Regenbogenfamilie Teil 80 – Bewerbungsgespräche

Kurz vor der Abfahrt der Busse, verkündete ich in beiden Bussen, dass wir uns spontan entschlossen hätten, heute Abend, gegen neunzehn Uhr, eine weitere Gesprächsrunde mit allen Bewerbern durchführen zu wollen, vor allem um mit ihnen, ihre offenen Fragen zu klären. Spontan lud ich dazu auch unsere aktuellen Auszubildenden ein, damit die Bewerber zusätzlich die Gelegenheit erhalten, Fragen an unsere bisherigen Auszubildenden zu stellen.

Während der Fahrt meldete sich Carsten bei mir und meinte, er würde heute Abend gerne dabei sein und Fragen der Bewerber und Bewerberinnen beantworten. Kurz bevor wir bei der Brauerei ankamen, stand Dimitri Petrov neben mir und erklärte, dass er sich auch den Fragen der neuen Auszubildenden stellen will. Er meinte noch, dass er während der Brauereibesichtigung mit seinen Mitauszubildenden Cindy Ungerer und Hubert Winkler von den Handwerkern sprechen will, damit sie ebenfalls mit dabei sind, um Fragen zu beantworten.

Da wir im Vorfeld angekündigt hatten, dass wir mit rund achtzig Personen zur Besichtigung kommen, standen fünf Mitarbeiter der Brauerei zur Verfügung, die uns in kleinen Gruppen durch die Brauerei führen sollten. Ich bat alle sich in Gruppen von jeweils etwa sechzehn Leuten aufzuteilen, die sich um je einen der Betreuer bei der Führung versammeln.

Schnell waren die ersten beiden Gruppen gebildet, die sich zur Brauereiführung auf­machten. Einer der Betreuer meinte, die nächsten Gruppe können im Abstand von jeweils ungefähr fünf Minuten aufbrechen. Innerhalb der nächsten viertel Stunde waren auch die letzten Gruppen unterwegs.

Da ich die Brauereiführung bereits mehrmals mitgemacht hatte, hatte ich im Vorfeld einen Termin mit dem Chef der Vertriebsabteilung vereinbart. Zusammen mit Sebastian gingen wir in sein Büro. Dort erklärten wir ihm, dass wir, sofern die Möglichkeit besteht, unsere Getränkelieferungen auf Direktbelieferung durch die Brauerei umstellen möchten. Dazu solle er uns sein gesamtes Sortiment vorstellen. Er fragte uns, von welchen Mengen, die wir beziehen wollen, er ausgehen könne.

Sebastian erklärte, ich habe die Zahlen zusammengestellt, die im letzten Jahr monatlich eingekauft wurden. Dabei habe ich den Verbrauch während des Zeltlagers heruntergerechnet auf einen normalen Verbrauch in diesen Monaten. Bei den verschiedenen Biersorten, einschließlich der alkoholfreien Sorten, haben wir im Biergarten, im Restaurant und im Seminarhotel insgesamt etwa 35 Hektoliter in den letzten zwölf Monaten verkauft. Bei den alkoholfreien Getränken und Säften sind wir sogar bei mehr als 40 Hektoliter angekommen.

Er schaute mich und Sebastian an und erklärte: „Bei diesen Abnahmemengen rechnet sich für uns eine Direktbelieferung allemal, viele unserer Brauereigaststätten erreichen diese Umsatzgröße in den seltensten Fällen. Ich habe mich im Internet schlau gemacht und festgestellt, dass ihr auch einen Hofladen betreibt. Könnten wir dort einen Versuch starten und unsere regionalen Biersorten und Softdrinks mit anbieten.“

Ich schaute ihn an und meinte: „Darüber lässt sich sicher verhandeln, aber wir haben mit verschiedenen Landwirten aus der Umgebung eine Erzeugergemeinschaft gebildet. Momentan ist es so, dass wir deren Produkte bei uns mitverkaufen und umgekehrt unsere Produkte bei ihnen mit angeboten werden. Nach anfänglicher Skepsis bei einigen Bauern, sind inzwischen fast alle begeistert, da sie so ihren Kunden eine größere Vielfalt anbieten können und mit ihren Produkten in den anderen Hofläden ihrer Kollegen größere Mengen im Direktverkauf absetzen.“

Er schaute mich an, und meinte, ich habe schon gesehen, dass eure Landwirte diverse Fleischerzeugnisse anbieten, die nach Onlinebestellung in jedem der beteiligten Hofläden abgeholt werden können. Ich finde das eine geniale Idee, weil der Kunde nicht extra von Hofladen zu Hofladen fahren muss, um seinen Bedarf bei den einzelnen Hofläden zu decken.

 

Sebastian meinte dazu: „Ich denke wir sollten das mit deiner Tochter besprechen und sie kann bei ihren Kollegen abklären, ob bei dem einen oder anderen, Interesse an der Vermarktung regionaler Biersorten und Softdrinks besteht. Wichtig ist vor allem die Frage, wie die einzelnen Hofläden beliefert werden können.“

Wir vereinbarten, dass er uns in den nächsten Tagen ein detailliertes Angebot über­mitteln wird, wenn Sebastian ihm vorher noch die detaillierten Zahlen zu den einzelnen Bier und Softdrink Sorten mitteilen würde. Sebastian versprach ihm, morgen diese Details zu ermitteln und ihm die Zahlen zukommen zu lassen.

Da inzwischen die ersten Führungen beendet sein sollten, gingen wir gemeinsam ins Bräu Stüberl, wo die Verkostung der alkoholfreien Getränke stattfinden sollte. Die ersten beiden Gruppen waren bereits anwesend und wurden befragt, was sie gerne testen würden.

Es gab bei einigen lange Gesichter, als sie hörten, dass bei der heutigen Verkostung nur alkoholfreie Getränke ausgeschenkt werden. Als dann einer der Jungs sich lautstark beschwerte, griff ich ein und sagte laut: „Wir haben vereinbart, dass heute nur alkoholfreie Getränke getestet werden. Ich wollte verhindern, dass jeder der ein alkoholisches Getränk haben will, extra nach seinem Ausweis gefragt werden muss.“

Severin, der mit der ersten Gruppe die Führung absolviert hatte und alles mitbekommen hatte, erklärte: „Daniel, du brauchst nicht so lautstark zu stänkern, du hättest sowieso kein alkoholhaltiges Getränk erhalten. Worüber regst du dich auf, wir Betreuer haben einer Brauereibesichtigung nur zugestimmt, nachdem Peter erklärte hatte, dass an alle nur alkoholfreie Getränke ausgegeben werden. Wäre dir lieber gewesen, dass ihr alle nicht hättet mitkommen dürfen.“

Daniel schaute ihn sprachlos und meinte dann kleinlaut: „Okay, ich bin ja schon wieder ruhig.“

Severin legte nach und sagte: „Du hast doch während der Führung gehört, dass beide Sorten, Helles und Helles alkoholfrei, nach dem gleichen Rezept gebraut werden. Der einzige Unterschied besteht darin, dass nach der Gärung, dem alkoholfreien Bier der Alkohol entzogen wird. Du kannst alkoholfreies Bier testen, da spricht sicher nichts dagegen.“

Im Abstand von jeweils fünf bis sechs Minuten kamen die weiteren drei Gruppen von ihrer Führung ins Bräu Stüberl. Was mir auffiel, von unseren Bewerbern und den Auszu­bildenden regte sich keiner darüber auf, dass nur alkoholfreie Getränke ausgegeben wurden. Als Florian plötzlich neben mir stand fragte ich ihn, ob er unsere Auszubildenden im Vorfeld informiert habe, dass nur alkoholfreie Getränke ausgegeben werden.

Er grinste mich an und erklärte mir: „Sicher, ich wollte mir keinen Ärger mit ihnen Einhandeln und habe ihnen vorsichtshalber gesagt, dass wegen der vielen Kids, die noch keine sechzehn Jahre alt sind, grundsätzlich bei der Verkostung kein Alkohol ausgeschenkt wird. Für die, die zugesagt haben und mitgekommen sind, scheint das auch kein großes Problem zu sein.“

Kurz vor fünfzehnuhrdreißig meinte ich, dass alle so langsam wieder in die Busse einsteigen sollten, da wir noch ein weiteres Ziel eingeplant haben. Davon wussten bisher nur die beiden Busfahrer und ich. Als ich das ankündigte, hatten es einige sehr eilig zum Bus zu kommen. Florian fragte mich, wieso er nichts von einem weiteren Ziel an diesem Nachmittag gewusst hätte.

Ich erklärte ihm, die Extratour habe ich direkt mit dem Busunternehmer vereinbart, nachdem mir klar geworden war, dass die Brauerei Besichtigung kein nachmittagsfüllendes Programm darstellt. Er hat gemeint, unser nächstes Ziel könnte für die Kids interessant sein und ebenfalls nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Während Fahrt zu unserem weiteren Ziel, das sich in Rohrdorf befindet, hörte ich einige Spekulationen, wo wir hinfahren würden. Dimitri, der in der Reihe hinter mir saß, sagte zu mir: „Peter, wenn du und ihr Betreuer, den Kerl mit seinem vorlauten Mundwerk nicht gestoppt hättest, hätte sich der Stänkerer vermutlich von mir eine eingefangen, Jungs, die so penetrant nach Alkohol gieren, kann ich überhaupt nicht ab.

Ich schaute ihn an und meinte: „Dafür sind vor allem die Betreuer der Heimkinder zuständig, er ist keiner der Bewerber für einen Ausbildungsplatz, aber eingreifen darf ich trotzdem. Das Problem ist eher, dass die Jungs gar nicht wissen, dass sich ihr Betreuer strafbar macht, wenn er denn Alkoholkonsum nicht unterbindet. Ebenso kann ich als Veranstalter eine Menge Schwierigkeiten bekommen.

Denk daran, wenn du dem Jugendlichen eine eingeschenkt hättest, dann wärest du in Schwierigkeiten geraten wegen Körperverletzung. Du kannst ihn anbrüllen und ihm erklären, dass es keinen Alkohol gibt, mehr kannst du leider nicht machen. Darf ich dich fragen, warum du ein Problem mit Leuten hast, die zu tief ins Glas schauen.“

Dimitri schaute mich an und erklärte: „Das hat mit meinen Kindheitserlebnissen zu tun. Mein Vater war Alkoholiker, bis er sich vor einigen Jahren im Suff mit seinem Auto selbst umgebracht hat. Beinahe hätte er damals auch noch meinen besten Freund schwer verletzt. Wenn du dich jetzt fragst, ob ich traurig war über den Verlust meines Vaters, ich muss ehrlicherweise gestehen, dass dem nicht so war.

Aber das ging nicht nur mir so, meine beiden älteren Brüder waren ebenfalls froh als er nicht mehr nach Hause kam. Er hatte uns als Kinder des Öfteren in seinem Suff grundlos verprügelt und wenn meine Mutter dazwischen gehen wollte, hat er sie ebenfalls vermöbelt. Ich habe mir damals geschworen, dass ich nie im Leben so werden möchte, wie mein Vater.“

Inzwischen standen wir bereits auf dem Parkplatz des Bauerhausmuseums in Rohrdorf. Wir hatten für unseren Besuch einen extra Termin gebucht, da das Museum normalerweise nur samstags oder nach Voranmeldung geöffnet ist. Ich ging voraus und wir trafen am Eingang auf vier Museumsführer die jeweils etwa zwanzig Leute um sich scharrten.

Beim Bezahlen des Eintrittspreises rechnete ich nicht lange und meinte, ich will für achtzig Personen bezahlen, egal ob unter sechzehn oder darüber. Ihr solltet wissen, Jugendliche unter sechzehn zahlen keinen Eintritt für den Besuch des Museums. Erwachsene zahlen drei Euro, und da ist die Führung bereits im Preis enthalten.

Die Führung durch die Räume war interessant und es gab reichlich zu sehen. Interessant waren unter anderem in der Tenne die Werkzeuge und Gerätschaften aus der Zeit vor neunzehnhundert. Von unserem Museumsführer wurde immer wieder erklärt, wofür die einzelnen Teile verwendet wurden.

Nach dem Ende der Führung hatten alle noch reichlich Gelegenheit sich selbst umzuschauen und das Wissen zu vertiefen. Ich persönlich fand die Holzbücher Bibliothek am interessantesten. Mehr als dreißig Bücher, alle aus einheimischen Hölzern hergestellt. In den Büchern wurde von der jeweiligen Baumart Blätter, Nadel, Früchte, Zapfen und Samen hinterlegt, alle typischen Merkmale für diese Baumart. Die Buchrücken bestehen aus einem Stück Rinde des jeweiligen Baumes.

Irgendwann stand Alexander, der Bewerber als Auszubildender zum Forstwirt aus dem Münchner Kinderheim, neben mir und erklärte: „Peter, die Idee mit uns hierher zu fahren, hat meine Erwartungen, als wir hier ankamen bei weitem übertroffen. Ich dachte zuerst, dass es nur wieder ein langweiliges Museum sei, bis wir bei den hölzernen Büchern gelandet sind. Ich durfte am Ende der Führung von drei Büchern Fotos mit meinem Smartphone machen. Für mich sind alle Bücher der Bibliothek interessant, da sie nur aus einheimischen Bäumen bestehen.

Ich habe mit einem der Mitarbeiter gesprochen und ihn gefragt, ob ich wiederkommen dürfe und weitere Fotos von den Büchern machen darf, wenn ich bei euch meine Ausbildung zum Forstwirt absolviere. Er meinte, dass sei kein Problem, von Mai bis Oktober ist das Museum jeden Samstagnachmittag geöffnet. Ich habe mir schon überlegt, ob ich für euere Kids im Gesindehaus selbst solche Bücher erstellen kann, damit sie als Anschauungsmaterial verwendet werden können.“

Ich meinte zu ihm: „Wenn es dir Spaß bereitet, so etwas für unsere Gäste herzustellen, ich werde dich nicht aufhalten. Vielleicht solltest du dir aber überlegen, ob du die Kids bei der Herstellung der Bücher mit einbinden kannst. Ich denke, das wird bei vielen von ihnen gut ankommen.“

Severin, der inzwischen neben uns stand und die letzten Sätze mitbekommen hatte, meinte: „Alex, jetzt hast du mich endgültig überzeugt, dass du dir den Ausbildungsplatz als Forstwirt nicht ausgesucht hast, um einfach aus dem Heim wegzukommen, sondern du wirklich Interesse an diesem Beruf hast.“

Ich fragte danach die umstehenden Jugendlichen, wie ihnen der zweite Teil des heutigen Ausflugprogramms gefallen hätte. Klar gab es unterschiedliche Meinungen dazu, aber im Großen und Ganzen fanden alle das Museum interessant, weil sie viele Werkzeuge und Geräte kennenlernen konnten, die es heute in der Form überhaupt nicht mehr gibt.

Meine Schlussfolgerungen, die ich aus den Aussagen der Jugendlichen herauslesen konnte, waren für mich auf alle Fälle positiv, so dass ich Armin bedenkenlos vorschlagen könne, das Bauernhaus Museum in Rohrdorf in seinen Angebotskatalog mit aufzunehmen.

Kurz vor siebzehnuhrdreißig saßen alle wieder in den Bussen und es ging zurück auf den Gutshof. Lange vor achtzehn Uhr waren alle wieder im Gesindehaus, pünktlich gab es für alle das Buffett, so dass wir um neunzehn Uhr problemlos mit unserer Fragerunde im großen Konferenzsaal beginnen konnten.

Heute Abend saßen bei mir, vor den Jugendlichen, einige der Ausbilder und unsere Auszubildenden Cindy, Carsten und Dimitri neben mir und stellten sich den Fragen der Jugendlichen. Bevor wir in die Fragerunde einstiegen, bat ich noch unsere drei Auszubildenden sich den Jugendlichen kurz vorzustellen, die Ausbilder hatten sie bereits am ersten Abend kennengelernt.

Als erste begann Cindy mit ihrer Vorstellung: „Mein Name ist Cindy und mache zurzeit eine Ausbildung zur Bürokauffrau in der Eduard Obermeier GmbH. Ich bin im zweiten Ausbildungsjahr und werde meine Ausbildung voraussichtlich ein halbes Jahr, nach eurem Start als Auszubildenden beenden.

Begonnen habe ich meine Ausbildung, als die Eduard Obermeier GmbH noch ein reiner Elektro- und Sanitärhandwerksbetrieb war. Erst mit der Übernahme durch den Gutshof wurden die weiteren handwerklichen Bereiche in der Firma eingeführt. Durch die neuen Bereiche konnte ich mein fachliches Wissen über die Gewerke am Bau erweitern, was bei der bisherigen Konstellation nicht gegeben war. Ich freue mich schon auf eure Fragen.

Der nächste der sich vorstellen durfte war Dimitri: „Ich bin Dimitri, meine Ausbildung als Elektriker findet ebenfalls bei der Eduard Obermeier GmbH statt. Ich bin bereits im dritten Ausbildungsjahr und mache im Sommer meine Abschlussprüfung. Wir sehen uns spätestens an Silvester wieder, ich werde euer DJ bei der Silvesterfeier sein. Übrigens, meine beiden älteren Brüder haben ebenfalls bei der Eduard Obermeier GmbH ihre Ausbildung gemacht. Der mittlere arbeitet als Sanitärfachmann und der älteste schlägt sich mit Heizungen und Klimaanlagen herum.“

Nun durfte sich noch Carsten vorstellen. Ich war schon neugierig, was er den Auszubildenden erzählen wird. Carsten erklärte: „Hi, mein Name ist Carsten, ich mache eine Ausbildung zum Koch in der Küche bei Sebastian. Ich bin wie Cindy im zweiten Ausbil­dungsjahr, werde aber erst übernächstes Jahr meinen Abschluss machen. Wie ihr sicher schon an meiner Sprache gemerkt habt, bin ich kein hiesiger, wie man so schön bayrisch sagt.

 

Ich bin an der Ostsee geboren und habe meine Ausbildung zum Koch in einem Hotel an der Ostsee begonnen. Im Spätsommer dieses Jahres verstarb der Eigentümer des Hotels und hatte in seinem Testament verfügt, dass das Hotel an die Stiftung für benachteiligte Jugendliche von Peter und Ludwig gehen soll. Bei einer Personalversammlung Anfang Oktober lernt ich Peter und seine Jungs kennen. Ich fragte ihn, ob es möglich sei nach meiner Ausbildung zum Restaurant im Gutshof zu wechseln, da mein Freund mit seinen Eltern vor einiger Zeit wieder zurück nach Bayern, genauer gesagt nach Rosenheim gezogen sei.

 

Er meinte damals, er werde prüfen, was er für mich machen könne und einen halben Tag später bot er mir an, ich könne meine Ausbildung sofort im Gutshof fortzusetzen, er hätte nur ein Problem, meine Unterbringung, da erst nächstes Jahr wieder Appartements für Auszubildende zur Verfügung stünden. Ich telefonierte mit Michael, meinem Freund und erhielt von seinen Eltern die Zusage, dass ich in der Zeit bei ihnen wohnen könne. Bereits eine Woche später war alles geregelt und meine Eltern haben mich in Rosenheim bei meinem Freund Michael und seinen Eltern abgeliefert.

 

Abschließend erklärte er, dass er ihnen empfehlen könne, mit Peter zu sprechen, wenn sie Probleme oder Schwierigkeiten hätten. Er würde fast immer einen Weg finden, um das Problem zu lösen oder die Schwierigkeiten zu beseitigen.

 

Bevor ich die Fragerunde eröffnen konnte, stand Richy auf und erklärte: „Ich bin Richard, aber alle nennen mich nur Richy. Ich kann Carstens Aussage nur bestätigen. Ich stamme aus einem Kinderheim in Thüringen und war Anfang Juli zu Gast im großen Zeltlager. Ich habe in einem Gespräch, mit Felix, einem Auszubildenden der Stiftung, erzählt, dass ich heuer in Thüringen keinen Ausbildungsplatz als Gärtner finden konnte und nun noch ein Jahr warten müsse, bis ich eine Ausbildung beginnen könne.

 

Felix hat mit Peter darüber gesprochen und schon wenige Stunden später hat er mich zu einem Vorstellungsgespräch mit Peter geschleppt. Er hat mir in der Gärtnerei Winter GmbH einen Ausbildungsplatz zum Gärtner angeboten und mir meinen Ausbilder vorgestellt. Seit September bin ich jetzt hier. Auch hier war das einzige Problem die Unterbringung. Das wurde mit Zustimmung des Jugendamts gelöst, ich wohne jetzt in einem der Gästezimmer im Verwalterhaus mit den vier Jungs Manuel, Daniel, Jonas und Tim und werde nächstes Jahr in eine der bis dahin fertiggestellten Appartements für die Auszubildenden umziehen.

 

Ich grinste und erklärte: „Genug der Lobhudelei um meine Person, ich weiß, dass ich von einigen bereits den Spitznamen Samariter der Jugendlichen oder ähnliches bekommen habe. Ich kann nur helfen, wenn die- oder derjenigen der sie benötigt, akzeptiert, dass ihm oder ihr geholfen wird.“

 

Nach einer kurzen Unterbrechung sagte ich: „Ich eröffne die Fragestunde und bitte um die ersten Wortmeldungen.“ Innerhalb weniger Sekunden schnellten fünf oder sechs Arme nach oben. Ich bat darum mir ihre Vornamen zu nennen, die ich mir notieren würde, damit wir sie der Reihe nach abarbeiten können. Ich notierte mir folgende Namen, Magnus Doppler, Selina Becker, Josef Bauernfeind, Andreas Schwerdtfeger, Sebastian Heilmann und Linus Galianis.

 

Nachdem ich alle Namen aufgeschrieben hatte, sagte ich: „Die sechs sind jetzt in der ersten Fragerunde, sollten noch weitere Fragen bestehen oder während der Beantwortung auftauchen, machen wir anschließend eine weitere Fragerunde. Magnus, du bist der erste auf meiner Liste, von wem und was willst du wissen und stell dich kurz den anderen vor.“

 

Magnus stand auf und sagte: „Ich bin Magnus Doppler, bin heuer Fünfzehn geworden und komme aus dem Kinderheim in Suhl. Ich möchte meine Ausbildung in der Landwirtschaft machen. Meine Frage ist eher allgemeiner Natur. Mich würde interessieren, ob Heimkinder bei der Auswahl als Auszubildende bevorzugt oder doch eher benachteiligt werden?“

 

Ich fühlte mich davon angesprochen und wollte eigentlich antworten, mein Sohn Philipp war schneller aufgestanden und erklärte: „Ich bin Philipp Maurer, einer von Peters Söhnen und Ausbilder im IT-Bereich. Wenn mehrere Bewerber für Ausbildungsplätze vorhanden sind, werden wir diejenigen auswählen, die im Gesamtbild, Schulzeugnis, Bewerbungsgespräch, persönlicher Eindruck und sozialem Verhalten am besten abschneiden, unabhängig davon, ob sie aus einem Heim oder einer intakten Familie kommen.

 

Ich möchte nicht in der Haut desjenigen stecken, der sich nicht an diese Vorgaben meines Vaters hält. Wichtig für euch, Peter ist bei allen Bewerbungsgesprächen dabei und hat immer die Möglichkeit regulierend einzugreifen. Bei Unstimmigkeiten werden alle Fakten noch einmal genau betrachtet. Er hat ein sehr gutes Feeling für die einzelne Person. Ich erinnere mich da insbesondere an Bernhard, bei dessen Einstellung, Marcus und ich uns nicht unbedingt einig waren.

 

Mein Vater hatte bei Bernhard das Gefühl, dass er sehr gut in unser Team passen würde und für die Firma eines Tages wichtig sein könnte. Aus heutiger Sicht kann ich dazu nur sagen, Bernhard ist eigentlich ein Wunderkind, er ist als Auszubildender bereits für die Dokumentenverwaltung und für die Bauplanverwaltung verantwortlich, da können weder Marcus noch ich mithalten.“

 

Da Philipp geendet hatte, fragte ich nach, ob Magnus Frage damit ausreichend beantwortet sei. Als dieser meinte, seine Frage sei damit zu seiner Zufriedenheit beantwortet, wollte ich wissen, ob es von den anderen dazu eine ergänzende Frage gebe. Da sich hier keiner meldete sagte ich zu Selina, dass sie jetzt an der Reihe wäre.

 

Sie stand auf und sagte: „Ich bin Selina Becker, bin ebenfalls noch fünfzehn Jahre alt und lebe im Kinderheim in Gera. Mein Berufswunsch geht in einen kaufmännischen Beruf, ich kämpfe noch zwischen Bürokauffrau und Hotelkauffrau. Meine Frage geht in erster Linie an Peter, könnte aber auch von einem der Ausbilder beantwortet werden. Könnt ihr mir sagen, wie hoch die Chancen sind, nach einer gut abgeschlossenen Ausbildung in ein festes Beschäftigungsverhältnis übernommen zu werden?“

 

Diesmal durfte ich antworten, ohne dass sich einer vordrängelte: „Das ist eine gute Frage und ein berechtigtes Anliegen deinerseits. Ich kann dir dazu nur erklären, wir versuchen nur so viele Auszubildende einzustellen, die nach ihrem Abschluss auch sicher übernommen werden können. Da wir deine Planung für die Zukunft nicht kennen, bist du für uns eher ein Unsicherheitsfaktor, weil wir nicht wissen, welche Pläne du nach deiner Ausbildung hast. Da du von einem guten Abschluss gesprochen hast, kannst du dir sicher sein, dass du in ein festes Beschäftigungsverhältnis übernommen werden kannst. Reicht dir diese Antwort und gibt es Zusatzfragen zu diesem Thema.“

 

Selina meinte nur, ihr würde diese Antwort ausreichen. Immerhin ging eine Hand nach oben und so bat ich ihn sich kurz vorzustellen und seine Zusatzfrage zu formulieren. Er erklärte: „Ich bin Peter Burgmeister, bin sechzehn Jahre alt und will in der IT eine möglichst allgemeine Ausbildung machen. Kann ich mich nach Abschluss meiner Ausbildung durch Weiterbildung in eine spezielle Richtung weiter entwickeln oder bin ich damit ein für alle Mal festgelegt?“

 

Ich schaute zu Philipp, der erneut aufgestanden war und die Frage beantwortete: „Du hast nach deiner Ausbildung, aber auch schon während er Ausbildung die Möglichkeit, dich in eine spezielle Richtung zu entwickeln. Wenn wir dort Mitarbeiter benötigen, ich nenne dir da ein Beispiel, Kundensupport, dann wirst du nach deiner Ausbildung auch in diesem Bereich eingesetzt.

 

Dazu muss ich erklären, wir werden in Zukunft Mitarbeiter benötigen, die sich in der Dokumentenverwaltung/Bauplanverwaltung sehr gut auskennen und dem Kunden weiter­helfen können in der Anwendung der Programme. Es gibt aber auch die Möglichkeit als Supportmitarbeiter im Netzwerkmanagement die Fragen und Probleme von externen Kunden zu lösen. Wenn du sehr gut bist, kannst du auch Schulungen bei den Kunden durchführen.“

 

Ich fragte Peter Burgmeister, ob damit seine ergänzende Frage geklärt sei und keine weiteren Rückfragen existieren. Peter erklärte, dass aus seiner Sicht alles geklärt sei. Da sich ansonsten niemand meldet, erteilte ich Josef Bauernfeind die Freigabe seine Frage zu stellen.

 

Er stand auf und erklärte: „Ich bin Josef Bauernfeind, mein Zwillingsbruder Martin sitzt ebenfalls hier als Bewerber um einen Ausbildungsplatz. Wir sind beide sechzehn und sind bei Ausbildungsbeginn bereit siebzehn Jahre alt. Ich will Anlagentechniker SHK werden und mein Bruder einen kaufmännischen Beruf erlernen. Welche kaufmännischen Berufe werden in der Eduard Obermeier GmbH als Ausbildung angeboten, da wir beide in der gleichen Firma lernen wollen.“

 

Da von den Handwerkern keiner im Raum anwesend war, übernahm ich die Beant­wortung der Frage: „Die Frage ist einfach zu beantworten, es gibt dort nur den Bürokaufmann, alles andere ist entweder zentral ausgelagert oder wird dort nicht benötigt. Die Buchhaltung wird zentral in der Gutshofverwaltung erledigt, die IT wird ebenfalls von einem zentralen Dienst durchgeführt. Martin, wie stellst du dir deinen kaufmännischen Beruf vor?“

 

Martin stand auf und sagte: „Ich wünsche mir einen abwechslungsreichen Beruf und zwischenzeitlich habe ich festgestellt, dass das, was mir gut gefallen würde in der Stiftung abläuft. Ich persönlich habe mich schon darauf eingestellt, nicht mit meinem Zwillingsbruder in der gleichen Firma zu arbeiten.“

 

Ich versuchte ihm zu erklären: „Martin oder Josef, wer von euch beiden kann mir erklären, warum ihr eurer Meinung nach nicht in der gleichen Firma arbeitet. Ihr bewerbt euch bei unterschiedlichen Firmen, die alle zum Firmenverbund der Gutshofgruppe gehören, deren oberster Chef ich bin, damit arbeitet ihr meiner Meinung nach in einem Unternehmen.“

 

Josef meinte: „Du hast gefragt, warum wir der Meinung sind, dass wir in unterschied­lichen Firmen arbeiten. Ich würde sagen, wenn ich bei der Eduard Obermeier GmbH arbeite, bin ich in einem Unternehmen beschäftigt. Wenn Martin in der Stiftung Sonneneck arbeitet, ist das ein anderes Unternehmen.“

 

Wir hatten im Raum eine Flipchart stehen, ich ging dort hin und schrieb oben hin Gutshof. Daneben Zentrale Dienste und darunter, Personalverwaltung, Buchhaltung und IT. Darunter schrieb ich Landwirtschaft, Gartenbau, Bauer GmbH, Obermeier GmbH, Graf GmbH. Nun verband ich die einzelnen Teilbereiche mit der Bezeichnung Gutshof.

 

Ich sagte: „Josef, alle Firmen und Bereiche, die unter dem Gutshof stehen, gehören zum Gutshof. Jedes Unternehmen ist ein eigener Betriebszweig des Gutshofes. Wenn du jetzt in der Landwirtschaft eine Ausbildung machen willst und dein Zwillingsbruder in der J. Graf GmbH, arbeitet ihr immer noch in einer Firma. Bei der Übernahme der J. Graf GmbH haben wir beschlossen, dass die Firmen nicht integriert werden und unter Gutshof Sonneneck firmieren, sondern ihren ursprünglichen Namen behalten. In allen Betriebsteilen gelten die gleichen Regeln für die Mitarbeiter.

 

Was aber viel wichtiger ist, es gibt in keinem Betriebsteil eine eigene Personalabteilung und keine gesonderte IT-Abteilung. Nur für die Stiftung gibt es eine völlig eigenständige Buchhaltung, da dort andere steuerliche Regeln gelten als in der normalen Buchhaltung alle anderen werden für betriebswirtschaftliche Auswertungen in einem Mandanten verbucht, aber in der Muttergesellschaft zusammengefasst. Die Buchhaltung für die Stiftung wird trotz dem von den Mitarbeitern des Buchhaltungsteams betreut.“

 

Josef erklärte, ich glaube ich verstehe so langsam die Zusammenhänge und warum alles nur eine Firma ist. Ich denke, während der Ausbildung wird das sicher verständlicher für mich.

 

Ich versuchte das mit einem weiterem kleines Beispiel zu erläutern: „Um euch zu zeigen, wie verwirrend die Zusammenhänge sein können ein Beispiel. Für die Auszubildenden in der Eduard Obermeier GmbH, werden die Ausbildungsverträge für die kaufmännischen Berufe bei der IHK angemeldet, für die Elektriker bei der Innung des Elektrohandwerks, bei den Malern gibt es eine eigene Malerinnung. Das lässt sich für jeden Handwerksbereich so fortsetzen.

 

Wenn ich mir euren Ausbildungsjahrgang so betrachte, haben wir mindestens zehn bis zwölf verschiedene Institutionen, wo die Ausbildungsverträge registriert werden. Genau deshalb gibt es eine zentrale Stelle für alle Auszubildenden, und deswegen habe ich auch entschieden, dass die Ausbildungsverwaltung ein eigener Teilbereich des Unternehmens wird.

 

Die Ausbildungsverwaltung ist auch ein Teil der Personalverwaltung, aber ist auch erheblich aufwendiger als nur einen Mitarbeiter zu verwalten. Insbesondere bei uns, wo noch die Betreuung der minderjährigen auswärtigen Jugendlichen mit hinzukommt. Du hast doch vorher von Florian gehört, dass ihn genau das an seinem Arbeitsplatz gefällt, viel Routine aber auch viele individuelle Herausforderungen.“

 

Ich meinte, dann können wir zu unserem nächsten Fragesteller kommen, Andreas du bist an der Reihe. Andreas stand auf und erklärte: „Ich bin Andreas Schwerdtfeger, werde im Januar sechzehn Jahre alt und will Hotelkaufmann werden. Meine Frage, die ich eigentlich stellen wollte, ist bereits beantwortet, Peter du kannst direkt zum nächsten weitergehen.“

 

Ich forderte Sebastian Heilmann auf, seine Frage zu stellen. Sebastian stand auf und sagte: „Ich bin Sebastian Heilmann, bin sechzehn Jahre alt und komme aus Gera, bin aber nicht aus dem Kinderheim. Ich habe den Gutshof als Ausbildungsbetrieb kennengelernt, als ich im Sommer mit dem THW am Zeltlager teilgenommen habe. Ich möchte Mediendesign in der IT erlernen. Meine Frage wäre, ist es sichergestellt, dass bis zum Ausbildungsbeginn die Wohnungen für die Jugendlichen fertiggestellt sind. Wenn nein, gibt es Möglichkeiten dennoch vorübergehend unterzukommen.“

 

Die Frage konnte wieder nur ich beantworten: „Nach dem derzeitigen Stand der Bauarbeiten sollten die ersten Jugendwohnungen bereits Anfang Juli bezugsfertig sein. Die Küchen und die Standardeinrichtungen sind bereits bestellt und werden eingebaut, sobald die Wohnungen bezugsfertig sind. Wenn jetzt ein strenger Winter mit hohen Minustemperaturen dazwischenkommt, könnten die Wohnungen etwas später fertiggestellt sein, aber immer noch rechtzeitig vor Ausbildungsbeginn.

 

Nach den mir vorliegenden letzten Informationen liegen wir sehr gut im Zeitplan, für die ersten beiden Häuser soll Anfang Januar der Dachstuhl geliefert und aufgebaut werden, so dass anschließend das Dach eingedeckt werden kann. Gleichzeitig werden die Fenster geliefert und eingebaut, so dass der Innenausbau danach bereits beginnen kann.“

 

Ich schob hinterher: „Reicht dir diese Information, vielleicht noch eine kleine zusätzliche Information, sollten alle Stricke reißen, werden wir die Auszubildenden vorübergehende im Gesindehaus unterbringen, da die ersten Schulklassen frühestens Anfang Oktober anreisen.“

 

Sebastian meinte, die Auskunft reicht mir. Jetzt hatten wir in dieser Runde noch Linus Galianus mit seiner Frage, ich bat ihn seine Frage zu stellen. Linus Galianus stand auf und stellte sich vor: „Ich bin Linus Galianus, bin fast sechzehn Jahre alt, wohne in der Nähe von Rosenheim und will eine Ausbildung zum Servicefachmann in der Gastronomie machen. Meine Frage betrifft auch die Wohnungen für die minderjährigen Auszubildenden. Könnte ich auch in eine dieser Wohnungen einziehen, da die Verbindung von meinem Wohnort in die Stadt und zum Ausbildungsplatz absolut miserabel ist.“

 

Ich antwortete ihm und allen anderen: „Grundsätzlich sind die Wohnungen in erster Linie für alle Auszubildenden gedacht, die nicht direkt aus Rosenheim kommen. Ich würde sagen, wir beide sprechen über deine Anfrage in einem Gespräch und danach mit deinen Eltern über die Möglichkeiten, die wir dir anbieten können. Reicht dir das als Antwort auf deine Frage?“

 

Linus erklärte, dass er mit der Antwort hochzufrieden sei. Als ich nachfragte, ob es ergänzende Fragen zu diesem Komplex gäbe, ging eine Hand nach oben.  Ich meinte, dann stell dich vor und stelle deine Frage.

 

Er stand auf und sagte: „Ich bin Robert Wörmann aus Rosenheim, ebenfalls vor wenigen Tagen sechzehn Jahre alt geworden und will Maler und Lackierer werden. Kann in Ausnahmefällen auch ein in Rosenheim ansässiger Auszubildender in eine der Wohnungen einziehen?“

 

Ich antwortete ihm: „Das kommt auf die individuellen Umstände an, ich empfehle dir auf alle Fälle ein persönliches Gespräch mit mir. Ich hoffe, du hast am Anfang mitbekommen, dass ich unter anderem den Spitznamen Samariter der Jugendlichen trage. Reicht dir das als Antwort?“

 

Er schaute zu mir und antwortete: „Mir reicht die Antwort, aber alle anderen sollten sie auch verstanden haben. Peter ist derjenige, den ihr ansprechen könnt wenn ihr Probleme habt.“

 

Ich fragte nach, ob wir eine weitere Fragerunde brauchen, da sich keiner mehr meldete, erklärte ich unsere Fragestunde als beendet. Ich sagte zu allen: Ich wünsche euch einen schönen Abend. Linus und Robert, könntet ihr noch kurz hierbleiben, ich würde gerne sofort mit euch ein kurzes Gespräch führen.

 

Die beiden Jungs kamen zu mir und wir setzten uns an einen Tisch. Ich erklärte Linus: „Linus, deine Chancen eine Jugend-Wohnung zu bekommen sind sehr gut, da du im Gastronomie-Bereich arbeitest mit Schichtdienst und damit wechselnde Arbeitszeiten hast, wenn, wie du angedeutet hast, deine Verkehrsverbindungen so miserable sind, dass du deswegen deine Ausbildung nicht antreten könntest, hast du einen Anspruch auf eine beschäftigungsnahe Unterbringung. Das könnte auch ein Personalzimmer im Seminarhotel sein, wo wir dich unterbringen können.“

 

Linus schaute mich an und meinte: „Ich wusste nicht, dass es diese Alternative ebenfalls gibt, im Grunde genommen ist es mir egal, wo ich unterkomme, wichtig ist mir nur dass ich nicht täglich von meinen Eltern zur Arbeit gefahren und wieder abgeholt werden muss.“

 

„Okay,“ meinte ich, „dann setzen wir uns in den nächsten Tagen mit deinen Eltern zusammen und besprechen die Angelegenheit, sag mir einfach, wann deine Eltern Zeit für ein gemeinsames Gespräch haben. Du kannst inzwischen schon zu den anderen gehen, wir sehen uns.“

 

Linus stand auf und als er den Raum verlassen hatte fragte ich Robert: „Nun zu dir Robert, warum würdest du eine Jugendwohnung bevorzugen, obwohl du in Rosenheim wohnst und dein Ausbildungsplatz ebenfalls in Rosenheim ist? Ich hoffe du erzählst mir die wahren Gründe für deine Anfrage.“

 

Ich sah ihn an und merkte sofort, dass er einen Kampf mit sich selbst führte, ob er mir von seinen wirklichen Problemen erzählen will. nach einigen Minuten sagte er: „Peter, die Angelegenheit belastet mich und ich habe keine Ahnung wie ich dir das erklären soll.“

 

Er hatte mich neugierig gemacht, da er so reagierte wie ich es vermutet hatte, deshalb meinte ich: „Wir haben Zeit, du kannst mir in aller Ruhe erklären, warum du nicht mehr bei deinen Eltern wohnen willst.“

 

Er antwortete mir: „Eltern, genau das ist mein Problem. Sie lassen sich scheiden, mein Vater ist bereits ausgezogen und lebt mit seiner neuen Flamme zusammen. Über die Weihnachtsfeiertage haben sie mir erklärt, dass sie das gemeinsame Sorgerecht beantragt haben und ich im wöchentlichen Wechsel, bis zu meiner Volljährigkeit, bei meiner Mutter und bei meinem Vater leben soll.“

 

Nach kurzer Überlegung sagte ich: „Ich verstehe so langsam dein Problem. Du bist jetzt und bei Ausbildungsbeginn immer noch sechzehn und sollst bis zu deinem achtzehnten Geburtstag eine Woche bei deiner Mutter und die andere Woche bei deinem Vater leben. Wie es danach weitergeht, haben sie offengelassen. Dass das für dich eine große Belastung darstellt, ist selbst mir klar. Ich bin überzeugt, dass wir auch für dich eine Lösung finden.“

 

„Ich würde deine Angelegenheit gerne erst mit unserer Ansprechpartnerin vom Jugendamt besprechen, bevor wir eine Lösung für dein Problem erarbeiten. Ich verspreche dir, dass ich deinen Namen dabei nicht nennen werde. Barbara wird mir sicher einen guten Tipp geben, wie wir dein Problem am einfachsten und besten lösen können. Immerhin bist du ein Scheidungskind, dass unter den Folgen der Scheidung zu leiden hätte.“

 

Robert meinte: „Wenn du meinen Namen nicht nennst, kannst du dich gerne mit der Mitarbeiterin vom Jugendamt beraten. Momentan lebe ich noch bei meiner Mutter, bis die Scheidung endgültig vollzogen ist. Ich hoffe nur, das dauert mindestens noch bis zu den Sommerferien.“

 

Ich verabschiedete mich von Robert und erklärte noch: „Versuch du in der Zwischenzeit mit deinen Eltern zu klären, wann wir ein Gespräch mit ihnen führen können. Du musst ihnen nicht den wahren Grund sagen, es reicht, wenn du ihnen erklärst es ginge um deinen Ausbildungsplatz bei der Eduard Obermeier GmbH. Am besten wir machen das so schnell wie möglich im neuen Jahr, vielleicht sogar am zweiten Januar, wenn sie dich hier wieder abholen.“

 

Robert grinste mich an und meinte, ich denke, du hast bereits einen Plan, den du nur vorher mit der Frau vom Jugendamt besprechen willst, ob du so vorgehen kannst. Ich zuckte nur mit meiner Schulter und verabschiedete mich von ihm.

 

 

Am nächsten Morgen, dem neunundzwanzigsten Dezember begannen die Einzelge­spräche mit allen Bewerberinnen und Bewerbern. Ich hatte gestern Abend spontan entschieden, dass wir keine Gruppengespräche führen werden. Florian war nicht begeistert von meiner Entscheidung, als ich ihm jedoch erklärte, woher mein Sinneswandel gekommen ist, verstand er meine Entscheidung.

 

Er meinte zu mir: „Okay ich verstehe, in der Gruppe würden die einzelnen Kandidaten eher weniger über ihr Privatleben erzählen, so dass Entscheidungen für dich und die Ausbilder eher schwieriger werden können. Scheinbar haben Robert und Linus dir Dinge erzählt, die sie im großen Kreis niemals erzählen würden.

 

Ich erstelle gleich eine neue Liste, die Reihenfolge der Abteilungen bleibt aber bestehen, zuerst alle Kandidaten fürs Hotel und die Gastronomie, danach alle Kandidaten bei den Handwerkern. Am Nachmittag IT-Abteilung und sonstige Ausbildungsberufe und am zweiten Tag alle kaufmännischen Berufe. Ich werde zwanzig Minuten für ein Gespräch einplanen.“

 

Ich meinte noch, bei den kaufmännischen Berufen in der Reihenfolge Hotel, IT-Abteilung, Obermeier GmbH. Buchhaltung, Bauer und Graf GmbH und als letztes den Kandidaten für die Ausbildungsverwaltung.

 

Ich war bereits um achtuhrdreißig im Besprechungszimmer im Gutshaus. Kurz nach mir kam Florian mit seiner Liste, die er gestern Abend bereits im Gesindehaus ausgehängt hatte und legte mir eine vor. Er hatte sein Notebook mitgebracht und öffnete die Ausbildungsverwaltung und die Excel-Liste mit der Reihenfolge der Gespräche. Kurz vor neun Uhr kamen Alexandra und Sebastian dazu.

 

Ich informierte die beiden, dass ich gestern Abend noch auf Einzelgespräche umgestellt habe, da die ungeplante Abendveranstaltung mir neue Erkenntnisse gebracht hatte. Ich bat Florian, den ersten Kandidaten, Robert Kirchner hereinzubitten.

 

Robert setzte sich uns gegenüber hin und ich bat ihn sich vorzustellen, zu erklären, warum er sich für seinen Ausbildungsberuf entschieden habe und uns etwas über sich zu erzählen.

 

Da er eigentlich nur das erzählte, was ich alles schon bei unserem ersten Gespräch in Tirol gehört hatte, war meine Aufmerksamkeit nicht besonders hoch. Als er geendet hatte fragte ihn Sebastian noch so das eine oder andere, wo ich wieder voll gefordert wurde. Es war trotzdem beachtlich, wie er sich bei den Fragen nicht aus der Ruhe bringen ließ.

 

Nach fünfzehn Minuten endete das Gespräch und Robert hatte es hinter sich. Ich meine noch zu ihm, du kennst das Prozedere, übermorgen erfahren alle wer einen Ausbildungsplatz bekommt.

 

Als er den Raum verlassen hatte, meinte Sebastian, ist eigentlich schade, dass er sich für unser Jugendhotel in Tirol beworben hat, ich würde ihn auf alle Fälle einstellen. Florian vermerkt das Robert seinen Ausbildungsvertrag erhalten würde.

 

Als nächsten Kandidaten holte Florian den Rosenheimer Alexander Andersen in den Raum. Wieder die kurze Einführung von mir und die bitte sich kurz vorzustellen, seinen Berufswunsch und wie es dazukommen ist und etwas über sich zu erzählen.

 

Alexander stellt sich erst einmal kurz vor, danach erzählte er, wie er zu seinem Berufswunsch gekommen ist. Am Ende erzählte er noch von seinen Hobbys. Auch er meisterte die Fragerunde durch Sebastian, ohne sichtlich nervös zu werden.

 

Wieder ohne den Kandidaten meinte Sebastian: „Ich frage mich, warum er vorgestern so massiv gegen die Ankündigung, dass wir ihnen angepasste Ausbildungsalternativen anbieten, protestiert hat. er hat sich und seinen Berufswunsch überzeugend dargestellt, ich bin der Meinung er hat sich seine Kochausbildung verdient.

 

Ich schaute ihn an und erklärte: „Fachlich gebe ich dir recht, ihm fehlt nur etwas Selbstvertrauen, das hat er zumindest mit seiner Diskussion gezeigt und kam auch beim Bewerbungsgespräch noch etwas durch. Ihr solltet ihn einfach im Blick haben und wenn nötig etwas nachhelfen, dass er mehr Selbstvertrauen bekommt.“

 

Florian hatte sich notiert, dass Sebastian einen Ausbildungsvertrag als Koch bekommen soll. Er holte die nächste Kandidatin, Rebeca Berger zum Vorstellungsgespräch.

 

Nach meinen üblichen einführenden Worten erklärte sie: „Ich bin Rebeca Berger, komme aus dem Kinderheim in Suhl, bin sechzehn Jahre alt und möchte eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau machen. Da ich schon immer gerne den Tisch im Kinderheim eingedeckt habe und dabei auch meine künstlerische Ader in Bezug auf die passende Dekoration ausleben konnte, habe ich beschlossen, das zu meinem Beruf zu machen. Ich finde es schade, dass ihr im Speisesaal im Gesindehaus kaum mit Dekoration arbeitet. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Kids, die hier Urlaub machen, sich lieber an einen nett geschmückten Tisch setzen würden.

 

Da ihr den Raum auch für eure Mitarbeiter als Kantine nutzt, würde auch auf diesen Tischen ein Tischschmuck ein besonderes Feeling bei euren Mitarbeitern verbreiten. Vielleicht lassen sich durch Pflanztröge mit bis zu einem Meter hohen Gewächsen die Tischgruppen besser zur Wirkung kommen und eine gewisse Ruhe im Raum ausstrahlen.

 

Zum Punkt private Informationen kann ich nicht viel beitragen, ich lebe seit etwa zehn Jahren im Kinderheim, an meine Eltern kann ich mich fast nicht mehr erinnern, ich habe sie in all den Jahren nicht mehr gesehen. Ich weiß noch nicht einmal, ob sie überhaupt noch leben. Ich mache sehr viel  Sport und lese gern spannende Bücher.“

 

Sebastian und Alexandra stellten einige Fragen an sie, die sie ohne Schwierigkeiten beantwortete. Das erste Mal war ich nicht nur Zuhörer, sondern stellte ihr die folgende Frage: “Kannst du dir vorstellen mit ein paar Helfern für den Silvesterabend die Dekoration des Speisesaals für euch zu gestalten?“

 

Sie schaute mich und Alexandra an und erklärte: „Vorstellen könnte ich mir das schon, nur fürchte ich die Zeit wird zu knapp sein, um sich noch ein Motto auszudenken und die Dekoration vorzubereiten. Es sei denn ihr habt einen größeren Fundus an Dekomaterial, aus dem ich mir etwas für diesen Tag zusammenstellen kann.“

 

Sebastian grinste und sagte: „Abgemacht, du darfst für eure Silvesterfeier die Gestaltung übernehmen, wir haben hier im Keller des Gutshauses bereits einiges an Dekoartikeln gesammelt, die im Restaurant oder im großen Saal zum Einsatz gekommen sind oder in den nächsten Monaten zum Einsatz kommen. Da wird sich sicher etwas finden und wir können, wenn notwendig heute Nachmittag noch beim Großhändler etwas einkaufen. Wartest du draußen bis nach dem nächsten Vorstellungsgespräch, dann kann Alexandra mit dir in den Keller gehen und dir unsere Schätze zeigen.“

 

Als Rebeca den Raum verlassen hatte, sagte Sebastian: „Peter, ich hatte gerade so etwas wie ein Déjà-vu. Vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren, hast du Alexandra und mir die Leitung der Küche, des Restaurants und des Gesindehauses angeboten. Du bist damals fast genauso vorgegangen, wie heute bei Rebeca.“

 

Florian durfte den nächsten Kandidaten, Linus Galanis für das Vorstellungsgespräch in den Raum holen. Auch er meisterte sein Vorstellungsgespräch mit Bravour. Am Ende meinte er noch: „Rebeca hat mich gefragt, ob ich ihr bei der Deko für die Silvesterfeier helfen will, und ich habe ihr sofort zugesagt.“

 

Linus wartete mit Rebeca auf Alexandra, so dass wir uns beeilten, das Abschluss­gespräch zügig zum Ende zu bringen. Alexandra meinte: „Wir haben zwar geplant nur einen Auszubildenden einzustellen, ich bin dafür, wir nehmen Beide, sie werden langfristig eine gute Ergänzung für unser Team sein.“

 

Sebastian grinste und erklärte, dass er uns den gleichen Vorschlag unterbreiten wollte. Damit konnte Florian bei beiden den Vermerk angenommen in seine Liste eintragen. Alexandra und Sebastian verabschiedeten sich bis morgen früh, wenn es um die Besetzung der beiden Stellen zum Hotelkaufmann ging.

 

Okay, ich werde euch jetzt nicht mit den gesamten Bewerbungsgesprächen belästigen, ich werde euch ab sofort nur noch an den Gesprächen beteiligen, die nicht wie üblich verlaufen sind.

 

Axel und Dennis betraten das Büro und Dennis meinte: „Auf in den Kampf um die Besten für die zu vergebenden Ausbildungsplätze bei den Handwerkern.“

 

Ich grinste und meinte: „Mit wem willst du die Kämpfe austragen, mit den Bewerber oder mit dir selbst, wenn es so läuft wie bei Alexandra und Sebastian, dann kannst du ganz entspannt an die Sache herangehen. Wir fangen mit den beiden Bewerbern für den Elektriker an.“

 

Florian holte nacheinander die beiden vorhandenen Kandidaten für die Ausbildungs­plätze als Elektriker zum Gespräch ins Besprechungszimmer. Am Ende meinte Dennis, dass er aus seiner Sicht, sowohl bei Adrian Warnke als auch bei Paul Winter die Chance sehe, dass sie die Ausbildung mit Erfolg abschließen würden. Er sei dafür, beide zu nehmen und damit seien die beiden Ausbildungsstellen besetzt.

 

Ich erklärte, dass ich mich seinen Ausführungen im Großen und Ganzen anschließen könne, meinte aber ergänzend, dass sie beim zweiten Bewerber darauf achten sollten, dass er wegen seiner schlechteren Schulnoten, in der Theorie etwas mehr Hilfe benötigen wird, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Florian vermerkte, dass beide eingestellt werden.

 

Die nächsten waren die drei Bewerber für die Ausbildungsplätze zum Maler und Lackierer. Aus meiner Sicht hatten sich alle Bewerber in ihren Vorstellungsgesprächen wacker geschlagen. Axel, der selbst Maler gelernt hatte, erklärte uns, dass er alle drei Kandidaten, Uwe Eder, Robert Wörmann und Markus Einöder für geeignet erachtet. Aktuell würde ich alle drei einstellen, aber ich kann derzeit nicht so weit im Voraus planen.

 

Dennis schaute ihn an und meinte dazu: „Du glaubst doch nicht wirklich, dass die Malerarbeiten weniger werden, vor allem wenn du in Betracht ziehst, dass spätestens im Sommer der Umbau des Ostseehotels anfängt. Hinzu kommt, dass bei einigen älteren Wohnanlagen im übernächsten Jahr, die Fassaden energetisch aufgewertet und neu gestrichen werden. Ich rechne fest damit, dass wir ab Ende des nächsten Jahres wieder verstärkt auf weitere Leiharbeiter in allen Gewerken zugreifen müssen.“

 

Ich schaute zwar beide an und sagte zu Dennis: „Schön, dass deine Vorurteile gegen Leiharbeiter inzwischen Geschichte sind. Könnt ihr mir erklären, wie viele der vorüber­gehenden Leiharbeiter wir inzwischen fest übernommen haben?“

 

Dennis und Axel schauten sich an, bis Axel erklärte: „Ich denke, das waren in der Zwischenzeit mehr als fünfzehn Mitarbeiter, die wir bis heute in ein festes Beschäftigungs­verhältnis in die E. Obermeier GmbH übernommen haben und es hätten sogar mehr sein können. Einige, die wir übernehmen wollten, waren der Meinung, dass sie lieber in einer Zeitarbeitsfirma arbeiten als fest in einem Handwerksbetrieb.“

 

Florian erklärte: „Ich habe von euch bisher nur den Auftrag, zwei Auszubildende einzustellen für den Bereich der Maler, wenn ihr aber der Meinung seid, ihr solltet auf drei Auszubildende aufstocken und alle drei Bewerber sind bestens geeignet, dann bekommt ihr eben zum ersten September nächsten Jahres einen Auszubildenden mehr. Peter, bist du anderer Meinung?“

 

Ich wollte schon fast behaupten, dass ich dazu keine eigene Meinung habe, antwortete dann jedoch: „Florian, im Prinzip muss ich dir Recht geben, entscheidend dabei ist, dass ihr langfristig plant, wie viele Mitarbeiter ihr zur Bewältigung eurer Aufgaben benötigt. Mir ist bewusst, dass man bei einer längerfristigen Planung sich manchmal vorkommt als würde man in einem Nebel herumstochern.

 

Wer von euren Mitarbeitern ist bereits in dem Alter, in dem er so langsam in den Ruhestand gehen will oder gibt es einen Kandidaten, der sich eine neue Aufgabe suchen will. Wenn ihr der Meinung seid, allen drei Kandidaten eine Ausbildung zu ermöglichen, weil ihr vielleicht doch den notwendigen Bedarf seht, dann bildet alle drei Bewerber aus.“

 

Axel überlegte eine Weile und sagte dann zu Florian: „Okay, es macht Sinn, alle Drei auszubilden, du kannst für alle drei Kandidaten einen Ausbildungsvertrag ausfertigen. Vielleicht können wir einen oder zwei der Maler zusätzlich entweder zum Trockenbauer weiterbilden oder was eigentlich wichtiger ist, sie für die energetische Sanierung der Fassaden, einschließlich der Malerarbeiten begeistern.“

 

Florian erklärte nur, dass er für alle Drei, wie gewünscht einen Ausbildungsvertrag ausfertigen wird. Er fragte nach, ob er einen Passus für die Weiterbildung zu energetischen Fassadensanierung bei allen drei Verträgen mit einbringen soll.

 

Dennis erklärte: „Klar kannst du bei allen drei Kandidaten den zusätzlichen Abschnitt für die energetische Gebäudesanierung in den Ausbildungsvertrag mit aufnehmen. Du solltest das im Übrigen bei allen Handwerkern berücksichtigen, es gilt zwischenzeitlich für alle Gewerke im Bauhandwerk.“

 

Die nächsten und letzten vor der Mittagspause waren die Anlagentechniker (SHK), die ihre Vorstellungsgespräche zu absolvieren hatten. Wie schon vorher holte Florian die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge zu den Gesprächen. Interessant war diese Runde für mich deshalb, weil ich zwei Kandidaten bei der Ankunft oder den vorhergehenden Diskus­sionsrunden bereits kennengelernt hatte und der dritte war mein Adoptivsohn Tobias.

 

Der erste war Josef Bauernfeind, dessen Zwillingsbruder einen kaufmännischen Beruf erlernen wollte. Als er sich gesetzt hatte, fragte ich ihn, ob er inzwischen verstanden habe, dass alle Auszubildenden in der Gutshofgruppe ausgebildet werden und damit bei einem Unternehmen mit verschiedenen Teilbereichen beschäftigt sind.

 

Er lachte und erklärte mir: „Florian hat heute Morgen noch ein Organigramm der Gutshofgruppe an alle Auszubildenden verteilt. Anhand der übersichtlichen Struktur dürfte es jetzt auch der letzte verstanden haben, dass alle in einer großen Firma beschäftigt sind. Unterschiedliche Teilbereiche gibt es deswegen, weil sie unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Eine Frage hätte ich doch noch dazu, es gibt zwei Immobilienverwaltungsgesellschaften, die eine ist beim Gutshof eingetragen und die zweite bei der Stiftung, warum ist das so?“

 

Ich schaute in an und meinte: „Die Frage hat bisher noch keiner gestellt. Wir werden im Laufe des nächsten Jahres diesen Bereich komplett neu strukturieren. Mit dem Umzug der Münchner Wohnungsverwaltung zum Gutshof werden daraus drei Gesellschaften entstehen.

 

Es wird dann eine Hausverwaltung geben, die sich vor allem mit allen Renovierungen und Sanierungen beschäftigt. Die zweite Gesellschaft wird für die Verwaltung nach Wohnungseigentumsgesetz im Fremdauftrag benötigt und die dritte Gesellschaft verwaltet sämtliche Immobilien der Gutshofgruppe einschließlich der Stiftung. Wenn dich das interessiert, kann ich dir das gerne genauer erläutern, mit ein paar Sätzen ist das leider nicht getan.“

 

Dennis meinte: „Wir sollten lieber mit dem Vorstellungsgespräch beginnen, sonst sind wir nicht bis zur Mittagspause fertig. Josef erzähle uns doch wieso du gerne Anlagentechniker SHK werden möchtest und etwas aus deinem Lebenslauf.“

 

Ab sofort lief es wieder nach dem üblichen Schema ab. Der nächste war dann mein Adoptivsohn Tobias und als letzter Bewerber Winfried Wiegand aus dem Kinderheim in Gera. Alle drei hatten ihre Bewerbungsgespräche und die Befragung, ohne in Schwierigkeiten zu kommen absolviert.

 

Dennis erklärte uns: „Ich bin dafür alle drei Kandidaten zu nehmen, auch wenn ich mit Winfrieds Dialekt etwas Schwierigkeiten habe und ich nicht immer alles verstehe. Es kann halt doch nicht jeder bayrisch oder hochdeutsch sprechen. Solange er uns versteht, was wir ihm erklären, sehe ich kein Problem.

 

Ich lachte und meinte: „Ich hatte an manchen Stellen auch meine Probleme ihn zu verstehen, aber ich denke Winni wird bei uns auch seine Schwierigkeiten haben, wenn ihr ihm in schönsten bayrischen Slang etwas erklärt. Ich bin auch überzeugt, dass er und ihr euch im Laufe der Zeit immer besser verstehen werdet.“

 

Mit einem Grinsen im Gesicht meinte ich noch: „Ihr könnt aber auch Englisch als Umgangssprache auf der Baustelle einführen. Wird sicher lustig, wenn ihr als einzige Truppe eure Arbeitsanweisungen in Englisch erteilt oder ihr macht es wie die Kids, die mit Händen und Füßen reden.“

 

Axel lachte und als ich ihn fragend anschaute, erklärte er: „Ich habe mir das eben bildlich vorgestellt, wobei, so abwegig ist das gar nicht, ich habe schon mehrmals auf verschiedenen Baustellen beobachten können, dass bei jugendlichen Flüchtlingen, die noch nicht so gut deutsch verstehen, Erklärungen in dieser Form zustande kamen, und es hat sogar funktioniert.“

 

Auf alle Fälle erhielt Florian den Auftrag für alle drei Bewerber die Ausbildungsverträge auszufertigen. Immerhin hatte damit bereits einer meiner beiden Adoptivsöhne einen Ausbildungsvertrag in der Tasche.

 

Wir gingen gemeinsam ins Gesindehaus zum Essen. Als erstes liefen mir Rebecca und Robert über den Weg, die mir sofort freudestrahlend erklärten, dass sie mit Alexandra im Keller fündig geworden sind. Es wird aber nichts verraten, am Silvestertag wird der Speisesaal nach dem Mittagessen gesperrt und sie und ihre Helfer dürfen dann im Saal alles aufbauen.

 

Der nächste der mich vom Mittagessen abhielt war Linus, der mir bestätigte, dass seine Eltern sich mit mir gleich am zweiten Januar treffen wollen und das Problem Unterbringung ihres Sprösslings abklären wollen.

 

Danach konnte ich mir an der Theke endlich mein Mittagessen holen und mich mit Florian an einen Tisch setzen. Nach dem Essen fragte ich Florian, wie er mit dem Verlauf der Vorstellungsgespräche am Vormittag zufrieden sei, aber auch was aus seiner Sicht besser gemacht werden könne.

 

Er schaute mich ungläubig an, erklärte dann aber: „Bemerkenswert finde ich, dass du bisher nicht in die Vorstellungsgespräche eingegriffen hast, wenn wir dein Eingreifen bei Rebecca außer Acht lassen. Sie war von deinem Vorschlag, die Dekoration für die Silvester­feier zu übernehmen gewaltig überrascht, hat sich aber grandios aus der Affäre geboxt.“

 

Ich erwiderte: „Ich wollte sie provozieren, was mir auch gelungen ist und wir bekommen jetzt von ihr und ihren Helfern einen für die Silvesterfeier geschmückten Speisesaal. Ihre Reaktion hat mir jedoch gezeigt, dass sie hinter ihrem Vorschlag steht, dass der Raum mit einer anderen Gestaltung gemütlicher wirken könnte. Ich werde über ihren Vorschlag nachdenken und im neuen Jahr, werden wir dort einige Veränderungen vornehmen.“

 

Florian erklärte: „Ich denke, an den Vorstellungsgesprächen lässt sich aus meiner Sicht nicht viel verbessern. Immerhin hatten wir bisher Kandidatinnen und Kandidaten, die bis auf wenige Ausnahmen, sich bestens präsentiert haben und auch bei den Zwischenfragen keine absoluten Schwachpunkte gezeigt haben.

 

Du Peter, wie läuft das eigentlich Morgen ab bei den Bewerbungsgesprächen bei den kaufmännischen Berufen? Okay, bei den Hotelkaufleuten werden Sebastian und Alexandra bei den Vorstellungsgesprächen dabei sein. Ich kann mir ebenfalls vorstellen, dass bei den IT-Leuten Philipp und Marcus dabei sein werden. Aber für alle anderen kaufmännischen Berufe liegt dann alles in deiner Hand.“

 

Interessante Feststellung dachte ich für mich und antwortete: „Da liegst du völlig daneben mit deiner Vermutung. In diesem Fall bist du gefordert und entscheidest mit mir zusammen wer einen Ausbildungsplatz bekommt und wer am Ende durchs Raster fällt. Übrigens bei den IT-Leuten ist auch noch Bernhard mit von der Partie, weil ein Teil der Auszubildenden in seinem zukünftigen Aufgabenbereich angesiedelt ist.“

 

Florian war etwas überrascht von meiner Aussage, dass er in der Mitverantwortung steht, wenn es um die Auswahl der Auszubildenden geht. Nach kurzer Pause antwortete er mir: „Peter, du schockst mich, ich habe nicht damit gerechnet, dass ich mit in die Entschei­dungen eingebunden werde.“

 

Wieder war meine Erklärung gefordert: „Warum sollte ich dich nicht einbinden in die Entscheidung, welche Auszubildenden wir einstellen. Du hast bereits deine schriftliche Abschlussprüfung hinter dir, bist damit dem Status eines Auszubildenden weiter entwachsen. Du hast heute Vormittag bereits erste Erfahrungen sammeln können, wie Einstellungsge­spräche ablaufen und morgen darfst du das in der Praxis umsetzen.“

 

„So und nun lass uns wieder ins Besprechungszimmer im Gutshaus gehen und die beiden nächsten Runden Vorstellungsgespräche absolvieren, die erste Runde mit den drei Jungs aus der IT und später die Gespräche mit Manuel und Jonas für die Gärtnerei, den landwirtschaftlichen Bereich und für die Forstwirtschaft“ sagte ich noch zu Florian.

 

Wir trugen unsere Tabletts zum Abräumwagen und gingen zurück ins Gutshaus. Auf dem Flur trafen wir bereits auf die Bewerber für die Ausbildungsplätze in der IT-Abteilung. Beim Eintreten ins Besprechungszimmer stellte ich fest, dass die Jungs von der IT bereits auf uns warteten und wir sofort mit den Vorstellungsgesprächen starten können.

 

Florian erklärte, dass wir bei den IT-Bewerbern in alphabetischer Reihenfolge die Kandidaten hereinholen, ohne Rücksicht darauf für welche Position sie sich beworben haben, Ausnahme sind die Kandidaten für den IT-Kaufmann, die erst morgen mit allen anderen kaufmännischen Berufen abgearbeitet werden.

 

Bei den Bewerbern gab es einen Kandidaten der bereits eine mündliche Zusage von Philipp und Marcus, aber auch von mir erhalten hatte. Michael Gruber war der dritte Kandidat, der zum Bewerbungsgespräch hereingeholt wurde.

 

Was mir bei vier der sechs Kandidaten auffiel, dass sie sich noch nicht definitiv entscheiden konnten, in welche Richtung ihre Ausbildung verlaufen sollten. Nur Michael aus Rosenheim war sich sicher, dass er in Richtung Programmierer gehen würde und bei Sebastian Heilmann war eindeutig herausgekommen, dass es in Richtung Mediendesign gehen wollte. Michael würde bei der Truppe von Bernhard und Sebastian bei Roland ausgebildet werden.

 

Nach Abschluss der Vorstellungen war klar, Sebastian und Michael hatten ihren Ausbildungsplatz bereits sicher, was auch von Philipp, Marcus und Bernhard so gegenüber Florian bestätigt wurde. Aus den restlichen vier Kandidaten sollten jetzt noch die drei herausgesucht werden, die die übrigen Ausbildungsplätze erhalten sollten.

 

Philipp meinte, für die Position des Netzwerkspezialisten könne er sich Viktor Ortmann vorstellen, was von Marcus nur mit einem Nicken bedacht wurde. Bernhard sagte: „Ich bin mit eurer Entscheidung einverstanden, Viktor kommt zu euch beiden in die Abteilung. Ich bin auf alle Fälle überzeugt, dass Enrico Capasso und Tizian Pfleger im Bereich Dokumentenmanagement bestens aufgehoben sind. Verbleibt noch Hardy Grill, den ich mir sowohl in der Netzwerktechnik als auch im Dokumentenmanagement, aber auch als Programmierer vorstellen könnte.“

 

Ich meinte: „Ihr habt bisher je einen Ausbildungsplatz für Programmierung und Netzwerktechnik, sowie zwei Plätze für den Support angeboten. Die grundlegende Ausbildung ist doch für alle drei Bereiche identisch, warum nehmt ihr nicht alle fünf Jungs und die Entscheidung der Spezialisierung findet zu einem späteren Zeitpunkt statt.

 

Aus meiner Sicht, besteht bei euch über kurz oder lang sowieso mehr Personalbedarf bei der Dokumenten- und Bauplanverwaltung, vor allem wenn ich mir die steigende Nachfrage und die Umsatzzahlen im letzten Quartal betrachte. Ich denke, Jason lag richtig mit seiner Vermutung, dass es sich dabei um einen Selbstläufer handeln könnte.

 

Bernhard, kannst du mir sagen, wie viele Neukunden du für diesen Bereich seit Anfang Oktober angelegt hast. Du hast allein für das Projekt Jugendhotel an der Ostsee mindestens zehn Handwerksbetriebe, die mit dem Architekturbüro Arndt zusammenarbeiten als Kunden angelegt. Mit dem Generalunternehmer Oberwagner, seinen Subunternehmern und seinen planenden Architekten sind wir derzeit in Verhandlungen zur Einführung der Dokumenten- und Bauplanverwaltung.

 

Philipp und Marcus, an euch richtet sich meine Frage, wie viele Kunden habt ihr in der Netzwerk-Betreuung, die nicht der Gutshofgruppe angehören und wie viele Arbeitsplätze werden bei diesen Kunden verwaltet.“

 

Philipp antwortete: „Aktuell sind es unsere beiden Architektenbüros und rund zehn kleinere Unternehmen im Raum Rosenheim mit zusammen etwa neunzig Arbeitsplätzen. Derzeit liegen uns noch sieben Anfragen von Handwerksunternehmen aus dem Raum Scharbeutz vor, die voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres umstellen wollen. Dirk und Tatjana machen fleißig Werbung für uns und unsere Dienstleistungen.

 

Ich habe bereits mit Dirk gesprochen, ob es sinnvoll ist, dass wir im Laufe des nächsten Jahres in Scharbeutz oder Lübeck eine eigene Niederlassung aufbauen, um eine Vorortversorgung der Kunden zu gewährleisten, vor allem auch im Hinblick auf das neue Jugendhotel an der Ostsee. Die Pläne wollten wir dir im ersten Quartal des kommenden Jahres vorstellen.“

 

Bernhard meinte: “Peter, vermutlich ist deine Aussage, dass wir schneller weiteren Bedarf an Mitarbeitern haben als richtig anzusehen. Ich bin dafür wir nehmen alle fünf Kandidaten und dann entscheidet sich während der Ausbildung, wohin der Weg jedes Einzelnen führt.

 

Ich unterstütze auch Philipps Aussage, dass wir an der Ostsee eine Niederlassung einrichten sollten, die die Vorortbetreuung übernimmt. Mein ergänzender Vorschlag wäre so schnell wie möglich vor Ort nach Personal suchen, den oder die Mitarbeiter hier bei uns die nötige Einarbeitung und Zusatzausbildung zu geben und dann in der neuen Niederlassung einzusetzen.

 

Ich sehe das nicht so eng wie Marcus und Philipp, bei der Dokumenten- und Bauplanverwaltung ist es egal, wo der entsprechende Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz hat. Wir brauchen nur eine eigene Rufnummer, die dem nächsten freien Supportmitarbeiter das Gespräch übergibt, und das kann bei der Kundenbetreuung im Netzwerk meines Erachtens genauso gehandhabt werden.“

 

Ich meinte: „Florian, alle Bewerber bekommen einen Ausbildungsvertrag für die IT-Abteilung und damit Ende der Diskussion. Philipp, könntest du bitte im Hotel an der Ostsee abklären, ob es dort eigene Mitarbeiter für den IT-Bereich gibt. Du solltest eventuell dort vorhandene Mitarbeiter in die neu geplante Niederlassung mit einbinden, wenn du sowieso planst, dass Hotel damit abzudecken.

 

Sollte das Hotel derzeit von einem externen Dienstleister versorgt werden, müssten wir uns dringend zusammensetzen, da wir diese Verträge rechtzeitig kündigen müssen und wir gleichzeitig dem Dienstleister anbieten können, dass wir ihm den einen oder anderen Mitarbeiter abnehmen würden.“

 

Marcus schaute mich an und erklärte: „Gut das Philipp das heute bereits angesprochen hat. Wir haben bei unseren bisherigen Überlegungen nicht berücksichtigt, wie das Hotel derzeit IT-technisch betreut wird. Da wir erst im nächsten Jahr für das Hotel tätig werden, haben wir bisher daran noch keine Gedanken verschwendet.

 

Wir haben nur festgestellt, dass wir zukünftig vor Ort vertreten sein sollten, wenn im Laufe des nächsten Jahres alle Handwerksbetriebe von uns netzwerktechnisch betreut werden sollen. Ich werde heute noch mit dem Hotel abklären wie ihre IT-Versorgung derzeit gestaltet ist und wir werden mit dir das Ergebnis heute Abend noch besprechen.“

 

Da unser eigentlicher Zweck, die Bewerbungsgespräche für die IT-Abteilung zu führen erledigt war, verabschiedeten sich die drei Jungs und beim Rausgehen meinten sie, dass Tim und Jonas, sowie Manuel jetzt mit ihren Bewerbungsgesprächen dran seien.

 

Die drei Jungs kamen ins Besprechungszimmer und setzten sich zu uns. Florian erklärte, dass er mit den beiden Bewerbungen für die Gärtnerei beginnen will. Er holte als erste die Bewerberin aus einem der Kinderheime ins Besprechungszimmer.

 

Da Manuel derjenige war, der am Ende die Entscheidung treffen muss, stellt er ihr auch die Fragen, nachdem sich die Bewerberin Petra Wirkner aus dem Kinderheim in Gera vorgestellt hatte, ihre Beweggründe für den Berufswunsch erläutert hatte und uns über ihr bisheriges Leben berichtet hat. Bei den Fragen zeigte sie keine Schwäche, sie hatte sich im Vorfeld gut informiert, worauf es ankam.

 

Nach dem Gespräch zeigte mir Manuel den nach oben gestreckten Daumen, was ich interpretierte, dass er mit dieser Kandidatin voll einverstanden sei. Der nächste Kandidat ein sechzehnjähriger aus Rosenheim trat ins Zimmer und nahm uns gegenüber Platz.

 

Auf mich machte der Bewerber Peter Brunnmeier einen sehr unsicheren Eindruck während des ganzen Gesprächs und der Befragung durch Manuel. Mir war in dem Moment klar, dass Manuel diesen Bewerber nicht nehmen würde. Mein Gefühl war, dass da mehr dahinterstecken könnte, warum der Junge diesen unsicheren Eindruck hinterließ.

 

Am Ende des Vorstellungsgesprächs bat ich ihn draußen bei den Bewerbern zu warten, da ich nach den Bewerbungsgesprächen mit ihm noch ein persönliches Gespräch unter vier Augen führen wolle. Er meinte noch, wenn es sein muss, dann warte er einfach auf mich.

 

Als er den Raum verlassen hatte, meinte Daniel: „Ich nehme die Bewerberin, aus dem Kinderheim, die hat einen weitaus besseren Eindruck während des Bewerbungsgespräches hinterlassen. Florian, du kannst für sie einen Ausbildungsvertrag vorbereiten. Peter, kannst du mir sagen, warum du mit deinen Vornamensvettern nachher noch ein Vier-Augen-Gespräch führen willst?“

 

„Ganz einfach,“ meinte ich, „mir ist während des Gesprächs aufgefallen, dass er gar nicht daran interessiert ist, einen Ausbildungsplatz in der Gärtnerei zu bekommen. Aus meiner Sicht will er diesen Beruf nicht lernen, er wurde zu der Bewerbung gezwungen. Kann es sein, dass es im Raum Rosenheim eine Gärtnerei Brunnmeier gibt, das wäre für mich eine mögliche Erklärung.

 

Manuel schaute mich an, dann meinte er: „Jetzt wo du das sagst, es gibt eine Gärtnerei Huber GmbH, deren Inhaber Brunnmeier heißt. Ich habe mit seinem ältesten Sohn Mario vor Jahren die Ausbildung zum Gärtner absolviert, wir waren in einer Klasse in der Berufsschule. Der sollte doch eigentlich den Betrieb von seinem Vater übernehmen. Du hast mich mit deiner Vermutung nun doch neugierig gemacht, warum der jüngere Bruder plötzlich Gärtner erlernen soll, obwohl er nicht will.“

 

Die nächsten drei Kandidaten waren diejenigen, die als landwirtschaftliche Helfer bei uns eine Ausbildung machen wollen. Das erste Bewerbungsgespräch lief wie geschmiert, was mich nachdenklich werden ließ. Am Ende fragte ich ihn, ob er nach dem Ende seiner Ausbildung weiterhin bei uns bleiben will oder er anschließend in den elterlichen Betrieb wechseln wird.

 

Ein Blick in sein Gesicht verriet mir, dass ich ihn mit dieser Frage entlarvt hatte. Ich erklärte ihm: „Kein Bange, das bedeutet nicht, dass deine Bewerbung von vorneherein abgelehnt wird. Du möchtest deine Ausbildung nicht im elterlichen Hof absolvieren, das kann ich zumindest verstehen. Du hättest uns trotzdem erklären können, warum du gerade bei uns und nicht bei deinen Eltern die Ausbildung machen möchtest.“

 

Er schaute mich lange an und erklärte uns: „Die Erklärung, warum ich bei euch lernen will, ist mit meinen Eltern abgesprochen. Ich möchte den elterlichen Betrieb nach meiner Ausbildung zusammen mit meinen Eltern auf biologische Landwirtschaft umstellen. Wenn ich jetzt nur bei meinen Eltern lerne, bekomme ich nur das Wissen der konventionellen Landwirtschaft vermittelt und ich fange danach eigentlich bei null an, so hätte ich zumindest das notwendige Grundwissen für einen Bio-Bauernhof.“

 

Ich sagte zu ihm: „Wir beide treffen uns heute Abend um neunzehn Uhr in meinem Büro hier im Gutshaus, am besten wäre, deine Eltern hätten Zeit bei dem Gespräch dabei zu sein, damit wir mit ihnen die Details besprechen können.“

 

Mein Vornamensvetter meinte: „Ich kann nicht versprechen, dass beide Elternteile da sein werden, aber einer von beiden wird sicher kommen.“

 

Ich meinte noch, dann bis später und erklärte das Vorstellungsgespräch für beendet. Als Peter den Raum verlassen hatte, meinte Jonas: „Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, dass bei dem Bewerber etwas nicht stimmen könnte?“

 

Kurz lachte ich, danach erklärte ich: „Mir waren seine Antworten zu perfekt, er musste zumindest einen landwirtschaftlichen Hintergrund haben, um dieses Wissen zu besitzen. Ich hätte mit meiner Frage völlig daneben liegen können, es war nur eine Vermutung, die ich ausgesprochen habe. Er wollte unbedingt diesen Ausbildungsplatz, deswegen musste er mit seinen Antworten perfekt sein.“

 

Bei den beiden nächsten Kandidaten für den landwirtschaftlichen Betrieb verliefen die Bewerbungsgespräch eher normal. Beide, also Magnus Doppler und Benjamin Unger wurden von Jonas und Tim als Auszubildende akzeptiert. Damit hatten wir den diesen Bereich ebenfalls abgearbeitet.

 

Jetzt hatten wir noch den letzten Kandidaten aus dem Münchner Kinderheim, der sich als Forstwirt beworben hatte. Auch er brachte sein Vorstellungsgespräch ohne größere Probleme über die Bühne und wurde als Auszubildender zum Forstwirt angenommen. Wir konnten damit das Ende der heutigen Vorstellungsgespräche verkünden, morgen sollten nur noch alle kaufmännischen Stellen abgearbeitet werden.

 

Florian erklärte: „Bisher haben wir zweiundzwanzig Auszubildende für das kommende Ausbildungsjahr fest eingestellt. Hinzu kommt noch der dritte Auszubildende in der Landwirtschaft, von dem wir wissen, dass er nach seiner Ausbildung auf den elterlichen Hof wechseln wird. Ich denke, das ist für den heutigen Tag ein sehr gutes Ergebnis, drei Auszubildende mehr als bisher eingeplant und angefordert waren.“

 

Manuel wollte mit mir unbedingt das Gespräch mit Peter Brunnmeier führen. Ich erklärte ihm, dass das keine gute Idee sei und ich das Gespräch allein führen will, damit ich ihm sein Geheimnis oder Problem entlocken kann. Das hat bisher immer nur in einem persönlichen Gespräch funktioniert.

 

Ich verabschiedete mich von den Jungs bis später oder auch bis morgen, ging auf den Flur und bat Peter mir zu folgen. Wir gingen in mein Büro und ich bat ihn, sich in die Besprechungsecke zu setzen.

 

Nachdem wir uns zwei Minuten schweigend angeschaut hatten, meinte ich zu ihm: „Peter, dein Vorstellungsgespräch hat bei mir den Eindruck hinterlassen, dass du null Interesse daran hast, den Beruf eines Gärtners zu erlernen. Ich bin der festen Überzeugung, du wurdest zu dieser Bewerbung gezwungen.“

 

Er schaute mich mit großen Augen an, was mir signalisierte, dass ich mit meiner Vermutung richtig gelegen habe. Ich sagte zu ihm: „Ich habe einige Fragen an dich, die du mir bitte offen und ehrlich beantworten solltest, nur so sehe eine Möglichkeit, dir eventuell zu helfen.“

 

Peter nickte mit seinem Kopf und so fragte ich ihn: „Von wem und warum wurdest du gezwungen eine Gärtnerausbildung zu beginnen und welche Ausbildung würde dir besser gefallen?“

 

Es dauerte etwas, bis er meine Fragen beantwortete: „Gezwungen werde ich von meinem Vater, ich würde viel lieber entweder einen kaufmännischen Beruf erlernen oder alternativ als Forstwirt eine Ausbildung machen.“

 

Er legte erneut eine Pause ein, bevor er weitersprach: „Eigentlich sollte mein Bruder Mario den elterlichen Gartenbaubetrieb übernehmen. Er hat vor einigen Jahren bereits erfolgreich seine Ausbildung zum Gärtner beendet. Vor knapp einem Jahr hatte mein Bruder einen schweren Verkehrsunfall, bei dem seine damalige Freundin ums Leben kam.

 

Mario überlebte den Unfall, ist aber seit der Zeit körperlich eingeschränkt und kann derzeit nur maximal halbtags in seinem bisherigen Beruf arbeiten. Mein Vater ist deshalb der festen Überzeugung, dass ich ebenfalls Gärtner lernen soll um als Betriebsnachfolger den Gartenbaubetrieb zu übernehmen. Er ist der Meinung, dass mein Bruder Mario, mit seinen körperlichen Einschränkungen keine Option mehr für ihn als Betriebsnachfolger sei.

 

Ich habe lange mit meinem großen Bruder gesprochen und er ist immer noch davon überzeugt, dass er trotz seiner körperlichen Einschränkungen den Betrieb erfolgreich führen könnte. Ich bin mir sicher, er ist ein großer Kämpfer, ansonsten hätte er vermutlich seinen schweren Unfall nicht überlebt. Wenn möglich, würde ich ihn in seinem Kampf gerne unterstützen.

 

Ich sehe jeden Tag, wie Mario sich bemüht, unserem Vater zu beweisen, dass er noch fähig ist die Gärtnerei als sein Nachfolger zu übernehmen, nur unser Vater will das einfach nicht erkennen.“

 

Ich schaute ihn an und fragte ihn: „Soll ich dir und Mario helfen, damit ihr beide in euren Berufen glücklich werden könnt. Dir kann ich einen Ausbildungsplatz als Forstwirt anbieten, dort würden wir sogar noch einen Auszubildenden suchen, oder wenn du lieber einen kaufmännischen Beruf ergreifen willst, könnten wir morgen schauen, was wir dir dort anbieten können.

 

„Kannst du dir vorstellen, dass dein Bruder heute Abend ab zwanzig Uhr oder morgen Nachmittag zu uns kommt und wir gemeinsam eine Strategie erarbeiten, wie wir euren Vater davon überzeugen, dass Mario doch die bessere Wahl als Betriebsnachfolger ist, fragte ich ihn.“

 

„Ich werde gleich mit meinem Bruder telefonieren, spätestens beim Abendessen kann ich dir sagen, ob er heute noch kommen wird oder erst morgen Nachmittag,“ meinte Peter zu mir und ging ins Gesindehaus.

 

Florian hatte mitbekommen, dass Peter das Haus verlassen hatte und kam zu mir ins Büro. Er setzte sich zu mir in die Besprechungsecke und fragte mich: „Lagst du richtig mit deiner Vermutung, dass irgendetwas nicht stimmte bei dem Bewerber?“

 

Ich lachte und sagte: „Wenn etwas nicht stimmt, dann merke ich das immer sehr schnell. Ich kann zwar nicht immer mit Sicherheit behaupten, was der genaue Grund dafür ist. Zumindest hat mich mein Gefühl noch nie im Stich gelassen, auch heute lag ich wieder richtig mit meiner Ahnung. Ich kann dir vorerst nur so viel verraten, dass es mit seinem Bruder Mario zu tun hat.

 

Ich werde mich entweder heute Abend noch oder morgen Nachmittag mit den beiden Jungs treffen. Vielleicht können wir im gemeinsamen Gespräch für beide Jungs eine Lösung ihres Problems finden.“

 

Ich schaute ihn an und wollte wissen, wie es ihm in der Zwischenzeit mit der Ausfertigung der Ausbildungsverträge ergangen sei.

 

Er erklärte mir: „Nachdem wir für alle Ausbildungsberufe fertige Vorlagen des Ausbil­dungsvertrages haben, ist es relativ einfach, die einzelnen Verträge vorzubereiten und die Verträge in dreifacher Ausfertigung auszudrucken. Gleichzeitig speichere ich jeden Vertrag direkt in der Personalakte als Entwurf ab. Für das erstes Drittel der heute ermittelten Auszu­bildenden habe ich bereits alle Unterlagen vorbereitet, einschließlich der Anhänge und den notwendigen Hinweisblättern.“

 

Ich meinte zu ihm, wir sollten uns langsam auf den Weg ins Gesindehaus machen, damit wir rechtzeitig zum Abendessen wieder bei unseren Bewerbern seien. Florian und ich sperrten jeweils unsere Büros ab und trafen im Eingangsbereich auf Thomas, der ebenfalls auf dem Weg nach drüben war.

 

Ich informierte ihn davon, dass ich nach dem Abendessen noch mindestens ein Gespräch mit einem der Bewerber Gerald Eckmüller und seinen Eltern, eventuell nur einem Elternteil, haben werde und eventuell noch ein weiteres Gespräch, zusammen mit dem Bruder eines Bewerbers hinzukommen könnte. Den Termin würde mir Peter Brunnmeier spätestens beim Abendessen bestätigen können.

 

Der Erste, der mir im Gesindehaus über den Weg lief, war Gerald, der mir mitteilte, dass seine Eltern zusammen mit seiner jüngeren Schwester zum Termin um neunzehn Uhr kommen werden. Ich habe ihnen auch bereits erzählt, dass du mir auf den Kopf zugesagt hast, dass ich meine Ausbildung bei euch nur mache, um später im elterlichen Betrieb weiterzuarbeiten. Ich konnte ihnen nicht erklären, warum und wieso du darauf gekommen bist, dass kannst du ihnen nachher selbst erklären.

 

Thomas und ich standen bereits in der Schlange am Büffet als Peter auftauchte und erklärte, Mario wäre gegen zwanzig Uhr hier. Er will den Mann kennenlernen, der behauptet, er würde ihnen helfen können.

 

Damit stand fest, dass ich heute noch zwei Termine haben würde. Ich fragte Thomas, ob er eventuell an den beiden Gesprächen teilnehmen will. Er erklärte mir, ich denke, es ist besser, wenn du die Gespräche allein führst, du hast das Vertrauen der Jungs, da würde ich nur stören.

 

Kurz vor neunzehn Uhr ging ich mit Gerald wieder nach drüben ins Gutshaus. Vor dem Gutshaus trafen wir auf seine Eltern und seine jüngere Schwester. Wir begrüßten uns und danach ging es weiter in mein Büro. Ich holte meinen Bürostuhl und setzte mich in die Besucherecke zu meinen Gesprächspartnern.

 

Geralds Vater stellte sofort die Frage, wie ich gemerkt habe, dass ihr Sohn Gerald bei uns die Ausbildung machen will und danach in den elterlichen Betrieb wechseln will, Hat er beim Bewerbungsgespräch einen Fehler gemacht oder eine verräterische Bemerkung von sich gegeben.

 

Ich schaute ihn an: „Keine Sorge ihr Sohn hat keinen derartigen Fehler gemacht. Ich bin deshalb stutzig geworden, weil seine Antworten auf die Fragen des Ausbilders zu perfekt waren, für mich stand bereits in dem Moment fest, dass er mit seinem vorhandenen Wissen aus einem landwirtschaftlichen Betrieb kommen musste

 

Deshalb habe ich ihn gefragt, ob er nach seiner Ausbildung bei uns bleiben will oder in den elterlichen Betrieb wechseln will. In diesem Augenblick konnte ich in seinem Mienenspiel erkennen, dass ich einen Volltreffer gelandet hatte.

 

Darum geht es auch gar nicht, ich habe Gerald schon zugesagt, dass wir ihn trotzdem ausbilden werden, ich fände es nur ehrlicher, wenn uns vorher angekündigt wird, dass wir im Fremdauftrag ausbilden sollen und wir uns die anfallenden Kosten der Ausbildung teilen.

 

Ich verstehe, dass es für ihren Sohn sinnvoller und effektiver ist, wenn er in einem biologisch arbeitenden Betrieb ausgebildet wird, wenn er mit ihnen zusammen, langfristig den eigenen Betrieb auf Bioanbau umstellen will.

 

Haben sie sich bereits überlegt, ob sie später einer Vermarktungsgesellschaft beitreten wollen, die vorwiegend biologisch angebaute Produkte vermarktet. Sie haben sicher schon festgestellt, dass wir mit verschiedenen Landwirten und Gartenbaubetrieben aus der Umgebung eine gemeinsame Vermarktung in den angeschlossenen Hofläden betreiben.“

 

Geralds Mutter erklärte dazu: „Ich habe in den letzten Monaten immer wieder in einem der ihrer Gruppe angeschlossenen Hofläden testweise eingekauft und für mich steht fest, dass wir nur gemeinsam in der Zukunft unsere Produkte vertreiben können. Da wir ein reiner Milchwirtschaftsbetrieb sind wollen wir zukünftig vor allem unsere Milchprodukte anbieten.

 

Wir haben uns schon überlegt in die Käseproduktion einzusteigen, die Käserei könnte dann langfristig von Geralds Schwester Miriam betrieben werden. Auf die Idee kam ich, weil bisher in den Hofläden kaum einheimische Käsesorten angeboten werden, weder konventionell noch in Bioqualität.“

 

Bevor ich dazu etwas sagen konnte, sagte Geralds Vater Benedikt: „Ich befürchte, ich habe einen großen Fehler begangen, als ich Gerald empfohlen habe, sich am Gutshof zu bewerben.“

 

Ich schaute ihn mit großen Augen an und merkte, dass seine Frau Beate ebenfalls etwas verwirrt schien, von seiner Aussage. Bevor wir etwas sagen konnten, sprach er weiter: „Fehler deshalb, weil ich mir im Vorfeld nicht gründlicher überlegt habe, was der richtige Weg sein könnte. Ich würde es in meinem Betrieb auch nicht für Gutheißen, dass mir ein Landwirt seinen Sprössling unterjubelt, damit er abseits vom elterlichen Hof, eine gute Ausbildung erhält.

 

Herr Maurer, ich hoffe, sie können mir meinen Fehler verzeihen. Natürlich erklären wir uns bereit, den größeren Teil der Kosten zu übernehmen. Ich habe gelesen, dass sie Appartements für ihre Auszubildenden errichten, könnte unser Sohn in eine der Kleinwoh­nungen einziehen, damit er nicht täglich zum Gutshof gefahren werden muss. In der Landwirtschaft kennen wir kein Wochenende und keine Feiertage, dass sollte er auch schon während der Ausbildung lernen.“

 

Ich schaute Benedikt an und sagte: „Ich muss sie enttäuschen, unsere landwirt­schaftlichen Mitarbeiter haben alle eine Fünf-Tage-Woche und vierzig Wochenstunden. Die Mitarbeiter erhalten immer zwei Tage am Stück frei, zwar nicht immer am Wochenende, dafür aber unter der Woche. Im Normalfall gibt es immer alle drei bis vier Wochen ein freies Wochenende.

 

Was die Wohnungen für die Mitarbeiter oder Auszubildende angeht, kann ich ihnen zusagen, dass ihr Sohn ein Appartement beziehen kann, da bei uns bereits um fünf Uhr morgens für die Frühschicht in der Landwirtschaft Arbeitsbeginn ist. Die Spätschicht startet um zwölf Uhr und endet um einundzwanzig Uhr. Bei allen Auszubildenden, die wegen ihrer ungünstigen Arbeitszeiten in einer Firmenwohnung untergebracht werden, übernimmt der Betrieb die Hälfte oder sogar die vollen Mietkosten. Dazu gehören derzeit alle Azubis in der Gastronomie, in den Hotels und der Landwirtschaft“

 

Beate fragte: „Mit welchen Kosten müssen wir monatlich rechnen, wenn Gerald in einer Kleinwohnung untergebracht wird und wie hoch ist der Anteil für die Ausbildung, die wir beisteuern müssen?“

 

Ich schaute die Beiden an und erklärte: „Das hängt ganz davon ab, für welche Vertragsgestaltung wir uns entscheiden. Wenn wir ihn voll als Auszubildenden einstellen und seine Ausbildungsvergütung übernehmen, werden die monatlichen Kosten bei etwa achthundertfünfzig bis neunhundert Euro im ersten Lehrjahr liegen, was vertraglich zwischen uns geregelt wird.

 

Wird seine Ausbildungsvergütung direkt von ihnen bezahlt, liegen die Kosten zwischen zweihundertfünfzig und dreihundert Euro monatlich. Im letzteren Falle schließen sie mit ihrem Sohn den Ausbildungsvertrag und wir verpflichten uns vertraglich nur, seine ordnungsgemäße Ausbildung und Unterbringung während der Ausbildungszeit zu gewährleisten.“

 

Beate schien kurz zu rechnen und meinte dann: „Wenn ich jetzt richtig gerechnet habe, sind die Kosten in beiden Fällen für uns etwa gleich hoch. Damit ist es im Grunde genommen egal, wie wir uns entscheiden. Ich würde sagen, in diesem Fall soll Gerald selbst entscheiden, welchen Ausbildungsweg er beschreiten will, oder siehst du das anders, Benedikt.“

 

Bevor Benedikt ihr antworten konnte, erklärte ich: „Es gibt einen entscheidenden Unterschied, im ersten Fall sind wir als Ausbildungsbetrieb voll für die Einhaltung des Jugendarbeitsschutzgesetzes verantwortlich. Im zweiten Fall liegt diese Aufgabe bei ihnen. Wobei wir als beauftragter Ausbildungsbetrieb zusätzlich die Einhaltung überwachen dürfen.“

 

Benedikt sagte: „Okay, der Betrag mit achthundertfünfzig bis neunhundert Euro im Monat ist in Ordnung, wenn Gerald bei uns im Betrieb lernen würde, müssen wir mindestens mit der gleichen Summe rechnen. Junge, wie fällt deine Entscheidung aus?“

 

Gerald überlegte und meinte: „Papa, wenn du mich so fragst, würde ich mich für eine Ausbildung beim Gutshof entscheiden, zum einen, weil damit die tägliche Fahrt zum und vom Arbeitsplatz komplett entfällt, zum anderen, ich kann morgens etwas länger schlafen. Peter, danke noch einmal, dass du mir eine Chance gibst, meine Ausbildung am Gutshof zu absolvieren.“

 

„Okay,“ meinte ich und sprach weiter, „damit ist geklärt, wie das ganze ablaufen soll. Wir werden in den nächsten Tagen die Verträge vorbereiten und sie können alle Verträge, einschließlich des Ausbildungsvertrages auf einmal unterschreiben. Sollten noch Fragen ihrerseits bestehen, können sie mich gerne telefonisch kontaktieren.“

 

Geralds Eltern und seine jüngere Schwester verabschiedeten sich von uns und ging zurück zum Parkplatz zu ihrem Wagen. Gerald blieb noch bei mir und als wir wieder allein im Büro saßen meinte er: „Der Preis, den du meinen Eltern genannt hast, sind doch nicht die wirklichen Kosten, die für meine Ausbildungsvergütung, die Vollverpflegung und die Unter­bringung in einem Appartement aufzuwenden sind. Ich denke, die echten Kosten müssten um einiges höher liegen. Wer übernimmt die Differenz?“

 

Da ich ihn nicht belügen wollte, erklärte ich: „Du vermutest richtig, die Kosten liegen weitaus höher. Einen Teil davon übernimmt die Gutshofverwaltung und ein weiterer Teil wird von der Stiftung Sonneneck getragen.“

 

Nach einer kurzen Pause ergänzte ich: „Für alle Auszubildenden, die noch nicht voll­jährig sind und in einem Wohnheim leben, ist gesetzlich vorgesehen, dass ihnen drei Mahlzeiten am Tag angeboten werden. In deinem Fall also Frühstück, Mittagessen und Abendessen im Gesindehaus, so wie du es zurzeit hier bereits kennengelernt hast. Mit einer kleinen Ausnahme, wenn du Frühschicht hast, gibt es noch kein Frühstück in der Kantine.

 

Dafür bekommst du monatlich einen Zuschuss, den du im Hofladen einlösen kannst. Dafür müsstest du dein Frühstück an diesen Tagen in deinem Appartement selbst zubereiten. Ich hoffe doch, dass du bereits so selbstständig bist, dass das kein Problem für dich sein sollte.“

 

Er grinste mich an und erklärte: „Nein, das ist kein Problem für mich, ich bin es seit einigen Jahren gewohnt, dass ich für mich und meine Schwester das Frühstück zubereite, wenn meine Eltern bereits bei der Stallarbeit sind.“

 

Mein Smartphone machte sich bemerkbar und ich nahm das Gespräch an. Peter Brunnmeier meldete sich und meinte er würde in den nächsten fünf Minuten mit seinem Bruder bei mir im Büro eintreffen. Ich meinte dann nur, bis gleich und legte wieder auf.

 

Ich erklärte Gerald, dass ich gleich noch ein weiteres Gespräch haben werde, bei dem ebenfalls ein Problem zu lösen sei, zwar nicht wie in seinem Fall, aber eben auch ein Bewerber, der meine Hilfe gut gebrauchen könnte. Ich fragte ihn, ob er mit der Lösung für sein Problem einverstanden sei.

 

Er grinste mich an und meinte, dass er mehr als zufrieden sein kann mit dem Ergebnis, immerhin bekomme er die Chance, die tägliche Arbeit auf einem Bio-Bauernhof kennenzulernen, was ansonsten nicht so ohne weiteres möglich wäre. Wir verabschiedeten uns bis morgen, entweder am Morgen beim Frühstück oder am Nachmittag, beim Ausflug ins Thermalbad.

 

Es hatte dann doch etwas länger gedauert, bis es an meiner Bürotür klopfte. Ich rief herein und die Tür öffnete sich und als erster betrat Mario gestützt auf eine Krücke mein Büro. Ihm folgte sein jüngerer Bruder Peter, der Mario sofort zu mir in die Besprechungsecke dirigierte.

 

Ich gab beiden die Hand und begrüßte sie recht herzlich zu unserem Gespräch. Nachdem sich die beiden Jungs gesetzt hatten, eröffnete ich die Gesprächsrunde: „Mario, ich habe von deinem Bruder gehört, du würdest den Mann gerne kennenlernen, der euch beiden helfen könnte. Dazu ist eine der Grundvoraussetzungen, dass ihr euch auch helfen lassen wollt.

 

Wie ich euch beiden helfen kann, kann ich dir im Moment noch nicht definitiv sagen, die Hilfe können wir nur im gemeinsamen Gespräch erarbeiten. Was ich dir aber jetzt bereits erklären kann, ihr seid nicht die Ersten, wo ich mich engagiere. Du kennst doch sicher Manuel Winter von der Gärtnerei Winter, er ist einer von den Jungs, denen ich helfen konnte. Manuel hat mir erzählt, dass ihr beide in eine Berufsschulklasse gegangen seid.

 

Wenn ihr beide kein Problem damit habt, würde ich gerne Manuel mit in unser Gespräch einbeziehen. Ich bin mir sicher, er wird dir ebenfalls helfen wollen, er hat zumindest so etwas angedeutet, als wir uns über die Bewerbung deines Bruders unterhalten haben.“

 

Mario schaute mich etwas verwirrt an und sagte: „Wie bitte, Manuel arbeitet für dich, ich dachte immer, er wird die Gärtnerei seines Vaters übernehmen, so wie es auch bei mir geplant war. Ich sehe kein Problem, wenn Manuel bei den Gesprächen dabei sein wird, Mich würde sowieso interessieren, warum er jetzt für den Gutshof arbeitet und nicht im elterlichen Betrieb.“

 

Ich erklärte ihm: „Die Geschichte soll er dir am besten selbst erzählen, mir würdest du vermutlich nicht glauben, wenn ich sie dir erzähle. Ich rufe schnell an und bis Manuel kommt, kannst du mir ein wenig von dir berichten.“

 

Ich telefonierte mit dem Verwalterhaus, wo sich Tim meldete. Ich bat ihn mir Manuel ans Telefon zu holen. Ich erklärte ihm, dass ich jetzt ein Gespräch mit Mario und seinem Bruder Peter führe und er zum Gespräch dazukommen soll. Er meinte, wir sind in wenigen Minuten bei dir im Büro und legte auf. Ich sagte zu den Jungs, Manuel kommt mit seinem Ehemann Daniel zum Gespräch, sie sind schon so gut wie auf dem Weg zu uns.

 

Dieses Mal schauten mich beide etwas verwundert an und so erklärte ich ihnen, dass die beiden Jungs vor einem Monat standesamtlich geheiratet hätten. Mario erklärte noch, dass er gewusst hätte, dass Manuel schwul sei, er aber nie damit gerechnet hätte, dass Manuel eines Tages einen Mann heiraten würde.

 

Er hatte mit seinem Satz kaum geendet als es an der Bürotür klopfte und Manuel und Daniel ins Zimmer stürmten. Ich konnte gerade noch loswerden: „Wow, ihr seid aber sehr schnell hier, habt ihr etwa auf meinen Anruf gewartet?“

 

Manuel grinste und erklärte: „Nein wir haben nicht auf deinen Anruf gewartet, wir wollten noch eine kleine Runde über den Gutshof spazieren und waren deshalb bereits fertig angezogen, als du angerufen hast. Hallo Mario, freut mich, dich nach so langer Zeit wieder einmal zu sehen. Ich habe zwar vor einem Jahr von deinem schweren Unfall in der Zeitung gelesen, aber nicht wirklich damit gerechnet, dass wir uns eines Tages hier auf dem Gutshof treffen würden.“

 

Mario meinte: „Da geht es dir wie mir, ich hätte auch nicht erwartet, dich hier zu treffen, immerhin solltest du doch die Gärtnerei von deinem Vater übernehmen und gerade habe ich erfahren, dass du für Herrn Maurer arbeitest. Vor allem, dass du vor kurzem geheiratet hast, wusste ich bisher ebenfalls nicht.“

 

Ich mischte mich ein und erklärte Mario: „Ich will mit meinem Vornamen angesprochen werden, so wie es für alle meine Mitarbeiter gilt, den Herrn Maurer vergisst du am besten ganz schnell. Ich denke, Manuel sollte dir erst einmal erzählen, warum und wie er für den Gutshof arbeitet, danach solltest du verstehen, warum wir euch helfen wollen.“

 

Mario schaute mich an und erklärte: „Ich habe mich schon gewundert, warum du sowohl von den beiden Jungs als auch von meinem Bruder bei der Begrüßung mit deinem Vornamen angesprochen wurdest. Okay, ab sofort werde ich dich nur noch mit Peter anreden, ich hoffe nur, mein Bruder fühlt sich nicht angesprochen davon.“

 

Manuel meinte: „Dann werde ich dir jetzt in Kurzform erzählen, warum und wieso ich jetzt für Peter arbeite. Vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren übernahm Peter den Gutshof als Nachfolger für seinen verstorbenen Vater. Daniel arbeitete damals als Landwirtschaftlicher Helfer für den Pächter des Gutshofes. Da der Pächter seinen Vertrag aus Altersgründen gekündigt hatte und unsere beiden Mitbewohner Jonas und Tim im Verwalterhaus sollten den landwirtschaftlichen Bereich übernehmen.

 

Dabei lernte Peter meinen jetzigen Mann Daniel kennen. Er erzählte Peter, dass er in mich verliebt sei, ich aber nicht dazu stehen wolle, in der Öffentlichkeit zu erklären, dass ich auf Männer abfahre. Mit Hilfe von Peter setzten sie mich unter Druck, endlich zu meiner Neigung zu stehen, da Daniel ansonsten sich von mir endgültig trennen würde. Da ich Daniel nicht verlieren wollte, habe ich mich bei meinen Eltern am nächsten Morgen beim Frühstück geoutet.

 

Ich wagte diesen Schritt, da Peter mir versprochen hatte, falls mich meine Eltern deswegen aus dem Haus werfen würden, mich aufzufangen und mir eine Chance als Gemüsegärtner im Gutshof zu geben. Es kam, wie ich es befürchtet hatte, mein Vater warf mich aus dem Haus und ich erklärte ihm frech, dass ich dann eben zukünftig für den Gutshof arbeiten werde.

 

Noch am selben Tag rief mein Vater bei Peter an und warnte ihn davor, seinen schwulen Sohn einzustellen. Da er aus Altersgründen so schnell wie möglich den Betrieb aufgeben wollte, bot ihm Peter an, die Gärtnerei zu übernehmen, sie aber als Gemüsebaubetrieb Winter weiterzuführen, was bei einem Verkauf an eine andere Gärtnerei nicht realisierbar war. Peter bot ihm einen guten Preis und damit ging der Verkauf kurzfristig über die Bühne.

 

Was mein Vater zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, war die Tatsache, dass Peter bisexuell ist und mit seinem Partner Thomas zusammenlebte, wahrscheinlich hätte er sonst nie an ihn verkauft. Peter erklärte meinem Vater, dass er mich als Betriebsleiter in der Gärtnerei einsetzen will, da er selbst nicht die nötige Qualifikation besitze. Diese Kröte musste mein Vater schlucken, ob er wollte oder nicht.

 

Bei unserer Hochzeit vor einem Monat, hat er sogar den Trauzeugen für mich gemacht, nachdem sich unser Verhältnis zwischenzeitlich wieder erheblich verbessert hatte. Ich darf zwar immer noch das Wohnhaus meiner Eltern nur mit seiner Erlaubnis betreten, aber auf dem restlichen Grundstück der Gärtnerei kann ich mich frei bewegen.

 

So, das war in Kurzform die Geschichte, warum Daniel und ich für den Gutshof arbeiten, der Eigentümer der Gärtnerei Winter ist, wobei Daniel inzwischen in der Gärtnerei arbeitet und im letzten Sommer seine verkürzte Ausbildung als Gärtner beendet hat.“

 

Mario schaute zwischen Manuel und mir hin und her, so dass ich ihm erklärte: „Es soll deinem Bruder nicht so ergehen, wie Manuels Vater, der von seinem Vater gezwungen wurde, die Gärtnerei zu übernehmen, weil dieser sie nicht an seinen schwulen Sohn, Manuels Onkel Richard übergeben wollte. Dieser hatte daraus seinen Hass auf alle gleichgeschlechtlichen Menschen gezogen.“

 

Diesmal sagte Mario: „Peter, ich hoffe nur, dass es bei mir und meinem Bruder Peter nicht so endet, dass mein Vater die Gärtnerei an den Gutshof verkauft und ich von Peter als Betriebsleiter der Gärtnerei Huber GmbH eingestellt werde.“

 

Sein Bruder Peter grinste und meinte: „Das glaube ich wäre, die schlimmste Strafe für unseren Vater, wenn Peter genauso vorgehen würde. Immerhin würde dir Peter in diesem Fall beweisen, dass du aus seiner Sicht nicht minderwertig bist, so wie das Vater immer von dir behauptet und mich deshalb als seinen Nachfolger haben will.

 

Ich will die Gärtnerei nicht, sie ist dein Traum, den du weiterleben und mit dem du glücklich werden sollst. Peter hat mir angeboten, dass ich entweder Forstwirt werden kann oder in einem Unternehmen der Gutshof-Gruppe eine kaufmännische Ausbildung absolvieren kann, auch gegen den Willen meines Vaters.“

 

Wieder war ich es der erklärte: „Mario, du hast uns mit deiner Erklärung selbst eine von verschiedenen Möglichkeiten aufgezeigt, wie du weiter in der Gärtnerei Huber GmbH die Führung übernehmen kannst. Ich würde darin sogar Vorteile sowohl für dich als auch für Manuel sehen. Ihr beide könntet zusammenarbeiten und gemeinsam ein noch größeres Spektrum an verschiedenen Gemüsesorten anbauen und gemeinsam vermarkten.

 

Immerhin hat mir Manuel erklärt, dass der Betrieb inzwischen weniger Gemüse entsorgen muss, weil es nicht den Normen des Handels entspricht, da bei uns im Restaurant dieses Gemüse verwendet wird. Sebastian, unser Chefkoch meinte einmal, auf dem Teller sieht kein Mensch, ob das ein genormtes Gemüse war oder krumm gewachsen ist.

 

Ich schaute in die Runde und meinte: „Es ist jetzt kurz vor zweiundzwanzig Uhr, wir sollten unser Gespräch für heute unterbrechen, morgen treffen wir uns um neunzehn Uhr wieder, diesmal aber nicht im Büro, sondern in der ersten Etage des Gutshauses in unserer Wohnung. Dort werden wir das Gespräch fortsetzen und nach weiteren Lösungen für euer Problem suchen. Peter dich will ich morgen Vormittag noch einmal bei den Vorstellungs­gesprächen für die kaufmännischen Beruf sehen.“

 

Wir verabschiedeten uns, ich ging nach oben in die Wohnung, wo bereits Thomas, Dennis und Felix auf mich warteten. Peter ging ins Gesindehaus, sein Bruder Mario fuhr nach Hause und unsere zwei Gärtner gingen zurück ins Verwalterhaus. Manuel meinte noch, bevor wir uns trennten: „Eine blöde Situation für Mario, ich wünsche mir für ihn, dass wir eine vernünftige Lösung finden. Seine Idee mit dem Kauf könnte mir gefallen, auch wenn sie Mario nicht so gut findet. Mario würde den Betrieb seiner Eltern leiten, ich den Betrieb meiner Eltern und gemeinsam könnten wir ein noch größeres Spektrum an Gemüse erzeugen und dem Handel anbieten.“

 

Thomas fragte mich auch gleich, ob wir bereits ein Ergebnis erzielen konnten. Ich verneinte, da Manuel zuerst erzählen musste, warum er jetzt beim Gutshof beschäftigt ist und er nicht als Betriebsnachfolger die Familientradition fortsetzt. Immerhin hat Mario dabei herausgefunden, dass der Gutshof die Gärtnerei aufgekauft hat und Manuel als Betriebsleiter arbeitet, was auch ein möglicher Lösungsweg für ihn wäre.

 

Nur vorstellen kann und will er sich das derzeit noch nicht. Ich bin überzeugt wir finden eine bessere Lösung für Mario und Peter, die auch seinen Vater überzeugen kann. Wir setzen uns morgen Abend noch einmal zu einem weiteren Gespräch zusammen, dieses Mal aber in unserer Wohnung. Zumindest habe ich Peter gebeten morgen an den Vorstellungsgesprächen für die kaufmännischen Auszubildenden teilzunehmen. Damit legen wir zumindest für ihn die Voraussetzungen fest, dass er nicht in die Gärtnerei einsteigen muss.

 

Ich erklärte, dass ich von den Vorstellungsgesprächen geschafft sei und gerne ins Bett verschwinden würde. Morgen ist auch noch ein anstrengender Tag, danach kann es nur noch besser werden, dachte ich zumindest.

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