Regenbogenfamilie Teil 19 – Auf ins Wochenende

Am nächsten Morgen bin ich für meine Verhältnisse wieder einmal sehr früh auf­gewacht, es war draußen fast noch dunkel. Thomas schlief noch tief und schnarchte leise vor sich hin. Zuerst überlegte ich, ob ich sofort aufstehen sollte. Nachdem ich nicht wieder einschlafen konnte, bin ich schließlich aufgestanden, um das Frühstück zuzubereiten.

In der Küche erwartete mich bereits meine Mutter. Auch sie konnte nicht mehr schlafen. Gemeinsam machten wir uns daran, alles für das Früh­stück zusammen zu suchen. Wir waren fast fertig, als Mutter unvermittelt fragte, ob sie mit mir reden könne.

„Ja sicher“ antwortete ich ihr. Wir setzten uns in der Küche an den kleinen Tisch. Es dauerte einen Moment, bevor sie zu sprechen anfing.

„Peter, mir ist inzwischen klargeworden, dass Walter nicht mehr lange zu leben hat, auch wenn er und der Arzt mir vermutlich nicht die immer volle Wahrheit gesagt haben. Ich will nicht allein hier auf Mallorca leben, aber das habe ich dir ja schon erklärt. Ich will mit euch zurück nach Deutschland. Walter hat immer gesagt, dass er, wenn es einmal so weit ist, er in der Heimat begraben werden will und das ist auch mein Wunsch.“

Sie machte eine kurze Pause und sprach dann weiter: „Ich würde gerne wieder in unserem Gutshaus leben, das schon seit unserem Umzug nach Mallorca leer steht. Das Einzige was mich daran immer noch stört ist die Tatsache, dass ich dort allein. Du erinnerst dich doch sicher noch an das Angebot, dass Walter und ich euch an deinem fünfzigsten Geburtstag gemacht haben. Wir hatten euch vor­geschlagen das alte Gutshaus komplett umzubauen und für die ganze Familie Möglichkeiten zum Wohnen zu schaffen.“

Wieder unterbrach sie sich, während meine Gedanken kurz zu diesem Tag abschweiften. Es war am Tag nach meinem fünfzigsten Geburtstag als meine Eltern uns diesen Vorschlag gemacht hatten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir uns mit dem „Familien­­rat“ damals eindeutig dagegen entschieden hatten.

Bevor Mutter erneut etwas sagen konnte, erklärte ich ihr: „Du kannst dich aber sicher daran erinnern, dass wir das zum damaligen Zeitpunkt ausgeschlossen haben. Wir können gerne wieder den Familienrat in dieser Sache einberufen, ich allein möchte das nicht entscheiden. Die Chancen, heute ein anderes Ergebnis bei einer Abstimmung im Familienrat zu er­zielen sind sicher erheblich größer geworden, aber ich kann dir trotzdem keine Garantie für eine Zustimmung geben. Du weißt sicher von Vater, dass der Pachtvertrag demnächst ausläuft und ich von euch den Auftrag erhalten habe, mich um die Fortführung der Landwirtschaft, bzw. des Gutsbetriebes zu kümmern und gegebenenfalls einen neuen Pächter zu suchen. All das sind neue oder geänderte Voraus­setzungen, worüber erneut mit der gesamten Familie zu diskutieren wäre.“

„Ich weiß“ antworte mir Mutter „die Suche nach einem neuen Pächter wird sicher nicht einfacher, wenn ich im alten Gutshaus leben will. Aber unser bisheriger Pächter wollte nur im Verwaltergebäude leben; das hatte für ihn und seine Familie ausgereicht. Wenn ein neuer Pächter auch wieder nur im Verwalterhaus wohnen wollte, bliebe das Haupt­gebäude weiter vollständig leer.“

„Das stimmt, aber bisher habt ihr noch nicht nach einem neuen Pächter gesucht, also müssen wir erst einmal abwarten, was sich da ergibt. Sollte der, wie sein Vorgänger, nur im Verwalterhaus wohnen wollen, dann könntest du im großen Gutshaus einziehen, aber wie du schon sagtest, erstmal allein. Dir ist schon klar, dass umfang­reiche Sanierungs- und Umbauarbeiten notwendig sind, bevor noch mehr Familienmitglieder ins Hauptgebäude einziehen können. Vor allem: Willst du wirklich in dieser Zeit auf einer Baustelle wohnen?“

Sie überlegte eine Weile und antwortete: „Das habe ich mir alles schon durch den Kopf gehen lassen. Ich habe bisher keine vernünftige Lösung gefunden. Vielleicht fällt dir etwas ein, wie sich das lösen ließe.“

Darüber würde ich später mit Thomas reden müssen. Mit ihm zusammen ist es mir in der Vergangenheit immer gelungen, eine akzeptable Lösung für alle Probleme zu finden.

Zu Mutter sagte ich: „Ich werde mich später mit Thomas und viel­leicht auch den beiden Jungs darüber unterhalten, vielleicht hat von denen einer eine Idee, wie wir das Ganze angehen könnten.“

„Vor allem sollten wir nicht jetzt sofort nach einer endgül­tigen Lösung suchen, sondern erst dann Entscheidungen treffen, wenn die Situation es erforderlich macht“ schob ich noch hinterher. Wir saßen uns noch immer gegenüber, aber keiner von uns wusste noch etwas zu sagen. Wir waren jeder mit seinen Gedanken beschäftigt, bis ich hörte, dass jemand die Treppe herunterkam.

Kurze Zeit später stand Thomas in der Küche und schaute uns ver­dutzt an. „Wieso sitzt ihr hier in der Küche und nicht am Esstisch, ich habe die beiden anderen inzwischen aufgeweckt, nachdem ich wach geworden bin und dich nicht mehr im Bett vorfand. Ich bin davon ausgegangen, dass du in­zwi­schen für alle das Frühstück zubereitet hast.“

Ich entgegnete ihm: „Das Frühstück ist fertig, wie du sicher bemerkt hast. Du bist über das Esszimmer in die Küche gekom­men und nicht direkt vom Flur. Wir bringen nur noch den frischen Kaffee und können mit unserer morgendlichen Fütterung der Raub­tiere beginnen.“

„Über alles andere reden wir beide später, wenn Mutter mit Philipp und Marcus auf dem Weg ins Krankenhaus ist. Waren die zwei schon wach oder hast du sie aufgeweckt“?

„Die waren schon wach und haben sich gewundert, warum sie noch keiner zum Frühstück geholt hatte.“ Während Thomas kurzentschlossen zur Kaffee­maschine ging und dort den fertigen Kaffee holte, standen Mutter und ich auf und gingen nach nebenan.

Wir hatten uns kaum an den Tisch gesetzt, als Thomas von der Küche und die beiden Jungs vom Flur, zeitgleich eintraten. Nach der üblichen Begrüßung konnte der Kampf ums Frühstück beginnen.

Während des Essens blieb es ruhig, jeder war mit sich und seinen Semmeln, seinem Brot oder seinen eigenen Gedanken beschäftigt.

Als alle gesättigt waren, kamen langsam die ersten Gespräche in Gang. Wir unterhielten uns über die Pläne für den heutigen Tag. Dabei verschwieg ich geflissentlich, dass bei unserem Besuch im Krankenhaus heute Nachmittag auch Alejandro und Jorge dabei sein würden.

So gegen neun Uhr dreißig meinte meine Mutter, dass es an der Zeit wäre, mit den beiden Jungs zu Walter ins Krankenhaus zu fahren. Sie machten sich auf den Weg, während Thomas und ich am Tisch sitzen blieben. Ich genehmigte mir noch eine weitere Tasse Kaffee.

Nach etlichen Minuten hörten wir wie die drei aus dem Haus gingen. Ich wartete noch kurz, bevor ich zu Thomas sagte: „Ich sehe es dir an, du willst unbedingt wissen, was ich vorher mit meiner Mutter alles besprochen habe.“

Ich schilderte ihm mit meinen eigenen Worten den Inhalt des Gesprächs mit Mutter. Dabei berichtete ich, dass Mutter wieder nach Deutschland zurückwill, wenn Vater verstorben wäre und sie auf keinen Fall allein auf Mallorca bleiben würde. Er nickte immer wieder mit seinem Kopf, um mir zu sagen, dass er es zum einen verstanden hätte, daran jedoch nichts Neues wäre. Erst als ich ihm erklärte, dass Mutter in das alte Gutshaus einziehen wolle und sie mich gefragt hatte, ob wir nicht eben­falls mit ihr dort einziehen wollten, schaute er mich mit großen Augen an.

„Du hast ihr doch keine Zusage gegeben“, wollte er von mir wissen. Ich erklärte ihm, dass ich weder eine Zusage noch eine Ab­sage erteilt hätte, sondern mit ihr vereinbart hatte, dass wir das zu gegebener Zeit in einer Familienbesprechung klären müssten.

Nachdem er sich alles angehört hatte, überlegte er kurz, bevor er zu mir meinte: „Du wirst dich sicher noch daran erinnern, dass wir dieses Angebot vor knapp drei Jahren abgelehnt haben. Warum sollte sich daran jetzt etwas ändern.“

Worauf ich erwiderte: „Das weiß ich sehr genau und ich habe Mutter daran erinnert, dass wir uns damals dagegen ent­schieden haben. Nur haben wir es inzwischen mit einer veränderten Situation zu tun, die die damalige Entscheidung zwar nicht auf­hebt, aber eine erneute Diskussion darüber nötig macht. Du darfst nicht vergessen, dass Vater uns beauf­tragt hat nach einem neuen Pächter für die landwirtschaftlichen Flächen zu suchen. Auch das muss in unsere neuerlichen Überle­gungen mit einbe­zogen werden. Was ist, wenn der neue Pächter auch das Haupthaus mitpachten will, dann kann Mutter höchstens im Verwalterhaus wohnen oder wir suchen ihr eine Woh­nung in der Stadt.“

Thomas dachte einige Zeit über meine Worte nach, bevor er mir antwortete: „Aus der Sicht habe ich das Ganze bisher nicht betrachtet, es ändert zumindest die Aus­gangs­lage und spricht für einen neuer­liches Zusammen­treffen des Familienrates zu diesem Thema. Wir sollten damit aber warten, bis wir mehr darüber wissen, wie es mit der Verpachtung aussieht.“

„So sehe ich das auch“ erklärte ich ihm. Wir blieben noch einige Mi­nu­ten sitzen, bevor wir anfingen, den Tisch abzu­decken, und das Geschirr sowie die Essensreste in die Küche zu bringen. Dort waren wir noch beschäftigt, als es an der Haustür klingelte. Ich schaute zu Thomas, wir erwarteten keinen Besuch, auch der Briefträger konnte das nicht sein, der kam normalerweise erst im Laufe des Nachmittags.

Während ich in der Küche weiterarbeitete, ging Thomas zur Haustür.

Nach kurzer Zeit hörte ich Stimmen im Flur und schon stand Thomas mit Alejandro in der Küche. Eigentlich hatten wir ausgemacht, dass er uns wegen des nach­mittäg­lichen Besuches im Krankenhaus bei meinem Vater anruft.

Bevor ich nachfragen konnte, klärte Alejandro das Ganze auf: Er hätte heute Vormittag ganz in der Nähe mehrere Pools zu warten und wäre der Meinung gewesen, den Besuch bei meinem Vater besser in einem persönlichen Gespräch mit uns abzuklären als am Telefon.

Wir setzten uns an den Tisch auf die Terrasse. Das Angebot eines Getränks lehnte Alejandro ab. Vielmehr erzählte uns, dass Jorge nicht besonders begeistert war, als er ihm den Vorschlag vom Besuch im Krankenhaus unter­breitete, aber nach einiger Diskussion zwischen ihnen beiden, nun doch be­reit wäre, meinen Vater im Krankenhaus zu­sammen mit uns zu besuchen.

Wir vereinbarten, uns gegen halb drei, direkt am Krankenhaus zu treffen und dann gemeinsam zu meinem Vater zu gehen. Da Alejandro vorher noch bei ein oder zwei Kunden die Poolpflege durchführen wollte, verabschiedete er sich rasch wieder von uns und ging durch den Garten zurück zu seinem Wagen.

Nachdem Alejandro weggefahren war, fingen wir unverzüglich mit den geplanten Arbei­ten im Garten an. Wir kämpften uns etwa eineinhalb Stunden durch die Blumenbeete du versuchten das Unkraut in Schach zu halten, danach räumten wir noch alles auf und gingen zurück ins Haus, um das Mittagessen vorzubereiten.

Wir hatten nicht einmal bemerkt, dass unsere drei Familienmitglieder wieder in der Finca eingetroffen waren, deshalb erschrak ich etwas, als plötzlich meine Mutter in der Küche stand.  Wir schauten uns an, dabei fiel mir sofort auf, dass irgendetwas nicht in Ordnung war.

Ich fragte sie auch gleich was den los sei. Sie meinte nur, es sei nichts. Wenn ich sie so ansehe, ich bin mir sicher, diese Antwort ist zwar gut gemeint, aber ich glaube sie ihr nicht. Selbst eine erneute Nachfrage, ob wirklich alles in Ordnung sei, wurde von ihr vehement abgewehrt.

Mir war klar, weiteres Nachfragen würde zu nichts führen. Wir mussten abwar­ten, bis die Jungs uns erzählten was geschehen ist oder meine Mutter von sich aus ihr Herz bei uns ausschütten wollte. Ich sah ihr zwar weiter zweifelnd in ihre Augen, ohne sie jedoch zum Erzählen zu bewegen.

Thomas, der alles mitbekommen hatte, rettete die Situation auf seine Weise, indem er meint: „Das Mittagessen ist gleich fertig, ihr solltet vorgehen und auf der Terrasse nachsehen, ob dort alles zu eurer Zufriedenheit hergerichtet ist.“

Meine Mutter und ich gingen durchs Wohnzimmer hinaus in den Garten und setzten uns an den bereits gedeckten Tisch. Thomas Strategie ging aber dennoch nicht auf, auch hier blieb meine Mutter still in ihrem Gartenstuhl sitzen und sagte keinen Ton.

Kurze Zeit später erschien Thomas mit den beiden Jungs und sie brachten die Töpfe mit dem Essen mit. Sie stellten diese auf den Tisch und setzten sich zu uns.

Bis wir mit dem Mittagessen fertig waren, wurde kaum ein Wort gespro­chen. Es war schon fast unheimlich. Eine ähnlich ungemütliche Situation hatte ich schon lange nicht mehr in der Familie erlebt. Selbst Marcus und Philipp blieben er­staunlich wortkarg, das war ich von den beiden über­haupt nicht gewöhnt, sie waren immer diejenigen, die sonst jede Gelegenheit nutzten uns zu unterhalten. Mir wurde immer mehr bewusst, dass da heute Vormittag etwas aus dem Ruder gelaufen sein muss.

Mutter war mit dem Essen fertig, sie stand sofort auf und verschwand im Schlafzimmer meiner Eltern. Beim Weggehen erklärte sie noch kurz, dass sie ihre Ruhe brauche und sich ein wenig hinlegen würde, wie jeden Tag.

Ich hatte unter­dessen bereits meinen Sohn ins Visier genommen. Doch kaum war Mutter aus unserem Blickfeld verschwunden, wurde er von sich aus gesprächig.

„Ich glaube ich habe vorhin Mist gebaut“, begann er. Danach blieb er stumm, vielleicht dachte er darüber nach, wie er uns das erklären soll. Ich gab ihm die Gelegenheit seine Ge­danken zu sortieren.

Inzwischen waren weitere Minuten vergangen, ohne dass von einem etwas gesprochen wurde. Ich wurde langsam unruhig, war es so schrecklich, was er da verbrochen hatte? Komischerweise saß Thomas völlig ruhig neben mir, er hatte seine Hand auf meine gelegt, um mich zu beruhigen. Nur je länger die nervende Stille anhielt, desto nervöser wurde wiederum ich. Da half Thomas Hand auch nicht mehr.

Marcus Blick wanderte zwischen Thomas und mir hin und her, bevor er sich danach voll auf Philipp konzentrierte. Meine Unruhe wurde immer größer, je länger es dauert, bis ich es nicht mehr aushielt und Philipp fragte: „Was hast du zu deiner Oma gesagt, dass sie sich die ganze Zeit so komisch benommen hat und du nicht mit uns über diese Sache reden kannst.“

Da Philipp immer noch nicht sprechen wollte, nahm sich Marcus ein Herz und erzählte was abgelaufen war. Wie Philipp dabei Marcus anschaute, ließ mich dennoch erschaudern, mir fiel dabei nur das Sprichwort „Wenn Blicke töten könnten“ ein. So der erste Eindruck, aber andererseits wirkte Philipp er­leichtert, dass ihm sein Freund und Lebensgefährte die Auf­gabe des Erzählens abgenommen hatte. Marcus erzählte bis zum Ende und schaute dann wieder zu mir und Thomas.

Während ich noch über das gehört nachdachte, ergriff Thomas die Gelegenheit und wandte sich an Philipp: „Besonders fein­fühlig bist du nicht gewesen, du hättest dies deiner Großmutter besser schonender erklären sollen. Es lässt sich jetzt nicht mehr ändern, aber Gerlinde wird sich schon wieder beruhigen, wenn sie längere Zeit darüber nachdenkt.“

Ich ergriff die Chance und machte Philipp folgenden Vorschlag: „Du kannst dich auch bei deiner Großmutter entschuldigen und ihr er­klären, dass du das nicht so gemeint hast, wie sie es vielleicht ver­standen hat.“

„Das wäre vielleicht das Beste was du in deiner Lage tun könntest“, kam es von Marcus, der dabei liebevoll in die Augen von Philipp sah. „Sie wird sicher verstehen, warum du plötzlich so ausgetickt bist und ihr diese unschönen Worte an den Kopf geworfen hast“, ergänzte er.

Ich stand auf, stellte mich neben meinen Sohn und nahm ihn in den Arm und drückte ihn ganz fest an mich. Ich wollte ihm damit zeigen, dass man einen Fehler machen kann, aber ihn ebenso wieder aus der Welt schaffen konnte. Dabei bemerkte ich, dass er weinte. So etwas hatte ich schon lange nicht mehr bei meinem Sohn beobachten können. Ihm tat es offensichtlich aufrichtig leid, was er durch seine unbedachten Worte bei seiner Groß­mutter angerichtet hatte.

Aber ich erkannte auch, wie schwer es ihm erschien, diese Dumm­heit, in einem Gespräch mit seiner Oma, wieder un­geschehen zu machen. Bevor ich dazu etwas sagen wollte, zog ich erst mal ein Papiertaschentuch aus meiner Hose und reichte es ihm, damit er sich seine Tränen abwischen konnte. Zögernd nahm er das Tuch entgegen und begann seine Tränen zu trocknen. Ich ließ ihm alle Zeit der Welt, um mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen, hielt ihn jedoch weiter fest im Arm. Marcus war aufge­standen, hatte sich hinter Philipp gestellt und umarmte seinen Schatz.

Nach einigen Minuten des Nachdenkens erklärte uns Philipp: „Okay, ich werde mit Großmutter darüber reden und mich bei ihr ent­schuldigen. Allein schaffe ich das aber nicht.“ Marcus erklärte sich sofort bereit ihm dabei beizustehen und mit ihm zusammen, Großmutter später aufzusuchen und die Angele­genheit zu klären.

Thomas meinte dann zu mir, dass es langsam Zeit werde uns für den Besuch am Krankenbett meines Vaters umzuziehen und loszufahren. Bei einem Blick auf meine Armbanduhr merkte ich erst, dass doch einige Zeit vergangen war, die dieses Gespräch bean­sprucht hatte.

Ich löste mich von meinem Sohn, Marcus hielt ihn jedoch weiter fest. „Wir haben nicht mehr die Zeit, um auf der Terrasse wieder für Ordnung zu sorgen. Könnt ihr beide das für uns übernehmen“ fragte Thomas unsere Jungs.

„Kein Problem“ meinte Philipp, „ich bin ja derjenige der durch seine unbedachten Äußerungen das Zeitproblem verur­sacht hat. Marcus und ich schaffen das schon. Ihr beide solltet euch lieber auf die Socken machen, damit ihr rechtzeitig bei Großvater im Krankenhaus seid, nicht dass er auf dumme Gedanken kommt. Es reicht schon, dass ich heute kräftig durch alle vorhandenen Fettnäpfchen getappt bin.“

Mit wenigen Schritten stand ich neben Thomas, zog ihn aus dem Gartenstuhl und verschwand mit ihm im Haus. Wir gingen kurz nach oben und erschienen wenige Minuten später wieder auf der Terrasse, um uns von den beiden zu verabschieden, wobei ich verwundert feststellte, dass sie bereits mit dem Aufräumen be­gonnen hatten und Philipp nicht mehr von seinem Marcus im Arm gehalten wurde.

Auf dem Weg ins Krankenhaus führte ich mit Thomas noch ein längeres Gespräch über den Blödsinn, den Philipp da angerichtet hatte. Wir waren beide der Meinung, dass es unnötig gewesen ist, gingen aber davon aus, dass mit dem Gespräch mit Großmutter die Wogen wieder geglättet werden könnten. Wir waren uns einig darüber, dass das nur dem jugendlichen Leichtsinn zuzuordnen wäre.

Wobei, je mehr ich darüber nachdachte, ausschließen konnte ich es nicht, dass uns ähnliches widerfahren könnte.

Wie ich sehe, seid ihr inzwischen so neugierig und wollt wissen, worum es bei dem Ganzen überhaupt gegangen ist. Ich kann euch nur so viel ver­raten, eine unbedachte Äußerung kann schnell große Wel­len schla­­gen und euch in ihrem Chaos mitreißen. Im Grunde war es nur eine dümmliche Bemerkung, die diese Welle losgetreten hatte. Wir sollten das einfach schnellstens vergessen, Philipp hat genug Ärger mit seiner Großmutter, da muss ich es nicht in der Öffent­lichkeit breittreten.

Wir waren grade noch rechtzeitig am Krankenhaus, Alejandro und Jorge warteten bereits vor der Eingangstür auf uns. Zuerst begrüßten wir die beiden recht herzlich, bevor wir zusammen zum Krankenzimmer meines Vaters gingen.

Im letzten Moment wollte Jorge jetzt doch wieder kneifen und nicht mit uns zusammen meinen Vater besuchen. Nur Alejandros Über­redungskünsten ist es zu verdanken, dass wir letztlich doch zusammen eintraten.

Vater war wach, aber mit so viel Besuchern hatte er nicht gerech­net. Man konnte ihm die Überraschung direkt ansehen. Als er jedoch Alejandro erkannte, lächelte er ihm zu und sagte: „Es freut mich, dass du mich hier im Krankenhaus besuchst. Ich habe dich in letzter Zeit nicht oft gesehen, wenn du bei uns den Pool gepflegt hast.“

Danach sah er mich an und wollte von mir wissen, wen wir da noch mitgebracht hatten. So erklärte ich meinem Vater, dass es sich bei Jorge um den Freund von Alejandro handelte, mit dem er verheiratet war. Ich erzählte ihm, dass Jorge geschieden wäre und einen kleinen Sohn hätte, der bei seiner Mutter lebte. Zuletzt wies ich ihn noch darauf hin, dass Jorge kein deutsch sprechen konnte, aber doch vieles versteht, was ihm Alejandro bereits beigebracht hatte.

Jetzt begrüßte er auch Jorge recht herzlich und unterhielt sich in den nächsten Minuten nur mit den Beiden. Wir verstanden kaum was er sagte, da er sich mit ihnen auf Spanisch unterhielt. Da ich ihn fragend anschaute, erklärte er mir, in der langen Zeit auf Mallorca habe er sich angewöhnt mit den Einheimischen spanisch zu sprechen, dafür habe er es doch auch extra erlernt.

Noch eine Seite, die ich von meinem Vater bisher nicht kannte. Ich war bis heute der Meinung gewesen, dass er hier auf der Insel nur deutsch sprach und nur wenig Spanisch beherrschte.

Er redete mit den beiden weiter auf Spanisch und Thomas und ich kamen uns dabei deplatziert vor. Thomas lächelte mich an und sagte zu mir: „Komm, wir gehen kurz in die Cafeteria und besorgen für uns alle frischen Kaffee.“

Vater hatte das mitbekommen, nickte kurz sein Einverständnis und so verschwanden wir eiligst aus dem Krankenzimmer. Unterwegs fragte ich Thomas, ob er gewusst hätte, dass mein Vater so gut und fließend spanisch sprechen konnte. Er meinte nur, dies wäre ihm bisher nicht bekannt gewesen und es, so wie ich, verwundert zur Kenntnis genommen hätte.

Mit vier Tassen Kaffee beladen gingen wir zurück zum Kranken­zimmer. Dort überraschte uns ein lachender Vater. Wir reichten den Beiden, Alejandro und Jorge, je eine Tasse des orientalischen Getränks und hörten weiter der Unterhaltung der drei zu, wobei wir, wie vorher, so gut wie nichts verstanden.

Ich gebe es zu, irgendwann hatte ich einfach abgeschaltet und war wieder einmal in meine eigene Gedankenwelt abgetaucht. Erst als Thomas mir auf die Schulter tippte, bekam ich mit, dass sich Alejandro und Jorge von meinem Vater verabschiedeten.

Auch wir verabschiedeten uns von unseren neuen Freunden und blieben danach bei meinem Vater im Zimmer. Alejandro meinte noch zu mir, wir sehen uns in den nächsten Tagen.

Endlich, wir konnten uns jetzt mit Vater wieder auf Deutsch unter­halten. Zuerst wollten wir nur wissen, wie er sich heute fühlen würde.

„Im Grunde genommen unverändert, aber zumindest sei es bisher we­nigstens kein langweiliger Besuch, im Vergleich zu heute Vormittag“ meinte er trocken.

Die Auseinandersetzung zwischen Mutter und meinem Sohn fand wohl erst nach dem Krankenbesuch statt, aber wo war die Ursache für die Missstimmung zu finden? Besser nicht darüber nachdenken, gesche­hen ist geschehen.

Vater erzählte uns dann, dass er sich köstlich bei Alejandros Ge­schichte amüsiert habe, als er uns beide völlig unbekleidet auf den Liegen im Garten der Finca vorgefunden habe, als der den Pool reinigen wollte. Er konnte sich lebhaft vorstellen, wie das ausgesehen habe, als wir die An­we­s­enheit eines Fremden festgestellt haben. Vor allem, da ihr beide ja nicht wusstet, dass er ebenfalls schwul ist. Na gut, er hatte es meinem Vater erzählt, wenn es damit seine gute Laune nach oben getrieben hatte, konnten wir beide gut damit leben.

Danach erklärte ich meinem Vater, dass wir inzwischen gut mit den beiden befreundet wären und sie in Zukunft, wenn keiner von der Familie auf der Insel oder in der Finca sein würde, nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Das würde auch bedeuten, dass sich Pedro Garcia mehr auf die Vermietung und Verwaltung der Immobilie beschränken könnte.

Vater meinte dazu nur, dass er nichts dagegen hätte. Es sei ein geschickter Schachzug, den ich mir da ausgedacht hätte. Endlich sprach er auch über seinen gesundheitlichen Zustand, wobei er das kurz und bündig damit erklärte, dass sich seiner Meinung nach, nichts an seinem Zustand geändert hätte. Er sei froh, dass in den letzten Tagen die Anwesenheit seines Arztes nicht erfor­derlich war und dieser seinen verdienten Urlaub ohne Unter­brechung nehmen konnte.

Am Montag würde er aus dem Urlaub zurückkommen und sich wieder um seine Patienten kümmern, auch um ihn. Wir sollten es so einrichten, am Montag ebenfalls erst am Nachmittag zu ihm ins Krankenhaus zu kommen, dann hätte Doktor Garcia ihn bereits untersucht und würde uns von der neuesten Entwickelung berichten können.

Ich wollte von ihm noch wissen, wie er sich das mit der Rückkehr von Mutter und ihm nach Deutschland so gedacht hatte, ob sie zusammen in den Gutshof ziehen wollten, oder eine andere Lösung angedacht war. Er erklärte uns dazu, dass sie vorgehabt hatten, wieder ins Gutshaus einzuziehen, vor allem, weil er dann auch von Anfang an die Nähe zu dem neuen Pächter gehabt hätte.

Ich erklärte ihm, dass ich mich schon mit dem Gedanken ange­freundet hätte, eventuell mit Thomas ebenfalls ins Gutshaus umzu­ziehen, wozu vorher ein größerer Umbau notwendig sei. Wenn Martina und ihr Christoph sich auch dafür erwärmen könn­ten, dann würde für einen Großteil meiner Familie ein neues Zuhause geschaffen.

Er überlegte lange bevor er mir antwortete: „Das verstehe ich jetzt aber nicht, ich dachte ihr hättet vor drei Jahren entschieden überhaupt nicht dort einzuziehen. Warum hast du jetzt deine Meinung geändert“?

Die Antwort konnte ich ihm ohne großes Nachdenken sofort geben. „Richtig, wir hatten uns damals alle dagegen entschieden, aber nicht von vorneherein ausgeschlossen, dass wir eines Tages unsere Meinung ändern können. Jetzt sind neue Fakten im Spiel, die eine erneute Diskussion in der Familie und eine neue Entscheidung erforderlich machen. Der wichtigste Punkt für mich ist dabei, dass ich Mutter ungern völlig allein dort draußen leben lassen möchte. Sie hat klipp und klar erklärt, sie will auf den Gutshof ziehen, mit dir oder auch allein, wenn es denn so sein sollte. Du selbst bist der Über­zeugung, dass du nicht mehr lebend nach Deutschland zurückkehren wirst, damit sind erheblich veränderte Tatsachen ge­schaffen, die ein Umden­ken erfordern.“

Während ich dies meinem Vater erklärte, schaute mich Thomas mit großen Augen an. Gut, ich hatte ihn bisher in meine neuer­lichen Überlegungen nicht eingeweiht, aber ihm sollte doch klar sein, dass unser Leben dann nicht mehr so weiterlaufen konnte, wie es bis heute gelaufen ist.

Er wollte von mir wissen, warum ich mit ihm noch nicht darüber ge­sprochen hätte. „Ganz einfach Thomas, bisher sind das nur Gedan­kenspiele in meinem Kopf, die Entscheidung darüber, werden wir ge­meinsam treffen müssen. Vor allem wissen auch die anderen mög­lichen Kandidaten, weder etwas von den Plänen meiner Eltern noch von den ganzen Gesprächen, die wir in den letzten Tagen mit Mutter und mit Vater geführt haben. Eine Entscheidung, wie und in welchem Umfang umgebaut werden kann oder soll, ist erst dann sinnvoll, wenn alle auf dem neuesten Wissenstand sind.“

In diesem Moment mischte sich Vater in meinen Monolog ein und erklärte uns beiden: „Peter hat Recht, Entscheidung kön­nen immer erst dann getroffen werden, wenn alle Beteiligten davon wissen, und die Gelegenheit hatten sich eine eigene Meinung zu bilden.“

Mit dem was danach folgte wechselte er schnell das Thema: „Mir würde das sehr gefallen, wenn ihr auf den Gutshof wech­seln würdet, ich kann und will eure Entscheidung nicht beein­flussen. Ihr seid alle alt genug, um für euch das Beste heraus­zu­finden. Ihr würdet mir jedoch eine riesige Freude bereiten, wenn ihr auf den Gutshof zieht.“

Ein kurzer Blick zu Uhr verriet mir, dass wir inzwischen fast zwei Stunden bei meinem Vater verbracht hatten. So langsam wurde es Zeit, wieder nach Hause zu fahren. Ich hoffte, dass Mutter und die beiden Jungs auch ohne uns den nachmittäglichen Kaffee genossen hatten.

Wir verabschiedeten uns von meinem Vater mit dem Verspre­chen, es so einzurichten, dass wir am Montag erst am Nach­mittag im Krankenhaus erscheinen würden. Ansonsten würde sich zeigen wer vormittags und wer nachmittags bei ihm vorbei­schauen würde.

Auf dem Rückweg fragte mich Thomas erneut, ob ich mir das mit dem Umbau und dem Umzug aufs Land gut überlegt hätte. Ich erklärte ihm, dass darüber das letzte Wort noch lange nicht gesprochen wäre und das nur als eine Möglich­keit in Betracht gezogen hätte.

Gottseidank gab er sich mit meiner Erklärung zufrieden und so konnte ich mich, da er das Auto lenkte, in meine Gedankenwelt zurückziehen. Dabei fielen mir wieder Geschichten ein, die ich in meiner Kindheit dort erlebt hatte. Ich erinnerte mich an eine Angelegenheit, die ich zusammen mit meinem Bruder Dieter verbockt hatte und die wir gemeinsam durchstehen mussten.

Wir waren verbotener Weise, wieder einmal auf dem Heuboden ver­schwunden und spielten dort. Wir beide wurden dort normalerweise nie gestört, da man uns nicht auf dem Heuboden vermutete. An diesem Nachmittag war jedoch alles gänzlich anders.

Wir hatten es uns, wie fast immer auf den Heuballen gemütlich ge­macht und überlegten gemeinsam, welchen Streich wir als nächstes durchführen wollten. Wir waren so in unser Gespräch vertieft, dass wir nicht bemerkten, wie sich uns jemand näherte. Vater musste schon längere Zeit fast direkt neben uns gestanden haben, als er sich durch ein Räuspern uns gegenüber bemerkbar machte und uns sofort anbrüllte:

„Seid ihr von allen guten Geistern ver­lassen, ich hatte euch doch bei Strafe verboten den Heuboden zu betreten. Jetzt seht zu, dass ihr so schnell wie möglich in eure Zimmer verschwindet und dortbleibt, bis ich euch rufen lasse. Das wird für euch ein Nachspiel haben.“

So schnell wir nur konnten flüchteten wir vom Heuboden über den Hof ins Haus. Erst in meinem Zimmer angekommen, beruhigte ich mich langsam wieder. Die Verbindungstür zwi­schen meinem und Dieters Zimmer war wie immer nur ange­lehnt und bei genauem Hinhören konnte ich feststellen, dass er leise vor sich hin schluchzte. Sollte ich zu ihm rübergehen und ihn trösten? Immerhin war er der Ältere von uns beiden, wenn er auch nur 16 Monate älter war als ich. Ich kämpfte lange mit mir, irgendwann entschloss ich mich dann doch nach ihm zu sehen. Er lag auf seinem Bett, hatte sich zu­sammengerollt und weinte leise vor sich hin. Ich setzte mich auf seine Bettkante und streichelte ihm über sein Haar und sagte zu ihm:

„Komm, so schlimm wird es schon nicht werden. Wir haben schon andere Katastrophen gemeinsam durch­­gestanden.“

So nach und nach beruhigte er sich dann doch und drehte sich zu mir um. „Glaubst du wirklich, dass wir wieder nur mit einem blauen Auge davonkommen. Ich fürchte diesmal haben wir es zu bunt getrieben. Immerhin hat uns Vater unter Androhung von Strafe verboten, auf dem Heuboden herumzutoben.“

Ich sah ihm ins Gesicht und antwortete: „Sicher bin ich mir nicht, aber wir haben auf dem Heuboden nur ruhig herumgesessen und uns unterhalten, von herumtoben kann keinesfalls die Rede sein.“

Dieter erwiderte: „Mit deiner Vermutung magst du richtigliegen, aber ich bin trotzdem der Meinung, dass wir dieses Mal nicht so ohne Wei­teres davonkommen. Wir haben in letzter Zeit zu viel Ärger verur­sacht und heute wahrscheinlich seine Schmerz­grenze endgültig überschritten. Er hat uns bisher noch nie so angebrüllt wie vorher auf dem Heu­boden.“

Darauf wusste ich keine Antwort, daher schwieg ich lieber. Ich blieb bei ihm im Zimmer und um die Zeit des Wartens zu verkürzen, bauten wir gemeinsam mit LEGO-Steinen neue Gebäude.

Es dauert ewig lange, bis unsere Schwester auftauchte und mitteilte, dass Vater uns in seinem Arbeitszimmer erwarte. Wir hatten während unseres Spielens mit den Bausteinen nicht be­merkt, dass es draußen bereits dunkelte.

Dieter und ich sahen uns an. Schnell ordneten wir unsere Klei­dung und gingen zusammen mit unserer Schwester nach unten. Vor dem Arbeitszimmer angekommen, atmeten wir beide noch einmal kräftig durch, bevor wir die Tür öffneten und eintraten.

Vater saß in seinem Sessel am Schreibtisch und ordnet ver­schiedene Unterlagen, bevor er aufsah und uns befahl, auf den beiden Stühlen vor seinem Schreib­tisch Platz zu nehmen. Wir näherten uns vorsichtig den uns zugewie­senen Sitzgelegenheiten, während Vater weiter seine Papiere ordnete.

Er ließ uns eine gefühlte Ewigkeit sitzen, während er seine Papiere weiter sortiert und wir immer nervöser wurden. Endlich legte er die sortierten Papiere beiseite, sah uns an und erklärte uns: „Ihr habt euch mit eurem Benehmen eine ordentliche Abreibung verdient, am liebsten würde ich euch beiden mit dem Leder­riemen eure Hintern verdreschen.“

Erschrocken blickte ich zu Dieter, der mit fast gleichem Gesichts­ausdruck, Vater an­schaute. Na Mahlzeit, das kann ja heiter werden. Vater beobachte uns genau und wusste, dass er uns dieses Mal voll erwischte hatte.

Bisher hatte er uns noch nie geschlagen, aber wahr­scheinlich hatten wir diesmal wirklich zu sehr über die Stränge geschlagen. Ich dachte gerade darüber nach, dass wir uns diese Strafe wohl redlich verdient hätten, als Vater weitersprach.

„Wie oft habe ich euch schon davor gewarnt, den Heuboden zu betreten. Ich habe euch immer erklärt, dass es gefährlich ist. Da braucht nur eine der Luken nicht ordentlich verschlossen zu sein. Ihr könntet nach unten stürzen und euch weiß Gott was alles brechen, im schlimmsten Fall sogar euren Hals. Ich will meine Kinder nicht durch ihre eigene Dummheit verlieren“

Wieder legte er eine Pause ein und beobachtete uns eindringlich. Dieter schaute mich diesmal an, sagte aber nichts. Ich zuckte mit meiner Schulter und flüsterte ihm zu: „Wenn es denn sein muss, dann sollten wir es nicht lange vor uns herschieben. Besser jetzt gleich die Bestrafung, langes Zuwarten macht es sicher nicht einfacher für uns.“ Dieter nickte zustimmend.

Ich hatte gehofft, dass Vater meine geflüsterte Unterhaltung mit Dieter nicht verstanden hätte, wurde jedoch schnell eines Besseren belehrt. Er hatte alles verstanden, ließ uns jedoch noch zappeln.

„So einfach mache ich es euch nicht, das sollte euch doch klar sein. Schnell eine Tracht Prügel kassieren und dann ist alles wieder in bester Ordnung, das hattet ihr euch so gedacht. Ihr geht jetzt wieder auf eure Zimmer, für euch fällt heute das Abend­essen aus. Ihr zieht eure Schlafanzüge an und verschwindet in euren Betten, ich will keinem Ton aus euren Zimmern hören. Den Rest klären wir morgen.“

Das hatte gesessen, wir erhoben uns von unseren Stühlen, wünschten Vater noch eine gute Nacht und schlichen wie zwei kleine Schwer­verbrecher über die Treppe nach oben in unsere Zimmer. Ich zog mich aus und schlüpfte rasch in meinen Schlafanzug, wünschte Dieter noch eine gute Nacht und warf mich in mein Bett.

Ich weiß noch, als wenn es gestern gewesen wäre, dass ich in dieser Nacht sehr schlecht geschlafen hatte. Immer wieder bin ich schreckhaft aufgewacht, weil ich von der Bestrafung mit dem Lederriemen geträumt hatte.

Nach dieser insgesamt unruhigen Nacht wurde ich so gegen acht Uhr von meinem Bruder Dieter wachgerüttelt. Ich schaute ihn an und fragte: „Ist es schon so spät, dass wir aufstehen müssen, ich habe doch kaum geschlafen.“

Nach kurzer Überlegung antwortete er mir: „Es ist Zeit wir sollten aufstehen und heute pünktlich zum Frühstück erscheinen, nicht das Vater noch einen Grund mehr findet, um uns den Hintern mit dem Lederriemen zu bearbeiten. Es ist jetzt acht Uhr und in dreißig Minuten gibt es Frühstück.“

Lustlos und müde kroch ich aus meinem Bett, schleppte mich ins Bad, um mir die Zähne zu putzen und mich frisch zu machen. Dieter, der das alles beobachtete fragte mich unvermittelt: „Was ist mit dir los, du stehst heute Morgen komplett neben dir. Hast du schlecht oder gar nicht geschlafen“?

„So ungefähr“ antwortete ich und redete weiter: „Ich bin heute Nacht immer wieder von Alpträumen aufgewacht.“

Wobei, wenn ich mir Dieter so betrachtete, viel besser sah er auch nicht aus. Bei genauerem Hinsehen konnte ich feststellen, dass seine Nacht wahrscheinlich ähnlich unruhig war wie meine.

„Glaubst du mir ist es besser ergangen in dieser Nacht“ hörte ich von Dieter.

Um unsere Lage nicht noch zu verschlimmern, beeilten wir uns und saßen kurz vor acht Uhr dreißig in der großen Küche am Tisch. Mutter lächelte uns zu, verwundert fragte sie: „Seid ihr krank, ihr seid doch sonst nicht so pünktlich.“

Wir blieben ihr eine Antwort schuldig, denn Vater betrat in die­sem Augenblick die Küche, küsste Mutter auf den Mund und wünschte ihr einen guten Morgen. Anschließend setzte er sich zu uns an den gedeckten Tisch.

Mutter brachte den Kaffee und für uns den Kakao an den Tisch und setzte sich dann ebenfalls zu uns. „Peter, kannst du hoch­gehen und deine Schwester zum Frühstück holen“? kam es von meinem Vater.

Ich beeilte mich aufzustehen und seinem Wunsch Folge zu leisten. Kurz bevor ich die Küchentüre öffnete, hört ich noch „und wir sehen uns nach dem Frühstück in meinem Arbeits­zimmer.“

Erschrocken drehte ich mich um, schaute meinen Bruder an, der mich mit weit aufgerissenen Augen anschaute. Trotzdem öffnete ich end­lich die Türe und wollte nach oben eilen. Auf halbem Weg kam mir meine Schwester entgegen. Zusammen gingen wir in die Küche und setzten uns.

Da wir am Vorabend beide ohne Abendessen ins Bett geschickt wurden, waren wir wie ausgehungert, jedoch Lust auf Frühstück hatte ich nicht mehr. Ich fühlte mich wie ein verurteilter Sträfling, der vor der Bestrafung seine Henkersmahl­zeit erhalten sollte. Wie ich fest­stellte erging es meinem Bruder nicht besser, er rührte laufend mit seinem Löffel im Kakao.

Ich war zum einen froh, als alle anderen mit dem Essen fertig waren, andererseits würde es jetzt ernst werden. Bevor wir ängstlich den Weg ins Arbeitszimmer antraten, beeilten wir uns noch, Mutter mit dem Abdecken des Tisches zu unterstützen, während Vater dies mit einem grinsenden Gesicht beobachtete.

Da wir keine weitere Möglichkeit sahen, das Unvermeidliche noch länger hinaus­zuzögern, machten wir uns schweren Herzen auf und gingen in Vaters Arbeitszimmer. Wir setzten uns wieder auf die beiden Stühle an seinem Arbeitstisch und warteten darauf, dass er kommen und uns endlich bestrafen würde.

Wir warteten bestimmt eine viertel Stunde, bis sich endlich die Tür des Arbeitszimmers öffnete und Vater eintrat. Er nahm auf seinem Schreibtischstuhl Platz und schaute eine gefühlte Ewig­keit in unsere Augen.

In die Stille sagte er zu uns: „Ich hoffe, ihr hattet in der Zwi­schen­zeit genug Gelegen­heit über euer Fehlverhalten nachzu­denken.“

Da keiner von uns beiden ihm antwortete, sprach er nach kurzer Pause weiter: „Meiner Meinung nach seid ihr beide alt genug und solltet wissen, welche Auswirkungen euer Benehmen haben kann. Manchmal kommt ihr mir vor, wie zwei Kleinkinder, denen man immer alles mehrfach erklären muss. Mein Vater sagte einmal zu mir, wer nicht hören will muss fühlen, und danach hat er mich so ver­droschen, dass ich tagelang nicht mehr ohne Schmerzen sitzen konnte.“

„Ich bin mir sicher, ich war auch kein Engel in meiner Kindheit, aber dieses eine Mal hat mich langanhaltend geprägt. Gut, ein Engel wurde ich trotzdem nicht, aber zumindest habe ich es nie wieder so übertrieben, um mir weitere Dresche von meinem Vater einzufangen.“

„Dieter, du gehst jetzt nach oben in unser Schlafzimmer, dort habe ich bereits den breiten braunen Gürtel für euch bereitgelegt und kommst auf dem schnellsten Weg wieder hierher.“

Dieter sprang auf und lief wie von einer Tarantel gestochen los. Währenddessen saß ich, wie ein ängstliches Kaninchen vor der Schlange, mit gesenktem Kopf auf meinem Stuhl. Ich hätte nicht gedacht, dass Dieter so schnell sein würde, nur kurze Zeit später stand er wieder im Arbeitszimmer und überreichte meinem Vater den gewünschten Gürtel.

„Meine Herren Söhne, jetzt wird es Zeit, dass ihr eure Hemden und Hosen auszieht. Legt sie ordentlich zusammengefaltet auf den kleinen Tisch da drüben und wenn ihr vollkommen nackt seid, legt ihr euch bäuchlings über eure Stühle und haltet euch mit beiden Händen an den Stuhlbeinen fest.“

Verzweifelt schaute mich Dieter in der Hoffnung an, ich würde als der Mutigere von uns beiden vor ihm anfangen mich auszu­ziehen. Doch mich hatte mein Mut genauso verlassen wie Dieter.

„Braucht ihr eine schriftliche Aufforderung, um meinen Befehlen nachzukommen“ feixte Vater. Damit hatte er mich bei meiner Ehre gepackt und ich begann langsam mich auszuziehen, öffnete die Knöpfe an meinem Hemd und schlüpfte heraus. Ich faltete es zusammen und legte es auf den kleinen Tisch.

Mein Bruder stellte sich neben mich und fing endlich an es mir gleich zu tun. Ich hatte mich bereits meiner kurzen Hose entledigt, Dieter hatte es gerade einmal geschafft, sein Hemd loszuwerden. Mutig streifte ich als letztes meine Unterhose ab und legte sie zu meinen Sachen. Langsam schlich ich zum Stuhl, legte mich über den Sitz, ergriff die beiden Stuhlbeine und hielt mich daran fest.

Dieter hatte scheinbar eingesehen, dass wir aus dieser Situation nicht ohne schmerzhafte Bestrafung herauskommen würden, und beeilte sich nun, es mir gleich zu tun und sich über den Sitz zu legen.

Vater stellte sich hinter uns, ließ den Gürtel mehrfach durch die Luft schnalzen, bevor er den Ledergürtel zärtlich über unsere Arschbacken streifen ließ.

Dieter und ich schauten uns an, ich hatte seine linke in meine rechte Hand genommen und drückte sie fest. Damit versuchte ich ihm zu sagen, wir schaffen das.

Wieder knallte der Ledergürtel, ich fühlte jedoch nichts. Ich blickte zu Dieter, um festzustellen, ob ihn der erste Schlag getrof­fen habe. In diesem Moment knallte es ein zweites Mal. Auch dieser hatte mich nicht getroffen und auch Dieter hatte keinen der Aufschläge abbekommen, wie ich in seinem Gesicht lesen konnte.

„Aufstehen und hinsetzten“ befahl Vater. So schnell wir konnten saßen wir beide wieder auf den Stühlen. Vater setzte sich wieder auf seinen Stuhl und breitete den Gürtel genüsslich vor uns auf dem Schreibtisch aus. Verdammt, muss er uns wirklich so quälen, dachte ich in diesem Moment. Warum verdrischt er uns nicht sofort und danach haben wir wieder unsere Ruhe.

„Ich gebe euch beiden noch eine allerletzte Chance, aber solltet ihr es wieder einmal so übertreiben, dann wird der Ledergürtel mit absoluter Sicherheit Bekanntschaft mit euren Hinterteilen erhalten.“

Was hatte Vater da eben gesagt. Ich konnte es nicht glauben und auch Dieter schaute mich genauso verwundert an. Sprachlos blieben wir sitzen und rührten uns nicht.

„Ihr braucht nicht glauben, dass ihr völlig ohne Strafe davon­kommt, das Hintern versohlen wird zur Bewährung ausgesetzt. Eure Be­währungsstrafe gilt ab sofort und hat folgende Bestand­teile. Erstens habt ihr für zwei Wochen verschärften Hausarrest, dass bedeutet, nur zur Schule dürft ihr das Haus verlassen. In dieser Zeit dürft ihr keine Freunde treffen und genau so wenig von ihnen besucht werden. Zweitens, in den nächsten vier Wochen werde ich jeden Tag eure Zimmer kontrollieren und erwarte, dass beim zu Bett gehen vollständig aufgeräumt ist. Drittens, wenn Mutter euch eine Aufgabe gibt, wird diese, ohne zu murren oder zu widersprechen ausgeführt.“

Das hatte gesessen und ich dachte darüber nach, was jetzt schlimmer sei, ein schmerzhaftes, von roten Streifen überzo­genes Hinter­teil oder die Bewährungsstrafe. Bevor ich zu einem Ergebnis kam hörte ich Vater sagen; „Nehmt ihr die Bewäh­rungsstrafe an, dann könnt ihr euch jetzt anziehen, nehmt den Gürtel mit nach oben und bleibt den ganzen Tag, mit Ausnahme der Mahlzeiten in euren Zimmern.“

Ich blickte zu Dieter, der sofort nickte und damit zum Ausdruck brachte, dass es für uns besser sei, diese Strafe anzunehmen. Wir standen von den Stühlen auf, gingen zum kleinen Tisch, zogen uns an und machten uns mit dem Gürtel auf den Weg nach oben.

Thomas tippte mich an und meinte, du Peter wir stehen vor der Garage. Was ist mit dir los, du bist die meiste Zeit geistesab­wesend neben mir gesessen. Du hast nicht einmal reagiert, als ich ein paarmal versuchte ich anzusprechen.

„Du kannst dich sicher an gestern erinnern, als ich nach der Aktion mit Philipp so nachdenklich war und an die Szene dachte, die jetzt gut zehn Jahre zurück liegt. Heute ist mir eine ähnliche Situ­ation eingefallen, bei der mein Bruder Dieter und ich beinahe von unserem Vater verprügelt wurden. Dabei ist mir aufgefallen, dass sowohl deine Vorgehensweise als auch die meines Vaters ziemlich ähnlich wirksam waren.“

Thomas wollte von mir wissen, was sich da abgespielt hatte, ich vertröstete ihn auf heute Abend, ich würde sie ihm als Gute-Nacht-Geschichte erzählen.

Wir stiegen aus dem Auto und gingen ins Haus. Es herrschte eine Ruhe, die uns ziemlich unheimlich vorkam. Wir sahen im Wohnraum und in der Küche, dort fanden wir keinen. Im Keller war es ruhig und dunkel, also konnte dort auch keiner sein. Selbst im Schlafzimmer meiner Eltern wurden wir nicht fündig.

Auf der Terrasse endeckten wir nur die Überbleibsel der nach­mittäglichen Kaffeerunde, wobei die für uns gedachten Tassen unbenutzt aussahen. Im Garten war es still, also schien auch dort keiner sein. Langsam wurde ich unruhig, ich hoffe doch, dass nichts passiert ist. Thomas war inzwischen nach oben gegangen und hatte dort ohne Erfolg alles abgesucht.

Keiner im Haus, sind sie vielleicht noch weggefahren, um etwas zu erledigen? Ich wollte Gewissheit und ging vors Haus, um in der Garage nachzusehen. Dorf fand ich auch keinen, konnte jedoch feststellen, dass das Auto meiner Eltern ebenfalls nicht in der Garage stand.

Zurück im Haus sagte ich zu Thomas: „Sie sind mit dem Auto meiner Eltern weggefahren. Ich kann mir nur nicht denken, warum sie das Haus noch verlassen haben.“

Thomas schaute mich an und fing schallend zu lachen an. „Das kann ich dir verraten, ich habe beim genaueren Hinsehen in der Küche einen Zettel gefunden, auf dem steht, dass sie mit Groß­mutter zum Einkaufen gefahren sind und wir uns keine Sorgen machen sollen, sofern wir vor ihnen zurückkehren sollten. Ge­meinsam wollten sie den Wochenendeinkauf erledigen, damit später keiner mehr losmuss.“

Schön, dass Thomas das so lustig fand, aber nach den Ereignis­sen des Vormittags hätte alles möglich geschehen können.

Wir setzten uns auf die Terrasse und schenkten uns beide einen Kaffee ein und sprachen über die am frühen Nachmittag mit Vater getroffenen Vereinbarungen.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde fuhr ein Wagen in die Einfahrt. Ich stand auf und öffnete die Haus­türe, kurz bevor Mutter aufsperren wollte. Die beiden Jungs folg­ten ihr mit Einkaufstaschen und Körben beladen. Sie schleppten den ge­meinsamen Wochenendeinkauf in die Küche, wo Mutter sofort anfing alles zu verstauen.

Philipp schnappte sich den Schlüssel vom Leihwagen, damit sie das Auto meiner Eltern wieder in der Garage parken konnten.

Danach kamen er und Marcus auf die Terrasse, sie setzten sich zu uns an den Tisch und Philipp erklärte uns: „Mit Oma ist alles wieder in bester Ordnung, wir haben uns noch vor dem Kaffee ausgesöhnt, nachdem ich ihr in aller Ruhe erklärt hatte, dass bei meinen blöden Bemerkungen vom Vormittag keine böse Absicht dahintergesteckt hat. Da ihr nicht zum Kaffee erschie­nen seid, hat sie beschlossen die Einkäufe gleich mit uns zu erledigen.“

Er schaute Marcus an und meinte: „Wir wollen gleich noch in den Pool springen und uns erfrischen, kommt ihr mit oder habt ihr besseres zu tun“?

Ich warf einen Blick zu Thomas und fragte ihn: „Wollen wir die Einladung der beiden annehmen? Wenn sie sich unseretwegen in Unkosten stürzen, können wir eigentlich nicht nein sagen. Oder was meinst du Thomas“?

Thomas fing laut zu lachen an, während Marcus und Philipp sich anschauten. „Na klar,“ meinte er, „so etwas lasse ich mir doch nicht entgehen. Von zwei mittellosen Studenten eingeladen zu werden, kommt auch nicht alle Tage vor. Ich frage mich nur, woher sie plötz­lich so viel Kohle haben, sie konnten sich ja nicht einmal den Flug nach Mallorca leisten.“

Marcus lachte jetzt ebenfalls los, scheinbar hatte er bemerkt, dass wir die zwei wieder einmal auf den Arm genommen hatten. Philipp schien tatsächlich auf der Leitung zu stehen, erst als Marcus ihm alles erklärte schmuggelte sich ein Lächeln in sein Gesicht.

„Das werdet ihr mir büßen, ich mag es nicht wenn ihr immer eure Späßchen auf meine Kosten macht“ konterte Philipp.

Jetzt war es mit meiner gespielten Ruhe vorbei, auch ich musste schallend loslachen, vor allem als Thomas ihm erwiderte: „Da freu ich mich doch darauf, aber dazu gehören echte Kerle und keine Milchbubis.“

Philipp schickte einen strafenden Blick zu Thomas und legte dann noch einen obendrauf: „Du wirst schon sehen Opa, deine frechen Bemerkungen mir gegenüber, einem, der deine zukünftige Rente sichert, werden dir noch leidtun. Ich werde den Antrag stellen, aufmüpfigen Opas die Rente zu kürzen, wenn sie sich so ungebührlich der Jugend gegenüber benehmen.“

Ich stellte mit Erstaunen fest, dass mein Sohn inzwischen doch ziemlich gut kontern konnte. In der Vergangenheit ist er eher beleidigt abgezogen und hat sich auf diese Weise aus der Affäre gezogen hatte. Dass dies auch Thomas aufgefallen ist, merkte ich daran, dass er zwar immer noch lachte, aber keinen weiteren Konter mehr auf die Reise schickte.

Wir räumten zusammen den Tisch ab und trugen das Geschirr in die Küche. Dort war Mutter bereits mit dem Abendessen beschäftigt. Im Beisein der anderen drei fragte ich sie, ob sie ein Problem damit habe, wenn wir uns nackt im Pool erfrischen.

„Solange ihr euch wie erwachsene Menschen benehmt und nicht wie Kleinkinder immer und überall auslauft, ist mir das egal. Außerdem bin ich mir sicher, dass es da nichts zu sehen gibt, was ich nicht schon einmal in meinem Leben gesehen habe“ erklärte Mutter. „und wegschauen werde ich euch auch nichts.“

Wieder auf der Terrasse angekommen entledigte ich mich sofort meiner Klamotten und legte alles über die Stuhllehne. Ich stand bereits nackt vor allen, als Marcus meinte „Ich dachte nicht, dass du das eben bei deiner Mutter ernst gemeint hast“?

„Warum nicht, sie hat doch gesagt, dass sie das nicht stören würde. Im Übrigen liegt sie richtig mit ihrer Aussage, dass es nichts zu sehen gibt, was sie nicht schon einmal gesehen hat. Mich und Philipp hat sie schon als Kleinkind nackt gesehen, während sie uns gewickelt hat. Bei dir und Thomas ist es etwas anders, euch hat sie nicht als Kleinkinder nackt gesehen, aber so viel Unterschied zwischen uns Vieren gibt es wohl doch nicht.“

Marcus und Philipp wurden rot im Gesicht, wieso war es ihnen plötzlich peinlich nackt zu baden, wir hatten doch schon einmal in den letzten Tagen das Vergnügen. Thomas hatte sich in­zwischen ebenfalls seiner Bekleidung entledigt und wickelte eines der Handtücher um seine Hüfte. Ich stand immer noch hül­lenlos vor den Beiden.

„Ich hoffe ihr macht jetzt keinen Rückzieher und verkrümelt euch“, sagte Thomas zu den Jungs.

Die Zwei schauten sich tief in die Augen und diesmal war es Marcus der anfing sich auszuziehen. Als seine letzte Hülle gefallen war, sahen wir den Grund für ihr eigenartiges Beneh­men, er war unten herum völlig blank rasiert. Ich fand, dass Marcus damit attraktiv aussah und so meinte ich zu Thomas recht frech: „Du, das sollten wir beide auch einmal ausprobieren, ich finde das sieht gut aus.“

An Marcus gewandt stellte ich die Frage: „Welcher Intimfriseur hat dir diese geile Frisur verpasst, mir gefällt was ich da sehe.“

Er grinste mich an und antwortete mir: „Für dieses Meisterwerk ist Philipp verantwortlich, aber warte erst mal ab, wenn du mei­nen besten Freund so siehst, dann fallen dir sicher die Augen aus dem Kopf. Der wurde nicht nur von einem Meisterfriseur verwandelt, sondern sieht auch noch um Jahre jünger damit aus.“

Der Spruch gefiel mir, so ohne jegliche Behaarung sahen sie fast wie Kleinkinder aus, womit ich mich zu einem weiteren locke­ren Spruch hinreißen ließ: „Habt ihr euch auch schon Pampers gekauft“?

Philipp, der gerade dabei war sich ebenfalls auszuziehen kon­terte blitzschnell: „Ich glaube die wären eher für euch geeignet, im Alter neigt man ja bekanntlich zu Blasenschwäche.“

Um dieses Herumalbern zu beenden fragte ich Thomas: „Und welchem Friseur deines Vertrauens würdest du deine Ver­jüngung anvertrauen“?

Thomas antwortet schlagfertig: „Das kann ich dir so ohne weite­re Vergleiche nicht sagen, dazu müsste ich erst einmal das zweite Kunstwerk bewundern können, um mich zu entscheiden. Im schlimmsten Fall muss ich auf deine Künste vertrauen und hoffen, dass du mich nicht schwer verletzt oder entstellst.“

Philipp kicherte, er hatte sich zwischenzeitlich auch seiner restlichen Kleidung entledigt und posierte vor Thomas hin und her, als wolle er seinen Marcus als Intimfriseur empfehlen. Thomas blickte zwischen den beiden hin und her, bevor er uns seine Entscheidung verkündete: „Ich glaube ich nehme den Friseur von Marcus, der Stil passt besser zu mir. Ich empfehle dir aber den Meisterfriseur von Philipp, damit wirst du sicher jünger aussehen, ich hoffe nur, dass ich dir nachher nicht zu alt bin.“

Endlich gingen wir zum Pool und ins Wasser, wo wir weiter wie die kleinen Kinder Blödsinn machten. So ausgelassen waren wir schon lange nicht mehr gewesen. Wir bespritzten uns mit Wasser, versuchten uns gegenseitig unterzutauchen oder den anderen die Füße vom Boden wegzuziehen. Badehosen, die man hätte herunterziehen können, gab es ja nicht.

Nach mehr als zwanzig Minuten stieg ich aus dem Wasser und legte mich auf die Doppelliege. Thomas folgte mir wenig später, während die Jungs noch eine Weile im Wasser herumtollten.

Kaum hatte er sich neben mich gelegt, wollte er wissen, ob das vorher alles ernst gemeint war mit der Intimrasur. Ich grinste ihn an und antworte ihm: „Ja und nein, das mit der Rasur war mein voller Ernst, aber die Frage wer bei wem Hand anlegen darf, die war eher als Spaß zu verstehen. Ich gehe davon aus, dass wir beide das gegenseitig erledigen.“ Dass wir da die Rechnung ohne unsere beiden Jungs gemacht hatten, sollten wir später am Abend noch erfahren.

Wenig später standen plötzlich Marcus und Philipp vor uns und beschwerten sich darüber, dass wir uns auf der Doppelliege ausgebreitet hatten. Diesmal hatte Thomas für die beiden einen frechen Spruch auf den Lippen: „Ihr seht beide noch so jung aus, ihr habt doch sicher gemeinsam auf einer der schmalen Liegen problemlos Platz.“

Bis Mutter uns zum Essen rief plauderten wir nur über Belang­losigkeiten. Auf der Terrasse angekommen schlüpfte ich nur in die kurze Hose, Shirt und Unterwäsche legte ich beiseite und setzte mich an den Tisch. „Jetzt wird es gleich Ärger geben, wenn du so zum Essen erscheinst“ meinte Philipp. Thomas der es mir nachgemacht hatte grinste nur und erklärte den beiden: „Wir wollen heute auch einmal wieder unartige Jungs sein.“

Marcus lachte, tat es uns dann gleich und setzte sich ebenfalls nur mit seiner Shorts an den Tisch. Philipp kämpfte noch kurz mit sich, bevor er sich entschloss unserem Beispiel zu folgen. Bei so viel Übermacht musste Oma normalerweise kapitulieren.

Mutter rief aus der Küche, ob einer oder zwei von uns kommen könnten und ihr beim Auftragen helfen würden. Ich antworte ihr, dass ich zu ihr in die Küche komme und helfe. Ich stand wieder auf und ging in die Küche. Philipp folgte mir, er will auch helfen meinte er nur. Ich denke er wollte eher die Reaktion seiner Großmutter sehen, wenn wir so in der Küche auftauchten.

Ich konnte ihm ansehen, dass er richtig enttäuscht war, als seine Oma überhaupt nicht darauf reagierte, in welcher Kleidung wir zu ihr in die Küche kamen.  Sie drückte mir einen Topf in die Hand, Philipp überreichte sie zwei Salatschüsseln. Mit dem wei­teren Topf, den meine Mutter trug, ging es zurück auf die Ter­ras­se.

Wir waren kaum mit dem Essen fertig als uns Mutter mit einem ihrer unnachahmlichen Sprüche überraschte: „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum an meinem Tisch vier ver­führerische junge Männer sitzen, für die ich viel zu alt bin. Im Übrigen bin ich bestens verheiratet, also halte ich es mit dem Vaterunser, wo es heißt, und führe mich nicht in Versuchung.“

Sie hatte das in so einem ernsten Ton von sich gegeben, dass ich fast schon glauben wollte, dass das jetzt ernst von ihr gemeint war. Da sie jetzt leicht lächelte, konnte ich davon ausgehen, dass sie es nicht so gemeint hatte.

Philipp und Marcus die schon wieder einen roten Kopf bekom­men hatten, standen schnell auf, sammelten Besteck und Ge­schirr ein und eilten in die Küche. Kurze Zeit später standen sie wieder am Tisch und holten die Töpfe und das restliche Geschirr.

Die zwei waren längst wieder in der Küche, als ich Mutter fragte: „Musste das jetzt sein, du hast doch gesehen, wie peinlich das für Marcus und Philipp war. Mich und Thomas konntest du nicht mit deinem lockeren Spruch aus der Fassung bringen.“

„Das war meine Revanche für heute Vormittag“ erklärte sie uns. „Jetzt spürt er am eigenen Leib, das unbedachte Äußerungen an­dere verletzen können oder traurig machen. Ich werde auf alle Fälle gleich klarstellen, dass ich sie damit nicht bloßstellen wollte.“

Thomas hatte uns noch Wein nachgeschenkt und ich nippte an meinem Glas, als die Jungs wieder aus der Küche zurückkehrten und uns freudestrahlend mitteilten, dass der Geschirrspüler am Laufen sei und die Küche wieder, ohne zu erschrecken, betreten werden kann.“ Sie setzten sich zu uns und Thomas wollte wissen, ob er ihnen auch noch Wein nachschenken dürfe. Beide nickten zustimmend und so füllte er die beiden Gläser erneut.

Frech wie ich manchmal sein kann, fragte ich die Jungs, wohin läuft der Geschirrspüler, ich denke wir sollten uns schnellstens auf die Suche machen, bevor er sich noch irgendwo verirrt. Marcus lachte und meinte, ich bin überzeugt, der verirrt sich nicht, wofür hat er ein Navigationsgerät eingebaut.

Wir vier lachten schallend, außer Oma, sie meinte sofort nur trocken: „Bei mir ist er noch nie weggelaufen.“

Nachdem wir uns alle wieder beruhigt hatten, sagte Oma zu den beiden Jungs, ohne jedoch auf die mögliche Revanche hinzuweisen, dass sie ihren Spruch vorher nicht so ernst gemeint habe und sie es eher als Kompliment verstehen sollten.

Damit gaben sich die beiden zufrieden. Da jetzt das Wochenende vor uns stand meinte sie noch, morgen sollten wir länger aus­schlafen. Nur die Besuche bei Opa stünden auf dem Programm, Gartenarbeit und sonstiges war nicht erwünscht.

Bis Oma sich von uns verabschiedete wurde nur über Belang­loses geplaudert oder wir saßen nur am Tisch und genossen die Stille der Umgebung. Kurze Zeit später wollten Thomas und ich auch ein Ende finden und verabschiedeten uns ebenfalls von den Beiden.

Sie meinten, sie würden nur kurz noch den Rest in die Küche tragen und dann ebenso wie wir für heute Schluss zu machen.

Oben angekommen, gingen wir zuerst in unser Schlafzimmer, eigentlich wollte ich noch in einem Buch lesen, aber ich fand einfach nicht die Muse, den Roman zu genießen. Ich meinte kurz zu Thomas, dass ich ins Bad verschwinde. Er folgte mir, mit der Erklärung, dass er mich nicht allein zu Bett gehen lassen könne.

Wir standen kaum unter der Dusche als sich die Badezimmertür öffnet und Marcus und Philipp auf der Bildfläche erschienen. Ich dachte noch, dass sie doch gemerkt haben müssten, dass wir gerade im Bad sind, als Philipp frech fragte: „Wo ist denn der hübsche Kerl, der von mir verschönert werden wollte“?

Ich konnte mit ansehen, Thomas wurde knallrot im Gesicht, wobei sich bei mir ohne Zweifel die gleiche Färbung einstellte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Das ist jetzt die Strafe für uns, dass wir uns vorher sehr weit aus dem Fenster gelehnt hatten mit unse­ren Sprüchen.

Thomas stellte die Dusche ab, öffnete den Vorhang und ging auf Philipp zu. Der legte gleich noch die nächste Anspielung hinter­her: „Trockne dich erst einmal ab, so kann ich nicht Hand an dich anlegen.“

Man ist der Kerl inzwischen selbstbewusst und frech geworden. Ich stieg ebenfalls aus der Dusche und gesellte mich zu den anderen. Philipp hielt bereits einen Langhaarschneider in der Hand und erklärte Thomas das weitere Vorgehen.

Zuerst kürzen wir das Gestrüpp und danach werden mit einer guten Rasierklinge und viel Schaum die Stoppel beseitigt. Thomas setzt sich auf den Rand der Badewanne und wartete, dass Philipp endlich anfangen würde. Vorsichtshalber setzte ich mich gleich neben ihn, damit Marcus, wenn Philipp mit Thomas fertig war, bei mir weitermachen konnte.

Während er Thomas vom Gestrüpp befreite, wie er es genannt hatte, konnte ich erkennen, dass dies an Thomas nicht ohne be­reits sichtbare Veränderungen abging. Marcus grinste nur und erklärte uns: „Glaubt bloß nicht, dass es nur euch so ergeht. Gestern Abend war auch Sturm in unseren Hosen angesagt, obwohl wir die nicht einmal anhatten. Wenn ich so sehe wie Philipp schon wieder zappelt, dann kann ich mir gut vorstellen, dass er bereits wieder mit Zeltbau beschäftigt ist.“

Philipp wurde rot im Gesicht, einen Farbton den Thomas und ich gerade wieder abgelegt hatten und schnauzte Marcus an: „Glaubst ich bin blind, ich sehe bei dir auch schon alle Vorzeichen auf einen heranziehenden Sturm.“

Mir erschien es Marcus weniger peinlich zu sein, er schob ein­fach die Shorts nach unten, damit hatte er Philipp den Wind aus den Segeln genommen. Okay, ich war zwar schon hüllenlos, aber der Anblick von Thomas und Marcus schaffte es, dass auch bei mir Bewegung in die Sache kam.

Philipp hatte den Urwald bei Thomas gelichtet und stand wieder auf, drückte Marcus den Langhaarscheider in die Hand und suchte nach dem Rasierschaum und den guten alten Rasierklingen.

Jetzt ging es meinem schon leicht angegrautem Gebüsch an den Kra­gen. Marcus fing vorsichtig an bei mir die Schamhaare zu kürzen. So nach und nach lichtete sich der Urwald und viel nackte Haut kam zum Vor­schein. Ich beobachte Philipp, der inzwischen ebenfalls seine Hose ausgezogen hatte bei seinen Bemühungen die restliche Stoppel von Thomas einzuschäumen. Thomas Kampf gegen das unvermeidliche war längst verloren, als Philipp erklärte: „Beim Rasieren ist es besser so wie es gerade ist, dann ist die Verlet­zungsgefahr geringer.

Auch bei mir hatte Marcus inzwischen sein Werk mit dem Langhaarschneider beendet. Er schnappte sich den Rasier­schaum und fing damit an bei mir, so wie Philipp es bei Thomas gemacht hatte, alles einzuschäumen. Das kitzelte und ich konnte mich auch nicht mehr beherrschen, mir erging es wie Thomas.

Da sie mehr als nur eine Rasierklinge hatten, konnten sie jetzt uns beide, gleichzeitig die Stoppel entfernen. Kurz Zeit später, bevor Marcus sein Werk bei mir vollenden konnte, rief Philipp, ich bin fertig, Thomas du kannst wieder unter die Brause und dir den restlichen Schaum abduschen. Kurze Zeit später stand ich mit Thomas zusammen wieder unter der Dusche und fühlte über meine glatte Haut. Ich riskierte einen schnellen Griff und konnte feststellen, dass auch er eine weiche glatte Haut hatte.

Wir hatten kaum die Dusche verlassen als die zwei hinter dem Duschvorhang verschwanden und sich ebenfalls brausten. Bevor wir das Bad verließen, rief ich den Jungs noch zu, sie sollen doch kurz bei uns vorbeikommen, wir wollen uns noch bei ihnen bedanken.

Im Schlafzimmer fragte mich dann Thomas doch geradeheraus, wie ich mir die Danksagung den vorstelle. Ich grinste ihn an und erklärte ihm, dass ich an eine Runde kuscheln gedacht hatte. Das uns ein weiters Sturmtief überraschen sollte, ahnten wir in diesem Augen­blick noch nicht.

Wir lagen kaum auf unserem Bett als die beiden erschienen, Philipp hatte eine Flasche mit Babylotion in der Hand und erklärte uns, dass sie noch nicht fertig mit uns seien. Wir sollten die Haut vor Reizungen schützen und deshalb wollten sie uns noch eincremen. Philipp sprang aufs Bett, lies ein paar Tropfen der Lotion auf Thomas Bauch fallen und begann mit dem Einmassieren. Marcus tat dasselbe bei mir und cremte mich ein.

Nach wenigen Minuten meinte sie, dass wir uns jetzt umdrehen sollten. Plötzlich erkannte Philipp, dass sie da etwas vergessen hatten, unsere Hinterteile waren noch ziemlich haarig. Er schickte Marcus ins Bad, um zwei Handtücher und die Rasierer zu holen, damit sie ihre Arbeit vollenden können.

Die zwei Handtücher legten sie unter unsere Bäuche und mit den Rasierklingen wurden die Härchen entfernt. Auch hier wurden wir noch mit Lotion eingecremt.

Endlich fertig tätschelt Marcus meinen Hintern und meinte frech: „So einen glatten und eingecremten Babyhintern hattet ihr sicher schon lange nicht mehr.“ Dem konnte ich nicht einmal wider­sprechen. Sie zogen die Handtücher unter unseren Bäuchen her­aus und wollten gerade das Zimmer verlassen, als ich sie stoppte und meinte: „Halt hiergeblieben, ihr müsst noch eure Belohnung in Empfang nehmen.“

Marcus und Philipp schauten sich fragend an, Thomas grinste und sagte: „Kommt näher, aus der Entfernung ist es nicht mög­lich unsere Belohnung loszuwerden.“

Beide stellten sich neben unser Bett, Philipp auf Thomas seiner Seite und Marcus auf meiner Seite. So schnell konnten die zwei nicht reagieren, wir hatten sie fest gepackt und aufs Bett gezogen. Beide erhielten von uns einen Kuss auf die Stirn. Ich drückte Marcus fest an mich, bevor ich ihnen erklärte: „Wir haben nicht daran geglaubt, dass ihr so frech seid und Thomas Aussage von heute Nachmittag in die Tat umsetzen würdet. Vor allem bei ihm, also Marcus, hatte ich die größeren Bedenken, weil er damals seine Probleme damit hatte mit uns im Bett zu kuscheln.“

„Das ich inzwischen so selbstbewusst bin und diesen Spaß mit Philipp durchziehen konnte, habe ich euch zu verdanken, ihr habt mir gezeigt, dass körperliche Nähe zu seinen Eltern oder Schwiegereltern für euch etwas Selbstverständliches ist. Ich fühle mich bei euch geborgen und inzwischen bin ich mir auch sicher, dass ihr uns nie etwas antun würdet, was wir nicht wollen“ erklärte mir Marcus.

„Mit euch in einem Bett kuscheln, auch wenn wir diesmal völlig unbekleidet sind, ist kein erotischer Reiz, sondern ver­stärkt mein Gefühl, euch als meine Ersatzeltern anzusehen.“

Thomas konnte ich ansehen, dass er durch dieses große Kom­pliment das Marcus uns da machte, wieder ein Stück gewachsen ist.

„Wenn ihr zwei wollt, könnt ihr heute Nacht bei uns schlafen und euch an uns und wir uns an euch kuscheln, dazu sollte jedoch vorher noch einer von euch beiden die Lichter im Haus löschen und die beiden Handtücher ins Bad tragen.

Bevor Marcus auch nur irgendwie reagieren konnte, war Philipp aus dem Bett gesprungen, schnappte sich die beiden Handtücher und verschwand im Flur. Marcus schaute mich fragend an, ich wusste was er in diesem Moment dachte. „Keine Angst, wir lieben euch beide, aber sicher nicht so, dass das Eintreten könnte, was du gerade befürchtest.“

Marcus atmete tief durch, während Thomas mich angrinste. So schnell wie er verschwunden war stürzte Philipp zurück ins Zimmer und warf sich neben Thomas zu seinem Marcus aufs Bett. Er nahm ihn fest in seine Arme, ich denke, er hat gespürt, welche Zweifel Marcus bei seiner Entscheidung hatte.

Ich löschte das Licht an meinem Nachttisch und kuschelte mich wieder an Marcus, der immer noch auf dem Rücken lag und warf die Bettdecke über uns. Philipp hing halb auf ihm und Thomas wiederum kuschelte sich an Philipp.

Es dauerte nicht lange und ich bin hundemüde und glücklich eingeschlafen. Wie lange die anderen noch wach waren, oder ob da vielleicht noch intensiver gekuschelt wurde, kann ich beim euch besten Willen nicht sagen. Wenn ich einmal schlafe, dann höre ich nichts mehr, selbst ein Gewitter stört meinen Tiefschlaf nicht.

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