel! Einverstanden?“

„Ok! Marv!“ Ich grinste, der Kleine hatte es wirklich drauf.

Ich brauste mich ab und verließ, ohne mich umzubringen, die Dusche. Nur als in der Tür stand, drehte ich mich noch einmal kurz zu ihm um. Der kleine Marvin war nicht mehr ganz so klein! Was hatte er gemacht? Oder gedacht? Nein! Nein! Nein! Ich ging an seine Tasche und griff mir ein Handtuch, er hatte drei dabei. Föhnen oder nicht? Nein, besser nicht! Nur nicht so lange hier in der Umkleide bleiben, fuhr es mir durch den Kopf. Marvin würde ja gleich die Umkleide betreten. Ein Handtuch hatte ich bei ihm nicht gesehen, er würde also nackt, wie Gott ihn erschaffen, den Raum wieder betreten. Das Wasser in dem Raum nebenan war verstummt, Schritte waren noch nicht zu vernehmen. Was macht er wohl? Ich trocknete mich schnell ab und zog mich rasch an.

„Marv! Ich bring die Sachen schon mal zum Wagen und rauch mir eine! Beeilst du dich!“

„Alles klar! Lass dir Zeit mit deinem Lungenbrötchen!“ Das tat ich dann auch!

Die Zeit verging und ehe ich mich versah, stand er eines Dienstagabends mit Koffer und Schultasche vor der Tür. Die Woche des Zusammenlebens war gekommen. Obwohl er zwar alles von den Besuchen bei mir kannte, zeigte ich ihm noch einmal alles, sicher ist sicher. Sein Zimmer hatten wir noch nicht rüber geholt, er brauchte es noch im Sperlingsweg. Ergo nächtigte er im Gästezimmer. Nachdem er sich ausgebreitet hatte, kam zu mir ins Wohnzimmer. „Na? Was machen wir heute noch?“

„Weiß nicht! Schlag was vor!“

„DVD?“

„Da im Regal, such dir was aus! Aber eins sag ich dir: um 22:30 ist Zapfenstreich! Du hast morgen Schule!“

Ein deutliches Stöhnen war zu vernehmen. „Das ist ja schlimmer als im Knast! Bei Mama und Papa muss ich erst immer um elf ins Bett!“

„Marv! Sei mir bitte nicht böse, wenn ich dir das nicht so ganz glaube! Nach Auskunft deines Vaters, der zufälligerweise mein Bruder ist, ist für dich, wenn Schule ist, um zehn Uhr Schicht im Schacht. Über Ausnahmen kann geredet werden, aber morgen ist keine Ausnahme! Also sei lieber dankbar für die zusätzliche halbe Stunde. Was zu trinken?“

Er brummelte etwas in seinen nicht vorhandenen Bart, aber das war mir egal. Mit zwei Flaschen Radler bewaffnet betrat ich wieder das Wohnzimmer. Er hatte sich entschieden und eine DVD eingelegt. Aus dem Fernseher erklang die Titelmelodie zu „Queer as Folk“. Nach der dritten Folge auf der Scheibe, es war kurz nach zehn, erhob er sich wünschte mir eine gute Nacht. „Träum er was Schönes! Ah, Marv, hast du dir den Wecker gestellt?“

„Nein! Normalerweise werde ich von alleine wach!“

„OK! Mach, wie du willst! Schlaf gut!“

Gegen kurz nach elf öffnete ich leicht die Tür zum Gästezimmer. Das Licht war gelöscht und regelmäßiges Atmen war zu vernehmen. Ich zog die Türe so leise wie möglich wieder zu und gönnte mir noch ein Glas Wein im Wohnzimmer. Der erste Abend war überstanden.

Am nächsten Morgen rette ich meinen Wecker erschlagen können, er klingelte anderthalb Stunden früher als normal, nämlich um 6.30 Uhr. Um rechtzeitig zu Unterrichtsbeginn in seiner höheren Bildungsanstalt zu sein, müsste Marvin spätestens um 7.20 Uhr das Haus verlassen. Ich schälte mich aus dem Bett und bereitete, schlaftrunken wie ich war, dass Frühstück vor. Kaffeemaschine gefüllt, Brotscheiben in den Toaster, zwei Eier in den Kocher. Um 6.35 Uhr klopfte ich an seine Tür, keine Reaktion! Ich wieder ab in die Küche: Quark, Marmelade, Honig auf den Tisch, zwei Gläser Orangensaft ein geschüttet, die nächsten Toastscheiben zum aufwärmen geschickt, wieder ab zu Tür. Diesmal rief ich seinen Namen. Ich ab ins Bad, Besuch der Örtlichkeit, beim Händewaschen etwas Wasser ins Gesicht, um selbst frisch zu werden, erneut den Toaster gefüllt. Danach öffnete ich seine Tür sperrangelweit und rief ihn. Der Eierkoffer verbreitete sein akustisches Signal, dass seine Produkte nun zum Verzehr bereit seien. Ich schreckte die Hühnerprodukte ab und stellte sie auf dem Tisch, es war mittlerweile viertel vor. Es wurde Zeit!

In seinem Zimmer machte ich diesmal Licht an und rief ihn, ein Brummeln war zu hören. Ah! Er ist wach! Ich ab in die Küche und den Kaffee eingeschenkt. Im Flur herrschte Totenstille. Sollst du oder sollst du nicht? Ich muss! Ich stürmte ins Gästezimmer und riss ihm die Bettdecke weg. Der Anblick, der sich mir bot, war unheimlich süß. Er lag auf seiner linken Seite, den Rücken mir zugewandt. Seine linke Hand lag unter dem Kopfkissen, seine Rechte auf demselben. Es sah so aus, als ob er an seinen Daumen nuckeln würde. Seine verwuschelten Haare lagen fast engelhaft auf dem Kissen. Ich ging einen Schritt näher. Sein T-Shirt war leicht hochgerutscht, seine Boxershorts etwas unterhalb des Beckenknochens, seine Seite lag frei. Ich riskierte einen Blick und tatsächlich, er hatte ein Zelt gebaut. Er schlief ungefähr in der Art wie Manuel es getan hat. Nein! Nein! Nein! Ich griff ihn in die Seite und fing an, ihn durchzukitzeln. Er wand sich wie ein Aal, aber er wurde wach! Das, was sie erreichen wollte, hatte ich erreicht. „Guten Morgen, mein Lieber!“

„Fünf Minuten noch!“ Er kann so süß sein!

„Die hätte ich dir vor 20 Minuten gegeben, nur aber raus! Oder soll ich mit einem Waschlappen wiederkommen? Die Zeit zum Duschen wird eh knapp!“

„Ekel!“ Er blickte erst mich an, dann auf sich. Meine Hand lag immer noch in seiner Seite. Keine 10 cm entfernt reckte sich der Zeltmast in die Höhe. Er wurde rot. Wie süß! Seine Augen suchten meine.

„Marv! Keine Angst, das ist nicht die erste Morgenlatte, die ich sehe. Ist alles nur natürlich, aber Zeit, sie zu bearbeiten, hast du nicht mehr! Also! Du gehst jetzt unter die Dusche und machst dich fertig, derweil mach ich dir die Brote fertig! Und nun ab!“Ich schlug ihn leicht auf den Bauch, erhob mich, floh in die Küche und schmierte ihm die Toastscheiben.

Um viertel nach sieben Uhr saß er endlich frisch angezogen am Tisch. Auf das Ei musste er aus Zeitmangel wohl verzichten, aber ohne Frühstück wollte ihn nicht aus dem Haus lassen. Fünf Minuten später rannte er in sein Zimmer, griff sich wohl Jacke und Schultasche und öffnete die Haustür. Aber anstatt Geklapper auf der Treppe hörte ich, wie etwas auf den Boden fiel und er zurück in die Küche stürmte, ich saß immer noch auf meinem Stuhl, meinen Kaffee in der Hand. Er nahm mein Gesicht in seine Hände, drückte mir einen Kuss auf die Stirn und meinte nur: „Danke fürs Frühstück, Steff.“ Ich blickte ihn konsterniert an und nahm nur noch entfernt wahr, wie er zurück in den Flur eilte, die Tür ins Schloss flog und die Holzstufen im Treppenhaus unter seinen Schritten ächzten.

Er scheint seine Mutter wohl auch jeden Morgen zu küssen, denn diese zärtliche Art der Verabschiedung behielt er über die ganze Woche bei. Ich bin zwar nicht Claudia, aber mir war dieser intime Moment nicht unangenehm oder peinlich, eher ein Ausdruck von enger Verbundenheit.

Freitagabend wollte er mit ein paar Freunden ins Kino und war pünktlich wie die Maurer um zwölf wieder daheim. Frühstück würde er sich selber machen, denn er wollte ausschlafen und ich musste ja um 9 Uhr den Laden aufschließen. Gegen halb elf kam er im Trainingsanzug mit einem Tablett und einer Thermoskanne Kaffee bewaffnet zu mir ins Geschäft. Er stellte die Sachen auf der Theke ab, schaute sich im leeren Laden um, kam auf mich zu und drückte mir einen Kuss auf die Wange. „Guten Morgen! Ich hab keine Lust, alleine zu frühstücken. Ich hoffe, es geht in Ordnung, wenn ich hier … Ich hab dir auch einen Kaffee mitgebracht!“ Bei dem Dackelblick, mit dem er mich anschaute, konnte ich einfach nicht nein sagen.

„Und Marv, was steht bei dir heute so an?“

„Ich muss gleich mal kurz zu Hause vorbei, ich brauch für Montag noch meine tolle Deutsch-Arbeitsmappe: ‚Texte zu Individuum und Gesellschaft‘!“ Er steckte sich den Finger in den Hals, ich musste grinsen. „Unsere ach so tolle Referendarin hat ihre letzte Lehrprobe versiebt und wird übermorgen noch mal geprüft. Wer darf wieder leiden? Wir armen Schüler! Die Frau ist einfach nur unfähig! Die sollte besser auf eine Alm und Kühe hüten! Und was machst du?“

„Das, was ich jeden Samstagnachmittag mache, meine Buchhaltung.“ Diesmal steckte ich mir den Finger in den Hals und der Kleine musste grinsen.

„Und heute Abend?“

„Ich wollte eigentlich nach Dortmund, ein paar alte Freunde besuchen. Wieso fragst du?“

„Ach, nur so! Ich bin ja heute Abend auf Party.“

„Fete? Da weiß ich ja noch gar nichts von! Wer schmeißt sie denn?“

„Ben!“

„Ben? Wer ist das denn?“ Ich kannte zwar einige von seinen Freunden aus seinen Erzählungen, aber wer nun wie zusammenhängt, ob Schule oder Verein, dass entzog sich meiner Kenntnis.

„Unser Torwart! Eigentlich heißt er ja Benjamin, aber er hasst diesen Namen!“

Jetzt sah ich klarer. „Na dann grüß mir mal Clemens, wenn du ihn heute Abend sehen solltest.“

Er machte ein Gesicht wie die drei Fragezeichen. „Wer ist denn Clemens?“

„Wenn ich alter Mann das noch richtig auf die Reihe kriege, dürfte euer Torwart Ben oder Benjamin Münster heißen!“

„Richtig!“

„Tja, Clemens ist sein Vater.“

„Woher kennst du ihn denn?“

Während er weiter an seinem Frühstück mümmelte, erinnerte ich ihn an das Shooting im Schwimmbad. Er nickte nur. „Wie lange darf ich denn?“

Ich überlegte kurz, seine Eltern gestatteten ihm an Wochenenden Ausgang bis Mitternacht. „Sagen wir Eins. Einverstanden?“

„Onkelchen! Du bist echt spitze!“ Er grinste mich an. „Bist du dann zu Hause?“

Was sollte das nun werden? Wollte er mich testen? Seine Grenzen ausreizen? „Kann ich jetzt noch nicht sagen, hängt ganz von meiner Stimmung ab. Aber eigentlich ist es ja auch egal, ob ich da bin oder nicht! Wenn das mit uns beiden klappen soll, dann ist das wichtigste, dass wir uns blind aufeinander verlassen können. Deine Eltern vertrauen mir ihren größten Besitz, nämlich dich, an! Wenn du nun mein Vertrauen enttäuschst, enttäuscht du eigentlich nicht mich, sondern deine Eltern. Und sollte die Basis unserer besonderen Beziehung aus irgendeinem Grund mal nicht mehr gegeben sein, weil du meinst, mir auf der Nase rumtanzen zu können, hast du ganz schnell ne Briefmarke auf dem Arsch und sitzt im Flieger! Ne andere Möglichkeit hab ich leider nicht, mein Engel!“

Ich sah, wie besonders bei den letzten Worten, die Farbe aus seinem Gesicht wich. Verunsichert sah er mich an, seine Stimme stockte. „Ich werd dich nie enttäuschen! Denn ich will alles, aber nicht nach Australien. Versprochen!“

„Hand drauf?“

Er nickte und kam auf mich zu. Ich streckte meine Rechte aus und er ergriff sie. Aber anstatt eines Händeschüttelns zog er mich an sich und küsste mich direkt auf den Mund. Ich war ziemlich perplex. „Was war das denn?“

„Na, ich hab das ganze mit einem Kuss besiegelt. Kennst du das Stück nicht? ‚Sealed with a kiss‘? Kommt aus den 60ern, müsste zu dir altem Mann passen!“ Er grinste über beide Backen. Kinder!

Marvin war schon weg, als ich mich gegen sieben fertig machte, mein alter Freund Carsten hatte zu einer GangBang geladen (das war der eigentliche Grund, nach Dortmund zu fahren!). Ich suchte verzweifelt meinen ledernen Cockring. Wenn mich nicht alles täuschte, müsste der noch nach der letzten Camsession in der obersten Schreibtischschublade liegen, aber da war er nicht zu finden. Entweder werde ich alt oder sollte Marvin ihn …? Ich nahm dann das silberne Band für den kleinen Stefan und machte mich auf den Weg in die ehemalige Brauereistadt.

Ich war schon im Aufbruch begriffen, als um viertel vor eins mein Mobilteil klingelte. Es war Marvin, der mir mitteilte, dass er nun zuhause sei und gleich ins Bett gehen würde. Ich wünschte ihm noch eine gute Nacht und beendete das Gespräch. Er hatte also Wort gehalten. Aber er könnte ja … Ich warf einen Blick in die Anrufliste. Das letzte Gespräch wurde von meiner Festnetznummer aus geführt. Ich war mehr als beruhigt. Als ich gegen kurz nach zwei meine Wohnung aufschloss, stand seine Tür sperrangelweit offen. Er schnarchte leicht, wahrscheinlich hatte er etwas getrunken, aber seine Stimme vorhin am Telefon war klar und deutlich und alles andere als lallend. Ich ging in sein Zimmer, um nach ihm zu sehen. Licht machte ich nicht, ich wollte ihn ja nicht wecken, die Flurbeleuchtung war mehr als ausreichend. Das Bild, das sich mir bot, war anmutig und erschreckend zugleich. Die Bettdecke hatte er nach unten gestrampelt, sein T-Shirt und seine Boxer lagen auf dem Teppichboden verstreut. Er hatte sich wohl selbst Spaß bereitet, ich grinste innerlich. Als ich ihn zudecken wollte, sah ich zwei Dinge: den feuchten Fleck auf dem Bettlaken und um den kleinen Marvin spannte sich mein gesuchtes Lederstück.

Gegen elf klopfte es an meine Schlafzimmertür. Irgendetwas muss ich wohl von mir gegeben haben, denn plötzlich stand ein mit Boxer und Shirt bekleideter Marvin samt einem gut gefüllten Frühstückstablett im Türrahmen. „Frühstück!“

Ich setzte mich auf und klopfte einladend auf den freien Teil der Bettdecke. Er stellte das Tablett entsprechend ab. „Ich dachte, da du ja die ganze Woche über für das Frühstück gesorgt hast, überrasche ich dich mal mit einem Frühstück im Bett. Wünsche guten Hunger!“

Ich staunte nicht schlecht, er hatte wirklich an alles gedacht. „Hast du denn schon …?“

„Nö! Ich hatte nur einen Kaffee!“

„Na, dann setz dich mal. Platz ist ja genug!“ Er krabbelte aufs Bett und setzte sich im Schneidersitz vor das Tablett.

Während des Frühstücks erzählte er von der gestrigen Party, ich genoss die überraschende Mahlzeit und seine Anwesenheit. Mein Gefühl täuschte mich aber nicht, dass er damit etwas wieder gut machen wollte. Mitten im Gespräch fragte er plötzlich, wie denn meine Waschmaschine funktionieren würde. „Wieso willst du das denn wissen? Willst du die Spuren der gestrigen Nacht verwischen?“

Er wurde verlegen, ein kräftiges Rot machte sich in seinem Gesicht breit. Er starrte krampfhaft auf das Tablett, nur um mich nicht ansehen zu müssen. Ich streckte meine Hand aus, umfasste sein Kinn und dirigierte seinen Kopf in meine Richtung. „Ist doch nicht schlimm! Und bei einem sechzehnjährigen Teenager vollkommen normal, dass er mal Hand an sich hinlegt.“

„Woher weißt du?“

„Rate mal, wer dich zugedeckt hat? Da sah ich das Malheur!“

„Und du bist nicht böse, dass ich …?“

„Nein, überhaupt nicht! Nicht darüber!“

„Worüber denn dann?“ Er war immer noch etwas kleinlaut.

„Ich sah nicht nur die Flecken, den du produziert hast, sondern noch etwas anderes!“

„Oups, du meinst den …“

„Genau!“

Aus dem Rot wurde ein Dunkelrot. „Den hab ich Freitagnachmittag entdeckt, als ich Papier für den Drucker suchte. Zuerst wusste ich ja nicht genau, was man damit macht, aber dann dachte ich es mir und hab probiert.“

„Und?“

„Ich hab ihn auf der Party getragen. Ich hatte eine Dauerlatte, die ganze Zeit über! War echt ein geiles Gefühl, kann ich dir sagen.“ Er sprach frank und frei, als wäre es die normalste Sache der Welt, mit einem Sexspielzeug auf eine Party zu gehen. Aber plötzlich kamen ins Stocken. „Aber du wirst es nicht Mama und Papa sagen, oder?“

Da hatte er mich! „Ganz bestimmt nicht! Ich würde mich ja ins eigene Fleisch schneiden, wenn ich das ausplaudern würde. Was meinst du, was mein Bruder mit mir machen würde, wenn ich sagen würde: ;Klaus, dein Filius hat mir den Cockring geklaut, ihn auf einer Fete getragen, dabei ne Dauerlatte gehabt und sich hinterher zu einem Megaorgasmus gewichst!‘ Der würde seinem schwulen Bruder wohl nicht gerade zu dieser Angelegenheit gratulieren!“

„Oder seinem schwulen Sohn!“ Da war es! Sein Outing!

„Was war das gerade? Hab ich gerade richtig gehört?“

„Ja, hast du. Ich bin wie du! Ich bin schwul!“

„Komm mal her!“ Ich nahm ihn, so gut es auf dem Bett ging, in die Arme. Er sagte nichts, aber ich spürte, dass eine enorme Last von ihm gefallen war. „Fühlst du dich jetzt besser? Jetzt, wo es raus ist?“

„Ja!“

„Dann geh ich mal an den Kühlschrank, dass schreit ja gerade regelrecht nach einem Sekt!“ Ich erhob mich und verließ das Bett. Als ich wieder im Schlafzimmer kam, hatte er das Tablett zur Seite gestellt und war unter die Bettdecke gekrabbelt.

„Was wird denn das?“

„Wenn ich mich schon im Schlafzimmer meines schwulen Onkels oute, dann will ich dabei nicht frieren. Mir wird langsam kalt! Auf dem Bett!“

„Stimmt auch wieder!“ Ich zuckte mit den Schultern und entkorkte die Flasche, schenkte uns zwei Gläser ein, reichte ihm beide und schlüpfte selbst wieder unter die wärmende Decke. Er gab mir mein Glas zurück, wir stießen an und er begann mit seiner Geschichte, den ganzen Hin und Her seiner Gefühle, der Unsicherheit, der ersten Versuche, einfach alles! Ich ließ ihn reden, denn eine Lebensbeichte wie die seine darf man nie unterbrechen.

Irgendwann, es war weit nach eins, meinte er: „Tja, und nun liege ich im Bett einen schwulen Onkels und bin froh, dass die ganze Scheiße endlich draußen ist!“

Wir stießen erneut an. „Ich freu mich auch, dass du diesem Schritt endlich gewagt hast und es ehrt mich besonders, dass ich der erste war, der es aus deinem Munde gehört hat.“

Er setzte sich auf und schüttelte seinen Kopf: „Du wusstest, dass ich …“

„Wissen wäre Zuviel gesagt, aber geahnt habe ich es. Schon seit Monaten!“ Diesmal war es an mir, ihm von den Merkwürdigkeiten, die mir im Lauf der letzten Monate aufgefallen waren, zu berichten. Er war offen mir gegenüber, also musste auch auf meiner Seite totale Offenheit herrschen. Sein Gesicht wechselte während meines Monologs oftmals Farbe und Ausdruck, besonders als ich die Episode mit den öffentlichen Bedürfnisbefriedigungsanstalt erwähnte.

„Dann wissen es ja auch Mama und Papa!“

„Nein! Nicht offiziell! Sie ahnen etwas, aber mehr auch nicht!“

„Und was soll ich deiner Ansicht nach machen?“

„Sei ihnen genauso offen gegenüber wie zu mir. Sie verdienen es, die Wahrheit aus deinem Mund zu hören. Und das solltest du, wenn du mich fragst, so schnell wie möglich machen, bevor sie wegziehen. Du kannst ihnen zwar auch später einen Brief nach Australien schreiben. Sie würden es verstehen, wenn du dich auf diesem Wege ihnen offenbarst, aber ich plädiere für ein Gespräch unter sechs Augen.“

„Wenn dann wären es acht Augen.“

„Acht? Hast du einen Freund?“

„Leider nein! Aber ich hätte dich gerne dabei, als meinem Beistand.“

„So, wie ich deine Eltern kenne, wirst du keinen Anwalt brauchen. Aber als Familienmitglied komme ich gerne mit.“ Ich schwang mich aus dem Bett.

„Was machst du?“

„Einen Tisch beim Griechen bestellen! Für vier Personen!“

„Heute?“

„Nein, für Ostern 2025! Natürlich für heute!“

„Muss das sein?“

„Du bist gerade so gut in Schwung. Außerdem heißt es doch: ‚Was du heute kannst besorgen, …‘ oder willst du doch etwa die schriftliche Lösung?“

„Nein, das nicht. Aber ich würde den Zeitpunkt gerne selber bestimmen.“

Ich blickte ihn an. „Okay! Es ist dein Auftritt! Du bist der Hauptdarsteller in dieser One-Man-Show!“

„Das wollte ich hören! Aber da du grade stehst, kannst du auch gleich telefonieren und einem Tisch bestellen. Du weißt ja, wer die Musik bestellt, der zahlt sie auch!“ Kinder! Ich orderte bei Costas einen Tisch und es wurde ein gelungener Abend. Wie nicht anders erwartet, verlief alles glatt.

Tja, lieber Leser, bis zum Outing meines Neffen sind wir also schon gekommen. Falls sich jemand noch dafür interessieren sollte, was in der Folgezeit alles mir ihm, mit mir, mit uns passiert, den bitte ich um entsprechende Rückmeldung! *fg

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